widerwärtig,
adj. ,
adv. '(
räumlich)
entgegengesetzt; uneins, feindselig, widersetzlich; (
sachlich-logisch)
widersprechend; ungünstig; abstoszend'. widerwärtig (
ahd. widerwartîg, widaruurtig,
mhd. widerwertec;
as. witherwerdig,
mnd. wedderwerdich;
mnl. wederwerdich,
ndl. wederwaardig;
vom dt. ins nordische entlehnt: dän. vider-, vederværdig,
norw. viderverdig,
schwed. vedervärdig)
ist entstanden aus älterem widerwart, -wert (
s. unter widerwärts
sp. 1378
und wärts
teil 13,
sp. 2179)
durch anhängung des suffixes-ig.
es ist im Tatian und bei Otfrid
noch nicht, in den ahd. (
as.)
gl. gelegentlich bezeugt; zufrühest substantiviert in einer glosse zum Matthäus-kommentar des Hieronymus: satana uuidaruurtigo (10.
jh.)
ahd. gl. 2, 329, 18
St.-S.; zu: tunc dicit ei Jesus: vade satana Matth. 4, 10.
zu versuta ('
verschlagen, listig')
fraus et callida amat tenebris obtegi (
Prudentius, hymnus matutinus v. 21)
zeigen zwei hss. des 11.
jhs.: versuta ... uuitheruuerdiga
ahd. gl. 2, 414, 1
und 2, 575, 12
St.-S.; peruersus (
wohl '
böse, feindlich') widerwerteger, widerwertiger (12.
jh.)
ebda 3, 253, 68.
zahlreich ist widerwartîg
bezeugt bei Notker,
der älteres adj. widerwart
vermeidet und widerwartîg
zum ausdruck des sachlichen gegensatzes, des gegenteils in die sprache der philosophie und logik übernimmt. '
von Notker
bis Böhme (
s. u. 3)
finden wir durchgehend contrarius durch widerwärtig (
contrarietas widerwärtigkeit)
übersetzt' Eucken
gesch. d. philos. terminologie (1879) 189. 11)
durch seine bildungsweise (
ahd./mhd. -wart, -wert '
wohin gewendet')
begünstigt, begegnet widerwärtig
vom mhd. bis ins 19.
jh. mehrfach in lokaler und eng damit verbundener verwendung (
vgl. widerwärts A 1). 1@aa)
von dingen (
personen),
die sich anderen entgegen bewegen, von bewegungen, die in entgegengesetzter richtung verlaufen: (
er) wart dô widerwertec Engelharte bî der frist. er warf sich umbe, wizze Krist, und kam ûf in gerennet Konrad v. Würzburg
Engelhard 2788
Gereke; ez geschiht oft, daz die widerwärtigen wind begegent ainander, als der sudner dem nordner oder der ôstner dem westner (
ca. 1350) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 80, 16
Pfeiffer; des menschen knew vnd ellenbogen seind eins widerwertigen byegens Eppendorff
Plinius (1543) 225; das also das rad jetzmalen gegen dem wasser kasten möge vmbgetriben werden, jetzmalen hindersich mit einer widerwertigen bewegung Bech
Agricolas bergwerckb. (1557) 162; gott hat diese liechter (
sterne) ... an den himmel gehefftet vnd jhnen einen gewissen vnd widerwertigen lauff verordnet (denn sie werden vom niedergang gegen dem auffgang zu beweget, dem ersten mobili oder bewegung zuentgegen) Mathesius
Jesus Syrach (1586) 3, 60
b; solch wiederwärtiges schöpffen (
des wassers, nämlich dem strome entgegen) J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 135; der wiederwärtige wind ist den waffen hinderlich, ... wie denn
auch der vorwerts einherdringende staub die augen füllet Fleming
vollk. teutscher soldat (1726) 269 § 3; hetzt er (
der winter) die verschiednen winde widerwärtig (
ex opposito flantes) auf sie ein Göthe I 6, 137
W.; vgl. Fischer Goethe-wortschatz (1929) 742
b; winde blasen theils gemeinsam, theils widerwärtig, wie es sich in der atmosphäre begeben mag (1818) Göthe I 49, 1, 123
W. in bildlicher verwendung: auch war bischoff Fridrich von Basel deren einer die den papst erwelten: nichts destominder schicket er darneben seinen official ... gen Rom zuo dem entsetzten (
abgesetzten papst) Eugenio vnd thet im gehorsame in offnem consistorio: schiffet vnd säglet also von zweyen widerwertigen winden Stumpf
Schweizerchron. (1606) 712
b.
in der bergmannssprache vom fallen des ganges verwendet; s. Veith
dt. bergwb. 578;
vgl. widersinnig sp. 1210. 1@bb)
von dingen, die sich an entgegengesetzter stelle befinden: das ertrich hat got geteylt in vier teyl, die oneinander widerwertig sein (
nämlich orient und okzident, hitziger mittag und kalte mitternacht) (1472) Albrecht v. Eyb
dt. schr. 1, 39
Herrmann (
vgl. die belege unter 3); wenn aber daz von widerwertigen tailen (
himmelsgegenden) ist (
dasz sternschnuppen fallen) (1510) Reynmann
wetterbüchlein 3
H.; schiessen die stern zu klarer zeit, bedeuts wind von dem theil, da sie sind geil. lassen sie von widerwerdigen theilen zusammen gehen das geschütz, so bedeuts vngeordnet wetter von wind, donner vnd plitz Fischart
practick (1607) A 3
a. 1@cc)
in der verbindung widerwärtiger wind (
in der schifffahrt)
tritt neben dem räumlichen sinn '
entgegengewendet' (
vgl.a)
zumeist die bedeutung '
ungünstig, schädlich, hinderlich'
hervor (
vgl. 4): wider êrste heten si (
die schiffe) franspuot; ir geverte was vrœlich unt guot. schiere gunden diu wolken truoben; widerwärtege winde sich huoben (12.
jh.)
Servatius 3232
Haupt; der wint der was in (
den jüngern im schiff auf dem meere) widerwertig (
contrarius)
erste dt. bibel 1, 56, 35
lit. ver.; ietz bekummert sie der geschmack des schiffs, ietz ist der wint zugrosz vnd widerwerttig (1472) Albrecht v. Eyb
dt. schr. 1, 11
Herrmann; wo etwan widerwertige contrarische wind ... die schiff verführen vnd verwerffen Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) e 1
a; wir hatten auff der gantzen fart (
zu schiff) ungewitters oder widerwertigen windes halber keine eintzige gefahr Grimmelshausen
Simpl. 545
Kögel; als ich ... wegen widerwertigen wind daselbst (
auf einer insel) anlanden muste Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 36
b.
vgl. dazu: da uns der widerwärt'ge strom des winds noch festhält hier Fouqué
held d. nordens (1810) 57.
die wendung in bildlichem gebrauch: wir müssen deszwegen den muht nicht sincken lassen, noch sich gleich stellen wie die schwachen menschen, die ein widerwertiger wind anbläset (
denen etw. unerwünschtes widerfährt) Grimmelshausen
Simpl. 475
Kögel; ja seine (
Hermanns) groszmüthigkeit wuste aus ieder noth eine tugend ... zu machen, und seine erfahrenheit mit iedem, ja auch mit wiederwärtigem winde zu schiffen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1263
b; du bist unsern seegeln ein widerwärtiger wind (
worte fröhlicher leute an einen ernstbleibenden mann in ihrer gesellschaft) Olearius
persian. rosenthal (1696) 68
b. 22)
vom persönlichen verhältnis der gegnerschaft, '
feindlich, uneins, abweisend, widerspenstig'
und dgl.; vgl. unten 4 b
β und widerwärts A 3;
s. auch oben die ahd. glossen, sp. 1365.
oft prädikativ in der verbindung widerwärtig sein. 2@aa) '
feindlich, feindselig, uneins, gegeneinander streitend': dô gentes aduersarie (
gl. uuideruuartige diête) sih uns iruuerren ('
erwehren') nemahton Notker 2, 229, 7
P.; (
Tristan und Isot nach dem liebestrank:) si zwei enwaren do nieme widerwertic under in: Isote haz der was do hin diu süenærinne minne diu hæte ir beider sinne von hazze gereinet Gottfried v. Straszburg
Tristan 11 719
Ranke; welsch unde tiusch dâ solte einander widerwertic sîn (
im turnier) Konrad v. Würzburg
turnier v. Nantes 279
in: kl. dichtungen, hg. Schröder; und sind nit widerwertig und zwitrechtig under ainander und gestand ainander bei in rechter brüederlicher lieb (
Augsb. 1468)
städtechron. 5, 589, 18; (
Carl v. Burgund) ist selbiger zeit dem pfalzgrafen Friderichen gar widerwertig gewest
Zimmer. chron. 21, 46
Barack; man solt zwey widerwertig heer, die schon einander schlugen sehr, viel ehe vertragen, auff mein eyd, als diese schöne heiligkeit (
nämlich den Franziskaner- u. Dominikanerorden) Fischart
s. dicht. 1, 136
Kurz; die jm feynd vnd widerwertig waren Stumpf
Schweizerchron. (1606) 409
b.
noch in neuerer sprache gelegentlich in dieser verwendung: ihr waret widerwärtig mit einander (
you have been factious one against the other)
Shakespeare 9, 1 (1810) 66; ihr wiszt es selbst, wie ihr auch feinde habt, der graf von Münster ist euch widerwärtig Tieck
schr. (1828) 3, 49; da der könig (
Karl I. von England) einer sehr zahlreichen minderheit im unterhause, der majorität der lords ... sicher war, meinte er von einer widerwärtigen mehrheit nichts fürchten zu dürfen Ranke
s. w. (1867) 16, 94.
als '
unfreundlich, unwirsch'
in der begegnung: (
Weislingen:) hättest du gefühlt wie liebreich er (
Götz) mir begegnete. (
Adelheid:) liebreich! das rechnest du ihm an? es war seine schuldigkeit; und was hättest du verloren, wenn er widerwärtig gewesen wäre? Göthe I 8, 67
W.; als der diener nach hause kam, war er wegen der ermahnung (
die er vom rat der stadt bekommen hatte) widerwärtig gegen seine frau G. Freytag
ges. w. 11 (1887) 59.
auch von worten und handlungen, durch die eine gegnerische haltung zum ausdruck kommt: etlicher widerwertiger wort, die sie jm gab, wurden sie zuo vnfriden (1562) Kirchhof
wendunmuth 1, 381
Ö. in der übersetzung der Ilias für ἀντίβιος: also haderten diese (
Agamemnon u. Achilles) mit widerwärtigen worten Bürger
s. w. 189
b Bohtz; vgl. Voss: mit feindlichen worten; muszt' ich sogar vor widerwärtigen streichen zur einsamkeit, zur wildernisz entweichen Göthe I 15, 1. 71
W. (
Faust II).
wie widrig (
s. d. B 5)
vom (
medizinischen)
gegenmittel: der stain, den si (
die kröte) tregt, ist der vergift widerwärtig (
ca. 1350) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 296, 33
Pfeiffer; das Christus einem jglichen laster verordent widerwertig ertzney. item, da David sündigete ..., must er straffe darumb leiden Luther
bücher u. schr. 1 (1567) 48
b. 2@bb) widerwärtig sein
in bezug auf sachobjekte, '
abweisend, ablehnend': (
Christus sagt:) Jerusalem diu ist miner lêre und miner predige widerwertich und der wil si niht volgon (
mitte 13.
jhs.)
dt. predigten d. 13.
jhs. 2, 128
Grieshaber; söllicher meinung ist auch Aristotiles nit widerwärtig Steinhöwel
spiegel menschl. lebens (1479) 17
a; zwar etliche theologi sind hefftig darwider (
wider das tanzen), doch sind etliche nicht so wiederwärtig und tantzen eins mit Chr. Weise
erznarren (1673) 160
ndr. adverbial: wer möchte denn wohl die grundfeste alles daseins (
den grundbesitz) widerwärtig berühren, werth und würde so schöner einziger himmelsgabe verkennen? Göthe I 25, 179
W. 2@cc) '
widerspenstig, widersetzlich': de van Meilan worden aver widerwardich, wante de keiser (
Friedrich I.) wider to dudischen lande komen was (
zw. 1230
und 1251)
sächs. weltchron. 223
Weiland; ob ein mensch gebúrt ein widerwertigen (
contumacem) oder ein herben sune der do nichten hörtt das gebot des vatter
erste dt. bibel 4, 200
lit. ver.; so seind vns (
den regierenden und ständen des höllischen königreichs) doch daneben etlich teütsch gegent ... imm selben stuck (
dem zutrinken) lange zeyt fast widerwertig geweszt (1534) J. v. Schwarzenberg
büchl. v. zutrinken 16.
ndr.; hierauff fragte Eurylas die frau, warum sie so widerwärtig wäre (
den wunsch ihres mannes zu erfüllen) Chr. Weise
erznarren (1673) 14
ndr.; bey der tauffe hat sie (
eine frau, die gewaltsam umgetauft wird) sich auch sehr widerwärtig angestellet Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 147
b; dasz man die natur als ein widerwärtiges subject ansieht, welches nur durch eine art von zwang ... in dem gleise der ordnung ... kann erhalten werden (1755) Kant
w. (1838) 8, 376; mir zur wonne, mir zur lust drück' ich widerspenstige brust, küss' ich widerwärtigen mund, thue kraft und willen kund Göthe I 15, 1, 233
W. (
Faust II).
mundartl.: wedderwrtig,
adj. '
widerwärtig, widerspenstig' Mensing
schlesw.-holst. 5, 564.
gern —
namentlich rechtssprachlich —
formelhaft mit ungehorsam
verbunden: wer under euch widerwertig sei und ungehorsam, den straffent und machent in euch gehorsam (
Augsburg 1468)
städtechron. 5, 289, 19; ob sich ain oder die ander person ... untersten wolt ... nit ... das pfantgelt zu erlegen, die selben sollen durch ain torfvogt ... der oberkait alhie angezaigt, welliche ungehorsame und widerwertige personen alsdann ... abgestraft und ... niemand verschont werden solle (1624)
österr. weist. 3, 306;
vgl. ebda 3, 69; 253; 4, 283; 305; 313. 2@dd)
gelegentlich erfährt die bedeutung '
feindselig' (
s.a)
durch den textzusammenhang besondere nuancierungen. 2@d@aα)
als '
miszgünstig, neidisch': der pösen vnd peissenden zungen vil sein; der neide widerwärtig ist dem löblichen leben Arigo
decameron 9
Keller; Galmy, der ritter, zuonechst bey dem hertzogen sitzen muost, dasselbig seine gesellen, so im widerwertig waren, nit wenig vertriessen thet (1539) Wickram
w. 1, 35
Bolte; also ist es alles ainandern widerwertig, und fürcht ie einer, der ander der überkom zuvil und steug zu hoch
Zimmer. chron. 23, 23
Barack. 2@d@bβ)
vereinzelt klingen auch bedeutungen wie '
hoffärtig, hart, unnachgiebig'
an: uon dem guote hohvertic wirt er (
d. reiche) vnd widerwertic in machit vngefuoge dez werden guotes genuoge (1293) Hugo v. Langenstein
Martina 129, 34
lit. ver.; ein ... geschlecht, welches nur 43 jahr wehrete, alldieweil die fürsten, so daraus erwehlet wurden, stoltz und wiederwertig waren Albertinus
fürstl. lustgarten (1619) 1, 172; der widerwärtige, zankische, harte und unbarmherzige kann ... wenig freunde haben Miller
pred. f. landvolk (1776) 1, 159; ich führte dich zum alten Nereus gern, zwar sind wir nicht von seiner höhle fern, doch hat er einen harten kopf, der widerwärtige sauertopf Göthe I 15, 1, 158
W. 2@ee)
verbreitet —
namentlich im 16.
und 17.
jh. —
begegnet das substantivierte adj. für den gegner (
auch im meinungsstreit),
den feind und widersacher: er gremet (
irritat) dinen (
gottes) namen uuideruuartiger (
aduersarius) unz hina ze ende Notker 2, 295, 13
P.; bisz gehellig deim widerwertigen (
adversario) schier die weil du mit im bist im weg
erste dt. bibel 1, 19
lit. ver.; ward keyser Julius von seinen widerwertigen zu Rom getödtet (2.
hälfte d. 15.
jhs., Nürnberg)
städtechron. 3, 261, 28; daz wir vnser widerwärtig söllen lieben (1528) Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 26
Reithm.; denn er (
d. papst) ist des herrn Christi widerwärtiger; und ich (
Luther) des papsts Luther
tischr. 3, 606
W.; ich wuste meine widerwertige zu straffen und die so mir nur den geringsten dienst thäten, reichlich zu belohnen (1669) Grimmelshausen
Simpl. 187
Scholte; seine (
eines dichters) widerwärtigen (
haben) anlasz genommen ..., eine neue reyhe klagen wider ihn zu formieren Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 197; sie erklärten, ihre widerwärtigen rings um sie her seien zu stark: so entfernte verbündete würden ihnen nicht hinreichende hülfe leisten können Ranke
s. w. (1867) 3, 252.
daneben auch vereinzelt: wenn er aber gegen h. Ludwigs widerwerttigern sölichs ausztrag und füro des burgerrechtz beger (
Augsburg 1462)
städtechron. 5, 249,
anm. 3.
als entsprechung für satan (
vgl. oben ahd. gl. 2, 329, 18,
sp. 1365): ge nach mir widerwertiger (
satana) du bist mir ein trübsal
erste dt. bibel 1, 64
lit. ver.; 'sitena' heist 'widderstand', daher der teuffel 'satan' heist, 'ein widderwertiger' (1527) Luther 24, 444
W. 33)
von sachlichem gegensatz oder widerspruch (
vgl. widerwärts A 2).
zufrühest und zahlreich (
über 100
belege)
bei Notker,
der andere verwendungen nur vereinzelt aufweist. wideruuartîg
begegnet meist in seinen philosoph. schriften, selten in seiner psalmenerklärung; es entspricht meist '
contrarius',
gelegentlich auch '
oppositus'
und '
adversus'.
für contrarius: sîd kûot unde ubel uuiderwartîg sint Notker 1, 231, 30
P.; tisiu uuerlt negeeinoti sih nîeht ze einemo bilde fone sô misselichên unde sô uuideruuartigên iro teilen, sô uuazer unde fiur ist unde luft unde erda
ebda 211, 6; alsô reht uuideruuartîg ist unrehte unde uuîzî dero suarzî
ebda 461, 18;
vgl. ferner: 1, 412, 21; 414, 17; 415, 23; 416, 20; 467, 11; 470, 13, 15; 543, 7; 584, 7; 585, 16
u. ö. für oppositus: sô ist ouh uuideruuartîg in stete stân demo rucchenne 1, 493, 10;
vgl. 494, 3.
für adversus: uuâre îeht natûrliches kûotes (
boni) an herskefte unde an geuualte, sô nebechâmîn sie nîo dien zagôstên (
pessimis). uuanda uuideruuartigiv nebeitent nîeht zesamine 1, 105, 25;
vgl. 249, 11. —
personen werden verglichen: kenuôge sprechent ueritatem in lingua, falsitatem in pectore. dien ist uuideruuartig, der hier chît: ih keloûbta ueritatem in corde fone diû sprah ih sîa in lingua 2, 491, 16. 3@aa)
jeweils zwei dinge oder begriffe als gegensätze kennzeichnend: sint... glider an dem menschen widerwärtig, wan ainz ist veucht, daz ander trucken (
um 1350) Konrad v. Megenberg
buch d. natur 6, 9
Pfeiffer; zwei contraria, daz ist zwei widerwertigú ding Seuse
dt. schr. 341
Bihlm.; Esau und Jacob sind von einem vater und einer mutter, auf eine zeit, und unter gleichem gestirn geborn, und doch gar widerwärtiger natur, art und sinn Luther
tischr. 1, 420
W.; tugend vnd laster sind inn einer art specie widerwärtig, wie auch gut vnnd bösz (1575) Fischart
Garg. 190
ndr.; wie man zwey gantz widerwertige propfreiser in einen ast pfleget einzuschnatten; also das sie bittere und süsse früchte zugleich herfür bringen Butschky
Pathmos (1677) 466; wenn man beide einander widerwärtige begriffe (
freiheit und notwendigkeit) zugleich erhalten will Kant 5, 95
akad. in präpositionaler konstruktion: das dieser wurm mitt der fliegen gantz vnnd gar ein widderwertige art hatt Ryff
thierb. (1545) Cc 4; der poley lässet sich gern abschneiden und mit eisen berühren und ausbutzen, und ist diszfalls mit der müntz widerwertiger natur (
deren zweige man nicht schneiden soll) Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 633
a. 3@bb)
von zwei einander widersprechenden seiten oder eigenschaften einer person: sihe so sind beide stende oder empter (
demütiger christ und herrscher) recht geteilet, vnd doch in einer person (
des fürsten), vnd so zu rechen widerwertig, das eine person hot zu gleich alles leiden vnd nicht leiden (1532) Luther
bücher u. schr. 5 (1566) 412
a; seid ihr verrückt? was fällt euch ein, den alten Faustus zu verneinen (
d. h. ihn in den 1827/28
veröffentlichten teilen des zweiten Faust nicht wiedererkennen zu wollen) der teufelskerl musz eine welt sein dergleichen widerwärt'ges zu vereinen Göthe I 5, 1, 94
W.; vgl. Fischer
Goethe-wortschatz (1928) 742
b.
dann auch von der in sich widersprüchlichen natur von personen: sie haben ain wunderlich, widerwertige natur (
Tacitus: mira diversitate naturae), sie mogen weder rw noch arbait haben Eberlin v. Günzburg
Germania, in: bl. f. d. bayr. gymn. 23, 8; in dem sich Florindo mit allen kräften den kummer vertreiben wolte, wuste er in der freude keine masze zu halten, also dasz sich niemand in seine wiederwertige natur finden kunte Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 22. 3@cc)
gelegentlich bringt widerwärtig
nur die hochgradige verschiedenheit zum ausdruck, namentlich, wenn mehr als zwei dinge verglichen werden: noch hat es (
Deutschland) vilerley völcker, glauben, spraach vnnd länder in sich, als Beyern, Schwaben, Francken ... dz, wer ein ding durch ausz von den Teütschen sagt, offt der warheyt fälen musz, also das offt widerwertige ding spraach, herrschafft, sitten, glauben, regiment von einem volck gesagt werden S. Franck
weltb. (1542)
vorr. 2
a; es ist bey allen euangelischen secten (mit was namen sie widerwärtig vnder einander sein) ain genge warhait, das klosterleben sey vom lebenhaftigen teüfel erdacht J. Nas
antipap. eins vnd hundert (1567) 1, 119
a; entzeuchst du der aufrichtigen vorwelt allen glauben, derer augen sich mehr als eine gottheit offenbaret hat, derer vielheit aus dem unterscheide widerwertiger würckungen erhellet und derer eigenschaften sie mit so viel hundert nahmen offenbaret? Lohenstein
Arminius (1689) 1, 709
b; hier nöthigt er euch (
der dichter) die verwundersame vereinigung der vier jahreszeiten oder widerwärtigen zonen ... zu betrachten Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 27. 3@dd)
häufig angewandt auf widersprechende reden, meinungen, ansichten: ir (
tod) habet vor gesprochen: ir seit etwas vnd doch nicht, nicht ein geist vnd seit des lebens ende ... — so sprechet ir nu: wir mussen alle dahin vnd ir, herre tot, beleibet hie herre. zwo widerwertig rede mügen mit einander nicht war gewesen
ackermann aus Böhmen 31, 6
Bernt-Burdach; zwey keyserliche uneynige und wydderwertige gepott den Luther betreffend (
er sei verurteilt und verbannt —
man werde erst künftig über ihn und seine lehre zu gericht sitzen) (1524) Luther 15, 254
W.; vieler meister schriften habe ich durchsuchet, verhoffend die perle zu finden vom grunde des menschen; habe aber nicht können finden, darnach meine seele lüsterte. ich habe auch gar widerwärtige meinungen gefunden (1619) J. Böhme
s. w. 3, 82
Schiebler; dasz beyde urtheile zugleich nicht wahr seyn können, weil sie nämlich widerwärtig sind Gottsched
versuch e. crit. dichtkunst (1751) 122.
desgleichen von handlungen ein und desselben agens: so man nu auf eine reformatio (
der kirche) bei ihm (
dem kaiser) ansuchet, und er uns dieses buch (
eine kirchenordnung) vorlieset oder vorträgt, das wir doch ohne zweifel anfechten würden, so scheineten unsere handlungen widerwärtig (1545) Luther
br. 11, 17
W.; die meisten schlüsse, welche ich aus den würckungen eines wesens auf seine natur mache, sind blosse muthmassungen, zumalen eben dasselbe wesen zu ungleicher zeit gantz unterschiedene, und auch öffters wiederwärtige würckungen haben kan
discourse d. mahlern (1721) 2, 60.
von behauptungen und lehren, die sich ein und demselben text entnehmen lassen, einander aber widersprechen: Mahmet spricht selber im capitel elnesa (alnisa), das heist frawen, wenn der alcoran nicht von gott were, so würde sich viel widerwertiges drinnen finden (1542) Luther 53, 302
W.; das allgemeine (
in Shakespeares stücken) also ist nur von ort, zeit und jetziger charakterfülle gleichsam hervorgedrungen, von handlung entsprungen, und zur handlung hineilend, nicht loszutrennen und ins unbestimmte zu generalisieren, oder man könnte und müste fast aus jedem stücke die widerwärtigsten moralen abziehen (
vor 1773) Herder 5, 234
S. dann auch von personen, die in ihren ansichten miteinander nicht übereinstimmen: ist von nötten, das bait richter (
bergrichter u. landrichter) nit widerwärtig sunder ains sein, damit in söllichen vällen ... die leut durch der richter irrung nit genachtailt werden (1565)
österr. weist. 1, 227, 29; die (
zeugen) miteinander nicht vbereinkommen, widerwertig und mancherley sind Ayrer
hist. processus juris (1600) 235; da sie (
die menschen) in ihren entwürfen einander widerwärtig, sich aus eigenem freien vorsatz schwerlich ... vereinigen würden (1793) Kant
w. (1838) 5, 407;
auch von einer handlung als ergebnis zwiespältiger ansichten und interessen: die widerwertig ('
zwieträchtige') waal der churfürsten, welche anno 1314 zween römisch könig ... wider ein ander erwelten Stumpf
Schweizerchron. (1606) 343
a. 3@ee)
bezogen nur auf einen einzelnen begriff (
sache, vorgang usw.),
der einer vergleichsgrösze als gegensätzlich gegenübergestellt wird. es liegt also nicht wie im voraufgehenden (a—d)
ein reziprokes verhältnis vor. die vergleichsgrösze ist in der regel im dativ angeschlossen, vereinzelt ist sie zu ergänzen: ir (
der Manichäer u. anderer) lere div was lugelich unde ist widirwartich rehtir warheite, ich meine die waren gotheite (
physiologus)
dt. sprachdenkm. d. 12. jhs. 97, 6
Karajan; der scheingeprech (
eclipsis der sonne am todestag Christi) ... waz widerwartig der natur (14.
jh.) Konrad v. Megenberg
dt. sphaera 45, 22
Matthaei; sollich erschrockenlich furnemen ... allen gmain bäbstlichen und kayserlichen rechten ... ungemäsz und widerwärtig ist (
Augsburg 1462)
städtechron. 5, 268,
anm. 3; so viel der selben satzung gottlicher schrifft gemess und nicht widderwertig sind (1523) Luther 12, 79
W.; wie die geystlichen, so von der seele sagen, jrer lere selbs widerwertig leben (1534) J. v. Schwarzenberg
büchl. v. zutrinken 36
ndr.; wofern dieselbe gute leut (
wiedertäufer) mit andern falschen und der allgemeinen christlichen kirchen widerwertigen ketzerischen meinung nicht weren verwickelt und vertiefft gewesen (1669) Grimmelshausen
Simpl. 440
Scholte; es ist mir von freunden und unbekannten liebevolle, ehrende theilnahme ... an den tag gelegt worden ..., aber es verlauten auch widerwärtige stimmen, vornehme, die mir klugheit, hoffärtige, die mir gesunden menschenverstand absprechen (1838) J. Grimm
kl. schr. (1879) 1, 25.
als gegensatz von homogen: erfahren hat man sodann, dass alle contagien in den ersten momenten der mittheilung viel heftiger und schädlicher wirken als in der folge, eben vielleicht, weil sie in der ergriffenen masse nicht eine homogene, sondern eine widerwärtige, nicht eine vorbereitete nachgiebige, sondern eine fremde widerspenstige eigenheit antreffen Göthe I 42, 2, 65
W. 3@ff) sich selbst widerwärtig sein '
sich selbst widersprechen': wollen wyr nit eher glawben, das yhr (
der priester) pomp, eher und pracht ausz dem heyligen geyst sey, bisz szo lang sie uns lernen, das der heylige geyst yhm selbst widderwertig sey odder seyn schrifft widderruffen habe (1521) Luther 8, 504
W.; (
Luther) glaube weder dem papst noch den concilien, weyl es am tag vnd offenbar ist, das sie offt gejrret vnnd jhnen selbs widerwertig gewesen sein (1566) J. Mathesius
ausgew. w. 3, 59
Loesche. 3@gg)
dem richtigen und rechten entgegengesetzt; widerwärtig
wird dann synonym mit verkehrt, unrecht: Vlenspiegel der frum knecht, der sich allzeit mer fleisz sein arbeit widerwertig zuothuon, dan recht, fieng an vnd durchboret die schönen krusen tisch, oder kontorbretter (1515)
Eulenspiegel 94
ndr.; dasz ... auss unwissenheit vorgangener geschichten keine widerwärtige oder ungerechte rescripta, decreta und bescheid erfolgen mögen Schupp
schr. (1663) 44; es gehet alles widerwertig zu, wenn man den esel auf den sacke ladet Winckler 2000
gutte gedancken (1685) F 8
b. 3@hh)
substantiviert, '
gegenteil': und obgleych corruptelen und secten bey inen in Franckreych eyngerissen wehren, da ich zu gott das widerwertig will verhoffen, so wehre es mir nit frembd (1562) Friedrich
d. fromme
br. 1, 292
Kluckhohn; der Eulenspiegel bey jm dacht: 'die arbeit, die ist baldt volbracht. ich musz nur thun das widerwertig, so kan ich werden zeitlich fertig' (1572) Fischart
Eulenspiegel 286
Hauffen; so habe ich aber leyder das widerwertig im werck befunden Ayrer
hist. proc. juris (1604) 387; die menschen werden an sich und andern irre, weil sie die mittel als zweck behandeln, da denn vor lauter thätigkeit gar nichts geschieht, oder vielleicht gar das widerwärtige Göthe I 42, 2, 169
W. 44)
ähnlich 1 c,
doch in verbindung mit verschiedenen nomina, bezeichnet widerwärtig
etwas als ungünstig oder schädlich (
vgl. widerwärts A 4). 4@aa)
von den ältesten zeiten bis in die gegenwart bezeugt: tiu hîez starh unde mahtig in uuideruuartigen dingen (
aduersis) ungeuueihtiu (
infracta) Notker 1, 802, 1
P.; (
Jakob zu seinen söhnen:) ob im (
Benjamin) etwas widerwurtig geschee (
si quid ei adversi acciderit) in dem lande zuo dem ir geet
erste dt. bibel 3, 192
lit. ver.; ich erkenne, daz ich durch myn geberen mir selber und dem ganczen land widerwärtig gewesen bin, wann ich wenet ainen sun und guoten burger geboren haben, so hab ich ainen unsäligen, stainherten fynd ... über kommen (1473) Steinhöwel
de claris mul. 190
lit. ver.; die 22. schar der narren ist fortunatorum glück narren, es seint die, die sich vnbillich (
wohl zu ergänzen: freuen) so es inen wol gat vnd trauren so es inen widerwertig gat Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 61
b; (
ein arzt braucht einen friedhof) vor die, so er durch zuo sehr starcke und irer der krancken natur widerwertige purgatzen ... tödtet (1563) Kirchhof
wendunmuth 1, 145
Ö.; allein er (
Germanicus) hatte sowohl auf dem adriatischen als jonischen meer lauter widerwärtig wetter Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1621
b; mit einer heiterkeit und entschlossenheit ... sagte er ihnen, dasz widerwärtige zufälle von dieser art (
beschädigung der flotte durch sturm) ... bei ausserordentlichen unternehmungen natürlich und unbedeutend wären Schiller 4, 156
G.; so nähren und pflegen wir die für unser geschäfte (
der baumwollverarbeitung) unnützen ja widerwärtigen samenkörner Göthe I 25, 1, 232
W.; wenn deines wagens speichen du machen willst nach selbstbelieb'gem masze, so wird es dir gereichen zu widerwärt'gem anstosz auf der strasze Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 178; er (
Knecht) sah das gesicht des mannes, an dessen widerwärtiger lage er sich schuldig wuszte, ein wenig erbleichen H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 2, 153. 4@bb)
insbesondere von glück und schicksal. 4@b@aα)
glück als dasjenige, was jemandem bestimmt ist, was ihm widerfährt, und zwar ohne erkennbare züge der personifikation: mir das gelücke alzeit ist widerwertig gewesen Arigo
decameron 367
Keller; das ain warer ... fraind inn widerwertigem glügke erkandt würdt Schwarzenberg
Cicero (1535) 75; in ansehung meines grossen vnfalls vnd widerwertigen glücks
Amadis 1, 52
lit. ver.; bist du betrübt und wilst ein labsal in deinen wiederwertigen glükksfällen schöpfen Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 4; ich halte dafur, dasz dem menschen das widerwärtige glück viel nutzlicher sey, dann das gute glück und wohlstand Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 2, 70. 4@b@bβ)
mit merkmalen der personifikation; widerwärtig
erhält dadurch den nebensinn '
abgünstig, feindlich' (
vgl. 2 a
und d
α): nû wolte in widerwertic sîn gelücke z' allen orten Konrad v. Würzburg
d. trojan. krieg 19 400
lit. ver.; das onstett glück, das Carolo im anfang gantz widerwertig, ward jm mit der zeit so gar ergeben S. Münster
cosmogr. (1550) 58; nach dem es sich ... angelassen, als hette das wiederwertige glück nun doch einmahl stillestand mit mir getroffen Schoch
com. v. studentenleben (1668) H 1
a; kanst du aber die pfeile des widerwärtigen glückes nicht zerbrechen Hohberg
georg. cur. 3, 1 (1715) 119
b; ich wuszte wohl, dasz mein böses und widerwärtiges schicksal ein solches glück nicht lange dulden, sondern mir ein neues unheil zubereiten würde Göthe I 44, 162
W. 55) '
dem empfinden entgegen, unangenehm, abstoszend' (
vgl. widerwärts A 5);
in diesem sinne erst im 19.
jh. zahlreich bezeugt. 5@aa)
von dingen, geschehnissen und dgl.: daz er (
Achilles) kæm in der megde schar, daz was im widerwertig vor, nû kam er ûf des willen spor, möht ez mit fuoge wol geschehen, daz er sich wolte lâzen sehen in ir geselleschefte guot Konrad v. Würzburg
d. trojan. krieg 14 909
lit. ver.; oder schatz ('
zieh als tribut ein') von mynem hertzen uff den hindersten helblink ('
heller') alle wider wertige dink die dir niht wol gevallen (
um 1340)
minneburg 2612
Pyritz; dieweil ich glaub ..., das dir mein sunde also leidt vnd widderwirtig seint gewesen, das du todt vnd marter darumb erlitten hast J. Strausz
beychtpüchlin (1523) D 3
b; davon (
vom weine) er (
ein mann) so dick und gelb wurde, dasz er schier einer widerwertigen purgation oder doch wenigist einem alten baumöl sich vergliche (1670) Grimmelshausen 2, 19
Keller; massen frembde fehler zu entdecken ... eine wiederwärtige sache ist Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 963; und die gemeine sprache klingt mir höchst wiederwärtig Knigge
roman m. lebens (1781) 2, 103; erlöse mich von einem widerwärtigen gespräch Schiller 15, 1, 40
G.; jemanden zu begegnen wäre widerwärtig gewesen Göthe I 24, 332
W.; nichts ist wahrlich widerwärtiger als diese krampfhafte ohnmacht, die sich wie kühnheit aufblasen möchte H. Heine
s. w. 3, 364
Elster; ein widerwärtiger dunst schlug uns entgegen Storm
s. w. (1898) 4, 80; (
general Clausz) hatte etwas widerwärtiges vor und zugleich einen schönen leeren tag ... das widerwärtige aber hiesz: brief der teilnahme und des beileids an frau generalin Schieffenzahn A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 145. 5@bb)
von personen: (
Darnley) beleidigte mit niedrigem verdacht, mit rohen sitten eure (
Maria Stuarts) zärtlichkeit, und widerwärtig wurd' er euren augen Schiller 12, 413
G.; kurz bevor ich zu diesem gelangte, gesellte sich ein rothhaariger, höchst widerwärtiger kerl zu mir (1839) Hebbel
tageb. 2, 231
Werner; mein herr von Münchhausen heute abermals seine schmierereien vorgenommen und mir dadurch ganz widerwärtig geworden Immermann
w. 2, 28
Hempel; (
es) war dieser ein ganz widerwärtiger parvenu gewesen O.
M. Graf
unruhe (1948) 411. 5@cc)
auch der hervorgerufene eindruck selbst kann widerwärtig sein: das buch der frau von Arnim ist erschienen. ... gedruckt macht es auf mich nun einen entschieden widerwärtigen eindruck. es ist eine hysterische selbstsucht darin (1835) Varnhagen v. Ense
bei Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 3, 285; wir begegneten einem weibe, das, mit flittern geputzt, jenen widerwärtigen eindruck erregte, den längst versunkene schönheit immer macht, wenn sie noch die blicke auf sich lenken will Frankl
erinn. (1910) 219.