kielkropf,
m. misgeburt, als teufelskind (
zwergkind), '
wechselbalg'
gedacht, nd. (
auch md.) kîlkrop. Stieler 949
schreibt külkröpfe,
wechselbälge. 11)
belege: wechselbelge und kielkröpfe legt der satan an der rechten kinder statt. Luther
tischr. 210
b; wechselkinder,
die denn die Sachsen nennen kielkröpf. 213
a (
er scheint es also nur als nd. gekannt zu haben); wie man kielkröpfe, die der teufel untergeschoben, so lange geiszelt bis er die ausgewechselten geburten zurückbringt. J. Paul 33, 65 (
dämmerungen); von dem teufel sollte man
den irrthum am wenigsten erwarten, dasz die erstgebornen prinzen zuweilen wechselkinder (kielkröpfe) sein.
liter. nachlasz 4, 100; der pasquillant sollte nie vergessen, dasz er
auch als rezensent .. sich oft mit kielkröpfen und teufelskindern behalf.
teufels pap. 2, 118.
Im 16.
jh. auch nd. mit p (
das aber auch md. ist): denn was zur selben zeit der reinigung empfangen wird, wird auch ein untüchtige, gebrechliche frucht, als wahnwitzige kinder, natürliche narren, kilkröppe, wechselbelge, und dergl. menschen die zurütt gehirn ir lebenlang haben. Luther 8, 90
a; etliche werden in mutterleibe jemmerlich gezeichnet .. mit hasenscharten, ungeschaffenen haupten wie die kilkröp auf dise welt geboren. Mathes.
Sar. 202
b.
dieselbe form meint kilkrob: was ('s) für thiere, obs kobold, kilkrob, nixen oder alpen gewest weren. Luther 6, 120
b.
Hier, in der gesellschaft der kobolde, nixen,
zeigt sich der kielkropf
in seinem eigentlichen wesen, selber als zwerg gedacht. so bei Göthe: geschwätz von kielkröpfen 57, 274 (1850 13, 254),
in der Walpurgisnacht in den paralip. zu Faust, er meint gnomenartige wesen, berggeister, vgl. unter kielkröpfig. Luther
gibt auch eine erklärung des wortes: wechselbalk oder kilkropf, welches man darumb so heiszt, dasz es stets kilt im kropf.
tischr. 213
b (
Erl. ausg. 60, 40).
s. dazu 5. 22)
der teufel ist in dieser christlich gebildeten auffassung an die stelle der zwerge, wichtelmännchen, nixe gesetzt, die noch nach heutigem volksglauben menschenkinder entwenden und ihre eignen dafür unterschieben, welche an misgestaltung, besonders an dicken köpfen, überdiesz an stummem und gefräszigem wesen zu erkennen sind und bald sterben; sie heiszen auch wechselkinder, wechselbälge, wichtelbälge, dickköpfe,
s. Grimm myth. 437,
bair. wasserkind Schm. 2, 375,
oberpf. wasserbutte Schönwerth 1, 194,
und sind seelenlos, nur ein stück fleisch, eine massa carnis da keine seel innen ist Luther
a. a. o.; diese, die seele sollen sie eben durch die menschliche muttermilch erhalten (
s. die hessische sage myth. a. a. o.).
genaueres bei Wuttke
volksabergl. § 343. 33)
heutzutage wird kielkropf
meist als schelte gebraucht für ein dummes kind, wie gleichfalls dickkopf, wasserkopf, wechselbalg,
und das gleichbed. engl. oaf;
nordfränk. für ein unruhiges kleines kind Reinwald 1, 78;
anderwärts für ein gefräsziges kind, wie im Osterlande, oder für ein misgestaltetes, einzeln auch von erwachsenen. auch bedeutet es misgeburt, misgestalt überhaupt, selbst von thieren, z. b. in Ostpreuszen ein ziegenbock ohne hörner Hennig 121 (
vgl. kielbock);
in Franken ein vogel der im wachsthum zurückgeblieben ist Schm. 2, 290,
hier aber in der form kielkopf. 44)
dieses kielkopf,
für das Schmeller
ausdrücklich auch die bed. wechselbalg angibt, ist vielleicht eine fränk. umdeutung des nordd. kielkropf,
angelehnt an kaulkopf
gleich kaulfrosch. käulköpfe oder wechselbälge (
also kielkröpfe)
erscheinen im Simpl. (4, 7
Kurz),
zugleich als kleine höllengeister, die von der kunst des 17.
jh. als kaulfrösche dargestellt wurden (
s. unter kaulkopf):
also eine völlige vermischung der kielkröpfe und kaulfrösche. anlasz dazu gab leicht, neben dem andern unheimlichen wesen der thiere, der dicke kopf der froschbrut (
daher auch dickköpfe
genannt),
und gerade der dicke kopf ist auch den wechselbälgen wesentlich (
z. b. mythol. 437, Schambach
und Müller
nieders. sagen 132. 134).
zudem heiszt der kaulfrosch auch kielfrosch,
der kaulkopf auch kaulkropf (
s. sp. 351,
gewiss auch von der froschbrut).
vermittelnd zwischen kiel-
und kaul- (
oder käul-)
erscheint Stielers külkropf. 55)
den ursprung von kielkropf
vermutete Frisch 1, 513
c in ahd. chelckropf
struma (
sp. 504). Adelung
gibt sogar als erste bed. '
kropf an der kehle, bes. sofern er von kindern mit auf die welt gebracht wird',
er denkt an kehle;
das sieht aber aus wie der erklärung zu liebe hineingelegt, von kielkropf
als kropf find ich sonst nichts, allerdings von kröpfen als zeichen der wechselbälge; bair. und schwäb. bezeichnet aber kropf
allein einen verwachsenen menschen, zwerg. Luthers
erklärung oben ist wol die in seiner zeit gäng und gäbe, was meint aber das kilen? Reichlin-Meldegg
volksbücher von Faust 1, 11
faszt es so auf: '
die kinder der nixen heiszen kielkröpfe, weil das kielen oder gluchzen im halse ihren wellenursprung verräth'; kropf
bedeutet in der that auch hals, und kilen
so gefaszt findet einen genügenden anhalt in kiel
quell, den wellenursprung aber zeigt u. a. eine erzählung die K. Schiller
zum thier- u. kräuterb. des mecklenb. volkes 3, 39
a aus den preusz. prov. bl. 1847 3, 477
beibringt. da trägt bei Danzig ein bauer einen wechselbalg zur taufe, auf einer brücke aber schreien stimmen aus dem wasser: kielkropp, kielkropp, wo geist hen?
darauf der bauer zum kinde: böst du vom düwel, so gâ ôk tom düwel,
und wirft es in den strom, ganz wie Luther
dem fürsten von Anhalt schon riet. daher denn das wasserbutte, wasserkind
unter 2.
aber auch diese auslegung des 16.
jh. samt der form kann erst eine spätere sein. vgl. den eddischen zwergnamen Kili.
s. auch das wahrscheinlich gleichbed. kolkropf.
ein mhd. name war vielleicht das ulf
wb. 3, 178
b,
denn es entspricht dem ags. ylf,
diesz aber wol dem engl. oaf (Shakespeare ouph)
wechselbalg.