genehm ,
acceptus, gratus, mhd. genæme,
ahd. nur nâmi Graff 2, 1073,
adj. verb. zu nëman,
eigentlich nehmbar, was gern genommen wird, wie gäbe (
s. d.),
mhd. gæbe
zu geben.
vgl.angenehm,
eig. annehmbar, annehmlich (
goth. andanêms),
das anfangs mit genehm
wechseln konnte. auch mnd. genême,
mnl. ghename.
zur form s. noch 5. 11)
von geld und münzen, gleich gäbe,
da geben
und nemen
das geschäft macht (
s. u.gäbe 1,
a),
mhd. guote und genæme pfenninge Lexer 1, 852,
von guter währung, genauer (
gulden) guot und genæme in golde und an gewæge Scherz 523, an golde 795;
auch von der währung selber: + 16. haller genger und genemer Nrnberger weerung. Schm. 2, 693
vom j. 1373;
die gilde koufen mit anderhalbin gulden ader werunge davor, als zu Cassel genge und gneme ist. Gengler
cod. jur. munic. 1, 473
a,
vom jahre 1402; acht gulden guter gnemer Frankfurter wehr. Lennep
lands. 2, 32
vom jahre 1516.
es mag, wie gäbe,
von diesem gebrauch aus seine entwickelung genommen haben, noch in der zeit des tauschhandels, der ja aus nemen
und geben
besteht. vergl. von wechseln genehmhaltung a. e. 22)
dann auch von menschen, mhd. und noch nhd., eigentlich erwünscht, willkommen, beliebt u. ähnl. 2@aa)
mhd. z. b. (
s. die wbb.): niemant ist ain genæmer weissage in seins vater lant. Megenberg 255, 12 (angenem Luther
Luc. 4, 24); allen
oder al der werlde genæme,
allgemein beliebt: dô sprach der gotes holde, ouch in allen der genæme ..
Ludwigs kreuzf. 3584; mac ieman âne guot gar al der werlde genæme sîn?
Wigalois 149, 13;
recht deutlich ist der eigentliche sinn, wenn eine frau sich genæme machet,
einem geliebten entgegen, ursprünglich gewiss eine braut dem bewerber entgegen: dô des diu vrouwe wart gewar, daʒ ir sun dar quæme, si machte sich gar genæme, si leit sich schône gegen im an (
mit kleidung).
Mai 171, 32.
dann auch als allgemeines lob, von frauen z. b. diu schœne und diu genæme,
von helden der genæme degen,
eigentlich gewiss beliebt, von allen geschätzt. 2@bb)
nhd.: du habest dir eine geneme hausfrawen genomen. A. v. Eybe 2
a,
eine erwünschte, treffliche, wie es von Adam heiszt: fraw Eva was im gar genem, das sy im solt werden ze praut.
Hätzl. 113
b.
als lob überhaupt noch im 17.
jahrh.: da begunte ich erst in mich zu gehen und gedachte, weil mein knän, meüder und Ursele selbst darvon geloffen, welche doch in unserm kirchspiel für genehme und scharfsinnige leut geachtet würden und als die perlen auf dem misthaufen vor andern hervor geleuchtet, so werde ich als ein noch junger gehlschnabel gewiss auch nicht viel gelten.
Simpl. 1685 1, 14 (
zusätze zum 3.
cap.),
also als wert geachtet, angesehen, eigentlich vielleicht, die man bei wahlen gern zu ämtern nimmt. 2@cc) gott genehm,
mhd. gote genæme,
auch mit gen. der gotes genæme: und zu dem andern (
sprach ich), daʒ unsere gaben got nit angenem seind, es sei denn sach das wir vorhin got genem seind. Keisersberg
herr kunig 87
a; ach du fründt gotz, wisz das got nichts genämers ist .. dann gedultiglich trübsal leiden.
granatapfel F 3
b; wer das tät, der würd genem got und der liebsten muoter sein.
Hätzl. 115
a.
so sind ihm opfer genehm
oder nicht (angeneme opfer,
Zeus willkommen Schaidenreiszer
Od. 3
b): das beten und hende aufheben sind gotte die allergenemesten opfer. Luther 5, 50
a;
auch vor (für) gott genehm (
mhd. annæme vor gote): bisher haben wir gelernet, wie der glaub wirkt .. und wie genehm er fur gott sei.
evang. von d. zehen aussetzigen (1520) F ij
b; die mess macht gnem für gott das gbet. B. Waldis
päpst. reich Y 3
b.
er ist da als höchster herr gedacht, sodasz die wendung mit dem folgenden in nächster beziehung steht. 2@dd)
noch jetzt gilt diesz genehm
bei hofe in diplomatischer sprache, wenn z. b. bei ernennung eines gesandten an einem fremden hofe zuvor dort angefragt wird, ob der zu ernennende dort, d. h. dem fürsten genehm
sei oder auch persona grata,
wie es aus dem alten diplomatischen latein her noch heiszt z. b. bei ernennung von bischöfen. doch auch bei gemeindewahlen z. b. ist die rede davon und wird gewählt, wer der gemeinde genehm
ist, gewiss gleichfalls der alte ausdruck, ja genehm
von menschen könnte, wie so manches, aus dem wahlwesen herrühren, das in alter zeit so wichtig war wie heute wieder. 33)
von allerlei anderem sonst. 3@aa)
im handel und wandel gewiss auch von waare, wie vom gelde (
s. 1),
übereinkommend mit gäbe
sowol von geld als waare (
s. dort 1,
b);
zeugnis gibt kaufnahme waaren Haltaus 1071 (
s. u.kaufnähme)
aus Braunschweig in verhochdeutschter form des 17.
jh., mnd. gewiss kôpnâme (
nicht im wb., zur form s. 4,
b).
zeugnis gibt wol auch fürs mhd. das genæme rint
Helmbr. 118,
das man der nonne gibt für ihre kunstarbeit an Helmbrechts haube, d. h. das sie gut und gern dagegen nehmen konnte. sucht doch noch jetzt der käufer im laden nach waare, die ihm genehm
ist, und wird vom kaufmann gefragt, was ihm genehm ist.
auch angenehm gilt noch so im geschäftsleben, von gesuchter waare, daher auch wenn der preis steigt, z. b. butter war heute angenehm auf dem markte,
in Leipziger volksrede, aber auch in der börsensprache; im 17.
jh. z. b. von silbergeld, das eifrig gesucht und selten ward in der kipper- und wipperzeit: in summa das gut silbergeld ist jezt gar angenehm der welt
u. s. w. Scheible
flieg. bll. 312. 3@bb)
auch sonst für erwünscht, willkommen, gelegen u. ä. (
vgl. genehmheit aptitudo),
doch bei weitem nicht so entwickelt als angenehm,
das mit seinem an-
gewiss länger deutlich blieb im eigentlichen sinne: was euch genehm ist, das ist mir gerecht, ihr seid die herrscher, und ich bin der knecht. Schiller
braut von Mess. v. 436; was deut't auf blut, ist uns genehm, was blut vergieszt, ist uns bequem. Göthe 57, 274 (
paral. zu Faust); dem leben werde jede not verziehen, wenn jeder das, was ihm genehm, gefunden. Platen 3, 109; der alten excellenz war gerade diese durchsichtige baumwelt die genehmste. Gutzkow
ritter vom geiste 9, 6.
selbst für passend im eigentlichsten sinne (
wol nach dem bildlichen passen,
genehm sein): und also mut' ich jeder dame zu, dasz sie probire diesen kleinen schuh: der schönen, deren füszchen er genehm, beschert Astolf sein halbes diadem. Platen 3, 98 (
d. gläs. pant.),
nachher mir paszt er an, er paszt
s. 99.
im leben in höflicher rede wenns ihnen genehm ist,
beliebt, gefällt, doch nur als gewähltester ausdruck und wol nur gegen höhere, als der sprechende ist (
s. d). 3@cc)
dazu genehm halten,
approbare, ratum habere Frisch 2, 13
a,
aber auch nur als sehr gewählter ausdruck: da sie ihm .. entdeckte, dasz der hasz Agathons keinen andern ursprung habe, als weil sie nicht für gut befunden seine liebe genehm zu halten. Wieland 3, 106 (
Agath. 12, 6),
mit ironischem anflug; hieltet ihr's genehm, so möcht ich wohl .. 18, 40.
auch mit für: genehm halten, für genehm halten,
sich gefallen lassen, billigen. Rädlein 354
a; der übermut wird von den stolzen
unter dem namen der groszmütigkeit geehret, für genehm gehalten. Butschky
Pathmos 936; niemand hält es vor genehm,
id nemini probatur. Weber 341
b; der fürst hat es vor genehm gehalten,
res apud principem rata est. das. vergl. genehmhaltung
und genehmhabung,
man sagte also auch genehm haben,
ratum habere, wie angenehm haben
z. b. Luther 1, 31
a (
gott ein opfer).
bei Adelung
auch den göttlichen willen
u. ä. genehm halten,
erfüllen, ebenso genehmhaltung der göttlichen vorschrift. 3@dd)
auch dieser gebrauch musz nhd. wesentlich bei hofe in der diplomatischen und canzleisprache entwickelt sein (
vgl. 2,
d);
ein zeugnis aus dem 15.
jh. s. unter genehmheit,
wie bei Weber
vorhin vom fürsten. man fragt beim fürsten, bei vorgesetzten, bei behörden an, ob ihnen genehm ist,
was man zu thun gedenkt u. ä., kommt dafür ein um ihre genehmigung, genehmhaltung (
s. dort).
daher auch die kühlere fassung im vergleich zu angenehm,
mit dem es eigentlich eins ist und länger blieb (
s. 5),
denn das angenehme
wünscht und erstrebt man, das genehme
lehnt man nicht ab, läszt es gelten, hat nichts dagegen. daher auch z. b. von den göttern, wie unter 2,
c von gott, welchem oder vor welchem gebete genehm sind
oder nicht: ist denn nun ein solches genehm den seligen göttern, dasz in die heimat kehre der weisheitsvolle Odysseus. Voss
Od. 1, 82.
bei Aler 894 genehm gehalten
approbatus, auch blosz genehm,
gebilliget, approbatus, deutlich aus höfischem oder canzleistil. auch mit ratificiren,
deutlich aus der canzlei: alles stet, fest, genem zu ratificirn. Ayrer
proc. 1, 11,
als genehm, doch mit adverbialem klang. 3@ee)
in zusammensetzung z. b. vernunftgenäme unterweisungen Fischart
ehz. 405
Sch., vorher dafür menschlicher vernunft anmtige lehren,
also der vernunft erwünscht, willkommen. 44)
als subst. im folgenden: und nichts dann eytel gnem, gniesz und wolthat ist. S.
Frank verbütschiert buch 399
a,
entweder das n. als subst. oder auch ein gestutztes f. geneme,
worauf wol folgendes deutet: acceptio genemme (
in einem andern voc. genemlichkeit) Dief. 7
b,
gratuitum geneme
vel gots gnadunge 269
b,
als wäre ein mhd. genæme
f. dahinter. 55)
zur form und bildung ist noch bemerkenswert 5@aa)
das ausbleiben des umlauts, nicht blosz in dem eigentlich nd. kaufnahme
unter 3,
a wie in anname maken
gratificare Dief. 269
a (
mnl. ghename),
auch bair.: gute und gename reinische guldin. Schm. 2, 693
vom j. 1509;
vgl. bair. undanknam
unter danknehmig,
gratus genam Dief. 269
b. 5@bb)
das fehlen des ge-,
wie in diesem kaufnahme,
zeigt sich auch hd. in zusammensetzung, in mhd. dancnæme
dankbar angenommen und mit dank nehmend, wie im 15. 16.
jh. danknem (
s. unter danknehmig),
auch noch für dankbar: das wollen wir umb ewer gnad gern verdienen und des danknem sein.
anz. des germ. mus. 15, 308.
hierher auch vornehm,
mhd. vürnæme,
eigentlich der sich vür nimet, '
sich hervorthut',
eigentlich im kampfe. so stand neben genæme
mhd. annæme,
das ge-
in angenehm
ist erst nach der mhd. zeit eingesetzt, wie da auch dancnæme
zu dankgenem
wurde (
s. unter dankgenehme).
noch im 15.
jh. in den vocc. gratus geneme
und anneme Dief. 269
b,
nov. gl. 197
b,
nur einzeln schon angenem
das., vergl. gratificare geneme
und angeneme machen,
nd. anname maken Dief. 269
a.
beide aber tauschen anfangs frei, da ja dem sprachgefühl das nemen
und annemen
darin noch deutlich erklang. 5@cc)
merkwürdig aber ist ein spurweises wechseln von genem
und gemein,
z. b. im voc. 1482 l 3
a gemeiner lone
oder genemer lone,
premium substantiale; zwei andere spuren s. sp. 3251.
am denkbarsten ist der sonderbare tausch bei einem manne, der allen genæme
war z. b. als herr, heerführer o. ähnl. (
s. unter 2,
a),
allbeliebt, eigentlich zur wahl erwünscht; ein solcher hiesz eben auch gemeine,
z. b. als schiedsrichter (
s. gemein 4,
a),
er muszte zugleich allen betheiligten genæme
sein; s. auch gemein 4,
f von fürsten, herren u. ähnl. für allbeliebt, was noch heute nachklingt in sich gemein machen,
eigentlich populär.