DWB2
BEILEGEN vb. DWB2
mhd. bîlegen,
mnd. bîleggen, bîlecgen, bîlegen,
mnl. bileggen,
nnl. bijleggen.
zu legen.
vgl. beiliegen. DWB2 DWB21 ‘
dazulegen’. DWB2a
(von adligen personen) ‘
jmdn. (mit jmdm.) verheiraten, jmdm. eine frau zur ehe geben’ ‘
jmdm. eine frau zum geschlechtsverkehr geben’ sich jmdm. beilegen ‘
mit jmdm. geschlechtsverkehr haben’: ⟨u1200⟩ Sîfrit sich leite nâhen der juncrouwen bî
nibelungenlied 18666,1 B./B. ⟨1276⟩ ein elich wip / .. und sich vremden mannen leget bi Brun v. Schonebeck
956 LV. ⟨u1300⟩ an ainem suntage zu nacht, / da legt man im die schonen pey Heinrich v. Neustadt
Apollonius 5925 DTM. ⟨1421⟩ die
(Ludwigs schwester Agnes) wart om
(dem herzog von Österreich) do bey gelegit yn der stat zu Norimbergk mit grosser herschafft Rothe
düring. chr. 351 L. 1481 und so sie viertzehen jair alt worden ist, sail man sie dairnach bynnen dem nehisten halben jahre dairnach folgende elich bilegen
urkb. Ndrhein 4,1,515. 1556 einer .. verkeuffet sein eheweib vmb einen guͤlden einem andern vnd leget sie den abend dem andern bey Sarcerius
disciplin 188b. 1563 daß von dem tag an, do mir mein haußfrauw beygelegt, sie keine nacht one sechs oder sieben malen auffgestanden Kirchhof
wendunmuth 1,380 LV. ⟨v1624⟩ wie .. ihme doch hernach in der hochzeit die andere schwester mit ihren blöden augen beygeleget ward, welche er nicht hatte begehret Böhme
theosophia (1730)17,596 faks. 1652 Phryne .. wurde dem Xenocrati beygeleget, seine keuschheit .. auf die probe zu stellen Harsdörffer
Heraclitus 628. 1778 daß ich eine landfahrerin, die ich von der straß aufgehascht hatte, mir ehelich beylegen ließ Musäus
reisen 2,23. 1810 mit gierigem blick die hochgestalt
(der geliebten) umschweif’ ich, / (sie senkt sich her)
var.: sie legt sich bey Goethe
I 53,562 W. (zu ebd. 5,2,347). 1985
(historisierend:) die beigelegten weiber, scheingesponse / und gegenstände seines leibsvergnügens, / womit er sich zu betten pflegte in / zwar christlicher, doch gleichwohl wilder ehe Hacks
binsen 109. DWB2b ‘
etwas, jmdn. (zu einer sache, zu jmdm.) dazulegen, hinzufügen’; selten auch übertr., vgl. beiliegen 1 b: ⟨1250/4⟩ dez
(gottes) wort sullin úh no
h lieber gar / sin und zartter denne der lip .., / unde legint ez iu noh naher bi Rudolf v. Ems
weltchr. 11614 DTM. 1385 viftich
(soldaten) mit gleuien
(‘lanzen’) .. vppe vnse eghenen koste .. vn̄ dar scolde he viftich mit gleuien by lecgen ok vppe sine eghenen koste
urkb. Braunschw. u. Lüneb. 6,143 S. ⟨1461⟩ hätten aber ihrer zwey gleiche stimme, so haben die merker macht ihre
(stimme) einem beyzulegen und mit zu erwehlen
weist. 3,415 G. 1473 ein feistes huͥndlin oder ein feistes kaͤczlin, vff den magē gelegt sterckt die doͤwung .. aber soͤliche tier also bÿ zelegē ist etwas gruͥlich Steinhöwel
ordn. 37 S. 1551 doch soll man sie
(quitten) nicht behalten an denen orten, da man andere frucht behaltet, dann jhr scharpffer geruch verderbt die bejgelegten fruͤcht Herr/R.
feldbaw 126a. 1643 daß .. dem annoch letzten eines geschlechts schild und helm beygelegt .. und mit jhm begraben werden Harsdörffer
gesprächsp (1641)3,154. ⟨v1678⟩ und geschicht ihre
(der geizigen) seelen-wanderung täglich von gott zu dem mammon; als oft ein frischer thaler denen alten beygelegt wird Butschky
rosen-thal (1679)262. 1719 doch stehet mir ja als einen andern frey, meine meynung auch beyzulegen Ettner
maul-affe 923. 1751 daß die meisten cörper solche feurige theile in sich halten, die hernach, so bald feuer beygeleget wird, entzündet werden Altmann
vers. 72. 1799 dieses .. legt dem ersten bewegungsgrunde .. einen ungleich wichtigern bey Thümmel
reise (1791) 6,371. 1828 der rogen wird beygelegt, so viel er zureichet
[]Meixner
kochb. 549. ⟨1938⟩ der caféwirt. früher hatte er bei bestellung des getränkes aus eigenem antrieb hinzugefügt: und etwas gebäck darf ich beilegen? Kluge
Kortüm (1954)221. ⟨1947⟩ ich sorge auch gleich dafür, daß dir noch zwanzig pfennige zum lohn beigelegt werden Marchwitza
jugend (1952) 121. 2011 bevor der BMW angezündet wurde, hatte der tatverdächtige noch ein gestohlenes kennzeichen beigelegt, um den messerangriff zu verschleiern
tagesspiegel (20.1.)12f. DWB2c ‘
jmdm., sich, einer sache etwas (fälschlich, unrechtmäßig) zuschreiben zusprechen, zuerkennen; jmdm. etwas, selten jmdn., einen titel, ein privileg o. ä. verleihen; sich etwas, ein recht, einen namen aneignen, zulegen’: 1414 dat we ome synen pepliken titel wol bilegghen mochten
urkb. Hildesh. 3,272 D. ⟨1562⟩ nicht aus ainichem fürwitz oder leichtsiniger bewegung (wie uns etliche misginner beylegen möchten)
in: Truber
br. 205 LV. 1626 was man für ehre jhm solt billich legen bey, / so wol sein selbst, als auch seins hohen stammes wegen Werder
Tasso, Jerusalem 54a. ⟨1639⟩ so lege dir diß maaß des mittelweges bey, / gib gar zu sehr nicht nach, thu nichts zu sehr durch zwingen Opitz
op. [1689]2,490. 1696 ward dem könige der zunahme des Grossen, so gar auch mit einwilligung aller ausländischen beygeleget Juncker
Du Londel, gesch.-cal. 56. 1703 dergleichen krafft leget man auch dem saffte des baumes talagas .. bey Bohse
frühlings-früchte 313. 1761 daß sie ihr alter verläugnet, und sich solche jahre fälschlich beygeleget hätte, worinnen sie noch hätte kinder zeugen können Justi
hist. schr. (1760)2,488. 1762 wenn diese 6 morgen den cantor dienst beygelegt werden, so setzt man denselben dadurch im stande, eine kuh zu halten Carsted
atzendorfer chr. 54 S. 1787 die verfertigung des kreuzes, eine zeichnung, die man dem Raphael beilegt Ramdohr
mahlerei 2,255. ⟨1791⟩ wenn .. die minderberechtigten .. sich, als gleichen menschen, .. gleiche rechte beilegen wollten Möser
5,178 A. ⟨1819⟩ daß pflanzen zwar schönheit, aber keine grazie beigelegt werden kann Schopenhauer
2,264 H. 1824 die ausgebreiteten theologischen kenntnisse, die sie
(anrede) sich beigelegt haben, hat unter meinen jungen freunden keiner Bolzano
brw. 48 W./Z. 1843 so weit ging die verblendung des mannes, daß er dem tiere alles ernstes fast menschenverstand beilegte Stifter
erz. in d. urfassung 2,41 S. ⟨1883⟩ hier wurde nicht bloß dem ausbleiben des fräuleins .. eine gewisse bedeutung beigelegt Fontane
Petöfy 37 C. ⟨1901⟩ da mußt du dir einen liebhaber beilegen Rosegger
ges. w. 6(1914)372. 1903 in mittelalterlichen quellen werden deutschen herrschern lange hände mit geraden fingern beigelegt Heyne
hausaltertümer (1899)3,88. 1922 man bemühte sich .., der sache als einer lediglich äußeren rangveränderung keinerlei beachtung beizulegen Ginzkey
wege 16. ⟨1934⟩ ist eine sache sauber, legt man sich doch keinen falschen namen bei Fallada
blechnapf (1960)251. 1937 daß der papst sich die befugnis beilegte, über das recht eines bewerbers um eine königskrone zu entscheiden, war schlechterdings unerhört Haller
papsttum (1934)2,1,329. 2004 man hat der deutschen kunst gern einen expressiven zug beigelegt
berl. ztg. (23.4.)25e. DWB2d ‘
einem schriftstück etwas hinzufügen, beifügen, mit einem brief, einer sendung etwas mitschicken’,
vgl. beiliegen 1 c: 1478 die zettel solle der pfortner behalten und an der rechnung .. bilegen, das man sehe, obe zettel und gelt glich sagen
obrhein. stadtrechte I 517. 1521 wie e. cfl. g. aus beigelechter copia irer instruction befinden werden Planitz
ber. 14 W./V. 1609 ein protestationschrifft mit einer beygelegten appellation
aviso 35, A 2a faks. 1789 die post geht erst gegen morgen. ich kann noch ein blatt beilegen Schiller
25,359 nat. ⟨1805⟩ ein protocoll zu führen, und der rechnung beizulegen
in: Berg
hdb. policeyrecht (1799)6,2,367. 1843
(die werbung) von neuem der a. z.
(allg. ztg.) beilegen halte ich für zu viel
in: List
8,721 B. 1925 Schill hatte seinem schreiben zehn mark beigelegt Barthel
puppe 209. ⟨v1965⟩ bei den jungen leuten passiert es natürlich immer wieder, daß sie ihre eigenen gedichte beilegen und auch ein urteil darüber haben wollen Bobrowski
selbstzeugnisse (1967)74. 2004 die dem buch beigelegte CD
n. zürch. ztg. (17.8.)48d. DWB22 ‘
etwas, besonders einen konflikt beenden, schlichten; etwas (negatives) aus der welt schaffen, klären; etwas, ein starkes gefühl beruhigen, lindern, überwinden’: 1372 ane allerleye vortoch vnde hinder, bygheleghet allerleye arghelist
in: Schiller/L.
mnd. wb. 1,335a. 1386/93 mach he de scedinge nu mit rechte byleygen eder enhaghede se ome nicht
urkb. Hildesh. 2,457 D. [] 1399 schal alle twydracht .. gerichtet und bilecht wesen
in: DRW 1,1469. ⟨1472⟩ wo aber die ding zwischen ir in der gut nicht beygelegt mochten werden, so laß die sach zu slewnigem entlichem außtrag des rechten komen Albrecht Achilles
merck. buech 109 B. ⟨1562/4⟩ vnnd dencket auff wege, wie die strittige sachen vom abendmal koͤndte beygelegt, vnd die jrrenden wider auff den rechten wege bracht werden Mathesius
ausgew. w. 23,250 L. ⟨1585⟩ wie er diese vnruhe friedlich vnnd ohn blutvergiessen beylegen vnd stillen moͤcht Rätel
schles. chr. (1587)140. ⟨1626⟩ im vbrigen vermahnete er sie des getroffenen bündnisses in seiner abwesenheit nicht zuvergessen, noch dasselbe jemals bey zulegen Opitz
Argenis (1644) 1,212. ⟨v1678⟩ wie ein soldat, da er die furcht beygelegt, desto mehr vermag Butschky
rosen-thal (1679)808. 1773 ich bin gewiß, daß wir mit einem dutzend mündlichen worten unseren ganzen streit würden beygelegt haben Lessing
18,86 L./M. ⟨v1791⟩ ein grosser geiger ist ein grosser mann: er kann stürme von leidenschaften erregen und beylegen Schubart
tonkunst 298 Sch. 1804 sie stritten, / wie’s der gebrauch bei frauen oft verträgt. / kaum aber war der graf hinein geschritten, / so ward der zank und hader beigelegt
Ariosto, Roland 1,356. 1939 „diese fragen“, erwiderte August ablehnend, „sind ja durch den gang der geschichte überholt und beigelegt“ Th. Mann
Lotte 279. 1998 der bürgerkrieg .. war bereits beigelegt worden
n. zürch. ztg. (31.12.)49a. 2009 wird die streitigkeit
(zwischen vögeln) durch den luftkampf nicht beigelegt, kann sie zu einer tödlichen angelegenheit werden
nat. geographic Dtld. 11,144b. DWB23 DWB2
landschaftl., bes. ond., omd. u. oobd. ‘jmdm. beistehen, jmdn. unterstützen, jmdm. zustimmen’,
vgl. beiliegen 2: ⟨1386/1402⟩ ab eyn rad .. syme frunde by lege unde deme rote abetrete unde deme rechte, do her czu gesworen hette
magdeb. fragen 29 B. 1390 alle di jene di im wellen bielegen und helffen wedir den orden
cod. dipl. pruss. 4,116 V. 1425 so bethe wir euch mit sunderlichem vleisse
etc., das ir im und seinen helffern dorobir geruhet nicht bizulegen
etc. cod. dipl. Lusatiae superioris II 1,256 J. ⟨1435⟩ wann wer dawider tete oder in des beylegte oder beholffen were
chr. Bamb. 1,36 Ch. ⟨v1565⟩ zu Catonis zeiten klagten die frawen .. vber die knechte, aber jetzund gehet der wind aus einem andern loche, das sie den knechten beylegen vnnd vberhelffen Mathesius
Syrach (1586)3,47a. 1665 er pflege nicht / mit häuchlern umbzugehn und denen beyzulegen, / die mit sich selbst nicht ruhn Lohenstein
röm. trauersp. 238 LV. 1724 doch bitte ich nur so viel sich zu enthalten, damit ihr nemlich denen verräthern noch ab, noch auch beyleget; .. es ist weltbekant, daß das stillschweigen iederzeit mehr genutzet als vieles reden Stranitzky
haupt- u. staatsaktionen 1,83 WLV. DWB2–
noch: 1976 beilegen .. ‘
beistehen’ ,
brand.-berl. wb. 1,523. 1998 wenn de ’n jung’ noch beileechst, da brauchmer uns nich ze wundern, wenn ’r ’s bahle we’r
(wieder) macht
wb. obs. mdaa. 1,203b ak. DWB24 ‘
etwas beiseite legen, verwahren, aufbewahren, hinterlegen’
; übertr., vorwiegend in religiösen zusammenhängen ‘jmdm. etwas (im himmel) hinterlegen, bereithalten’,
so häufig im zu- standspass.: ⟨u1480⟩ umb das gelt hatten sie gesaget, das sie das solten behalten oder beylegen Spittendorff
denkw. 196 O. 1525 alle drey iar eyn sonderliche zehenden bey legen fur die armen Luther
w. 17,2,41 W. ⟨1538⟩ ich hab einen guͦten kampff gekaͤmpfft .. fürhin ist mir ein kron der gerechtigkait beygelegt Franck
arch (1539)207b (vgl. 2. Tim. 4,8). 1562 da gott einem bergkman ein gluͤcklein gibt, .. sol er gott dancken, .. vnd was fuͤr sich vnd sein alter, weyb vnd kind beylegen Mathesius
Sarepta 35a. 1611 saget weiter, was jhm künfftig im himmel beygeleget sey, nemlich eitel frewde Herberger
trawrbinden 1,380. ⟨1647⟩ der grosse schatz-hof .., worinnen der schatz des reiches .. beygeleget vnd verwahret wird Olearius
reisebeschr. (1696)136b. 1675 so man das fleisch ein wenig beyleget, wird es schwartz und übel stinckend Martens
reise beschr. 105 faks. 1690 daß sie
(die ev. adligen) von den kirchen-gütern fressen, sauffen, spielen, .. kleinodien und reichthümer beylegen
(‘beiseite schaffen’) Happel
academ. rom. 494. 1718 an statt etwas beyzulegen, die eltern ihren kindern schulden und armuth hinterlassen Rohr
staats-klugheit 621. 1799 ich hab’ fünfhundert kronen, / den schmalen lohn, .. / ich legt’ ihn bey, mein pfleger dann zu seyn / wann mir der dienst erlahmt in schwachen gliedern A. W. Schlegel
Shakespeare (1797) 4,196. 1860 seine stimme ruft dir zu: .. du hast glauben gehalten, hinfort ist dir beigelegt die krone der gerechtigkeit!
[]Harms
pred. 192. DWB25 ‘
jmdn. begraben, bestatten, beerdigen, beisetzen’; meist im passiv: 1550 in der karke tho L. bjlecht
in: DRW 1,1469. 1636 woselbst der leichnamb am 10. may beygeleget werden solte Hoppe
schwed.-poln. krieg 375 T. 1733
(der verstorbene) ist in der kirchen .. beigelögt worden
chr. Sonnenb. 1,236 H. 1826 nachdem die heiligen reste
(Schillers gebeine) .. nahezu vollständig zusammengebracht und beygelegt worden Goethe
IV 41,179 W. DWB26
seemannssprl., (von einem schiff) ‘
beidrehen, (bei einem sturm) mit kleinen segeln so nah an den wind drehen, daß die fahrt verlangsamt wird oder das schiff zum halten kommt (und das ruder festmachen)’,
vgl. beiliegen 3
u. beidrehen: ⟨1647⟩ und war kein ander mittel, als daß wir auff gutachten des steuermanns beylegen .. müsten Olearius
reisebeschr. (1696)38b. 1750 beylegen, .. heisset bey den schiff-leuten, das schiff in den wind drehen, daß es seine fahrt eine weile verliehret
Chomel, lex. 1,1623. 1836 der kapitain ließ sogleich das schiff beilegen Chamisso
w. 1,118. 1846 die brigg hatte ebenfalls beigelegt Smidt
Ruiter 1,112. 1957 eine barkasse mit angestellten der Union-linie, der das schiff gehörte, legte bei Schomburgk
zelte 39.Gehweiler