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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

dürr

Bd. 2, Sp. 1735
dürr dürre, adj. und adv. entsprechend dem lat. torridus. goth. þaúrsus, ahd. durri Graff 5, 200, mhd. dürre durre Ben. 1, 322b, altsächs. þurri, niederd. dörr Schambach 46a, niederl. dor dorre Kramer 71b. Teutonista 77a. ags. þyrr, altnord. þurr, schwed. torr, n. tör. vom 15 ten jahrhundert an schwanken die formen, bis in der letzten zeit dürr fast allein gilt. dirr Keller Alte schwänke nr. 16. dur durre turre Voc. theut. 1482 hh 3b, derr f 5a, trucken dorre Eychman [] Voc. pred. Bb ij, durr Voc. incip. teut. d 4, dirr Serranus Synon. 52c, dürr Dasypod. 317b, Maaler 93b, dürre, selten durr dorre dörre Luther, durr turr dürr dürre dörre Henisch 776. dürr Schönsleder L 5, dörr H. Wolgemut, durr Comenius Orbis pictus 1, 222. dürr dürre Stieler 351, dürr Rädlein 209b. Frisch 1, 202b, dürr dirr dörre Steinbach 1, 285, dürre Nieremberger Ll 2, bair. durr Frommann Mundarten 4, 441. vergl.dürren. in zusammensetzungen, beindürr, hundsdürr, klapperdürr, rippendürr, spindeldürr, winddürr, zaundürr. 11. eigentlich. 1@aa. ausgetrockent, verdorrt, weil die natürliche feuchtigkeit geschwunden ist, aridus, exsuccus. (der) an tregt zwei eng dirr schuch Keller Alte schwänke nr. 25. dirr holz, dirr machen, dirr werden Serr. Synon. 52c. nim ein dürrs prot als grosz als ein nusz Kochbuch in Haupts zeitschr. 9, 370. besser ist es essen ein stück dürres brot mit friden weder (als) haben vil hausrats in unfriden Keisersberg Sünden des munds 42b. und umgab den nestbaum (auf dem das nest stand) mit durrem holz und stupfeln und zundet die an Steinhöwel 31b (1551). durre unnutz astel oder zweig Voc. incip. teut. d 4. durr und hert werden obrigescere das. durrer prant torris, lignum adustum das. dürrn leberen jecus avidum Maaler 93c doch sollen sie (die narren) sich des vermessen, das sie des flächlins (mit wein) nit vergessen, dann in ir leber und geschirr von loufen liegen würt ganz dürr Brant Narrensch. 80, 28. darnach giengen auf sieben dürre ehern, dünne und versenget 1 Mos. 41, 23. wenn ir sein werdet wie eine eiche mit dürren blettern und wie ein garte on wasser Jesaia 1, 30. wie ein dürr blatt am feigenbaum 34, 4. sihe ich bin ein dürrer baum 56, 3. das ich (der herr) den dürren baum grünend gemacht habe Hesekiel 17, 24. und wil in dir ein fewr anzünden, das sol beide grüne und dürre bewme verzehren Hesek. 20, 47. denn gleich als wenn die dornen so noch in einander wachsen und im besten saft sind verbrennet werden wie ganz dürr stro Nahum 1, 10. wiltu wider ein fliegend blat so ernst sein und ein dürren halm verfolgen Hiob 13, 25. das deine bletter verwelken und deine früchte verderben und auch dermaleinst werdest wie ein dürrer bawm Sirach 6, 2. und worfen imer zu schwefel und pech und werg und dürre reiser Gebet Asariä 46. als aber die sonne aufgieng, verwelket es (die aufgegangene saat), und dieweil es nicht wurzel hatte, ward es dürre Matth. 13, 6. dann die zeit zu erndten ist komen, denn die erndte der erden ist dürre worden Offenb. Joh. 14, 15. durr werden oder trockenen Maaler 93b. Schönsleder L 5. Henisch 777. fast dürr sein arere Maaler 93b. ein dürr kraut herba arida 93c. dürr flugspän das feuwr zu machen das. fast (sehr) dürre ähere aristae aridae das. ein dürrer mund das. durst kommt vom dürr und dürresten Fischart Garg. 84b. die wurzel gibt ein gummi, wann sie dörr wird Lonicerus bl. 284. da sie (die schlange) nun drei tag da gerast, getrawrt, gedürstet und gefast dasz sie die zung kaum regen kunt, so heisz und dürr war ihr der munt Rollenhagen Froschm. P ij. (ich will) nur die dürr zung machen nasz (wasser trinken) Nn v. eine dürre rauche zungen haben bei der bräune Henisch 778. das maul ist so dürr dasz ihm die zunge als ein alter pelzfleck an dem gaumen herum zappelt Chr. Weise Erznarren 305. dürrer (harter) käs Henisch 777. Stieler 351. Steinbach 1, 285. dürrer was cespes retorridus, torf Henisch 777. den dürren wasen brennen das. wir messen dürre sachen (getreide) mit dem scheffel Comenius Orbis pictus 1, 263. an bäumen hingen dürre äst Wolgemut Esopus 2, 369. man musz mit schmieren wie dürren thüren (thürangeln), so advocaten zum meisten rathen, solln schweigen thüren, sie reden führen Logau 3. 3, 45. der zauberer spricht zu seinem knaben steck an die dürre hand (eines todten)! so lang als hier vor uns die lichten finger brennen, müsz uns kein fremdes aug erkennen Gryphius 1, 59. [] wenn das pulver recht dürr und trocken ist Comenius Orbis pictus 2, 255. das heu ist dürr genug Rädlein 209a. Nieremberger Ll 2. äste dürr die flackernd brennen Göthe 41, 310. und des lebens letzter funken glimmt am dürren tachte kaum Bürger. der dürre stab kann zweige treiben in des glaubens hand Schiller 442b. sprichwörter und redensarten. denn so man das thut am grünen holz, was wil am dürren werden? Lucas 23, 31. Henisch 777. es ist kein holz so dürr, es raucht, wenns ans feuer kommt Henisch 778. dürr holz unten im feuer friszt das grüne oben auf Simrock 1739. dürres und grünes (alles) versagen Henisch 777. die schrift versagt inen durres und grünes, schlegt inen ab alle gnad S. Frank Baum des wissens 139. darumb ob sie (gottes liebe) schon erzürnt, schlegt, verwundet, ja dürrs und grünes versagt ders. Paradoxa 32b. das maul ist ihm dürr er will nicht reden. ich bin ein arm mensch, sprichstu, wan ich im (dem fürsprech, advocaten) ein blaphart (blappard dreikreuzerstück Henisch 404) gib, so kan er nit reden (weil es zu wenig ist), stet da und ist im das maul dürr, er spützt aus oder zelt die paternosterkorn Keisersberg Sünden des munds 41a. wann ich bäte, so macht er mir den mund dürr läszt er mich nicht zum wort kommen Pauli 53. die dürren brüder nennt man die am galgen hangenden. 'ich hetsche (rutsche) auch mit', sprach jener wirt, färt man mit seinen gästen an galgen zun dürren brüdern in den feldorden S. Frank Sprichw. 2, 10b. wer sich sein selber nicht kan maszen, von böser gwonheit lassen, den musz man in ein kloster globen zun dürren brüdern hoch dort oben, da man mit leitern steigt ins chor B. Waldis Esopus 259b. doch wo war Ludwig itzt! er sasz bei vollen fässern, fern von des herrn geschrei den dürren hals zu wässern Zachariä Schnupftuch 3, 70. der begriff wird in zusammensetzungen gesteigert, beindürr, kiesdürr, klapperdürr, knochendürr, krachdürr, rappeldürr, sanddürr, scherbendürr, steindürr, stockdürr, zaundürr, zaunhageldürr, zaunmarterdürr; vergl. Frommann Mundarten 4, 441. 5, 190. Schmeller 1, 290. 1@bb. austrocknend, dürre verbreitend. es kommt ein dürrer wind über dem gebirge her Jerem. 4, 11. als aber die sonne aufgegangen war, verschaffte gott einen dürren ostwind Jona 4, 8. so wuchs dem krieg ein brauch (beute zu machen), drausz, wie von einer zieg ein schädlich dürrer rauch für kraut und bäume fuhr (eine pflanze, beim abfressen von dem athem der ziege berührt, verdorrt) Logau 1. 3, 80. wan oft der heisze hund (hundsstern) mit seinen dürren flammen und Phöbus goldne glut dann feuren stark zusammen 1. 8, 99 s. 193. 1@cc. dürr nennt man einen boden auf dem nichts wächst, weil er von natur steinig, sandig ist, weil er zu hoch liegt; vergl. dürrbrünstig. im dürren sand wächst nichts. auf dem dürren feld wachsen nur einzelne grashalme. in der wüsten, in der dürren einöde 5 Mos. 32, 10. wo ist der herr der uns aus Egyptenland füret und leitet uns in der wüsten, im wilden ungebeneten lande, im dürren finstern lande, im lande da niemand wandelt noch kein mensch wonet? Jerem. 2, 6. gepflanzt in der wüsten in einen dürren ort Hesekiel 19, 13. wie eine wüste und wie ein dörres land Hosea 2, 3. Ninive wird er öde machen, dürr wie eine wüste Zephania 2, 13. wenn der unsauber geist von dem menschen ausgefaren ist, so durchwandelt er dürre stete, suchet ruge und findet sie nicht Matth. 12, 43. dürr, trocken, mager und unfruchtbar feld Maaler 93b. das dürr sand arenae arentes das. ein dürrer und trockner boden 93c. indesz der falsche mohr, bei raub und blut erzogen, um dürre klippen lauscht Opitz 1, 46. er (der gott vertraut) geht, wann über ihm die wolken flammen speien, getrost an deiner vaterhand, getrost durch dürre wüsteneien und brennend heiszen sand Uz 1, 313. der durchwühlt mit goldnem pfluge mühsam einen dürren boden Herder. wie ein entsetzlicher brand die gewundenen thale durchwüthet, hoch im dürren gebirg Voss Ilias 20, 489. [] 1@dd. dürr ist der boden und unfruchtbar, weil er kein wasser hat. sihe, wenn er das wasser verschleuszt, so wird alles dürre, und wenn ers auslasset, so keret er das land umb Hiob 12, 15. in eim trocken und dürren lande, da kein wasser ist Psalm 63, 2. er öffnet den felsen, da flossen wasser aus das beche liefen in der dürren wüsten 105, 41. und er das trocken widerumb wasserreich machte und im dürren lande wasserquellen 107, 35. Jesaia 41, 18. wo es zuvor trocken ist gewesen, sollen teiche stehen und wo es dürre gewesen ist, sollen brunnequellen sein Jesaia 35, 7. denn er scheuszt auf fur im wie ein reisz und wie eine wurzel aus dürrem erdreich; er hat keine gestalt noch schöne 53, 2. ein dürrer garten den man wässern musz Henisch 777. was dünkt dich dasz ein quell bald reich an wasser rinnt, bald dürr und trucken ist? Opitz 1, 46. dürre wiesen, dürre weide Nieremberger Ll 2. 1@ee. von der sonnenhitze ausgetrocknet, denn deine hand war tag und nacht schweer auf mir das mein saft vertrocknete, wie es im sommer dürre wird Psalm 32, 4. nun aber gibstu, gott, einen gnädigen regen und dein erbe das dürre ist, erquickestu 68, 10. meine seele dürstet nach dir wie ein dürre land 143, 6. du demütigst der frembden ungestüm, wie die hitze in einem dürren ort Jesaia 25, 5. der regen wol kompt, wenn es dürre ist Sirach 35, 26. ein vast dürrer oder heiszer sommer Maaler 93c. der dürre aprill ist nicht der bawren will, sondern des prillen regen ist ihnen gelegen Kalenderspruch aus dem 16 ten jahrhundert; s. Gödeke Elf bücher deutscher dichtung 1, 216a. in einem dörren sommer heisz dasz eim jeden auszbrach der schweisz Wolgemut Esopus 2, 358. ein dürres jar thut in Teutschland nicht so groszen schaden als in Welschland Henisch 777. ein regen kompt wol wenn es dürre ist 778. eine dürre zeit eine regenlose Henisch 777. Schambach 46a. ein dürres jahr annus sitiens Steinbach 1, 285. Nieremberger Ll 2. dürre äcker agri sitientes Frisch 1, 202b. ir plagt euch mit dürrer zeit Amos 4, 9. lob ihn im regen und in dürrer zeit Ew. v. Kleist 1, 9. die blumen welken (von der tageshitze) hin und träge in dürren ufern schleicht der bach Boie Götting. musenalm. 1770. die dürrsten anger werden bunt, mit gras und blumen bedeckt Haller. bildlich. die sehnsucht macht dürres wetter Wiedemann März 16. 1@ff. getrocknet zum aufbewahren; man sagt es von getrockneten früchten. apfelschnitze werden in den wärmern gegenden auszer durch feuerhitze auch durch sonnenhitze getrocknet, indem man sie geschält an einen faden reiht und vor das haus an die wand hängt. dürres obst oder gebacken obst Stieler 75. er sol weder frische noch dürre weinbeer (rosinen) essen 4 Mos. 6, 3. dürr feigen die man durch das ganze jar behalt Maaler 93b. Henisch 777. Steinbach 1, 285. dürre birn oder äpfel, hutzel Rädlein 209b. dürre weintrauben, rosinen, zibeben das. 1@gg. geräuchert zum aufbewahren, vom fleisch. dürres fleisch Schmeller 1, 290. dürre gänse, dürre lachse (im jahr 1585) Rommel Geschichte von Hessen 4. 1, 750. jetzt ist all frewd schir mit mir aus, all tag zu mark gabt so vil geld dasz ich uns mancherlei bestellt; jetzt han wir kaum ein dorren schinken; musz oft den sawren covent trinken Wolgemut Esopus 2, 241. s. dürrfleisch. 1@hh. mager, abgemagert, zusammengeschrumpft. durr und mager Eychman Voc. pred. B iiij. Voc. incip. teut. d 4. ein dürrer hitziger mensch cholericus das. alsbald die runzeln komen und die hawt dürre und weit wirt Albr. v. Eybe 7b. alse he (Christus) selber sprichit 'ich bin durre worden alse ein grîve' Hermann v. Fritzlar s. Mystiker 1. 53, 29; vergl. Marienlieder in Haupts zeitschr. 10. 27, 29. meine gebeine sind dorre gebraten wie eine griebe Luther 1, 35a. sie haben nichts, gehen und sehen wie die dürren geister 3, 336. und nach inen (den fetten) sahe ich andere sieben dürre, seer hesliche und magere küe heraus steigen 1 Mos. 41, 19. ists (das rind oder schaf) blind oder gebrechlich oder dürre oder [] reudicht oder schebicht 3 Mos. 22, 22. er (der herr) seuget mich (den kranken) dürre aus: du machsts mit mir zu ende den tag vor abend Jesaia 38, 12. nu aber ist ir gestalt so tunkel für schwerze das man sie auf den gassen nicht kennt: ir haut henget an den beinen, und sie sind so dürr als ein scheit Klagel. Jerem. 4, 8. und da war ein mensch des rechte hand war verdorrt, und sprach (Jesus) zu dem menschen mit der dürren hand 'stehe auf und trit erfür' Lucas 6, 8. in welchen (hallen) lagen viel kranken, lamen, dürren Joh. 5, 3. dürr und mager schenkel Maaler 93b. die dürren schweine mag man aus dem land wol vertreiben und verkaufen Krenner Bair. landtagshandl. 16, 353. so dürr, on macht und also mager B. Waldis Esopus 186a. ein dürres steinaltes mütterchen Musäus 1, 103. würde das alte dürre weib Heimweh mir nicht auf allen meinen wegen nachschleichen M. Hauser Wanderbuch eines östreichischen virtuosen (1859) 1, 108. s. dürrbäuchig. dürrbein. der abgemagerte tod steht rechts, der dicke narrenfresser links, in scheuszlicher gestalt, so ich dem dürren thu entgehn, fall ich dem faisten in die zähn H. Sachs 1, 535d. sag mir, du königssohn Ammon, was lieget dir so heftig an das du bist so schnacket und hager, so bleich, dünbacket, dürr und mager, nimbst von tag zu tag also ab? 3, 91a. der (Cartheuser) sagt 'ir lieben freund, ich han auf erd den aller hertsten orden, desz bin ich dürr und mager worden' 4. 3, 62b. durr, mager, auszgemergelt Henisch 777. Schönsleder L 5. von mir, schier dürren greisen, nu mehr so alt und kalt Weckherlin 653. ein dürres pferd equus macie corruptus Steinbach 1, 285. dürre werden für liebe, für neid Nieremberger Ll 2. ach, käm er nur, der dürre knochenmann, er sollt ihr (der Luna) liebling sein! sie wollte mit entzücken sein faul geripp an ihren busen drücken! Wieland Endymion v. 573. dürrer knochenmensch Hupel Liefl. idiot. 54. drum trink und schmause wer nur kann: bald schlägt der dürre sensenmann, der keinen spasz jemals verstand, uns glas und pfeifen aus der hand. Chr. Fel. Weisze Komische opern 2, 152. sie waren dazumal ein biszchen dürre und kreideweisz: itzt sehen sie so fein rothbäckicht wie ein Borstorfer äpfelchen aus und sind so hübsch quatschlicht 3, 186. Cook war ein dürrer hagerer mann Lichtenberg 4, 175. ein dürres grämliches männchen Engel Philos. für die welt. der satyr hüpft nun hintendrein mit ziegenfusz und dürrem bein; ihm sollen sie mager und sehnig sein Göthe 41, 55. sie darf nur ihre dürre hand zum fenster hinaus strecken, so zittert der ganze hof Kotzebue Dramat. sp. 3, 232. top top! die dürre hand werd ich zum tanze reichen 8, 125. dürre wangen, graue locken Uhland Ged. 293. die lippen sind dürr und der blick ist kalt, die bleiche wange verfallen und alt A. Grün Ged. 383. sprichwörter. dürre und gesund, leicht von tugend und mit geld unbeschwert ist armer gesellen spruch Petri Sprichw. S ij. dürr und gesund lauft hindurch wie ein jägerhund Simrock 1741. dürre wie eine schindel Weinhold Schles. wörterb. 16b. dürre wie ein verheiratheter sperling das. s. klapperdürre. spindeldürre. 22. uneigentlich. 2@aa. gering, dürftig, armselig. da er auf ein wenig stro im ein dürr bettlin macht Bocc. doch nicht fand ich die kost so dürr und mager wie sein wort Lenau Neu. ged. 105. auffallend ist diese bedeutung in folgender stelle. ein reiher spricht welch schicksal dasz ich nun blosz eine dürre schnecke nach meiner langen wahl entdecke J. A. Schlegel Fabeln 270. die schnecke ist gerade fett und man sagt bildlich schneckenfett. meist in geistiger beziehung. gerûche mîn durre herze salven dat ich ouch engrûne allenthalven Marienlieder in Haupts zeitschr. 10. 2, 7. [] unsere seele ist dürr Keisersberg Sünden des munds 16a. ein dürrer trostloser mensch ders. Irrig schaf. ich sprich zum dritten dasz eim sollichen dürren mönschen not ist das er sitz bei dem weg und bettel von unserm fürgonden herren Jesu das liecht der gnaden E iij. es stehet dürr genug das mit bitten krieget (erlangt) ist emere malo quam rogare Henisch 777, vergl. kahl. du hast dir seine macht zu dürre vorgemalet; nun wirst du recht bezahlet. ein feind den man verlacht, der hat auf seiner seite schon halben sieg und beute Tscherning Ged. 325. unbelebt, geistig leer, stumpf, gehaltlos, trocken, kahl. ein schulfuchs hofft mit dürren gründen den beifall aller welt zu finden Hagedorn 3, 32. dürre unfruchtbare orthodoxie Zimmermann. er predigte so dürr und strohern Kosegarten. die wiederholung desselben dürren gedankens, die so manchen frischen unterdrückte J. Paul Flegeljahre 4, 9. mit kalten dürren augen, wie ein stabswundarzt, über das ganze wundenfeld der menschheit schreiten ders. Komet 1, 20. dürre geschäfte haben mich eine weile aus ihrer nähe gebannt Iffland Dramat. werke 11, 114. 2@bb. unabänderlich, ungemildert, hilflos, hoffnungslos. nâch Gamuretes tôde lebe ich in dürrem herzesêre Jüng. Tit. 1064, 4. nach dir, herr, dürstet mich in diesem dürren harme, wie ein entsaftet land das sich zum himmel neigt und der erzürnten burg die tiefen risse zeigt Fleming 27. wen acker, ochse, weib hier in der welt macht sat, der schaw dasz er nicht dort den dürren mangel hat Logau 1. 9, 44. erst als er (der fieberkranke) wieder besser wurde, das heiszt als seine kräfte erschöpft waren, sah Wilhelm mit entsetzen in den qualvollen abgrund eines dürren elendes hinab, wie man in den ausgebrannten hohlen becher eines vulkans hinunter blickt Göthe 18, 120. 2@cc. ohne weiteres, ohne umstände, ohne einleitung, geradezu. Mose hebt dürr an wie gott Abraham rufet Luther 4, 73b. nimpstu mir darumb mein gut oder leib, so hast du es einem andern genomen denn mir, dem du es dürr bezalen must 6, 4b. er hat mirs also dür abgsagt das ich in nit me wol darf bitten Joh. der täufer trag. L viii. man hat mirs dürre getränket ein Hayneccius Hans Pfriem 5, 5. daran schlieszt sich 2@dd. offen, klar, einfach, unverhüllt, ungeschminkt, und so gelangt das wort zu einer edlern bedeutung. die dürren natürlichen wort Luther 3, 286b. ob man inen gleich die warheit so helle und dürre fürlegt das sie es greifen möchten 3, 308. mit dürren kurzen worten das. wie doch die dürren hellen wort da stehen 3, 338. sie solten Amalek gar vertilgen, dürr und rein abe, nicht ein vieh, schaf leben lassen 4, 84b. sihe, so bawet s. Paulus auf diesen text seine predigt, füret in dürr, rein und stark 4, 91. da stehet ja die schrift dürr und klar das. Christus setzt dürr das widerspiel 5, 441a. er hat uns nicht im zweifel gelassen sondern dürr und klar abgemalet 5, 448b. darumb mus er ja rein sein von allem meinem wesen, leben und thun, und dürre beschlossen das er etwas anders ist denn unser leben aus reinem herzen und gutem gewissen für den leuten geführt 6, 41b. wir haben nicht mum mum gesagt noch unter dem hütlein gespielet, sondern da stehen unser helle durre freie wort on alles tunkeln und mausen 6, 108a. denn da stehen die hellen dürren wort die jederman vernemen und fassen kan 6, 175b. das ist abermal ein dürrer heller text von der gottheit Christi wider die Arianer, wiewol sie sich doch unterstanden haben ein loch dadurch zu boren 6, 180b. darüber ich seer gerne wolt ewr richtig und dörres urteil haben 6, 331a. und sind hie nicht tunkele noch deuteldürftige wort, sondern dürre und helle 8, 1b. und in ein durre antwort gab Berlin. meisterlieder 23. nr. 243. die zunge die spaziert den weg durch lauter lob, lobt was sich nicht gebührt und lästert was doch taug, und tauscht für fette lügen die dürre wahrheit aus Logau 3. zugabe s. 215. der dürre buchstabe der gesetze Möser Patriot. phantas. 1, 51. der alte fing nun an nach den süszen geheimnissen der liebe [] mit dürren worten und in hergebrachten trocknen formeln sich zu erkundigen Göthe 18, 73. wie wohl man seine gedanken, seine worte auszulegen wisse; welches man freilich ihm nicht gerade mit dürren worten zu erkennen geben konnte 31, 153. und da das eigensinnige mädchen unbeweglich blieb, erklärte sie ihr endlich mit dürren worten dasz sie entweder gefälliger sein oder selbst für ihren unterhalt sorgen müszte Wieland 3, 260. am häufigsten ist die redensart dürr heraus sagen, reden wie frei, rein. denn er sagt durre eraus 'es sol dem ungleubigen nichts gelingen' Luther 3, 243b. er sagts dürre und frisch eraus wie es an im selbs ist 3, 342. man musz in nicht leren 'gleube den leib den Christus meint', sondern frei und dürre daher sagen ob er mit dem munde eitel brot und wein enpfahe 6, 106a. (David) spricht durre daher er müsse böse lerer und falsche regirer tilgen und ausrotten 6, 165a. wöllens inen dürr herausz sagen und kein blatt fürs maul nemen ders. Tischreden 301a. und sagt dürre heraus 'schickt mich immer unter die erden hin ins grabe' 2 Maccab. 6, 23. eim soltus dürr mit worten sagen, dem andern wol die haut vol schlagen Scheit Grobianus P iij. verzeih es was die noth mich dürr ausreden lehrt A. Gryphius 1, 27. und, mag ichs dürr aussagen, was hat Cardenio nach mir und ihm zu fragen? 1, 238. die dürre wahrheit frei heraus sagen scapham scapham appellare Nieremberger Ll 2. vergl. dürrhin. 2@ee. keck, verwegen. sunst ist es ein stark fürschrettig (vierschrötig) verwegen volk (die Norweger), daz bald hinan gehet und dürr wagt; gibt darunder vil mörrauber Frank Weltb. 60b. si (die mohren) lassen sich ee erwürgen dann das si flüchtig werden. si entsetzen sich nit ab dem todt, und wagen es, wie das vihe das von keinem andern leben weiszt, dürr und dapfer 265a. unsere sind, mit gewaltiger hand frefenlich und dürr gewagt, zusammengelaufen, ziehen ihm (dem feind) entgegen Buch der liebe 206, 2. ei du dürrer bösewicht! Otho Melander jocorum et seriorum libri duo 2, nr. 755. 2@ff. man sagt von dem reinen quellwasser es sei hart im gegensatz zu dem weichen fluszwasser. in jenem sinn wird auch dürr gebraucht. der Schwarzwald hat sunderlich dörr oder rösch (frisch) wasser und bäch Münster Cosm. 856. 2@gg. im bergbau sind dürre erze solche, die kein blei enthalten Scheuchenstuel 61. Gätzschmann Bergm. ausdrücke 21. dürre kluft eine unausgefüllte, erzleere kluft das. 21.
22623 Zeichen · 433 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Dürradj., adv.

    Campe (1807–1813) · +5 Parallelbelege

    Dürr , — er, — ste, adj. u. adv. 1) Der innern Feuchtigkeit beraubt, besonders, wenn dies durch die Wärme geschehen ist.…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    dürr

    Goethe-Wörterbuch

    dürr 1 trocken a von Pflanzen(teilen), versch organ Substanzen od Produkten: verdorrt, welk, ausgetrocknet; auch: unbegr…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Dürr

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Dürr , Wilhelm , Maler, geb. 9. Mai 1815 zu Villingen in Baden, gest. 7. Juni 1890 in München, wurde von seinem Vater na…

  4. modern
    Dialekt
    dürr

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    dürr [ter u. tìr S. O. U. ] Adj. 1. dürr, mager. Vgl.: D. wie Glas Steinbr. , wü e Schit K. Z. , wie n-e Hund Ruf. Er is…

  5. Sprichwörter
    Dürr

    Wander (Sprichwörter)

    Dürr 1. Dürr vnd gesund, laufft hindurch wie ein Jaghund. – Gruter, III, 24; Lehmann, II, 88, 213; Simrock, 1741. 2. Dür…

  6. Spezial
    dürr

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    dürr adj. 1 (ausgetrocknet) sëch (sëc, sëcia) 2 (verdorrt) secé (seciá, seciada) 3 (verwelkt) sëch (sëc, sëcia) 4 (mager…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit duerr

213 Bildungen · 150 Erstglied · 59 Zweitglied · 4 Ableitungen

duerr‑ als Erstglied (30 von 150)

dürrach

DWB

duer·rach

dürrach durach, n. der ort wo die bäume auf dem stamm abgestorben und dürr geworden sind. Salzb. waldord. 34. 45. 46. Schmeller 1, 391 .

Dürrarsch

PfWB

duerr·arsch

Dürr-arsch m. : 1. 'großer, hagerer Mensch', Däʳʳaʳsch [ KB-Kriegsf ]; 'abgemagerter Mensch' [ LU-Opp KL-Weltb ]; vgl. PfWB Dörrfleischreise…

dürrarschig

PfWB

duerr·arschig

dürr-arschig Adj. : ' dürr, mager ', däʳʳaaʳschich [ KL-Lind Hoheck PS-Burgalb O'simt ]. Schimpfw.: däʳʳaaʳschicheʳ Hund, -schichi Rehgääß (…

dürrbäckig

PfWB

duerr·baeckig

dürr-bäckig Adj. : 'hohlwangig', Er isch so däʳʳbäckich, daß er e Gääß zwische de Härner kisse oder aus'm Fuhrglääs (Fuhrgeleise 'Radspur') …

dürrbäuchig

DWB

duerr·baeuchig

dürrbäuchig , adj. und adv. dünnleibig, macilentus, im gegensatz zu dickbäuchig Stieler 107 .

dürrband

DWB

duerr·band

dürrband , n. zertheilendes pflaster Schmeller 1, 391 . s. DWB darrband .

dürrbein

DWB

duerr·bein

dürrbein , n. 1 1. der ein mageres bein hat, das gleichsam nur aus haut und knochen besteht. in der Wetterau rufen die kinder dem raben spot…

dürrbeinicht

DWB

duerr·beinicht

dürrbeinicht , adj. und adv. der keine waden hat. ob man gleich den dürrbeinigten mannspersonen mit falschen waden durch die kunst zu statte…

Dürrbeinig

Campe

duerr·beinig

Х Dürrbeinig , — er, — ste, adj. u. adv. dürre oder dünne Beine habend. Die Dürrbeinigkeit.

†Dürrbir

ElsWB

duerr·bir

PfWB LothWB RhWB † Dürrbir f. gedörrte Birne. ‘ein sester drrbieren’ Mosch. II 30.

dürrbrünstig

DWB

duerr·bruenstig

dürrbrünstig , adj. und adv. vertrockent. dürrbrünstig feld carbunculosus ager Maaler 93 c ; vergl. DWB dürr 2 a.

dürre,

FWB

1. ›trockene, niederschlagsarme Witterung, Jahreszeit‹; ›trockener Boden, Dürre als Folge großer Hitze und trockenen Wetters‹; wird aufgrund…

duᵉrreªgenen

WWB

duer·reagenen

duᵉr-reªgenen V. [verstr.] mit Regen durchdringen. Heu es gans dörrehnt ist durch und durch nass ( Kr. Höxter Höx Ab).

dürrecheit

Lexer

dürrec-heit stf. ib. trockenheit Mein. 13,14. Heinr. 721 des sandes durrekeit Roth dicht. 45,33.

Dürre (der)

Wander

duerr·eder

Dürre (der) Ein Dürrer kann noch so viel Kleider anziehen, er wird wol dick, aber nicht fett. Mit Bezug auf Leute von geringem Geistesumfang…

Dürre (die)

Wander

duerre·die

Dürre (die) 1. Grosse Dürre schadet wol, aber sie verdirbt nicht. Holl. : Wat door groote droogte vergaat, kan met nat weêr te regt komen; w…

Duᵉrreise

WWB

duerr·eise

Duᵉr-reise f. [verstr.] Durchreise. — Ra.: Häi es blōß so up de Dörreise stattet nur einen kurzen Besuch ab ( Kr. Minden Min Ha).

dürreisen

DWB

duerr·eisen

dürreisen , n. wie dürrstein, ein strengflüssiger eisenstein der ein sprödes eisen gibt.

dürreiß

DWB2

duerr·eiss

dürreiß m. zu eiße m. geschwür: 1969/75 pfälz. wb. 2,685.

Dürreiß(en)

PfWB

duer·reissen

Dürr-eiß(en) m. : = PfWB Dürre 2 a, Därrees, Pl. Därreese (ˈdärēsə) [verbr. nördl. NPf KL-Nanzdzw PS-Geisbg, s. K. 108], Därres (?) [ RO-Sch…

duerr als Zweitglied (30 von 59)

branddürr

RhWB

brand·duerr

brand-dürr -ǫ-  Zell-Raversbeuren Adj.: sehr mager, dass ‘er brennt’.

britzeldürr

RhWB

britzel-dürr -dęr Westerw Adj.: krachdürr.

gipfeldürr

DWB

gipfel·duerr

gipfeldürr , adj. , ' wenn ein baum von oben herein abdorrt ' Chr. W. v. Heppe wohlred. jäger (1779) 185 b ; die abgestorbenen und gipfeldür…

gippeldürr

RhWB

gippel-dürr (s. S.) Kreuzn , Meis , Birkf , Wend , Simm-Horn [ giwəl- Kreuzn-Stdt ] Adj.: sehr dürr, mager.

griebendürr

DWB

grieben·duerr

griebendürr , adj. : alle ding waren auss mangel regens und übriger hitz grübendürr Seb. Franck chronica 1, 580 ; 'griebedürr sehr üblich im…

haberstrohdürr

DWB

haberstroh·duerr

haberstrohdürr , adj. : die stürmischen winde haben mich so haberstrohdürr aufgetrocknet, dasz es kein wunder ist, wenn meine briefe wie geh…

hundedürr

DWB

hunde·duerr

hundedürr , adj. schmählich dürr ( wie ein windhund ): dein han war hunddürr, zech und alt. H. Sachs 2, 4, 14 c . vgl. hundsmager.

kiesdürr

DWB

kies·duerr

kiesdürr , volksmäszige steigerung von dürr, wie steindürr, sanddürr. Frommann 5, 190 . Schmidt west. id. 98 .

klapperdürr

DWB

klapper·duerr

klapperdürr , dürr zum klappern, eine der vielen volksmäszigen übertreibungen, wie henneb. thür. rappeldürre, rasseldürre, klingdürr, mit ab…

klingeldürr

ElsWB

klingel·duerr

klingeldürr Adj. klapperdürr, von Holz, Getreide, Heu, Früchten Ingersh. Dü. Bf. Das Holz brënnt guet, s is t k. Ingersh.

klinkdürr

RhWB

klink·duerr

klink-dürr -eŋkəndø·r.  MülhRh-Heiligenhs , Sol-Leichl Adj.: sehr mager.

knadderdürr

RhWB

knadder-dürr -dərədȳ·ə.r  Dür Adj.: sehr mager, hager.

knarrdürr

RhWB

knarr·duerr

knarr-dürr -dēər  Bitb-Wissmannsd Adj.: spindeldürr, sehr mager.

knochendürr

RhWB

knochen·duerr

knochen-dürr -dȳ·ə.n, –dȳ·ə.r (s. S.)  Neuw (kurköln.), Sieg , MülhRh , Sol Adj., dass.

krachdürr

PfWB

krach·duerr

krach-dürr , krachen- Adj. : ' ganz dürr, beim Zusammendrücken knisternd '. Das Hai is krachdärr [ KU-Wolfst ], krachedeʳʳ [ HB-Höch ]. SHW …

krummdürr

PfWB

krumm·duerr

krumm-dürr Adj. : ' nach unten gekrümmt und dürr '. Die Gerscht is krummdeʳʳ [ KU-Schmittw/O ]. SHW Südhess. III 1875 .

kuhdürr

RhWB

kuh·duerr

kuh-dürr kī·ə.da·r. Altk-NFischb Adj.: sehr mager.

lattendürr

RhWB

latten·duerr

latten-dürr latsəndȳ·ə.rn  Bo-Mehlem Adj.: sehr mager u. hager.

luftdürr

PfWB

luft·duerr

luft-dürr Adj. : ' an der Luft getrocknet ', insbes. vom Heu, luftdäʳʳ [KU-Bedb Brück RO-Sippf FR-Bockh Tiefth NW-Ellstdt SP-Heiligst LA-Ran…

Ableitungen von duerr (4 von 4)

dürre

DWB

dürre , f. trockenheit ariditas, siccitas, hitze die austrockent, ahd. durrî, mhd. dürre Ben. 1, 322 b . dürre druckne Dasypod. 317 b . dürr…

gedürren

DWB

gedurren , gedürren , wagen, s. DWB gedüren , getürren.

undürre

DWB

undürre , f. underre Keisersberg bilgersch. 14 c . —

verdürren

PfWB

ver-dürren s. PfWB verdörren .