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Kirsche

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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Kirsche

Bd. 2, Sp. 1353
Kirsche 1. D' Kriesi händ Stiel, s' cha näh, wer will; d' Kriesi händ Stei, si g'höre nid eim allei. (Luzern.) 2. Die beste Kirschen fressen die Vögelein. – Gruter, III, 21; Lehmann, II, 84, 150. Würde es nicht thöricht sein, wenn sie sich die schlechtesten aussuchten? 3. Die Kirsche schmeckt sauer, wenn die Säge zu tief in den Baum gegangen ist. 4. Die letzten Kirschen sind oft noch theurer als die ersten. – Altmann VI, 492. 5. Eine geschenkte Kirsche ist so süss wie eine gekaufte Pfirsche. Die Russen: Die geschenkte Gurke hat den Werth einer gekauften Arbuse. (Altmann VI, 386.) 6. Eine Kirsche zieht die andere nach sich. Ein Wort gibt das andere. 7. Gestohlene Kirschen sind süss. Der Sinnlichkeit erscheint alles Verbotene in einem höhern Reize. Verbotene Bücher liest jeder gern. Lat.: Dulce pomum, cum abest custos. (Faselius, 69.) 8. Grüne Kirschen werden auch roth (schwarz). Holl.: Groene kersen worden rood. (Harrebomée, I, 396a.) 9. Kirschen essen ist herrlich, aber auf den Baum steigen ist gefährlich. 10. Je grösser die Kirsche, je grösser der Kern. – Altmann VI, 480. 11. Man muss die Kirschen erst reif werden lassen. Holl.: Laat de kersen eerst wel rijpen. (Harrebomée, I, 396a.) 12. Man muss die Kirschen essen, wenn sie sind (sie dauern nicht). Holl.: Eet kersen als ze ie geboden worden. (Harrebomée, I, 396a.) 13. Mancher isst wol gern Kirschen, aber Bäume will er nicht pflanzen. Lat.: Ficus sunt avibus gratae, at plantare recusant. (Philippi, I, 155.) 14. Nach braunen (reifen, schwarzen) kirssen steigt man hoch. – Franck, I, 81a; II, 6a; Gruter, I, 60; III, 71; Petri, II, 485; Lehmann, II, 430, 9; Latendorf II, 23; Schottel, 1116b; Sutor, 185; Gaal, 1016; Eiselein, 378; Blum, 240; Bücking, 355; Sailer, 170; Siebenkees, 249; Simrock, 5697; Körte, 3411; Braun, I, 1860. Für das, was wir gern haben wollen, wird keine Anstrengung gescheut. n.: Sorte kirsbær ere de beste. (Prov. dan., 521.) Holl.: De bruine kersen zijn de beste, de witte werpt men weg. – Naar bruine (rijpe) kersen keemt men hoog. (Harrebomée, I, 396a.) It.: Il bruno il bel non toglie, anzi l'accresce. (Pazzaglia, 30.) Lat.: Alba ligustra cadunt vaccinia nigra leguntur. (Virgil.) (Gaal, 1016; Sutor, 185; Philippi, I, 16; Seybold, 16.) 15. Nach rothen kersten versteigt man sich, nach schwarzen felt man sich gar zu tod. – Nas, 95a. 16. No de schwarze Kîrsche schtêcht em hî. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 334. Damit schmeichelt man in Siebenbürgen den Brünetten. 17. Reife Kirschen abbrechen ist lustig, aber Stehlen gefährlich. – Eiselein, 378. 18. Um eine schwarze Kirsche steigt man höher 'nauf als um eine rothe. Je schöner das Mädchen, desto mehr Anstrengungen werden gemacht, in dessen Besitz zu gelangen. 19. Vergiftete Kirschen bringen einen Herzog um. – Sailer, 132; Simrock, 4678. Dies Sprichwort entstand im Jahre 1291, in welchem Herzog Friedrich, Sohn des Markgrafen Dietrich des Weisen, auf dem Schlosse Hirsenstein an der Elbe an vergifteten Kirschen starb. 20. Viel Kirschen fallen ab, ehe sie reif werden. 21. Vnreiffe Kirschen schmecken nicht. – Petri, II, 560. 22. Wenn die Kirschen abblühen fein, so blüht auch Getreid' und Wein. – Boebel, 90. 23. Wenn die Kirschen gut verblühen, wird der Roggen auch gut blühen. (Kreuznach.) – Boebel, 96. 24. Wenn die Kirschen reif sind, braucht man den Spatzen keinen Boten zu schicken. Die Russen: Sind die Kirschen da, werden die Spatzen sich finden. (Altmann VI, 498.) 25. Wenn die Kirschen vorbei sind, schmecken sie noch einmal so gut. Die Russen: Wenn man die Kirschen verloren hat, dann läuft einem erst das Wasser im Munde zusammen, wenn man ihrer gedenkt. (Altmann VI, 448.) 26. Wenn me Chirsi g'winnt (pflückt), so sell me- n-ungernohn (unten) -n-afoh. (Solothurn.) – Schild, 64, 95. Vom natürlichen Entwickelungsgang. 27. Wer gern Kirschen isst, lernt bald (leicht) klettern. Die Russen: Wer Lust genug nach den Aepfeln am Baume hat, dem wird das Kletternlernen nicht schwer werden. (Altmann VI, 456.) 28. Wer gute Kirschen essen will, muss hoch steigen. Holl.: Die kersen wil eten moet ze plukken, of geld geven. (Harrebomée, I, 396a.) 29. Wer Kirschen essen will, braucht in keinen Nussbaum zu schlagen. Die Russen: Man braucht den Palmbaum eben nicht umzureissen, um die Datteln zu bekommen. 30. Wie die Kirschen blühen, so blüht auch der Wein. (Pfalz.) 31. Wie Kirschen und Beeren behagen, muss man Kinder und Sperlinge fragen. – Vossische Zeitung vom 14. Juli 1867. 32. Wo du von vielen Kirschen hörst, da bringe einen kleinen Korb. (Neugriech.) 33. A d' Kriesi goh. (Luzern.) Zu eines andern Schatz. 34. Die Kirschen ausfressen und einem den Korb an den Hals hängen. – Luther's Tischr., 407b; Sander's Wb.; Wurzbach II, 215; Eiselein, 353; Reinsberg II, 30; Körte, 3411; Schiller, III, 35a. So nannte Luther die Verheirathung eines Mädchens, das schon ein Kind gehabt, an einen andern, wie sie z.B. in Ugolini's Philogenia vorkommt. – Abhub der Tafel. »Die Herrn von W. wollten einen straffen, dass sein Frau zu früh in das Kindbett kommen wär; weil er aber unschuldig an der That, sondern andere die Kirschen gessen und ihm den Korb an den Hals gehenckt, liess man ihn gehen.« (Zinkgref, III, 358.) »Vnd efft du gelick ein Jungfrouwen Medelin werst, so ein Isern affwerpet (s. Eisen 80) vnd einem den Kasseberen Korff an den Hals henget, also de selige D. Luther von solcken Susteren hefft plegen tho redende, so werstu gelicke wol by Brode vnd Gude blyven, vnd wat denn vnrein an Junckfraw Fuit wert syn, dat wert affwaschen de Elue vnd der Rhyn.« (Gryse, Bg. Q, 2.) 35. Die Kirschen brechen. In demselben Sinne wie Rosen brechen, für (verbotenen) Liebesgenuss. (Vgl. Grimm, V, 846.) 36. Die Kirschen naschen und Gott mit Stielen bewirthen. – Parömiakon, 1957. Die besten Kräfte für die Welt verbrauchen und an Gott denken, wenn die Welt für uns nicht mehr geniessbar ist. 37. Er isst keine Kirschen, sie sind madig. – Reinsberg IV, 133. Der Pechvogel. 38. Er kann mehr als Kirschen essen. (Böhmen.) 39. Er wird nicht eine Kirsche nehmen. Nicht das Geringste veruntreuen. – »Hetten nit ein kirschen abgebrochen, wer nit gewest der schwäbisch bund.« (Soltau, I, 232.) 40. Er würde um eine Kirsche seine Seele verschwören. »Umb ain kerssen het er gesworn.« (Behaim, Wiener, 10, 31.) 41. Mid dên îs's nid guad Keascht'n ess'n. (Niederösterreich.) – Frommann, III, 390, 14. 42. Mit dem ist nicht gut Kirschen essen, er zählt an den Kernen. 43. Sie hat gern zwei Kirschen an Einem Stiel. »Eva und ihre Töchter haben gern zwei Kirschen an eim stiele.« »Die Weiber gern viel haben wollen und nicht ausschlagen zwo Kirschen an einem Stiel.« (Vgl. Grimm, V, 846.) 44. De erschte Kerschen gelden et Geld. – Geschräppels, 9. 45. Die Kirschen schmecken vom Baum am besten. Lat.: Et magis adducto pomum deducere ramo, quam de caelata sumere lance juvat. (Philippi, I, 140.) 46. Es klettert niemand nach Kirschen, der nicht weiss, wie sie schmecken. Aehnlich die Russen: Es sucht keiner einen im Arbusenfeld, der nicht weiss, wie Arbusen schmecken. (Altmann VI, 395.) 47. Grüne Kirschen werden roth, kleine Kinder werden grot. Holl.: Groene Kerssen werden root, kleyne kinders werden groot. (Cats, 18.) 48. Nach schwartzbraunen Kirschen steigt man gern hoch, und nach schwartzbraunen Augen siehet man gern. – Schade, Monatsblätter, VI, 111. 49. Wenn die Kirschen reif sind, muss man sie pflücken. In ähnlicher Weise sagt der Araber von heirathsfähigen Mädchen: Die Datteln sind reif und der Gärtner wehret nicht, sie zu brechen. (Pers. Rosenthal, 198.) 50. Wo man von vielen Kirschen spricht, vergiss das Körbchen nicht. – Sanders, 59. 51. Du sollst auch eine Kirsche haben, wenn sie werden reif sein. (Breslau.)
7787 Zeichen · 225 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kirsche

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Kirsche , plur. die -n, eine Art des Steinobstes, welche in einer runden gemeiniglich sehr saftigen Frucht an einem …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kirsche

    Goethe-Wörterbuch

    Kirsche 1 Frucht des Kirschbaums a als wohlschmeckendes u (besonders für Kinder) begehrenswertes Obst, auch in bildkünst…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kirsche

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Kirsche (prunus cerasus) , bekanntes Steinobst mit 2 Hauptunterarten, dem Süß- u. Weichselkirschbaum , aus denen sich du…

  4. modern
    Dialekt
    Kirschef.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Kirsche f. : 1. a. 'Süßkirsche (Prunus avium)', Keʳsch, Käʳsch (käʳš), Pl. -e [verbr. Wilde 126], (käÄʳš) [verbr. mittl.…

  5. Sprichwörter
    Kirsche

    Wander (Sprichwörter)

    Kirsche 1. D' Kriesi händ Stiel, s' cha näh, wer will; d' Kriesi händ Stei, si g'höre nid eim allei. ( Luzern. ) 2. Die …

  6. Spezial
    Kirsche

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kir|sche f. (-,-n) (Frucht) cherscia (-sces) f. ▬ mit ihr ist nicht gut Kirsche n essen cun ëra stënton da nen gní fora.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kirsche

217 Bildungen · 183 Erstglied · 34 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von kirsche 2 Komponenten

kir+sche

kirsche setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kirsche‑ als Erstglied (30 von 183)

Kirschehr

Meyers

kirsch·ehr

Kirschehr , Hauptstadt eines Sandschak im türk. Wilajet Angora in Kleinasien, am Kilidschli Su, 950 m ü. M., mit reichen Gärten, berühmter T…

Kirscheknupper

LothWB

kirsche·knupper

Kirsche-knupper [-knupər, Pl. –tə Pü. ] m. 1. Kirschkernbeißer (so nennt man spottweise die Bewohner von Zinsingen u. Alstingen, weil sie fa…

kirsche als Zweitglied (30 von 34)

Ahlkirsche

Adelung

Die Ahlkirsche , plur. die -n. 1) An einigen Orten, besonders in Schlesien, die Frucht des schwarzen Vogelkirschbaumes, und dieser Baum selb…

Alpkirsche

Adelung

alp·kirsche

Die Alpkirsche , plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der schwarzen Vogelkirsche, welches S.

Arkirsche

Adelung

Die Arkirsche , plur. die -n, S. Adelung Arlesbeere .

Augústkirsche

Adelung

august·kirsche

Die Augústkirsche , vulg. Augstkirsche, plur. die -n, eine Art braunrother Kirschen, von einem angenehmen säuerlichen Geschmacke, welche in …

Eyerkirsche

Adelung

Die Eyerkirsche , plur. die -n, eine Art Gartenkirschen, welche so weiß und länglich rund wie ein Ey sind.

frühkirsche

DWB

frueh·kirsche

frühkirsche , f. eine art kirschen, die vor den andern arten, nemlich schon im mai oder gleich im juni, reif wird, die maikirsche. nnl. vroe…

glaskirsche

DWB

glas·kirsche

glaskirsche , f. , nach dem hellen durchscheinenden fruchtfleisch und dem glasigen aussehen der gelblich-rosigen oberhaut, vgl. glaskirsche …

herzkirsche

DWB

herz·kirsche

herzkirsche , f. eine kirschenart von herzförmiger gestalt. weisze, rothe, und schwarze herzkirschen. Nemnich.

hohlkirsche

DWB

hohl·kirsche

hohlkirsche , f. prunus padus, vogelkirschbaum und seine frucht. Nemnich 4, 1074 ; auch rhamnus frangula, faulbaum und seine frucht. 1146.

hornkirsche

DWB

horn·kirsche

hornkirsche , f. cornus mascula, kornelkirschenbaum und seine frucht. vgl. hörnerbaum .

hundskirsche

DWB

hunds·kirsche

hundskirsche , f. lonicera xylosteum, heckenkirsche; auch cornus florida, ein Virginischer baum. Nemnich.

judenkirsche

DWB

juden·kirsche

judenkirsche , f. frucht und pflanze von physalis alkekengi, judendocke, judenhut: halicacabum judenkirschen, judenhütlein, judendöcklein Di…

mantelkirsche

DWB

mantel·kirsche

mantelkirsche , f. eine sorte schmackhafter kirschen; heiszt also, weil sie mit ihren blättern, wie mit einem mantel, bedeckt ist. Nemnich.

Maykirsche

Adelung

may·kirsche

Die Maykirsche , plur. die -n, eine Art Gartenkirschen von hellrother Farbe, welche bereits im Monath May reif werden, und wovon eine große …

meerkirsche

DWB

meer·kirsche

meerkirsche , f. frucht des meerkirschenbaums; auch der baum selbst: meerkirsche, arbutus Frisch 1, 654 a .

molkenkirsche

DWB

molken·kirsche

molkenkirsche , f. eine art hellroter frühkirschen, die auf der einen seite molkenweisz aussehen. Nemnich.

Purgier-Kirsche

Adelung

purgier·kirsche

Die Purgier-Kirsche , plur. die -n, eine Art den Kirschen ähnlicher Früchte, welche eine purgierende Kraft haben, und die Staude, welche sie…

teufelskirsche

DWB

teufels·kirsche

teufelskirsche , f. die judenkirsche, boberelle Bock kräuterbuch 99 a ; die heckenkirsche, lonicera xylosteum ( vergl. teufelsholz ) Nemnich…

tollkirsche

DWB

toll·kirsche

tollkirsche , s. dollkirsche th. 2, 1229: vielleicht hab ich die tollkirsch heut gegessen. Arnim schaubühne 1, 60 ; bildlich: tollkirschen s…

träubelkirsche

DWB

traeubel·kirsche

träubelkirsche , f. , prunus padus, ' deren viele an einem stengel hangen ' allg. haushalt. lex. (1749) 2, 88 b ; Holl wb. 282 b ; Metzger p…

vogelkirsche

DWB

vogel·kirsche

-kirsche , f. , name verschiedener kirschenarten und der sie tragenden bäume, daneben für andere gewächse: cerasa Aproniana, weichselbere, v…