lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Hunger

as. bis spez. · 27 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
31 in 27 Wb.
Sprachstufen
10 von 16
Verweise rein
119
Verweise raus
79

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Hunger

Bd. 9, Sp. 656
Hunger (Fames, Inanition), das Gefühl, durch welches das Bedürfnis nach Nahrung zum Bewußtsein gebracht wird. Die Empfindung des Hungers ist anfangs nicht unangenehm (Appetit, Eßlust), sie wird es erst, wenn man das Nahrungsbedürfnis nicht befriedigt; es stellt sich dann ein Gefühl von Mattigkeit, Muskelschwäche und schmerzhafter Druck im Magen ein. Später nehmen diese Empfindungen zu; länger dauernder H. kann zu großer Aufregung, Irrereden (Inanitionsdelirien), selbst Tobsucht führen. Die Schwäche steigt dabei aufs höchste, die Muskeln versagen ihren Dienst, die meisten Sekretionen vermindern sich oder hören auf, die Schleimhäute werden trocken. Hungernde Tiere werden so stumpf, daß sie schließlich vorgehaltenes Futter gar nicht mehr aufnehmen, sondern unter zunehmender Schwäche zugrunde gehen. Die ersten Empfindungen des Hungers, besonders die lästigen Gefühle im Magen, werden zweifellos durch die Leere des Magens verursacht und gehen von dessen Empfindungsnerven aus. Sie werden durch Füllung des Magens selbst mit unverdaulichen Stoffen (s. Erdeessen) beseitigt. Die später auftretenden Empfindungen müssen als Folge allgemeiner Veränderungen, als Ausdruck des Stoffbedürfnisses des Gesamtorganismus aufgefaßt werden. Auf welchem Wege, durch welche Nervenbahnen dies Bedürfnis zum Bewußtsein gelangt, ist nicht bekannt. Der Stoffwechsel besteht im Hungerzustand fort, aber mit sehr verminderter Energie, so daß die Ausscheidung von Stickstoff und Kohlenstoff auf die Hälfte bis ein Drittel sinkt. Im ernährten Körper regelt sich die Stoffabgabe nach der Einnahme; beim Hungern tritt das Körpergewebe (zuerst das abgelagerte Fett und hierauf das Organeiweiß) an die Stelle der zugeführten Nahrung, bis die Grenze der Existenzfähigkeit des auf diese Weise konsumierten Körpers erreicht ist. Der Tod tritt ein, wenn das Körpergewicht auf drei Fünftel seines ursprünglichen Wertes gesunken ist. Die Frist aber bis zum Tod ist stets abhängig von der Individualität des Hungernden, besonders auch von seinem Fettvorrat. Bei Kindern und jungen Tieren ist der Stoffwechsel lebhafter, sie können demnach das Hungern nicht so lange ertragen wie Erwachsene. Kräftige, wohlgenährte Hunde erliegen dem Hungertod erst nach 4–6 Wochen, der Mensch nach etwa 12 Tagen; bei Genuß von Wasser erträgt er den H. viel länger; bei Melancholie hat man erst nach 41 Tagen den Tod eintreten sehen. Nach dem Vorgang des amerikanischen Arztes Tanner haben in neuester Zeit mehrere Personen 40 Tage und länger angeblich aller Speise sich enthalten (Hungerkünstler). Pferde vermögen 8–15 Tage den H. ohne üble Folgen zu ertragen, wenn sie an Wasser keinen Mangel leiden. Die kaltblütigen Wirbeltiere, namentlich die Amphibien und Reptilien, hungern sehr lange, oft ein ganzes Jahr, doch ertragen sie bei höherer Temperatur den Futtermangel viel weniger leicht als in der Kälte. Am Gewichtsverlust hungernder Tiere sind die verschiedenen Organe sehr ungleich beteiligt. Während Gehirn und Herz nur eine geringe Einbuße erleiden, zeigt das Fettgewebe eine bedeutende Einschmelzung; ganz besonders verlieren die Muskeln an Masse. Wenn der Lachs zur Erlangung seiner Geschlechtsreife in die Flüsse hinaufsteigt, bleibt er gänzlich ohne Nahrung; dabei nehmen aber seine Geschlechtsorgane mächtig an Masse zu, das Material dafür liefert die Muskulatur. S. auch Ernährung. Vgl. Luciani, Das Hungern. Studien und Experimente am Menschen (deutsch, Hamb. 1890).
3451 Zeichen · 31 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    hungerst. M. (u)

    Köbler Anfrk. Wörterbuch

    hunger , st. M. (u) nhd. Hunger ne. hunger (N.) ÜG.: lat. fames MNPs Hw.: vgl. as. hungar, ahd. hungar Q.: MNPs (9. Jh.)…

  2. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    hungerst. M. (a?) (u?)

    Köbler Ae. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    hunger , st. M. (a?) (u?) Vw.: s. hungor

  3. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    HUNGERstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    HUNGER stm. hunger, hungersnoth. goth. huhrus , ahd. hungar Gr. 2,60. Graff 4,962. Ulfil. wb. 65. der hunger was ergange…

  4. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    hungerM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    hunger , M. nhd. Hunger, Hungergefühl, Hungersnot, Hungern, Enthaltsamkeit im Essen Vw.: s. nōt- Hw.: vgl. mhd. hunger, …

  5. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hunger

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Hunger , des -s, plur. inus. das dunkele Gefühl des Mangels ernährender Säfte, die unangenehme Empfindung der Leere …

  6. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Hunger

    Goethe-Wörterbuch

    Hunger 1 als individuelles Körpergefühl: starkes Bedürfnis, Verlangen nach Nahrungsaufnahme; öfter formelhaft neben ‘Dur…

  7. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Hunger

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Hunger (fames) , das Gefühl, welches durch das Bedürfniß nach Nahrung erregt u. vermittelt wird durch die zum Magen gehe…

  8. modern
    Dialekt
    Hunger

    Elsässisches Wb. · +7 Parallelbelege

    Hunger [Hùər allg. ] m. Hunger. Ich hab H. wi e e in Wolf Z. JB. VII 195; ‘er hett Hunger wie e Bär’ Str. Wibble Wibble…

  9. Sprichwörter
    Hunger

    Wander (Sprichwörter)

    Hunger 1. Aus Hunger stehlen ist keine Sünde. – Eiselein, 334. Böhm. : Dluh kormoutí, a hlad krade. ( Čelakovsky, 188. )…

  10. Spezial
    Hunger

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Hun|ger m. (-s) 1 (Bedürfnis nach Nahrung) fan f. 2 (Hungersnot) fan f. , ciarestia (-ies) f. 3 (Appetit) apetit m. 4 ‹f…

Verweisungsnetz

164 Knoten, 164 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 14 Hub 2 Wurzel 2 Kognat 13 Kompositum 118 Sackgasse 15

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit hunger

342 Bildungen · 321 Erstglied · 16 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von hunger

hungern + -er

hunger leitet sich vom Lemma hungern ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von hunger 2 Komponenten

hun+ger

hunger setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

hunger‑ als Erstglied (30 von 321)

Hunger I

Idiotikon

Hunger I Band 2, Spalte 1448 Hunger I 2,1448

Hunger II

Idiotikon

Hunger II Band 2, Spalte 1450 Hunger II 2,1450

hunger(s)tōd

Idiotikon

hunger(s)tōd Band 12, Spalte 481 hunger(s)tōd 12,481

Hungerborn

SHW

Hunger-born Band 3, Spalte 809-810

Hungerdarm

SHW

Hunger-darm Band 3, Spalte 811-812

Hungergorz

SHW

Hunger-gorz Band 3, Spalte 811-812

Hungerjahr

SHW

Hunger-jahr Band 3, Spalte 811-812

Hungerkur

SHW

Hunger-kur Band 3, Spalte 811-812

hunger als Zweitglied (16 von 16)

Bärenhunger

RDWB1

Bärenhunger m ~ haben - голоден как волк идиом.

Heißhunger

RDWB1

Heißhunger m волчий аппетит идиом.

Mordshunger

RDWB1

Mordshunger m ~ haben - кто-л. голоден как волк

geldhunger

DWB

geld·hunger

geldhunger , m. geldgierigkeit Henisch 1465 : gelthunger, aus wem machstu nit einen Unger. S. Frank spr. 1, 119 b , Henisch ; er fühlte das …

Heißhunger

Pfeifer_etym

heiss·hunger

heiß Adj. ‘sehr warm’, übertragen ‘leidenschaftlich, heftig, erregend’, ahd. (9. Jh.), mhd. heiʒ, asächs. mnd. hēt, mnl. nl. heet, aengl. hā…

hundshunger

DWB

hunds·hunger

hundshunger , m. heiszhunger, appetitus caninus, eine krankheit der menschen: den hundshunger oder kuehunger, welchs ein morbus ist, do die …

Küehunger

Idiotikon

Küehunger Band 2, Spalte 1449 Küehunger 2,1449

nachthunger

DWB

nacht·hunger

nachthunger , m. nächtlicher hunger, obscön für das gelüsten nach dem beischlafe ( vgl. nachtfutter): ir vindent gesellen, die üch .. .. den…

nahthunger

Lexer

naht·hunger

naht-hunger stm. weibl. gelüsten nach dem beischlaf Netz 6971. Fasn. 109. 160. 241. 641 u. o.

nōthunger

KöblerMnd

nōt·hunger

nōthunger , M. nhd. „Nothunger“, rasender Hunger, zwingender Hunger E.: s. nōt (1), hunger L.: MndHwb 2, 1116 (nôtholt/nôthunger), Lü 250b (…

Taubenhunger

Wander

tauben·hunger

Taubenhunger Taubenhunger haben. ( Karlsbad in Böhmen. ) Nicht die gewohnten guten Einnahmen haben, sich beschränken müssen, während eine be…

Vëhhunger

Idiotikon

Vëhhunger Band 2, Spalte 1449 Vëhhunger 2,1449

wolf(s)hunger

DWB

wolfs·hunger

-hunger , m. 1) groszer, unersättlicher hunger wie der eines wolfs; bulimus Stieler (1691) 644 ; a wolvish, greedy, canine ... hunger Ludwig…

Überhunger

Idiotikon

Überhunger Band 2, Spalte 1449 Überhunger 2,1449

Ableitungen von hunger (5 von 5)

erhunger

BMZ

erhunger swv. zwinge durch hunger. er erhungert ein stetelîn Clos. chron. 33.

erhungeren

KöblerMhd

erhungeren , sw. V. nhd. aushungern, hungern lassen, verhungern, hungern, Hunger leiden, durch Hunger zwingen ÜG.: lat. esurire PsM Vw.: s. …

gehungeren

KöblerMhd

gehungeren , sw. V. nhd. hungern Q.: Berth, LambGeb(2. Hälfte 12. Jh./Anfang 13. Jh.), Philipp, PrOberalt, Wahrh E.: s. ge, hunger W.: nhd. …

hungere

AWB

hungere , hungiger , hungiren Npw Cant. Annae 5. Hbr. I,305,523. Npw 145,7 s. hungarag.

verhungeren

KöblerMhd

verhungeren , sw. V. nhd. verhungern, verzehren, abweiden ÜG.: lat. depascere Gl Hw.: vgl. mnd. vörhungeren* Q.: Gl, JenMartyr (um 1275), Nv…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „hunger". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/hunger/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „hunger". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/hunger/meyers. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „hunger". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/hunger/meyers.
BibTeX
@misc{lautwandel_hunger_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„hunger"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/hunger/meyers},
  urldate      = {2026-05-13},
}