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Blōß

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Adelung
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Blōß

Bd. 1, Sp. 1083
Blōß, -er, -este, adj. et adv. der Decke oder Bedeckung beraubt, besonders von solchen Sachen, welche gewöhnlich bedeckt zu seyn pflegen. 1. Eigentlich. Ein bloßer Degen, ein bloßes Schwert, im Gegensatze dessen, welches in der Scheide steckt. Ein bloßes Messer. Auf der bloßen (unbedeckten) Erde schlafen. Besonders für unbekleidet. Mit bloßen Füßen, mit bloßem Kopfe einher gehen. Brust und Arme waren bloß. Er stand nackt und bloß da. Einen Bloßen schlagen, seines Zweckes verfehlen; eigentlich, so fallen, daß man seine Blöße sehen lasse. S. Frischens Wörterbuch. 2. Figürlich. 1) * Beraubt, als ein Nebenwort, mit der zweyten Endung des Nennwortes. Kein Mensch ist aller Sünde bloß. Vor leide Sten ich froiden blos, König Conrad. Alles trostes wart si blos, Fabeln der Schwäb. Dichter Fab. 57. Wiplicher ere was si blos, Fabeln der Schwäb. Dichter Fab. 53. Doch diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet, und man gebraucht statt dessen entblößet. 2) Besonders, des Schutzes beraubt, unbeschützet, in welcher Bedeutung dieses Wort besonders im Fechten üblich ist. Sich bloß geben, einen Theil seines Leibes unbeschützt lassen, wo man von seinem Gegner verwundet werden kann, und in weiterer Bedeutung überhaupt, seine Schwäche, sein Geheimniß verrathen. Sich gegen jemanden bloß geben, ihm seine Verlegenheit, sein Bedürfniß offenbaren. Der Himmel entriß dir deine Stütze, und nun stehest du selbst den Mühseligkeiten des Lebens bloß, Dusch, du bist ihnen ausgesetzet. Ich verdiente es wohl seinen Vorwürfen bloß gestellet zu werden. In dieser ganzen Bedeutung ist es am häufigsten als ein Nebenwort üblich. 3) Aller andern Eigenschaften, oder Prädicate beraubt, für allem, nichts als; so wohl in Gestalt eines Bey- als auch eines Nebenwortes. Es ist ein bloßer Argwohn, ein bloßes Geschwätz, es ist weiter nichts als ein Argwohn, nichts als ein Geschwätz. Er hat nichts als das bloße Haus. Das bloße Läugnen wird hier nicht helfen. Schon die bloße Vorstellung von einem solchen Glücke entzückt mich. Sie ist noch die bloße Unschuld, Gell. Unter dem bloßen Himmel liegen, weiter nichts als den Himmel zur Decke haben. Die bloß sinnlichen Ergetzungen stillen nie das ganze Verlangen einer unsterblichen Seele, Dusch. Du glaubtest bloß zum Vergnügen für dich zu leben, ebend. Es kommt bloß darauf an, ob sie sich meinen Vorschlag wollen gefallen lassen, Gell. Nicht bloß mit Schein und Farben prangen, Die nur der Pöbel trefflich heißt, Haged. Anm. 1. Von diesem Beyworte kommen der Comparativ und der Superlativ nur selten vor, weil es gemeiniglich eine so vollkommene Beraubung bezeichnet, die keiner weitern Grade fähig ist. Von dem Unterschiede zwischen bloß und nackend, S. das letztere. Um des Nachdruckes willen wird dem Nebenworte bloß zuweilen auch allein beygefüget. Ich suche mein Glück bloß und allein in dem Gedanken von ihm. Bloßer Dingen, bloßerdings, für bloß und allein, ist Oberdeutsch. Anm. 2. Im Oberdeutschen kommt dieses Wort zuerst im Schwabenspiegel vor, wo es blozz und bloz lautet und nackend bedeutet. Doch singt schon Heinrich von der Vogelweide: Ich sanc hie vor den frowen vmb ir blossen gruos. Die Niedersächsische und alle mit ihr verschwisterte Mundarten haben statt des ß am Ende ein t. Nieders. bloot, blaut, Dän. blot, Schwed. blott. Im Altfriesischen ist blot arm. In den Logobardischen Gesetzen kommt blutare für plündern, berauben, gleichsam entblößen, und bey dem Ulphilas blautgan für abschaffen vor. Wachter, Frisch und Ihre leiten bloß von lösen, belösen her; eine Ableitung, welche wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. Das alte las, laus, Schein, und das Zeitwort lassen oder laten, sehen und scheinen, schicken sich weit besser hierher. Bloß bedeutet alsdann eigentlich hervor scheinend. Ein bloßes (ein blankes) Schwert, dessen tödtliche Schneide unbedeckt in die Augen fällt. S. Antlitz, Blitzen und Lassen. Blecken, scheinen, wurde ehedem auf ähnliche Art für entblößet seyn gebraucht, und blank, glänzend, kommt noch jetzt zuweilen für bloß vor.
4029 Zeichen · 70 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Blōß

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Blōß , -er, -este, adj. et adv. der Decke oder Bedeckung beraubt, besonders von solchen Sachen, welche gewöhnlich bedeck…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    bloß

    Goethe-Wörterbuch

    bloß vereinzelt -ss, mehrf -s, letzteres in eigenh Niederschr von G bevorzugt (auch in flekt Formen); Mehrzahl der rund …

  3. modern
    Dialekt
    bloss

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    bloss [plós Hlkr. Ingersh. ; plûs Dü. Illk. ; plôs Bf. ; plùs Logelnh. ] Adv. bloß, kommt nur vor in der allitt. Verbind…

  4. Sprichwörter
    Bloss

    Wander (Sprichwörter)

    Bloss 1. Blosser als ein geschälter Stock. 2. Einen Blossen schlagen. [Zusätze und Ergänzungen] 3. Einen blossen legen. …

  5. Spezial
    bloß

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    bloß I adj. 1 (unbedeckt) descurí (-is, -ides) 2 (nackt) bluder (-dri, -dra), desnü (-s, -da) 3 (einfach) scëmpl (-i, -a…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit bloss

37 Bildungen · 35 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

bloss‑ als Erstglied (30 von 35)

Blossärmelig

RhWB

Bloss-ärmelig Saarbr-Sulzb : mit entblössten A., hemdärmelig.

Bloßam-Arsch

PfWB

Bloß-am-Arsch m. : = Bloßarsch , Bloßemaasch [ LU-Friesh NW-Wachh ].

bloßarmig

PfWB

bloss·armig

bloß-armig Adj. : ' mit unbekleideten Armen ', bloßaaʳmich [ KL-Hütschhs ].

Bloßarsch

PfWB

bloss·arsch

Bloß-arsch m. : 1. a. 'entblößtes Gesäß', Bloßḁḁʳsch [ KU-Schmittw/O LU-Opp ]. Verhüllend für B.: Vetter vun Bitsch (s. Bitsch ) [Pirmas]; v…

Blossbestes

RhWB

Bloss-bestes n.: in der Wend.: De deht si blotbeste Heinsb .

Blossei

RhWBN

Bloss-ei Geld-Kevelaer n.: Windei.

blossem

KöblerMnd

blossem , F. Vw.: s. blosem

Blossen

MeckWB

Blossen ( -ō- ) Pl. Baumblüten: E. Boll Hs.; de Böme stahn in vullen Blossen Monschr. 1799, S. 1047; de Blossen sünd affollen Sta Gramm ; nd…

bloßfüßig

PfWB

bloss·fuessig

bloß-füßig Adj. : ' mit nackten Füßen ', bloßfißich (-fīsiχ, -fīsiš) [ KU-Kaulb Don-Tscherwk Heufeld Gert Gal-Dornf ] vgl. barfüßig . Du mus…

Bloßgeben

Campe

bloss·geben

○ Das Bloßgeben , des — s, o. Mz. die Handlung, da man etwas bloß giebt. S. Bloß (1).

bloßhaupt

DWB2

bloss·haupt

bloßhaupt adj. (zu A 1 ): n1332 (Mainz) chr. dt. städte 17,357. 1666 Haffner schaw‐platz 2,60.

Bloßherd

Campe

bloss·herd

† Der Bloßherd , des — es, Mz. die — e, in den Bergwerken, ein viereckiger Werktisch oder Waschherd, mit einem Gefäll oder einer Erhöhung, w…

bloßhin

DWB2

bloss·hin

bloßhin adv. (zu B ): 1665 Bucholtz Herkuliskus 645 b . 1803 Jean Paul I 10,307 ak.

bloßköpficht

PfWB

bloss·koepficht

bloß-kopfig , bloß-köpfig , bloß-köpficht Adj. : ' barhaupt ', bloßkoppich (-kǫbiχ) [KU-Lohnw Don-Werb verbr. Penns (s. Buffington Var. 245)…

Bloßkopf

PfWB

bloss·kopf

Bloß-kopf m. : ' Mann, der ohne Kopfbedekkung herumläuft ', scherzh., Bloßkopp (-kǫb) [ KU-Kaulb ], Schimpfwort [ KU-Schmittw/O ]; vgl. bloß…

Bloßkülp

PfWB

bloss·kuelp

Bloß-külp m. : 1. Schimpfwort für einen närrischen Menschen, Bloßkilb [ BZ-Wilgws FR-Eppst ]. — 2. Name eines Berges bei NW-Elmst. — Das Gru…

bloßlegen

LDWB2

bloss·legen

bloß|le|gen vb.tr. 1 (ausgraben) porté a löm 2 (aufdecken, auch ‹fig› ) descurí (descür).

Bloßlegung

LDWB2

bloss·legung

Bloß|le|gung f. (-,-en) condüta ala löm f. , descurida (-des) f. , revelaziun (-s) f.

Bloßlich

Campe

bloss·lich

≠ Bloßlich , adv. in O. D. besonders Schlesien für bloß, nur.

bloss als Zweitglied (1 von 1)

Nacktbloss

Wander

nackt·bloss

Nacktbloss Du bist a rechter Nakblauss. Zu einem Kinde, das nackt und bloss herumgeht. (S. Hemdeschütz, Nachtr.)

Ableitungen von bloss (1 von 1)

Blosse

WWB

Blosse f. ⟨ Blosse ( Ben Hi ), Pl. Blössels ( Ben Eg ), Dimin.: Blössīn ( Ben Hi) ⟩ Blüte. „ Inne Prīmel satten de Miejheäp’n (Ameisen), se …