gewähr,
f. das heutige wort umfaszt eine anzahl von verwendungen, die die verschiedenste deutung und erklärung zulassen. die meisten versuche sind bis jetzt von der rechtswissenschaft ausgegangen. wie sich noch heute der gröszte theil der einschlägigen belege an die unter gewahr =
verus, certus (
sp. 4759
ff.)
und gewahr,
cautio (
sp. 4763
ff.)
besprochenen typen anknüpfen liesze, so hielt sich die ältere rechtsbetrachtung an wahren =
cavere und wahr =
verus, vgl. Scherz 545. Adelung 2, 644.
die neuere erklärung geht mit Jacob Grimm (
vgl. rechtsalterthümer 555 ff.)
auf die entwicklungsformen des älteren deutschen rechtes zurück und knüpft an die identität des spätlateinischen vestitura mit der altdeutschen gewere
an, vgl. gaweri
vestitura Graff 1, 929; gewer
mhd. wb. 3, 586
a. Lexer 1, 984.
unzweifelhaft lassen sich schon aus dem entwicklungsgange von vestitura entscheidende vorbilder für eine grosze zahl der in den formen gewer, gewähr
zu tage tretenden verwendungen entnehmen, da jedoch für eine andere gruppe derselben diese erklärung versagt, so wird der begriff der gewährschaft,
wie er im romanischen warandia
sich ausprägt und wie er im fremdworte garantie
als einem vorbilde für viele verwendungen des heutigen gewähr
wiederkehrt, von diesem zusammenhange ausgeschlossen, vgl. Heusler '
die gewere'
s. 2.
dagegen wird ebendort giwerida
in den kreis von gewere
eingeführt, auf grund zweier parallel laufender stellen der traditiones Fuldenses (824): testes qui vestitionem viderunt; testes qui viderunt giweridam.
eben dieses giwerida
bietet nun einen guten einblick in die mannigfachen berührungen und kreuzungen der wortstämme, die im heutigen gewähr
ableger hinterlassen haben. während die schreibung giweridam
in den trad. Fuld. aus 824
kürze des vocals erweist, musz aus der schreibung der glossen, die für stipulatio
dasselbe wort belegen, auf länge des vocals geschlossen werden. nicht nur die Hrabanisch-Keronischen glossen schreiben kiwaritha, kiwarida
testimonia (Steinmeyer-Sievers 1, 211),
sondern die viel spätere Wiener handschrift zu den canonischen beschlüssen (11.
jahrhundert),
ebenso die Tegernseeer handschr. bietet giwarido, gewarido
adstipulatione (Steinmeyer-Sievers 2, 117).
bei langem vocal werden wir auf wâr, wâri =
verus (
vgl. unter gewahr
oben sp. 4763)
geführt. bei kurzem vocal liegt die anlehnung an gawara, biwaran (Graff 1, 911. 912),
mhd. warn (
mhd. wb. 3, 507
b), gewahr (
oben sp. 4764),
dem warandia
entstammt, ebenso offen wie die an werjan
vestire (Graff 1, 928),
got. vasjan,
mhd. wern.
die selben möglichkeiten liegen auch für zahlreiche unter der form gewere, gewer
belegte verwendungen und noch mehr für das heutige gewähr
vor. die darstellung musz hier den versuch machen, die mit wahrscheinlichkeit zu ermittelnden gruppen auseinander zu halten und für das übrige material die verschiedenen möglichkeiten der erklärung neben einander zu stellen. II. gewere,
vestitura. den gliederungsgrund giebt der entwicklungsgang des lateinischen wortes an, der auf die bedeutungen des deutschen wortes wesentlich von einflusz war. es lassen sich selbst die berührungen mit dem fem. gewahr (
vgl. sp. 4765. 66.
oben und sp. 4794
unten)
auf die bedeutung 'besitz'
zurückführen, die schon an vestitura zur geltung kommt. I@11)
das wort in der rechtssprache. I@1@aa)
ergebnisse aus der betrachtung des lat. vestitura. I@1@a@aα) I@1@a@a@11))
die vestitura ist zunächst nomen actionis, sie bezeichnet den formalen act der besitzeinweisung und gewinnt ihre besondere bedeutung, seitdem die übertragungen von grundbesitz nicht immer mehr auf dem grund und boden selbst ihren sofortigen vollzug finden konnten. in exercitu sive in palatio sive in alio quolibet loco
war es nach der ältesten quelle möglich, res suas pro salute animae suae vel ad aliquem venerabilem locum vel propinquo suo vel cuilibet alteri tradere;
wer solches beabsichtigte, der konnte fern von seinem besitz wol eine traditio ins werk setzen, aber nur eine solche, bei der die feierlichen formen der vestitura zunächst noch ausstanden, nämlich die besitzeinweisung an ort und stelle, durch welche der neue besitzer im besondern gegen die erben des früheren sicher gestellt wurde. hier setzt der gegensatz von traditio und vestitura ein, hier finden die bemühungen, die rechtlichen wirkungen der vestitura durch andere mittel zu erreichen, ihren ausgangspunkt. beide momente sind für die begriffsbestimmung des deutschen wortes von tiefgreifender bedeutung. die capitula legibus addenda von 818,
erlassen von Ludwig dem Frommen, suchen vor altem die schenkungen an klöster sicher zu stellen und schreiben für denjenigen, der aus den obengenannten gründen verhindert ist, legitimam traditionem facere,
vor (
cap. 6): adhibeat sibi vel de suis pagensibus vel de aliis qui eadem lege vivant qua ipse vivit testes idoneos, vel si illos habere non potuerit, tunc de aliis quales ibi meliores inveniri possnt; et coram eis rerum suarumque traditionem faciat et fidejussores vestiturae donet, qui ei qui illam traditionem accipit vestituram faciat.
monum. Germ. leg. 1, 2, 282.
die stelle giebt über den act der vestitura selbst keinen aufschlusz, dieser ist dagegen in urkunden von 820
und 825 (
vgl. Meichelbeck
hist. Fris. 1, 2
nr. 369
und 492)
anschaulich beschrieben. nachdem der frühere besitzer in einer urkunde sein grundstück an den bischof von Freising übergeben hatte, schickt er nachher ob quam causam confirmandam (ad confirmationem hujus traditionis)
einen missum
auf das grundstück, der dort mit dem bischof zusammentrifft, den er in gegenwart von zeugen und unter symbolischen darreichungen (
vgl. dazu J. Grimm
rechtsalterhümer einleitung cap. 4)
in den besitz einsetzt (
vestivit). I@1@a@a@22))
für die verwendung von vestitura kommt das nomen actionis, wie sich ergeben hat, nicht so sehr in betracht, wie für die erklärung. die rechtlichen wirkungen stehen im vordergrunde, statt des actes der besitzeinweisung nimmt die ausübung des besitzrechtes das hauptinteresse in anspruch. so wird die bedeutung '
besitz'
vorbereitet, vgl. Heusler (93): auch sonst werden die ausdrücke
vestitura, vestitum esse, manu vestita possidere in einer bisweilen frappanten weise zur bezeichnung des rechtmäszigen besitzes gebraucht. I@1@a@a@33))
bei zahlreichen vergabungen bleibt derjenige, der das gut abgiebt, im nieszbrauch desselben. die abgaben, die er an den neuen eigenthümer dafür entrichtet, werden in verbindung mit der vestitura gebracht: usu possideat fructuario, ac annis singulis pro vestitura argenti libram persolvat,
vgl. Heusler 52.
auch durch diese verbindung wird der bedeutungsgehalt von vestitura erweitert. die vorstellung von rechtsansprüchen wird in diesen kreis angeführt, der vordem zunächst auf den thatsächlichen besitz eingeschränkt war. I@1@a@bβ)
das gesagte wird theilweise bestätigt und ergänzt durch die wortverbindungen, die bei Du Cange 8, 293
aufgeführt sind. I@1@a@b@11)) vestituram facere,
vielleicht auch vestituram dare,
läszt das nomen actionis zur geltung kommen. hierher gehört aus der vestitura traditionis Caroli regis in Hamalunburg (777)
auch reddita est vestitura traditionis.
unsicher in dieser beziehung ist die formel pro vestitura et firmitate. I@1@a@b@22)) in vestitura esse
hat zweierlei bedeutungen: es wird ebenso wol in bezug auf den besitzer als in bezug auf das rechtsobject gebraucht. im ersten falle liegt das zuständliche moment vor: in vestitura rei alicujus esse dicitur, qui hanc possidet,
im zweiten falle wird der begriff vergegenständlicht: si quis proprium nostrum quod in vestitura genitoris nostri fuit, alicui querenti sine nostra jussione reddiderit. I@1@a@b@33))
mit dieser zweiten gruppe berührt sich: qui (
locus) in regiam rectamque venit vestituram; villulas in suam vestituram recipi jussit. I@1@a@b@44))
rechtsansprüche verknüpfen sich wohl mit der wendung vestituram legitimam habere de. I@1@bb) gewere
in der althochdeutschen und mittelhochdeutschen periode. I@1@b@aα)
das nomen actionis ist fast nur in glossen und übersetzungen von lateinischen urkunden als parallele von vestitura überliefert: inde vora hin sachunu sineru salunga gedue inde burigun theru geuueri geue himo ther thia sala infahit geuueri gedue (
et coram eis rerum suarum traditionem faciat et fideiussores vestiturae donet ei qui illam traditionem accipit vestituram faciat).
fränkische version (9.
jahrh.)
zu dem oben erwähnten capitul. Ludwigs des Frommen, monum. Germ. leg. 1, 2, 380; thara ubiri inde selvo thuruch sich burigun gedue theru selveru geweri, nio themo geanerven thegein ursach belive thie sala zebekerino (
insuper et ipse per se fidemjussionem faciat ejusdem vestiturae, ne heredi ulla occasio remaneat hanc traditionem immutandi).
ebendort; pro signo investiture que vulgo gwere dicitur. (1190) Zahn
urkundenbuch des herzogtums Steiermark 1, 709; notum sit omnibus, quod dominus Herrandus patrimonium suum tam gentes quam predium miserit in vadio comitii Sigbotoni pro lx. talentis, ex quibus ad manus persolvit comes xxx talenta tam in argento quam in nummis, et alia expensa, et ille dedit ei quod dicitur gewere potestativa manu ut justum est. (1180)
monum. boica 7, 479; diu gabe heizet stete, diu vor dem rihter geschît; diu ist ouch stete, diu mit der schrift geschihet; diu ist aber diu aller stetest, diu mit der gewer geschît.
Schwabenspiegel cap. 22
Gengler. I@1@b@bβ)
um so reicher ist die bedeutung von possessio ausgebildet, die im besondern auch an den unter (
sp. 4787
ff.)
besprochenen wortverbindungen sich belegen läszt. andere belege bei Schmeller 2
2, 971. Schiller-Lübben 5, 678. I@1@b@b@11))
der inbegriff rechtlicher wirkungen der vestitura: wer ein guot geit einem mann unnd nie gewer daran gewan unnd weiset in on recht auf dz guot. und kommet ein ander fúr gericht. unnd klaget auf dz guot, der richter weiset in mit recht auf das guot. unnd der hatt gewer mit recht unnd iener nit, die czwen komment dann für den richter. unnd klagent auf das guot.
Schwabenspiegel (
Laszberg) § 76, 1; swer eine gewer hat iar und tag. ane rehte wider sprache. der hat ein rehte gewer dar
an. die sal im nieman brechen wan mit gerihte. die wile aber ein man ein guot an geclaget. vor gerihte. swie lange er ez dar nach hat. so gewinnet er niemer rehte gewer dar
an. die wile er die clage erzúgen mag kumet iener alse ofte fúr. alse er die clage hœret. und verstat sin guot also. herre ich bin hie. und verspreche min guot alse mit reht ist. so hat er rehte gewer dar
an. die ansprache mag iener han driu jar. und nit lenger. der rihter sol im dar nach gebieten. daz er reht neme ze drin tegedingen. § 209; ich solt die gewer desselben weingarten inne haben virczehen tag, und solt auch ich den erben des weingarten das ze wissen tun, und die gewer anpieten, ob imant chöm in der zeit, der sich mit dem egenanten herrn Ortolfen verrichtet, und in unchlaghafft machet.
urkundenbuch des stiftes Klosterneuburg, s. 438 (1371),
fontes rerum Austriacarum 2, 10; wir verzihen uns ouch unt hant uns verzigen einhelleklich und bedahtlich der gewer und alles des rechtes, so wir sölten oder möhten han an der vorgenanten burg.
archiv f. österr. gesch. 6, 181 (
an. 1309); ez wär mit briefen, mit kuntschaften, mit gewer oder mit gewalt. (1393)
monum. Zoller 1, 308; liet en herre sines mannes gud enen anderen, unde of he sin gewere is mit vingeren unde mit tungen, dar umme ne sal jene der enen lenes gewere nicht darven, die herre ne moge dat getugen, dat he ime sine gewere mit lenrechte verdelt unde gebroken hebbe.
Sachsensp. lehnrecht. art. 53; swer an dem gute frevelt, der sol dem bezzern, der ez mit nuze in ledeclicher gewer hat.
Schwabenspiegel cap. 81
Gengler; git ein man dem andern sin gut mit nuze und mit gewer, iund verzihet er sich dar an sines rehtes, der (
der neue erwerber) hat reht an dem gute.
cap. 267, 2.
vgl. unten die verbindungen nutzliche gewer, nutz und gewer
u. a. I@1@b@b@22))
der gegenstand des besitzes. vgl. gewahr (
fem.)
sp. 4766.
vgl. die belege aus der neuhochdeutschen zeit. I@1@b@gγ)
erweiterung des bedeutungsgehaltes. I@1@b@g@11))
begründung der gewere
durch zinsfestsetzung: ist danne daz ein man sinem friunde gut schaffen wil nach sinem tode .. wil er imz aber gar stete machen, so seze im einen zins dar uz; da mit hat er die gewer, und mac daz gut niht verliesen mit rehte.
Schwabenspiegel 22
Gengler. I@1@b@g@22))
übergang vom bloszen zustand des besitzes zum rechtlich geschützten besitze: swaz varende gut heizet, hat daz ein man in siner gewer driu iar âne rehte ansprache bi dem, der bi im in dem lande ist, und seit im sin gut gewizzen, daz er reht dar zu hat: so hat er ez mit rehte.
Schwabenspiegel cap. 49, 1
Gengler;
das gleiche im deutscher leute spiegel 61
Ficker. andere beispiele s. u. (
Sachsenspiegel 3, 7, 4
u. a.); swer die gewer hat an einem menschen, der hat bezzer reht dar an, denne der der gewer darbet.
Schwabenspiegel 243, 2
Gengler. I@1@b@dδ)
die wortverbindungen mit gewere
lassen die oben beobachteten bedeutungen vielfach hervortreten, theilweise bereiten sie auch neue vor. formeln, die auf das nomen actionis zurückführen, sind litterarisch wenig belegt, sie werden viel eher später, in den weisthümern, an die oberfläche gebracht. für die einschlägigen belege überwiegt die parallele mit possessio. hier kommt die bedeutung eines rechtsverhältnisses mehr in solchen verbindungen zum ausdruck, die sich nicht eigentlich zu geläufigen formeln ausgestaltet haben: wenn ain fraw irer morgengab siczt nach irs wirts tod in rechter nucz und gewer jar und tag an alle recht ansprach, es sei aigen oder lehen und die gewer erzeugen mag, oder erzeugt hat, des sol si geniezzen aller maenchlîch, sie darum brief oder nicht.
kaiser Ludwigs rechtsbuch (1346) 133
Freyberg; swer geuuer hat jar und tag aun reht uuidersprach, der hat reht geuuer daran, die sol im nieman uuan gut gerichte brechen.
Alemann. recht 204 § 1
bei Haltaus 706; dasprach fraw Agnes hinwider, es wer woll war, si het das selb gut herbracht fur ein erblehn, und es wer auch ir erbe, und si setze des selben guttes in nutzlicher gewer, als ain fraw in ir erbe setzen solte und das wolte si war machen als si billich solte, da fragten wir die richter, was do rumb rechte were, die ertailten auff ir aide, wan ir der gewer nimant laugnet, si solte ir erbgut behaben. (1324)
monum. boic. 16, 345; auch geben wier den ehgenanten burgermeister
etc. die walt und alle zugehörung die ... gewehre und besitzung, dasz sie die halten, haben und besitzen sollen, und der auch geniesen und gebrauchen. (
Frankfurt 1372)
bei Haltaus 705; so soll der vorgenandt hertzog Henrich bei seinen lanten und leuten, alsdann die sein vater
s. auff ihne geerbet hat, und er ihn besessene und
gewehr herbracht hat, auch bleiben. (1417
Kostnitz)
bei Londorp
acta publica 1, 31
b; mit hantfest, mit briefen, mit erbschaft und mit gewer, der ims geben hat.
kaiser Ludwigs rechtsbuch 193.
für die bedeutung rechtskräftiger besitz
lassen sich wie oben für vestitura zwei gruppen von formeln scheiden. in der einen steht die person des besitzers mit ihren ansprüchen und rechten im mittelpunkt, in der andern wird das object in den vordergrund gestellt. von dieser zweiten gruppe aus wird die concrete vorstellung, wie sie in '
besitzung'
ausdruck gefunden hat, vorgebildet, wodurch sich die berührungen mit dem fem. gewahr
vgl. sp. 4765
eröffnen. die verwendungen der ersten und der zweiten gruppe treffen oft in einem satze zusammen: wir (
die verkäufer) setzen das gut (
den käufern) aus unser hant und gewer in ir hant und gewer und setzen sie des alles in recht geruhig nutzlich gewer.
vgl. Schmeller
a. a. o. I@1@b@d@11))
die person steht mit ihren rechten im mittelpunkt der wortverbindungen. I@1@b@d@1@aa))
viel belegt in dieser gruppe ist die verbindung nutz und gewer,
die auch in der form nutzliche gewer
auftritt. sie ist meist mit bestimmten verben verbunden, vereinzelt erscheint sie auch in freiem gebrauch: da sol die strazz und der weg frei beleiben, ob die laeut, die aecker hin an habent stozzent, ir nucz und gewer verantwurten wolten, ob si daeucht, daz man in der aecker ze vil wolt absagen zuo dem wege, so sol si nucz und gewer an der stat nichtz fürtragen, und sol also beleiben, als ez die chuntschaft unz gegangen hat.
kaiser Ludwigs rechtsbuch (1346) 141
Freyberg; welich pawr auf ainem guot siczt, daz er ainem herren verdienen muozz, iaech er dhains rechten an daz guot, da sol in dhain nucz noch gewer für tragen noch helffen, er bezeug es dann mit briefen
an. 154,
ebenso 144. I@1@b@d@1@a@aα)) und hundert jar und mer an allen chrig in nutz und gewer inne gehabt het. (
den prantwert bei der Alth.)
monum. boica 3, 197 (1309); wir Friderich burkrave von Nurnberch veriehen offenlich .. daz der erber man her Eberhart von Walsse .. daz er von uns zelehen hat, versetzt hat seinem aidem .. mit nutz und gewer inne ze haben.
monum. Zoll. 1, 300 (
Nürnberg 1309); mag dann direr war gemachen, der in mit nucz und mit gewer inne hat mit zwain, daz er im an den tail gevallen sei, dez sol er geniezzen.
kaiser Ludwigs rechtsbuch (1346) 118
Freyberg; iaech iemant erbschaft oder leipgedings auf ain guot, swelicher herrschaft daz guot waer, ob er daz mit nutz und mit gewer behaben wolt, dez sol im nicht fürtragen, er hab dan brief oder hantfest darumb.
stadtrecht von München artikel 196
Auer; und wanne dat slot alsus an geld gewerdert were, so scholden de von Gottingen de helfte dez geldes an der helfte des slotes hebben und we scholden dat slot mit einander besitten und dez in nud und in geweren med einander gebruken. (1393)
bei Schmidt urkundenbuch der stadt Göttingen 1, 378. I@1@b@d@1@a@bβ)) swen zwen lehenherren mit ainander chriegent umb ain manschaft, die sie leichen söllen, daz sol dem unschedleich sein, der des guts bei nutz und bei gewer ist.
Münchener stadtrecht artikel 156; unnd jehen, si weren des inn nutz unnd gewer gesessen langer danne landes recht wer. (1378)
monum. Zoll. 7, 221. I@1@b@d@1@a@gγ)) swer den andern anspricht umb aigen und umb lehen, dez er pei nucz und pei gewer gesezzen ist, alz dez landes recht ist.
rechtsbuch kaiser Ludwigs (1346) 185
Freyberg, vgl. 188; swer ains guots bei nutz und bei gewer gesezzen ist, es sei aigen oder lehen, als es des lands recht ist und meins hern buoch sait, und auch die selben nutz und gewer erzeugt hat oder erzeugen mag, in des selben nutz und gewer sol niemant erzeugen.
Münchener stadtrecht artikel 154; swer den andern anspricht, er hab in seins aigens oder seins lehens entwert mit gewalt ân recht, des er bei nutz und bei gewer sitzt, des laugen sol man mit seinem aid nemen dafür, er mach es dann mit zwain war, die des mit im swern, und die daz war wizzen, daz er des guots sei gesezzen bei nutz und bei gewer.
artikel 160; swer umb aigen wirt angesprochen, des er jar und tag bei nutz und gewer gesezzen ist, als der stat recht ist und dez bereden mag, der sol fürbaz sein aigen an alle ansprach haben.
artikel 33; swenn daz für recht chumpt, mag dann ener, der das guot herein gefüert hat, bereden mit seinem aid, daz er des guots bei nutz und bei gewer sei gesezzen ... des sol er geniessen.
artikel 54; und sei desselben hoff gesessen in nutz und in gewer, als landsrecht sei. (1415) 16, 468
monum boic.; er trawet got und den reeten, man liess jn billich bei seinem unvermeilten brieff beleiben, wan der clarlich aussweiset das mans seinem vatter geben hett für ein freies aigen, und setze auch des kauffs bei nutze und pei gewere, nach landes recht. (1433
Rain) 16, 475. I@1@b@d@1@a@dδ)) der gab zu im Gebharten von Obgersberg und satzten in Ainwegen von des Rorars wegen in nutz und in gewer, und auch von des richters wegen.
monumenta boica 3, 354 (
anno 1293); swer ainem ain guot machen wil, der sol den in nucz und gewer seczen bei seinem lebentigem leib, und sol er etlich guot iaerlich ein nemen die weil er lebt der im daz guot gemacht hat, oder er sol im brief darumb geben.
kaiser Ludwigs rechtsbuch (1346) 116
Freyberg, ebenso stadtrecht von München art. 198
Auer; und (
wir) setzzen sie ietzund der egeschriben guot ... mit disem gegenwerttegen brif in nützlichen gewer, nach des landes reht und gewonheit.
mon. Zoller. 3, 85 (1342); und (
wir) setzzen in und sein erben ietzunt der vorgeschriben guot ... in nützliche gewer nach lehens reht. 3, 83 (1342
Nürnberg); und haben den obgenanten unsern oheimen von Wirtenberg und iren erben die vorgenanten vestin, dörffer, wiler, lut und guot ... uffgeben und ingeben und si der geseczt, und seczen si der mit disem brieff in nuczlich und liplich gewer. (1364) 1, 204; und dornach do wurde im ertailt, das man in daruf setzen sölt in nutzlich gewer, und im schirmer darüber geben solt. (1417) 1, 503; item wer in miner herren und vögten gerichtten dem andren uff sin lehen stellet und das kuntlich wirtt, der ist ein buss vervallen .. und sol darzu den selben wider in setzen in nutzlich gewer. (
öffnung von Neftenbach) Grimm
weisth. 1, 75; wer es do, das derselbe arme man herwider begerte zu ziehen in das gericht zu Saspach, so soll ein ambtmann inen herwieder geleitten, und sol in wider setzen in gewalt und in gewer der juch velder. 1, 413 (
öffnung von Saspach). I@1@b@d@1@bb))
in ruhiger (
stiller)
gewere sitzen: da wider leiten di vorgenanden lüte von Schwitz füre und für, mässen sich ze beweren mit lebender lüten, das dü eigenschaff desselben waldes des egenanden si wer ankomen vor ir vorderen, und mänige jar in ruhiger, und in unangesprochen gewer besessen hettin. (1217
Einsideln)
bei Herrgott geneal. Habsburg. 2, 224, Haltaus 705; und sein also darin gesessen in stiller nutzlicher geruwiger gewehr und gewalt, länger denn landts-recht und gewonheit ist ohne alles rechtliches einsprechen und forderung, und ziehen sich des allen an ein erbare kundschafft und erbiethen sich ihre gewehre zu vertretten, als recht ist. (1345)
dipl. Ludowici Bav. bei Haltaus 705; wöll graf Hugo von Montfort sweren zu den hilgen, wann er ein freier schwabischer herr ist, datz sin vater selig und er die lüte und güter untzt uff diesen hütigen tag in guter stiller gewehre gehabt habint, ohn all redlich ansprach
etc. und dann zween erbar unversprochen mann habi, die ihm der gewehre helfint mit dem aid. (1379)
bei Haltaus 705; über das ir baid stüfft und gotshaus solcher irer gerechtigkeit in stiller nuzlicher gewer gesessen sein länger dann lands recht sei, getrawen si der von Peyern soll gütlich daran geweist werden, si und die iren .. ungeirt ze lassen. (
Schlehdorf 1455)
monum. boica 9, 42; und sol das erst phant durch franboten genomen werden und dasselb phant in stiller gwer ligen 14 tag; veraint sich der ander mit dem, dem er gelten sol, in der zeit, so ist das phant ab .. verainet er sich aber in der zeit nit, so nimbt er durch franboten das ander phant, das ligt in stiller gewer drei tag. (
Niedervintl 1474)
österr. weisth. 5, 1, 445; als ich die herbracht und genossen han in stiller gewer, also sollen si und ir nachkomen die haben. (1418
Rain)
monum. boica 16, 470. I@1@b@d@1@cc))
in (
rechte)
gewere setzen: mag her Ulrich von Abensperch daz bringen mit dem rihter oder mit andern, den ez wor gewizzen sei, daz er des guts in gwer chomen sei, in diselben gwer sol man in dann setzen unverzigen der vrowen rehts und gwer.
monum. Wittelsb. 1, 443 (
Freising 1290); und setzen unser vorgenanten swester in rehte gewer der vorgesprochen gute mit disem briefe.
monum. Zoller. 2, 278 (1302); und han den vorgenanten hern Marqwarten, und Heinrichen sinen vetteren, gesetzet in nutzlich und in rüweklich gewer der vorgenanten burg.
archiv für österr. gesch. 6, 181 (
a. 1309); do wart gevragt, was recht wer, do ertailten das erber geding, ich scholt die judin des haus, und waz darzue gehort, an die gewer seczen, und gewaltig machen fürbaz vreileichen und ledichleichen ze haben.
urkundenbuch des stiftes Klosterneuburg 367
anno 1355 (
font. rer. Austr. 2, 10); ez sol der gruntherr ain rechten erben von vater und mueter an die gwer seczen mit 2 ₰.
österr. weisth. 7, 527 (
bergteidingsrechte des klosters Mauerbach 1355); und scholt ich in des haus gewaltig machen und an die gewer setzen. (1350) Duellius
hist. ord. equit. teut. 3, 71; da bat der bischolf mit vorsprechen vragen waz recht wer, da ward im da ertailt und vervolgt mit vrag und mit urtail von erbern lantherren, seid her Alber von Celking daz vorgenant guot nah der vrön niht verantwort hiet, ich sold sein den bischolf gewaltich machen und an die gewer setzzen. (1335
Wien)
cod. dipl. Austr. Frising. (
font. rer. Austr. 2, 35, 245); und setz den vorgenanten Hochstetter des vorgeschriben hoffes in alle sein gewer und in alle seine recht. (1321)
monum. boica 16, 333; und wir setzen hern Herman und seine erben in eine rechtliche, mächtliche, gantz volkomentliche und besitzliche gewehr aller der .. lehen, schlosz u.
s. w. (1436) Senckenberg
monum. Hassiacor. collec. 5, 600; dasz du in in dieselben burggrafschafft zu Missen und in der grafschafft zum Hartenstein eigenschafft von unsern und des richs wegen und an unser stat inwisest und im die ingebest und in in die gewer seczest. (1426)
dipl. Sigismunds bei Haltaus 705; setzen sie des auch hiemit ein und thun thun sie des gewaltig in still gerüggig nutz gewerhe und besezze wie recht ist. (
urkunde von 1482)
monum. boica 25, 717. I@1@b@d@1@dd)) ist daz her Jacob v.
N. erzûgen mag ... daz er das dorf het von hern Burchart von Üsenberg und im der des gihet, und 20 jar oder me in einer offenen geruoweten gewer beliben. (
Basel 1331)
zsch. f. gesch. d. Oberrh. 4, 379; diu hêrschaft aber von Homberg solte dâ haben den halben teil twinges unde bannes; in der gewer ist si niht gewesen von mengen zîten her.
habsburg.-österreich. urbarbuch 52
Pfeiffer; dâ wider die êgenant frouwe ûszôch und sprach, si hette iren man sêligen in gewer der selben güetern ungesûmet funden, und sî ouch in der selben gewer vervaren, dar umb si zuo den güetern recht hette, und dem êgenanten Heinzman nützet von sîner muoter sêligen wegen vor ûs werden sölte.
urkunde von 1386,
Basler rechtsquellen von 1386; dat ir uns helpen wilt behalden unse vrieit unde unse alde reicht, dat uns buschof Engelbreicht, unser aller here, bricht alle dage, dat maicht uns degelichis clage, wat uns dat riche hait beschreven unde her sin in gewere bleven van funfzich unde hundert jaren, als wir't wale mogen offenbaren mit hantveste unde mit geschrichte. Hagens
reimchronik von Köln 2869,
d. städtechroniken 12, 104. I@1@b@d@1@ee))
jemanden aus der gewere weisen: here gi hebben mi dat gut genomen unde mi miner gewere untweldiget.
richtsteig lehnrechts 15; wan man nieman uz siner gewer gewisen mag. me gerihtes halben. unde ist er ouch ze unrehte in der gewer. wen sol im si. é. mit rehter clage brechen. daz er selbe ze gegen si. wen sol in für gerihte laden. und ze rehte tegidingen. so sol er für kumen. unde sol sin guot ze rehte versprechen. alse reht ist. unde kumit er niut für. so verteilt man im daz gewer mit rehte.
Schwabenspiegel § 191
b Laszberg; der rihter sol niemen uz siner gewer wisen. wan clage uf den der dez guot in der hant hat. § 276
a. I@1@b@d@22))
formeln, in denen das object der gewere
im vordergrund steht. I@1@b@d@2@aa))
etwas in seine gewere nehmen: sves hund oder ber oder perd oder osse oder svelkerhande ve it si, enem man dotet oder belemet, oder en ander ve, sin herre sal den scaden na rechteme weregelde oder na sime werde beteren, of het weder an sine gewere nimt.
Sachsenspiegel 2, 40, 1; gipt unde vorreicht ein vatir in gehegetem dinge einem siner kinder ader sinem sone vor andirn alle sinen kinden. sinen hof tzu tune und tzu losene ane alle underscheit. und dornoch obir etzliche tzit der vatir vorkoufte den selben hof den her sime sone sunderlich gegeben hatte in sine gewere alse hie vor geschriben stet.
altes Kulmisches recht 4, 26
Leman; und geben alles das da vor geschriben stat und alles das dar zu höret .. unserme herren .. in ir nutz und in ir volle gewer .. und entzihen uns .. alles rehtes und ouch aller gewer.
monum. Zoller. 1, 112 (1313). I@1@b@d@2@bb))
etwas ist in der gewere einer person: koufet ein iude oder nimet her zu wette kelche oder buche oder gegerwe, da her nicheinen geweren an en hat, findet man ez in sinen geweren, man richtet uber in als uber einen dieb.
Sachsenspiegel 3, 7, 4. I@1@b@d@2@cc))
etwas in seiner gewere haben: I@1@b@d@2@c@aα)) und sprichet iener da wider, ob ez vihe ist, er habe ez gelazzen ze fure, oder er habe ez gezogen in sinem stalle: der behabet ez mit bezzerme rehte, der ez in der gewer hat, danne iener, der ez da an sprichet.
Schwabenspiegel cap. 268, 3
Gengler; vorkouft ein man dem andirn ein erbe und vorreichet is im vor gehegetir bank und vorswyget deme koufmanne in deme koufe di vorreichunge des ierlichen tzinses der uf deme selben erbe hot gestanden und noch steit. so sal der man sinen tzins behalden als her den in der gewere hot an deme vorkouften erbe.
altes Kulmisches recht 4, 25
Leman. I@1@b@d@2@c@bβ)) welich man sein guot auff geit und das guot zuo lehen wider emphahet, die gab hilfft den herren nicht, er habe den das guot iar und tag in seiner gewer.
Schwabenspiegel § 76, 3
Laszberg; swaz anders gutes ist, daz niht varende gut heizet, hat daz ein man in siner gewer zehen iâr ân ansprache bi dem, der bi im in dem lande ist, der selbe mac ez nimer an gesprechen.
Schwabenspiegel cap. 49, 2
Gengler; hat ein man gut in siner gewere. das vor gerichte mit rechte beclait ist. und spricht is ein man mit gerichte
an. und underwindet sich des gutes ane gericht. das heisse wir roub.
altes Kulmisches recht 5, 38
Leman; die hanthafte dat dat is dar, svar man enen man mit der dat begript, oder in der vlucht der dat, oder düve oder rof in sinen geweren hevet, dar he selve den slotel to dreget.
Sachsenspiegel 2, 35; under deme dat gud geanevanget wirt, die sal dat gut halden in sinen geweren, went it ime mit rechte afgewunnen werde. 2, 36, 8; sve wilde dier hegen wil buten ban vorsten, die sal sie binnen sinen gewonhten geweren hebben. 2, 62; dar na mut de vrowe iegen den erven musdelen alle hovede spise, die na dem drittegesten over blift in ie welkeme hove irs mannes oder svar he se hadde binnen sinen geweren. 2, 22, 3.
die letzten belege berühren sich mit den unter dem fem. gewahr (4)
sp. 4766
angeführten. I@1@b@d@2@c@gγ)) swaz der man in rehter gewer nuit en hat, dar sol er umbe antwürten. swer in dar umbe beclaget.
Schwabenspiegel § 302
b Laszberg; swaz daz ist an welden, an wismad, an ekkern, an wazzern, an neureut erpäut oder unerpäut swi daz ist, daz ier in rehter gewer habt, daz bestetig wier eu gentzleich und ewichleich.
stiftungenbuch des klosters Zwetl s. 39 (
fontes rer. Austr. 2, 3)
anno 1139; wat dar ungerichtes uppe schege, dat moste men clagen und richten in unser stad, wente der van Krakowe gerichte ging buten den diken nicht, unde de van Krakowe richten sulven ok nicht dat ungerichte, dat up der borger weide schuet. also scheiden de unsen dar van und hebben or weide und vere in rechten geweren beholden wente her.
Magdeburger schöppenchronik (1402),
d. städtechroniken 7, 304. I@1@b@d@2@c@dδ)) ob ein man âne sine wizzen koufet diubic oder roubic gut, und hat daz in siner stillen gewer lenger danne driu iar: ist daz sin ze rehte oder niht?
Schwabenspiegel cap. 50
Gengler; swaz anders gutes ist. daz nicht varende guot heizet. hat daz ein man in siner gewer und in siner stillen gewer zehen iar.
Schwabenspiegel § 56
Laszberg; ab ein man koufet dubig adir roubig gut ane sinen wissen. und hat das in siner stillen gewer. lengir denne dri iar.
altes Kulmisches recht 5, 54
Leman; haben gegeben mit gesamenter hant unser vrowen und dem deutschen orden und den pruedern das Mogzingen ... zu ainen ewigen seelgeret, vurnamens zu aigen, wan wir di aigenschaft von allen unsern vordern also lange zeit in stiller gewer heten here braht.
monum. Zoller. 1, 316 (
Nürnberg 1393),
ebenso s. 445. I@1@b@d@2@c@eε)) die es (
das dorf) hatten in geruoweter gewer gesessen sint unangesprochen als recht ist.
Baseler urkunde von 1331,
zs. f. gesch. d. Oberrh. 15, 462. I@1@b@d@2@c@zζ)) die vorgenanten veste Schratenstein ... haben wir ... verchawfft und geben, mit allen den notzen, ern und rechten, als wir das lehen in lehens gewer und das aigen in aigens gewer herpracht haben.
monum. Zoller. 4, 52 (
Wien 1364); und als wir das aigen in aigens gewer, das lehen in lehens gewer, das purchrecht in purchrechts gewer, das perchrecht in percrechts gewer herpracht haben, und als es mit alter herchomen ist, an alle auszug, umb viertzehenthalb hundert phunt Wienner phenning, der wir ganz und gar gewert sein, dem erbern herren .. verchouffen. 4, 130 (1367
Wien). I@1@b@d@2@c@hη)) hat ein man eigen und erbe in gewalt und in gewere (gewere
fehlt in var.) iar und tac gehabet ane ansprache. und ist gewert von ieme der iz im uffgegeben hat als recht ist wizzentliche. und ein ander kume und setce in zu rede und spreche iz si sines vater gut gewest .. so sal dirre einis urteilis biten.
Freiberger stadtrecht 5, § 28
Ermisch; unde nimant mac keinen vorsezzenen erbecins behalden uffen andern he in habe in iar und tac in gewalt und in gewere gehabt als recht ist. 1, § 22; welch man eigin unde erbe hat in gewalt unde in sinir rechtin gewer iar unde tac unde ist gewert alse recht ist ane ansprache der beheldit iz vor aller menglich. he si gewesit uzwendic landes verre adir na, so hat he io dran nicht zu rechte. 5, § 41; her richter, an dem huse hab ich rechtis erbecinsis also vil alle iar unde habe den gehabt in gewalt unde in gewere iar unde tac. 1, § 21 (1889); suilich man heit recht eigen in dirre stad zu Mulhusen unde daz in gewalt unde gewerin iar und tac unvirsprochen iz si hus edir hovistad vor den luten di innewendic landis sin in habin uz di nicht virsprochin bin emi iare und bin emi tage so haben su vri vorderunge virlorn.
rechtsbuch von Mühlhausen (13.
jahrh.), Stephan
neue stofflieferungen 38; und si es (
das gut) also hat rüweklich in gewalt und gewere etwie menig jar.
Basel 1352,
zs. f. gesch. d. Oberrheins 4, 469; do sprachen der egenempten frowen erbern botten an der frowen statt, das dasselb gut der obgenempten priolinnen und des convents aigen wär, als ouch su dasselb gut lange zit in gewalt und in gewer gehebt und genossen hettin.
monum. Zoller. 1, 183 (
Baldingen 1352). I@1@b@d@33))
vereinzelt sind und auf erweiterung des begriffs beruhen die fälle, in denen das object der gewere
eine person ist. I@1@b@d@3@aa))
zu der unter 1))
besprochenen gruppe gehört die verbindung mit dem verbum substantivum: die muder is gast in des sons geweren, unde die sone in der muder.
Sachsenspiegel 1, 20, 7; welch kint abir von sime vatir nicht begobit ist. das sal mit den kinden di in der were besterben billich teil haben an sines vatir gute.
altes Kulmisches recht 4, 73
Leman; sint ouch denne des toden mannes kint ungesundirt besturben in des vatir gewere. so sal der sone alle das gut das sin vatir gelossen hat mit in glich teilen noch rechte. 4, 84; ist im von ihrem eheligen vater nichts nicht mit gelübte, noch zu der auszberadtung keins gegeben, sonder dasz ihr vatter die wirtschafft der hochzeit ausgericht und sein tochter nach zimlichkeit gekleidet hat ... so musz derselbig sohn, der in der gewere bestorben ist, sein schwester ewer ehelich weib zu ihrer gerechtigkeit kommen lassen. Grupen
von der teutschen frau (1748) 87. I@1@b@d@3@bb))
mit dem unter 2))
besprochenen belegen berühren sich: wir erfuoren och, daz der herre von H. einen kneht hatte in siner gewer, den sprach der schaffener an, er horte dem gotshus an, und wolt jn besezen.
Basel 1306,
zs. f. gesch. d. Oberrh. 4, 370. I@1@b@d@44))
unter den wortverbindungen der älteren rechtssprache nimmt die roubliche gewere
ihre besondere stellung ein (
gegensatz dazu die rechte gewere
vgl. sp. 4787
u. a.): wirt aver en man beklaget umme roflike gewere, dar man die hanthaften dat bewisen mach, unde die richtere mit deme gerüchte dar to geladet, de richtere sal volgen to hant, unde richten deme klegere umme den rof unde over den rovere unde over sine unrechten vullest aller erst. tu hant dar na sal he ine geweldigen siner gewere, of iene uppe den die klage gat nicht ne weder redet mit rechte.
Sachsenspiegel 2, 25, 1
Homeyer (wie man roubliche gewere brechen sal. wirt aber ein man beclaget umbe roubliche gewere, da man die hanthaften tat bewisen mac, unde wirt der richter mit deme geruchte dar zu geladet, der richter sal volgen zu hant und richten deme clegere umb den roub ... zu hant dar nah sal her in gewaltige siner gewere. 2, 25
Weiske); wirt aber ein man beklaget umb ein raubliche gewer dannan schinbare getate beweisen mag. unnd wirt der richter mit recht derzu geladet der richter sol czu hand über den rauber richten.
Schwabenspiegel § 76, 2
Laszberg; wir heissen das raublich gewere, wa czwen um ein guot unnd sich sein der ein unterwindet oder si beide ane gerichte die tuond wider dem gerichte.
ebendort. I@1@cc)
die neuhochdeutsche periode. die belege gehören vor allem der älteren zeit und den volksrechten an. hier läszt sich in bestimmten verbindungen die alte bedeutung eines nomen actionis der erklärung nach zu grunde legen, dem sprachbewusztsein ist diese grundbedeutung freilich für diese zeit längst entschwunden. die rechtsquellen lassen überdiesz das wort selbst immer mehr zurücktreten. das recipierte römische recht gab keine anhaltspunkte für den gebrauch desselben und die späteren auf deutsches recht theilweise zurückgreifenden landrechte ziehen andere —
als synonyma empfundene —
worte vor, vgl. gewahrheit,
gewahrsam u. a. nur das badische landrecht hat an dem alten worte festgehalten. ein anderes bild bietet die wissenschaftliche rechtslitteratur, die wiederum von einflusz auf den allgemeinen gebrauch von gewähr
auszerhalb der rechtssprache war. da andererseits die neuhochdeutsche periode das wort gewähr
im sinne von cautio und prästatio in demselben masze zu entwickeln bestrebt war, in dem die belege für gewähr = vestitura
zurückwichen oder unverständlich wurden, so bieten die neueren wörterbücher in der rangordnung, die sie inne halten, eine verschiebung der thatsachen. I@1@c@aα)
das nomen actionis liegt, wenn auch verblaszt, bestimmten gebrauchsformen zu grunde: so ainer dem andern oder ain nachperschaft der andern umb ain sach durch den gerichtspotten auszpieten und peen sezen liesz und sich derselb, dem auszgepotten wurdet, zu recht erpeut, soll der, so in possesz ist, und die lenger gewher und pesser gerechtigkait hat, die ime auch vom gegenthail nit vermaint wurdet, oder pillicher weise vermaint kann werden, dabei gehanthabt werden, unde der ander bisz zu austragendem rechten aussteen. (
statuta u. ordnung des gerichtes Büchenstein 16.
jahrh.)
tirol. weisth. 4, 705; wie der mann gewehr erzeugen sol. Meichszner
ausgabe des Schwabenspiegels (1576)
register; welcher gewär man mit leuten nicht erzeugen mag, da sollen sie beide für jr herren kommen. 102
b.
vgl. lehnrecht § 73; das predigercloster in Wien hat zu Rannerstorff soweit die jurisdiction gehet alle dorfherrliche gerechtigkeiten ohne mäniglicher irren zu exerciren ... bei verkaufung einiger grundstuck gwöhr zu theilen und veränderung-pfuntgut zu begehren. (
bannteiding zu Rannersdorf 1757)
österr. weisth. 7, 682; geschwistrigt von vatter und mueter (
ist pflichtig) an die gwer von iedem stuck 2 ₰. (
rechte Veits von Ebersdorf 15.
jahrh.) 7, 923; wir rathmanne
etc. bekennen
etc. Ernst Diebitsch zu Wilxen und Hans Rothe zu Wiltschaw gesessen haben sämmtlich ungesondert gelobet Hansen Colmanne
etc. und Gertrudis seiner haussfrawen vor die gewehr des guttes und dorffes Dombislaw. (1537
Breslau)
cod. dipl. Siles. 4, 83.
auf diese bedeutung führen zurück von den formelhaften verbindungen (
s. u.) gewehr nehmen, empfahen, fordern, erlangen, zu der gewehr kommen. I@1@c@bβ)
die bedeutung von possessio. die berührungen sind sehr enge, bald steht gewere
unmittelbar an stelle des lat. wortes, bald geht es mit ihm oder mit dem deutschen ersatzworte besesz
verbindungen ein. bei diesen letzteren ist freilich darauf zu achten, dasz die bedeutungen sich doch nicht immer decken, sondern auch ergänzen. in diesem falle macht sich an gewere,
das die verwendungen von possessio in ihrem ganzen umfang vertreten kann, die engere bedeutung des besitztitels geltend. beachtung verdient, dasz die Nürnberger in dem kaiserlichen schiedsspruche, der ihre streitigkeiten mit Albrecht von Brandenburg schlichten sollte, das im ersten entwurf stehende an ire gewer kommen
beanstandeten, sie verlangten und setzen es durch, dasz an dessen stelle besesz
trat: item waz sust auszerhalb der vorgenanten slosz und der selbigen zugehorung, sloszer, heuser, ligender güter, aigen oder lehen mit iren zugehorung ... in diesen kriegen angewunnen ... sullen die entsetzten on einrede wider an iren beses komen und dorzu unverzogenlich gelaszen werden on geverde.
d. städtechroniken 2, 233. I@1@c@b@11))
die engere bedeutung: gewer
mit besitztitel. I@1@c@b@1@aa)) zu ainer rechtmässigen gewër gepuren sich dise stugk, daz ainer besitz mit guetem tittl, daz er daz guet mit ainem kauf, mit ërbschaft, durch ain tëstament, durch ubergab, ainen wechsel überkumen hab; zum andern mit guetem glauben; zum tritten mit beruelicher inhabung; zum vierden ain lange zeit wie vor im tittl umb entwerung zum tail angezaigt, bei den inlendern zehen, bei den auslendern zwainzig und bei den verrern und weitern zwai und treisik jar; wie dem allen, all die weil ain geraubte gewaltige gewër, oder die mit bedrug mit valsch uberkumen ist, beibracht und geweist mag werden, als lang sollen die umbständig und unkrëftig sein. (
land- und ehehaft taiding in der Rauris 1564)
österr. weisth. 1, 220; ob jemands zins, brief, schuld oder andre zusprüche darzu hette, oder haben möchte, das er die in jahr und tag rehge, fürbringe und sein recht nicht verschweige, eher die gewehr ausgehet, wenn wer jahr und tag schweiget, der schweige fürbas ewig. (1520
Breslau)
cod. dipl. Siles. 4, 72
ebenso s. 74. 84; wer nit gewöer umb heuser oder grünt hat, der solle solches dem marktrichter anzaigen und umb dieselben gewöerschaft werden bei straff. (
nachbanntaiding von Stockerau 1590)
österr. weisth. 8, 449; derselb Jorg Haller und sein sweher seliger heten das erb der müll zu Werde mit allen rechten und wasserflüssen gekauft, des er brieff het und begeret, die dorumb zu verhoren, und heten die also in gewere herbracht langer den landsrecht were. Tucher
baumeisterbuch 310; ob zwen mann ein gut gleich ansprechen, und der gewär gleich bekennet, und daz vor einem herren bekennen, und gleich gezeugen bitten, der herr soll in beiden enitag gebieten dar, da das gut ligt, und soll mit jn dar kommen, so sende seiner mann einen mit jn dar, der soll fragen die nachbauwren, und die recht umbsässen, umb die gewär, welcher den die mehren mennigen hat, und die erbar zeugen, der behebt das gut und die gewär. Meichszner (1576) 102
c.
vergl. Schwabenspiegel § 72
lehnrecht; wer es (
das gut) behelt, dem soll es der richter antworten on schaden, das ist davon, dasz es entweder in seiner gewere hat ... ist es aber ein so gethan gut, dasz in seines vaters gewer gewesen ist, so soll jm die gewere niemand antworten. 28
a; ob der herr und der mann jhm selber ein gleich gewär sagen an ein gut, und das beid mit gleichen gezeugen thun, da soll des mannes gezeug für desz herren gezeug gehn. 102
b.
vgl. lehnrecht § 74. I@1@c@b@1@bb)) deshalben von euch, burgermaister und ratt, ain beschaid, ettwas unserem vormelten ausgegangenen bevelch ungemesz, auch der genanten burgerlichen stuben geselschaft altem herkomen, geprauchen, gerechtigkaiten und derselben possession und gewer, darinnen sie bisher ruobigclichen gewesen und noch seint, zuo nachteil, ausgegangen sein sol.
instruction kaiser Maximilians gegen den rath von Augsburg (1516),
d. städtechroniken 25, 61; nach dem nun ir kaiserl. mt. als römischer kaiser einem jegclichen ir mt. und des reichs underthonen bei seinem innhaben, nutz, gewer, possession, gerechtigkait sie derselben on ordenlich und gebürlich rechtlich ausfurung nit entsetzen zelassen, zuo beschirmen. 62.
hieraus bildet sich bei entwickeltem urkundenverkehr die bedeutung '
besitzurkunde'
heraus, die wiederum von andern aus gewähr II
flieszenden bedeutungen gekreuzt wird. in diesen zusammmenhang gehören die verbindungen sich an die gewähr schreiben lassen, gewähr fertigen, einhändigen,
vgl. auch gewährschein. I@1@c@b@1@cc))
der rechtliche besitz an fahrender habe: und kan solcher gestolner oder geraubter habe durch einich lenge der zeit kein geweer ersessen werden.
Carolina artikel 209 (
einziger beleg für gewere
in der Carolina); kein gewere ersessen werden.
Bamberger halsgerichtsordnung. I@1@c@b@22))
weitere bedeutung, der zustand des besitzes: gewehr,
possessio, justa possessio. Henisch 1595; gheweere, ghewere, were,
possessio, justa possessio. Kilian K 4
b; die gemarck möcht mit keiner gewehr und herkommen ersessen werden. Meurer
jagd- und forstrecht (1582) 126
b; dasz die gemarcken mit gewehre ersessen mögen werden.
ebendort; in was zeit nach dem landrechte in Baiern füran rechtliche nutz und gewere mag ersessen und erlangt werden.
landpot in Ober- und Nieder-Baiern (1516) 24
a; gewer eins guts, ist so viel, als ein rechte besitzung des guts, zu latein possessio genant.
remissorium oder register über den Sachsenspiegel Xx 2
b.
hierher gehören die verbindungen in die gewere setzen, sich in die gewere einsetzen lassen, an die gewere bringen lassen: do lech der keiser angentz dasselbig land hertzog Heinrich von Saxen, ... und satzt jne in gewäre des gantzen hertzogthumbs Beiern. Tschudi 1, 77
b; welicher sich ainer gewer ân gerichts willen und wissen ân recht underzeucht, so ist er funfzig pfund pr. auf genad, melt oder antet er es aber dem gericht inner jars frist, so sol man in mit der ersten urteil wider in gewer setzen. (
lantsprach des gerichts Glurns 16.
jh.)
tirol. weisth. 3, 4.
seit dem 16.
jahrhundert tritt das wort in diesen verbindungen aus den oben dargelegten gründen zurück, meist zu gunsten von gewahrsam (
s. d.).
das churbairische landrecht von 1756
führt die verbindungen auf: gewalt und gewahrsame (120); besitz und gewahrsame (99);
ähnlich im preuszischen landrecht. nur das badische landrecht hat am alten ausdrucke festgehalten und diesen damit in das heute geltende recht herüber gerettet: die gesetzlichen erben treten in besitz und gewähr (
code civil § 724:
en possession) der güter, rechte und forderungen des verstorbenen kraft gesetzes .. die natürlichen kinder, der überlebende ehegatte und der staat müssen sich von dem richter ... in die gewähr setzen lassen.
badisches landrecht (1809) § 724; sie (
die überlebende ehegatte und der staat als erbe) müssen bei dem gericht, in dessen gerichtsprengel das erbe eröffnet wurde, die einsetzung in die gewähr nachsuchen.
ebenda § 770; die wittwe des am 15. dez. 1898 zu Heddesbach verstorbenen taglöhners L. Sch., Anna Maria geb. B. hat um einweisung in besitz und gewähr des nachlasses ihres ehemannes nachgesucht. falls binnen 4 wochen keine einwendungen hiergegen bei grossherz. amtsgericht dahier einlaufen, wird dem antrage entsprochen werden.
anzeige vom 24.
januar 1899
und so täglich in badischen zeitungen. I@1@c@b@33))
besitz als gegenstand, vgl. gewahr sp. 4765. 66: da ergab sich der bischof und die stat. darnach musten sie sich zu im glübden und sweren zu ewigen tagen zu dem haus von Bayrn und iederman plaib in seiner gewer sitzen.
Nürnberger jahrbücher des 15.
jahrh., d. städtechroniken 10, 248; da prach man die clainen lantwertürnlein ab auf reht des markgrafen, wolt sein sunst nit zu reht setzen, man solt im sein gewer vor raumen. H. Deichsler
chronik von Nürnberg, d. städtechron. 11, 621. I@1@c@gγ)
der bezug von darreichungen oder dienstleistungen: I@1@c@g@11)) wann ain gültbrief über zwainzig jar verborgen unbesucht ligt, so solt es denn kain kraft haben, es were denn sach, daz iedweder tail us dem land were, so verlürt es den wert kain gewer nit, oder daz es allwegen inderthalb xx jare ainist fürgezeigt oder besucht wurd. so beleibt diser brief allwegen bi kraft und bi macht und verlürt kain gewer nit. (
civilstatut von Münsterthal 1427)
tirol. weisth. 3, 355. I@1@c@g@22)) erstlich ist zu mergken, das das fur ein gewer sol verstanden werden, so jmand auf ligenden guternn oder auf denselben oder aber auf gemainen oder sunderliche personen etliche dinstbarkait oder andere gerechtigkeit in ubung und gebrauch dergestallt innen gehabt, besessen und herbracht, das im derhalb gemaine kais. recht ain solche besess und gewer zu geben, der er bei verwurkung der peen an recht und tetlich nicht entsetzt werden soll.
gem. a. 1523 Diefenbach-Wülcker 618; und dasz er (
der burggraf) die freiheit het zu sigeln alle urteil, die durch die richter gesprochen werden, und dasz er ein schultheisz zu geben het on eines rats willen, und nutz und gewere hab über ein freien eintritt in die stat. S. Meisterlin
chronik von Nürnberg, d. städtechroniken 3, 164; (
es) soll auch ein ieder nachbar im burgfriden schuldig sein, auf ihr aller theil und gemein sein fleissiges aufsehen und aufmörken zu haben, damit ihnen von iemande mit fremden vieh oder in anderweg nit eingriff beschehe, und welcher unter ihnen thäte sehen und befinden, das iemand fremder oder auswendiger, so kein burgfridner wäre, ihnen in ihrer gemeinschaft mit weiden ihres viehs oder mit holzschlagen oder in anderweg eingriff thäte, der soll es einem hauptmann und denen forstneren anzeigen und nit verhalten, damit man demselbigen kann zeitlichen fürkomen und kein gewehr daraus erwachsen lasse. (
Moos handschr. von 1780)
tirol. weisth. 4, 466; das chur-hausz findet sich in der possess und gewähr der landeshoheit über diese grafschafft. Frisch 2, 416
a. b. I@1@c@g@33)) wer die gewär an einem menschen hat, der hat besser recht daran denn der, der gewere nicht hat, und sul sine gezeugen leiten vor jenem her, der gewere darbet. Meichszner (1576) 15
b.
vgl. Schwabenspiegel landrecht § 294
Laszberg. I@1@c@dδ)
die formelhaften wortverbindungen sind in der neuhochdeutschen periode mannigfaltiger geworden, namentlich so weit der träger der gewere
im mittelpunkt bleibt, während diejenigen, die das object derselben in den vordergrund stellen, verkümmern. für die erste gruppe kommen theilweise neue synonyma in betracht, theilweise machen sich änderungen in brauch und sitte sowie in den öffentlichen einrichtungen bemerklich. eine grosze zahl dieser verbindungen sind in dem folgenden beispiel vereinigt: aber der Rosenberg sei in die gwer des klosters chömen nach innhaltung kaiserlicher brief und sicze des in stiller nücz und gwer lennger dann des künigreichs zu Beheim recht ist, und getraw, er werd durch unsern rechtlichen sprüch bei solher gwer gehalten. würd aber erkant durch unsern rechtlichen sprüch, daz er sölhe gwer weisen solt, daz well er gern tü
n. (1445
Passau)
urkundenbuch des stiftes Goldenkron (
fontes rer. Aust. 2, 37, 462). I@1@c@d@11))
parallelverbindungen. I@1@c@d@1@aa)) possessio
und gewere
vgl. oben sp. 4793. I@1@c@d@1@a@aα)) ich .. vorhero fleissige nachfrag und inquisition gehabt, ob sowohl die herrschaft Schielleiten als die dorfmenig zu Hartenstorff selben inserirten juribus und gerechtigkeiten bishero in erblicher posess und gewehr verbleiben. (
dorfbrief von Hartendorf 1635)
österreich. weisth. 6, 168; ist zu lehnrechte wol offinbar, wenn bruderliche teilunge der adder ander guter gescheen, mussen mit fürstlichen originalien und handvehsten genugsam versichert und besorgt, auch von jedem zu lehne entphangen, in lehnsgewehre und possessio gesaczt werden. (
um 1520)
cod. dipl. Siles. 4, 325. I@1@c@d@1@a@bβ)) beweisung beschicht im rechten durch aigne bekantnus, ordenlich aufgericht brief und sigl, urbar, als register, püecher und glaubwürdige schriften, durch ordenlich eingezogne unwiderrüefliche zeugen und kuntschaften, durch aigne hantschrift, gewör - inhaben und prescription. (
statuten von Thurn an der Gader.)
tirol. weisth. 4, 648; dergleichen wir in kurtzen jaren, obgemeldter vier landt, durch ewer getrewe hülff, auch gerürig innhaben und gewäre, zu erlangen gäntzlich verhoffen. Schwartzenberg
von dem zutrincken (
deutsch Cicero 90
c). I@1@c@d@1@bb)) nutz und gewere. I@1@c@d@1@b@aα)) ob ainer ain gut erkauft, erlost, ererbt oder sonst in ander pillig weg an sich bracht hette, soll noch mag er das in kainerlai weis verrer verkume, er sei dann solher guter halber vorhin in grundpuch verschriben, das ime dan nutz und gwer bedeutet, daraus man für an wissen mag wie das guet von ainem zum andern herkomen sei. (
grundbuchsordnung von st. Lamprecht 1494)
österreich. weisth. 6, 228; item ist es auch gerüegt worden, das unserm gnädigen herren von Salczburg
etc. zugehört in dem land und in dem gericht Mittersil alle vischwaid, alles reisgejaid, alles vederspil, all swarzwäld und aller wildpan, hindan gesetzt, was ander herren darin rechtlich habent und geweisen mügen durch genuegsame urchund oder nutz und gewer oder mit des landsfursten willen innhabent, das ist unabgeslagen. (
öffnungen u. rügungen auf den heerschauen zu Mittersil 1494) 1, 286; item als er nun wider in all sein herschaft, gewalt
etc. und ander nutz und gewer geseszen was und was nun alles schlecht, da gedacht er aber basz, was im nütz und guet wär. Zink
chron. von Augsburg 2, 199,
d. städtechron. 5; als hievor beim kürtzsten bemelt, das gütter etwo durch ersitzen nutz und gewere zu latein genant usucapionem und prescriptionem auch mögen erobert werden.
laienspiegel (
Straszburg 1510) 30
b. nutz
und gewer
findet sich vorwiegend auch in den formeln an gewere komen, gewere empfahen, gewere ersitzen, in gewere sitzen, etwas in gewere haben (
s. u.)
vereinigt. auch in die auf das schreibwerk bezüglichen formeln findet es eingang: wer ainen sacz will auffachen, der sol das tuen mit des gruntherrn oder des pergmaister willn und wissen und sol sich zuhant darumb lassen schreiben in das gruntpuch an nucz und gwer. (
bergtaidinge des klosters Mauerbach c. 1454)
österr. weisth. 7, 528. I@1@c@d@1@b@bβ)) esz sollen auch die wasserlaiten, wie ain jeder gerichtsman im gebrauch und gewöhr, ordenlichen gefiert und von ainem tail dem andern zu nachtail, schaden und gefahr nit abgestossen ... werden. (
ordnung und satzung zu Straszfries und Arnoldstein, 17.
jahrh.)
österr. weisth. 6, 442. I@1@c@d@1@cc))
auf die für die erlangung der gewere
nothwendigen zeitfristen (jahr und tag)
nehmen folgende formeln bezug: wellicher gestalt prescription, gwör und verjärung statt haben sollen.
tiroler weisth. (
Thurn an der Gader) 4, 648; gewher und verjärung.
ebendort 696 (
Buchenstein). I@1@c@d@22))
verbindungen mit verbis, die den träger der gewere
in den vordergrund stellen. I@1@c@d@2@aa))
formeln, die sich auf älteren gebrauch zurückführen lassen. I@1@c@d@2@a@aα)) es solle auch ein jeder so ain behaust guet oder andere grünt kauft oder ererbt ... in jarsfrist die gwehr zu empfahen schuldig sein. (
banntaiding über Rauhenwart 1614)
österreich. weisth. 7, 439,
genau so 8, 644 (
banntaiding zu Oberstockstall 1614); es ist auch nach gehalten pandaging denen von Khirchling ... bevolchen ... das si ... von stund an gewer emphachen sollen und die versessen dienst dann bezallen sollen. 1545 (
banntaiding von Kirling 7, 985); welcher nit nutz und gewör hat entpfangen und den nachpärn ir gerechtigkeit nit geben hat, der soll an kain sprach nit gehen. (
banntaiding von Weinzierl bei Krems c. 1495) 8, 902; wer gwer emphächt, ist es erbgut, was das ist, der abfärt geb dem ambtman zwenundsibenzig phenning. (
instructionen für den amptman in der Schoffstrasze 1524) 7, 778.
ein zweites beispiel s. u. (gewähr I, 3). I@1@c@d@2@a@bβ)) welche umb ire behauste grunt und überlent kaine gwehren haben, sollen aufs negste ... die gwehren ordenlich nemben. (
fürhalt des prälaten von Klosterneuburg 26.
juli 1611)
österreich. weisth. 8, 559; wer dasz nit thuet, auch in jarsfrüst nit gwer nimbt, der ist der herrschaft dasz guet verfallen. (
banntaiding über Wülfleinsdorf an der Leitha 17.
jahrh.) 7, 446.
andere beispiele, in denen die schriftliche beurkundung der gewere
deutlicher hervortritt, s. u. I@1@c@d@2@a@gγ)) wann einer die gwöhr fordern will von enn oder von ändlein oder von gemächts willen, ist man schuldig der herrschaft 72 ₰. (
zusatz in einer handschr. des bergtaidings von Siefering 1665),
österr. weisth. 7, 878
anm.; wann ein kint von dem vatter und von der mutter die gwöhr fordern will, ist man nicht mehr pflichtig dann 2 ₰.
österr. weisth. 7, 878
anm. 6; die alle sollen under den gegenwürtigen und abwesenden ain gwör erlangt haben. (
Thurn an der Gader)
tirol. weisth. 4, 648; der oder die jenen sollen under den gegenwurtigen ain genuegsame gwher erlangt haben. (
Buchenstein, 16.
jahrh.) 4, 636. I@1@c@d@2@a@dδ)) aber des nachvolgenden jars (
der krieg) von kunig Ruprecht verricht und under andern ieder teile zu der gewere seiner entwerten gutter und besesse zu kummen gesprochen warde.
deutsche weltchronik, d. städtechroniken 3, 303; wen aber ainen ain erbguet anstirbt von en und von ändln oder von andern sippen, der ist phlichtig an die gwer ze komen. (
rechte Veits von Ebersdorf, 15.
jahrh.)
österr. weisth. 7, 923; ob ein angsessner in dreien vierzehen tagen, oder ein gast im jarfrist ôn willen des herren und ehaft not an di gwer nit käm, wer das thuet und die gwer nit ersuecht, so ist er das erib verfallen. (
banntaiding zu Dornbach 1515) 7, 814; wann ainer ein haus kauft und abzeucht, so gibt er den ganzen dienst, zu wölchem tag es nächeter ist, und der kauft gibt halben dienst; aber es solt mit vorwissen der obrigkait beschechen. und in drei vierzechen tagen solt ers aufnemen und an die gwer kumen. (
dorftaiding von Saubersdorf, 16.
jahrh.) 7, 124; alle geschäft so auf dem aigen bescheen sullen in jarsfrist beweist werden. und wer der geniessen wil, sol der grunt die im geschafft seind auch in jar und tag an nutz und gwer komen. (
banntaiding zu Unter-Döbling 1512) 7, 893; wür sprechen und rüegen auch das bei unserm ait, dasz ain ieder seine erbweingarten an nutz und gwöhr komen soll im jar und tag. (
dorftaiding zu Mauer 1667) 7, 650; wer ein erb erbt oder kauft oder wie dasz an einen oder andern käme, und kombt in jahrsfrüst nicht an nuz und gwöhr .. dasz hat sein recht verlohren. (
banntaiding zu Trumau, 17.
jahrh.) 7, 411. I@1@c@d@2@a@eε)) wann ainer dem andern ain weingart zu kaufen giebt, so soll er vorm richter mit 2 ₰. aufnemen, und zum lesen soll sich ain ieder an die gwer bringen lassen. (
bergtaiding von Saubersdorf 1592)
österr. weisth. 7, 126. I@1@c@d@2@a@zζ)) den käufer in die gewähr des erkauften gutes setzen. Adelung 2, 644; den käufer in die gewähr (
den besitz) eines gutes setzen,
to put the purchaser into possession of an estate. Hilpert 2, 1, 462
a. I@1@c@d@2@a@hη)) wann zwein ein gut ansprechen, und beid kein gewär daran haben, die sollen beid benennen die zeit der lehenschafften. Meichszner
abdruck des Schwabenspiegels (1576) 91
b vgl. lehnrecht 13; ein gut mag mancher herren sein, also, dasz es je ein mann dem andern leihet, so soll doch nicht dann ein mann gewär haben, wer die gewäre an dem hat, und thut dem jemand darauff jcht laster oder schaden, das sol er dem bessern, der das gut hat. 94
b vgl. lehnrecht 29; wer ein gut gibt einem mann, und nie gewär daran gewan, und weiset jn unrecht auff das gut, und kommet ein ander für gericht und klaget auff das gut, der richter weiset jhn mit recht auff das gut, und der hat gewer mit recht, und jener nicht. 66
b vgl. landrecht 76, I
Laszberg; ob ein mann dem andern ein gut auffgibt von seinem herren, zuhand so er das empfacht, so hat er die gewär daran. 102
b vgl. lehnrecht 71. I@1@c@d@2@bb))
formeln, die das aufkommen neuer einrichtungen darlegen. I@1@c@d@2@b@aα)) es sol noch mag niemant den andern kainer paurecht enterben, der zehen jar und ainen tag in nutz und gewer gesessen ist. (
öffnung von Stumm 1565)
tirol. weisth. 1, 143; und haben uns mit gueter kuntschaft und gewissen da geweist ire rechten und gewonheiten, die si von alter von der herrschaft zu Tyrol herbracht haben und der si noch in nüzlicher gewer hintz auf heutigen tag gesessen sein. (
Passeier 1282,
abschrift aus dem jahre 1620) 4, 90; der herzog wolt behalten was im der alt kaiser gelihen, er vom reich empfangen und dasselbig rûelich in nutz und gewer ersessen het. Aventin 5, 325,
vergl. dazu die Carolina artikel 209,
vgl. oben sp. 4794; welcher käuffer sein erkaufft guet wider die im landt fünff jar, und die auszer landts zehen jar, ohne rechtlich ansprach innhat, und den kauff mit briefen oder zeugen, wie recht ist, beweisen kann, der hat nach den landrechten in Bayern vollkommen nutz und gewehr ersessen, und solch guet vor weiterer ansprach durch verjärung gesichert.
landrecht v. 1616
s. 241. I@1@c@d@2@b@bβ))
mit bezug auf die beurkundung, vergl. gewährgericht (
s. d.): si ruegen zu recht das brueder, swester, vetter, muemen die im land sein iren erbtail inner jarsfrist ersuchen und ire sippzall beweisen sulln, auch des bei dem gruntpuech oder ambtman in nutz und gwer komen. (
banntaiding zu Unter-Döbling 1512)
österr. weisth. 7, 889; da einer sein hausz verkauft, solle der kaufbrief beim herrn geschriben und ordentliche gwöhr genohmben werden und der kaufer oder verkaufer die bei diser herrschaft gebreichig gwör— und gruntbuechsgebür entrichten. (
banntaiding zu Speising 1667) 7, 665; sollen auf kunftig Michaelis umb alle ihre grunt die gwöhren gewiszlichen nemben und bei dem gruntbuech ein richtigkait machen. (
fürhalt 21.
juli 1611,
banntaiding zu Stoitzendorf) 8, 585; wann aber solches verwilliget wierdet, der solle sich in dasz gruntbuech ordenlich an die gewöhr schreiben laszen. (
banntaiding zu Kaiser-Steinbruch 1634) 7, 1046; es solle auch ein ieder der sich an die gewöhr schreiben läszt den herrn geben zweenundsibenzig pfening. (
bergteiding in den weinbergen ob Laa und Semmering 1694) 7, 693; es hat kein anderer gruntherr uber seine unterthanen im markt und burgfridt zu Gundramstorff gesessen kein ander recht, freiheit noch gerechtigkeit nit den allein den gruntdienst einzunemben und die gewöhr umb die grünt zu fertigen. (1640) 8, 1087; so dan ein kauf angestellet wird und kaufer und verkaufer sich bei denen beambten angemeldet, sollen dieselben des kaufs halber mit wahrheit berichten, demselben über den grund habende alte gwöhr einhändigen, welche durch sie in ainer wochenfrist ins ambt gebracht werden soll. (
banntaidingsordnung zu Lockenhaus 17.
jahrh.) 7, 1022. I@1@c@d@33))
verbindungen mit verbis, die das object der gewere
in den vordergrund stellen. hier begegnen nur formeln, die an alte gebräuche anknüpfen. I@1@c@d@3@aa)) doch was ander herren daselbs rechtlich und mit rechtlichen nutz und gewer und kuntschaft innhieten, albm oder ästen, dar ist ien unabgeslagen. (
öffnungen und rügungen auf den heerschauen zu Mittersill 1494)
österr. weisth. 1, 284. I@1@c@d@3@bb)) was ain man zehen jar und tag in nutz und gwer hat, da sol man si ân recht nicht von treiben. (
Vilanders 15.
jahrh.)
tirol. weisth. 4, 252; spricht der mann den herren an umb lehen, das er nit in gewär hat, der sol jm tag geben för seinen suen nach lehen recht. Meichszner (1576) 103
e vgl. lehnrecht 80; gerhaber ist bei den alten tutor, ein vormund, weil er des waisen gut in seiner gewehr und verwahrung hat, und das beschützen musz. Stade (1724)
s. 264; in gewähren haben, besitzen,
possidere Frisch 2, 416; etwas in seiner gewähr haben, in seiner gewalt, im besitze. Adelung 2, 644; etwas in seiner gewähr haben,
to have a thing in one's keeping, custody or charge Hilpert 2, 1, 462
a. I@1@c@d@3@cc)) damit solh gerechtigkait ainen jeden kunt sein, und dadurch in gwer gehalten werden. (
satzungen zu st. Lamprecht 15.
jahrh.)
österr. weisth. 6, 231. I@1@c@d@3@dd)) etwas in seine gewähr nehmen, in seine verwahrung kommt noch in der gerichtlichen schreibart vor. Adelung 2, 644; etwas in seine gewähr nehmen,
to take something into one's custody or charge Hilpert 2, 1, 462
a (
vgl. unten). I@1@c@d@3@ee)) ob das wär, das ainer von notturft wegen der armuet müest versetzen sein wismadt oder ainen acker, den sol er von erst seinen nachpaurn anbieten den nächsten zwain oder drein, oder ainem bechanten, da von ez nicht auz der gewer köm, und sol es nicht lenger verkümern, dan auf dreu jar. (
öffnung von Wising)
tirol. weisth. 1, 156; einen aus der gewähr eines ruhigen gebrauches setzen. Frisch 2, 416. I@1@c@eε)
die raubliche gewere (
vgl. oben sp. 4792)
wird nur vereinzelt noch aufgeführt: gestollne, geraubte und gewaltige gewër macht kain recht und was ainer nit ain jar und ain monnat bei den gegenwertigen beruelich ersessen hat und offenbar und nit vernaint mag werden, daz haist kain gewër. (
land- und ehehaft taiding in der Rauris 1565)
österr. weisth. 1, 219. I@22)
der allgemeinen litteratur gehören wenig belege an, die auf vestitura
zurückführen. die dichtung hatte nur selten gelegenheit, fälle des rechtslebens zu behandeln, und die redewendungen, die die rechtssprache an unserem worte ausgeprägt hatte, scheinen für allgemeineren gebrauch sich weniger geeignet zu haben, als diesz bei gewähr II
der fall ist (
s. d.).
einzelne gebrauchsformen immerhin, so namentlich die aus Luther,
lassen erkennen, dasz die verwendung wol mannigfaltiger war, als die litterarischen belege es darthun. I@2@aa)
rechtshandlungen in der dichtung: uns beiden iz gemachet wart von sîner milten hant alsô, daz er uns gap des brieve dô, daz wir des landes wielten und immer ez behielten beid in gewalte und in gewer. Konrad v. Würzburg
schwanritter 335
Roth: es lag da bi ein wolbesiglotter brieff, und wer den hette, der solt das kungrich in gewalt und in gewer als ein naturlich sun und erbe besiczent.
deutsche volksbücher 256
Bachmann-Singer. I@2@bb)
übertragungen von rechtsformeln. I@2@b@aα) diu küngîn sprach ze Gahmurete von herzen eine süeʒe bete. 'swaz mînes rehtes an iu sî, dâ sult ir mich lâʒen bî: dar zuo mîn dienst genâden gert. wird ich der beider hie gewert, sol iu daʒ prîs verkrenken, sô lât mich fürder wenken.' .. ûf spranc balde ir kappelâ
n. er sprach 'niht. in sol ze rehte hân mîn frouwe, diu mich in diz lant nâch sîner minne hât gesant. diu lebt nâch im ins lîbes zer: ir minne hât an im gewer. Wolfram
Parzival 87, 14. I@2@b@bβ) die frouwe in ir stillen gewer trûc die selben swêre. Herbort v. Fritzlar
troj. krieg 780; di zogen in daz stetichin daz under der borg lag in stiller gewer und leiten iz an mit fûre. Ködiz
leben des heil. Ludwig 37, 23; so pflac ich (
Gawein) ir (
der königin) immer sît in mîner gewer sunder strît.
krone 4957. I@2@b@gγ) ich wil die vil guoten vlehen umb ein ding daz ich doch han in gewalt und in gewerdaz si lîhe mir ze lehen. wer daz willeklich getanso enmohte ein ganzes her mir an vröiden niht gezern. Burkart von Hohenfels
minnesänger 1, 209
b Hagen; sie (
die juden) nâmen in (
den heiland) aldâ zuhant in ir gewalt und in ir gwer.
erlösung 4758; kriec in den lagen nider lît dem volke er allen friden gît. sîn gewalt und sîn gewer wirt von dem mere zû dem mer und von der waʒʒer anfanc biz an der werlt umbeganc. 1532; er sol behalten in gewer waʒʒer und drucken lende biz an der werlt ende. 1376. I@2@b@dδ) wiewol die papisten sehr uber solche unsere ordination schreien und klagen, und verlassen sich aufs possessorium, dasz sie in gewehren sein, doch müssen sie es leiden, ungeachtet, dasz uns ergert jr glücklicher zustand, dasz sie gute tage haben. Luther
tischreden (1567) 240
a; sie sitzen in der gewehr und veriherung (
verjährung), das ist possessorium, präscript. nu sagen alle rechte, man solle niemand aus der gewehr heben ... gott ist gott, der gestehet keiner creatur weder gewehr noch veriherung widir sich odir sein wort, denn er ist ewig, ewigkeit gehet uber alle gewehr und veriherung.
exempel einen christl. bischoff zu weihen (1542) E 3
a; wens zu thun were umb die kue, wer die solt beim schwantz nemen, das ist, wers zeitlich und weltlich gut betreffe, da gulte gewehr und was des gleichen ist, aber in geistlichen, ewigen sachen, da wir itzt von reden, ist possessorium, praescriptio, jus, justitia, sanctitas, religio.
ebenda; weil er (
der papst) nu mit solcher maiestet in der gewehr sitzt, und ein alter gebrauch und gewonheit ist, wie solt er sich denn nu können lassen reformirn. 6, 534
a (
vorrede d. M. L. auff den rathschlag von der kirchen 1538)
Jena; solchs alles mustu aber helffen ausrotten und vertilgen, wo du fur die papisten kriegest, denn sie wollen der stück, von uns geleret und angericht, keines nicht leiden, sondern (wie sie sagen) das possessorium haben, widder jnn die alten gewehr sitzen, und gar keine neuerung dulden.
warnunge an seine lieben Deudschen (1531) H 2
b; auffs possessorium odder auf die alten gewehr dringen.
ebendort; sie wöllen warlich der gewehr unentsetzt sein, das sie bisher uber gottes wort meister und richter gewest sind was wil aber dieser könig darzu sagen, der auch in der gewehr sitzet.
an den cardinal ertzbischof zu Mentz (1530) b 1
b. I@2@b@eε) diser Priahn ist gewiszlich ein ketzer, schmehet die konig, lestert die richter, und handelt als ein auffrürer wider die oberkeit, und alle ihre rechte und gewonheit, wil sie aus der alten gewehr treiben. Luther
an den cardinal ertzbischoff zu Mentz (1530) b 1
a; aber wenn ich als die konige und fursten were, so wollen wir ihne das predigen verbieten, das er uns nicht ausz unser gewehr setzet, unnd mit seinem satz, unser eigen lere und alte gewonheit zu nicht machet. a 4
b; es wird sich freilich fragen, ob wir hierin recht und fug gehabt haben, wider des capitels freie wahl (wo mans nennet) einen andern bischoff zu welen, und damit sei jrer freien wahl zu entsetzen, und aus der gewehr zu heben.
exempel einen rechten christlichen bischoff zu weihen (1542) 8, 1
b Jena. I@2@b@zζ) dem (
Adam) füret der son gottes (dem vil tausend engelen auffwarten) dise allerschönste unnd heiligste braut selber zu, und gibet sie jhm mutternacket an die hand ... und thut jhn beide die gewehr unnd antwort sie jhm an seine arm und bette. Mathesius
hochzeitpredigten 16 (
neudruck); auff den morgen rüstet sich der gesandte wieder zur heimfart, bittet, man wöll jhm die gewehr thun (wie wir reden) und die braut mit jm ziehen lassen. 62 (
neudruck). I@2@b@hη) der obriste bath umb verzeihung, dass er ihn ihm hätte vorkommen lassen. Eckarth aber versetzte: gleiche brüder, gleich gewähr.
des getreuen Eckarths med. maulaffe (1719) 861.
das beispiel zeigt, wie die ältere formel später miszverstanden und in anlehnung an gewähren
umgedeutet wurde. I@2@cc)
die bedeutung '
ablieferung, übergabe'
scheint sich aus der grundbedeutung von '
besitzeinweisung'
für die fahrende habe entwickelt zu haben: der sag und murmeln ist also, das man sagt offenlich und ist auch war, er hab der stat untreulich getan und unfreuntlich mit geweren und hab der stat ir guet gestollen. Zink
chronik von Augsburg, d. städtechron. 5, 274; Pompejus brachte so viel schäze nach Rom, daz man 30 tage mit der gewehr zubrachte. Lohenstein
Arminius 1, 951. I@33)
die weiterentwicklung in der bergwerksprache. das schreibwesen, das die formen der besitzeinweisung umgestaltete, gab auch dem bedeutungsgehalte von gewere
eine neue richtung, die sich am deutlichsten in dem compositum gewährbrief (
vgl. sp. 4808)
ausprägt. in dieser bedeutung wurde das wort namentlich im bergwesen weiter ausgebildet, wo die besonderen verhältnisse des betriebs besitzeinweisung und besitznahme vielfach von einander trennten. I@3@aa)
die alten formeln in der alten bedeutung: welcher seine perkrech ain jar und tag unersprochen bei einem der inner landes wonhaft ist in nutz und gewer gesessen ist, mag er dasz bezeugen als recht ist, der ist hinför darumb gen menigklich geruet. (
bergtaiding in Steier, 15.
jahrh.)
österreich. weisth. 6, 411,
ebenso 6, 166 (
rechte des stiftes Gösz zu Romatschachen, 15.
jahrh.); es soll auch ain ieder bei rechter zeit ab- und anfaren ze perg als lants und des pergs und der herrschaft recht ist, als dann von alter ist herkumben, in jar und in tag ab- und anfarn und nutz und gwöhr empfachen. (
banntaiding zu Währing 1573) 7, 852; ain jeder sol zu perg zu rechter zeit in jar und tag auf- und abfarren als dann lands und perkrechts recht ist, an nutz und gwehr komen. (
banntaiding zu Unter-Döbling 1512) 7, 892. I@3@bb)
die bedeutung einer urkunde, eines scheins: gewähre 1) ist ein schein oder zettel, welchen auf bergwercken der verkauffer an den bergschreiber ertheilet, dasz er diesen oder jenen kux dem käuffer zuschreiben soll; 2) bedeutet es den schein, den der bergschreiber selbsten von sich stellet, dasz der kux dem käuffer im namen des verkäuffers zugeschrieben sei. Hübner
natur - kunst u. s. w. lexicon (1717)
s. 707/8,
ebenso Berward (1736) 6;
bei Chomel 4, 1038
findet sich noch eine dritte bedeutung: verstehet man auch darunter einen zettel, welcher von dem gegenschreiber einem gewercken zum zeugnisz gegeben wird, dasz er bei der zeche so und so viel theile habe, und damit im gegenbuche stehet. wenn aber eine solche gewehr simuliret, falsch und unrechtmäszig ist, so wird dieselbe cassiret. I@3@cc)
nicht in diesen zusammenhang zu stellen ist das im bergwesen viel verwendete gewer, gewähr
im sinne eines grubenmaaszes. aus dem bedeutungsgehalte von vestitura liesze es sich zwar unter anknüpfung an die unter b)
dargelegten verwendungen erklären, näher jedoch liegt es, auf gewähren, gewährung
zurückzugehen, vgl. gewähr III. I@44)
formen. I@4@aa)
der stammvokal hält sich bis in das 18.
jahrhundert als e,
das in österreichischen quellen meist gerundete aussprache verräth (ö).
in Meichszners
abdruck des Schwabenspiegels (1576)
erscheint zum ersten male die schreibung mit ä,
die aber nicht durchdringt, sondern zunächst vereinzelt bleibt und auch dort noch nicht durchgeführt ist. die verlängerung der stammsilbe wird durch die schreibung mit h
gekennzeichnet; diese tritt frühzeitig und gerade in den apokopierte formen ein, in denen offene silbe nicht vorliegt. I@4@bb)
von den beiden numeri kommt eigentlich nur der singular in betracht; der plural findet sich in sächsischen quellen, so auch bei Luther. IIII. gewähr
in den bedeutungen von '
bürgschaft, sicherheit'. Jacob Grimm (
rechtsalterthümer 4. buch I, 7)
glaubt eine reinliche scheidung zwischen dem von uns unter I
behandelten, auf vestitura zurückgeführten, worte und zwischen den verwendungen von gewer, gewähr
im sinne von praestatio und cautio vollziehen zu können. er führt das letztere auf wern,
praestare zurück, vgl. althochd. werên (
facere, praestare, servare Graff 1, 940),
mhd. wern (
mhd. wb. 3, 581),
nhd. gewähren.
dem gegenüber musz jedoch im auge behalten werden, dasz die fäden der bedeutungsentwicklung auch von vestitura aus in das neue verwendungsgebiet übergreifen (
vgl. sp. 4785. 4797
ff. 4800).
auszerdem liegt die entwicklungsgeschichte von wern
namentlich nach der seite von praestare noch sehr im dunkeln, während für die einschlägigen substantivbelege in gewahre =
cautio eine näherliegende parallele zu gebote steht, wozu auszerdem das romanische warandia, garantie
besser stimmt. II@11)
die berührungen mit vestitura: II@1@aa)
die vestitura nahm schon in ältester zeit fidejussores, burigun theru geweri
in anspruch. sie sollten sicherheit dafür bieten, dasz die besitzeinweisung erfolge, auch wenn der abtretende eigenthümer diesen act nicht mehr vollziehen könnte. vgl. hierzu noch aus späterer zeit: einem die gewähre der vermächtnisse aufbürden ..
aliquem legatorum praestatione onerare. Steinbach 941; er (
der testator) kann ihnen (
den treuhändern) besitz und gewähr (
code civil § 1026
la saisine) seiner fahrenden habe ganz oder zum teil einräumen. § 1026. II@1@bb)
für frauen und minderjährige treten rechtsvertreter auf. sie nehmen gewere
in vertretung anderer, berührung von gewere =
possessio mit gewaere =
custodia; vergl. gheweere
tutela, tutoris potestes Kilian K 4
b; Henisch 1595. II@1@cc)
die zeugen der besitzeinweisung treten später als urkundspersonen auf, die den vollzug des actes bestätigen. II@1@dd)
das moment des besitztitels, das sich an gewere I
vestitura im laufe der entwicklung immer mehr herausarbeitete, führte namentlich bei ausgebildetem schreibwesen (
vgl. sp. 4797, 4800)
zu weitgehenden annäherungen an den begriff von praestatio. II@22. gewere =
cautio, prästatio. II@2@aa)
in der rechtssprache. II@2@a@aα)
für die ältere zeit kommen in erster linie sächsische quellen in betracht, deren auslegung dann dieser sonderbedeutung unseres wortes auch in die rechtssprache der späteren zeit eingang verschaffte. es handelt sich um die sicherung des herkömmlichen ganges im klageverfahren, andererseits um die sicherstellung des käufers bei eigentumsveräuszerung. II@2@a@a@11)) sve so um ungerichte beklaget wirt, die bidde to irst der gewere; die wile die were ungelovet is, so mach die klegere beteren sine klage unde dar na nicht.
Sachsenspiegel 3, 14, 2; so bidde iene ener gewere, die sal man ime dun. doch mut de man sine klage wol beteren vor der gewere. svenne die gewere gedan is, so biut iene sin unscult. 1, 63, 2; sprechen wir schoppen zu Magdeburgk vor recht das der cleger dem beclagten die gewere seiner anclage lobenn und thun muss mit hande und munde, unnd mus in die vorburgen oder vorpfenden oder mit ires eines handen uff denn heiligen als recht ist beteweren. (1517)
in sententia MSC. scabinor. Magd. bei Haltaus 702; gewer der clagen thun, heist caution und vorstandt der clagen angeloben, das man darbei bleiben wöl, wie sie jtzt gesetzt sei, und auch, das man dem beclagten solcher clagen halb, gegen jederman wölle vertreten.
remissorium oder register über den Sachsenspiegel H x 2
b; gewere sal iewelk man dun umme dotslach unde umme lemesle unde wunde, vor sinen herren dem he bestat, unde vor sine svertmage.
Sachsenspiegel 2, 16, 1; wenne mir das alles im rechten abeerkant, und mich der antwort dormethe nicht geschutczen moge, als denne und nicht ehr heische und mutte ich von dem widerpart desen seiner ubirgeben clagen eine genugsame gewere, das her mir di bestelle, und wo was an dem daran mangils befunden, und zcu rechte nicht domethe volqweme, ich solle von im los und ledigk geteilet werden.
cod. dipl. Siles. 4, 325; ir (
der frau) rechte vormünde sal ok gewere vor se loven unde untvan unde lesten.
Sachsenspiegel 1, 47.
ebenso im alten Kulmischen recht und si sal das lesten. V, 57
Leman; swa ez den frowen ze eiden kumet, di suln si selbe tun und niht ir vormunt. ir vormunt sol ouch gewer für si loben, und sol si daz leisten.
Schwabenspiegel cap. 59 § 3
Gengler. II@2@a@a@22))
sicherstellung des käufers bei eigentumsübertragungen (
vgl. das masc. gewähre
sp. 4808
ff.): wat en iude vorkoft, wert dat gut anevanghet unde bekante de iude des kopes vor gherichte, des scal he to rechte ghewere sin.
Goslarer statuten 81
Göschen. vgl. wende he is dief oder diefes genot, die der kopinge bekant und der gewere besakt.
Sachsenspiegel 3, 4, 2; der einen kauf bekennet und der gwar laugnet.
Schwabenspiegel (
Laszberg) 200, 1. II@2@a@a@33))
allgemeiner begriff der cautio: quaedam dissensiones materia, cum querela, pro dicta advocatia, inter fideles nostros, Joannem, Conradum et Jacobum Schertelczanos, ... ex una et Joannem de Mollensdorff, ... nomine filii, pro quo promissam, quod vulgariter gewer dicitur, per digiti praestitit elevationem .. parte ex altera, orta fuerat coram nobis.
Breslau 1324
bei Haltaus 707; dagegen Sigmund Stoltz antwortet, wie dass er sich vormals durch urteilsprüche von der genannten frauen Hedwig Ckoppie entbrochen hat, von wegen allerlei ansprüche, die sich zwischen Christoffer Ckoppen und seiner mutter ersachet haben oder möchten, daruber denn auch die gemelte fraw Ckoppie durch ihren vorward die gewehr gethan hat. (1493
Breslau)
cod. dipl. Siles. 4, 67; dieweil gemelter Hans Colmann an die gewehre, so ihme die bürgen nach landesgewohnheit gethan nicht ein benügen haben wiel, so muss er das, so er vor die pfandschillinge ausgegeben, von gemelten Hansen Rothe, der seine bürgen damit lœsen und freien will, annehmen, oder aber mit der obgemelten gewehr bürgschaft sich besettigen lassen. (1540
Breslau) 4, 85. II@2@a@bβ)
die spätere rechtslitteratur und die feststellungen der wörterbücher. II@2@a@b@11)) in jure Saxonico ist verordnet, dasz der kläger musz die gewähr angeloben,
actor jure Saxonico cavere tenetur stipulatione pro evictione, dasz er den beklagten beschützen wolle, wann er sonsten von jemand um die streitige sache sollte angesprochen werden, oder ihm seinen verlust erstatten wolle. D. Struvii
jurisprud. rom. germ. forens. IV
tit. II, 13; gewähr bei den juristen, die in gerichten anzugelobene guarandia. Frisch 2, 416
b; gewähr, triplici capi: 1) pro possessione ... 2) pro praestatione evictionis ... 3) pro cautione, quam actor praestat de praestanda reo actionis evictione eo casu, quo reus ejusdem rei nomine ab alio eadem convictione convenitur, et vulgo dicitur,
guaranda. Pistorius
teutsch. juristischer sprichwörter-schatz (1716) 414. II@2@a@b@22)) die gewähr angeloben, verheissen und zusagen, dasz man einen wider alle diejenigen schützen wolle, welche dem beklagten die jetzt streitige sache ansprechen. Stade (1724) 263; nach dem sächsischen process musz die eidesdelation geschehen, ehe lis pure contestiret und die gewähr der klage angelobet worden. Knorre
gerichtl. procesz (1751) 180; gewaere,
cautio de lite vel accusatione prosequenda Scherz 545; die gewehr angeloben, dasz man seine klage fortsetzen wolle und nicht ändern, das geschiehet durch angreifen des richterstabes,
praestare guarandiam. Frisch 2, 416
b; gewähr, gerichtlich zu erscheinen,
vadimonium. Kirsch
cornu cop. 179
b. II@2@a@b@33)) ghewere, were,
cautio fidejussoria vel pignoratitia. Kilian 124
b,
ebenso Henisch 1595; gewehr, genugthuung der expens vor gericht,
guaranda, satisfactio pro expensis, et reconventio. ebendort; gewaere,
cautio de damnis et expensis de satisfactione. Scherz 545. II@2@a@b@44)) währe, gewähre im kauffen und verkauffen, oder schadloshalten eines verkaufften gutes,
evictio. Frisch 2, 416
a; gewähre, gewährschaft,
praestatio, securitas. Kirsch (1766) 179
b; gewähr der mängel ist die verpflichtung des verkäufers, für die gehörige beschaffenheit des von ihm verkauften gegenstandes einzustehen. Holtzendorff 2
3, 154. II@2@bb)
auszerhalb des engeren gebietes der rechtssprache giebt dieser begriff der cautio im sinne von bürgschaft, sicherheit den eigentlichen anstosz zur weiterentwicklung des wortes. II@2@b@aα)
für die ältere dichtung lassen sich wenig sichere belege hierherziehen. es fehlt an den festen rechtsformeln, die die grundbedeutung deutlich erkennen lieszen, wie dies in der neueren litteratur der fall ist. auch das moment der reimbildung giebt kein genügendes criterium, um die verschiedenen in der einen form verborgenen worte zu sondern. feinfühlige dichter binden allerdings altes germanisches ë
nur mit sich selbst, nicht mit umlauts-e.
die reime, in dem gewere
uns überliefert sind, gehören jedoch meist nicht feinfühligen dichtern an, und es bleibt hier noch immer fraglich, ob gewern
oder gewar
zu grunde gelegt werden soll. II@2@b@a@11))
fraglich sind z. b. einige beispiele für prädicative verbindung des wortes mit einem persönlichen subjecte, wo nicht einmal mit sicherheit zu entscheiden ist, ob das masc. gewer (gewähre
s. d.)
oder unser fem. vorliegt: nû gêt alle zuo mir her und sît der klage mîn gewer! Heinrich v.
d. Türlin
die krone 17091; der kaiser sprach 'hetest du sin gewer, du möhtest disz wol zeln ze einem heile.' er sprach 'ich wil selbe sîn gewer mit dem swerte ûf sînem kopfe unt mit dem sper, daz in sin kumende vart muoz immer riuwen.
Lohengrin 2051; der ritter sprach dez gib mir zil ain iar dez ist doch nit ze vil so bring ich min frowen her dez sol min leben sin din gewer mich rüwet das ich dir han gesworn wîrt si unschuldecklich verlorn.
der ritter und Maria, liedersaal 3, 73
Laszberg. II@2@b@a@22))
mit mehr sicherheit sind hier heranzuziehen: der tuvel wolde im han verswigen die rechten warheit, do sprach er 'du salt mir wisen ein gewer, des ich dich han gevraget, oder mich betraget dir hinnen volgen einen vuz, wand ich vurwar bekennen muz, durch waz der wec ist gespart mit also langer ummevart.'
passional 347, 53
Köpke; binnen dirre selben zit hub sich urlouge unde strit an keiser Julianum. der wolde ouch striten und darum hiez er vrilich hin beneben sinen solt sinen rittern geben durch bereitschaft gewer. 594, 37; engele sint ouch unse hutere, des han ich an der schrift gewere. Brun von Schonebeck 6668
Fischer;
ebenso 6674. II@2@b@bβ)
in der neueren litteratur bildet vor allem die parallele gewere =
cautio den ausgangspunkt zu zahlreichen neuen verwendungen. bestimmte formelhafte verbindungen laufen von dem rechtsverkehr aus in die allgemeine sprache über, und andererseits bildet sich auch ein freier gebrauch des wortes auf grund der bedeutungen aus, die es in diesen formeln erhalten hat. bemerkenswerth ist, dasz Luther,
der für die anknüpfung an vestitura so viel beispiele bietet, hier ganz ohne belege da steht. ebenso ist die ganze ältere litteratur spärlich vertreten, einige vorläufer der klassischen dichtung und die neuere litteratur haben den reichsten antheil. II@2@b@b@11))
formelhafte verbindungen. II@2@b@b@1@aa))
die in den wörterbüchern meist belegte verbindung ist gewähr leisten:
vgl. der verkäuffer musz die gewähr leisten. Pistorius
teutsch-juristischer sprichwörterschatz (1716) 414. II@2@b@b@1@a@aα))
das teutsch-engl. lexikon (1716) 770
setzt gewähre
und gewährschaft
einander gleich und verzeichnet gewährschaft leisten (
s. d.); einem gewähre leisten,
alicui satisdationem praestare. Steinbach 941; die gewähre heiszt, was unsre staatsleute die guarantie nennen, und es wird mit leisten verbunden: die gewähre leisten
d. i. dafür stehen, für etwas gut sein; machen dasz ein vertrag, ein frieden, ein landtagsvergleich beobachtet werden muss, nachdem er von beiden theilen geschlossen worden, selbst das
frz. guarant, guarantie kommen vom deutschen gewähren, gewähre leisten. Gottsched
beobachtungen 107; der verkäufer leistet die gewähr, den käufer in jedem falle schadlos zu stellen,
le vendeur est garant de l'éviction que l'acquéreur peut souffrir. Schwan (1811) 1, 440; gewähr (
bürgschaft) leisten,
donner caution, rendre caution. Schwan (1811) 1, 659
b; ich leiste ihnen die gewähr, dasz dieses pferd gesund und ohne fehler ist,
je vous garantie ce cheval sain et net. ebendort; wer leistet mir die gewähr für das was du mir sagst,
qui est ce qui me garantit la vérité de ce que tu me dis. Schwan (1782) 1, 741
b; man hat es mir versichert, aber ich leiste ihnen keine gewähr dafür,
on m'a assuré cela, mais je ne vous le garantis pas. ebendort; einem gewähr leisten,
to warrant, secure, defend, maintain one's possession. Fahrenkrüger 2, 326; einem die gewähr leisten,
to warrant, give security. Fick (1823) 1, 178; für einen gewähr leisten,
to give or be security for any one, to bail him. Hilpert 2, 1, 452
c. II@2@b@b@1@a@bβ)) wer leistet uns die gewähr, dasz der richter erfahren, und billig, und einsehend sei? Rabener (1752) 3, 57 (
sat. briefe); das ist der witz, den man, galant zu leben, auf reisen sucht, nur in der fremd erhält, wo, ehe man den letzteren ausgespüret, manch mutterkind die ersten (
mutterwitz, schulwitz) oft verlieret. und dennoch ist's ein ruhm, ich leiste die gewähr, mit vorwitz, gold und stolz sich auf den weg zu machen. man holt von städten, leuten, sachen zum wenigsten die namen her. Hagedorn
der affe und der delphin (
die wendung ist von Kinderling
reinigkeit der deutschen sprache, Bertin 1795
s. 394
angemerkt); wahrheit, zeuginn meiner triebe! leiste selber die gewähr, sage: für so grosze liebe fällt die gegenpflicht nicht schwer.
unverdiente eifersucht; unzählige erfahrungen können für diese wahrheit die gewähr leisten. Mendelssohn
philos. schriften 1, 92 (
Berlin 1771); wer leistet uns die gewähr, dasz dasjenige auch würklich vorhanden sei, was wir uns als würklich denken müssen?
morgenstunden 323 (
Bertin 1781); der besitz des geldes, welches wir mit gleichgültigkeit ansehen würden, wenn es uns nicht für alle die wirklichen vergnügen gewähr leistete, die wir uns dadurch verschaffen können. Wieland (
Agathon III
cap. 2) 1, 121; wenn gleich alle weisheit eines solchen entwurfs ihm für den ausgang nicht gewähr leisten kann. (
Agathon XII
cap. 1) 3, 53; für den erfolg konnte weder mein wille noch mein verstand die gewähr leisten (XII
cap. 11) 3, 156; und wer leistet mir für die treue eines prinzen gewähr, dessen minister in österreichischem solde stehen, und der mich verlassen wird, sobald ihm der kaiser schmeichelt, und seine armee von den grenzen zurückzieht? Schiller 8, 186 (
gesch. d. 30
jährigen krieges 2); so läszt sich freilich grade in einer woleingerichteten gesellschaft am leichtesten denken, dasz die geschäftsgenossen sich gegenseitig gewähr leisten für die erfüllung des gemeinschaftlichen wirkungskreises. Fried. Schleiermacher
über Platons ansicht von der ausübung der heilkunst bei Wackernagel 3, 2, 1216; 'mit ernster rede feierlichem wort werb' ich um dich als Cornwall's königinne. durchsucht den ballen, und ihr findet dort die gaben all' der hochzeitlichen minne, den zobelpelz, den demant, spitz' und bort', waz glänzt und reizen mag der frauen sinne! das leiste meinen worten die gewähr! anmuth'ge feindin, was verlangst du mehr?' K. Immermann
Tristan und Isolde (
werke 13,
s. 174); ich leist ihm seiner ford'rungen gewähr. Rückert
werke 10, 376 (
Heinrich IV). II@2@b@b@1@a@gγ))
das formelhafte der verbindung macht sich schon in der abneigung gegen den artikel geltend, der nur vereinzelt in das feste gefüge eindringt. zur composition erstarrt die wortgruppe in gewährleistung (
s. d.),
seltener im verbum selbst: so werden sie finden, dasz das princip der volkssouveränetät den einzelnen staaten eben so gewährleistet ist, wie der ganzen nation als solcher. Hagen
stenogr. berichte der Frankfurter nationalversamml. 7, 4968
a. II@2@b@b@1@bb))
während gewähr thun
in unserem zusammenhange ebensowenig nachfolge gefunden hat als in den bedeutungen von vestitura (
vgl. sp. 4800)
und gewährung (
s.gewähr III),
zeigen sich gewähr geben, bieten
entwicklungsfähig: so war es allerdings nothwendig, eine gewähr dagegen zu geben, dasz nicht eine kleine, vielleicht zufällige majorität den bau der verfassung leichter hand umwerfen könne. Waitz
stenogr. berichte der Frankfurter nationalversamml. 7, 4957
b; wenn daher irgendwo eine gewähr der verfassung gegeben werden musz. Busz
ebendort 4962
b (
andere redner in jener sitzung gebrauchen das wort garantie
oder sicherheit); ein räthselhafter eigensinn verbot ihm (
Friedrich Wilhelm IV) seinen hochsinnigen zugeständnissen zur rechten zeit die gewähr zu geben, die ihren bestand allein sichern konnte. Treitschke
d. gesch. 5, 649; das sind die punkte, auf welche es hier wesentlich ankam, und deren festsetzung die gewähr bieten soll, dasz von keiner seite her der bau der verfassung leicht gefährdet oder erschüttert werden könne. Waitz
stenogr. berichte der Frankfurter nationalversamml. 7, 4955
b; immerhin muss die regierung zur zeit auf die frage: ob und welche gewähr sie dafür bieten könne, dass die zustimmung der stände zu ihren forderungen alsbald die von ihr erwartete folge haben werde, die antwort schuldig bleiben. Mathy (
entwurf zu einer denkschrift an den nordd bundeskanzler) bei Freytag 22, 414. II@2@b@b@1@cc)) die bessern waren längst von diesem jugendwahne zurückgekommen, den sie anfangs in verirrungen verträumt und dann hart und schwer gebüszt, so der herausgeber des R.
M., den es auch als jüngling nach Paris gezogen, um die gewähr für ein deutsches freitum zu erlangen.
F. L. Jahn 1, 511
Euler. II@2@b@b@1@dd)) bei meinem gott, ich dürfte dies nicht glauben, hätt' ich die sichre fühlbare gewähr der eignen augen nicht.
Shakespeare Hamlet 1, 1
Schlegel; die uns erwarten, haben nicht gewähr, ob wir noch stehn, ob wir zertreten sind. Uhland (
Ernst von Schwaben 4, 3) 3, 73; die wurzel eines kleinen krautes steckt darin, denn es ist ein glaube, dasz diesem die kraft verliehen sei: den leib des mannes, der sie trägt, vor feindlichem geschosz zu bewahren. nehmt sie, geliebter, und bergt sie unter eurem kleide. wir haben ja keine gewähr, dasz sie die grosze kraft hat, aber wir hoffen es. G. Freytag (
ahnen 5, 2) 12, 107. II@2@b@b@1@ee))
auf dem studium alter rechtsquellen beruht: Lanzelot. Artus, ich hab' ein ernstliches begehr.
Artus. fordre mein reich! ich lobe dir gewähr. Immermann (
Merlin: der gral) 15, 116. II@2@b@b@22))
freier gebrauch. II@2@b@b@2@aa))
die zusammenstellung mit bürgschaft: der ungerathne ist schon aus dem gleise desz geb' ich bürgschaft und gewähr. Immermann (
Merlin: der gral) 15, 127; wer die geschichte kennt, wird niemals auf sogenannte gewährleistungen etwas geben, und die öffentliche meinung hat sich nie auf die bürgschaft solcher gewähren verlassen mö
gen. F. L. Jahn
werke 2, II,
s. 572. II@2@b@b@2@bb)) gewähr,
f. uirwinning in regten, verzekering Kramer 2, 133
a; gewähr (
terme de pratique)
eviction, garanti Rondeau-Buxtorff 253
c; gewähr,
la sureté, caution, garantie Schwan (1782) 1, 742
b; das unterpfand ist die beste gewähr,
est la meilleure sûreté. ebenda (
vgl. gewährleistung); gewähr vor schaden,
l'indemnité. ebenda; indemnity Ebers (1802) 644
b. II@2@b@b@2@cc)) wir möchten uns mit der gewähr nun eben nicht gerne befassen, dasz alles diesz buchstäblich und aufs haar sich so begab. Wieland (
der neue Amadis 16, 10) 5, 96; und zur gewähr, dasz ichs bin, die euch sendet, bringt ihm diesz schreiben. es enthält mein bildnisz. Schiller 12, 427 (
Maria Stuart 674); das in den alten, weltlichen schatzkammern vorhandene kann sich dort aus sehr eigentümlichen gründen zusammengefunden haben, etwa weil an einer goldenen trinkschale, an einem vielleicht unscheinbaren schwert wunderbare sagen des hauses und sogar die gewähr von dessen dauer hafteten. J. Burckhardt
beiträge 298; die drei mächte protestirten fruchtlos, und nahmen darauf die von ihnen zugesagte gewähr für die herrschaft Österreich's über Belgien zurück. Sybel
revolution 1, 255; gutes vernehmen mit Frankreich gefällt, neue friedensgewähr ist erwünscht. Varnhagen v. Ense
tagebücher 1, 48 (1837); wollte das schicksal seine gabe ohne gewähr festkettender dauer mir wieder entreiszen? Sudermann
die drei reiherfedern 93 (3, 8). II@2@b@b@2@dd)) feuergewährgesellschaft.
Würzburger verordnung von 1769. 1770. 1778.
vgl.feuer- und brandgewährungsgesellschaft
bei Schmeller 2
2, 974. II@2@b@b@2@ee))
hinter den verlosungslisten der zeitungen steht vielfach, um die redaction der verantwortlichkeit zu entheben, die bemerkung ohne gewähr. II@2@b@b@33))
neue verbindungen. fraglich ist, ob das folgende beispiel hierher oder besser zu gewehr (wehren)
gehört: Apollonia ist für das zanwe gewer. S. Franck
weltbuch 129. II@2@b@b@3@aa)) viel anbieten dem, der nichts begeret, ist eine anzeigung zu schlechter gewer. Butschky
kanzl. 337; so kannte sie die menschen zu gut, als dass sie die grundsätze eines jungen mannes für eine hinlängliche gewähr gegen seine leidenschaften hätte halten sollen. Wieland (
Sylvio de Rosalva 5,
c. 13) 12, 121;
ebend. s. 138; allein jenes hausgesetz, dessen anerkennung Karl der sechste mit groszen mühen und opfern bewirkt hatte, zeigte sich als eine nur schwache gewähr. Varnhagen v. Ense
biogr. denk 2, 136 (
fürst Leopold von Anhalt); auch Meyer hat seine grosze freude daran, und sein reiner, unbestechlicher blick war mir eine gute gewähr. Göthe
briefe 10, 208 (
an Schiller 26.
oct. 94); das holländische goldstück weisz in seiner lateinischen umschrift von der besten gewähr rede zu geben.
F. L. Jahn
werke 2 II,
s. 572; herzliche neigung fesselt ihn so entschieden, dasz er das haus verlassen will, wenn ihm das mädchen versagt wird, und ist eine sichere gewähr für bleibendes häusliches glück. Hehn
über Göthes H. u. D. 90. II@2@b@b@3@bb)) du schöne missionärin! lehr' du mich religion: bei dir liegt die gewähr in dem blick des auges schon. Bodenstedt
Mirza Schaffy, s. 154; wahr ists, beim erstenmal sehen oder lesen verdunkelt das sinnliche leben der handlung die gewalt und anzahl der motive; je öfter aber und je gesammelter man liest oder sieht, desto überzeugender werden diese. darin liegt die gewähr für die ewige dauer der shakespearischen stücke. O. Ludwig 5, 268; so musz diesz Deutschland auffordern, auch in seiner mitte für die zukunft überall eine möglichst gleichmässige ausbildung der politischen verhältnisse zu erstreben. hierin recht eigentlich ist eine gewähr der reichsverfassung zn finden. Waitz
stenogr. berichte der Frankfurter nationalvers. 7, 4957. II@2@b@b@3@cc)) das thaten sie auf eigene rechnung. wir sind ihnen dafür keine gewähr schuldig. Immermann
trauerspiel in Tirol (
Kürschner 115, 215
anm.). II@33)
formen. die schreibung sucht hier frühzeitig anlehnung an wahr, wahren. gewähr
wird schon zu beginn des 17.
jahrh. geschrieben, freilich ohne allgemein eingang zu gewinnen. Butschky
schreibt noch gewer (
kanzl. 337). IIIIII. gewähr,
die erfüllung eines versprechens, die gewährung.
die nächstliegende anknüpfung für dieses wort bietet das mhd. wer;
die beispiele, die mhd. wb. 3, 584
b und Lexer 1, 767
für dieses aufführen, sind jedoch sehr ungleichartig. hier sollen nur diejenigen verzeichnet werden, die auf wern, gewähren
zurückführen (
andere gehörten besser zu gewähr II, 2
s. o.).
die bedeutungsunterschiede zwischen gewähr II
und III
würden an sich noch keinen anlasz geben, die erklärung an verschiedene wurzeln anzuknüpfen. die erfüllung eines versprechens findet in der bedeutungsentwicklung von cautio immer noch raum. in manchen verwendungen ist es sogar schwer, die grenzlinie zu ziehen. da aber thatsächlich die begriffe von gewährschaft
und gewährung
im deutschen sprachgebrauch getrennte entwicklungswege anbahnen und da das verbum (
s.gewähren IV
und V)
diese bahnen noch deutlicher auseinander legt, so ist es nothwendig, dieser thatsache gerecht zu werden. III@11)
die älteren belege gehören sämmtlich dem passional an. bei einigen springt die anknüpfung an gewähren
sofort in die augen, bei andern musz sie erst durch mittelglieder erschlossen werden: III@1@aa)) do sich die zit alsus vertruc und ez quam uf den achten tac, der kunic grobelich erschrac, wand sich das volc zu houfe nam und mit gewalt uf in quam. si sprachen 'nu gib durch gewer uns din tochter balde her, oder du must ligen tot'.
passional (
v. St. Georg) 255, 17
Köpke; rechter vreuden ho gewer traf den bischof so, daz er dancte dem guten gote. sime heiligen gebote mit herze und mit houbte er neic, wand si von siner gabe ufsteic.
ebendort (
Justina) 497, 61. III@1@bb)) die zit gie hin, der tot gie her nach des ordens gewer, den die gewonheit kunt uns tut. (
Egidius) 453, 64; so sprach einer 'da pflac er durch grimmes herzen gewer zu rechene me die untat, dan mit gehorsames rat in guter barmeherzekeit.' (
von allen selen) 586, 4. III@1@cc))
fraglich ist: seht, do quam ouch der heiden mit grozem vrevele dort her. ieglicher vant vollen gewer mit grimmigen widerslegen. (
vom heil. cruce) 281, 22,
vgl. gewehr. III@22)
deutlicher sprechen einige neuere verwendungen. III@2@aa))
mit dem verbum gewähren =
bezahlen, befriedigen vgl. sp. 4822
ff. in engster verbindung steht: solchen brieff zall Steffan Thader jnne haldenn alz lange bis em von Cristopf Liedel di gewehr geschit. (1513)
cod. dipl. Siles. 4, 323.
hieraus erklärt sich die allgemeinere bedeutung: die gewer,
das reichnisz. Schmeller 2
2, 976; ein proviantmasz, nach welchem die landschaft ihre lieferungen und der kriegsmann seine gewähr nach gestrichenem maasz nehmen könne.
verhandlungen der schles. fürsten und stände von 1619
s. 141; eine währe holz,
certa exhibitio et praestatio lignorum, quantum coctori cerevisiae nimir. opus est ad integram cocturam cerevisiariam. Stieler 2415;
vgl.gewerschaft,
das richtige, volle masz bei dem salinenholzabmasz. Schmeller 2
2, 975. III@2@bb)) jedoch hat er mir das übrige viehe, so mein gewesen, und nicht in die gewehr (
zum gutsinventar) gehörig, in einer gewissen taxe bezahlet. Schweinichen 3, 191;
vgl.hofgewehr,
ausrüstung eines bäuerlichen hofes mit schiff und geschirr, gutsinventarium s. theil 4, 2
sp. 1680; und ihr guten leute sehet nicht ein, dasz der hof mit seinem gewehre, den der leibeigne unter hat, die lohnung des staates ist. Möser
patr. phant. 3, 276.
daraus entwickelt sich allgemeiner der begriff der fahrenden habe: behaltet alle gewör und hauszrath in die höler der berg. Schaidenreiszer
Odyssee 44
a (aber das gut verbergt im geklüft, und alle geräthschaft. Voss
Odyssee 10, 404). III@2@cc))
allgemeiner gefaszt erscheint der begriff der leistung: wo ein frowenperson ein elichen mann hat, der inlendig und kuntlich ist, und sie darüber bi jemans, .. in buolschaft wise oder zuo den unseren sitzet, oder obe si jergent sunder sesse und uf jeman also in buolschaft wise wartete, der ir genere und gewere gebe, die bessert 5 lib.
Straszburger zunft- und polizeiverordnungen 564
Brucker; frauen-zimmer zu gewehren, dasz sie mit gewehr vergnügt, ist die sache zu gewehren, wie sie steht, nicht, wie sie liegt. Logau 2, 10, 46; ach mein liebster herr und freund, ich wolte bitten, sie wolten mirs nicht übel deuten, meine bitte nicht versagen und mein gewär nicht abschlagen: um eine nachtherberge wil ich bitten.
weihnachtsspiel (1846
aufgezeichnet in Glatz) Weinhold
zsch. d. a. 6, 341; gut ist's, dasz der himmel immer dir verschiebt die wunschgewähr, denn beglückt, du wärst es nimmer, und du hofftest es nicht mehr. Rückert
werke 7, 383. III@33)
hierher gehört wohl der bergmännische ausdruck gewer, gewähr,
dem verschiedentlich das neutrum zuerkannt wird (Scheuchenstuel 101
verzeichnet es als femin. und neutr.): währ, gewehr, in bergwerckssachen: ein lehn,
demensum, ist 7 lachter; zwei lehen ist eine wehr,
demensum duplicatum, drei wehr ist eine fundgrube; zwei wehr ist eine maaszgewehr. eine pfundgrube hat drei gewähr, das ist 42 berglachter, deren eine bis 3 ellen 8 zoll lang. Frisch 416
b; das gewähr .. im bergbaue, ein stück feld, so einem bergbauer zu lehen gegeben wird, und in der engsten und gewöhnlichsten bedeutung, ein solches stück feldes von einem bestimmten maasze, welches 14 lachter in der länge und 7 in der breite hält. Adelung 2, 644.
die ersten belege giebt Mathesius,
aus dem Frisch
seine angaben geschöpft hat und den er citiert: wenn einer auff ein gang kiset und schweret darauff, und wird jm vermessen, und verlochsteint, der leit in seiner gewer, hat an seiner fundgruben drei wer, das ist, zwei und viertzig lachter, nach dem streichen des gangs vom mittel des runbaums anzuhalten, theilt sich der gang, so hat er aber zu kisen, ersinckt er ander geng inn seiner vierung, und bringt sein recht von der fundgrub durch öffentliche und augenscheinliche beweisung unnd durchschlag .. der ererbet auff den jüngern tag eine vierung die hat ein halb gewer, vierdthalb lachter in hangens, und so vil in ligens am seilband anzuhalten.
Sarepta 19
b; ein masz hat zwei gewähr, acht und zweintzig lachter ein ewige teuff, nach dem falle des ganges, und jr eigen.
ebenda. III@44)
schreibung. hier halten sich die schreibungen gewere, gewehr
länger und ausschlieszlicher als bei gewähr II. IVIV. gewähr,
das verstärkte wer,
dauer, vgl. mhd. wb. 3, 581
b. Lexer 1, 767.
vgl.währen,
durare (
s. d. und althochd. werên, Graff 1, 938)
und gewähren III: und den stûl nâch im irwarb der eilfte pâbist Benedict, der ê dem ordine gestrict was der predigêre. ein jâr was og des gewere. darnâch in unsirs hêrren jârn dô der gar verloufin wârn vumf und drîzênhundirt, dô wart mit kur gesundirt pâbist Clêmens der vumfte.
N. v. Jeroschin 25301;
fraglich, ob hierher —
und zwar zur grundbedeutung von weren =
existere —
gehörig, ist das folgende beispiel, das sich auch zu wehren (
s. d.)
ziehen läszt: sô werdent erhôhet alle tal die berge er alle nidern sal. zuschen berge felde mer wird allez gar sein glîch gewer unde in menschlîcher ê wirt kein dinc erhôhet mê.
erlösung 1793.
aus jüngerer zeit und in einem zusammenhang der das genus des neutrums sicher stellt, ist belegt: zwei und dreiszig himel gebaut in der kirche, auch altäre, welche man benahmt den dom.und zum ewigen gewehre sieht man lachend stehn von stein ein gehauen weibes-bild, das man nennt: die braut im dom. .. J. G. Albinus
chursächs. Venus (
an die hohe stifftsstadt Naumburg) 1686
s. 32.