krähe,
f. cornix. II.
Formen, geschlecht, verwandtschaft. I@11)
Die ältesten formen sind überliefert I@1@aa)
hd. als 'chraa'
cornix (Hattemer 1, 290
a), 'chrauua' (
das. 295
a)
und 'chraia' (Graff 4, 587),
also ein stamm kra
in mehrfacher ausgestaltung. I@1@a@aα)
fürs nhd. ist am wichtigsten die dritte form, denn von dem -i-
stammt der umlaut von krähe.
diesz 'chraia'
aber ohne weiteres nur als chrâja
aufzufassen (
genauer wäre chrâjâ,
da es schwachf. ist),
scheint mir nicht recht. nur aus chraia
mit kurzem a
begreift sich ein später ahd. kreia cornix Haupt 9, 391 (
mit umlautung des a
vor i),
das sich auch mhd. und bis heute (
s. 2,
c. 3,
c)
fortsetzt. das stamm-a
war vermutlich von haus aus kurz. doch ist auch ahd. chrâja
schon möglich (
s. unter γ). I@1@a@bβ)
bei 'chrauua'
wiederholt sich der zweifel um â
oder a.
auch hier mag chrawa
das urspr. sein (
wie bei chlawa,
s. unter klaue I, 1,
a);
doch mag es auch schon zu chrâwa
verlängert worden sein, da mhd. krâwe
auftritt. vgl. die entsprechende ags. form unter c. dasz vor einem -w
der vocal sich verlängerte, wird z. b. deutlich an mhd. râwe
ruhe, hinter dem ahd. nicht râwa,
sondern rawa
stehn musz (
vgl. Weinhold
alem. gr. s. 128),
wie der ablaut in ruowe
zeigt. I@1@a@gγ)
zweifel bietet auch 'chraa',
ob es echt und selbständig sei oder schon zusammengedrängt aus den beiden andern formen; für letzteres spräche wol die noch weitere zusammendrängung in chrâ,
die auch schon spät ahd. erscheint. die zusammendrängung ist aber begreiflicher aus chrâja
als aus chraja,
aus chrâwa
als aus chrawa.
also chrâa.
So sind denn aber schon der ahd. zeit mindestens sechs verschiedene formen eigen gewesen. I@1@bb)
fürs alts. ist nur überliefert ein pl. '
cornices, krâiun' (Heyne
kl. altnd. denkm. 90
a),
wahrscheinlicher gleichfalls mit kurzem a,
denn aus kraia
unmittelbar begreifen sich mnd. kreie ('kreye') Dief. 152
a,
nnd. kreie
und kraie (
brem. wb.),
altmärk., ditm. krei,
götting. auch krëje.
daneben mit g
für j (i)
mnd. krege, kregge (Dief. 152
a),
wie noch westf. kräge, krägge, kraije (Fromm. 5, 419).
mnl. craie,
nnl. kraai.
aber im 15.
jahrh. auch nd. craghe Dief.
n. gl. 115
a,
dahinter mag altes crâja
stehn; krâge
findet sich noch jetzt. eben taucht auch ein alts. 'crae
cornicula'
auf (
Germ. 13, 480
a).
die form mit -w
geht dem nd. ab. I@1@cc)
dagegen ist nur diese dem ags. allein eigen, crâwe
f. (Ettm. 400),
auch wie ahd. mit herausdrückung des w crae
und cr Dief. 152
a.
daher engl. crow,
dial. craw, cra,
auch crag (
wie nd. unter b) Halliwell 277
a.
Das ahd. vereinigt also da einmal auf seinem boden die beiden bildungen, in die sich das altnd. und ags. getheilt hatten. in einem andern falle hat das nd. beide, s. kleien 3. I@22)
Die mhd. formen. I@2@aa)
vorherschend war da krâ (
s. 1,
a, γ),
worin das â
alles andere gleichsam verschlungen hat, wie bei klâ
klaue. im pl. krân,
statt krâen (
ahd. chrâûn).
s. die beispiele im mhd. wb. 1, 869.
das ist denn noch jetzt landsch. rein erhalten (3,
a).
daneben aber liefen mhd. noch mehr nebenformen als ahd. I@2@bb)
noch in voller form krâwe (Dief. 152
a): beroufent aber in (
den raben) die pfâwen, sô schrîent über in die krâwen.
Renner 1825.
auch das kam noch ins nhd., s. 3,
b. I@2@cc)
noch ursprünglicher aber kreie (
wb. 1, 869
a),
alemannisch: dô begunden in an schrîen kreien unde wîen.
gute frau 1867 (Haupt 2, 447),
in der hs. (
alem. 15.
jh.) kräyen,
vgl. unter 3,
c, α kräy;
[] ein kreie zuo eim edeln valken sprach.
MS. 2, 2
b (
vgl. kreije
sp. 1967).
übrigens galt es auch auf mitteld. boden nach 'kreynnest'
livl. chron. 3754 (
s. 331),
wo dann kreie
dem nd. die hand reichte (
s. unter 1,
b). I@2@dd) kræje,
wie in der livl. chron. Pfeiffer
in den text setzte (
auch Bon. 11, 25,
wo aber kranich gemeint ist, s. II, 1,
c),
bedarf annoch des beweises. er liegt aber vor nicht nur in krähe
selbst (
s. e),
auch aus dem 15.
jh., nur mit später vergröbertem j,
in krg Mones
anz. 6, 345, kreg Haupt 5, 416, 100 (
els.), Dief. 152
a,
s. auch 3,
d. I@2@ee)
daneben mit herausgedrücktem j
pl. kræen Megenberg 182, 25
u. ö. (
vgl. sing. chræ, kr
u. e, β),
und das ist denn eigentlich schon unser krähe,
dessen h
ja stumm ist. I@2@ff)
ferner krô
Helbl. 12, 34 (
durch den reim gesichert),
und wieder auch mit umlaut krœn
pl. Haupt 7, 357
var. (14.
jahrh.),
jenes in voller form 'krowe'
Freid. 142, 15
var.; das kann blosze vergröberung sein aus krâ, krâwe,
aber vgl. klô
klaue, ahd. chlôa
sp. 1026
mitte, die unmittelbar auf chlawa
mit der urspr. kürze zurückzugehn scheinen. I@2@gg)
auch kræwe
musz bestanden haben, denn nur daraus begreift sich im 15.
jh. krew, kreu Dief. 152
a (
vgl. auch krewa
cornix dess. nov. gl. 115
a, krewe
Boner. 11, 25
var.).
es erscheint als nebenform zu kræje,
dieses mit krâwe
vermittelnd; vielleicht schon ahd. chrâwia?
s. auch unter krähen I, 2,
e. I@2@hh)
ob das krœn
pl. (
s. f)
und das chrön 3,
k auch auf mhd. krœje
führt? oder krœwe?
letzteres steckt wirklich in 'kröwen'
pl. Megenberg 199, 27
var., s. mehr 3,
h. I@2@ii)
endlich schon mhd. auch chrâhe Dief. 152
a (
vgl. das 'kraha'
nov. gl. 115
a),
wahrscheinlich mit ausgesprochenem h,
wie es auch sonst für -j-
oder -w-
hinter dem stammvocal eintrat; die form schlieszt sich an ahd. chrâa (1,
a, γ)
an. I@33)
Die nhd. formen (
mit einschlusz des 15.
jh.). I@3@aa)
dem mhd. krâ
entsprechend I@3@a@aα) kra: darumb kratzet kein kra der andern ein auge aus. Luther 4, 528
a.
im pl.: dolen und kraen. 5, 21
a (
in den br. 4, 7
vom herausg. in krähen
gebessert). nebelkra H. Sachs 1, 426
a, pirgkra 426
c.
so noch oberd. und md., z. b. sächs., hier im pl. krâen,
sg. auch krâe.
oberd. im pl. krân (
wie mhd.),
fastn. sp. 992, 3 (
s. II, 3,
a)
und noch jetzt mehrfach. I@3@a@bβ)
unsicher ist im 15. 16.
jh. krae,
s. unter e, β. I@3@a@gγ)
auch krah,
was sich aber mit krahe
mischt (
s. unter i): die krah lesset ires hüpfens nicht. Agricola
spr. nr. 339; ohn dasz die krah mit meinem gut nach räuber art sich schmücken thut. Opel
u. Cohn
der 30 jähr. kr. 437, 100. I@3@bb)
dem mhd. krâwe
entsprechend: es beiszt kein krawe der andern die augen aus.
Agricola spr. 27
a.
auch krauwe (
vgl. dazu u. c a. e.): wann der wolf alt wird, so reiten ihn auch die krauwen wol. Gartneri
dict. prov. 101
b.
auch kraue oder krau: chraun
pl. Megenberg 199, 27
var.; von alster, krauen, geiern und weien. Liliencron
volksl. 2, 133
b, 97. krau
heiszt es noch im nordungr. berglande Schröer 73
b,
in der Oberpfalz Schmeller 2, 377. I@3@cc)
mhd. kreie
lebte fort I@3@c@aα)
besonders alem.: die krei ist usgeflogen dem steinbock in sin land. Lenz
Schwabenkr. 120
b. 121
a; der steinbock was die kreien (
sg.) anjagen wol in dem grünen wald. 122
a,
in einem schweiz. liede von der schlacht auf der Malser heide (
auch bei Körner
hist. volksl. 35, Liliencr. 2, 395),
die krähe ist der östr. adler, der steinbock Graubünden. auch kräy Frisius, Maaler, kraye Junius 44
b, kraj Liliencron 2, 25
a (
v. 13),
was dem ahd. chraia
noch ganz nahe steht: viel weniger dann ein spinnenweb ein atzel oder krAey kan aufhalten. Fischart
bien. 1588 45
b; wenn die kray singt .. verkündt sy ein ungwitter. Heuslin
Gesners vogelb. 163
a.
so noch schweiz., vorarlb. I@3@c@bβ)
aber auch auf mitteld. boden (
vgl. u. 2,
c): von den dolen oder kreien. Luther 3, 313
b.
und fränkisch, kraye, kray Hohberg 2, 650
a.
auch mittelrheinisch in einem voc. des 15.
jh. krey Dief. 152
a (
woran sich dann nl. kraai,
nd. kreie
schlieszt).
md. noch im 17.
jh.: sie heiszen mich die diebisch krei. ihr groszen herrn, kommt auch herbei!
vogelsang, Opel
u. Cohn
30j. kr. 436. I@3@c@gγ)
hierher auch kreige (
Freid. 142, 15
in B),
els.: uf das die fögel, kreygen und rappen die (
die trauben) nit abessent. Keisersberg
post. 3, 81
b,
wie ebend. seygen
säen, 81
a meygen
mähen; [] so du gar redest unbedacht, wirst du gezelt der kreigen glich, die selber gern hort singen sich. Brant
thesmoph. 163 (
s. 148
b).
Es ist vergröbert aus kreije,
das sich wol mhd. auf alem. boden verrät in 'derselben kreyien' (
vorher kreie)
MS. 2, 2
b.
da ist das -i-
aus ahd. chraia
zu -ij-
verbreitert, ganz wie in krauwe
das w (uu)
von ahd. chrawa
zu -uw-. I@3@dd)
ebenso lebte kræje
vergröbert nach in kräg Dasypod. 42
b (krAee 366
d),
gewöhnlich krege, kreg (
s. schon unter 2,
d): kein kreg ein dulen macht. Murner
schelm. 2
a; gar vil (
der fliehenden) die klummen uf die böm ... man schosz si als die kregen (: wegen = wæjen). Veit Weber
in Wackern.
leseb. 1053, 25 (1859 kræyen 1251, 33), Liliencr. 2, 93
b; sie thet auch in den kessel legen ein hirn von einer alten kregen. J. Wickram
bei Haupt 8, 407. I@3@ee)
aus kræje
ward aber auch kräe (
schon später mhd. 2,
e),
wo doch der umlaut das einstige -j-
noch ausweist. I@3@e@aα) krAee Dasypodius 366
d, Schönsleder.
in einer fabel bei Waldis 1, 65 von der krAeen und dem schaf: das leid, das dir die krAee jetzt thut.
v. 5; die krAee sprach 'weisz wol, wem ichs thu'.
v. 10,
und 2, 7 von der krAeen: ein dürstig krAee ein eimer fand.
v. 1;
der vers aber zeigt, dasz mit krAee
nur krAe
gemeint ist, wie z. b. Stieler
schreibt. So ist im 15. 16.
jh. oft ehe, wehe
u. dgl. gedruckt und geschrieben, auch oberdeutsch, wo der vers eh, weh
ausweist, so ist mit rehekalb
bei Waldis 3, 68
überschr. sicher nur rehkalb
gemeint. diesz -e
scheint auf grammatischem denken zu beruhen, das die regel wenigstens fürs auge herstellte. I@3@e@bβ)
deshalb ist 'krae'
unsicher, ob nicht krâe
oder krâ
gemeint ist (
nach a); krae
z. b. Dief. 152
a,
voc. 1482 r 2
b, Alberus z 1
b,
noch im 17.
jh. bei Logau,
als einsilbig: wo die krae dem schweine lauste. 2, 246.
bei Fischart
doch deutlich für krAe,
im reime: den einen weisz gleich wie der schne, den ander wie ein winterkrae.
Domin. 784 (1, 153
Kurz).
in vocc. des 15.
jh. chræ, krAe,
auch kre Dief. 152
a. I@3@ff)
auch krô,
nicht nur im 15. 16.
jh. (Dief. 152
a): auf einem schaf da reit ein kro, sie sang und war von herzen fro. Waldis 1, 65, 1, holkro H. Sachs 1, 426
c,
sondern auch heute noch, z. b. in tirol., schles. mundart. im pl. drei kroen (
neben ein kro)
in einer hs. (2)
der Lüneb. ritteracad. Aber auch im sg. kroe Dief. 152
a,
vermutlich mit demselben -e
wie unter e, α,
das nur fürs auge da war. vgl. kroenbein
fastn. sp. 584.
freilich ist doch auch krö noch nhd. vorhanden, s. unter h. I@3@gg)
auch das vermutete mhd. kræwe (
s. 2,
g)
noch im 16.
jh. als kräw, kreu: ain kräw beiszt der andern die augen nicht ausz. Schades
sat. u. pasqu. 3, 144; ein trostel die het ich im kefich, und ein kreu wie die dorfbauern haben.
dialog des 16.
jh. (
s. unter dorfbauer). I@3@hh)
ebenso krœwe,
wo nicht krœje(?)
als krö: es ist dahin geschrieben (
d. h. in den kamin), das es kein kuh ableckt und kein krOe auskratzt. Agricola
spr. nr. 339 (
Wittenb. 1582),
auch in der erklärung nachher kein krOe wirds auskratzen. I@3@ii) krahe (
auch schon mhd.) Junius
nom. 44
b: kein krahe pickt der andern die augen aus. Fischart
ged. 1, 168
Kurz; wie im herbst rottenweis die krahen (: sahen).
froschm. D 1
b; es sei keine (
theurung) nie so grosz, dasz nicht die priester wein und die krahen nüsse haben. Zinkgref 1653 1, 158.
Im sing. meist krah Dief. 152
a: die krah klagt auch recht über mich.
Reinicke fuchs Frkf. 1583 117
b; dein unschuld sihet man wol da an dem kaninichen und der krah. 137
b.
Freilich mischt sich das völlig mit kra (
a),
da im 16. 17.
jahrh. das h
schwerlich irgendwo noch gesprochen wurde. I@3@kk)
endlich auch mit dem n
der (
schwachen)
flexion oder des pl. bair. östr. krân (grn Castelli 148),
tirol. krôn Schöpf 339,
und schon im 15.
jh. in einem bair. voc. '
cornix ein chrön' Fromm. 4, 296
b,
was zu krö
unter h gehören wird. ebenso zu krei (
c)
in der Straszb. gemma 1518 F iij
b cornicula ein kreyn
neben cornix ein krey.
es ist wie brein (
s. d.)
neben brei, klein
neben kleie
sp. 1085
mitte, wie bogen
für mhd. boge.
ganz merkwürdig aber nrh. krôl
f., z. b. in Köln. [] I@3@ll)
diese fülle von formen muszte für die höhere und büchersprache verwirrend sein. Agricola
z. b. brauchte in demselben buche krah
und krö (
vermutlich nach seinen quellen), Luther kreie
und kra, Fischart krahe, krae, kräh
und kräy (
s. m, γ), Waldis
in demselben gedichte krAee
und kro,
letzteres freilich als reimwort zur aushilfe (
s. f),
denn dem dichter diente die formfülle jener zeit zum vortheil. man liesz auch dem leser die wahl: so durstig war ein kreie oder krae im heiszen sommer. Kirchhof
wendunm. 1603 7, 139. I@3@mm)
die nötige rettung brachte endlich krähe, und die getroffene wahl ist gut zu nennen. I@3@m@aα) krähe
schlieszt sich dem klange nach an das ahd. chrâja
an (1,
a, α)
und zwar über das mhd. krâ
hinweg, gegen dessen starke verstümmelung das nhd. wort in seinem rückschritte selbst einen fortschritt darstellt. dabei bleibt es in gleicher linie mit andern wörtern derselben urspr. gestaltung, wie mähen,
vor allem mit krähen,
dessen formschicksale denen von krähe
durchaus gleichen. I@3@m@bβ)
auch die schreibung ist geschichtlich wolbegründet. wie das h
schon mhd. statt des urspr. -j
erscheint (
s. 2,
i, damals freilich gesprochen),
so ist es z. b. in krähen
schon ahd., und stimmt zu dem in wehen, drehen, nähen, kühe
u. a. I@3@m@gγ)
welcher einflusz oder welche mundart krähe
durchgesetzt hat, weisz ich nicht. neben 'krAee'
oder 'krAe' (
e, α)
erscheint es zwar einzeln auch mit h
oberd. im 16.
jh.: dasz er (
Longinus) blind gewesen, und als er nach einer krähen zustechen vermeint, in Christi seit gestochen hab. Fischart
bien. 1588 158
b,
aber gleich darauf nennt er ihn der gut blind krAeyenstecher,
d. h. er fällt im scherzenden tone in die alem. mundart (
s. 3,
c, α)
und jenes scheint künstlich angenommen. kräh
sg. ebend. 110
b. 116
b (
s. unter II, 3,
b),
und in 'nachtrab oder nebelkräh' (
dicht. 1, 3
Kurz).
Natürlich auch krehe
oder kreh (
noch im 17.
jh.): der huhu (friszt) der krehen (eier).
Garg. 196
a (362
Sch. krähen); weil ich schon hör und sih den flug der lauten rappen, hetzen, krehen. Weckherlin 464; die krähe geht ihres hüpfens nicht ab. Colerus
hausb. (1640) 477.
aber der sieg von krähe
fällt erst ins 18.
jh., noch Stieler
schwankte zwischen krä
und krähe,
noch Denzler
zwischen krähe
und krehe. I@44)
Über das geschlecht ist zu bemerken, dasz auch ein masc. besteht. denn östr. heiszt es der grn Castelli 148 (
bei Höfer 2, 161
doch die krân),
auch schweiz. der kray
neben die kray Stalder 2, 127.
das ist sicher alt, gestützt durch die form krähin (
s. d.)
und vielleicht zusammenhängend mit der verwechselung von rabe
und krähe (
s. II, 1,
a).
ebenso ist krack
sowol m. als f., für krähe und rabe. I@55)
Ursprung und verwandtschaft. I@5@aa)
der name des thiers gibt im stamme deutlich sein geschrei wieder (
s.kra!),
die krähe, chraia
musz als die krächzende, die kra kra
schreit, bezeichnet sein; vergl. krähen II, 2,
a von der krähe, und die unter krack
krähe 2,
b genannten wörter für krächzen,
die einstimmend weit über das germ. gebiet hinaus gehn. I@5@bb)
als nächst verwandt erscheint eben diesz krack,
altn. krâka
u. s. w. (
sp. 1927),
mit kürze und länge wechselnd wie ahd. chraia
und chrâja.
die wiederholung des k
im auslaute darin ist, als hätte man damit doppelt 'kra kra!'
wiedergeben wollen, wie in krâken (crocire
u. s. w.)
neben krähen,
ahd. chraian. I@5@cc)
aber auch mit anderm auslaut krapp
rabe (
s. d.),
und noch anders innerlich gestaltet isl. krúnkr
m. rabe (krúnka
krächzen),
daneben norw. krump
m. rabe, und neben diesem wieder altn. krummi
und krumsi
m. rabe, auch kramsi, kraumsi (Egilsson).
also grosze manigfaltigkeit, aber immer mit kr-
als grundlage. doch auch mit kar-
in karocke
saatkrähe sp. 222 (15.
jh. karok Dief.
n. gl. 156
b),
und mit kor-
in altn. korpr
rabe, schott. corby (
finn. korppi). I@5@dd)
aber das kr-
oder k-r
setzt sich fort weithin in die urverwandten sprachen: lat. corvus
rabe, skr. kâravas
krähe (
deren bildung an ahd. chra-wa
erinnert),
ferner lat. cornix
krähe, gr. κορώνη krähe, κόραξ rabe (
diesz mit k-r-k
als grundlage).
dann lett. krauklis
rabe, poln. kruk,
böhm. krkavec;
merkw. niederwend. karwona
krähe (
vgl. altsl. vrana
krähe);
wegen des mangels der lautverschiebung s. sp. 3. Nemnich
nennt auch armen. kara
krähe, tatar. karga,
neugr. κάργα u. a. I@5@ee)
ich kann mich nicht entbrechen daran zu erinnern, dasz die fragliche grundlage, nur mit andrer lautstufe, nämlich als hr-,
eig. auch in rabe
und mhd. ruoch
krähe vorliegt; denn jenes hiesz urspr. hraban
und stimmt demnach im lautstoffe zu krapp
rabe, das andere aber war ahd. hruoch,
das ebenso zu krack
stimmt. [] IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
nicht unsere krähe
allein führt diesen namen. II@1@aa)
auch der rabe. so in Hessen: 'krâ
f., pl. krâwe,
wird im kreisze Hünfeld nicht blosz die krähe, sondern eigens auch der rabe genannt'. Vilmar 222.
ebenso flämisch krauw
f., rabe und krähe, s. Schuermans 289,
und gewiss noch anderwärts; hier erklärt sich wol Nemnichs kräge,
rabe sp. 1927 (
α).
Auch krack
sp. 1927
ist sowol krähe als rabe, und umgekehrt braucht in Sachsen, Thüringen das volk oft rabe
mit für die krähe. dasz man aber seit uralter zeit beide vögel in nächste verbindung brachte, zeigt sich in merkwürdigster weise unter krähin (
s. d.),
wo die krähe
als frau des raben
erscheint, bei Germanen und Slaven. Beide namen begegnen und kreuzen sich förmlich bei einer art, corvus corone, sowol die schwarze
oder aaskrähe, hauskrähe,
als auch der kleine rabe,
aber auch die rabenkrähe
genannt (Nemnich 2, 1241).
vergl.krähendohle, krähenspecht. II@1@bb)
auch der häher in einigen arten. die mandelkrähe
oder garbenkrähe, blaue krähe
u. ä. heiszt auch weizhäher, birkenhäher
u. ä. (Nemnich 2, 1214),
der nuszhäher
auch die nuszkrähe (2, 1237),
kärnt. gragl
m., was ebenso zu krack
krähe stimmt, auch nord. wird er als kraka,
d. i. krähe bezeichnet (
s. sp. 1927).
in folg. ist vielleicht der nuszhäher gemeint: es sei keine (
theurung) nie so grosz, dasz nicht die priester wein und die krahen nüsse haben. Zinkgref 1653 1, 158. II@1@cc)
eigner weise hieszen ahd. auch der kranich und der staar chreia (Graff 4, 587),
völlig wie chreia
krähe (I, 1,
a, α).
doch bedarf diesz zusammentreffen genauerer prüfung (
s. unten krei
kranich und staar).
aber der urbegriff des krächzenden, kreischenden schreiens wird auch ihnen zu grunde liegen. II@22) krähe
kurzweg im engern sinne ist die graue krähe,
die gemeine, corvus cornix, auch nebelkrähe, asch- winter- holz- schild- sattelkrähe
genannt. nahverwandte arten sind die saat-, feld-
oder ackerkrähe,
auch schwarze krähe,
ferner die alp-
oder schneekrähe,
die Schweizer
oder steinkrähe
u. a. II@33)
in redensarten drückt sich ihre eigenart aus. II@3@aa)
als thier, das dem aase nachgeht: nun mueszdu si zu einem weib haben, oder dich essen kran und raben.
fastn. sp. 992, 3, '
oder du verdienst todesstrafe'.
so auch in rechtsbüchern: daʒ man teilet den lip (
des missethäters) den krahen und daʒ gut den erben und die lehen den hern.
Marinzer gewohnheitsrecht, anf. 15.
jahrh., Mones
anz. 7, 360,
vgl. J. Grimms
rechtsalt. 41. II@3@bb)
daher wird sie der sanften taube
entgegengestellt: hört nur zu und merket wol darauf (
auf das wunderliche argument), dann hie wird ein kräh ein taub machen. Fischart
bienenk. 1588 116
b,
d. h. hier wird ein unmögliches möglich gemacht werden (
vgl. Murner
unter I, 3,
d kein kreg ein dulen macht); wer will die kräh nicht für die taube geben? Schlegel
sommernachtstr. 2, 2,
bei Shakspeare change a raven for a dove.
Eigen ist der zweifel, ob die krähe
auch ein vogel
sei: und es musz darbei bleiben, und solt auch kräh kein vogel sein. Fischart
bien. 1588 117
a,
auch bei Marnix al soude craey gheen voghel zijn 111
a,
es ähnelt dem zweifel, ob der daumen
auch ein finger
sei (
s. 2, 846).
Ihre schwarze farbe wird hervorgehoben: swer die krân tweht (
wäscht), des (
so l.) mêret sich ir swarzer glanz.
krone 2056,
vgl. Zingerle
sprichw. im mitt. s. 84; wie die krähe im schnee (mondschein),
so schwarz, abstechend. II@3@cc)
andere züge aus ihrem leben: keine krähe hackt der andern die augen aus. Wieland 6, 40. 131 (
vgl. schon u. I, 3,
a Luther); er lebt hier wie die eule unter den krähen,
als zielscheibe des angriffs; die krah lesset ires hüpfens nicht. Agricola
spr. nr. 132;
vom kamin, wo schrift sicher ist, dasz die krähe sie nicht auskratze, s. denselben unter I, 3,
h; dieser vogel lebt gar lang, also dasz man ir alter zu einem gmeinen sprüchwort braucht, da man spricht: er läbt lenger dann ein kray. Heuslin
Gesners vogelb. 163
a. II@3@dd)
ihr erscheinen in menge bei den wohnungen verkündet den winter: wie der Westfale sagt, umb éiner kraie willen wird nicht winter. Spangenberg
jagteufel 2
b.
ihr geschrei aber verkündet unglück, s. z. b. Heuslin
u. I, 3,
c, α.
Damit steht vielleicht in beziehung eine redensart von ihrem mangelnden christenthume: der vom orgelspielen oft so viel verstehet, als die krähe vom sonntage. Mattheson
organistenprobe Hamb. 1719
vorb. s. 6; der patriot (
die zeitschrift) ist ein dummer kerl ...
[] der so viel vom jure verstehet als die krähe vom sonntage.
M. Richey
der patriot, 3.
jahr, Hamburg 1729
s. 433;
dasselbe sprichwort gilt von der katze
und kuh. II@44)
eine art geschütz: anstatt der .. krähen .. und anderer stück, so die alten im brauch gehabt.
Garzoni schaupl. 657
a.