Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
arn
‚Ernte, messis‘, zwei-
mal als aren akk.sg., einmal als arin nom.sg. be-
legt, sämtliche 11. Jh., bair.; außerdem noch die
zwei wesentlich früher bezeugten Zss. aranman
‚Erntearbeiter‘(Anf. 9. Jh.) und aranskarti (8.
S305aran 306
Jh.), s. d. d. Daneben begegnet aber auch ahd.
arn²AWB als f. i-St. (zweimal zi arni im Tatian, 9. Jh.)
mit derselben Bed. – Da im Mhd. unbet. e nach
r synkopiert wird, fallen ahd. aran m. und arn2
f. in der Folgezeit zusammen, wobei neben dem
Fem. auch das Mask. und gelegentlich ein
Neutr. sich durchsetzen. Dazu kommt, daß in
Analogie zu dem meistgebrauchten dat.sg.f. (s.
o.) ein mhd. nom.sg. ärne, erne mit Sekundär-
umlaut gebildet wird (Paul, Mhd. Gr.20 § 18
Anm. 2, 1); ja, selbst Formen mit zusätzlichem
Dental tauchen schon auf wie ernde, -garbe,
-huon (und ähnlich mndd. arnde). – Im
Frühnhd. gelten nebeneinander ern, ernd (Da-
sypodius), ernde, erndte (Luther); die nhd.
Form Ernte (mit -t-) wird zum ersten Mal bei
Adelung (Ende des 18. Jh.s) registriert. So ist in
der tatsächlichen Überlieferungsgeschichte des
Wortes wenig Anhalt für die vielberufene
These, nhd. Ernte gehe auf einen ahd. pl. *ar-
nôti zurück: die noch lange durch Nebenton
geschützte Ableit.silbe -ôt- läßt sich lautlich
nicht mit mhd. ernd(e) vereinbaren, ganz abge-
sehen davon, daß in der gesamten mittelalterli-
chen Überlieferung des Wortes sich so gut wie
keine Pluralform nachweisen läßt. Demnach
wird man den zusätzlichen Dental (der in
mdartl. Entsprechungen meist heute noch fehlt,
s. u.) der nicht seltenen -d- oder -t-Epithese
nach ausl. -n (wie in niemand) oder nach ausl.
-rn (wie in mhd. zwir[e]nt, Ahd. Gl. 3, 411, 78,
oder mdartl. zwirnd für
‚Zwirn‘) zugutehalten
müssen; einzig der Ersatz von ausl. -d durch -t
mag durch konkurrierende Varianten der
Volkssprache, wie schweiz. ernǝt (< ahd. arnôt,
s. d.) u. a. befördert worden sein.