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Freundschaft

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Freundschaft

Bd. 7, Sp. 96
Freundschaft ist das auf gegenseitiger Wertschätzung beruhende und von gegenseitigem Vertrauen getragene freigewählte gesellige Verhältnis zwischen Gleichstehenden. Zwischen Personen, die, sei es äußerlich (in sozialer Hinsicht), sei es innerlich (ihrer geistigen und sittlichen Entwickelung nach) auf sehr ungleichen Stufen stehen, ist eigentliche F. ausgeschlossen, weil sie unmöglich den gleichen Wert füreinander haben können; hier tritt an Stelle derselben das Verhältnis der Gönnerschaft des Höherstehenden zum Niedrigerstehenden (z. B. des »großen Herrn« zum »kleinen Mann«, des reisen Mannes zum Jüngling, des Meisters zum Schüler), das seine Ergänzung findet durch das Respekt s- oder Pietätsverhältnis des letztern zum erstern. Dadurch, daß die Vereinigung eine frei gewählte ist, unterscheidet sich die F. von der zunächst und vielfach ausschließlich durch äußere Umstände bedingten Gemeinschaft des Lebens und der Interessen bei Verwandten, Berufsgenossen etc. Je nach dem, worauf die gegenseitige Wertschätzung begründet ist, kann die F. in verschiedenen Fällen einen sehr verschiedenen Charakter haben. Ihre niedrigste Form ist die, bei welcher der Freund nur des eignen Nutzens wegen gesucht und geschätzt wird, und die darauf abzielt, die äußern Lebenszwecke der Freunde mit gegenseitiger Unterstützung desto wirksamer zu fördern (»Geschäftsfreundschaft«). Nicht viel höher erhebt sich diejenige, die durch das bloße Wohlgefallen am gemeinschaftlichen Umgang bedingt ist, und die man als ästhetische F. bezeichnen könnte (hierher gehören sehr viele Jugend-, insbes. Mädchenfreundschaften, die F. am Biertisch etc.). In diesen Fällen und bei der nur erheuchelten (unechten) F., die in Wahrheit auf die Ausnutzung des Freundes berechnet ist, bestätigt sich gewöhnlich das Sprichwort: »Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot«. Die edelste Form der F., die eigentlich allein diesen Namen verdient, ist diejenige, bei der im Freunde die uns innerlich verwandte geistig-sittliche Persönlichkeit ohne jede weitere Nebenrücksicht geschätzt wird, der wir alle Regungen unsers Seelenlebens mit vollem Vertrauen offenbaren zu dürfen glauben, weil wir auf volles sympathisches Verständnis rechnen; das hilfreiche Zusammenstehen auch im äußern Leben ergibt sich aus dem Gefühl der innern Übereinstimmung und Zusammengehörigkeit als einfach selbstverständliche Folge. Da diese F. wesentlich auf ethischen Eigenschaften und dem entsprechenden Gefühlen und Affekten beruht, kann man sie kurzweg als ethische F. bezeichnen. Während Freundschaften der vorher bezeichneten Art, weil sie einem meist nur zeitweiligen Bedürfnis entsprechen, sehr vergänglich sind, sind solche der letztern Art ihrer Natur nach dauernde, denn sie setzen gereifte, vollentwickelte Persönlichkeiten voraus; um so schmerzlicher wird freilich auch in diesem Falle die Enttäuschung, die bei voreilig (ohne hinlängliche Kenntnis des Charakters des andern) eingegangener F. unausbleiblich ist, und die dadurch bedingte Auflösung der letztern empfunden. Von der (Geschlechts-) Liebe unterscheidet sich die F. durch die Abwesenheit sinnlicher Gefühle und der mit ihnen verbundenen starken Triebe und Affekte. – Bei den alten Griechen und Römern stand im Zusammenhang mit der verhältnismäßigen Geringschätzung der Ehe die F. (zwischen Männern) im höchsten Ansehen; Achilleus und Patroklus, Orestes und Pylades sind als Freundespaare sprichwörtlich geworden, und die alten Philosophen beschäftigten sich eingehend mit der Untersuchung ihres Wesens (eine Zusammenfassung der untiken Anschauungen über dieselbe lieferte Cicero in seinem »Laelius«). Bei den alten Germanen wurden Freundschaften zwischen einzelnen Personen, häufiger noch zwischen ganzen Gesellschaften, auf Leben und Tod geschlossen; die Geschichte unsers Volkes liefert in Konradin, dem Hohenstaufen, und Friedrich von Baden, in Ludwig dem Bayern und Friedrich von Österreich leuchtende Beispiele. Ästhetische Freundschaftsbündnisse (zwischen »schönen Seelen«) waren besonders in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. im Schwange (der »Hainbund«); im 19. Jahrh. hat die Schätzung der F. einen entschiedenen Rückgang erfahren. – Das Gegenteil der F. ist die Feindschaft. Während die Gegnerschaft zweier Personen auf bloßer Abweichung der Anschauungen beruht, tritt zu dieser bei der Feindschaft noch der Wunsch hinzu, die befeindete Person zu demütigen oder zu vernichten. Die leidenschaftlich gesteigerte Feindschaft ist der Haß (s. d.); wenn der Gegenstand der Feindschaft nicht mehr der Vernichtung wert erachtet wird, so entsteht das Gefühl der Verachtung (vgl. Achtung).
4611 Zeichen · 42 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Freundschaft

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Freundschaft , plur. die -en. 1. Der Zustand, da man eines andern Freund oder Freundinn ist, in verschiedenen Bedeut…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Freundschaft

    Goethe-Wörterbuch

    Freundschaft -ff- bis 1786 fast ausschließl, danach eigenh nur 1794 an CHerder B10,198,11 ; auch in Klammerfügungen wie …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Freundschaft

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Freundschaft ist das auf gegenseitiger Wertschätzung beruhende und von gegenseitigem Vertrauen getragene freigewählte ge…

  4. modern
    Dialekt
    Freundschaftf.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Freundschaft f. : 1. wie schd., Freindschaft, Freundschaft, s. Freund [verbr.], Freinschaft [ ZW-Battw ]. Zs. Gast- , Ko…

  5. Sprichwörter
    Freundschaft

    Wander (Sprichwörter)

    Freundschaft 1. Alte Freundschafft ist bald wieder erneuert. – Petri, II, 10. 2. Alte Freundschaft die beste. Ein hebräi…

  6. Spezial
    Freundschaft

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Freund|schaft f. (-,-en) 1 amizizia (-ies) f. 2 conescënza (-zes) f. ✒ Geflickte Freundschaft wird selten wieder ganz na…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit freundschaft

92 Bildungen · 65 Erstglied · 22 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von freundschaft

freund + -schaft

freundschaft leitet sich vom Lemma freund ab mit Suffix -schaft.

freundschaft‑ als Erstglied (30 von 65)

freundschafthaltend

DWB

freundschafthaltend , ein freundschafthaltender mann. pers. baumg. 9, 7 .

Freundschaftleer

Campe

freundschaft·leer

◬ Freundschaftleer , adj . u. adv . 1) Leer an Freundschaft, keine Freundschaft empfindend, dafür nicht empfänglich. »Alle die schmacklosen …

freundschaftlich

DWB

freundschaft·lich

freundschaftlich , benevolus, familiaris, was früher auch in freundlich lag: freundschaftliche aufnahme, behandlung, bewirtung u. s. w. freu…

freundschaftlichteilnehmend

GWB

freundschaftlich-teilnehmend zu freundschaftlich 1 c Capital von freundschaftlich-theilnehmendem Wohlwollen B36,300,14 Nees 2.2.23 → un- häu…

freundschaftpflegend

DWB

freundschaftpflegend , am freundschaftpflegenden tisch. Willamov dithyramben 41 .

Freundschaftsarchiv

GWB

freundschaft·s·archiv

Freundschaftsarchiv Sammlung freundschaftl zugeeigneter Gaben möchten Sie die Blätter [ zu G-s Geburtstag ] in Ihrem F. verwahren und meiner…

freundschaftsband

DWB

freundschaft·s·band

freundschaftsband , n. amicitiae vinculum: ein altes freundschaftsband galt unter diesen geschlechtern; dennoch hat das liebe mensch ein ver…

freundschaftsblick

DWB

freundschaft·s·blick

freundschaftsblick , m. aus seiner groszen seele flog ein holder freundschaftsblick in unsre länder, plötzlich zog schwarz sturmgewölk zurüc…

freundschaftsdrang

DWB

freundschaft·s·drang

freundschaftsdrang , m. dasz diese selbst verspricht im freundschaftsdrange auf immer sich Argiens dienst zu weihn, grande amor pose, e tant…

Freundschaftsfall

Campe

freundschaft·s·fall

○ Der Freundschaftsfall , des — es, Mz. die — fälle , in den Rechten ein Fall, in welchem Freundschaft in Betracht kömmt (Casus pro amico ).

Freundschaftsflamme

GWB

freundschaft·s·flamme

Freundschaftsflamme iSv durch gemeinsame Interessen begründete freundschaftl Gefühle idWdg ‘die entzündete F. nähren und anfachen’ B25,108,2…

freundschaftsgabe

DWB

freundschaft·s·gabe

freundschaftsgabe , f. eine syring abstufend in siebentönigem schierling hab ich, die einst Damötas zur freundschaftsgabe mir darbot. Voss V…

Freundschaftsgefühl

GWB

freundschaft·s·gefuehl

Freundschaftsgefühl [ in Hinblick auf Boisserées Mitwirkung am Zustandekommen des Kontrakts für die Ausg.l.H. ] empfehle .. diesen .. Fall I…

freundschaft als Zweitglied (22 von 22)

Saunafreundschaft

RDWB1

Saunafreundschaft f дружба двух политиков, которые проводят вместе досуг (ходят в баню или на охоту, играют в теннис и т.д.)

gastfreundschaft

DWB

gastfreund·schaft

gastfreundschaft , f. hospitalia officia Henisch 1368 ; er hat damals unsere gastfreundschaft genossen; gastfreundschaft üben. Campe. er gib…

Hoffreundschaft

Campe

hoffreund·schaft

Die Hoffreundschaft , Mz. die — en . 1) Die Freundschaft wie sie bei Hofe zu sein pflegt. S. Hoffreund . 2) Х Freunde bei Hofe. Er hat mehre…

Kinderfreundschaft

Wander

kinderfreund·schaft

Kinderfreundschaft Kinderfreundschaft ist Wasser in einem Korbe. Dasselbe behaupten die Spanier von der Liebe kleiner Kinder. ( Reinsberg VI…

Rückfreundschaft

DRW

Rückfreundschaft, f. zu Freundschaft (I) der rückfallberechtigte Teil der Verwandtschaft daß auf seithen der ruckh freundtschaft die erbfaͤh…

Seitenfreundschaft

DRW

seitenfreund·schaft

Seitenfreundschaft, f. Verwandtschaftsverhältnis in der Seitenlinie bdv.: Seitenverwandtnis, Seitwärtsfreundschaft kan die nächste blutsfreu…

Sippfreundschaft

DRW

sippfreund·schaft

Sippfreundschaft, f. wie Sippigkeit die andern sind vnflatskinder genempt, die von eelichen personen vsserthalb der ee, deßglichen von geist…

stieffreundschaft

DWB

stief·freundschaft

stieffreundschaft , f. 1) verwandtschaft infolge einer zweiten oder späteren heirat, s. Kramer 2 (1702) 970 a : wer aber wollt, mocht die si…

unfreundschaft

DWB

unfreund·schaft

unfreundschaft , f. , gegentheil der freundschaft; ahd. unfriuntscaf ( inimica, contraria; zur persönlichen bed. s. th. 4, 1, 1, 168, 4; Hey…

volksfreundschaft

DWB

volksfreund·schaft

-freundschaft , f. , jetzt ungewöhnlich für volksfreundlichkeit: unter der larve der volksfreundschaft Forster schr. 9, 31 . —

Ableitungen von freundschaft (5 von 5)

gefreundschaft

DWB

gefreundschaft , f. verwandtschaft. Kurz Sonnenw. 163 .

unfreundschaft

DWB

unfreundschaft , f. , gegentheil der freundschaft; ahd. unfriuntscaf ( inimica, contraria; zur persönlichen bed. s. th. 4, 1, 1, 168, 4; Hey…

unfreundschaftlich

DWB

unfreundschaftlich , adj. adv. , nicht oder wenig freundschaftlich. für unfreundlich 4. am häufigsten im gemeinen leben, härtere ausdrücke z…

urfreundschaft

DWB

urfreundschaft , f. , fr. der urzeit Gervinus gesch. d. d. dicht. 4, 348 . —

verfreundschaften

DWB

verfreundschaften , verb. freundschaftlich verbinden: ja in disem handel und allen andern dingen, heisz ich, so fast mir ( wir ) mögen, die …

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APA
Cotta, M. (2026). „freundschaft". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/freundschaft/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „freundschaft". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/freundschaft/meyers. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „freundschaft". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/freundschaft/meyers.
BibTeX
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