Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
hunger stM.
2 übertr. ‘heftiges Verlangen, Sehnsucht (nach etw.)’ (meist mit Präp. nâch, zuo oder Gen.)
1 eigentl.: daz brôt dâ dû mit fertrîbest hungeres nôt Gen 483; der vogel [die Harpyie] hât ainen grimmen hunger und wirt nümmer sat BdN 167,32; Isengrin ane rovb qvam, / der hvnger im die vrevde benam ReinFu K,444; durst unde hunger AvaJG 28,3; si ersterbent hungeres [interl. zu consumentur fame ] PsM C 6,24; Herb 5460; SM:Had 7: 3,6. – ‘Hungersnot’ merkch das dy stat zu Regenspurg verpran von wildem feur und ward da ein grosser hunger, das ain mensch das ander veraz EnikWchr 540 Prosa 9,10; her got, [...]. / sende ûf die Unger / sô getânen hunger, / als dû wîlen sande / zuo Egypten lande Ottok 78401; so ist ein grozz hvnger worden in dem selben riche EvAug 177,19 u.ö.; PrOberalt 10,2. 64,33; Gen 818. – sprichw. (vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 228; TPMA 6,294ff.): der hunger ist der beste koch Freid 124,17; swem aber wê der hunger tuot, / den dunket sûriu spîse guot ebd. 125,1; der hunger die spise suͤzet Rennew 10774; sîn salse was diu hungers nôt Iw 3279. 3306 2 übertr. ‘heftiges Verlangen, Sehnsucht (nach etw.)’ (meist mit Präp. nâch, zuo oder Gen.): frawe zart, [...] ! / wiß, ich lyde großen hunger / nach dir und wird sin niht erlost; / [...]. / aber der hunger den ich von dir han / von leide und trubnisse gar, / den mochstu wol wenden zwar Minneb 2494 u.ö.; hungir und durst zu der gerechtikeit Parad 72,27; Mechth 3: 3,40; Ottok 50066. – i.S.v. ‘Entbehrung, Mangel’ aller der geistlîche hunger und bitterkeit, dâ in [die mit einem Weizenkorn verglichene Seele] got învallen læzet, daz sol er allez gedulticlîche lîden Eckh 2:446,1; der meister und der junger / dort [in der Hölle] muzen den leiden hunger / gotes gnaden immer doln HeslApk 11738. – nur umschreibend: er [Jesus, im Garten Gethsemane] gie hin dan vnd vant die ivnger / begriffen mit dez slafes hunger [schlafend] Martina 32,42
MWB 2 1789,5; Bearbeiter: Hansen