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glückselig

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glückselig adj.

Bd. 8, Sp. 333
glückselig, adj. (adv.); mhd. gelücksælec, mnd. luck(e)salich, -sêlich, ndl. (seit Kilian) gelukzalig, das gewisz deutsche entlehnung ist; aus dem mnd.n. lyksalig, schwed. lycksalig. schon Steinbach (1734) 1, 608 stellte das wort zu glücksal, n.; diese herleitung, die Adelung vers. (1774) 2, 728 entschieden vertrat (vgl. auch Klopstock gramm. gespr. [1794] 1, 472; J. H. Voss krit. bl. [1828] 1, 472), behauptete sich dann überwiegend in den etymologischen wörterbüchern, s. Heyne 1, 1212; Weigand-Hirt 1, 743 (bei Kluge nicht gebucht) und teil 10, 1, 527; glücksal ist aber nicht vor der 2. hälfte des 15. jh. bezeugt und auch dann nur sehr spärlich; dagegen erscheint glückselig bereits im 14. jh. bei E. v. Kirchberg (s. u. 1 a) und in der übersetzung der Dalimilschen chronik (s. u. 1 b). da nun neben glückselig gleichfalls seit dem 14. jh. das verwandte wünnesælec tritt und das zwar fernerstehende, aber doch vergleichbare sigesælec bereits seit dem 12. jh. belegt ist und da schlieszlich im 16. jh. auch glücksälde (s. oben) begegnet, so handelt es sich offenbar um eine zusammensetzung mit sælec (vgl. auch J. Grimm dtsche gramm. 2, 103. 564; Wilmanns dtsche gramm. 2, 352; Falk-Torp 2, 946; Franckvan Wijk 184b). dem entspricht auch die lautliche behandlung des zweiten bestandteils, der bereits von anfang an mit sælec gleichgesetzt wird; wie bei diesem (s. teil 10, 1, 515) schreibung mit ä (neben e), z. b. Frisius dict. (1556) 147a; Bellin hochdeutsche rechtschr. (1657) 103 f.; Kramer hochniderteutsch. dict. (1719) 99b; 195c. ee mit ausdrücklichem hinweis auf seelig im gegensatz zu den ableitungen von -sal, für die er sälig verlangt, bei Schottel haubtspr. (1663) 377. vereinzelt wie bei selig auch -seilg (s. 1 b β). der akzent liegt heute wie bei den steigernden zusammensetzungen eindeutig auf dem zweiten bestandteil. verbreitung. den mundarten ist glückselig nur in begrenztem umfange geläufig; vielfach, wie besonders im elsäss., ist es auf feste wunschformeln beschränkt, die der schriftsprache oder doch den höheren gesellschaftlichen schichten entstammen; am volkstümlichsten scheint es am rhein zu sein, vgl. rhein. wb. 2, 1284; im köln. glöcksillig Hönig 66b, Hönig-Wahlenberg 76; glekseilech luxemb. maa. 148; lothr. glickselich Follmann 208; vgl. sonst elsäss. Martin-Lienhart 2, 349; schweiz. Staub-Tobler 2, 624; schwäb. Fischer 3, 714; vogtl. dligsēliΧ Gerbet 142; nd. glükksalig Berghaus 1, 580; glüksalig Doornkaat-Koolman ostfries. 642b. die ausgangsbedeutung ist 'durch glück froh, ausgezeichnet, reich an glück'. seiner bedeutung nach ein verstärktes glücklich, tritt wie in sigesælec, wünnesælec der erste bestandteil in der bedeutungsentfaltung stärker hervor (s. unten abschnitt 1-6) als der zweite (s. abschnitt 7), indem glückselig alle bedeutungen aufnimmt, die glücklich hat, während es von der bedeutungsentwicklung von sælec zwar beeinfluszt wird, aber sich keineswegs im ganzen diesem anschlieszt; insbesondere macht es die zeitweise fast ausschlieszliche einschränkung auf das religiöse ebenso wenig mit wie die volkstümliche anwendung auf die berauschtheit.im neutralen sinne, entsprechend der ausgangsbedeutung von glück, begegnet glückselig wohl nur in nachträglicher ironischer anwendung: darumb sind sie auch so glückselig und geht jhr furnemen fur sich wie der krebs gehet, wie man fur augen sihet und teglich erferet Luther 30, 3, 386 W. 11) auf den günstigen verlauf oder ausgang einer sache bezüglich; von der handelnden person 'erfolgreich, voll gelingen, voll fähigkeit, etwas zu gutem ende zu führen, voll geschicklichkeit', von der sache gesehen 'gelungen, ergebnisreich, zweckentsprechend, geeignet, zufriedenstellend' (vgl.glück II A). 1@aa) allgemein. von personen: der markgrêve Albrecht ... gelückselig was her bekant (um 1379) Ernst von Kirchberg in: Germania 20, 37; eyn schön iunge frau ... genuog gelücksälig in iren geschäfften Arigo decamerone 495 K.; Hiskia war glückselig in alle seinen wercken 2. chron. 30; dasz ich in dergleichen sachen (ausführung listiger streiche) so glückselig seye Grimmelshausen Simplicissimus 234 Sch.; ich hätte einen glückseeligen praeceptorem abgeben, seintemal ich mit einem streich so wohlgezogene discipul machen konte ders. 2, 360 Keller; die rechte hand gottes, wie man vor zeiten die glückselige ärzte genannt hat Scriver goldpredigten (1690) 283; wünschen sollte sich manche goldspinnerin, dasz sie mit ihrer spindel ... so glückselig seyn möchte, wie jener bauer in Ungarn, der mit seinem pfluge gold aus der erde gesponnen Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 281; er hat eine gute venam, er ist glückselig oder geschwinde in einem dinge, oder etwas zu machen Spanutius (1720) 483. von kollektiven: daher nicht leicht zu beschreiben ..., wie siegreich, wie glückselig dieser wohl recht gebenedeite orden des hl. Benediktus Abr. a s. Clara 2, 58 Strigl. von sachlichem: als du uns wunscht glückselige überwindung (1474) bei Steinhausen privatbriefe 1, 128; ... verhoffte ich, unser fürnemmen solte ein glückseligen aussgang gewünnen J. Wetzel reise d. söhne Giaffers 152 lit. ver.; bis man ... des ... königs vorhabende desseine zu einem glückseligen ende ausgeführet v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 13; gott ... bey dem man alleine ... zeittigen radt unnd glückhsellige that findet J. Mathesius 4, 381 Loesche; wie eine glückselige hauszhaltung anzustellen sey J. B. Schupp schr. (1663) 6; nun habe er den hr. doctor wegen der glückseligen curen rühmen gehört Weise erznarren 118 ndr. adverbiell: ob gleich das bapstum so glückselig fort feret, mus ja das erst wort ... bleiben, das der glaube alleine selig mache Luther 24, 387 W.; etliche lassen mess halten, das sie reich werden und inen in irem handel glückselig gehe ders. 6, 375 W.; alle ... geschefft ... werden am füglichsten und glückselichsten vollführet, nach lauff dess himmels vnd der planeten Paracelsus opera 2, 560 Huser; alles was Joseph tett, das liesz yhm gott gluckselig abgehen durch yhn J. Agricola 750 t. sprichw. (1534) g 8b; hiermit traff er den rennenden ochsen mit einem wurfspiesze so glückselig in die seite, dasz ... dieses thier entseelt zu boden fiel Lohenstein Arminius (1689) 1, 89a. 1@bb) in besonderen anwendungen. vom krieg: er hatte gar gluckselige streite mit den Dewczen (14. jh.) übers. d. Dalimilschen böhm. chron. bei Jelinek mhd. wb. 326; Herodes was auszwendig ain mechtiger künig, glückselig in dem streyt Luther 7, 239 W.; erinnert sie der glückseligen schlachten, die sie vor gethan hatten 2. Macc. 15, 9; ein mechtiger glückseliger kriegsman S. Franck chron. Germ. (novemb. 1538) 153b; dieser glückseligen vnd ehrlichen victorien Binhardus thüring. chronica (1613) 69; so war er doch darinnen glückselig: dasz das thor ... männlich vertheidiget ... ward Lohenstein Arminius (1689) 2, 287b. — von einer reise, einem weg, wobei die vorstellung der unversehrtheit (s. u. 4) stark mitspielt: ob ich ... etwenn hab etlichen gelückseilgen weg zuo kommen zuo euch (prosperum iter) erste dt. bibel 2, 55 K.; Aurelianus, der frum kaiser, der was ein glueckseliger raiser Hans Sachs 22, 290 K.-G.von regierung, herrschaft u. ä.: alsdann kan he gelückseligen regeren jüng. gl. z. Reinke de vos 146 Brandes; glückselig wirt all dein regierung Hans Sachs 1, 222 K.; die aller gewaltigste gluckseligste herschung vber alle die tzeitlichen keyserthumben H. v. Cronberg schr. 42 ndr.; gott gebe seiner churf. g. langes leben und glückseliges regiment (1579) Christoph Entzelt altmärk. chron. 221 Bohm; ein desto ruhiger vndt glücksehliger gubernament zu führen (1619) acta publ. verhdl. d. schles. fürsten u. stände 2, 49 Palm; höchste glückselige regierungskunst Herder 5, 547 S.von geistigen fähigkeiten: wann fraw Julia ... nicht ... krafft jhrer glückseligen gedächtnuss dess vorigen sich wol zu bescheiden wissen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, b 5b. — von kunstfertigkeit und künstlerischer leistung: was Cicero aus Demosthene, Vergilius aus Homero, Horatius aus Pindaro abgesehen und sehr glückselig nachgekünstelt Harsdörffer poet. trichter (1653) 3, 42; in beyden glückseligen übersetzungen Lohenstein Sophonisbe (1680) 126; welcher ein glückseliger poet war J. B. Schupp schr. (1663) 654; wie er (Opitz) denn in allen stücken der poesie, besonders in übersetzungen, vortrefflich glückselig gewesen Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 2, 89. 22) was auf glückliche fügung, günstige umstände zurückgeht (vgl.glück II B 1 und 2): in glücksäligen dingen sol er (d. mensch) betrachten, ob jm die selben nit zuo trostung sunder zuo grosser pein gegeben sein Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) e 3b; die ferlichst anfechtung, wen ... alles woll stett vnnd zcu gaht, das der mensch ... zcü frey werde vnnd miszprauch der gluckseligen zceyt Luther 9, 249 W.; in der glücksäligen aufnemung oder aber widerwertigen abnemung des künigreich und fürstentums J. Grünbeck spiegel d. natürl. himl. u. prophet. sehungen (1508) a 3a; dass mich weder gluksalige noch widerwerttige ding von deiner lieb nymmermer abwenden hertzmaner 22b; wol zu preisen ist, der sich inn widerwertigen vnnd glückseligen dingen also vnstraffbarlichen halten kan Carbach Livius (1551) 6a; acquisitio fortuita glückseliger zufall Orsäus nomenclator method. (1623) 77. als höflichkeitsformel: desselben belibtes gibet mir di glückselige begebenheit an di hand, das ich das verlangen, ihm zu dinen, werkstellig machen kan Butschky hochdeutsche kanzelley (1659) 110. nur vereinzelt und wohl mit stärkerer gefühsbetonung glückseliger weise: das amt ..., in das mich wohlmeinende freunde bringen wollten, ... ist mir glückseliger weise abgeschlagen worden Stifter s. w. 1, 97. 33) vom glück begünstigt, von günstiger schicksalsmacht gefördert, geleitet oder beschenkt, mit glück gesegnet (vgl.glück C 1). 3@aa) allgemein: Cepio der funft waz so gelukchselig, daz er ein pretor wart Heinrich von Mügeln (1369) in: mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 46, 17; sihe, das sind die gottlosen, die sind glückselig in der welt und werden reich ps. 73, 12; den fried verender ich (der 'paldanderst') in streite, fruchtbare jar in dewre zeite ... die glueckseling in ungelüecke, die senftmuting in zornes düecke Hans Sachs fabeln u. schw. 5, 88 ndr.; es ist keine darunter so glückselig gewesen, die dem könige gefallen thue engl. comedien u. trag. (1624) b 3b; hurnkinder sind glückselig in der welt Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, Ii 4b; damit er die unglückselige nicht erschreckte, die glückselige aber nicht hoffärtig machte Grimmelshausen 4, 790 Keller; nun hält man ingemein viel von den störchen, und die örter, wo sie nisteln, für glückselig J. Prätorius winterflucht (1678) 36; wer ist ein so glückselger mann, der seinen verleger reich machen kann? Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 505; das höchste wesen hatte sie (die musik) diesem glückseligen volke selbst ... vorgeschrieben Scheibe d. critische musicus (1745) 14. ironisch: er gehört, wie Eckhel, unter die glückseligen, welche auch nicht eine ahndung haben, dasz es eine naturphilosophie giebt Göthe IV 16, 170 W. 3@bb) in glücklichpreisungen, lobpreisungen. 3@b@aα) in den verbindungen glückselig preisen, achten, schätzen, halten, nennen, vermeinen: glückseelig musz man preisen, die gleiche lieb und trew einander thun erweisen Zinkgref auserl. ged. 9 ndr.; jedermann pries bald den einen, bald den andern von den liebenden hierüber glückselig Bürger w. 253 Bohtz; wer zum heilgen kampf berufen, ist glückselig dann zu preisen, wenn vor sich er einen feind hat, draufzuschlagen mit dem eisen Lenau s. w. 308 Barthel. — wie wol nun der glückselig zuoachten, dem nye von nöten ward, einen freund diszer gestalt zuo probieren Hutten opera omnia 1, 447 Böcking; alles musz (im kriege) ... zu nicht und zu pulver werden, dasz derhalben die toden, so vorher umbkommen, glückseliger ... geachtet sind Kirchhof wendunmuth 302 Österley. — welches (namensruhm) wol nach der philosophen meinung glückselig zu schetzen Fischart Eulenspiegel 11 Hauffen; glükkseelig hab ich mich geschätzet, als ich dein treflichs lob vernahm Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 239; i. l. mögten woll baldt wider herkommen, worin ich i. l. vor glükseeliger schätzen würde, alsz wen er könig in Poln würde Elisabeth Charlotte von Orleans br. 6, 23 Holland. — ich halte dich viel tausendmahl glückseliger, als juncker H. gewesen ist J. B. Schupp Corinna 66 ndr. — daher man denn auch keinen man mit grundt glückselig nennen kan Ringwaldt christl. warnung (1588) k 3a; und sie wird glückseligste dich, und gesegnet nennen, dasz du geblendet den sohn aus den gebirgen empfingst A. W. Schlegel in: Athenäum (1798) 1, 138; so wie man nur denjenigen einen glückseligen mann nennen kann, dessen jugend und mannesalter mit seiner kindheit in gleichmaasz und übereinstimmung fortgebildet ward E. M. Arndt an s. l. Deutschen (1845) 1, 385. — sie vermeinte sich gluckselig, so sie jn mochte zuo einem lieben menschen haben Warbeck Magelone 28 Bolte. 3@b@bβ) in feststellung und ausruf, gern in elliptischer fügung 'preisenswert, gepriesen, beneidenswert'; auch auf nichtpersönliches, sachliches bezogen: gluckselig ist der tag, der mir das glickh verkundet hatt volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 102 K.; o welche glückselige leute sein, so in festigten stedten wohnen A. Pape bettel- u. garteteuffel (1586) s 7b; glückselig sey die stunde, darin ich dich wiederum sehe J. B. Schupp freund in d. not 49 ndr.; o wohl glückseliger Josef, dem Maria, seine gemahlin, eine guldene kron gewesen ist Abr. a s. Clara 1, 59 Strigl; glückselger tag, gebenedeytes fest (des sieges) bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 26; glückselige zeiten! da die gröszten weltweisen zugleich die gröszten meister in der musik waren Scheibe d. critische musicus (1745) 8; glückselig ... der, dem eine höhere leidenschaft den busen füllte Göthe I 33, 50 W.; glükselig, wer in wonnetrunkenheit begraben, so leicht wie ich, den tiefen fall verschmerzt Schiller 6, 24 G.; glückselig, dasz ich ... meine füsze gebrauchen durfte E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 208; glückselige, ihr meiner schwester kleider, die sie getragen und mir sterbend liesz Grillparzer w. 8, 111 Sauer; glückseliger boden, den ihr (der schönen Tessa) fusz betritt W. Weigand d. renaissance (1904) 1, 18. 3@cc) abgeschwächt in höflichkeitswendungen: ich solte glückselig seyn, ew. lbt. ferner auffzuwarten bei Creizenach schausp. engl. comöd. 73; schauspiel auf die glückseeligste vermählung beyder röm. kayser- wie auch zu Hungern und Böheim königl. majestäten Lohenstein Ibrahim sultan (1680) a 5a; ersamer und fürsichtiger lieber schwager, ewere gesundheyt und glückselige wolfart ... wer mir ein freud zuvernemen formular allerlei schrifften (1543) 2a. 44) 'wohlbehalten, heil, unverletzt, ohne dasz ein unglück eintritt, ohne schaden zu nehmen, vor unglück, leid bewahrt, ohne unfall'. bei weitem nicht so beliebt wie der entsprechende gebrauch von glücklich; besonders ist die adverbielle verwendung seltener: (ich bin) gewest ... zu Aschenborg zu der hochzeit und glückselig und gesunt wider anheim kommen (1491) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 295; dises hauss were wol glückselig vnnd vnbeschediget Schaidenreiszer Odyssea (1537) 3a; die kinder, deren mütter ... auffgeschnitten werden, kommen vil glückseliger auff die welt Heyden Plinius (1565) 20; sie gaben für, das pferdt dermassen wurd also durch sie hinderlassen der göttin Palladi zu ehrn, das sie glückselig widerkehrn Spreng Äneis (1610) 22a; in dieser ... gefahr erhuben sie das gemüth und stimme zu dem h. Antonio, ruffen denselben um beystand an, und sihe, das schiff kame aus aller gefahr und lieffe glückseelig durch den ... canal in Venedig ein F. Caccia hl. Antonius v. Padua (1692) 229; wie Sara ... eine glückselige niederkunft gehabt Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 20; glückselge heimkehr, senn! Schiller 14, 274 G.; bey der glückseligen ankunft ... Friedrich Wilhelms J. V. Pietsch geb. schr. (1740) 268 (vgl. oben 1 b). 55) im glückszustand befindlich bzw. damit verbunden, in angenehmer, erfreulicher lage, in einem zustand, wo alles nach wunsch verläuft oder man doch mit seiner lage zufrieden ist, sich wohl fühlt; oft mit deutlichem bezug auf äuszeren wohlstand, reichtum. 5@aa) von personen: gedenck auch deines freunds geleich, wenn du wirst glückselig und reich Hans Sachs 19, 156 K.-G.; aws solchem neyd fellt der sünder leichtlich in krieg vnd zorn gegen demselben glücksaeligen nagsten Berthold von Chiemsee t. theologey 251 R.; darumb fragt den Damoclem der könig, ob er begert, auch also reich und glückselig zu seyn Kirchhof wendunmuth 2, 37 lit. ver.; die glückselige sind wie gottes säw, die er mestet zum schlachten; die frommen sind die magern, die gehören jhme zu als die nichts nutz Lehman floril. polit. (1662) 1, 370; so seye dann wohlgemuth, o menschliches geschlecht, reich und glückselig hat dich gott gemacht, dasz er dir einen solchen schild gegeben Abr. a s. Clara abraham. lauberhütt (1721) 1, 145; wer ein vierblätteriges kleeblatt findet, der soll es werth halten; denn so lange er es hat, wird er glückselig und reich sein J. G. Schmidt rockenphilosophia (1706) 1, 216. besonders beliebt in der philosophie und popularethik der aufklärungszeit: man kann aber diejenigen, so sie allein besitzen, nicht vor verständig und noch weniger für weise, am allerwenigsten für glückselig halten Leibniz dt. schr. (1838) 2, 40; hingegen da die wahren güter eine beständige lust gewehren, ... so können sie auch den menschen nicht unglückselig machen, sondern nur glückselig Chr. Wolff gedancken v. d. menschen thun u. lassen (1720) 35; wir wissen, dasz wir fähigkeiten, zu handeln, glückselig und unglückselig zu seyn, besitzen J. A. Cramer nord. aufseher (1758) 1, 72. öfter dann mit gewisser ironie: ohnerachtet ich so recht lebe, was ein Darmstädtischer oberförster glückseelig nennen würde Lichtenberg br. 1, 11 L.-Sch. 5@bb) von einem land, einer landschaft oder örtlichkeit, bald mehr auf äuszere gegebenheiten (fruchtbarkeit, landschaftliche schönheit, wohlstand), bald mehr auf den glückszustand, die zufriedenheit seiner bewohner bezüglich: wem wirt sich duncken ewer land das glückseligst auff gantzer erd Hans Sachs 2, 48 K.; eine glückselige vnd wolgeordnete stat vnd gemeyn Fischart ehzuchtbüchl. 142 H.; ich nahm überall in acht, was ein land glückseelig macht H. v. Hoffmannswaldau u. a. Deutschen auserl. ged. (1697) 2, 142 Neukirch; (titel:) Fr. W. Sommersberg das glückseelige Schlesien (Lpz. 1719); in diese glückselige gegend A. v. Haller Usong (1771) 207; in einem glückseligen thal am fusz und im busen der gebürge Herder 13, 35 S.; droben im glückseligen Schwaben ist meine heimat Scheffel ges. w. 3, 20 Proelsz; die glückseligen gefilde Campaniens W. Weigand d. Löffelstelze (1919) 388. — Arabia felix das glückselige oder reiche Arabien Zehner nomencl. (1645) 90; vgl. Grimmelshausen Simplicissimus 211 Sch.; Lohenstein Arminius (1689) 1, 7a. — mythische vorstellung liegt der wendung die glückseligen (vgl. 7 b) inseln zugrunde, die sich besonders die utopie zu eigen macht, vgl. μακάρων νῆσοι: in den glückseligen inseln, da ungesäet und ungeackert alle ding wachsen Seb. Franck mor. encom. (o. j.) 4a; Heinse Ardinghello und die glückseligen inseln (titel); vgl. noch A. W. Schlegel s. w. (1846) 9, 26; F. Freiligrath ges. dicht. (1870) 5, 185; Ranke s. w. (1887) 1, 178. — übertragen: das altertum ... war eine glückselige insel Justi Winckelmann (1866) 1, 226; (sich sehnen) nach den glückseligen gestaden der poesie Gutzkow ges. w. (1872) 8, 3; glückselige felder (der himmel), wo die freude auf ewig wohnet Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 16. 5@cc) bei begriffen der zeit, des zustandes u. dgl. 5@c@aα) wie wir in glückseliger zeit dahin nicht kommen mögen Luther 28, 647 W.; (wo) gott verleiht glückselige jar Hans Sachs 18, 187 K.-G.; wären die zeiten glückseliger, so ... Chr. Weise Masaniello 12 ndr.; (nach einer schilderung üppigen lebens) bruder hastu ein so edel glückselig leben wie du vorgibst, so mache mich deiner glückseeligkeit auch theilhafftig Grimmelshausen Simplicissimus 340 Sch.; die jahre des Pericles waren die glückseligste zeit für sie (die Griechen) Justi Winckelmann (1866) 2, 2, 217. wo der persönliche anteil stärker ist, gewinnt glückselig die bedeutung 'glückerfüllt, von starkem glücksgefühl begleitet' (vgl. 7 a): glückselige zeiten meiner ersten jugend! H. P. Sturz schr. (1779) 2, 188; so danke ich dem himmel, dasz er mir so auch jetzt noch etwas abgibt aus den erinnerungen dieser glückseligen (knaben-)zeit Adolf Hitler mein kampf (1933) 6; getrocknete blumen ..., die man vorlängst als zeugen glückseliger stunden eingelegt Mörike w. 3, 53 Göschen; ein glückseliges leben habe ich geführt Fouqué zauberring (1812) 1, 109. sehr verbreitet ist die verbindung glückseliger stand, zustand: ob ir alle in gluckseligem stande und wolmogender gesuntheit wert (1475) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 130; menschen, welche in absicht auf die gesundheit ihres leibes den grünenden cedern gleichen, welche aber ihren glückseligen zustand nicht erkennen, nicht achten J. M. Göze lehre v. tode (1749) 358. 5@c@bβ) besonders in wünschen: das du glückselig lebst allwegen! Hans Sachs w. 1, 96 K.; mit wündschung eines glückseligen ... newen jahrs B. Krüger aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) a 7b; glückseliges neujahr! J. G. Jacobi s. w. (1807) 5, 174; wünsch euch ein glückselige zeit W. Schmeltzl Samuel u. Saul 10 Wiener ndr.; wir wünschen glückselige feiertäg bei A. Hartmann volksschausp. in Bayern u. Österreich (1880) 11; glückselige weihnachten und ein goldigs herrgotterl E. Leibl d. kette (1937) 35; einen glückseligen guten morgen, ihre magnificenz Schoch comöd. v. studentenleben (1657) f 7a. in ähnlichen wunschformeln in den heutigen mundarten über den sonstigen gebrauch des wortes hinaus bekannt, so z. b. elsäss. Martin-Lienhart 2, 349b; Birlinger schwäb.-augsb. wb. 197a. 66) glückbringend, -gewährleistend, -verursachend, beglückend, förderlich, glückbedeutend, auf künftiges glück hinweisend'; berührungen mit glückselig 1 und 5 c sind häufig. 6@aa) entsprechend lat. faustus, dexter, auspicatus in erster linie die günstige vorbedeutung bezeichnend: also wurd ... der landschreiber die verordenten zu fodern heraus geschickt, sprechend: ir habt ein gluckselige stunt troffen (1525) chroniken d. stadt Bamberg 2, 85 Chroust; diser vogel ist dir von got gesandt, ain gelückhselige warsagung Schaidenreiszer Odyssea (1537) 66a; ein guoter glückseliger troum troumbüchlin ... durch Ryff inn truck verordnet (1563) 1; zum glückseligen eingange (der braut in das haus) Heyden Plinius (1565) 272; die alten haben allezeit solche vngleiche zaal inn vilen dingen für eyn solch glückselig ding ... geachtet Sebiz feldbau (1579) 138; die glücksehlige zahl drey Fr. Brandt glänz. taubenflügel (1675) 34; dies auspicatus ein glückseliger tag nomencl. lat.-germ. in us. schol. (Hamb. 1634) 16; albae gallinae filius (d. i. glückskind) er ist zu einer glückseligen stunde gebohren Spanutius (1720) 499; denn diese zeit (des voll- und neumonds) hielten sie (die Germanen) vor die glückseligsten Hans v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 284; glückselige orakelsprüche Schiller 13, 107 G. 6@bb) die unmittelbare oder ständige förderung betonend, vgl. besonders lat. secundus. glückseliger wind: sechshundert meil, die man mit glückseligem wind in acht tagen fOert S. Frank weltbuch (1534) cc 6b; auch übertragen: damit jr den segel ewer handlungen und regierungen nach dem glücksäligen oder widerwertigen windt anziehen oder ablassen kündt J. Grünbeck von d. veränderung aller stände d. christenhait (1522) a 2b. — glückselige hand: es hat nicht ein jeder mann ein glückselige leichte hand zu heilen Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, z 8b. mit übergang zu 3 b: wie glückselig die hand ist, die so etwas hinzaubern kann maler Müller w. (1811) 3, 46. — willtu auff ungewis zukunfftig unglück meyn gewis glückselig gepott ubertretten? Luther 15, 166 W.; ich gieng in den tempel der götter, zu bitten, mir ein glückseligen beystandt zu thun buch d. liebe (1587) 197; dasz ein jung edel ingenium ... einem gantzen landt nützlich und glückselig sey R. Lorichius paedagogia principum (1595) 18; (ein) glückseliger brief Amadis 105 lit. ver.; die stelle eines glückseligen bottschaffters verrichten bei Creizenach schausp. engl. comöd. 113; mit ähnlicher sinnfärbung in neuerer zeit: dasz ich wahrheit sah, glückselige wahrheit, ach, mir sagts mein herz Geibel w. (1888) 2, 192; und hast mir doch viel freuden und glückselige nachbarschaft geschenkt P. Dörfler d. notwender (1934) 248. 77) unter stärkerer einwirkung des zweiten bestandteils selig. 7@aa) 'von glücksgefühl, gefühl starker freude, befriedigung erfüllt, damit verbunden, hoch beglückt'. gegenüber der gleichen bedeutung von glücklich (6) weist glückselig besonders in neuerer zeit eine entschiedene steigerung auf, die auf den vom religiösen wieder ins weltliche gewandten und dadurch stark gesteigerten gebrauch von selig (s. teil 10, 1, 525) zurückgeht. erst seit dem 18. jh. wirklich lebendig. vgl. 'glückselig (heiszt) glück in menge habend' Adelung umst. lehrg. d. dt. spr. 2, 75. 7@a@aα) allgemein. auf personen bezogen; in vereinzelter früher anwendung in unpersönlicher konstruktion: den weibern ist guot unnd glückseelig, wenn in tröumet von schönen gewürckten, geblümbten oder gestickten kleyderen troumbüchlin ... durch Ryff inn truck verordnet (1563) 55; ach, dachte Gackeleia, wie glückselig wäre ich, wenn ich eine puppe in meinem schönen garten spazieren führen könnte Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 114; glückselig bin auch ich gewesen; es war im schönen monat mai Geibel w. (1888) 3, 165; wie eine schar glückseliger kinder, die ihrem vater entgegenjubeln Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 374; als er 1803 das erste reitpferd erhielt, küszte er überrascht und glückselig dem guten vater die hand G. Freytag ges. w. (1886) 16, 116. — auf sachliches bezogen: bey der erinnerung an diese glückselige schwärmerey meiner ersten jugend Wieland Agathon (1766) 1, 303; glückselige und bange gefühle wechselten auch in ihrem herzen M. Meyr erzähl. aus d. Ries (1868) 1, 35; (sie) schreibt ... glückseligen herzens O. Peschel völkerkde (1874) 316; mit glückseliger zuversicht Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 385; (Haugwitz) wiegte ... sich in glückseligen hoffnungen ebda 1, 243; mit glückseligstem gesichtsausdrucke Fontane ges. w. I 6, 235; im übermut ihrer glückseligen laune Ganghofer doppelte wahrheit (1893) 113. adverbiell: Auguste lachte glückseligst über seinen eifer K. Gutzkow ges. w. (1873) 3, 303; Dietegen blickte so glückselig, neugierig und harmlos umher, dasz man von weitem sah, dasz das ein unschuldiges kind war G. Keller ges. w. (1889) 5, 195; glückselig focht general Oppen mitten im getümmel Treitschke dt. gesch. (1897) 1, 498; mit glückselig lächelnden augen Ganghofer almer u. jägerleut (1900) 107; ein paar mal lachte sie, leise, glückselig gurrend H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 28. 7@a@bβ) insbesondere vom glück der liebe, ehe und familie: welche ist je vnter den tödtlichen mehr dann ich vnselig gewesen? welche vnglückhafftiger? die ich ein wenig darvor mit meinem Camillo glückselig war buch d. liebe (1587) 115b; krieg ich ihm, so bin ich die glückseligste fraw G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 74; nachdem verknüpfen sie so herz als hand durch ein glückseeliges und unzertrennliches band König ged. (1745) 175; indem sie, ihre schönen arme um ihn windend, den glückseligsten aller liebhaber an ihren busen drückte Wieland Agathon (1766) 1, 208; du glückseliger bräutigam J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 131; nach fünf glückselig verlebten jahren löste der tod dies zarte band H. v. Chézy erzähl. u. nov. (1822) 1, 212; kein glückseliger paar hat man gesehen Mörike w. (1905) 1, 107 Göschen; in demselben zimmer, wo ich einst mit dir so glückselig war briefe von u. an Herwegh (1896) 76; die glückseligste häuslichkeit Thümmel reise in d. mitt. prov. v. Frankr. (1785) 2, 104. gelegentlich konkret für das intime liebesglück: deine Anne ist auch verplempert; dein vetter Michel war so glückselig, und sie hat schon ein kind Ulr. Bräker s. schr. d. arm. mannes in Tockenburg (1789) 1, 164. 7@bb) im anschlusz an selig erhält glückselig religiöse anwendung, 'des ewigen heils teilhaftig, erlöst'; sie bleibt aber weit beschränkter als die von selig; es kann daher glückselig und selig auch geradezu in gegensatz gestellt werden: ihr könnt in dieser welt zwar wohl glückselig werden, doch selig ist ein werk, das ich (der himmel) nur geben kann Triller poet. betracht. (1750) 1, 121. 7@b@aα) mit einbeziehung des irdischen lebens: durch den herren Jesum sind alle geschlecht der menschen glückselig worden Zwingli dt. schr. 1, 95; Joseph mein, sih, was für frewd mein Jesulein auszgossen hat auff erden, glückselig musz sie werden bei Kehrein kathol. kirchenl. 1, 278; so seye dann wohlgemuth, o menschliches geschlecht! reich und glückselig hat dich gott gemacht, dasz er dir einen solchen schild (Jesus) gegeben Abr. a s. Clara abraham. lauberhütt (1721) 1, 145; gott, du bist vater der wesen nicht nur, dasz sie wären; du bist es, dasz sie auf ewig glückselig wären Klopstock oden 1, 142 M.-P. öfter stehen glückseligpreisungen an der grenze der religiösen anwendung: o, wie glücksälig ist der mann der gottes gnad thut nemen an bei Wackernagel dt. kirchenlied 5, 557; o wie glückselig seind alle kinder gottes Fr. Spee güldenes tugendbuch (1649) 15; derhalben schätze ich die vor glückselig, welche durch viel trübsal in das reich gottes eingehen Chr. Weise erznarren 50 ndr. gelegentlich nähert sich glückselig der bedeutung 'fromm': solche sitten unnd gute kinderzucht, darvon du sagst, machen dasz die kinder, wenn sie auch elltern, unnd sonderlich die töchter müttern werden, fromme, glückselige kinder bekommen, ausz denen fromme biderleut werden J. B. Fickler Putherbeien tractat (1581) 46b; die glückseligen sterben bei zeiten Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 70b. 7@b@bβ) mit beziehung auf den tod: glückselig leben und sterben to live and dy happily, blessedly Ludwig t.-engl. lex. (1716) 714; und wie sie das dritte ma läuten, da nahm sie ein glückselig end A. v. Arnim w. 21, 74. 7@b@gγ) auf das ewige leben im jenseits bezogen: glücksälig seyn coelum accipere Maaler (1561) 186d; wer da weder in jener welt ein glückseliges noch in dieser ein gottseliges leben haben wil Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 141; die wahre weisheit ..., die den weg zur glückseligen ewigkeit zeigt A. v. Haller Alfred (1773) 61; wenn sie, und du, und ich zusammen (in jenem leben) glückselig sind Klopstock oden 1, 152 M.-P.; alle hoffnung eines künftigen glückseligern lebens Lessing 2, 80 M. entsprechend von heidnischen vorstellungen: die elyseischen gefilde, die er (Hesiod) an die westliche gränze der erde versetzt, nennt er die inseln der glückseligen ... die späteren dichter haben diese mythen ... von den inseln der glückseligen, die den besseren menschen zum wohnsitz nach ihrem tode angewiesen wurden, weiter ausgeschmückt A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 107; der himmel ... hat seinen namen von valr, den erschlagenen im kriege, weil diesen vornehmlich die glückselige zukunft bestimmt war Gerstenberg br. über merkw. d. litt. 238 lit.-denkm.; er hat den sieg erkauft mit seinem eignen blute; kein geriot, kein grisgri und keine zauberruthe erweckt ihn; durch dies grab will er von hinnen ziehn in das glückselge land, wo die gestorbnen wohnen Freiligrath ges. dicht. (1877) 1, 98 (am Kongo). — mit bezug auf das seligsprechen der katholischen kirche, spöttisch: ein gebraten spanferckel sprach ich glückselig, weil es eine citron im maul hatte Grimmelshausen 2, 404 Keller. 7@b@dδ) mit stärkerer betonung des moralischen als des religiösen: nur der gute, der dem urquelle des guten nachstrebe, sei glückselig auch in trübsalen des lebens, und gehe durch den tod zu höherem gute der glückseligkeit J. H. Voss antisymbolik (1824) 1, 181; das gebäude eines wahrhaft menschlichen, d. h. sittlichen und dadurch glückseligen lebens D. Fr. Strausz schr. (1877) 6, 7; vgl. auch 5. 7@cc) im anschlusz an das lateinische 'nemo ante mortem beatus' objektiv, als urteil über den gesamten lebensverlauf einschlieszlich des todes: fürn todt man niemand rühmen kan, das er sey ein glückselig man Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) d 1a; eh er gestorben ist, dürfen wir ihn nur glücklich, aber nicht glückseelig nennen ... wer aber von allem gutem das meiste hat und es bis an sein ende behält, wer da einen glücklichen ausgang findet, der allein scheint mir glückseelig zu sein (Solon zu Crösus) Iris 7 (1776) 622 f. Jacobi. 7@dd) wie selig (vgl. teil 10, 1, 526; Staub-Tobler schweiz. id. 7, 698; Gerbet Vogtland 142), aber nur ganz gelegentlich hat glückselig die bedeutung 'berauscht, angeheitert, betrunken': die schenken sind meist gefüllt mit glückseligen, die sich einen oder ein paar blaue montage machen A. v. Droste-Hülshoff w. (1878) 2, 355.
33472 Zeichen · 759 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glücksèlig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Glücksèlig , -er, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches in allen denjenigen Bedeutungen angetroffen wird, in welchen glüc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    glückselig

    Goethe-Wörterbuch

    glückselig auch -seel-, im Vers wiederholt synkopiert -sel’g-; auch subst; 17 Belege gegenüber ca 4600 ‘glücklich’; über…

  3. modern
    Dialekt
    glücksëlig

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    glücksëlig Adj. glückselig, nur gebr. in Glückwünschen. Ich wünsch d i r e glücksëli g s neüs Jo h r! K. Z. In kathol. G…

  4. Sprichwörter
    Glückselig

    Wander (Sprichwörter)

    Glückselig 1. Der ist glückselig, der auf eines andern Unkosten klug wird. – Winckler, VI, 67. 2. Glückselig ist der Ack…

  5. Spezial
    glückselig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    glück|se|lig adj. contënt (-nc, -a), ligher (ligri, ligra), beat (beac, beata).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glueckselig

38 Bildungen · 31 Erstglied · 1 Zweitglied · 6 Ableitungen

Ableitung von glueckselig 2 Analysen

gluecksel + -ig

glueckselig leitet sich vom Lemma gluecksel ab mit Suffix -ig.

Alternativen: glueck+-sel+-ig

Zerlegung von glueckselig 2 Komponenten

glueck+selig

glueckselig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

glueckselig‑ als Erstglied (30 von 31)

glückseligen

DWB

glueck·seligen

glückseligen , vb. , glückselig machen: das er ( gott ) der ist, der das geschöpff glückseliget vnnd vnglückseliget Paracelsus opera (1616) …

glückseligeninsel

DWB

glueckseligen·insel

glückseligeninsel , f. : wir sehen aus dem schiffe wie durch eine meertiefe unten an einem gewölbten himmel eine heraufkommende steigende gl…

glückseligkeit

DWB

glueck·seligkeit

glückseligkeit , f. , ' beatitudo, felicitas, prosperitas '. in den mundarten noch weniger verbreitet als das adj., doch vgl. rhein. wb. 2, …

glückseligkeitslust

DWB

glueckseligkeit·s·lust

glückseligkeitslust , f. : seine schwärmerei und seine sentimentale glückseligkeitslust F. G. Kühne portraits u. silhouetten (1843) 2, 121 .…

glückseligkeitsplan

DWB

glueckseligkeit·s·plan

glückseligkeitsplan , m. : die ersten linien des glückseligkeitsplans ..., die ich für sie entworfen habe Fr. v. Gentz schr. 1, 54 Schlesier…

glückseligkeitsziel

DWB

glueckseligkeit·s·ziel

glückseligkeitsziel , n. : alle weichlichen glückseligkeitsziele liegen Nietzsche ... fern Raoul Richter essays (1913) 134 ; ( Goethes leben…

glückseliglich

DWB

gluecksel·iglich

glückseliglich , adv. zu glückselig. nach dem 17. jh. nur noch selten. im 16. jh. gelegentlich glückseligliche: Meckelburg ... ( wird ) glüc…

glueckselig als Zweitglied (1 von 1)

unglückselig

DWB

unglueck·selig

unglückselig , adj. adv. , gth. von glückselig. im mhd., mnd., mnl. noch nicht belegt; nl. ongelukzalig = onzalig veraltet ( vgl. rampzalig,…

Ableitungen von glueckselig (6 von 6)

beglückseligen

DWB

beglückseligen , nnl. begelukzaligen: er sorgte euch zu beglückseligen. Lohenst. Arm. 2, 965 ; beglückseligt mein herz mit eurer gegenwart. …

glückselige

DWB

glückselige , f. , glückseligkeit: gott gebe dir die glücksälege Abrahams Züricher bibel (1531) 1. Mos. 28, 4.

unglückselig

DWB

unglückselig , adj. adv. , gth. von glückselig. im mhd., mnd., mnl. noch nicht belegt; nl. ongelukzalig = onzalig veraltet ( vgl. rampzalig,…

Unglückselige

GWB

Unglückselige [bisher nicht publizierter Wortartikel]

unglückseligen

DWB

unglückseligen , verb. , unglückselig machen ( vgl. seligen, beglückseligen, glückseligen): das er ( gott ) der ist, der das geschöpff glück…

unglückseliglich

DWB

unglückseliglich , adv. : Hulsius (1618) 2, 127 a ; Kramer (1700) 1, 592 c .