gewölk,
gewölke,
gewülkene,
n. ,
jüngeres, erst aus der mittelhochd. zeit belegtes collectiv (
vgl. jedoch sp. 6699),
das in der neueren dichtung besondere pflege findet, dem aber eine noch breitere grundlage des gebrauches für die ältere zeit der neuhochdeutschen periode durch einzelne versprengte trümmer erschlossen werden kann. das bedürfnisz nach einer collectivform verräth sich schon in den althochdeutschen belegen für das gemeingermanische grundwort (
vgl.wolchan Graff 1, 796).
sie bevorzugen auffallend den plural, mit dem sich die verwandten sprachen, wie auch die lat. vorbilder mancher der einschlägigen deutschen belege behelfen. 11)
in den ersten belegen kreuzen sich, entsprechend der formentwicklung des grundwortes, zweierlei bildungen, die eine geht vom älteren neutrum (
vgl.wolken mhd. wb. 3, 802
a)
aus, die andere vom jüngeren schwachen masc. und fem. (wolke
ebenda): gewülke (
mhd. wb. 3, 802
b)
und gewulkene Lexer 1, 998. 1@aa) gewulken
und gewülke. 1@a@aα)
die zum neutrum gehörende bildung ist mit dem u-
vocal bezeugt, der am grundwort schon gelegentlich vorkommt und der bei unserer bildung überdiesz einer mittelbaren, bei der concurenzform (
s. o.)
einer unmittelbaren einwirkung des suffixvocals entspricht. hier tritt in mitteldeutschen zeugnissen früh der für diese mundarten kennzeichnende o-
vocal zu tage, den die heutige schriftform aufgenommen hat und der in der Weimarer handschrift des Lucidarius
bereits auch umgelautet erscheint. sonst sind umlautbezeichnungen gerade bei den unzweifelhaft hieher gehörenden belegen seltener. zur bedeutung ist die vielfach ersichtliche collectivkraft und neben der sinnlichen verwendung in predigten und chroniken die übertragene in der mystik hervorzuheben. 1@a@a@11)) unser herre ... der soll schepfin vber dem berk zu Lyon ... ein gewuolkene (
nubem) an dem tage und ein ruoch und einen schinen des vuores,
daʒ si flammende in der nacht
altdtsch. predigten 1, 101
Schönbach; daʒ gewuolkene schetewet an dem heiʒen tage vor der hitze, daʒ bezeichent unsers herrn menscheit ... daʒ gewuolkene daʒ was die menscheit die er enphing von der ewigen magt
ebenda; von der gottes wunne diu von der gottheit schîn gie, dô in daʒ gewülken umbevie. Jansen Enikel
weltchron. 8700 (
mitteldeutsche var.: gewolke, wolke);
desgl. 8690; do bedakte ein gewulken das geczelt
Wenzelbibel 2. Mos. 40, 34 (eine wolke Luther)
s. Jelinek
mhd. wb. z. d. dtsch. sprachdenkm. Böhmens; ein gros gewulken
Hesekiel 1, 4 (einer grossen wolcken Luther)
u. a. dazu vgl.: ein gewelcken get für diu sunne
Weimarer handschr. des Lucidarius s. Diefenbach-Wülcker 620; so wandelt sich das gewelchen nach den vier elementen
ebenda; in diesem scharmützel ist ein dickes schwartzes gewolcken mit schwartzen schlossen und hagel entstanden, also das das volck im felde nicht sehen konte
forts. d. hochd. übers. d. Magdeburger schöppenchron. (
c. 1565),
s. dtsch. städtechron. 27, 55; es gieng nur ein nebel odder tunkel gewolcken auff wie ein thaw Luther (
über das erste buch Mos. (1527) 24, 65
Weimar; dasz sich das gewülcken hat zertrendt. Jacob Ayrer (
Tarquin. Priscus) 1, 222. 1@a@a@22)) swenne aber des mennisgen muot denne wirt widerkeret mit der swarin menneslicher brodi. so tunchelet eʒ. und in eineme gewulchene, das den schimin des ewigin lihtis dannan uʒ getribin hat
sermo in dedic. ecelesie 41
s. Wackernagel
predigten s. 26; von dem alles gewúlken und timber nebelheit vertriben ist Seuse (
groszes briefbuch 25. br.) 478
Bihlmayer; und lont úch abe dem snitterjone nút triben kein regen oder gewülkene manigerleie trug und getrenge und widerwertikeit ... wenne ... unser lieber herre Jhesus Christus, des selben regenwetters und gewülkenes gar vil durch siner snitter willen erlitten het Schürebrand 34
Strauch; vgl. auch γ. 1@a@bβ)
die formen, die sich als collectivbildung zum schwachen masc. oder fem. ansprechen lassen, sind mit den gleichen färbungen des stammvocals bezeugt. zum oberdeutschen umlaut vgl.: si luogete hin gen den himel; do daht si, daʒ die sunne schon uf giengi an alles gewülk mit vil glastes Seuse (
leben cap. 20) 59
Bihlmeyer; abgescheiden sinde von allem gewülk und gewerbe der nidren dingen, ansterende dú gotlichú wunder 186; derzelbigen ist ... geweissaget worden ... sie muosz von dem wetter erschlagen werden ... letztlich hat sie ain farender schueler ain gewissen segen darfur gelernt, mit der gewissen vertröstung, waverr sie zu anfangs ain ieden wetters oder das sich das gewülk zu aim wetter zusamen ziehe, solchen segen sprechen, werde sie sicher sein ... allwegen, so sich das gewulk zusamen hat gezogen oder anfahen brummen im luft, so hat sie den segen gesprochen
Zimmersche chron. 1, 373; inn das gewülck birgt es sein haubt, vermenckelt sich, das man im glaubt mit nebel und mit blawen dunst. Hans Sachs (
fama, das gerücht) 4, 161;
zum mitteldeutschen gewolke (
vgl. auch gewolck Oudemans 2, 669;
vgl. die variante gewolke
bei Jansen Enikel)
vgl. diese erbeiter sind die prediger, welche hie der prophete gewolcke heisst, auff Ebreisch Hasisim ... das heisst schawen odder sehen, darumb das die wolcken erab sehen Luther (
proph. Sacharja ausgel.) 23, 524
Weimar; dat gewolk verschwinget ganz und gar, omb uns ist es schön hell undt chlar.
comedien v. d. geburt Christi (1589) (1, 1) 31
Gerstmann. (
mit umlaut:) siehstu duo rot daʒ ist der man der schint dur das gewölke liecht ich ker mich an den wächter nicht.
von einem knappen u. einer frauen (
Laszbergs liedersaal [
nr. 213
v. 263] 3, 112); der gnadenhimmel ist mechtiger denn der sunden gewölcke Luther
der 117.
psalm (1530) F 3
b;
s. Dietz 2, 122.
diese form des collectivs hat gegen die erste den sieg in der schriftsprache davongetragen. zu den variationen in ihrem bereich s. sp. 6701/2. 1@a@gγ)
oblique casus, sofern sie auslautenden nasal zeigen, sind für sich zu betrachten. sie könnten auch zu der zweiten gruppe gezogen werden, deren grundwort ja hier die gleiche form bot, so dasz es nahe liegt, sie, wie einige belege auf sp. 6698,
nicht als collectivbildungen, sondern als einfache verstärkte formen zum grundwort aufzufassen. für diese auffassung sprechen zwei zeugnisse anderer richtung, bei deren einem das genus, beim andern die bedeutungsabgrenzung ins gewicht fällt: mein ghör freud sich, o herre Gott, deines worts vnd der rede,
wenn du hast geredt alle bot, frid, gnad vnd auch die bede zu deinem volck aus reiner gwolck, zu den, die selig werden.
Val. Babstsches gesangbuch v. 1545, II
nr. IX.
vgl. andererseits den gegensatz von gebolkhe (wolke)
gegen gebilkh (
firmament) H. Tschinkel
gram. der Gottscheer mda. 149.
thatsache ist jedenfalls, dasz denkmäler, die im nominativ die form ohne nasal bevorzugen, im obliquen casus den nasal zeigen: darnach werden wir lebendige und uberbehaltne menschen, zuogleich mit den aufferstanden enzuckt, unnd im gewlcken Christo entgegen kommen Karlstadt
ein sermon vom stand der Christglaubigen seelen a2; wirt im gewulcken auffgezuckt
ebenda; zeigt die hand im gewülcken fein der musz das glück gehorsam sein. Hans Sachs (
das waltzend glück) 4, 159;
hierher gehören auch die ältesten pluralbelege, bei denen kaum erst mit einer abschwächung der collectivkraft zu rechnen ist. das erste zeugnisz läzzt den numerus noch unsicher; andere bieten festere anhaltspunkte: (
hohe) berge, die, als man spricht, in der himel gewülcken warn als eine mure oder wand aufferhöhet
herzog Ernst (
volksb. 270, 22)
Bartsch; die röte der gewülcken domit uns der sunnen schein uns den neuen tag bracht
Ulmer decameronübersetzung 587
Keller; die gewülcken dem mon sein schein genomen hetten (
die nevoli)
ebenda 106; ein grosser sturm winte ab aus den gewülcken fiele 76; hie saget ein ander wunder und spricht, wie das zu Rom fleische aus den gewülcken fiel Muglein
Val. Max. 10
b; so wird der herr gewolcken machen Luther (
der proph. Sacharja ausgel.) Weimar 23, 496 (
in der bibelübersetzung: so bittet nu vom herrn spatregen, so wird der herr gewolcken machen und euch regen gnug geben Luther
Sacharja 10, 1; schnee und regen Eggesteyn, rägenwolcken
Züricher bibel); da prudelt und donnert es wie in gewolcken Matthesius
Sarepta 149
a; und wie der wind Caecias gnent, die gwolcken an sich zeucht behend. thut nicht weiszlich wie andere wind, die jagens von sich weg geschwind. Eyering 2, 310;
dazu vgl. gewolken,
wolken in der mundart von Zschorlau s. Müller-Fraureuth 418. 1@bb)
die buchungen zeigen schon in den formen viel weniger mannigfaltigkeit als obige doch weit ins 16.
jahrh. übergreifenden litterar. belege. für die bildung mit nasal stellt der Nürnberger vocab. theut. von 1482
das einzige, dazu an die oben besprochene strittige form gebundene, zeugnisz: pilde der sunnen im gewulcken
s. Diefenbach-Wülcker 620.
auch für den stammvocal halten sich die wörterbücher im allgemeinen an neuere formen: gewülck
zwar bei G. König (1668);
aber gewölck
schon bei Dasypodius (
lat. deutsch. theil. z. 5
a).
anders die Schweizer, bei denen der widerstand der Oberdeutschen gegen die mitteld. neuerung zum ausdruck kommt: gewülck
bei Cholinus-Frisius
in den wenigen fällen, in denen er das collectiv belegen läszt (
vgl. auch wulck,
nubes);
desgl. gewülch, gewülck Maaler 180
a, 201
c.
damit stimmen noch die heutigen oberdeutschen mundarten überein: gewülk (kwilch
neben kwelk) Martin-Lienhard 2, 2, 822; gwülk Meisinger 22; gewülk (gwi.
schwäb. allgemein) H. Fischer 3, 639; gewülk (gwilk) Schmeller 2
2, 907; giwülke, giwülche Lexer
Kärnth. wb. 259; gwülch Castelli
wb. d. mda. in Österr. unter der Ems 159;
im gegensatze dazu stehen mitteldeutsche und niederdeutsche buchungen: ghewolck Kilian 147; gewölleks
wb. d. Luxemburger mda. 145
a; jewälk E. L. Fischer
plattdtsch. mda. im preusz. Samlande 53.
unter den buchungen, die auf schriftsprachliche geltung zielen, bildet die schreibung gewülck
bei König (
s. o.) eine ausnahme, denn wenn 73
jahre später Frisch
beide formen verzeichnet (gewölke
oder gewülke,
multae nubes 2, 456
c;
vgl. schon gewölck, gewülck Kramer 2, 97
c),
so kommt diesz auf die rechnung der belesenheit in älteren denkmälern. dagegen vgl. gewölcke J. L. Praschius, Rädlein, Kirsch, Matthias, Steinbach.
teutsch-engl. lex.; Chomel; gewolke Faber; gewölke Rondeau, Arnold; gewölck Henisch, Aler, Frisch
dict. des pass.; Stosch, Adelung, Campe.
bei Stieler
fehlt das collectiv ganz. 1@b@aα)
die begriffsbestimmung ist ziemlich einhellig: nubilum ... ein gewölck Dasypodius
lat.-dtsch. th. z. 5
a;
das gleiche Praschius
org. lat. ling. 16; Kilian;
vgl. auch (
s. o.) König; gewölck,
nubes, nubilum Henisch 1607.
bei der gleichsetzung mit nubes (Aler, Steinbach, Matthias, Kirsch, Faber)
ist an den plural des lat. subst. gedacht, wie einzelne gebuchte verbindungen zeigen, vgl. auch: gew.,
multae nubes bei Frisch (
s. o.); gewölcke,
clouds teutsch-engl. lex. 776; Arnold
4 427
b; gewölcke,
nuvolame, le nuvole ... les nuages, nués Rädlein 385
a;
anders: gewölke
nuage, nuée Rondeau 2 Uu 4
b;
nouveau dict. 2, 282;
auch die deutschen begriffsbestimmungen werden der collectivbildung vollauf gerecht: gewölcke ... heisst eine zusammenstossung oder vereinigung vieler wolcken Chomel 4, 1064; das gewölk ... eine sammlung mehrerer
wolken Adelung 2, 670;
desgl. Campe 2, 370; in dem worte gewölk ist ebenfalls eine vielheit begriffen, man verstehet dadurch allezeit mehrere wolken. wenn man sagt: es ziehet ein gewölk herauf, oder ein dickes gewölcke, verfinsterte die sonne, so zeiget man an, dasz mehrere wolken beisammen sind Stosch
versuch in richt. best. gleichbed. wörter 2, 259. 1@b@bβ)
in den beiden zuletzt beigebrachten belegen sind wendungen getroffen, die für die verbindungen unsers subst. kennzeichnend sind: subjectverbindungen und attributive. im allgemeinen sind die buchungen hier sehr zuzückhaltend und mehr von lateinischen vorbildern als vom thatsächlichen gebrauch geleitet. 1@b@b@11)) schwartz gewülch, dunkel und finster,
piceum coelum Maaler 180
a; wiszgraw gwülch, das gern hagel gibt,
calamitosum coelum 201
c;
andererseits vgl. nubilum, trüb wetter, gewülck Frisius (1597) 452. 1@b@b@22)) das gwülck stützt sich, die wulcken farend zesammen oder samlend sich,
coguntur in coelo nubes Maaler 201
c; es ziehet sich ein gewölck auff Aler 1, 944
a;
das gleiche (
spissae nubes se intendunt) Frisch; 's gwülck ist nieder Martin-Lienhard 2, 2, 822.
nubifer, der das gewölck bringt Dasypodius
lat.-deutsch z. 5
b;
nubifugus der dasz gewölck vertreibt
ebenda; der wind zertribt das gewülck,
ventus agit nubila Maaler 180
c;
genau so Rondeau (
le vent dissipe la nuée); 's giwülke unt'n inn gean lassen,
ventum admittere Lexer
kärnth. wb. 259. 1@b@b@33)) mit gewülck uberzogen, voll gewülcks, dunckel von wulcken,
nubilus Maaler 180
c; der himmel ist mit gewölke überzogen,
le ciel est couvert de nuages Rondeau; ein heller ort zwischen dem gewölke in der luft,
pié de vent. ebenda; on gewülck, schön klarer himmel,
innubis dies Maaler 180
c.
dazu vgl. nebulosus ager, aut locus, ein ort dem gewülck und rägen underworffen Cholinus-Frisius (1541) 574. 1@cc)
die formen der neueren collectivbildung zeigen innerhalb der litterarischen belege etwas mehr mannigfaltigkeit, als in den buchungen zu tage trat. 1@c@aα)
der stammvocal läszt die mundartlichen abgrenzungen, die sich schon in den buchungen zu erkennen gaben, hier deutlich vortreten: 1@c@a@11))
er bewahrt seine alte qualität: vgl. gewülck
buch der liebe, verdeutschung von Petrarcas trostbüchern; Fickler
übers. v. Putherbey; Sebiz
vom feldbau; zum bairischösterreichischen vgl. gewülck Schaidenreisser
Odyssee 22
a; 61
b; 63
c;
vgl.gewülke
bei Schmeller. gwülck
aus dem bair. wald s. Himmelstoss
in Bayerns mundarten 1, 255;
vgl. auch gewülcke
bei Comenius
orbis pictus (1662);
zum Schwäbisch.-Alemann. vgl.: gewülcken
im Ulmer decameron 76; gewülck
Zimmersche chronik 1, 373; Weckherlin, Fischart
Gargantua 199; gewülche Paracelsus 7, 437; 8, 77
u. a.; (
mit entrundung) gewilck Thoman
bei Baumann 182; Sebastian Fischer 236; Paracelsus
opus chirurgicum 29
u. a.; Wickram 8, 225; 2, 34 (gewülck 8, 209);
zum Schweizerischen vgl. noch aus dem 17.
jahrh. gewülck
bei Spreng
Ilias 44
b;
Aeneis 251
b;
bei den Schlesiern zeigt sich der entwicklungsgang am deutlichsten. Opitz
schwankt zwischen beiden formen (
s. u.);
andere neigen sich dem neuen vocal zu (
s. u.); Schickfuss in seiner
schlesischen chronik (1625)
hält noch durchweg an gewülcke
fest; auch für Wenzel Scherffer
belegt Drechsler (42)
das gleiche. zu den nachzüglern im 18.
jahrh. vgl. gewülck
wieder erst. Simpl. 3
th. 403;
dazu vgl. auch Frisch
s. o. 1@c@a@22))
zwischen dem alten und neuen vocal schwanken: Ryff gewölcke 80
b; gewülck 116. 80
b;
das volksbuch von Faust (gewülck
neben gewölck)
und Widmann
Fausts leben, der im text gewülcke, gewülck (442, 185),
im inhaltsverzeichnisz gewölck
belegen läszt. zu gewölcke
neben gewülcke
bei Opitz
s. Heilborn
wortschatz der schles. schule 1, 58;
dazu vgl. gewülk Schottel 634
b; gewölk 273. 1@c@a@33))
der neue vocal mit dem umlaut greift (
zum nicht umgelauteten vgl. sp. 6698/9)
schon im 16.
jahrh. über die grenzen hinüber: gewölck
Teuerdanck 43, 24, 52, 23;
desgl. bei Dasypodius, Moller; im 17.
jahrh. sind es Schlesier, die ihn neben dem Ostpreuszen Simon
Dach einbürgern: gewölck
bei Lohenstein, Praetorius, Angelus Silesius.
die wetterbüchlein aus der zweiten hälfte des 17.
jahrh. zeigen durchweg gewölke, gewölk,
auch wenn sie aus Oberdeutschland stammen. um diese zeit ist der neue vocal allgemein durchgeführt, vgl. die zu der frage der apokope unten beigebrachten belege. dasz die wörterbücher den vorgang viel früher vollzogen haben, ist oben gezeigt. 1@c@bβ)
zum consonantismus ist auf gwüick
neben gewülk
im bayr. wald (
s. Bayerns mundarten 1, 255)
zu verweisen. zum guttural vgl. gewülck Maaler; kwilch
neben kwelk
bei Martin
u. Lienhard, giwülche Lexer
kärnth. wb., gwülch Castelli, gewülche
neben gewülck Paracelsus; gewülkh
kirchenlied 2, 1126
b, 1118; gewülch
in älteren drucken von Wickram
s. 7, 68
Bolte. 1@c@gγ)
der suffixvocal unterliegt später der apokope, er verklingt am frühesten und anhaltendsten gerade in den mundartlich gefärbten darstellungen, die den stammvocal in seiner alten geltung bewahren. hier hat aber die schriftsprache dem oberdeutschen zuge nachgegeben: 1@c@g@11)) gewülcke
in der verdeutschung des Petrarca in den Faustbüchern; bei Paracelsus, Comenius, Schickfuss, Opitz; gewolcke Luther; gewölcke
bei Simon Dach, Opitz,
in Widmanns
Faust, bei Stöltzlin, Kissling;
von wörterbüchern bei Praschius, Rädlein, Chomel, Kirsch, Matthiae, Faber, Rondeau. in der
dichtung des 18.
jahrh. spielt das versmasz hier herein: gewölke
bei Uz 16. 336. 177; (gewölk 98. 232. 237);
vgl.gewölke vereinzelt bei Uhland
und Göthe;
doch läszt sich auch bei prosaisten eine neigung für den vollen auslaut nachweisen, so bei Lichtenberg
und Jean Paul,
beim Schlesier Holtei
und dem Steirer Rosegger. 1@c@g@22)) gewülck, gewilck
bei den Schwaben (
s. o.)
und Alemannen, gewülck
bei Schaidenreisser,
bei Spreng;
das gleiche auch Sebiz, Fickler, Ryff,
Widmanns Faust; gewolk
im gesangbuch von 1545; gewölk
im Teuerdanck; bei Moller (1584),
bei Fleming, Opitz, Lohenstein, Praetorius, Angelus Silesius, Simon Dach (
neben gewölke);
in Caccia's lebensthat des heil. Antonius (1692);
bei Henisch, Aler, Steinbach, Frisch
und in den späteren wörterbüchern; bei Gessner, Ramler, Bürger, Hölty;
im wechsel mit gewölke
bei Göthe, Klinger;
dazu vgl. gewölk bei Voss, Tieck, Rückert, Geibel, Waiblinger, Treitschke
u. a. 1@c@dδ)
der pluralgebrauch, soweit er nicht unter die oben besprochenen zeugnisse für die einfache verstärkte form zu wolke
fällt, gehört im wesentlichen der dichtung neuerer zeit an. 1@c@d@11))
schon die wenigen ansätze aus älterer zeit, die früher fallen, lassen deutlich erkennen, dasz es zumeist mehr stilistische als bedeutungsrücksichten sind, die diesen numerus nahe legen: der reimbindung (
mit völker)
zu liebe macht Hans Sachs
vom plural gebrauch und zwar in einer form, die sonst ganz vereinzelt steht: als er des herren stuel (
im himmel) det nehen, aus fürwicz er pald darauf sas und rab auf die erden schawen was durch die claren hellen gewölcker, und sach da, was durch alle volcker auf dem ganczen erdpoden gschach. Hans Sachs (
der schneider mit dem banner)
fab. u. schw. 2, 475;
die gleiche bindung wiederholt Fr. Rückert,
doch vermag er dem neueren sprachgebrauch nicht so weit entgegenzutreten, um einen ganz reinen reim zu bilden: wer hat denn diese völcker in ihrer ruh zerstört, dass sie als wie gewölke sich drängen unerhört? 1, 65.
dazu vgl. die ältere apokope bei Paracelsus,
dessen pluralgebrauch in dem capitel de nubibus (
de elemento ignis 1)
bezeugt ist und mehrfach einem wirklichen bedürfnisse, die von der vollen collectivkraft getragene bedeutung in die mehrzahl zu setzen, ausdruck giebt. gegenüber von: seindt auch stern von denn das gewülck und regen kommen 8, 77
vgl. nunmehr: bei dem Zephyro und Austro seindt der stern am mehristen der nassen gewülch, und bei Borea und Euro die drucknen gewülch 77; nässi der gewülch 82.
der plural des grundwortes hätte die gewünschte bedeutungsfärbung doch nicht so zur geltung gebracht; vgl. auch die verbindung gewülch machen 77, 83; dasz von etlichen orthen mehr gewülch gehndt als von andern 77. 1@c@d@22))
der neuere litterarische gebrauch läszt den plural mit vorliebe in wendungen belegen, die den dativ fordern, also der apokope widerstreben. und auch in den andern gebrauchsformen hält er am vollen auslaut fest (
vgl. aber E. v. Kleist 1, 7).
das verwendungsgebiet ist vorwiegend die gebundene sprache; obwohl das substantiv kein gefügiges reimwort ist (
vgl. oben),
kommt es doch dem versmaasz vielfach entgegen. am versschlusse findet es sich in solchen gedichten, die auf den reim verzichten: umher wirds dunkel von pfeilgewölken! sie breiten umher sich wetterverkündend.
Herder (
briefwechsel über Ossian) 5, 180;
dazu vgl.: Ewald von Kleist (
hymne) 1, 7; Denis
lieder Sineds s. 41; Zacharias 1, 288; Wieland
Hermann 99, 104; R. Lenz (
s. u.);
sonst findet sich der plural gegen den schlusz, gern auch zu beginn des verses: siehst morgens um und über dich ob nebel fallen, ob sie steigen, und was sich für gewölke zeigen. Göthe I, 4, 30
Weimar; das blau verwallt in dunst, die finstern falen gewölke ziehn in voller pracht herüber. Loeben
gedichte 29
Pissin; dazu vgl. mehrere belege aus Schiller,
aus Heinrich von Kleist, Rückert, Uhland
und zahlreiche aus Voss.
aus der prosa stellt Matthisson
mehrere zeugnisse, die den plural ebensowenig rechtfertigen: die gewölke zogen in immer gedrängteren schaaren heran, und strömten zuletzt in ein unabsehbares meer zusammen
erinnerungen 2 (1820) 65;
vgl. auch 2, 64, 65; 1, 55; 3, 271.
auch nach anderen richtungen drängen sich einige beobachtungen am pluralgebrauche auf, die hier nicht verschwiegen werden sollen, auch auf die gefahr hin, dasz unser reichhaltiges material durch eine erschöpfende zusammenstellung der belege correcturen erführe. 1@c@d@2@aa))
an den verbindungen, die das subst. in der pluralform eingeht, treten bestimmte züge hervor: 1@c@d@2@a@aα))
in der function des subjects oder objects scheint das substantiv am sprödesten gegen weitere bestimmungen: da weichen der halle bogen, die gewölke fliehen, ein blick ist offen nach des himmels reichen. Uhland (
Katharina) 1, 119
E. Schmidt; vgl. auch Matthisson 2, 64
und die obigen stellen; Rückert 1, 65. 2, 255; Denis
lieder Sineds 41;
vgl. auch Göthe I, 4, 36
Weimar; Loeben 21; dort auch liesz er die nebel, und dort die gewölke sich legen. Voss
Ovid (
schöpfung 50) 1, 5; das kriegerische rosz lasz uns besteigen, den zarten leib dem glüh'nden pfeil der sonne preisz geben, die gewölke über uns zur decke nehmen, und den stein zum pfühl. Schiller (
jungfrau v. Orleans 1, 4) 13, 199;
dagegen vgl.: grosz ist der herr! der himmel ohne zahl sind seine wohnungen, sein wagen sind die donnernden gewölk' und blitze sein gespann. Ewald v. Kleist (
hymne) 1, 7;
vgl. auch (
s. o.) Loeben 29; (
s. u.) Wieland
Hermann 104; E.
M. Arndt 3, 305;
vgl.wenn ... die liebliche luft und das mondlicht meinen sinn besänftigte, und so frei und friedlich über mir die silbernen gewölke sich regten Hölderlin (
Hyperion) 2, 78
Litzmann. 1@c@d@2@a@bβ))
bei der unterordnung unter ein substantiv schlieszt schon die enge der verbindung attribute im allgemeinen aus, diese treten eher zum übergeordneten hauptwort: den nordwind und was sonst für hauche den zug der gewölke verscheuchen. Voss
Ovid (
Deukalion 4) 1, 22; näher war der schöpfer dem vergnügen, das im busen des geschöpfes flosz. nennt der meinige sich dem verstande? birgt ihn etwa der gewölke zelt? mühsam späh' ich im ideenlande fruchtlos in der sinnenwelt. Schiller (
götter Griechenlands 86) 6, 24 (
erste fassung, fiel in der umarbeitung); und sieht im fluge schon die schweren schultern ragen, die des Olympus bürde tragen, in der gewölke schwarzem küssen ruht sein fichtenstarres haupt. (
Dido 46) 6, 397. 1@c@d@2@a@gγ))
die meisten attribute nimmt die pluralform des subst. im dativ zu sich; gegen: in den mannigfaltigsten gruppen schweben auf gewölken aetherische gebilde von göttern und göttinnen Matthisson (
gemälde von Gerard) 2, 270;
vgl.(aus gewölken) H. v. Kleist 2, 234; (den gewölken gleich) 2, 138; er, der den himmel mit gewölken deckt, der erde regen giebt, die berge sprossen machet zartes gras, den thieren speise giebt, den jungen raben, wenn sie schrein. Herder (
vom geist der ebräischen poesie 2
th.) 12, 90;
vgl. wenn, vom orkan gepeitscht, des meeres fluth sich mit den hangenden gewölken mischt. Ew. v. Kleist (
Cissides) 246; (hoch von falben gewölken hinab) Fr. v. Sonnenberg
Donatoa (12.
ges. 181) 2, 2, 152; (aus morgengewölken) Wieland
Hermann (3.
vers 185) 71; die tochter der freude, der segen des himmels, in weiszen gewölken mit rosen umschattet, duftete sie hinüber zu mir. R. Lenz
gedichte (
Kürschner bd. 80
s. 223); in der mitte erhebt sich der göttin heiliges bild, eine waldichte eiche, von fruchtbarn gewölken träufelnd und niedergedrückt. Wieland
Hermann (4.
vers 225) 99;
dazu vgl. s. 75;
vgl. Herder 5, 180; Matthisson 2, 188. 1@c@d@2@a@dδ))
als vereinzelte präpositionalverbindung mit acc. vgl.: bis durch die gewölke freundlich der abendstern blinkt. Zachariae 1, 288. 1@c@d@2@bb))
die belege für den pluralgebrauch treffen überwiegend die sinnliche grundbedeutung. 1@c@d@2@b@aα))
nur die übertragung auf andere die luft verfinsternde massen ist ebenfalls mehrmals bezeugt: der staub, der sich unaufhörlich gegen einander zermalmenden felsenmassen. stieg in so dicken gewölken empor, dasz die luft weit umher davon verfinstert wurde Matthisson
er. 2, 188;
vgl. auch (wirds dunkel von pfeilgewölken) Herder 5, 180; sieh wie von rauchendem menschenblut dumpfe gewölke steigen. Wieland
Hermann (4, 365) 104;
nur scheinbar fällt aus diesem rahmen der folgende, für das übermasz poetischer steigerung kennzeichnende beleg: aus thränengewölken sanftleuchtende blikke. (3, 308) 75;
vgl. sp. 6717. 1@c@d@2@b@bβ)) Heinrich von Kleist
im besondern gehört die beziehung auf lebende geschöpfe an: wo schauerliches raubgeflügel flattert, und den gewölken gleich, den tag verfinsternd, auf die hülflosen kämpfend niederrauscht. (
Guiscard 1) 2, 138; Achill und sie, mit vorgelegten lanzen begegnen beide sich, zween donnerkeile, die aus gewölken in einander fahren. H. v. Kleist (
Penthesilea v. 1124) 2, 334;
dazu vgl.: auf diese weise sind leider einzelne wie aus stinkenden sümpfen aufgestiegene gewölke entstanden, die seinen (
Göthes) verehrern den blick in seine sonne etwas trüben wollen E.
M. Arndt
schriften an m. l. Deutschen 3, 305. 22)
die mannigfaltigkeit des neueren gebrauches kam in dem vorhergehenden überblick über die pluralbelege nur andeutungsweise zur geltung. immerhin haben sich neben der sinnlichen verwendung einige züge der übertragung gezeigt, und mit ihnen traten schon fruchtbare keime der bedeutungsentwicklung zu tage, je nach dem anknüpfungspunkte, der zur vergleichung herausforderte, und je nach der verbreitung oder der vereinzelung, die solch einem vergleiche beschieden war. für manche verwendung ist es schwer, den ausgangspunkt und den entwicklungsgang heute noch blosz zu legen; daher scheint es hier besonders geboten, jede bedeutungsfärbung in dem rahmen zu betrachten, den sie ausfüllt. 2@aa)
schon in der sinnlichen grundbedeutung ist das substantiv 2@a@aα)
in allen darstellungsarten und stilgattungen verbreitet. 2@a@a@11))
auf erlebnisse, thatsächliche oder vermeintliche, weist sowohl der einfache bericht als auch die theoretische erörterung, die auf erfahrung sich stützt und zur deutung und aufstellung von gesetzen vorgeht. 2@a@a@1@aa)) aber dieweil sollich gesicht am morgen am himel stond, und der regabogen, schin die sunn ain wenig dunckel, gleicher gestalt als wan der mon yber die sunna gadt, und war doch kain gwilck am himel, sunder hipsch, liecht, blaw an allen orten Sebastian Fischer
chronik von Ulm 231; alsz man das koren abschnit, kam ain grosz wetter mit grosser ungestemikeit, das die schnitter sachen in dem gwilck, alsz ob ain grosser man oder track sich herabliesz in den acker, der was trei fiertel grosz Nicolaus Thoman
Weissenhorner historie bei Baumann 182; von einem schönen gewölcke, und bald darauf erfolgtem schweren donnerwetter, welches abermal D. Faustus auf dem kaiserl. saal angerichtet
inhaltsverz. bei Widmann
Fausts leben 23;
vgl dazu 442; während dieser zeit schien die sonne sehr heisz, und warf die stralen an das gewölke, wo auch von einigen ein regenbogen wahrgenommen worden Reimarus
vom blitze 35; indessen ward das gewölk drohender, man hörte ein dumpfes donnern, auch einige tropfen fielen, und Goethe fand es gerathen, wieder in die stadt zurückzufahren Eckermann
zu Göthe s. gespräche 5, 175
Biedermann; natürlich läszt auch Göthe,
der den erscheinungen der auszenwelt aufmerksame beobachtung gönnt, das substantiv schon in briefen mehrfach belegen: es war eben ein schöner mittagsblick der sonne aus dem gewölk als wir ankamen
br. 4, 77; desgl. 35, 61;
vgl. auch (
ital. reise)
werke 28, 11. 2@a@a@1@bb))
theoretische erörterungen wenden sich zumeist der frage zu, ob aus dem stand der wolken auf regen, gewitter oder aufheiterung zu schlieszen ist, und hier wird unser substantiv bis in die neueste sprache der wetterbeobachtung gebraucht. 2@a@a@1@b@aα)) dann sich dises biszweilen in dem gewülck zutreget, dasz ob es schon für ein gewisses regenzeichen gehalten, würd es doch zuzeiten durch den wind zertheilet Ryff
summar. bericht von träumen K k 2
b; wann sich auff den abend der himmel klet, und ohn' ein gewölck oder tonner viel plitzen gehn (
so bedeutet das schön wetter) Sebiz
vom feldbau 43;
dazu vgl. auch aus der dichtung, allerdings nach fremder vorlage (
s. u.)
und mit zuspitzung auf gemüthsbewegungen: je stärcker auch der wind entsteht, je bälder das gewölck vergeht. Spreng
von Aenea (
Aeneis 12.
buch) 251
b. 2@a@a@1@b@bβ)) wann die vier wind desz himmels zusammen stossen, wirdt das gewölck dadurch zusammengetrieben, oder bringt das gewölck zuerst daher, und mischet also an einem ort, einen regen oder schwartz gewölck, wie denn da auch zu sehen, dasz ober die statt so ein schwartz gewölck gehet
volksbuch v. doctor Faust s. 73
neudr.; wann sie (
die sonne) zu auffgang, trübe, traurige strAem erzeigt, doch so dasz solchs nicht ein gewülck verursache (
so bedeutet das regen) Sebiz
vom feldbau 41; dann setzet er eine hauben oder gewülcke auff, und ist trübe, so folgt gemeiniglich ein regen Schickfusz
chronik von Schlesien 4.
buch 12; wenn sie (
die sonne) beim auf- und niedergang lange strahlen, sonderlich quer durch das gewölcke in die ferne schiesset ... so bedeutet es gleichergestalt regen
oecon. lex.2 2738; wenn diese wolken sich gleichermaszen aufblähen ... wenn diese anfänglich so zahlreichen und so streng geschiedenen umrisse nach und nach ... sich verschmelzen, so dasz sie bald nur ein einziges gewölk erblicken lassen: so kann man ... sagen, es sei ein gewitter im anzuge J. Tietz
die erfindung des blitzableiters 3; der hinterrand eines gewitters erscheint gewöhnlich aus dichtem ... gewölk
anleitungen z. bearb. der gewittererscheinungen (1888)
s. 5. 2@a@a@1@cc))
andere ziele und ergebnisse der wolkenbeobachtung kommen nur ausnahmsweise zum ausdruck: das gewülcke so wir unten in der welt gesehen, ist so fest und dick wie eine mauer und felsen, klar wie ein cristall ... so bewegt sich das gewülck am himmel so kräfftig, dasz es immer laufft, von osten bisz gen westen, nimpt das gestirn, sonn und mond mit sich
volksbuch von dr. Faust 56 (
vgl. auch unten sp. 6707); so es helle ist und nirgend kein gewölck vorhanden, kan er (
der teufel) wol einen wind erregen Praetorius
blocksberg 153. 2@a@a@22))
die meisten litterarischen belege entfallen jedoch auf die schöne litteratur, deren antheil am sinnlichen gebrauch des subst. hier nur in umrissen angedeutet werden kann, da auch unter andern gesichtspunkten (
s.β)
noch belege anzuführen sind; 2@a@a@2@aa))
gesonderte betrachtung erfordert die dichtung, die sich übernatürlichen situationen zuwendet. meist in übersetzungen, seltener in originalschöpfungen, wird das subst. hier mit höheren wesen in verbindung gebracht. diese berühren das gewölk, das der mensch nur mit den blicken erreicht, und sie dringen über die wolkengrenze hinaus, die dem menschlichen auge gesetzt ist: 2@a@a@2@a@aα)) sie flogen hin gantz vogelgeschwind hinuff ghen himel durch die wind, bisz sie den himel erreicht hatten, das gewülck zerspielten und zertratten ja als, was in kam in den weg. Jörg Wickram (
Albrechts Ovid 2
cap. 3.
v. 338) 7, 68 (
obstantes findunt nebulas 2, 159); mit dem gewülck und was mehr oben muss Jupiter vernüget sein. was sunst in diser welt, ist monarch, allein dein. Weckherlin (
an Amalia v. Hessen) 2, 241
H. Fischer; Bachan kan in der luft gewölck und regen schaffen, Albert ein redend haupt, Carnill ein lechzend kind, Archytas lehrt aus holtz geschnitzte tauben flügen, und Bertholds büchse wil fur blitz und donner siegen. Lohenstein
Hyacinthen 24;
vgl. auch Opitz
übers. von Barclays Argenis 1, 346; welche nymphe besteigt jetzt das rothe gewölk, mit der krone von gold? Hölty (
hymnus an die morgensonne 9) 65; mein elfenfürst, wir müssen eilig machen. die nacht theilt das gewölk mit schnellen drachen. Schlegel
Shakespeares sommernachtstraum 3, 2 (
cut the clouds). 2@a@a@2@a@bβ))
zum kreise der christl. legende vgl. schon die belege aus Jansen Enikel (
sp. 6698),
dazu vgl.: bald ward der luft ohn liecht von seiner (
gottes) nasen dampf mit nebel, rauch, gewülck und fünsternusz bedöcket, und das fewr seines munds (verkündigend den kampf) die gantze welt erschröcket. Weckherlin (18.
psalm 11) 2, 41
H. Fischer; jedoch kont kein gewülck und keine nacht den glantz der gottes majestet beiwohnet, lang inhalten sondern sie musten bald durch plitz und dunder ganz zerspringen und zerspalten. (
psalm 18, 17) 2, 42; das gewölk hat sich ergossen, hagel ist herab geschossen, deiner grimmen pfeile macht hat gewittert und gekracht. Opitz
psalmen (77.
ps.) 148; der schöne Gabriel kömpt von dem himmel her auff deinen anbefehl, — — — — — ist durch die klufft gefallen, hat sich herab gemacht, durch dein gebot und raht, bisz hin in Nazareth der Galileer stadt ... sein haar ist noch betaut, die lufft hat jn befeuchtet, und des gewülckes nasz. (
verdeutschung von D. Heinsius,
lobgesang Christi 162)
teutsche poem. 178
neudr.; er hat sich aufgeschwungen; schon entzieht ihn ein goldenes gewölk den nacheilenden blicken seiner geliebten Wieland (
psalmen 2)
supplemente 3, 265. 2@a@a@2@bb))
die einfache naturschilderung, innerhalb der das subst. raum gewinnt, begleitet in der dichtung den fortschritt einer erzählung, der sich gern in ihr spiegelt. auch die empfindungen und stimmungen, die den betheiligten personen erwachsen, werden hier und dort durch das subst. in bezug gesetzt zu den erscheinungen der auszenwelt: 2@a@a@2@b@aα)) darwid redten die schiffleut, sprachen: das gewölk uns bedeut auf dem meer ein ungestumkeit. Teuerdanck 43, 34
s. Gödeke s. 104; die wellen schwingend sich, gebürg-gleich, doch ohn grund, das schif mit dem gewülck in dem gestirn verhüllen: gestürtzet widrumb stracks musz es des abgrunds schlund, der sich eröfnet, füllen. Weckherlin (107.
psalm 31) 2, 172; als er einsam ritt auf bergen, fuhr ein blitz aus dem gewölke; und so ist er unterlegen, nur dem strahl von himmelshöhen. Uhland (
der kastilische ritter) 1, 191
Er. Schmidt; aber das wetter verzog. das gewölk sank.fern aus der see her hauchet erquickendes kühl'. Kosegarten (
Jucunde 1) 2, 18; ein bächlein rauschte vorüber mit plätscherndem wanderlied; stumm zog das gewölk am himmel, bis unsern blicken es schied. A. Grün (
familiengemälde) 14; der mond war eben
hinter ein dunkles gewölk getreten, als der sarg seitwärts in einem kleinen überbauten gewölbe eingesenkt wurde
zeitung f. d. elegante welt 1805,
vgl. J. Schwabe
Schillers beerdigung s. 27; so der weihgesang. und siehe, plötzlich steigt gewölk empor. finsternis bedeckt den himmel wie ein schwarzer trauerflor! Platen 1, 8
Redlich; es stürmte; die tannen sausten, hinter dem wald herauf jagte schweres gewölk über den bleichen himmel Th. Storm (
waldwinkel) 4, 129; es war ein einsamer ort und abendstille, niemand kampfzeuge, als die dunklen, blaugrauen von schwerem gewölk überzogenen häupter der fernen Alpen Scheffel 3, 47. 2@a@a@2@b@bβ)) hier lacht die heitere luft und droht durch kein gewölke es lacht die ganze schmaragdene flur. J. P. Uz (
lobges. d. frühlings 105) 16
Sauer; wie schimmert dort der bogen der Iris, von einem glänzenden hügel zum andern ausgespannt; am rücken das graue gewölk. S. Gessner (
idyllen) 2, 32 (1774); komm, jetzt ... thaut noch der himmel über uns aus dem frühen gewölk in die segensgefilde. Klopstock (
Messias 3, 696) 3, 151 (1823); am morgen vor sonnenaufgang trat ich ... hinaus in die mit dem nahen gewölke verhangne brautkammer der natur Jean Paul (
das Kampaner thal) 40, 17; zerrissene wolken, bald ganz dunkel, bald hell vom mond erleuchtet, zogen über mich weg. Brockes und ich, wir suchten beide und fanden ähnlichkeiten in den formen des gewölks, er die seinigen, ich die meinigen ... da stand die geliebte form, die mir das gewölk gezeigt hatte, ganz deutlich mit allen umrissen und farben im engen dunkel vor mir. ich habe mir dich in diesem augenblick ganz lebhaft und ganz vollkommen wahr, vorgestellt Heinrich v. Kleist
br. an seine braut s. 39; ein ... knabe ... welcher in einem zerrissenen geschichts- oder geographiebuche las, dann alle abend, sommers wie winters, auf den berg lief, um dem sonnenuntergang beizuwohnen ... und wenn es recht rotes oder gelbes gewölk gegeben, welches gleich grossen schlachtheeren in blut und feuer gestanden ... so war es recht eigentlich vergnügt zu nennen Gottfr. Keller (
leute v. Seldwyla) 4, 14. 2@a@a@33))
schon im bisherigen ist ein charakteristischer zug in der verwendung des subst. hervorgetreten: es wird naturgemäsz vor allem zu sonne, mond und sternen in beziehung gesetzt, vgl. (
s. o.) das gewülck ... nimpt das gestirn, sonn und mond mit sich
volksbuch von dr. Faust. 2@a@a@3@aa))
die manigfaltigsten wendungen entwickelt die gegenüberstellung des dunklen gewölkes gegen die helle sonne; je nach dem gang der erzählung oder der dargestellten stimmung herrscht das dunkel vor oder siegt das licht. daran knüpfen bilder und vergleiche (
vgl. Rachel 40; Zesen
adriat. Rosemund 54
s. c.).
eine dankbare aufgabe für die naturschilderungen bilden andererseits der sonnenaufgang und der sonnenuntergang. 2@a@a@3@a@aα)) die sonne, sie sei, wo sie sei, scheinet immer: obschon das gewülcke sie uns raubet (
nubila eum nobis eripiant) Comenius
orbis sensalium pietus 11; sie machet auch den liechten mon, das er ward seines liechtes ohn. sie vertuncklet die lichte sunnen, von dern sie etwan ward gewunnen under das gwülck sie die begrub. Jörg Wickram (
Albrechts Ovid 14.
cap. 5.
v. 418) 8, 209
Bolte (
subtexere nubes); lest sich gewOelke sehn, verkreucht die sonne sich, wil gleichsam untergehn, bei frher tageszeit, erhebet sich ein brausen, was? spricht der pfeffer-sak, lasz einmal bersausen, es ist ein sommerflug: den ancker in die hOeh: stel auf besan und fok, nur lustig in die see! Rachel
satir. gedichte ed. Drescher 52 (
kinder-zucht)
neudruck. so mer dein (
Fortunas) glantz herlich erscheinet, so grösser ist die dunckelheit, nebel und finsternis under dir verborgen, welche dein glantzenden schein schneller bedecken dann das trieb gewilck die sunnen Jörg Wickram (
knabenspiegel cap. 10) 2, 34
Bolte; indähm ich also beängstiget wahr, da brahch dises wunderlücht an, gleichsam wi das lücht der sonnen, das sich hinter däm gewölke eine zeit-lang verborgen hält Zesen
adriat. Rosemund 54
neudr.; die höheren (
wolken) waren blau ... indessen purpur und gold der sonnennäheren auch das entfernte, von blendender weisse schwellende gewölk, mit ihrem widerschein schmückte Stolberg 3, 115; die sonne bricht durch das gewölk, und vergüldet wechsel weise mit ihrem schein gebüsche und wiesen am entfernten ufer C. Ph. Moritz
reisen ... in England s. 5
b. z. Linde; wer darf göttliche that richten nach schein? warte das end' ab. oft bricht sonn' aus gewölk. A. W. v. Schlegel
Jon 2, 1; »aber was will das dunkel in meinem rücken?« er schaute sich um, rückwärts hinter den tannigen vorbergen reckte der Säntis seine zacken und hörner empor, auf den verwitterten felswänden hüpfte warmer sonnenstrahl unstät im kampf mit dem gewölke Scheffel
Ekkehard 5.
capitel (
E's auszug); endlich zerstreute die sonne das gewölke und die see wurde wieder ruhiger Wieland (
irrungen 1, 1) 4, 395; der spätherbst in Berlin hat gewöhnlich noch einige schöne tage. die sonne tritt freundlich aus dem gewölk hervor, und schnell verdampft die nässe in der lauen luft E. Th. A. Hoffmann (
ritter Gluck) 1, 17
Maassen; die gewölke zerrannen, die sonne schien, ein regenbogen flog in die höh' und legte sich gerad' über das ferne Nürnberg Loeben 21
Pissin; vgl. auch 27; siehe,
nun strahlten auf lachenden fluren die blicke der sonne durch die geläuterte luft, kein gewölk ist zu sehn. C. Stolberg (
Solon) 15, 274. 2@a@a@3@a@bβ)) die ganze gegend war eine pittoreske masse, ein grosses harmonisches werden. die sonne flammte und glühte durch das gewölk Heinse 6, 89; den horizont des himmels decken lange wolkenstreifen, leuchtend in allen farben ... aus den klüften des gewölkes schiessen feurige garben von so blendendem glanz, dass meine augen sich wenden müssen ... die sonne! Ludwig Ganghofer
doppelte wahrheit 12.
dazu vgl. Heinrich v. Kleist
br. an seine braut 106; A. W. v. Schlegel
Shakespeares Julius Caesar II 1. die abendsonne bestrahlte sie mit ihrer rosengluth aus dem gewölk hervor W. Heinse (
Hildegard v. Hohenthal 3) 6, 141; sie gieng aber herrlich und schön unter, ohne wind und ohne gewölke, gottes sonne Pestalozzi (
Lienhard und Gertrud § 68) 1, 242; wol auch abends blüht im osten und westen eine Aurora, aber das gewölke verfinstert sich und keine sonne kommt Jean Paul (
flegeljahre 3) 28, 73. 2@a@a@3@a@gγ)) wie der schatten der bäume ringsum die milchblaue, kristallhelle farbe nicht zu verdunkeln vermochte, auch gewölk oder sonnenschein den spiegel nicht veränderte P. Heyse (
ein märtyrer der phantasie) II 10, 99; und bitt' ihn blos sich zu dessen verständnis an die astronomische meinung zu erinnern, da das, womit die sonne leuchtet, nicht ihr körper sei, sondern ihr gewölke Jean Paul (
flegeljahre 2 [20]) 27, 32. 2@a@a@3@bb))
auch das mondlicht (
vgl. schon oben den beleg aus Laszbergs liedersaal)
wird in gegensatz zum wolkendunkel gebracht, wenn auch nicht in so lebhaftem contraste, die wendungen klingen gedämpfter, weich und melancholisch (
vgl. sp. 6709): 2@a@a@3@b@aα)) ein dick gewölck kam auff geschossen vnd hiesz den mond gantz finster sein. Simon Dach
in H. Alberts arien, neudruck s. 173; und im gewölk gleich heimlicher laterne der mond sein wachsend silberlicht bereitet. Fr. Rückert 1, 310; mit sternigem gewölke bedeckt der mond die welke faltige lichtstirn, eh' sein grab die see. Freiligrath (
Venedig) 2
6, 27; es dunkelte schon stark, und ein gewölk, das am himmel hinzog, verbarg die mondsichel Th. Fontane
der Stechlin (10.
cap.) 139. 2@a@a@3@b@bβ)) da ... mir der mond glänzt, von gewölk umwallt, und im busch, der jüngst sich neu belaubte, nachtigallen zärtlichkeit erschallt. Joh. v. Alxinger (
Siegwart als mönch) 8, 55; und schauete starr zu dem mond' auf, und dem gewölk, das flüchtig mit wechselndem glanz ihn vorüber wallete, jetzt ihn enthüllt', und dunkeler jetzo dahinzog. Voss
Luise 131; gegen den mondhimmel ... an dem leichtes gewölk in phantastischen streifen hinzog P. Heyse (
der letzte centaur) II 10, 270. 2@a@a@3@b@gγ)) es ist unmöglich, dasz dieses gewölk kan doch hoch stehen, bekommen wir doch nur den monden-schein
ungarischer Simpl. (13.
cap.) 1, 84; es wogte das meer, aus dem dunklen gewölk der halbmond lugte scheu. H. Heine
Romancero: nächtliche fahrt; und hob ihn gegen den mond empor, dessen wachsendes horn inzwischen das gewölk aufgesogen hatte Hermann Schmid (
Schwalberl) 4, 33; schwerlich würd' er seinen zweck erreicht haben, wenn nicht in demselben augenblick der mond aus dem gewölk, das ihn seit einer stunde verdeckt hatte, hervorgetreten wäre. er sah jetzt alles deutlich Th. Fontane (
vor dem sturm cap. 29) I 1, 251; und nun verflachte sich auch das gewölk vor dem monde zusehends. nur noch ein wenig dünner die dreieckige wolke da, und sie konnte durch die erlen ... sehen O. Ludwig (
Heiteretei) 4, 77
Bartels. dieses bild wird gern zu übertragungen und vergleichen erweitert: wie der mond aus zartem gewölk, hob sich ihr geist aus schönem leiden empor Hölderlin (
Hyperion) 2, 139
Litzmann; vgl. auch Mörike
Ludwig Richters kindersymphonie (
s. u.). 2@a@a@3@cc))
auch die sterne greifen in diesen bilderkreis über, vgl. (
s. o.) Weckherlin 2, 172;
volksbuch von dr. Faust 442. 2@a@a@3@c@aα))
ein beliebtes bild ist schon im antiken sagenkreis vorgebildet: zustundt hette der morgenstern den himel hoch geraumet gern; er aber kont das nicht gethuo, dann es am tag noch wasz zu fruo. doch barg er mit kümerten hertzen sein augen inn das gwilck mit schmertzen. Jörg Wickram (
Albrechts Ovid 11.
cap. 12.
v. 968)
Bolte 8, 118; (
densis texit sua nubibus ora 11, 572);
dazu vgl.: die hellen pokale taumelten unter dem junker herum; bis durch die gewölke freundlich der abendstern blinkt. Zachariae (
Murner in d. hölle) 1, 288; erheb ihn, wenn die nacht in ihr gewand die erde hüllet, wenn durch den zerrissnen schleier des gewölks der sterne silber blinkt. Hölty (
lob der gottheit) 82
Halm; wann die gestirne blitzen, noch ehe Cynthia mit vollem angesicht aus neidischem gewölke bricht. J. P. Uz (
briefe an hofrat B.) 336
Sauer. 2@a@a@3@c@bβ)) das ich bis an's gewölk und an die sterne kam. Fleming 106
Lappenberg; da kamen nicht wie sonst die goldnen sterne, da stieg von norden schwarz gewölk empor. Hermann Lingg (
Geiserichs abzug v. Rom)
ged.5. 2@a@bβ)
die mannigfaltigkeit der zusammenhänge, innerhalb derer das gewölk sich oben zeigte, spiegelt sich auch in den syntaktischen verbindungen, die das subst. eingeht. mit andern substantiven verbindet es sich in der berichtsform und in der wissenschaftlichen sprache mehr durch beiordnung, in der schönen literatur mehr durch unterordnung. auch die verba, die dem substantiv zur seite treten, lassen den gleichen gegensatz in anderer weise erkennen. desgl. die attribute, die übrigens dem subst. überhaupt nicht sehr geläufig sind. dagegen sind die präpositionalverbindungen besonders entwickelt, am freiesten und kühnsten in der gehobenen sprache. 2@a@b@11))
die nominalverbindungen. 2@a@b@1@aa))
verbindungen mit substantiven. 2@a@b@1@a@aα))
in der form der beiordnung zieht das substantiv vor allem verwandte begriffe an sich, mit denen es auch gerne zusammensetzungen eingeht: nebel, regen, schnee, wetter, gewitter, sturm.
an diesen verbindungen nimmt in erster linie die sprache des wetterberichts und der wissenschaftlichen darstellung theil; die litterarischen belege gehen theilweise darüber hinaus, mit erkennbarer vorliebe streben diese der composition zu: soll ich denn pestilentz machen, so ist von nöten, das ich ein gewölk einfüre, nebel über die erden sprenge, den lufft betrübe (
nubila inducere) Hutten (
die anschawenden) 4, 306; von gewülck und nebel Ryff
traumbuch Artemidori 116; sobald nebel oder gewölk ... heftig reibend an der oberfläche des flachlandes oder des gebirges hingetrieben werden, muss ... die erde negativ elektrisch werden L. Sohncke
ursprung d. gewitterelektricität 57.
dazu vgl. nebelgewölke theil 7,
sp. 480; nebelwolke 489;
vgl. andererseits (
s. o.) haube oder gewülcke Schickfusz 4.
buch 12; bedeuten ... die schwartzen (
feigen) trüb regenwetter und gewülck Ryff
traumbuch Artemidori 66
a;
vgl.(
s. o.) gewölk und regen Paracelsus 8, 77;
volksbuch von dr. Faust 73; Lohenstein
hyacinthen 24.
vgl. regengewölk Paracelsus 8, 79, 81;
vgl. auch theil 8
sp. 520; regenwolke
sp. 526; die wolcken weren woll oder blumentolter, dasz gewülck spinnwepp oder schinht, der schnee mäl Fischart
Gargantua 199; sollte dieses schneegewölke vorher in der gegend der nordpole ent standen sein Guden
v. entstehung der wolken 10;
vgl. auch theil 9
sp. 1235; schneewolke 1244;
vgl.hagelgewölke Sanders 2, 2, 1656;
vgl. thaugewölk
theil 11
sp. 328; so einem im traume die lufft und das gewölcke sehr nider worden sei Ryff
traumbuch Artemidori 80
b; das frohe jauchzen vor, das bei der wiederkunfft des grafen ist erklungen, das durch gewölck und lufft durch berg und thal gedrungen. J. C. Günther
2 (
briefe 2, 7) 722;
vgl.(
s. o.) wind und gewölke Pestalozzi 1, 238; wind gew. Sanders 2, 2, 1656; wie die rakete mit dem fangseil unter dem sturmgewölk hinflog Fontane (
Effi Briest 20. cap.) I 9, 207; Zeus, mit ehre gekrönt, und furchtbar im wettergewölke lasz die sonne nicht sinken. Stolberg (
Ilias 2, 398) 11, 63;
vgl. gewittergewölk
oben sp. 6411; donnergewölk
theil 2
sp. 1244; nach dem ungestüMen sturmwetter gibt es ein liebliche stille, nach dem finstern gewölck, einen schönen glantz, nach dem regen, ein schönen sonnenschein Fr. Caccia
lebensthat des heil. Antonii v. Padua (1692) 252;
vgl. auch 318;
dazu vgl. (
s. o.) gewölk und sonne Jean Paul 28, 73; 27, 32; P. Heyse II 10, 91; gew. und mond Voss
Luise 131; gew. und sterne Fleming 106.
die freieste zusammenstellung bietet: mein ort, wo ich die Weser, die schiffe, die jahreszeit, die menschen und das gewölke passieren sehe Wilh. Raabe
alte nester 274. 2@a@b@1@a@bβ))
die überordnung des substantivs ist in freien verbindungen wenig beobachtet, sie bildet aber die voraussetzung zu zahlreichen zusammensetzungen (
s. das vorhergehende): das antlitz der sonne wird immer heiterer; das gewölke des himmels kleidet sich wieder in eine bläuliche klarheit C. C. L. Hirschfeld
winter 44;
vgl. winterwolken
theil 4, 2
sp. 1367; aus des morgens gewölk Klopstock
Mess. 3, 711;
vgl.morgengewölk theil 6
sp. 2569; morgenwolke
sp. 2586; abendwolke
theil 1
sp. 27; abendgewölk Sanders 2, 2, 1656; lichtgewölk
theil 6
sp. 885; nachtgewölk
theil 7
sp. 183. 2@a@b@1@a@gγ))
die unterordnung des substantivs ist vorwiegend aus der poetischen darstellung belegt. diese zielt hier weniger auf ereignisse, an denen das collectiv irgendwie betheiligt ist, als auf dessen bildwirkung. das subst. ist dabei nicht so sehr verbalsubstantiven untergeordnet als concreten begriffen, in deren heranziehung eben die phantasie des dichters ihre schöpferische kraft bekundet. im gegensatz zu: zertrennung und erschütterung des schreckenden hagelrasselnden gewülcks Fischart
Garg. 153
a; als sie am krahn von Oestrich ausstiegen, erhob sich vom drucke des gewölckes eine windsbraut H. König
die clubisten in Mainz 2, 13;
vgl.(
s. o.) zug der gewölke Voss
Ovid 1, 22;
vgl.: (
s. o) desz gewülcks nasz Opitz
teutsche poem. 178; die sonne bestieg den thron des himmels — — und blasz, wie vor schreck entfärbte sich die nacht des gewölkes und zerstob, wie dünner rauch Heinrich v. Kleist
br. a. s. braut 106; des gewölkes glanzgewimmel Gerok
palmbl.25, 225; komm, holder lenz ... kehre wieder aus jenes tröpfelnden gewölks gefülltem busen sichtbarlich! Brockes
Thomsons jahreszeiten, frühling 2 (
from the bosom of yon dropping cloud) 3;
vgl.(
s. o.) kissen der gewölke Schiller 6, 397; zelt
d. gew. 6, 24; und die grauen wolken von vielen schattirungen jagten sich, stürzten sich schnell über einander her, lieszen sonnenblicke durchfallen, und das blau des himmels zeigte sich von zeit zu zeit durch zerriszne öffnungen des gewölkes G. Forster
ansichten v. Niederrhein 3 (1794), 139; kaum dasz durch eine spalte des gewölks sie vortritt, in der ewiggleichen schöne. Grillparzer (
Libussa) 8
5, 192;
vgl.(
s. o.) aus den klüften des gewölks Ganghofer
doppelte wahrh. 12. 2@a@b@1@bb))
gegen attribute ist das collectiv, wie oben bemerkt, verhältniszmäszig spröde. die adjectiva oder participia, die zutreten, gelten der frage der dichtigkeit, der farbe, die besondere mannigfaltigkeit belebt, und der stellung des subst. in raum und zeit. kaum entwickelt sind inhaltsbestimmungen, ebenso halten sich allgemeinere schmuckworte und die bewerthungen, die auf personification beruhen, sehr zurück: 2@a@b@1@b@aα)) einer dieser giebel war der rathhausgiebel, jetzt schwarz und glasig, und hinter dem giebel stand ein dickes gewölk Fontane (
Grete Minde cap. 20) I 2, 439;
das gleiche schon S. Dach
s. Alberts arien 273; dichtes gew.
s. anleit. z. beob. der gewitterersch.; schweres gew. Scheffel 3, 47; P. Heyse II 17, 46; der himmel war mit einem dünnen gewölk überzogen, welches vom donner der büchsen bald aus einander gieng und den blauen aether zeigte W. Heinse (
Hildegard v. Hohenthal 1) 5, 161; dünnes mit lichtstreifen durchschossenes gewölk über den ganzen himmel Jacobi
Woldemar 2, 17; leichtes gew. P. Heyse II 10, 270; H. König
clubisten 1, 268; zartes gew. Hölderlin 2, 139; zerrissenes gew. S. Gessner
idyllen 2, 31; Schubart 2, 261; krauses gew. Mörike
Richters kindersymphonie; das abendrot brach hinter dem abgeregneten gewölk hervor H. König
die clubisten in Mainz 2, 15. 2@a@b@1@b@bβ)) und wan den tag beschlossen hat das vinster gwülkh mit ierer nacht, so wisz der glaubm khain vinsternesz. Hymnarius
Sigmundlust: deus creator s. Wackernagel kirchenl. 2, 1126
b; dadurch der gantz himel mit finsterm gewülck ... vertunckelt ward, das man kainen stern mer sehen mochte Schaidenreisser
Odyssee 53
a;
desgl. 22
a;
vgl.trübes gew. Herder 18, 275; düsteres gew. Matthisson 2, 221; Arndt 3, 66; dunkles gew. J. Schwabe
Schillers beerd. 27; tief am wal ichten ufer das schwarze gewölk, wo die leuchtung über den spiegelnden teich hinloderte. Voss 144, 45
Sauer; vgl. unten th. 10
sp. 2258;
das gleiche schon Teuerdanck 52, 23; Schaidenreisser
Odyssee 61
b; 22
a;
volksbuch vom dr. Faust 73
u. a.; Hermann Lingg
ged.5, 314; Th. Storm (
waldwinkel) 4, 129; vor ihnen lag der rigaische meerbusen unter einem klaren hellen himmel, an dessen äuszerster grenze nur ein kaum sichtbares graues gewölke hing Holtei
erzähl. dicht. 1, 142; hinter dem havarierten schiff zeigte sich im grauen gewölk der felsen von Helgoland G. Frenssen
Hilligenlei 313;
vgl.(
s. o) graues gew. S. Gessner 2, 32; nebelgraue gew. Rückert 1, 16;
vgl. (
s. o.) falbe gewölke Sonnenberg
Donatoa 2, 2, 152; weisse gewölke R. Lenz 223; silberne gewölke Hölderlin; sie sahen um sich unzählbare schaaren neuer unsterblicher wandeln; und wallendes silbergewölk hob sie zu dem ewigen auf. Klopstock
Messias 2, 656; schimmergewölk Voss
Luise; dan mit feuerwerffenden gwülckh so du khünfftig pist. Hymnarius
s. Wackernagel kirchenl. 2, 1118; der abend fiel rasch ein, und nur über Arnsdorf, tief unten im tal, hing noch ein rotes gewölk Fontane (
quitt 13. cap.) I 6, 105;
vgl.rothes gew. Hölty 235; goldgewölk Uhland 1, 173;
vgl. licht schoss von ihm aus (
dem goldenen schild der sonne) goldrot durch blaues gewölk bis zur himmelshöhe G. Frenssen
Hilligenlei 398;
vgl.schweres schwarzblaues gew. P. Heyse II 17, 46. 2@a@b@1@b@gγ)) komm, jetzt ,.. thaut noch der himmel über uns aus dem frühen gewölk in die segensgefilde. Klopstock
Messias 3, 696;
vgl.frühgewölk theil 4
sp. 292;
dazu vgl. das aufsteigende gew. Stöltzlin
geistl. wetterbüchl. 77; schwellende gew. Stolberg 3, 115; hangendes gew. Ew. v. Kleist 356; gewölb von lasurfarb mit gold sternweisz geschmücket, hochschwimmendes gewülck, davon das druckne land wirt auff des herren wort mit safft und krafft erquicket. Weckherlin (148.
psalm 3) 1, 401; und das hoffnungsfreudige blau von jugend und gesundheit ... lachte ihm aus allen winkeln zwischen dem abziehenden gewölk G. Hermann
Jettchen Gebert 216. 2@a@b@1@b@dδ)) nasse, trockene gewilck Paracelsus 8, 77 (
s. o.); fruchtbare gewölke Wieland
Hermann 99; (
der weise) entdeckt mit kühnem blick des donners furchtbarn sitz im schweflichten gewölk, und überrascht den blitz. J. P. Uz (
kunst fröhlich z. sein, 2.
br. 80) 237
Sauer; wie binsen seufzen welk, die segel; regen strömt herab aus donnerndem gewölk. (
nach Coleridge, der alte matrose 5, 51) Freiligrath (
Venedig) 2
6, 27. 2@a@b@1@b@eε)) mit sternigem gewölke Freiligrath 2
6, 27 (
s. o.); gewitterwolken zeichnen sich durch ein so eigenthümliches äussere vor gewöhnlichem gewölke aus A. v. Baumgarten
über gewitter s. 9; von einem schönen gewülck Widmann
Fausts leben 442
Keller. 2@a@b@1@b@zζ)) wohin der sturm uns führt, bleibt oft vor uns verstecket, weil fürchterlich gewölk die grünen ufer decket. J. P. Uz (
der standhafte weise 92) 98
Sauer; neidisches gew. 336; sorgliche gew. Stöltzlin 77. 2@a@b@22))
unter den verbindungen mit verbis 2@a@b@2@aa))
überwiegen in bemerkenswerthem grade diejenigen, denen das subst. als subject zur seite tritt. verblaszte wendungen sind spärlich: kein gewölk ist zu sehen C. Stolberg 15, 274; ist am himmel Seb. Fischer 231; läszt sich gew. sehen Rachel 40.
dagegen wird die bewegung des gewölks manigfaltig dargestellt, auch die stellung und lage und die einwirkung auf objecte. die personification, die diesen wendungen vielfach zu grunde liegt —
verschleiert nur durch feste überlieferung —
wird in anderen vereinzelt bleibenden verbindungen um so fühlbarer: 2@a@b@2@a@aα)) verschaffet ... dasz in dem grossen saal, allwo nemlich das panquet gehalten wurde, dem ansehen nach, ein gewülck hinein rauschete, etwas trüb, gleich als wenn es regnen wollte, bald darauf zertrennte sich dieses gewülcke ... der himmel stunde da gantz blau ... etwan über eine viertelstund hernach überlieff sich das gewülck wieder, und thate die sonn einen starcken blitz, dasz sich alle versamlete gäste creutzigten Widmann
Fausts leben 442;
vgl.das gew. bewegt sich ... läuft
volksbücher v. dr. Faust 56; geht 73; wild sausten die gewölke durcheinander Matthisson 3, 271; das gew. wallt Klopstock
oden 1, 213; das gew. jagt Storm 4, 129; die gewölke fliehen Uhland 1, 119; drängen sich Rückert 1, 65; regen sich Hölderlin 2, 78; indem do tet umziehen ein schwarz gewölk den himmel ganz. bald kam daraus ein feuer glanz mit einem starken donnerschlag.
Teuerdanck (52, 23) 126; mit unmuth sahen wir jetzt, so nahe schon dem zielpunkte der reise, sich überall gewölke zusammenziehen, die einen schleier über das zaubergemälde zu werfen drohten Matthisson
er. (7.
wanderung nach d. Stockhorne) 2, 64;
vgl.das gew. zieht sich zusammen
Zimmer. chron. 1, 373; (wird zusammengetrieben)
volksb. v. dr. Faust 73; (ob sich etwa ein gewölk zusammenschlich) R. Huch
triumphgasse 203; die gewölke zogen in immer gedrängteren schaaren heran Matthisson
er. 2, 65; die gew. zogen herüber Loeben
ged. 29; inzwischen war die 12. stunde herangekommen, das gewölk zog ab, der himmel begann zu blauen Fontane (
graf Petöfy 2. cap.) I 4, 5; kommt einmal gewölk gezogen. Geibel 1, 119; was die bäume belanget, die seind so hoch, dasz das gewülcke desz himmels dadurch streichet Widmann
Fausts leben 185; zertheile dich, trübes gewölk! denn unter dir wandert der edle, auf dessen scheitel ein strahl göttliches glanzes traf. Herder (
briefe zur beförderung der humanität 10) 18, 275; all gewölke nun zerronnen, quillt der sonnen herzig lebenslautres licht. Loeben
ged. 27
Pissin; das gleiche 21; es donnere der himmel, es krache das gewölck, es blitze in dem firmament Fr. Caccia
lebensthat des heil. Antonii v. Padua (1692) 318; das gewölk verdonnert fern, und hat wohlthätig gefrischt den rebhain Voss im
Göttinger musenalmanach auf 1802
s. 219; das gewölcke welches sich vor dem nechsten gebirge gesetzt hatte, und von der sonne ... zertrieben ward Opitz
übers. v. Barclays Argenis (2. 6.) 1, 346; da vor dem blick, der ostwärts streift, steigts wie gewölke, das sich häuft und häuft, am himmel auf; nein hügel seh' ich ragen; schon kündet an dem wege die cisterne, dasz hier bisweilen regen löscht den staub. A.
F. v. Schack
nächte des orients (2) 22;
vgl.das gew. steigt empor H. Lingg
ged.5, 314; geschickt wird ja jedes gewölke, aber dorthin zu ist das denn doch wieder, als ob alles wetter frei seinem schicksal überlassen worden wäre W. Raabe
alte nester 278. denn den himmel überzug ain schwartz gewülck, ward behend finster, regente die gantze nacht Schaidenreisser
Odyssee (14.
buch) 61
b;
vgl.das gew. bedeckt die sonne Jörg Wickram 2, 34; — deckt die ufer Uz 98; — verbirgt den mond Fontane
Stechlin 139; wenn gewölke die zinnen der Alpen verschleiern Matthisson
er. (6) 1, 55; aber so wenig gewölk, den erdkreis rings zu verhüllen, hatt' er nunmehr, als regen herabzugieszen vom himmel. siehe da donnert' er laut. Voss
Ovid (
Phaeton 341) 1, 90 (1798); das gew. verfinstert sich Jean Paul 28, 73; das gew. verändert den spiegel des sees P. Heyse II 10, 99; das gew. raubt (
die sonne) Comenius 11. 2@a@b@2@a@bβ)) in einer gegend, wo das an gärten, wiesen ... gewöhnte auge ringsum nichts erblickt, als riesengipfel, deren fuss düsteres gewölk umgürtet Matthisson (
erinnerungen 1) 2, 221; gegen 1 Uhr trübte sich der himmel, nach einigen regenschauern befestigte das gewölk sich wieder Göthe
br. 35, 61; die luft war milder geworden, aber ein schweres, schwarzblaues gewölk stand wie eine feste wand über den fichtenhügeln am flusz P. Heyse (
frauenbilder 1:
Doris Sengeberg) II 17, 46;
vgl. das gew. steht hoch (
ungar. Simpl. 1, 84); — hängt (Holtei 1, 142); die gewölke liegen (Denis 41); — lagern sich Voss
Ovid 1, 90. 2@a@b@2@a@gγ)) da war es mir, als schritten gestalten durch mein thal, und über'm berge schauten gewölke, welche grauten. Fr. Rückert (
lyr. ged. 3.
buch 3.
reihe) 2, 255; wenn sich sonst jedermalen schwarze wolken am himmel spüren lassen ... sobald aber der liebe mittag anbricht, gibt unverzüglich das schwarze gewölk das fersengeld Abraham a. S. Clara (
prophet. willkomm) 1, 102;
vgl. auch (
s. o.) so resolviert sich das gewülck zu regen Paracelsus
op. (
Straszburg 1616) 117 B. 2@a@b@2@bb))
die verbindungen des subst. in der objectfunction gliedern sich von vereinzelten ausnahmen abgesehen (
vgl das gew., so wir unten ... sehen
volksbuch v. dr. Faust 56)
im wesentlichen nach zwei richtungen: 2@a@b@2@b@aα))
die gruppe, die sich um das mehrfach belegte gewölk machen
sammelt, führt auf sage und aberglauben zurück: dergleichen seindt auch viel stern, die auff der globul stehend und gewülch machen Paracelsus 8, 77
desgl. 83;
vgl. gewölck schaffen Lohenstein
Hyacinthen 24; gew. mischen
volksbuch v. dr. Faust 73; das gew. hervorbringen
ebenda; ein gew. einfre Hutten 4, 306. 2@a@b@2@b@bβ))
sonst zielen die verbindungen auf die auflösung des gewölks: der du auch den himmel mit wolken bedekkest und gibst regen auf erden ... wir bitten dich ... du wollest dieses aufsteigende und sorgliche gewölke, mit deiner starken hand, gnädiglich trennen und zertreiben B. Stölzlin
geistl. donner- u. wetterbüchl. 77;
vgl. die sonne zerstreut
d. gew. Wieland 4, 395; der mond saugt das gew. auf Hermann Schmid 4, 33; nun er kehrt, zerreist das jauchzen das gewölk. J. W. O. Benda
Shakespeare (
Koriolan 5, 5) 12, 228; es war ein grauer morgen, ein starker nordwind versprach alles gewölk völlig zu vertreiben Göthe (
ital. reise 24, 2, 1787) 28, 11;
vgl. die grauen streifen, die das gewölk durchzieh'n, sind tagesboten. A. W. v. Schlegel
Shakespeares Julius Caesar 2, 1 (
that fret the clouds). 2@a@b@33))
die präpositionalverbindungen. 2@a@b@3@aa)) nun beginnt es gar zu sieden und zu kochen im gewölke wie in tausend brausenden kesseln P. Rosegger
waldheimat 1, 23;
dazu vgl. (
s. o.) Paracelsus 8, 77, 81; (eine gestalt im gew.)
Weiszenhorner chronik 182; (der mond im gew.) Rückert 1, 310; (ein felsen im gew.) Frenssen; (des donners sitz im gew.) Uz 237; in weissen gewölken Lenz; es sprach der herr zu uns in kriegeslohen: seid einig, und wir waren's eine stunde, doch lachten wir des worts aus seinem munde, da am gewölk der glutschein kaum entflohen. E. Geibel (
für Schleswig-Holstein 11)
juniuslieder s. 183; an dem leichten gew. P. Heyse II 20, 270; der himel warde aller bedeckt mit finsterm schwartzem gewülck, als wer es doch tiefe nacht Schaidenreisser
Odyssee (5.
buch) 22
a; das gleiche Freiligrath 2
6, 27; mit ... gew. überzogen Heinse 5, 161; verdunkelt Schaidenreisser
Odyssee 53
a; auf gewölken schweben Matthisson
er. 2, 270; durch luft und himmel weg, wo deine wilde schlacht mir ohn' gewölcke werd' als zu gesicht gebracht. S. Dach (
lobgesang Christi) 262. 2@a@b@3@bb)) von ... gewölk überzogen (Scheffel 3, 47); — umwallt Alxinger 8, 55; von ... gewölken träufelnd Wieland
Hermann 99; hoch von ... gewölken hinab Sonnenberg
Donatoa 2, 2, 152; ein ziemlich strenger winter war gegen ende februar ... schnell aufgebrochen, und der märz blies mit frischen ostwinden aus leichterem gewölke H. König (
die clubisten in Mainz 1, I 1) 1, 268;
dazu vgl. (die sonne ... aus dem gew.) Göthe
br. 4, 77; Heinse 6, 141; (der mond ... aus dem gew.) Fontane I 1, 251; Heine
Romancero; Hölderlin 2, 139; (regen strömt aus —) Freiligrath 2
6, 27; (blitz —) Uhland 1, 191; (der himmel thaut —) Klopstock 3, 151
u. a.; aus heiterer himmelsbläue blitzt und donnert es nicht, sondern aus düsterm gewölk E.
M. Arndt
schriften an meine lieben Deutschen 3, 66;
dazu vgl. hinter dem gew. hervorbrechen H. König 2, 15. 2@a@b@3@cc)) wild ist es hier und schauerlich öd', im einsamen luftraum hängt nur der adler, und knüpft an das gewölke die welt. Schiller (
spaziergang 183) 11, 90; bis ans gewölk Fleming 106; von einem regenschauer in den andern und von gewölke zu gewölke Jean Paul (
Hesperus 1) 7, 76; er macht sich in die lufft und schwingt mit freiem zgel bisz zum gewölcke hin die wenig-starcken hgel. Opitz
poemata 2, 18;
dazu vgl. die sonne unter das gew. begraben Wickram 8, 209; hinter ein ... gew. treten J. Schwabe
Schillers beerdigung 27; die sonne bricht durch das gew. Moritz
reisen in England 5; — glüht durch das gew. Heinse 6, 89;
vgl. auch G. Frenssen
Hilligenlei 198;
öcon. lex.2 2738; wie hell schimmert das blau des himmels durch das zerrissne gewölk. S. Gessner
idyllen 2, 31. 2@bb)
in den manigfaltigsten verwendungen wird das collectiv —
meist entsprechend den gebrauchsformen des grundwortes —
auf andere erscheinungen der auszenwelt übertragen. 2@b@aα)
den nächsten anknüpfungspunkt bildet die dichtigkeit der in der luft sich drängenden atome: 2@b@a@11)) dunstgewölke (
s. theil 2
sp. 1564)
ist rein sinnlich bezeugt, während die lose verbindung übertragen belegt ist: dem volk zu zeigen, wohin, in welches gewölk von dunst unreifer schwindel geführt, und kindische lahme kunst. Platen (
romant. Oedipus, nachschr.) 4, 190; indessen fuhr die lokomotive noch eine weile fort, stöhnend und keuchend ihren dampf auszustoszen, der die weite halle mit dichtem, weissem gewölk ... erfüllte P. Heyse (
trag. nov. 1 Tantalus) II 14, 233; dampfgewölk 234;
dazu vgl. theil 2,
sp. 720. 2@b@a@22)) aus schlünden der tiefe dampft ihnen der athem erstickter titanen gleich opfergerüchen ein leichtes gewölke. Göthe (
Iphigenie 4, 5) 9, 78; und, wie gewölk der flamme, lösten gereiniget die sorgen mir sich auf, im hohen blau. Hölderlin (
Empedokles v. 646) 2, 254; als müsst' ich das rauchfass schwingen und in des weihrauchs weiss emporwallendes gewölk lateinische lobpsalmen hauchen Scheffel 3, 24;
vgl. weihrauchgewölk Hermann Schmid 4, 61; rauchgewölk
theil 8
sp. 249; rauchwolke 254; er warf die zigarette weg, die das zimmer mit einem stark duftenden gewölk erfüllt hatte P. Heyse (
trag. nov. 1 die wöchnerin) II 14, 151; und des vetters knastergewölk war wahrlich nicht schuld an der erbärmlichen athemnoth W. Raabe
alte nester 96;
dazu vgl. theil 5, 1359 (knastergewölk — wolke); und sahen in dem dichten tabakgewölk die ... mitglieder an der tafel sitzen G. Frenssen
Hilligenlei 438;
vgl. tabakswolken — wölkchen
theil 11
sp. 6. 2@b@a@33)) der staub stieg in dicken gewölken empor Matthisson
er. 2, 188; ein staubiges gewölk entdeckte, dass er nah. v. Koenig
ged. 204; (
zu beachten das verbum, dessen grundbedeutung der sinnlichen anschauung hier widerspricht und das in diesen zusammenhang nur durch das abstracte object gezogen wurde);
vgl. auch staubgewölk Uhland 1, 351;
vgl. das vielgebrauchte compositum staubwolke, staubwolken; drunten im grossen grab schlief eine stadt, der götter und menschen voll, als noch die sonn' ihr schien; verlassen aber von beiden, da sie des heissen schreckbaren regens tödlich gewölk bedeckt. W. Waiblinger
ged. aus Italien 2 (
oden 3), 110; dann schloss sie rasch den brunnen auf, ein frischer duft stieg aus der tiefe, als sie die fallthür zurückgeschlagen hatte, und erfüllte bald alles mit einem feinen feuchten staube, der wie ein zartes gewölk zwischen den säulen emporstieg Storm 2, 239;
dazu vgl. gewölke von menschenblut Wieland
Hermann 4, 365. 2@b@a@44)) dasz oft wiesen dampfen oder berg von ihnen selbst ein nebel geben und sich dem gewülch, dem himmel vergleichen Paracelsus
op. 7, 437; hinter uns das niedliche Malcesine mit seinen bergtrümmern, seinen ölgärten und orangen, darüber wie ein dunkles gewölk der hohe Montebaldo C. Hase 11, 1,
zweite abth. 31 (
erinnerungen an Italien)
; vgl.: wir sahen von ferren, als ein schwartz gewülck, die insel Zazinthum
buch der liebe 200. 2@b@bβ)
unter dem gleichen bilde werden auch concreta, ja lebewesen erfaszt, wenn sie sich zu massen zusammendrängen; vgl.: der sieg ist nicht mehr offen, verbraucht ist jede list, auf flucht kannst du nur hoffen, wenn du unkenntlich bist. ... nach deinem blute dürstet der feind, nach minderm nicht. sieh dies gewölk von pfeilen, das deine stirn umschwirrt. C. Spitteler
balladen2 (
Cyrus ende) 56;
vgl. pfeilgewölk
theil 7
sp. 1662; beide standen in wehr, und es folgt' ein gewölke des fussvolks. also schaut von der warte die finstere wolke der geishirt über das meer aufziehn ... also zog mit den Ajas gewül streitfertiger jugend. Voss
Ilias 4, 274 (
νέφος πεζῶν); ein gewölk von marodeurs umschwärmte flanken und rücken des heeres Treitschke
deutsche gesch. 1, 396; hier wohnte der sonnengott einst, unter den himmlischen festen, wo ihn wie goldenes gewölk, das versammelte Griechenland umglänzte Hölderlin (
Hyperion) 2, 74
Litzmann; lange belustigt sah'n sie der sprehen gewölk schwarz herziehn, die von dem seeschilf, bald mit geschrei aufrauschend sich dreheten unter dem himmel, bald in das schilf abrauschten zur nachtruh. Voss
Luise 56; wo schauerliches raubgeflügel flattert, und den gewölken gleich, den tag verfinsternd, auf die hülflosen kämpfend niederrauscht. H. v. Kleist (
Guiscard 1.) 2, 138. 2@b@gγ)
wenn dem dichten gedränge bewegter massen hier eher die vorstellung der schwere innewohnt, so wird an dem gleichen bild in andern verwendungen die vorstellung des leichten hervorgehoben; schaut, des kirschbaums wipfel säuseln ein gewölk von silber. Hölty (
mailied) 92
Halm; tief im bunten gewölk, das die rothen apfelblüthen um die wipfel wölken. 93.
vgl.blütengewölk theil 2
sp. 179; federgewölk Sanders 2, 2, 1656;
vgl. auch: sie mochte nun die rohe wolle ... mit fingern schlichten und die, dünnem gewölke ähnlichen fliesse, leicht auseinander zupfen Rhode
Ovid (1791) 1, 255 (
verwandl. 6.
buch 20); als mir ein cabinet, an dessen thür' ich stiesz, ... die schöne Lila selbst, auf polster hingegossen, in allen reizungen des mittagsschlummers wies. vom silbernen gewölk des feinsten flors umflossen. Wieland (
Idris u. Zelinde 3.
ges. 87.
strophe).
vgl. auch (
das kleid) wird nur eine vorscheinende wolke, durch die ein körper durchscheinet Herder (
plastik von 1770) 8, 137.
je leichter die materie ist, die sich im gewölk zusammendrängt, um so eigenartiger wird sich auch die vorstellung der regellosigkeit entwickeln, die sich mit dem gebrauch des subst. gern verbindet. vgl.: dann siehst manch bartgewölk du schweben, nicht über, — nein auch neben dir! Freiligrath (
an mein l. pathchen) 2
6, 307;
so ist von hier aus wohl das folgende zu erklären: aller sammt, attlasz, damaszken ... soll abgeschaffet, die andern unter diesen sollen zu halszkollern und mützen zugänglich sein ... dergleichen wurden abgethan alle doppelte gewülcke an hemptern des halses und armen, und sollen die einfachen gewülcke nicht uber drei oder vier eln halten, zu dem auch an denselben weder knöttichen noch gezencke gesehen und befunden werden Schickfusz
chronik von Schlesien (1625) 3.
buch (
von justizsachen) 590; zanken
werden in sächsischen kleiderordnungen der gleichen zeit genannt und weisen auf eine bestimmte stelle der kleidung: krausen und überschläge, so länger dann ein halb viertel ... sol jedes alleine getragen, und aller überflusz mit zancken vormiden werden
polizei- und kleiderordnung von 1612
s. 25; krausen ... ohne zancken 34.
die krause, eine benennung, die nach theil 5,
sp. 2096
verhältniszmäszig spät —
später als die sache —
bezeugt ist, würde auch den ungeheuren stoffverbrauch bei diesen vorgängern des halskragens und der manschette erklären, dazu vgl. die zahlreichen bedeutungsberührungen des adj. kraus (
theil 5
sp. 2088
ff.)
mit verwendungen von gewölckig, gewölkt (
s. u.)
; vgl. auch krauses gewölk
bei Mörike. —
hierher gehört wohl auch die forderung des folgenden meisterstücks: erstlich ein baar mans stiffel, mit einem gantzen faltz, vier spannen lang: ein bar gemeine bürgerstiefel, mit einem gewülck eingeschnitten
schumacher handwerksordnung v. Cadolsburg u. a. bei A. Frisch
tract. d. colleg. opif. (1669) 54. 2@b@dδ)
eine eigenartige entwicklung geht von der sprache der malerei aus, wo die wolkenbildung für die ausmalung des hintergrundes ihre besondere bedeutung hat, vgl. z. b.: ein ganz blauer oder ganz grauer himmel würde nicht so sehr gefallen, als derjenige, dessen colorit durch ein leichtes gewölke unterbrochen ... ist
des herrn Pernety handlex. d. bildenden künste ... übersetzt (1764) 146;
vgl. auch: die wolken triefen von regen, und ein finstres antlitz, verschleiert von duft, schaut aus dem gewölk mir entgegen. F eiligrath (
vor einem gemälde) 1
6, 18.
überirdische erscheinungen fügen diesem allgemeinen bilde ihren besondern zug ein: allgütige! wofern dich hier (
die Venus) noch dein ambrosisch gewölk umhüllt, so siehe hier mich in den staub gebückt. R. W. Ramler
Pygmalion (1768)
s. 15.
die christliche malerei läszt ihre heiligen personen aus dem gewölk hervorkommen, vgl.: da ergossen sich die himmlischen heerschaaren aus zerissenem gewölk und sangen
F. D. Schubart (
der pilger) 2, 261.
so wird das collectiv zu einem attribut und auf gemälden zu einem rahmen für die himmlischen heerschaaren: zwischen diesem satz ist gefertigt eine glorie von gewölk, engeln und engelskopffen Meltzer
Schneeberg. chronik (1716)
s. 90 (1.
buch tit. 10).
von hier aus ist wohl folgende vereinzelt belegte und sicher durch den reim begünstigte verwendung zu deuten: herzog Leupold, der vermeint Gülch das ganz fürstenthum samst dem gwülch den pasz zu machen in Deutschland.
lied von 1620
s. Opel u. Cohn s. 54. 2@b@eε)
die wechselnde trübung des glanzes der gestirne durch die wolken giebt, wie beim grundwort, so auch beim collectiv andere anhaltspunkte: vgl. schildpattgewölke ... dass man ... sonnenaufgänge zu sehen glaubte ... und andere gesprenkelte naturerscheinungen Gottfr. Keller (
leute von Seldwyla) 4, 216;
dazu vgl.: 2@b@e@11))
die schon dem lat. nubes
eigene übertragung auf die umwölkte stirne: du, dessen heitere stirn der finstre kummer fliehet, und flüchtiges gewölk nur selten überziehet. J. P. Uz (
kunst, fröhlich zu sein, 2
br. 2) 232
Sauer; nim der umzogenen stirn ihr gewölk. Voss
Horaz 1
2 (1820) 297 (
episteln 1, 18, 94). der fürst sah scharf nach dem obersthofmeister und auf seiner stirn zog sich ein schnelles gewölk zusammen G. Freytag (
verlorene handschr. 2, 8) 6, 368. dasz ich ... die hellen sterne eurer klaren augen mit einem finstern gewülck der traurigkeit überzogen sehe?
wieder erst. Simpl. 3.
theil 403; die vorstellung eines ähnlichen siechthums ... verbreitete das gewölk des trübsinns über seine stirn
F. v. Matthisson (
fragm. aus tageb. u. briefen 3.
abth.)
erinner. 5, 69; bald aber wich der schmerz der wonne, und lieblich durch's gewölk der thränen brach die sonne. G. A. Bürger
gedichte s. 276 (
Hempel); die matt-stralenden augen lieszen kaum noch aus thränen-gewölken sanftleuchtende blikke zeugen der grösse der helden-seele, gebrochen sich drengen. Wieland (
Hermann 3,
v. 308)
s. 75; das thränengewölk der verkleinerten septimen mit himmlischem licht erhellen W. Heinse (
Hildegard v. Hohenthal 2) 5, 304; 2@b@e@22))
aus der gleichen auffassung (
anders Sütterlin
indogerm. forsch. 29, 126)
entspringt der medizinische ausdruck, der wiederum im lateinischen vorgebildet ist, vgl. nubecula ... der dunkle fleck, das wolkige finstere, in urina, ... in den augen ... beim krebs Migne 1518;
vgl.augenwölkchen theil 1,
sp. 814; wolke (hornhautflecken) fliegende wolken (erysipelas) Höfler
deutsches krankheitsnamenbuch 815; das wulken ... bräune Frisch 2, 458
c; wolka frostbeule ... Tobler
Appenzeller wb. 450
b; wolken Stalder 2, 456;
dazu vgl. nun: sonst vulge gern der carfunckel oder das gewilk hernach
badebüchl. 45
b; von dem newen gewülch oder rotlauffen. disz newe gewülch nimpt sein vrsprung, so ein flusz der offen gewesen ist, vnd gewont nach seiner art zuo genanten zeiten sich zuo reinigen, ... wiewol disz gewülch nicht alle mal wol auszgehet ... Paracelsus
opus chirurgicum (5, 21) (1565) 452 (
ebenso chir. schr. [1618] 183); ich habe offtmals auch gesehen, das etliche sind gewesen die am roten gwilch vielmalen im jar belästiget worden sind, vnd durch wunden vnnd stich nachfolgends lange jar erledigt worden, auch im podagran haben die wunden manchmal etlich jar das podagran hinderstellig gemacht
opus chirurgicum (1, 16) 29 (1565) (
ebenso chirurg. handschr. [1618] 15); herisipela, das ist, dasz gewülch oder rohtlauff
opera (
Straszb. 1616) 1, 1120
c. 2@cc)
die für das collectiv in seiner sinnlichen grundbedeutung oben besprochenen naturerscheinungen werden nun auch als bild für seelenvorgänge und für handlungen des menschen gebraucht. 2@c@aα)
wie eine dunkle wolkenwand lastet vergangenheit oder zukunft auf dem gemüthe des einzelnen oder ganzer zeitkreise: alles was hie ist, ist zergänglich, unbeständig und trüber dann alles gewülcke, nebel und ungewitter
verdeutschung von Petrarcas trostbüchern (1.
cap. 49) 47
a. 2@c@a@11)) schlage nicht die kleine hoffnung nieder, kaum giebt dein schwacher trost ein wenig leben wieder, so thürmst du ein gewölk? Chr. Fr. Weisze
Richard III 2, 5 (
litt. denkm. 130, 37); die erlittenen drangsale hatten ihm ein trübes gewölk auf der seele zurückgelassen Varnhagen v. Ense
denkw. 2, 46; also floh mich das leben: und trat ich in jauchzende kreise, dämmerte düstres gewölk über die fröhlichen hin. G. Kinkel (
an Johanna)
ged. s. VI; es war ein klarer tag, aber er hatte doch sein gewölk, wenigstens in dem gemüte des geheimrats Th. Fontane
vor dem sturm (
cap. 44
leichtes gewölk) I 1, 481; nun hatten die jahre und die erlebnisse wie immer dichter sich über einander schiebendes gewölk das letzte licht in ihren altjungferzügen ausgelöscht W. Raabe
alte nester s. 119;
dazu vgl.: ach, was war unerträglich, als die eiserne unveränderlichkeit dieser verhältnisse ...? nicht die grösse, sondern die unbestimmtheit des schmerzes ... ziehen uns darin die brust zusammen ... die lange nacht und windung seines ausgangs ... so stand die stumme Liane im gewölk Jean Paul
Titan 3, 84; ein dickes gewölk zog sich zwischen ihn und die menschen Klinger (
Raphael) 4, 248. 2@c@a@22)) die heroen der menschheit ... blicken sie auch düster grimmig in das schwarze gewölke, das die erfahrung vor ihrem geist zusammengetrieben — so treten sie doch zu neuen kämpfen in das drohende gewölke, erleuchten die sie einhüllende finsternis durch ihren geist Klinger (
betrachtungen 365 g.) 11, 338; es stieg ein trüber nebelwind vom Rheine, auf dessen fitt'gen kam herangeflogen ein nachtgewölk am deutschen himmelsbogen ... nun hat ein starker nordwind sich erhoben und hat mit scharfem grimm das nebelgraue gewölk zurück vom horizont geschnoben. Rückert (
geharnischte sonette 20) 1, 16; wir fänden bei solchem unwetter, das so schwarzes gewölk über ganz Europa zusammenzöge, ... so viel hülfe, dasz die Russen ... mit ihren schiffen in ihren häfen liegen bleiben müszten E.
M. Arndt
schriften an meine lieben Deutschen 3, 183; die ganze nordische hälfte war mit grauem gewölk umzogen, die ganze südliche hälfte klar vom lichtblau angeflogen. Fr. Rückert (
lyr. gedichte 3
b. 4.
reihe) 2, 341; in solcher weise zog unscheinbar und harmlos ein academisches gewölk herauf G. Freytag
verlorene handschr. (2, 3) 6, 259;
vgl. auch kriegsgewölk
theil 5
sp. 2273. 2@c@a@33))
wenn der vorstellungskreis, der zur vergleichung herausfordert, im letzten belege durch attributives adjectiv gekennzeichnet war, so dienen diesem zwecke sonst gern genetive: stolze worte, wilde wirbel der trommeln ... zerstreuten, wie es schien, all' das schwer und schwarz lastende gewölk der zukunft H. König
clubisten in Mainz 1, 107; wühler aufreissend tiefsten grund des herzens reissend der glücklich dicht verhüllten zukunft dunkles gewölk auf. Arndt (
Mimerung unter deutschen eichen) 5, 150; dieses gewölke des schweigens legte sich nun wochenlang und immer finstrer um seine schönsten höhen fest, und der schuldlose ging unter dem dunkel im kreise von widersprüchen unter Jean Paul (
Titan 3) 23, 54; dass stets in undurchdringlicher nächte gewölk einhüllt die erleuchtete vorsicht ihren pfad, während blindheit unser los ist! Platen (
an die herzogin v. Leuchtenberg) 1, 254
Redlich; der verborgene arbeiter im hohen gewölke des schicksals hatte noch nicht das zusammenfliessen in thränen entschieden oder das zertheilen in blau Jean Paul
Hesperus 4, 22; du brunnquell der barmherzigkeit, dein glanz erstreckt sich weit und breit; der traurigkeit gewölk vertreib, das licht der glori bei uns uns bleib. Martin Moller '
o Jesu süsz, wer dein gedenkt';
vgl.trauergewölk Abrah. a. S. Clara 1, 104
Strigl; drum soll dein heitrer blick nicht trübe werden durch das gewölk der schwermut. Tieck 1, 59; je mühsamer sich die wahrheit durch die nacht des alten vorurtheils, das, rastlos sie bestreitet, und durch gewölk der täuschung durcharbeitet. Manso
verm. schr. 1, 48. 2@c@bβ)
die entladung der wolkenlast in gewitter und sturm, der kampf des wolkendunkels mit dem licht der sonne und des mondes geben andere anknüpfungspunkte. 2@c@b@11)) als wenn auff einem berge krumb, ein armes hürtlein schawet umb, sieht ein gewilck zusamen gehen, darausz ein wetter will entstehen. Spreng
Ilias (4)
s. 44
b;
vgl. Voss (
s. sp. 6715); wie würden sich wohl die menschen in diesen tagen verhalten, wenn die ruhr, wie ein dickes, schwarzes gewölk, oder gar wie ein dunkelgrünes, dergleichen donnerwetter einmal jemand gesehen haben wollte, am horizont herauf, niedrig und langsam angezogen käme? Lichtenberg
vermischte schriften 6, 71; sahen dich das glück bestreiten, den tyrannen unsrer welt, der um seine riesenglieder donnerndes gewölke zog. J. P. Uz (
an die freude) 177
Sauer; der zürnende mann ragt wenigstens mit dem kopfe über die wolken seines zornes hinaus, das eheliche gewitter grollt nur unter seinen füszen, die frau aber steht mit dem kopfe unter dem donnernden gewölke L. Börne (
über d. schmollen d. weiber) 2
3, 214; vielleicht dem fischer mag ich mich vergleichen, der sonder nahrung im verschlagenen boot die möve streifen sieht und an dem bleichen gewölk aufzucken ferner blitze rot. A. v. Droste-Hülshoff (
des arztes vermächtnisz) 2, 99; offenbarungen sind blitze, durch schwarzes gewölk aus einer höhern lichtwelt herabschieszend Immermann (
papierfenster des er.) 9, 124; so heisz ihr vor seinem einschlagenden gewitter seine stechende sonnenfreundlichkeit vorkam: so unangenehm kalt war ihr nach demselben sein gewölke Jean Paul (
die unsichtbare loge) 1, 114. 2@c@b@22)) Penthesilea, wie sturmwind ein zerrissenes gewölk, weht der Trojaner reihen vor sich her, als gält' es übern Hellespont hinaus, hinweg vom rund der erde sie zu blasen Heinrich v. Kleist (
Penthes.) 2, 22;
vgl. auch oben (
sp. 6704)
zum pluralgebrauch; weil noch der kühle sanfte wind der gnade das ekle giftige gewölk verweht von starrem morde, raub und büberei. A. W. v. Schlegel
Shakespeare (
Heinrich V. 3, 3) 2, 167; wer zählt des dichters wechselndes beginnen, so lang' der jugend farben ihm gebreitet? wer mit der weisheit fesseln auf ihn schreitet; sieht ihn gleich Proteus, tausendfach entrinnen. ... so bilden sich die eigenen gestalten unzählig vor ihm; einer kaum entflohen, hält ihn, verschämt, die gauklerin umschlossen; kaum ist er, schauriges gewölk, zerflossen, sieht man der eignen poesie ihn drohen, sich wieder dann in bunter flamm' gestalten. O. H. von Loeben
ged. 108
Pissin. 2@c@b@33)) es fällt ein ernster schatten o bruder, auf dein fest, wie ernst auf sonnige matten gewölk ihn fallen läszt. Freiligrath (
neueres und neuestes) 2
6, 317; dies treffen steht so wie des morgens krieg von sterbendem gewölk mit regem licht. A. W. v. Schlegel
Shakespeare (
Heinrich VI. 3.
theil 5, 2) 3, 45
Brandl; ... stundt do und was ein jüngling fein und erschein der junckfrawen gleich der sunnen an dem himmelreich, wann das trübe gewilck verschwinnet, die sunn am lautern himel schinet. Jörg Wickram (
Albrechts Ovid 14.
cap. 11.
v. 950) 8, 225
Bolte (
solis imago evicit nubes); bis itzt ein heller glantz durch disz gewölcke dringt; ein glantz, der seinen schein von ihrer huld bekommen. J. C. Günther
2 (
anhang 15) 1133; wie aber oft das dichteste schwärzeste gewölk sich plötzlich öffnet, um einen erquickenden strahl der sonne durchzulassen A. Streicher
Schillers flucht 150
neudr. (
die zuschrift aus Leipzig); nein! über ew'gen kämpfen schwebt im liede, gleichwie im goldgewölk, der ew'ge friede. Uhland (
gesang u. krieg) 1, 116
E. Schmidt; wich das wirre getös' dem hellen goldklang einer himmlischen mädchenstimme, wie wenn nachts aus krausem gewölk des mondes klarheit tritt, ein weilchen die reine bahn behauptend. Mörike
Ludwig Richters kindersymphonie. 2@c@gγ)
aus dieser wirkung der sonnenstrahlen, die das gewölk
zerstreuen oder auflösen, entspringt für unser substantiv ungezwungen die vorstellung des vorübergehenden und vergänglichen: dahin richten sie alle ding nach irem kopf, aber es ist mir ein gewülck, es wird bald gethon sein Fickler
übersetz. von Putherbeys tract. v. verbot. büchern 156
a; so ist es doch nur als ein leichter wind, oder ein kleines gewölcke, das bei denen die darumb nicht wissen, geschwinde frber geht Opitz
übers. v. Barclays Argenis 1 (4) 692; wenn sie das auge nach sich reisst die wandelnde cypresse. wie wurzelfasern schleicht ihr fusz und buhlet mit dem boden; wie leicht gewölk verschmilzt ihr gruss, wie ost-gekos ihr oden. Göthe (
west-östl. divan: an Hafis) 5, 41;
vgl. leichtes gew.
sp. 6711; bewusstlos selbst in grauverhängte stunden, steigt oft ein unklar sehnen dir empor, du schaust vielleicht wie durch gewölkes flor nach tagen, längst vergessen, doch empfunden. Annette von Droste-Hülshoff (
carpe diem) 3, 513; um ihm in seinem physikalischen ton zu antworten, dass er glauben möchte, diese wolken würden durch meine umstände und nicht durch die natur meines herzens hervorgebracht. 'ich bin es überzeugt', sagte er, 'auch seien sie ruhig! es gehört alle meine beobachtung dazu, dieses feine gewölke zu sehen' Sophie v. La Roche
frl. v. Sternheim 270
Ridderhoff; sie (
die götter) haben schon oft das gewölk, das von weh angeschwollen, schwer vor den augen hing, auseinander gestreut! J. L. Stolberg (
sieben gegen Theben) 15, 76; o truggewölk, das sommerau'n nur überfliegt und nicht erlabt, nur durstes flammen schürt. Rückert (
makamen) 11, 356. 2@c@dδ)
andere bilder gehen von der stellung des gewölkes
aus. über dem haupt des menschen ist seine bahn: thränen des dankes flieszen, es wallet empor frommer gelübde gewölk. Chr. Stolberg (
an Karstens) 2, 116.
aber berge ragen darüber hinaus, den könig der vögel trägt der adlerflug darüber hinweg, und so wird das subst. zu einem symbol für das niedrige und kleine im menschenleben, das ein groszer geist bezwingt: und wankten nicht zurück. gleich dem gewölk, das Zeus bei stiller luft hoch um die wipfel der gebirge wälzt; geruhig liegt es da. Bürger (
Ilias 5.
rhaps. 647) 3, 94; nie sah ich den schatten von erdennoth ... auf deiner olympischen stirn, die wie ein berggipfel über allem gewölk sich im ewgen aether sonnte P. Heyse (
der letzte centaur) II 10, 242; drauff hast du deinen feurgen mut gleich wie ein schneller adler thut, durch das gewölk geschwungen: du hast dich über zeit und ort in gotts gebiet, ins ewge wort, ins tunkel eingedrungen. Angelus Silesius (Joh. Scheffler)
fertige seelenlust 184
neudr.; im verwegenen dichterruhme, dass es keine niedre brut, dass dereinst es matt und machtlos nicht im neste werde liegen, wenn die andern kühn und achtlos durchs gewölk zur sonne fliegen. Strachwitz (
an die zarten) 174
Weinhold; so weit über das gewölke des lebens hinauszudringen, dasz man die ganze äuszere welt ... unter seinen füszen ... liegen sieht Jean Paul (
billet, anstatt der vorrede) 4, VII;
vgl. auch bleigewölk
theil 1
sp. 100.