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genehm

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

genehm

Bd. 5, Sp. 3360
genehm , acceptus, gratus, mhd. genæme, ahd. nur nâmi Graff 2, 1073, adj. verb. zu nëman, eigentlich nehmbar, was gern genommen wird, wie gäbe (s. d.), mhd. gæbe zu geben. vgl.angenehm, eig. annehmbar, annehmlich (goth. andanêms), das anfangs mit genehm wechseln konnte. auch mnd. genême, mnl. ghename. zur form s. noch 5. 11) von geld und münzen, gleich gäbe, da geben und nemen das geschäft macht (s. u.gäbe 1, a), mhd. guote und genæme pfenninge Lexer 1, 852, von guter währung, genauer (gulden) guot und genæme in golde und an gewæge Scherz 523, an golde 795; auch von der währung selber: + 16. haller genger und genemer Nrnberger weerung. Schm. 2, 693 vom j. 1373; die gilde koufen mit anderhalbin gulden ader werunge davor, als zu Cassel genge und gneme ist. Gengler cod. jur. munic. 1, 473a, vom jahre 1402; acht gulden guter gnemer Frankfurter wehr. Lennep lands. 2, 32 vom jahre 1516. es mag, wie gäbe, von diesem gebrauch aus seine entwickelung genommen haben, noch in der zeit des tauschhandels, der ja aus nemen und geben besteht. vergl. von wechseln genehmhaltung a. e. 22) dann auch von menschen, mhd. und noch nhd., eigentlich erwünscht, willkommen, beliebt u. ähnl. 2@aa) mhd. z. b. (s. die wbb.): niemant ist ain genæmer weissage in seins vater lant. Megenberg 255, 12 (angenem Luther Luc. 4, 24); allen oder al der werlde genæme, allgemein beliebt: dô sprach der gotes holde, ouch in allen der genæme .. Ludwigs kreuzf. 3584; mac ieman âne guot gar al der werlde genæme sîn? Wigalois 149, 13; recht deutlich ist der eigentliche sinn, wenn eine frau sich genæme machet, einem geliebten entgegen, ursprünglich gewiss eine braut dem bewerber entgegen: dô des diu vrouwe wart gewar, daʒ ir sun dar quæme, si machte sich gar genæme, si leit sich schône gegen im an (mit kleidung). Mai 171, 32. dann auch als allgemeines lob, von frauen z. b. diu schœne und diu genæme, von helden der genæme degen, eigentlich gewiss beliebt, von allen geschätzt. 2@bb) nhd.: du habest dir eine geneme hausfrawen genomen. A. v. Eybe 2a, eine erwünschte, treffliche, wie es von Adam heiszt: fraw Eva was im gar genem, das sy im solt werden ze praut. Hätzl. 113b. als lob überhaupt noch im 17. jahrh.: da begunte ich erst in mich zu gehen und gedachte, weil mein knän, meüder und Ursele selbst darvon geloffen, welche doch in unserm kirchspiel für genehme und scharfsinnige leut geachtet würden und als die perlen auf dem misthaufen vor andern hervor geleuchtet, so werde ich als ein noch junger gehlschnabel gewiss auch nicht viel gelten. Simpl. 1685 1, 14 (zusätze zum 3. cap.), also als wert geachtet, angesehen, eigentlich vielleicht, die man bei wahlen gern zu ämtern nimmt. 2@cc) gott genehm, mhd. gote genæme, auch mit gen. der gotes genæme: und zu dem andern (sprach ich), daʒ unsere gaben got nit angenem seind, es sei denn sach das wir vorhin got genem seind. Keisersberg herr kunig 87a; ach du fründt gotz, wisz das got nichts genämers ist .. dann gedultiglich trübsal leiden. granatapfel F 3b; wer das tät, der würd genem got und der liebsten muoter sein. Hätzl. 115a. so sind ihm opfer genehm oder nicht (angeneme opfer, Zeus willkommen Schaidenreiszer Od. 3b): das beten und hende aufheben sind gotte die allergenemesten opfer. Luther 5, 50a; auch vor (für) gott genehm (mhd. annæme vor gote): bisher haben wir gelernet, wie der glaub wirkt .. und wie genehm er fur gott sei. evang. von d. zehen aussetzigen (1520) F ijb; die mess macht gnem für gott das gbet. B. Waldis päpst. reich Y 3b. er ist da als höchster herr gedacht, sodasz die wendung mit dem folgenden in nächster beziehung steht. 2@dd) noch jetzt gilt diesz genehm bei hofe in diplomatischer sprache, wenn z. b. bei ernennung eines gesandten an einem fremden hofe zuvor dort angefragt wird, ob der zu ernennende dort, d. h. dem fürsten genehm sei oder auch persona grata, wie es aus dem alten diplomatischen latein her noch heiszt z. b. bei ernennung von bischöfen. doch auch bei gemeindewahlen z. b. ist die rede davon und wird gewählt, wer der gemeinde genehm ist, gewiss gleichfalls der alte ausdruck, ja genehm von menschen könnte, wie so manches, aus dem wahlwesen herrühren, das in alter zeit so wichtig war wie heute wieder. 33) von allerlei anderem sonst. 3@aa) im handel und wandel gewiss auch von waare, wie vom gelde (s. 1), übereinkommend mit gäbe sowol von geld als waare (s. dort 1, b); zeugnis gibt kaufnahme waaren Haltaus 1071 (s. u.kaufnähme) aus Braunschweig in verhochdeutschter form des 17. jh., mnd. gewiss kôpnâme (nicht im wb., zur form s. 4, b). zeugnis gibt wol auch fürs mhd. das genæme rint Helmbr. 118, das man der nonne gibt für ihre kunstarbeit an Helmbrechts haube, d. h. das sie gut und gern dagegen nehmen konnte. sucht doch noch jetzt der käufer im laden nach waare, die ihm genehm ist, und wird vom kaufmann gefragt, was ihm genehm ist. auch angenehm gilt noch so im geschäftsleben, von gesuchter waare, daher auch wenn der preis steigt, z. b. butter war heute angenehm auf dem markte, in Leipziger volksrede, aber auch in der börsensprache; im 17. jh. z. b. von silbergeld, das eifrig gesucht und selten ward in der kipper- und wipperzeit: in summa das gut silbergeld ist jezt gar angenehm der welt u. s. w. Scheible flieg. bll. 312. 3@bb) auch sonst für erwünscht, willkommen, gelegen u. ä. (vgl. genehmheit aptitudo), doch bei weitem nicht so entwickelt als angenehm, das mit seinem an- gewiss länger deutlich blieb im eigentlichen sinne: was euch genehm ist, das ist mir gerecht, ihr seid die herrscher, und ich bin der knecht. Schiller braut von Mess. v. 436; was deut't auf blut, ist uns genehm, was blut vergieszt, ist uns bequem. Göthe 57, 274 (paral. zu Faust); dem leben werde jede not verziehen, wenn jeder das, was ihm genehm, gefunden. Platen 3, 109; der alten excellenz war gerade diese durchsichtige baumwelt die genehmste. Gutzkow ritter vom geiste 9, 6. selbst für passend im eigentlichsten sinne (wol nach dem bildlichen passen, genehm sein): und also mut' ich jeder dame zu, dasz sie probire diesen kleinen schuh: der schönen, deren füszchen er genehm, beschert Astolf sein halbes diadem. Platen 3, 98 (d. gläs. pant.), nachher mir paszt er an, er paszt s. 99. im leben in höflicher rede wenns ihnen genehm ist, beliebt, gefällt, doch nur als gewähltester ausdruck und wol nur gegen höhere, als der sprechende ist (s. d). 3@cc) dazu genehm halten, approbare, ratum habere Frisch 2, 13a, aber auch nur als sehr gewählter ausdruck: da sie ihm .. entdeckte, dasz der hasz Agathons keinen andern ursprung habe, als weil sie nicht für gut befunden seine liebe genehm zu halten. Wieland 3, 106 (Agath. 12, 6), mit ironischem anflug; hieltet ihr's genehm, so möcht ich wohl .. 18, 40. auch mit für: genehm halten, für genehm halten, sich gefallen lassen, billigen. Rädlein 354a; der übermut wird von den stolzen unter dem namen der groszmütigkeit geehret, für genehm gehalten. Butschky Pathmos 936; niemand hält es vor genehm, id nemini probatur. Weber 341b; der fürst hat es vor genehm gehalten, res apud principem rata est. das. vergl. genehmhaltung und genehmhabung, man sagte also auch genehm haben, ratum habere, wie angenehm haben z. b. Luther 1, 31a (gott ein opfer). bei Adelung auch den göttlichen willen u. ä. genehm halten, erfüllen, ebenso genehmhaltung der göttlichen vorschrift. 3@dd) auch dieser gebrauch musz nhd. wesentlich bei hofe in der diplomatischen und canzleisprache entwickelt sein (vgl. 2, d); ein zeugnis aus dem 15. jh. s. unter genehmheit, wie bei Weber vorhin vom fürsten. man fragt beim fürsten, bei vorgesetzten, bei behörden an, ob ihnen genehm ist, was man zu thun gedenkt u. ä., kommt dafür ein um ihre genehmigung, genehmhaltung (s. dort). daher auch die kühlere fassung im vergleich zu angenehm, mit dem es eigentlich eins ist und länger blieb (s. 5), denn das angenehme wünscht und erstrebt man, das genehme lehnt man nicht ab, läszt es gelten, hat nichts dagegen. daher auch z. b. von den göttern, wie unter 2, c von gott, welchem oder vor welchem gebete genehm sind oder nicht: ist denn nun ein solches genehm den seligen göttern, dasz in die heimat kehre der weisheitsvolle Odysseus. Voss Od. 1, 82. bei Aler 894 genehm gehalten approbatus, auch blosz genehm, gebilliget, approbatus, deutlich aus höfischem oder canzleistil. auch mit ratificiren, deutlich aus der canzlei: alles stet, fest, genem zu ratificirn. Ayrer proc. 1, 11, als genehm, doch mit adverbialem klang. 3@ee) in zusammensetzung z. b. vernunftgenäme unterweisungen Fischart ehz. 405 Sch., vorher dafür menschlicher vernunft anmtige lehren, also der vernunft erwünscht, willkommen. 44) als subst. im folgenden: und nichts dann eytel gnem, gniesz und wolthat ist. S. Frank verbütschiert buch 399a, entweder das n. als subst. oder auch ein gestutztes f. geneme, worauf wol folgendes deutet: acceptio genemme (in einem andern voc. genemlichkeit) Dief. 7b, gratuitum geneme vel gots gnadunge 269b, als wäre ein mhd. genæme f. dahinter. 55) zur form und bildung ist noch bemerkenswert 5@aa) das ausbleiben des umlauts, nicht blosz in dem eigentlich nd. kaufnahme unter 3, a wie in anname maken gratificare Dief. 269a (mnl. ghename), auch bair.: gute und gename reinische guldin. Schm. 2, 693 vom j. 1509; vgl. bair. undanknam unter danknehmig, gratus genam Dief. 269b. 5@bb) das fehlen des ge-, wie in diesem kaufnahme, zeigt sich auch hd. in zusammensetzung, in mhd. dancnæme dankbar angenommen und mit dank nehmend, wie im 15. 16. jh. danknem (s. unter danknehmig), auch noch für dankbar: das wollen wir umb ewer gnad gern verdienen und des danknem sein. anz. des germ. mus. 15, 308. hierher auch vornehm, mhd. vürnæme, eigentlich der sich vür nimet, 'sich hervorthut', eigentlich im kampfe. so stand neben genæme mhd. annæme, das ge- in angenehm ist erst nach der mhd. zeit eingesetzt, wie da auch dancnæme zu dankgenem wurde (s. unter dankgenehme). noch im 15. jh. in den vocc. gratus geneme und anneme Dief. 269b, nov. gl. 197b, nur einzeln schon angenem das., vergl. gratificare geneme und angeneme machen, nd. anname maken Dief. 269a. beide aber tauschen anfangs frei, da ja dem sprachgefühl das nemen und annemen darin noch deutlich erklang. 5@cc) merkwürdig aber ist ein spurweises wechseln von genem und gemein, z. b. im voc. 1482 l 3a gemeiner lone oder genemer lone, premium substantiale; zwei andere spuren s. sp. 3251. am denkbarsten ist der sonderbare tausch bei einem manne, der allen genæme war z. b. als herr, heerführer o. ähnl. (s. unter 2, a), allbeliebt, eigentlich zur wahl erwünscht; ein solcher hiesz eben auch gemeine, z. b. als schiedsrichter (s. gemein 4, a), er muszte zugleich allen betheiligten genæme sein; s. auch gemein 4, f von fürsten, herren u. ähnl. für allbeliebt, was noch heute nachklingt in sich gemein machen, eigentlich populär.
10924 Zeichen · 262 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Genêhm

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Genêhm , adj. et adv. von dem Zeitworte nehmen. 1. * Eigentlich, was man gern nimmt; in welcher jetzt veralteten Bedeutu…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    genehm

    Goethe-Wörterbuch

    genehm meist idVbdg ‘jdm g. sein’, bes in höfl-förml Briefsprache a angenehm, willkommen Sage mir, mit wem zu sprechen |…

  3. modern
    Dialekt
    genehm

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ge-nehm in angenehm .

  4. Spezial
    genehm

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ge|nehm adj. 1 (willkommen) orü (orüs, orüda) 2 (bequem) comot (-oc, -a). ▬ wenn es euch so genehm ist sce ara Ves vá bu…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit genehm

23 Bildungen · 19 Erstglied · 3 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von genehm

ge- + nehmen

genehm leitet sich vom Lemma nehmen ab mit Präfix ge-, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

genehm‑ als Erstglied (19 von 19)

genehmen

DWB

genehmen , verstärktes nehmen, mhd. genemen sehr geläufig, besonders mit dem begriff vollendeter handlung ( s. ge- II, 4, c ff. ), wie auch …

genehmhabung

DWB

genehm·habung

genehmhabung , f. wie genehmhaltung ( s. u. genehm 3, c ): auf genehmhabung des römischen raths. Lohenstein Arm. 1, 822 ; als er durch seine…

genehmhalten

DWB

genehm·halten

genehmhalten , n. wie genehmhaltung: ( Wallensteins zusage ) ohne unser genehmhalten sich nicht von uns ( der armee ) zu trennen. Schiller P…

genehmhaltung

DWB

genehm·haltung

genehmhaltung , f. approbatio, ratihabitio Stieler 741 , genehmigung ( s. genehm 3, c ): nach erlangter einwilligung und genehmhaltung der h…

genehmheit

DWB

genehm·heit

genehmheit , f. aptitudo, genAemheit Dief. nov. gl. 30 a , zum begriff s. genehm 3, b. mhd. genæmekeit, annehmlichkeit: alle die genæmekeit …

genehmigen

DWB

genehm·igen

genehmigen , für das frühere genehm halten ( s. genehm 3, c ), seit dem 18. jh., erst bei Adelung verzeichnet, doch älter ( s. folgendes, al…

Genehmiger

Campe

◎ Der Genehmiger , des — s , d. Mz . w. d. Ez. der etwas genehmiget; dann, der etwas annimmt. Der Genehmiger eines Wechsels (der Acceptant )…

genehmigt

LDWB2

ge|neh|migt adj. aprové (-vá, -vada), autorisé (-sá, -sada) .

genehmigung

DWB

genehmigung , f. für das frühere genehmhaltung, das noch Adelung vor jenem bevorzugt: die vorschläge laufen darauf hinaus, dasz die Leipzige…

genehmlich

DWB

genehm·lich

genehmlich , acceptabilis, genemlicher, accepte genemlich. voc. 1482 l 5 a ; mhd. genæmelîch. auch genemlichkeit acceptio Dief. 7 b .

genehmung

DWB

genehm·ung

genehmung , für genehmigung, ungebräuchlich: welcher zu nahn euch der vater erlaubt mit der mutter genehmung. Baggesen Parthenais 43 . mhd. …

genehm als Zweitglied (3 von 3)

angenehm

DWB

angenehm , acceptus, gratus, nnl. aangenaam, was man gerne an sich nimmt. goth. andanêms, δεκτός von andniman δέχεσθαι . ahd. nur nâmi, ginâ…

marktgenehm

DWB

markt·genehm

marktgenehm , adj. acceptabilis in foro: neun malter guter rainer markgenehmer frucht. Lennep lands. 2, 117 ( von 1644).

unangenehm

DWB

unangenehm , adj. adv. , verneintes oder durch un- eingeschränktes angenehm. nl. onangenaam nl. wb. 10, 880; schwed. oangenäm; mnd. unanname…

Ableitungen von genehm (1 von 1)

ungenehm

DWB

ungenehm , adj. ( adv. s. ungenehmlich), gth. von genehm, vorstufe des heutigen unangenehm ( s. d. ), im 18. jh. bis auf die genehm 2 d, e e…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „genehm". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/genehm/dwb?formid=G07890
MLA
Cotta, Marcel. „genehm". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/genehm/dwb?formid=G07890. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „genehm". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/genehm/dwb?formid=G07890.
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