glückselig,
adj. (
adv.);
mhd. gelücksælec,
mnd. luck(e)salich, -sêlich,
ndl. (
seit Kilian) gelukzalig,
das gewisz deutsche entlehnung ist; aus dem mnd. dän. lyksalig,
schwed. lycksalig.
schon Steinbach (1734) 1, 608
stellte das wort zu glücksal,
n.; diese herleitung, die Adelung
vers. (1774) 2, 728
entschieden vertrat (
vgl. auch Klopstock
gramm. gespr. [1794] 1, 472; J. H. Voss
krit. bl. [1828] 1, 472),
behauptete sich dann überwiegend in den etymologischen wörterbüchern, s. Heyne 1, 1212; Weigand-Hirt 1, 743 (
bei Kluge
nicht gebucht)
und teil 10, 1, 527; glücksal
ist aber nicht vor der 2.
hälfte des 15.
jh. bezeugt und auch dann nur sehr spärlich; dagegen erscheint glückselig
bereits im 14.
jh. bei E. v. Kirchberg (
s. u. 1 a)
und in der übersetzung der Dalimilschen chronik (
s. u. 1 b).
da nun neben glückselig
gleichfalls seit dem 14.
jh. das verwandte wünnesælec
tritt und das zwar fernerstehende, aber doch vergleichbare sigesælec
bereits seit dem 12.
jh. belegt ist und da schlieszlich im 16.
jh. auch glücksälde (
s. oben)
begegnet, so handelt es sich offenbar um eine zusammensetzung mit sælec (
vgl. auch J. Grimm
dtsche gramm. 2, 103. 564; Wilmanns
dtsche gramm. 2, 352; Falk-Torp 2, 946; Franckvan Wijk 184
b).
dem entspricht auch die lautliche behandlung des zweiten bestandteils, der bereits von anfang an mit sælec
gleichgesetzt wird; wie bei diesem (
s. teil 10, 1, 515)
schreibung mit ä (
neben e),
z. b. Frisius
dict. (1556) 147
a; Bellin
hochdeutsche rechtschr. (1657) 103
f.; Kramer
hochniderteutsch. dict. (1719) 99
b; 195
c. ee
mit ausdrücklichem hinweis auf seelig
im gegensatz zu den ableitungen von -sal,
für die er sälig
verlangt, bei Schottel
haubtspr. (1663) 377.
vereinzelt wie bei selig
auch -seilg (
s. 1 b
β).
der akzent liegt heute wie bei den steigernden zusammensetzungen eindeutig auf dem zweiten bestandteil. verbreitung. den mundarten ist glückselig
nur in begrenztem umfange geläufig; vielfach, wie besonders im elsäss., ist es auf feste wunschformeln beschränkt, die der schriftsprache oder doch den höheren gesellschaftlichen schichten entstammen; am volkstümlichsten scheint es am rhein zu sein, vgl. rhein. wb. 2, 1284;
im köln. glöcksillig Hönig 66
b, Hönig-Wahlenberg 76; glekse
ilech
luxemb. maa. 148;
lothr. glickselich Follmann 208;
vgl. sonst elsäss. Martin-Lienhart 2, 349;
schweiz. Staub-Tobler 2, 624;
schwäb. Fischer 3, 714;
vogtl. dligsēliΧ Gerbet 142;
nd. glükksalig Berghaus 1, 580; glüksalig Doornkaat-Koolman
ostfries. 642
b.
die ausgangsbedeutung ist '
durch glück froh, ausgezeichnet, reich an glück'.
seiner bedeutung nach ein verstärktes glücklich,
tritt wie in sigesælec, wünnesælec
der erste bestandteil in der bedeutungsentfaltung stärker hervor (
s. unten abschnitt 1-6)
als der zweite (
s. abschnitt 7),
indem glückselig
alle bedeutungen aufnimmt, die glücklich
hat, während es von der bedeutungsentwicklung von sælec
zwar beeinfluszt wird, aber sich keineswegs im ganzen diesem anschlieszt; insbesondere macht es die zeitweise fast ausschlieszliche einschränkung auf das religiöse ebenso wenig mit wie die volkstümliche anwendung auf die berauschtheit. —
im neutralen sinne, entsprechend der ausgangsbedeutung von glück,
begegnet glückselig
wohl nur in nachträglicher ironischer anwendung: darumb sind sie auch so glückselig und geht jhr furnemen fur sich wie der krebs gehet, wie man fur augen sihet und teglich erferet Luther 30, 3, 386
W. 11)
auf den günstigen verlauf oder ausgang einer sache bezüglich; von der handelnden person '
erfolgreich, voll gelingen, voll fähigkeit, etwas zu gutem ende zu führen, voll geschicklichkeit',
von der sache gesehen '
gelungen, ergebnisreich, zweckentsprechend, geeignet, zufriedenstellend' (
vgl.glück II A). 1@aa)
allgemein. von personen: der markgrêve Albrecht ... gelückselig was her bekant (
um 1379) Ernst von Kirchberg in:
Germania 20, 37; eyn schön iunge frau ... genuog gelücksälig in iren geschäfften Arigo
decamerone 495
K.; Hiskia war glückselig in alle seinen wercken
2. chron. 30; dasz ich in dergleichen sachen (
ausführung listiger streiche) so glückselig seye Grimmelshausen
Simplicissimus 234
Sch.; ich hätte einen glückseeligen praeceptorem abgeben, seintemal ich mit einem streich so wohlgezogene discipul machen konte
ders. 2, 360
Keller; die rechte hand gottes, wie man vor zeiten die glückselige ärzte genannt hat Scriver
goldpredigten (1690) 283; wünschen sollte sich manche goldspinnerin, dasz sie mit ihrer spindel ... so glückselig seyn möchte, wie jener bauer in Ungarn, der mit seinem pfluge gold aus der erde gesponnen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 281; er hat eine gute venam, er ist glückselig oder geschwinde in einem dinge, oder etwas zu machen Spanutius (1720) 483.
von kollektiven: daher nicht leicht zu beschreiben ..., wie siegreich, wie glückselig dieser wohl recht gebenedeite orden des hl. Benediktus Abr. a
s. Clara 2, 58
Strigl. von sachlichem: als du uns wunscht glückselige überwindung (1474)
bei Steinhausen
privatbriefe 1, 128; ... verhoffte ich, unser fürnemmen solte ein glückseligen aussgang gewünnen J. Wetzel
reise d. söhne Giaffers 152
lit. ver.; bis man ... des ... königs vorhabende desseine zu einem glückseligen ende ausgeführet v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 13; gott ... bey dem man alleine ... zeittigen radt unnd glückhsellige that findet J. Mathesius 4, 381
Loesche; wie eine glückselige hauszhaltung anzustellen sey J. B. Schupp
schr. (1663) 6; nun habe er den hr. doctor wegen der glückseligen curen rühmen gehört Weise
erznarren 118
ndr. adverbiell: ob gleich das bapstum so glückselig fort feret, mus ja das erst wort ... bleiben, das der glaube alleine selig mache Luther 24, 387
W.; etliche lassen mess halten, das sie reich werden und inen in irem handel glückselig gehe
ders. 6, 375
W.; alle ... geschefft ... werden am füglichsten und glückselichsten vollführet, nach lauff dess himmels vnd der planeten Paracelsus
opera 2, 560
Huser; alles was Joseph tett, das liesz yhm gott gluckselig abgehen durch yhn J. Agricola 750
t. sprichw. (1534) g 8
b; hiermit traff er den rennenden ochsen mit einem wurfspiesze so glückselig in die seite, dasz ... dieses thier entseelt zu boden fiel Lohenstein
Arminius (1689) 1, 89
a. 1@bb)
in besonderen anwendungen. vom krieg: er hatte gar gluckselige streite mit den Dewczen (14.
jh.)
übers. d. Dalimilschen böhm. chron. bei Jelinek
mhd. wb. 326; Herodes was auszwendig ain mechtiger künig, glückselig in dem streyt Luther 7, 239
W.; erinnert sie der glückseligen schlachten, die sie vor gethan hatten 2.
Macc. 15, 9; ein mechtiger glückseliger kriegsman S. Franck
chron. Germ. (
novemb. 1538) 153
b; dieser glückseligen vnd ehrlichen victorien Binhardus
thüring. chronica (1613) 69; so war er doch darinnen glückselig: dasz das thor ... männlich vertheidiget ... ward Lohenstein
Arminius (1689) 2, 287
b. —
von einer reise, einem weg, wobei die vorstellung der unversehrtheit (
s. u. 4)
stark mitspielt: ob ich ... etwenn hab etlichen gelückseilgen weg zuo kommen zuo euch (
prosperum iter)
erste dt. bibel 2, 55
K.; Aurelianus, der frum kaiser, der was ein glueckseliger raiser Hans Sachs 22, 290
K.-G. —
von regierung, herrschaft u. ä.: alsdann kan he gelückseligen regeren
jüng. gl. z. Reinke de vos 146
Brandes; glückselig wirt all dein regierung Hans Sachs 1, 222
K.; die aller gewaltigste gluckseligste herschung vber alle die tzeitlichen keyserthumben H. v. Cronberg
schr. 42
ndr.; gott gebe seiner churf. g. langes leben und glückseliges regiment (1579) Christoph Entzelt
altmärk. chron. 221
Bohm; ein desto ruhiger vndt glücksehliger gubernament zu führen (1619)
acta publ. verhdl. d. schles. fürsten u. stände 2, 49
Palm; höchste glückselige regierungskunst Herder 5, 547
S. —
von geistigen fähigkeiten: wann fraw Julia ... nicht ... krafft jhrer glückseligen gedächtnuss dess vorigen sich wol zu bescheiden wissen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, b 5
b. —
von kunstfertigkeit und künstlerischer leistung: was Cicero aus Demosthene, Vergilius aus Homero, Horatius aus Pindaro abgesehen und sehr glückselig nachgekünstelt Harsdörffer
poet. trichter (1653) 3, 42; in beyden glückseligen übersetzungen Lohenstein
Sophonisbe (1680) 126; welcher ein glückseliger poet war J. B. Schupp
schr. (1663) 654; wie er (
Opitz) denn in allen stücken der poesie, besonders in übersetzungen, vortrefflich glückselig gewesen Bodmer
samml. crit. poet. schr. (1741) 2, 89. 22)
was auf glückliche fügung, günstige umstände zurückgeht (
vgl.glück II B 1
und 2): in glücksäligen dingen sol er (
d. mensch) betrachten, ob jm die selben nit zuo trostung sunder zuo grosser pein gegeben sein Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) e 3
b; die ferlichst anfechtung, wen ... alles woll stett vnnd zcu gaht, das der mensch ... zcü frey werde vnnd miszprauch der gluckseligen zceyt Luther 9, 249
W.; in der glücksäligen aufnemung oder aber widerwertigen abnemung des künigreich und fürstentums J. Grünbeck
spiegel d. natürl. himl. u. prophet. sehungen (1508) a 3
a; dass mich weder gluksalige
noch widerwerttige ding von deiner lieb nymmermer abwenden
hertzmaner 22
b; wol zu preisen ist, der sich inn widerwertigen vnnd glückseligen dingen also vnstraffbarlichen halten kan Carbach
Livius (1551) 6
a;
acquisitio fortuita glückseliger zufall Orsäus
nomenclator method. (1623) 77.
als höflichkeitsformel: desselben belibtes gibet mir di glückselige begebenheit an di hand, das ich das verlangen, ihm zu dinen, werkstellig machen kan Butschky
hochdeutsche kanzelley (1659) 110.
nur vereinzelt und wohl mit stärkerer gefühsbetonung glückseliger weise: das amt ..., in das mich wohlmeinende freunde bringen wollten, ... ist mir glückseliger weise abgeschlagen worden Stifter
s. w. 1, 97. 33)
vom glück begünstigt, von günstiger schicksalsmacht gefördert, geleitet oder beschenkt, mit glück gesegnet (
vgl.glück C 1). 3@aa)
allgemein: Cepio der funft waz so gelukchselig, daz er ein pretor wart Heinrich von Mügeln (1369)
in: mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 46, 17; sihe, das sind die gottlosen, die sind glückselig in der welt und werden reich
ps. 73, 12; den fried verender ich (
der '
paldanderst') in streite, fruchtbare jar in dewre zeite ... die glueckseling in ungelüecke, die senftmuting in zornes düecke Hans Sachs
fabeln u. schw. 5, 88
ndr.; es ist keine darunter so glückselig gewesen, die dem könige gefallen thue
engl. comedien u. trag. (1624) b 3
b; hurnkinder sind glückselig in der welt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, Ii 4
b; damit er die unglückselige nicht erschreckte, die glückselige aber nicht hoffärtig machte Grimmelshausen 4, 790
Keller; nun hält man ingemein viel von den störchen, und die örter, wo sie nisteln, für glückselig J. Prätorius
winterflucht (1678) 36; wer ist ein so glückselger mann, der seinen verleger reich machen kann? Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 505; das höchste wesen hatte sie (
die musik) diesem glückseligen volke selbst ... vorgeschrieben Scheibe
d. critische musicus (1745) 14.
ironisch: er gehört, wie Eckhel, unter die glückseligen, welche auch nicht eine ahndung haben, dasz es eine naturphilosophie giebt Göthe IV 16, 170
W. 3@bb)
in glücklichpreisungen, lobpreisungen. 3@b@aα)
in den verbindungen glückselig preisen, achten, schätzen, halten, nennen, vermeinen: glückseelig musz man preisen, die gleiche lieb und trew einander thun erweisen Zinkgref
auserl. ged. 9
ndr.; jedermann pries bald den einen, bald den andern von den liebenden hierüber glückselig Bürger
w. 253
Bohtz; wer zum heilgen kampf berufen, ist glückselig dann zu preisen, wenn vor sich er einen feind hat, draufzuschlagen mit dem eisen Lenau
s. w. 308
Barthel. — wie wol nun der glückselig zuoachten, dem nye von nöten ward, einen freund diszer gestalt zuo probieren Hutten
opera omnia 1, 447
Böcking; alles musz (
im kriege) ... zu nicht und zu pulver werden, dasz derhalben die toden, so vorher umbkommen, glückseliger ... geachtet sind Kirchhof
wendunmuth 302
Österley. — welches (
namensruhm) wol nach der philosophen meinung glückselig zu schetzen Fischart
Eulenspiegel 11
Hauffen; glükkseelig hab ich mich geschätzet, als ich dein treflichs lob vernahm Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 239; i. l. mögten woll baldt wider herkommen, worin ich i. l. vor glükseeliger schätzen würde, alsz wen er könig in Poln würde Elisabeth Charlotte von Orleans
br. 6, 23
Holland. — ich halte dich viel tausendmahl glückseliger, als juncker H. gewesen ist J. B. Schupp
Corinna 66
ndr. — daher man denn auch keinen man mit grundt glückselig nennen kan Ringwaldt
christl. warnung (1588) k 3
a; und sie wird glückseligste dich, und gesegnet nennen, dasz du geblendet den sohn aus den gebirgen empfingst A. W. Schlegel
in: Athenäum (1798) 1, 138; so wie man nur denjenigen einen glückseligen mann nennen kann, dessen jugend und mannesalter mit seiner kindheit in gleichmaasz und übereinstimmung fortgebildet ward E.
M. Arndt
an s. l. Deutschen (1845) 1, 385. — sie vermeinte sich gluckselig, so sie jn mochte zuo einem lieben menschen haben Warbeck
Magelone 28
Bolte. 3@b@bβ)
in feststellung und ausruf, gern in elliptischer fügung '
preisenswert, gepriesen, beneidenswert'
; auch auf nichtpersönliches, sachliches bezogen: gluckselig ist der tag, der mir das glickh verkundet hatt
volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 102
K.; o welche glückselige leute sein, so in festigten stedten wohnen A. Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) s 7
b; glückselig sey die stunde, darin ich dich wiederum sehe J. B. Schupp
freund in d. not 49
ndr.; o wohl glückseliger Josef, dem Maria, seine gemahlin, eine guldene kron gewesen ist Abr. a
s. Clara 1, 59
Strigl; glückselger tag, gebenedeytes fest (
des sieges)
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 26; glückselige zeiten! da die gröszten weltweisen zugleich die gröszten meister in der musik waren Scheibe
d. critische musicus (1745) 8; glückselig ... der, dem eine höhere leidenschaft den busen füllte Göthe I 33, 50
W.; glükselig, wer in wonnetrunkenheit begraben, so leicht wie ich, den tiefen fall verschmerzt Schiller 6, 24
G.; glückselig, dasz ich ... meine füsze gebrauchen durfte E.
M. Arndt
s. w. (1892) 1, 208; glückselige, ihr meiner schwester kleider, die sie getragen und mir sterbend liesz Grillparzer
w. 8, 111
Sauer; glückseliger boden, den ihr (
der schönen Tessa) fusz betritt W. Weigand
d. renaissance (1904) 1, 18. 3@cc)
abgeschwächt in höflichkeitswendungen: ich solte glückselig seyn, ew. lbt. ferner auffzuwarten
bei Creizenach
schausp. engl. comöd. 73; schauspiel auf die glückseeligste vermählung beyder rö
m. kayser- wie auch zu Hungern und Böheim königl. majestäten Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) a 5
a; ersamer und fürsichtiger lieber schwager, ewere gesundheyt und glückselige wolfart ... wer mir ein freud zuvernemen
formular allerlei schrifften (1543) 2
a. 44) '
wohlbehalten, heil, unverletzt, ohne dasz ein unglück eintritt, ohne schaden zu nehmen, vor unglück, leid bewahrt, ohne unfall'.
bei weitem nicht so beliebt wie der entsprechende gebrauch von glücklich;
besonders ist die adverbielle verwendung seltener: (
ich bin) gewest ... zu Aschenborg zu der hochzeit und glückselig und gesunt wider anheim kommen (1491)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 295; dises hauss were wol glückselig vnnd vnbeschediget Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 3
a; die kinder, deren mütter ... auffgeschnitten werden, kommen vil glückseliger auff die welt Heyden
Plinius (1565) 20; sie gaben für, das pferdt dermassen wurd also durch sie hinderlassen der göttin Palladi zu ehrn, das sie glückselig widerkehrn Spreng
Äneis (1610) 22
a; in dieser ... gefahr erhuben sie das gemüth und stimme zu dem h. Antonio, ruffen denselben um beystand an, und sihe, das schiff kame aus aller gefahr und lieffe glückseelig durch den ... canal in Venedig ein
F. Caccia
hl. Antonius v. Padua (1692) 229; wie Sara ... eine glückselige niederkunft gehabt Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 20; glückselge heimkehr, senn! Schiller 14, 274
G.; bey der glückseligen ankunft ... Friedrich Wilhelms J.
V. Pietsch
geb. schr. (1740) 268 (
vgl. oben 1 b). 55)
im glückszustand befindlich bzw. damit verbunden, in angenehmer, erfreulicher lage, in einem zustand, wo alles nach wunsch verläuft oder man doch mit seiner lage zufrieden ist, sich wohl fühlt; oft mit deutlichem bezug auf äuszeren wohlstand, reichtum. 5@aa)
von personen: gedenck auch deines freunds geleich, wenn du wirst glückselig und reich Hans Sachs 19, 156
K.-G.; aws solchem neyd fellt der sünder leichtlich in krieg vnd zorn gegen demselben glücksaeligen nagsten Berthold von Chiemsee
t. theologey 251
R.; darumb fragt den Damoclem der könig, ob er begert, auch also reich und glückselig zu seyn Kirchhof
wendunmuth 2, 37
lit. ver.; die glückselige sind wie gottes säw, die er mestet zum schlachten; die frommen sind die magern, die gehören jhme zu als die nichts nutz Lehman
floril. polit. (1662) 1, 370; so seye dann wohlgemuth, o menschliches geschlecht, reich und glückselig hat dich gott gemacht, dasz er dir einen solchen schild gegeben Abr. a
s. Clara
abraham. lauberhütt (1721) 1, 145; wer ein vierblätteriges kleeblatt findet, der soll es werth halten; denn so lange er es hat, wird er glückselig und reich sein J. G. Schmidt
rockenphilosophia (1706) 1, 216.
besonders beliebt in der philosophie und popularethik der aufklärungszeit: man kann aber diejenigen, so sie allein besitzen, nicht vor verständig und noch weniger für weise, am allerwenigsten für glückselig halten Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 40; hingegen da die wahren güter eine beständige lust gewehren, ... so können sie auch den menschen nicht unglückselig machen, sondern nur glückselig Chr. Wolff
gedancken v. d. menschen thun u. lassen (1720) 35; wir wissen, dasz wir fähigkeiten, zu handeln, glückselig und unglückselig zu seyn, besitzen J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 72.
öfter dann mit gewisser ironie: ohnerachtet ich so recht lebe, was ein Darmstädtischer oberförster glückseelig nennen würde Lichtenberg
br. 1, 11
L.-Sch. 5@bb)
von einem land, einer landschaft oder örtlichkeit, bald mehr auf äuszere gegebenheiten (
fruchtbarkeit, landschaftliche schönheit, wohlstand),
bald mehr auf den glückszustand, die zufriedenheit seiner bewohner bezüglich: wem wirt sich duncken ewer land das glückseligst auff gantzer erd Hans Sachs 2, 48
K.; eine glückselige vnd wolgeordnete stat vnd gemeyn Fischart
ehzuchtbüchl. 142
H.; ich nahm überall in acht, was ein land glückseelig macht
H. v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen auserl. ged. (1697) 2, 142
Neukirch; (
titel:) Fr. W. Sommersberg das glückseelige Schlesien (
Lpz. 1719); in diese glückselige gegend A. v. Haller
Usong (1771) 207; in einem glückseligen thal am fusz und im busen der gebürge Herder 13, 35
S.; droben im glückseligen Schwaben ist meine heimat Scheffel
ges. w. 3, 20
Proelsz; die glückseligen gefilde Campaniens W. Weigand
d. Löffelstelze (1919) 388. —
Arabia felix das glückselige oder reiche Arabien Zehner
nomencl. (1645) 90;
vgl. Grimmelshausen
Simplicissimus 211
Sch.; Lohenstein
Arminius (1689) 1, 7
a. —
mythische vorstellung liegt der wendung die glückseligen (
vgl. 7 b) inseln
zugrunde, die sich besonders die utopie zu eigen macht, vgl. μακάρων νῆσοι: in den glückseligen inseln, da ungesäet und ungeackert alle ding wachsen Seb. Franck
mor. encom. (o. j.) 4
a; Heinse Ardinghello und die glückseligen inseln (
titel);
vgl. noch A. W. Schlegel
s. w. (1846) 9, 26;
F. Freiligrath
ges. dicht. (1870) 5, 185; Ranke
s. w. (1887) 1, 178. —
übertragen: das altertum ... war eine glückselige insel Justi
Winckelmann (1866) 1, 226; (
sich sehnen) nach den glückseligen gestaden der poesie Gutzkow
ges. w. (1872) 8, 3; glückselige felder (
der himmel), wo die freude auf ewig wohnet Bodmer
samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 16. 5@cc)
bei begriffen der zeit, des zustandes u. dgl. 5@c@aα) wie wir in glückseliger zeit dahin nicht kommen mögen Luther 28, 647
W.; (
wo) gott verleiht glückselige jar Hans Sachs 18, 187
K.-G.; wären die zeiten glückseliger, so ... Chr. Weise
Masaniello 12
ndr.; (
nach einer schilderung üppigen lebens) bruder hastu ein so edel glückselig leben wie du vorgibst, so mache mich deiner glückseeligkeit auch theilhafftig Grimmelshausen
Simplicissimus 340
Sch.; die jahre des Pericles waren die glückseligste zeit für sie (
die Griechen) Justi
Winckelmann (1866) 2, 2, 217.
wo der persönliche anteil stärker ist, gewinnt glückselig
die bedeutung '
glückerfüllt, von starkem glücksgefühl begleitet' (
vgl. 7 a): glückselige zeiten meiner ersten jugend! H. P. Sturz
schr. (1779) 2, 188; so danke ich dem himmel, dasz er mir so auch jetzt noch etwas abgibt aus den erinnerungen dieser glückseligen (
knaben-)zeit Adolf Hitler
mein kampf (1933) 6; getrocknete blumen ..., die man vorlängst als zeugen glückseliger stunden eingelegt Mörike
w. 3, 53
Göschen; ein glückseliges leben habe ich geführt Fouqué
zauberring (1812) 1, 109.
sehr verbreitet ist die verbindung glückseliger stand, zustand: ob ir alle in gluckseligem stande und wolmogender gesuntheit wert (1475)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 130; menschen, welche in absicht auf die gesundheit ihres leibes den grünenden cedern gleichen, welche aber ihren glückseligen zustand nicht erkennen, nicht achten J.
M. Göze
lehre v. tode (1749) 358. 5@c@bβ)
besonders in wünschen: das du glückselig lebst allwegen! Hans Sachs
w. 1, 96
K.; mit wündschung eines glückseligen ... newen jahrs B. Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) a 7
b; glückseliges neujahr! J. G. Jacobi
s. w. (1807) 5, 174; wünsch euch ein glückselige zeit W. Schmeltzl
Samuel u. Saul 10
Wiener ndr.; wir wünschen glückselige feiertäg
bei A. Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österreich (1880) 11; glückselige weihnachten und ein goldigs herrgotterl E. Leibl
d. kette (1937) 35; einen glückseligen guten morgen, ihre magnificenz Schoch
comöd. v. studentenleben (1657) f 7
a.
in ähnlichen wunschformeln in den heutigen mundarten über den sonstigen gebrauch des wortes hinaus bekannt, so z. b. elsäss. Martin-Lienhart 2, 349
b; Birlinger
schwäb.-augsb. wb. 197
a. 66)
glückbringend, -gewährleistend, -verursachend, beglückend, förderlich, glückbedeutend, auf künftiges glück hinweisend'; berührungen mit glückselig 1
und 5 c
sind häufig. 6@aa)
entsprechend lat. faustus, dexter, auspicatus in erster linie die günstige vorbedeutung bezeichnend: also wurd ... der landschreiber die verordenten zu fodern heraus geschickt, sprechend: ir habt ein gluckselige stunt troffen (1525)
chroniken d. stadt Bamberg 2, 85
Chroust; diser vogel ist dir von got gesandt, ain gelückhselige warsagung Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 66
a; ein guoter glückseliger troum
troumbüchlin ... durch Ryff inn truck verordnet (1563) 1; zum glückseligen eingange (
der braut in das haus) Heyden
Plinius (1565) 272; die alten haben allezeit solche vngleiche zaal inn vilen dingen für eyn solch glückselig ding ... geachtet Sebiz
feldbau (1579) 138; die glücksehlige zahl drey Fr. Brandt
glänz. taubenflügel (1675) 34;
dies auspicatus ein glückseliger tag
nomencl. lat.-germ. in us. schol. (
Hamb. 1634) 16;
albae gallinae filius (
d. i. glückskind) er ist zu einer glückseligen stunde gebohren Spanutius (1720) 499; denn diese zeit (
des voll- und neumonds) hielten sie (
die Germanen) vor die glückseligsten Hans v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 284; glückselige orakelsprüche Schiller 13, 107
G. 6@bb)
die unmittelbare oder ständige förderung betonend, vgl. besonders lat. secundus. glückseliger
wind: sechshundert meil, die man mit glückseligem wind in acht tagen fOert S.
Frank weltbuch (1534) cc 6
b;
auch übertragen: damit jr den segel ewer handlungen und regierungen nach dem glücksäligen oder widerwertigen windt anziehen oder ablassen kündt J. Grünbeck
von d. veränderung aller stände d. christenhait (1522) a 2
b. — glückselige
hand: es hat nicht ein jeder mann ein glückselige leichte hand zu heilen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, z 8
b.
mit übergang zu 3 b: wie glückselig die hand ist, die so etwas hinzaubern kann maler Müller
w. (1811) 3, 46. — willtu auff ungewis zukunfftig unglück meyn gewis glückselig gepott ubertretten? Luther 15, 166
W.; ich gieng in den tempel der götter, zu bitten, mir ein glückseligen beystandt zu thun
buch d. liebe (1587) 197; dasz ein jung edel ingenium ... einem gantzen landt nützlich und glückselig sey R. Lorichius
paedagogia principum (1595) 18; (
ein) glückseliger brief
Amadis 105
lit. ver.; die stelle eines glückseligen bottschaffters verrichten
bei Creizenach
schausp. engl. comöd. 113;
mit ähnlicher sinnfärbung in neuerer zeit: dasz ich wahrheit sah, glückselige wahrheit, ach, mir sagts mein herz Geibel
w. (1888) 2, 192; und hast mir doch viel freuden und glückselige nachbarschaft geschenkt P. Dörfler
d. notwender (1934) 248. 77)
unter stärkerer einwirkung des zweiten bestandteils selig. 7@aa) '
von glücksgefühl, gefühl starker freude, befriedigung erfüllt, damit verbunden, hoch beglückt'.
gegenüber der gleichen bedeutung von glücklich (6)
weist glückselig
besonders in neuerer zeit eine entschiedene steigerung auf, die auf den vom religiösen wieder ins weltliche gewandten und dadurch stark gesteigerten gebrauch von selig (
s. teil 10, 1, 525)
zurückgeht. erst seit dem 18.
jh. wirklich lebendig. vgl. 'glückselig (
heiszt)
glück in menge habend' Adelung
umst. lehrg. d. dt. spr. 2, 75. 7@a@aα)
allgemein. auf personen bezogen; in vereinzelter früher anwendung in unpersönlicher konstruktion: den weibern ist guot unnd glückseelig, wenn in tröumet von schönen gewürckten, geblümbten oder gestickten kleyderen
troumbüchlin ... durch Ryff inn truck verordnet (1563) 55; ach, dachte Gackeleia, wie glückselig wäre ich, wenn ich eine puppe in meinem schönen garten spazieren führen könnte Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 114; glückselig bin auch ich gewesen; es war im schönen monat mai Geibel
w. (1888) 3, 165; wie eine schar glückseliger kinder, die ihrem vater entgegenjubeln Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 374; als er 1803 das erste reitpferd erhielt, küszte er überrascht und glückselig dem guten vater die hand G. Freytag
ges. w. (1886) 16, 116. —
auf sachliches bezogen: bey der erinnerung an diese glückselige schwärmerey meiner ersten jugend Wieland
Agathon (1766) 1, 303; glückselige und bange gefühle wechselten auch in ihrem herzen
M. Meyr
erzähl. aus d. Ries (1868) 1, 35; (
sie) schreibt ... glückseligen herzens O. Peschel
völkerkde (1874) 316; mit glückseliger zuversicht Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 385; (
Haugwitz) wiegte ... sich in glückseligen hoffnungen
ebda 1, 243; mit glückseligstem gesichtsausdrucke Fontane
ges. w. I 6, 235; im übermut ihrer glückseligen laune Ganghofer
doppelte wahrheit (1893) 113.
adverbiell: Auguste lachte glückseligst über seinen eifer K. Gutzkow
ges. w. (1873) 3, 303; Dietegen blickte so glückselig, neugierig und harmlos umher, dasz man von weitem sah, dasz das ein unschuldiges kind war G. Keller
ges. w. (1889) 5, 195; glückselig focht general Oppen mitten im getümmel Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 498; mit glückselig lächelnden augen Ganghofer
almer u. jägerleut (1900) 107; ein paar mal lachte sie, leise, glückselig gurrend H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 28. 7@a@bβ)
insbesondere vom glück der liebe, ehe und familie: welche ist je vnter den tödtlichen mehr dann ich vnselig gewesen? welche vnglückhafftiger? die ich ein wenig darvor mit meinem Camillo glückselig war
buch d. liebe (1587) 115
b; krieg ich ihm, so bin ich die glückseligste fraw G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 74; nachdem verknüpfen sie so herz als hand durch ein glückseeliges und unzertrennliches band König
ged. (1745) 175; indem sie, ihre schönen arme um ihn windend, den glückseligsten aller liebhaber an ihren busen drückte Wieland
Agathon (1766) 1, 208; du glückseliger bräutigam J. H. Voss
s. ged. (1802) 5, 131; nach fünf glückselig verlebten jahren löste der tod dies zarte band H. v. Chézy
erzähl. u. nov. (1822) 1, 212; kein glückseliger paar hat man gesehen Mörike
w. (1905) 1, 107
Göschen; in demselben zimmer, wo ich einst mit dir so glückselig war
briefe von u. an Herwegh (1896) 76; die glückseligste häuslichkeit Thümmel
reise in d. mitt. prov. v. Frankr. (1785) 2, 104.
gelegentlich konkret für das intime liebesglück: deine Anne ist auch verplempert; dein vetter Michel war so glückselig, und sie hat schon ein kind Ulr. Bräker
s. schr. d. arm. mannes in Tockenburg (1789) 1, 164. 7@bb)
im anschlusz an selig
erhält glückselig
religiöse anwendung, '
des ewigen heils teilhaftig, erlöst'
; sie bleibt aber weit beschränkter als die von selig;
es kann daher glückselig
und selig
auch geradezu in gegensatz gestellt werden: ihr könnt in dieser welt zwar wohl glückselig werden, doch selig ist ein werk, das ich (
der himmel) nur geben kann Triller
poet. betracht. (1750) 1, 121. 7@b@aα)
mit einbeziehung des irdischen lebens: durch den herren Jesum sind alle geschlecht der menschen glückselig worden Zwingli
dt. schr. 1, 95; Joseph mein, sih, was für frewd mein Jesulein auszgossen hat auff erden, glückselig musz sie werden
bei Kehrein
kathol. kirchenl. 1, 278; so seye dann wohlgemuth, o menschliches geschlecht! reich und glückselig hat dich gott gemacht, dasz er dir einen solchen schild (
Jesus) gegeben Abr. a
s. Clara
abraham. lauberhütt (1721) 1, 145; gott, du bist vater der wesen nicht nur, dasz sie wären; du bist es, dasz sie auf ewig glückselig wären Klopstock
oden 1, 142
M.-P. öfter stehen glückseligpreisungen an der grenze der religiösen anwendung: o, wie glücksälig ist der mann der gottes gnad thut nemen an
bei Wackernagel
dt. kirchenlied 5, 557; o wie glückselig seind alle kinder gottes Fr. Spee
güldenes tugendbuch (1649) 15; derhalben schätze ich die vor glückselig, welche durch viel trübsal in das reich gottes eingehen Chr. Weise
erznarren 50
ndr. gelegentlich nähert sich glückselig
der bedeutung '
fromm': solche sitten unnd gute kinderzucht, darvon du sagst, machen dasz die kinder, wenn sie auch elltern, unnd sonderlich die töchter müttern werden, fromme, glückselige kinder bekommen, ausz denen fromme biderleut werden J. B. Fickler
Putherbeien tractat (1581) 46
b; die glückseligen sterben bei zeiten Seb. Franck
sprüchw. (1545) 1, 70
b. 7@b@bβ)
mit beziehung auf den tod: glückselig leben und sterben
to live and dy happily, blessedly Ludwig
t.-engl. lex. (1716) 714; und wie sie das dritte ma läuten, da nahm sie ein glückselig end A. v. Arnim
w. 21, 74. 7@b@gγ)
auf das ewige leben im jenseits bezogen: glücksälig seyn
coelum accipere Maaler (1561) 186
d; wer da weder in jener welt ein glückseliges noch in dieser ein gottseliges leben haben wil Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 141; die wahre weisheit ..., die den weg zur glückseligen ewigkeit zeigt A. v. Haller
Alfred (1773) 61; wenn sie, und du, und ich zusammen (
in jenem leben) glückselig sind Klopstock
oden 1, 152
M.-P.; alle hoffnung eines künftigen glückseligern lebens Lessing 2, 80
M. entsprechend von heidnischen vorstellungen: die elyseischen gefilde, die er (
Hesiod) an die westliche gränze der erde versetzt, nennt er die inseln der glückseligen ... die späteren dichter haben diese mythen ... von den inseln der glückseligen, die den besseren menschen zum wohnsitz nach ihrem tode angewiesen wurden, weiter ausgeschmückt A. v. Humboldt
ansichten d. natur (1808) 1, 107; der himmel ... hat seinen namen von valr, den erschlagenen im kriege, weil diesen vornehmlich die glückselige zukunft bestimmt war Gerstenberg
br. über merkw. d. litt. 238
lit.-denkm.; er hat den sieg erkauft mit seinem eignen blute; kein geriot, kein grisgri und keine zauberruthe erweckt ihn; durch dies grab will er von hinnen ziehn in das glückselge land, wo die gestorbnen wohnen Freiligrath
ges. dicht. (1877) 1, 98 (
am Kongo). —
mit bezug auf das seligsprechen der katholischen kirche, spöttisch: ein gebraten spanferckel sprach ich glückselig, weil es eine citron im maul hatte Grimmelshausen 2, 404
Keller. 7@b@dδ)
mit stärkerer betonung des moralischen als des religiösen: nur der gute, der dem urquelle des guten nachstrebe, sei glückselig auch in trübsalen des lebens, und gehe durch den tod zu höherem gute der glückseligkeit J. H. Voss
antisymbolik (1824) 1, 181; das gebäude eines wahrhaft menschlichen,
d. h. sittlichen und dadurch glückseligen lebens D. Fr. Strausz
schr. (1877) 6, 7;
vgl. auch 5. 7@cc)
im anschlusz an das lateinische '
nemo ante mortem beatus'
objektiv, als urteil über den gesamten lebensverlauf einschlieszlich des todes: fürn todt man niemand rühmen kan, das er sey ein glückselig man Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) d 1
a; eh er gestorben ist, dürfen wir ihn nur glücklich, aber nicht glückseelig nennen ... wer aber von allem gutem das meiste hat und es bis an sein ende behält, wer da einen glücklichen ausgang findet, der allein scheint mir glückseelig zu sein (
Solon zu Crösus)
Iris 7 (1776) 622
f. Jacobi. 7@dd)
wie selig (
vgl. teil 10, 1, 526; Staub-Tobler
schweiz. id. 7, 698; Gerbet
Vogtland 142),
aber nur ganz gelegentlich hat glückselig
die bedeutung '
berauscht, angeheitert, betrunken': die schenken sind meist gefüllt mit glückseligen, die sich einen oder ein paar blaue montage machen A. v. Droste-Hülshoff
w. (1878) 2, 355.