wald,
m. silva. II.
formales. I@11)
formen und verwandtschaft. das wort ist gemeingermanisch und nur im gotischen nicht belegt: ahd. wald,
mhd. walt (
gen. waldes),
asächs. wald,
mnd. wold,
ndl. woud (
als n.),
afries. wald,
saterländ. wald,
nfries. wâd Richthofen 1122,
ags. weald,
mengl. wald, wæld, wold Stratmann-Bradley 665,
engl. (
veraltet) wold,
auch weald '
wald, heide, offene gegend'
; das anord. völlr
bedeutet '
erdboden, grund, unbebautes feld',
dazu norw. voll '
grasbewachsene fläche' Aasen 942,
schwed. vall '
weide'.
darnach musz das wort im got. *walþus
gelautet haben. auf dem westgerm. wort beruht afranz. gualt, gal, gaut,
prov. gaut, gau
buschholz, wovon afranz. gaudine,
prov. gaudina
abgeleitet ist. etymologische anknüpfung zu gewinnen, ist schwierig. das gewöhnlich herangezogene gr. ἄλσος '
hain'
kann nicht verwandt sein, da es kein w
im anlaut gehabt hat; ebenso werden die von Kluge
etym. wb.6 413
verglichenen skr. vaṭa
garten, bezirk und vaṭi
baumgarten besser ferngehalten. Uhlenbeck
beitr. 26, 311
stellt germ. *walþu-
als aus *gwalþu-
entstanden zu aksl. golĭ '
ast',
slov. gol '
abgehauener junger baum',
czech. huol '
gehölz',
obersorb. hol′a '
wald',
was auch wenig wahrscheinlichkeit für sich hat. ob man von dem begriff '
wald'
als dem ursprünglichen ausgehen darf, ist überhaupt fraglich, da der des anord. völlr '
feld'
nicht so leicht daraus abgeleitet werden kann (
doch vgl. die bedeutung im engl.),
während die umgekehrte entwicklung eher verständlich wäre (
vgl. ags. leáh
offene stelle, wiese, zu lat. lucus
hain, eigentlich lichtung, aber mhd. lôch '
gebüsch', heide
als '
waldbewachsene fläche'
u. dgl.).
wahrscheinlich wird als grundbegriff '
nicht der kultur unterworfenes land'
anzusetzen sein, wovon westgerm. wald
nur eine specialisirung darstellt (
noch im mhd. macht sich bei wald
der nebensinn des unkultivirten, unwirtlichen, wüsten stark bemerklich, vgl. unten II, 2).
von seiten der bedeutung empfiehlt sich daher die alte zusammenstellung des wortes mit wild,
ahd. wildi,
wie sie z. b. Schade
altd. wb.2 1081
vertritt (
die annahme Kluge's
etym. wb.6 425,
dasz wild
ursprünglich nur von lebenden wesen gebraucht worden sei, scheint nicht genügend begründet, vgl. got. wilþeis alêvabagms
u. dgl.).
freilich ist auch die etymologische grundlage von wild
dunkel, denn die von Schade
a. a. o. versuchte ableitung beider wörter von der wurzel var '
hemmen, hindern' (
oder auch '
schützen')
ist sicher unrichtig. nicht wahrscheinlich ist, dasz mit Franck
etym. woordenb. 1183
von der bedeutung '
laubwerk' (II, 3,
d)
auszugehen und an walen '
wälzen, drehen',
anord. valr
rund u. s. w. anzuknüpfen ist; allerdings macht germ. walþu-
den eindruck einer abstractbildung (
ursprünglich etwa '
rundung, wölbung'?).
andere ziehen, ebenfalls von der bedeutung '
laub'
ausgehend, ir. folt
haar, kymr. gwallt
haar, gwellt
gras, lit. valtis
haferrispe, apreusz. wolti
ähre heran. I@22)
da wald
ein alter u-
stamm ist, ist im plural flexion nach der i-
classe zu erwarten (
auf die auch der ahd. instr. sing. waldiu
hinweist),
es ist aber im ahd. nur einmal (
bei Notker) walda
belegt, im asächs. waldos.
im mhd. steht walde (
was —
bei hinderung des umlauts durch ld —
auch auf *waldi
zurückgeführt werden kann)
neben welde: in
den walden Ulr. v. Zazikhofen
Lanzelet 7081; walde K. v. Würzburg
troj. kr. 23562; di wald Enikel
weltchron. 8308; in waldin Jeroschin 14978
Strehlke; die walde Nic. v. Basel 224
Schmidt; uf walden Hadamar v. Laber 212, 5; wer gefurste walde habe.
weisth. 3, 363 (
Hessen 1341); in den walden
d. städtechr. 10, 341 (
Nürnberg 1474); in walden
österr. weisth. 1, 287.
auch im 16.
jahrh. ist die form walde
noch nicht verschollen: durch hochgepirg und dicke wald.
Theuerdank 11, 67; in unsern walden und gepirgen.
cod. dipl. Silesiae 21, 9 (1529); jemand an reinen, grantzen, wassern, walden oder felden ... zu nahe komen.
kurzer unterricht von dem dreyding (1556) B 1.
noch im 17.
jahrh. und im anfang des 18.
kommt sie vor: ja laub und grasund alles was grünet in wilden walden. v. Ditfurth
volks- u. gesellschaftslieder des 17. u. 18. jahrh. 287;
silvifragus, das die wald niderreisset. Schönsleder
prompt. Kk 4
b; dieser teuffel wohnen etliche in den walden und forsten. Prätorius
welt-beschreibung (1666) 2, 302; die walde gegen Mehren. Ch. Lehmann
Ober-Ertzgebirge (1699) 8; dasz niemand hohe walde und grosse fruchtbare stämme ... abhauen, verwüsten noch verderben ... solle.
Sachsen-Querfurthsche forst- u. jagd-ordnung (1728) 11.
die gewöhnliche form des älteren nhd. ist aber welde
oder wälde: es grünet in den welden. Uhland
volksl. 1, 114; so laufen wir durch die welde. 1, 520; ja der suw hiet in den welden. Murner
luth. narr 558
Kurz; in wildnussen und grossen wälden, dahin die leut kamen gar selten. Waldis
Esopus 2, 11, 5
Kurz; lieff durch die wälde hin und wider. 4, 95, 242; (
die vöglein) sich frey lassen hören in wälden breit und lang. Ringwald
christl. warnung O 2
a; in den wassern, welden, bergen.
froschmeuseler T 2
b (II, 1, 4); in den welden bawet er schlösser und thürne. Luther 2
chron. 27, 4; in den welden schlaffen.
Hesek. 34, 25; die welde aber und alle wolriechende bewme.
Baruch 5, 8; müsste die sonne lang scheinen, und alle welde zusamen getragen und angezündet werden.
werke 6, 265
a; in die wälde und wüstungen weichen.
tischr. 17
b; alle meer sind unsre keller, alle wälde unsre jagten. 24
a; in seinem land, das voller wälde und steinig were. 335
a; also verruckten sie ... von dysem ort und namen die enge der wäld zu hylf. Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 760; sie ... weihen und sundern ausz gantze wäld und först. Micyllus
Tacitus 440
b; gar ein gerecht volck ... das wäld für heüser hat. S. Franck
weltb. (1542) 9
a; die vögel ausz den lüfften zuo fahen, dasz wild ausz den welden.
laster der trunckenheit F 2
b; wonend daselbst bey den gestüden, wälden oder höltzern der gestaden. Forer
fischb. 200
b; in finstren welden. Kirchhof
wendunmuth 1, 360
Österley; es werden ... die schönen wälde ... jämmerlich verhauwen.
milit. discipl. 201; het er sich ... durch die welt hin und darvon gemacht.
Zimmerische chronik2 1, 48, 7; in seiner welde einen. 1, 316, 34; durch die wälde. 1, 392, 20; die weld herab. 3, 71, 7; soll unser vorstmaister auff all unser vörst, hölzer, wäld und awen, sein vleissig acht und aufsehen haben.
archiv für österr. geschichtsquellen 8, 390 (
jagdordnung Maximilians II. 1575); ecker, wiesen, wälde.
Faustbuch 46; weiter gehören zur narung ... auch die welde und höltzungen. Albinus
Meiszn. chron. (1589) 310; nun lag ein ander stettlein was abwärts, das man für den wälden nicht sehen konnte. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 5.
die form wälder,
die sich durch anlehnung an felder,
vielleicht auch an das bedeutungsverwandte hölzer (
beitr. 27, 252)
erklärt, ist im 15.
und 16.
jahrh. noch ziemlich selten: die vinsternusz der welder. A. v. Eyb 1, 82, 4
Hermann; in den obgemelten hOeltzern und wAeldern.
rechtsquellen des kantons St. Gallen 1, 2, 381, 32 (
Toggenburg 1493)
Gmür; in allen unsern wäldern.
österr. weisth. 6, 417 (
Kärnten 1506); in den wäldern. 4, 31 (
Vinstgau 1538); gemeine wälder. 5, 76 (
Tirol 1589); in weldern.
schriften des vereins f. gesch. d. Neumark 11, 107 (1531); von den wurtzelen und früchten, so wir in welteren fanden. Schmidel
reise nach Süd-Amerika 57, 29
Langmantel; die welder. 86, 2; alle welder. Luther
tischr. 32
b (
meist wälde,
s. oben); wenn ... die welder abgetrieben ... werden. Mathesius
Sarepta 35
a; die wälder. Ernstinger
raisbuch 148
Walther; und setzt sein wonung in die felder inn ebne der umbringten welder. H. Sachs 2, 338, 29
Keller; durch-gieng ich wiesen und pawfelder, zu durch-streunen die finstren welder. 3, 302, 9 (
daneben gebraucht H. Sachs welde); manche wælder grun belaubet sint bald yrs laubs blos beraubet. Melissus
psalmen 103
neudr. (
ps. 29, 9,
in der prosaübersetzung wAelde 104); in wäldern thet ers bestellen. Hock
blumenfeld 126
neudr. im 17.
jahrh. dringt die form wälder
mehr vor, doch ist auch wälde
noch häufig zu finden: ein waldmann .., der in wälden wohnt. Henisch 569, 7; holz aus aignen welden.
österr. weisth. 4, 381 (
Lechthal 17.
jahrh.); mit welchem (
wörtlein loh) etliche wälde und höltzern genennet werden.
anm. weisheit lustgarten 5; in wälden und wiesen. 14; die wälde, darinnen die weyrauchstauden wuchsen. 630; dasz ich eure kühe lasse in meinen wälden gehen. Zincgref
apophth. 168; weiln sie die meiste zeit ihres lebens durch wälde und holtzungen reiseten.
junker Harnisch 120; grosse wäld. Zeiller
episteln 3, 419; da man die hopffenstangen, ohne nachtheil der höltzer und wälde, haben mag.
oberpfältz. landts- und policey - ordnung (1658) 482; weil das wildpret an keinen ort versperret ist, sondern auff den wälden herumb wandert. v. Seckendorff
teutscher fürstenstaat (1660) 306 (
dagegen wäldern 310); ein colonia oder pflantzung der landschafften, ist nicht ungleich der pflantzung der wäld. Schupp
schriften 715; in den ... abgehawenen wälden findet man dieses kraut. Tabernae montanus (1664) 29; wälde, höltzungen. Prätorius
Rübenzahl (1672) 535; in den wälden. Ch. Lehmann
Ober-Ertzgebirge (1699) 53; die wäld, leut und vihzucht. Weckherlin 2, 69 (249, 98)
Fischer (
ps. 22, 13); thal, feld und wäld. 1, 114 (46, 8) (
od. 1, 4); in der Araber wälden. D. v.
d. Werder
erlös. Jerusalem 9, 6; wasz güldner blumen pracht auff feld und wiesen setzt und wäld auff grüne hügel. Opitz
ged. (1690) 1, 57 (
Vielguet); der vögel compagnie durch wäld und feld spatzieren. 2, 164 (
aber wälder 2, 12
u. ö.); durchjagten feld und wälde. Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 81; die kräuterreichen wälde. Logau 1, 51; an wälden, berg und thal, an felden und an auen. 1, 192; im feldt und wälden singet. Spee
trutznacht. 3; ihr felder, wäld und wisen. 39 (
dagegen 62 wälder
im reim auf felder). wälder
findet sich bei Dach, Fleming, Rist, P. Gerhard, Gryphius, Hoffmannswaldau
u. s. w. Stieler 2417
gibt neben wälder
noch wälde
an, in den angeführten wendungen aber wälder.
in den späteren wörterbüchern erscheint keine spur mehr vom plur. wälde,
auszer: sylvicultrix, die in den wälden sich auffhaltet. Dentzler 1, 778
a.
in der fürstl. sächs. altenburgischen gerichts- u. procesz-ordnung (1704)
wechselt der plur. noch: auff den wälden und höltzern. 334 (in wäldern oder feldern. 337).
während in der schriftsprache fortan nur wälder
gilt, ist in den mundarten diese form nicht allgemein durchgedrungen. am meisten scheint sie im süden eingebürgert: so wird walder
von Lexer 249
aus Kärnten, von Schöpf 797
aus Tirol, wälder
von Winteler 173
aus Glarus (
doch in Toggenburg wäld),
von Tobler 438
aus Appenzell (
neben wäld)
und von Hunziker 285
aus dem Aargau, welder
von Heilig 120
aus dem Taubergrund angeführt; ferner wæller
von Woeste 314
aus Westfalen. dagegen hat sich in Mitteldeutschland neben wälde
auch walde
fortgesetzt: Hertel 252
gibt aus Thüringen (
neben weler) wal, wald, Crecelius 889
aus Oberhessen wälle, wäll
und '
selten' walle, wall
an. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
bestimmung und abgrenzung gegen verwandte wörter. unter wald
versteht man jetzt eine gröszere, dicht mit hochstämmigem holz, das aber mit niederholz untermischt sein kann, bestandene fläche. wald
unterscheidet sich so von dem einen geringeren umfang habenden hain,
wo die bäume auch weiter auseinanderzustehen pflegen (
mhd. hagen
ist abweichend busch, dornbusch, namentlich zur einfriedigung),
und dem aus niederholz bestehenden gebüsch.
die gewöhnliche sprache hält aber diese unterscheidungen nicht immer ein. im mittelalter wird wald
vorwiegend als gemeinbesitz einer markgenossenschaft angesehen, so dasz wald
selbst gleichbedeutend mit mark
steht: da ein walt oder ein mark ist, drin sechs dorffe oder me oder minner gehorn.
keyserrecht von 1372
s. 206. Haltaus 1316. Grimm
rechtsalt. 2
4, 15
f. er bildet so den gegensatz zum forst,
der dem gemeinbesitz entzogen ist und sich im besitz eines herrn befindet, vgl.: dasz ... unser herr (
erzbischof v. Mainz) sin abgescheiden wald hait, mit namen der forst.
weisth. 1, 534 (
Rheingau 1324);
damit verbindet sich das merkmal einer sorgfältigen kultur, der der gemeindewald, in den zur herbstzeit die schweine zur mastung getrieben wurden, gewöhnlich entbehrte. ältere ausdrücke, die vor wald
zurückweichen, sind noch: loh
theil 5, 1127,
einen kleineren hain oder busch bezeichnend, hart
theil 4, 2, 509,
das zunächst wol für unbebautes, unfruchtbares land steht; ähnlich hat auch heide
die bedeutung '
wald, tannenwald'
angenommen (
theil 4, 2, 798).
am meisten berührt sich wald
mit holz,
das schon in der alten sprache oft ganz wie wald
gebraucht wird (
theil 4, 2, 1765).
jetzt ist in vielen gegenden wald
fast ganz durch holz
verdrängt und hält sich nur in eigennamen. dies wird schweiz. id. 2, 1246
für die Schweiz, Schmeller
2 2, 895
für Baiern, brem. wb. 5, 285. ten Doornkaat Koolman 3, 568. Woeste 314
für nd. gegenden bemerkt. unterschieden wird namentlich zwischen dem hochstämmigen, aus samen gezogenen hochwald
und dem niederwald,
wo der nachwuchs durch den ausschlag der stöcke oder wurzeln erlangt wird; hierher gehört der hackwald
und der schälwald. hauwald, plänterwald
ist dagegen ein hochwald, aus dem einzelne stämme ausgeschlagen werden. nach den angepflanzten bäumen wird zwischen nadelwald
und laubwald
unterschieden, früher auch als schwarzer
und weiszer wald
bezeichnet, im einzelnen tannenwald, föhrenwald, eichenwald, buchenwald
u. s. w. einen gegensatz zu dem nutzwald
oder holzwald
bildet der lustwald (
schon bei Dasypodius 451).
hervorzuheben ist noch der der benutzung entzogene bannwald. II@22)
der gefühlswert des wortes hat sich im lauf der zeit stark verändert. im mittelalter gilt der wald
als ein unwirtlicher ort, wo wilde thiere und böse geister ihr wesen treiben, wo der mensch aber nicht gerne weilt. darum tritt in dichtungen wald
für die einöde, wüste des orients ein (
auch in ahd. glossen steht wald
für eremus. Graff 1, 802).
im Heliand wird die wüste, in die sich Jesus zurückzieht, als sinweldi
bezeichnet; Otfrid
nennt Johannes stimma ruafentesin wuastinnu waldes. 1, 23, 19
und gebraucht wuastwaldi
für '
wüste'.
der wald
ist der aufenthalt des landflüchtigen verbrechers, der einsiedler und andrer, die sich aus der gesellschaft der menschen zurückziehen: sich zôch diu frouwe jâmers balt (
Herzeloyde nach dem tode Gahmurets) ûʒ ir lande in einen walt, zer waste in Soltâne. W. v. Eschenbach
Parz. 117, 8; die sich kunnent êren verren und von den liuten vliehent und sich ze walde ziehent unde habent ze worte jeide.
Mai u. Beaflor 88, 6; so lief ich denne zuo den waltbrüedern in die walde. Nic. v. Basel 224
Schmidt; ein finstrer heiliger, der sich zum wald verbannte, noch eh er sanfte lust, sich selbst und menschen kannte, verberge sich nur stets in rauher wüsteney! Uz
werke 241 (97, II, 141)
neudr. wald
steht so für einen ort, wo die menschliche sitte und gesittung noch keine stätte gefunden hat: ich wil dîn, tohter, hüeten niht: dîn stæter muot dîn hüeten muoʒ. ob dir von Minnen kraft geschiht daʒ dir ze walde stât der fuoʒ (
dasz du der strengen zucht entfliehen willst), des schaffe dir dîn stæte buoʒ.
Winsbekin 29, 4.
noch jetzt sagt man wol von einem ungebildeten menschen: er ist aus dem walde. in die wälder zurückkehren
für '
sich der kultur entäuszern': man darf eben nicht die hypochondrische schilderung, die Rousseau vom menschengeschlecht macht, das aus dem naturzustande herauszugehen wagt, für anpreisung wieder dahin ein- und in die wälder zurückzukehren, als dessen wirkliche meinung annehmen. Kant 10, 369.
es galt darum im mittelalter als eine starke verwünschung, wenn man jemand in den wald wünschte: Liupolt ûʒ Ôsterrîche, lâ mich bî den liuten, wünsche mir ze velde und niht ze walde: ichn kan niht riuten. Walther 35, 18; ob noch ein frouwe minniclich durch friuntschaft unde liebe kraft hilft einem manne ûʒ sorgen haft, wolte er sich des rüemen, den solte man vertüemen ze walde von den liuten; dâ solte er stocke ûʒ riuten und nimmer komen ze keiner stunt dâ in gruoʒte ein rôter munt oder lieplich ougen sæhen
an. Keller
erzähl. aus altd. hss. 297; wol hin laʒʒ loffen all ze wald untrüw mit irem seile: in unsern wiltpan hôrt si nit, wolhin dem tiefel zteile! Hugo v. Montfort 7, 9
Wackernell. allmählich verlor der wald,
der ungeheuren rodungen anheimfiel, seine schrecken und je mehr man in Deutschland zu einer lebensweise überging, bei der viele menschen dichtgedrängt neben einander wohnen muszten, desto mehr regt sich die freude an der freiheit und ungebundenheit, der stille und schönheit des waldes.
sie kommt auch in der litteratur seit dem 17.
jahrh. zum ausdruck: o was schöns ist zu erschau'n, zu vernehmen in dem walde, dasz eim könnt das herz zerthau'n vor solch wundern mannigfalte! v. Ditfurth
volks- u. gesellschaftslieder des 17. u. 18. jahrh. 191; geliebter und mehr als gesegneter wald, du einsamkeit und stille wüsteney, des friedens und der ruh gewünschter aufenthalt. Hoffmannswaldau
getr. schäfer 49; zier der erde, kühler wald, wohnplatz dunckler lieblichkeiten, schaudrigter zufriedenheiten, schatten-reicher aufenthalt. Brockes 1, 206; frei sich regt und froher ahnung in der brust, und des waldes hoher geist wird uns bewuszt. Fr. v. Schlegel 10, 161; im walde geht das herz dem menschen auf, da ist er wo er hingehört. hat man nicht krieg, so musz man jagd gar fleiszig treiben. Tieck 2, 241 (
Genoveva).
besonders waren die romantiker für die reize und die poesie des waldes
empfänglich und haben allen stimmungen, die der wald
im deutschen gemüt hervorruft, ausdruck gegeben; von den pflanzennamen abgesehen, tritt die grosze masse der zusammensetzungen mit wald-
und waldes-
erst in der romantischen dichtung auf. II@33)
beondere bedeutungen. II@3@aa) wald
bezeichnet früher, dem lat. saltus
entsprechend, auch einen mit wald bedeckten gebirgszug. als eigenname haftet die bezeichnung auch, nachdem jetzt ein groszer theil des waldes abgeschlagen ist. so heiszt in Baiern der wald
ein bezirk, der sich von Holzkirchen an die Isar hinaufzieht, sowie die gegend zwischen dem Inn bei Mühldorf und der Alz, Schmeller
2 2, 895.
besonders ist der name für den bairischen und Böhmer wald üblich: und Eger vor dem walde dient im ouch vil balde.
Seifrid Helbling 8, 1079; so sein alle fürsten und herren umb uns, mit namen: der new könig mit seinem lande vor dem walde, die herren von Beyrn mit yrem lande.
d. städtechron. 1, 201 (
Nürnberg 1401); als sie nu all kemen 1 meil von Prüx für den walt. 1, 465; daʒ ... die kurfursten zwo strassen für sich genomen haben zu ziehen, die einen uber walt bey Künigswart (
an den nordabhängen des Böhmerwaldes) hinein, die andern für den Ellinpogen hinein. 3, 36 (
Nürnberg 1421); wie ein groszer reisiger zeug von Pehem über walt kö
m. 2, 67 (
Nürnberg 1444); daʒ markraff von Branburk ... ist geschiden von markraff von Maygssen, won er wider hinter sich gerukt waʒ uber walt ... und auf ein sulchs haben die czwey pischoff der antwort her dishalb waldes nicht harren wollen und sind alʒ hewt vor tag uber walt gerukt. Palacký
urk. beitr. z. gesch. des Hussitenkrieges 1, 257 (
Eger 1422); so ist unser herczog Johanns mit unserm und anderm zewg seid einmal uber walde auf den Hussen gewesen. 1, 471 (
Nürnberg 1426); Rupertus ... tet grossen prant in Beheym, und was in Bayrenlande nach dem wald gelegen was und zum künkchrich gein Beheym gehöret, das machet er wider undertan den fürsten in Bayren. Andreas v. Regensburg 648, 8
Leidinger; herzog Sigmund ist ain liederlicher fürst gewesen, hat dem adel vorm wald, etlichen behamischen herren, vil gelt verschriben. Aventin
bair. chron. 2, 601
Lexer. der wald
steht auch für die grenzgebirge Siebenbürgens (
Transsilvania): funf mehtic herzogen, die ir hêrschaft hânt vor im: daʒ ist der herzog von Agrim und der herzog über walt, des rîchtum ist manicvalt, und der von Krawâten. Ottokar
reimchron. 8078
Seemüller. ferner heiszt der wald
eine waldgegend am Vierwaldstätter see. weiter häufig der Thüringerwald: ich lasz dich wiszen, daʒ ich feint worden bin meiner fraen ... yn der vehde wil ich dych ach haben und land und let hie disseit waldes.
cod. dipl. Saxoniae 1 B 1, 431, 36 (1395); der buchsenkugeln halb, welche auf dem walde durch die furleuthe verlohren, aber nach widderumb funden wurden.
Tenneberger amtsrechnung 1542
bei Diefenbach-Wülcker 893; wahrscheinlich haben sie auf dem walde schnee gehabt. Göthe
briefe 9, 138 (
an Carl August 1789); die singvögel, die in keinem hause droben auf dem walde fehlen durften. Treitschke
d. gesch.2 2, 401. II@3@bb)
da grosze wälder natürliche grenzen sind, findet sich wald
auch für grenze, namentlich im bairischen. Schmeller
2 2, 896. Grimm
rechtsalt. 2
4, 9
f. daher wendungen wie über wald (
verstärkt: über wald und mark) gehen, führen, für den wald schaffen: swaʒ auch datz dem oben geschriben Flaischtor auʒ der stat ber walt und marh gêet, da geit man von dem siln, der getraid frt, 2 den. ... frt er aber hæring, di er gefrt hat ber walt und ber march, di er niht in der stat hat gechauft, geit er von der maisen 4 den. ... frt aber er hin oder her ber walt und ber marh: chupfer, zin, plei, wachss, smer, nslid, geit er ie von dem zenten 2 den.
monum. boica 36, 2, 331 (
Straubing anf. d. 14.
jahrh.); es wurden mehrere böse thaten von ihm kund. deszwegen wurde er auf vier jahre lang für den wald geschaft, und sein weib, so ihm an bosheit gleichte, wurde von dem nachrichter durch die stadt auszgeführt.
tagebuch des Ferdinand Reindl von München (1608)
bei Westenrieder
beyträge zur vaterländ. historie 1, 175. die vier wälde '
die grenzen nach den vier weltgegenden', innerhalb
oder auszerhalb der vier wälde '
in oder auszer landes': wenn unser herr raisen will, es sey ufwärts oder abwärts in das land zwischen den vier wälden.
Tollensteiner ehhaft bei Schmeller
a. a. o.; einem über die vier wäld bieten
oder einem die vier wäld verbieten '
ihn auszer landes verweisen'.
ebenda aus Münchener handschriften. die bestimmung der vier wälder
ist verschieden: man sol auch wiʒʒen wer die vier wæld seyn, das ist Durgner walt, Behaimer walt, Swartzwalt und die Schärntz.
kaiser Ludwigs rechtsbuch 1, 7
Freyberg; ob ein mann hiet ein sun oder ein tochter, die nicht bey dem land wären, und ausserhalb der vier wälde wärn (der erst wald ist Switzer, der ander Humelwald, der dritt Schwarzwald, der viert Pehamer wald).
weisth. 3, 649 (
Petingau 1435); die deportation, wann einem das ganze reich verboten wird, geschiehet heutigstags über die vier wälder, nemblich den Hartz, Thüringer, böhmischen und speyrischen wald, welche deportation nur der kaiser und die churfürsten verhängen können. Ertl
bei Schmeller
a. a. o. II@3@cc)
der naheliegende begriffsübergang von '
wald'
zu '
holz'
scheint nur vereinzelt eingetreten zu sein. der plur. welde
läszt sich als '
holzarten'
nachweisen: daʒ der egenante prabist der geburschaft zuo Herde sol gebin unholtz zuo burnen und buowen ,.. wir han auch gebeten den vorgenanten probist, ob er weiche welde odir unholtz verkeufin wolte, daʒ er ... den dritten phennig laʒe vallen.
zeitschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 1, 423 (1343). II@3@dd)
dagegen wird häufiger das laubwerk des baumes, die grünen äste, als wald
bezeichnet. diese bedeutung gehört nach Adelung
der forstsprache an: wie nun aber ein wald, wie gedacht, nicht anders, als ein mit holtz bewachsener ort ist; also werden auch an vielen orten nach dem jäger-termino alle äste und zacken, die an einem baume stehen, wald genennet, dasz man insgemein sagt: der baum habe viel oder wenig wald. Döbel
jägerpract.2 4, 19
a; haupt, krone, zopf, kopf, wald eines baumes, sind oben alle seine zweige zusammen. Jacobsson 6, 52
a; diese verästelung nennt man beim baume die krone (in der kunstsprache den wald). Bechstein
forstbotanik4 19; wald, waldung ist 2) die baumkrone.
F. Ben. Weber
ökon. lex. (1838) 629
a.
die bedeutung, nach Adelung '
in manchen gegenden',
scheint besonders im alemannischen üblich: der baum ist nichtsnutz, der hat lauter wald und fast keinen stamm. Auerbach
Joseph im schnee 10; wald '
die baumkrone'. Hunziker 285. Seiler 309. Martin - Lienhart 2, 819.
in vereinzelnder anwendung als '
zweig'
kommt dies wald
nur einmal im mhd. vor: er gieng zuo einem strûche und brach einen walt (ein loub D) rûche, daʒ hielt er fûr sîn schame.
Orendel 549
Berger. II@44)
übertragener gebrauch. II@4@aa)
man bezeichnet, namentlich in der neueren dichtersprache, mit wald
eine gröszere menge von gegenständen, die wie die bäume im walde sich dicht neben einander befinden, besonders von solchen, die in die höhe ragen. dieser gebrauch wird durch vergleiche wie die folgenden vorbereitet: eya, wie si drungen! da ward maniger abe gevalt. es prastlate als ain grosser walt den der wint nider wät und di pawme zerdrät. Heinr. v. Neustadt
Apollonius 6270
Singer; der lauff (
l. luft) ward vinster uberall, was (
l. wan) das here was gestalt als ain praiter, dicker walt. 7472; dô sâhen sie vil masboume in den schiffen stên als ein walt.
herzog Ernst B 3901; im port, wo unzählige maste, gleich dem entblätterten wald, aufragen zum himmel. Pyrker
Tunisias (1832) 4, 4; und mit grünen halmen schmücket sich der boden alsobald, und, soweit das auge blicket, wogt es, wie ein goldner wald. Schiller 11, 295 (
das eleusische fest).
man spricht dann bildlich von einem wald von haren, wald von pflanzen, wald von säulen, wald von schiffen, masten, wald von fahnen, wald von lanzen, wald von männern
u. dgl.: dasz dir dein häuptlin nicht erfrier, darin du hast so seltzam meusz, und druff ein walt, darin vil leusz. Scheidt
Grobianus 1200; wie wann ein liebes-geck das welcke haubt verstecket in einen wald von haar. Bodmer
krit. ged. 17 (1, 409)
neudr.; mir kam das kleine, lächerlich-runde gesicht des gecken .. mit dem walde von haaren, der es in der mitte durchschneidet, wie ein weiszes kaninchen vor, das sich hinter den busch verkriecht. Hebbel
werke 2, 19 (
Maria Magdalena 1, 4); du hast einen groszen wald auff dem kopff. Tappius 182
a bei Wander 4, 1770; der understen scham den wald auszreuffen. Franck
morie encomion 26
a; verirrt in den vertraulichen, melancholischen wald der schwarzen augenbraunen. Forster
briefwechsel 1, 174; sollte nicht diesz und ein wald von federbüschen ... nebst ein paar gepufften rosen auf meinen gekerbten schuhen, mir zu einem platz in einer schauspielergesellschaft verhelfen?
Shakesp., Hamlet 3, 1; den grünen kleeboden schmücken zerstreute wälder von blumen. Kleist
frühling (1754) 43; das heilkraut stirbt in einem wald von lolche, unglückliches, zerstörtes reich! Seume 605; und auf des Rheines klaren tiefen schwimmt ein belebter wald von schiffen. Götz
ged. 7 (2, 79)
neudr.; mit fremden schätzen reich beladen, kehrt zu den heimischen gestaden der schiffe mastenreicher wald. Schiller 11, 231 (
ring des Polykrates); vergebens knirscht des alten sultans zorn, vergebens dräut ein wald von starren lanzen. Wieland 22, 4 (
Oberon 1, 2, 2); wir haben keine waffen, ihr seht den wald von lanzen um uns her. Schiller 14, 360 (
Tell 3, 3); da wollen wir es pflanzen der freiheit edles reis, ein wald von jungen lanzen umblüht es grün und weisz. Schenkendorf 58; der boden dröhnte von dem hufschlag von zehntausend pferden, ein wald von säbeln und lanzen bedeckte die thalmulde. Treitschke
d. gesch.3 1, 755;
Penthesilea. und wie die feuerrothe windsbraut brechen wir plötzlich in den wald der männer ein. H. v. Kleist 1, 267 (
Penthes. 15). II@4@bb) wald
kann auch, ohne dasz es auf die stellung und lage ankommt, eine grosze menge von dingen bezeichnen, die aus dem walde kommen, z. b. von holz, stäben, zweigen: wann ergreift er mich, so zerslecht er ainen gantzen wald ruoten an mir. A. v. Eyb
dramen 20, 12
Herrmann; auch glimmt aus goldnen räucherpfannen ein ganzer wald von adlerholz und zimmt. Wieland 10, 321 (
schach Lolo);
Giselher. nun, Rumolt, soll ein baum noch stehen bleiben? du führst ja wochen lang schon wälder ein und rüstest dich so grimmig auf die hochzeit, als kämen mensch und zwerg und alf zugleich. Hebbel 5, 61 (
Siegfried's tod 2, 1).
in der mhd. dichtung steht wald
namentlich gern von den lanzen, die bei einem turnier oder gefecht angesammelt sind: hie hât der künec von Patrigalt von speren einen ganzen walt. W. v. Eschenbach
Parzival 66, 24.
daher den walt swenden '
viel lanzen verbrauchen': wære worden der turnei, sô wære verswendet der walt. 81, 9; nâch ir minne ist waldes vil verswendet. 769, 11; zehant wis muotic unde balt ... sitz eben, swende alsô den walt als dir von arte sî geslaht.
Winsbeke 20, 5; von bluote rôt wart vil manic îsengewant. von den helden dâ verswant mit maneger rîchen jost der walt. Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 280, 14;
kühn setzt einmal Wolfram wald
für die von einem stock sich loslösenden splitter: ein werdiu magt mir lachen bôt: die blou der seneschalt durch mich, daʒ von ir reis der walt.
Parzival 304, 18. II@4@cc) wald
von abstracten: vrowe, aller sælden ursprinc, diʒ wart umb unser heil erdâht, und bî dir schône vollebrâht nâch gotes ordenlicher zît, der sich erjungen wolte sît in dîner tugende walde alsam ein hirʒ, der balde ze holze und in gedürne verrêret sîn gehürne, und sich erniuwet schône. K. v. Würzburg
gold. schmiede 1379; des edelen keisers kint wil ich iu prueven sô: unt stuende ein ganzer walt von tugenden in wilder bluete, der künde niemer volle tragen die tugent, die er begat.
minnesinger 2, 233
b Hagen (
bruder Wernher); ich hab aber ein wald der schönsten gedechtnus wirdigesten histori inn disz mein Germaniam tragen. S. Franck
teutscher nation chronic, vorrede aa 3
b.
namentlich bezeichnet es eine ungeordnete menge, in der man sich schwer zurechtfindet: hier (
in Klotzens schrift) trete ich in einen so groszen wald kahler fremder compilirter stellen, dasz mein schriftsteller Virgil fast darunter verschwindet. Herder 3, 306 (
krit. wälder 2)
Suphan; kaum bin ich in der mitte des dritten bandes der actorum, und ach! wer mag den hercynischen wald durchgehen? 3, 458 (
krit. wälder 3); lassen sich allgemeine grundsätze finden ... oder ist in der geschichte des menschlichen geistes und volks alles ein wald, ein chaos? 9, 312 (
vom einflusz der regierung auf die wissensch.); war also nicht gottähnlichkeit die bahn, die ihm der schöpfer selbst angewiesen? so wird der einseitige philosoph fragen, und in dem walde von begriffen, den er naturrecht, recht der menschheit nennt, hätte er auch einseitig - hypothetisch recht. 9, 538 (
über die dem menschen angeborne lüge).
ebenso auch wilder, tiefer, böhmischer wald: noch musz der mann so viel wort darvon machen, nur dasz er sich ein wenig abermal auffhalte, ehe er in den wilden wald der Calvinischen zeugnisse komme. Matth. Hoë
triumphus Calvinisticus (1615) 761; wenn aber der sprachlehrer den frager und schüler blos in den ganzen tiefen wald seines deutschen wörterbuchs hinein schickt, um sich antwort abzuholen. J. Paul
doppelwörter 2; die ganze unzälige menge unartikulirter töne bey einem thierischen menschen, seine mimische sprache, ... müssen gewesen seyn — ehe der mensch zur sprache seine zuflucht nahm. uns ist dieser ganze wald ein böhmischer wald: wir verstehen diese ganze zeichensprache nicht mehr, denn man läszt uns nicht eine sprache erfinden, sondern lehrt sie uns. Herder 1, 386 (
fragm. üb. die neuere deutsche litteratur 3)
Suphan; findet man nicht in demselben clima, ja dicht an einander in allen welttheilen kleine völker, die in éinerlei kreise so verschiedne und entgegengesetzte sprachen haben, dasz alles ein böhmischer wald wird? 5, 128 (
urspr. d. sprache).
in anknüpfung daran wird böhmische wälder
auch (
wie böhmische dörfer
theil 2, 1279)
für etwas ganz unbe. kanntes, wovon man gar nichts versteht, gebraucht: bis auf den Casimirus den IV. .. diesen könig kannt' er par renommée, alles übrige war ihm dicke finsternisz. es waren ihm alles böhmische wälder. Hippel 2, 168 (
lebensl. 2); in einem volke, welchem in manchen landschaften dergleichen öffentliche verhandlungen und entscheidungen mehr als böhmische wälder waren. Arndt
pro populo germanico (1854) 130. II@4@dd) wälder
wird seit Opitz
nach lat. sylvae
für schriften, namentlich gedichte, vermischten inhalts gebraucht: sylven oder wälder sind nicht allein nur solche carmina, die ausz geschwinder anregung und hitze ohne arbeit von der hand weg gemacht werden (
die Quintilian und Statius silvae nennt), ... sondern ... sie begreiffen auch allerley geistliche und weltliche getichte, als da sind hochzeit- und geburtlieder, glückwündtschungen
etc. Opitz
deutsche poeterey (
cap. 5) 158
Witkowski; Ph. Caesiens poetischer rosen-wälder vorschmack. Hamburg 1642 (
titel); Ch. Gryphius poetische wälder. Frankfurt u. Leipzig 1698 (
titel); J. Grob Reinholds v. Freientahl poetisches spazierwäldlein. 1700 (
titel); in mehr als einer sprache hat das wort wälder den begriff von gesammelten materien ohne plan und ordnung; ich wünschte nur, dasz meine leser die etwas trockenen und verschlossenen pfade dieses ersten theils überstehen möchten, um hinter denselben zu freieren aussichten zu gelangen. Herder 3, 188 (
krit. wälder 1)
Suphan; die gelehrten, wie ihr wiszt, schrieben allerlei wälder, Herder schrieb z. b. kritische, die gebrüder Grimm altdeutsche. ... ich schreibe blos ein wäldchen, und zwar ein philantropisten-wäldchen, wie einmal ein kleines bei Dessau zu Basedows zeiten hiesz. J. Paul
herbst-blumine 3, 176. II@4@ee)
der übertragene gebrauch kann auch an bestimmte wendungen anknüpfen, in denen wald
erscheint: bringe mir wein scharfer natur, schenke! dasz ich mit dieser goldenen axt hier aus der brust wälder des grames reute. Rückert
ges. ged. 4, 173; umsonst! du bist auf immer mir verloren! laut rufend in den dunkeln wald des lebens, hat ohne rast die sehnsucht dich beschworen; ihr ruf durchklang die einsamkeit vergebens. Lenau
ged. 1, 26 (1857); wir wallten durch des glaubens paradiese ... und in der forschung wälder trat, ein thor, ich aus jenem gottbeseelten paradies ... im labyrinthe flosz in kargen tropfen durch's laubgewölb' das licht, staubregen kaum. 1, 128; die grausamen erfahrungen der letzten zwei monate haben den vor kurzem noch dichten wald der deutschen monarchisten entsetzlich gelichtet. Dahlmann
kl. schriften 404. II@55) wald
steht in einer groszen zahl von festen verbindungen. II@5@aa)
sehr üblich ist es, wald
mit andern in der bedeutung verwandten oder entgegengesetzten substantiven zu verbinden. in altdeutschen rechtsquellen wird bei feststellung des besitzrechtes häufig wald
neben wasser (wag)
und weide (wunne)
genannt: ouch teilt man eyme apte von Swartzach zu recht walt und weyde, und wyltfank, wasser und wagk.
weisth. 1, 734 (
Unterelsasz); auch behalten wir unser welde, unser wæge, wasser und weide in allem recht, also wir sie gehabet hant. 2, 4 (
Saarbrücken 1321); wasz hie diseit dem Kœllenbach und zwischen der Nagolt gelegen ist von wald, wasser, wonn und waid ... hœrt und leit alles in die herschaft Altenstaig. 6, 321 (
Schwaben 1490); (
wir) wisen auch seiner erwirden in obgemelten banne ... wasser undt weyde, drucken undt næsse, das wildt in dem waldt.
Luxemburger weisth. 45 (
Auer 1535)
Hardt; wald, weide, wasser sind nach einem uralten deutschen rechtsgrundsatze gemeine nutzungen aller markgenossen. Riehl
land u. leute8 48.
sprichwörtlich: wald, wasser und weide haben keine scheide. Wander 4, 1769.
auch sonst erscheint (
besonders in der älteren und neueren dichtersprache) wald
gern in alliterirenden verbindungen. wald und wiese: da sich wald und wiese kleiden, dank' ihm (
gott) für die frühlingsfreuden, die er diesem herze wieder giebt, das in seinen werken ihn den meister liebt. Denis
lieder Sineds 248; die, so die goldne zeit und unschuld wiederum in wald und wiesen sich bemühen einzuführen. Pyra
u. Lange
ged. 92 (24, II, 90)
neudr.; ein unbegreiflich holdes sehnen trieb mich durch wald und wiesen hinzugehn. Göthe 12, 46 (
Faust I
v. 776): dämmernd liegt der sommerabend über wald und grünen wiesen. Heine 1, 133
Elster. daher wald- und wiesen-
zusammenfassend in zusammensetzungen: alle verirrungen und excesse unsrer literatur .., die mittelalterlichen, die karfunkelpoeten, die wald- und wiesendichter. Prutz
kl. schriften 2, 105;
verallgemeinert in burschikoser sprache zur bezeichnung von etwas alltäglichem, z. b. eine wald- und wiesenmelodie. wild und wald: noch half gott in not wundersam durch seiner engel wachte, dasz ein so grosser lauf durchkam, den er mit macht durchbrachte ... durch wild und wäld, durch stein und stöck hat sie gott lassen führen.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs nr. 124, 18 (1634)
Steiff; ob hier gleich Amphion mit dem Orfeus singt, und wild, und wald, und berg, der zauber-thon bezwingt. Bodmer
krit. ged. 32 (1, 830)
neudr.; Philoktet. leb wohl denn, bunt gefieder, und wild und wald! Herder 28, 73
Suphan. wald und wüste: si burgen sich durch guoten fride in welden unde in wüesten. K. v. Würzburg
Pantaleon 97 (
zeitschr. f. d. alt. 6, 197); damit war er seiner heimat ledig und ging in wälder und wüsten — ein landflüchtiger mann, und ging wieder ins Dänenland. Scheffel
Ekkeh. 119.
von andern verbindungen ist namentlich feld und wald
beliebt: in felde joh in waldesô sint sie (
die Franken) sama balde. Otfrid 1, 1, 62; wil er mit sölhem liste an uns hie prîs hân bezalt, er fliehe velt oder walt, dar sul wir kêren ûf sîn spor. W. v. Eschenbach
Willeh. 117, 14; dô was er komen von sînem her; er hêt eʒ lâʒen an dem mer wol anderhalp hundert mîl ... dô kêrt er wald unde velt, er hêt verIorn sîn gezelt. Enikel
weltchronik 19557
Strauch; man sach de wolde und velde grone stan.
Reineke vos 2; die nymfen ... machten von disem gesang berg, thal, feld und wäld widerhallen. Weckherlin 1, 114 (
Od. 1, 4)
Fischer; hernach soll wiederumb mit schönen tireliren der vögel compagnie durch wäld und feld spatzieren. Opitz
ged. (1690) 2, 164; der winter drückt die haut und hat im wald und feld ein weisz begräbnisztuch den bluhmen vor gestellt. Günther
bei Steinbach 2, 919; er rafft sich auf durch wald und feld, und flieht laut heulend weh und ach. Bürger 71
b (
der wilde jäger); der bächlein, lerchen, wald und feld und erd' und himmel will erhalten. Eichendorff 1, 13
Dietze; durch wälder und felder, durch thäler und see. 192; zu felde und walde, zu wasser und lande. Cyr. Spangenberg
jagteuffel 303
b; ich freue mich, dasz mich ein toller streich zwischen diese wälder und felder geschleudert hat. Immermann
Münchh.2 1, 210; er saʒ ûf unde reit nâch wâne in grôʒ arbeit, und erstreich grôʒe wilde, walt unde gevilde, unʒ er den engen stîc vant. Hartm. v. Aue
Iwein 970.
ferner wald und heide, wald und flur, wald und au: pfingsten war, das fest der freude, das da feiern wald und haide. Uhland
ged.2 229 (
der schwarze ritter); winter thut es uns zu leide, dasz er wieder wald und haide bringen will zu blätterfall. Rückert
ges. ged. 4, 371; doch hin und her, durch flur und wald, und her und hin, durch wald und flur, verfolgen und erwittern bald die raschen hunde seine spur. Bürger 70
b (
der wilde jäger); stadtgeborne herrn und frauen, die ihr wald und flur liebet auch wol zu beschauen. Rückert
ges. ged. 5, 29; die lerche kann nur fliegend singen, nicht sitzend fest in wald und au'. Kerner
lyr. ged.5 388; durch die wälder, durch die auen. Kind
freischütz. wald und thal, wald und kluft, wald und schlucht: wenn er (
David) die harfe schlug, dasz wald und thal erklungen. Pyra
u. Lange 85 (24, I, 42)
neudr.; geht's in der nächte glanz, durch thal und wald. H. v. Kleist 1, 267 (
Penthes. 15); ich bin dir (
natur) nachgeschritten auf allen blum'gen tritten durch wies' und feld und wald und kluft. Rückert
ges. ged. 4, 290; ich will mich trösten, dasz mit brüllen und heulen wald und schlucht hier wolf und löwe nicht erfüllen, wenn man die himbeer sucht. 4, 301. berg und wald: von dem grôʒen schallebeidiu berc und walt erdôʒ.
Nibel. 145, 6, 4
Zarncke; berg und wald verzaubert standen. Eichendorf
3 1, 338
Dietze; doch trieb mich eine unendliche ungeduld ... durch berg und wald wieder vor ihre thüre. Göthe 21, 32 (
W. Meisters wanderj. 1, 2). II@5@bb)
verbindung mit adjectiven. die verbindung des adj. mit dem subst. ist vielfach eine herkömmliche (
z. b. meist bei wilder, dunkler, grüner wald),
so dasz das adj. nur der ausmalung dient, während in andern fällen eine unterscheidung beabsichtigt ist. althergebracht ist die verbindung wilder wald:
belua Krämer 1206
a;
saltus silvestris Hederich (1753) 2574; 'iʒ ist ein ander einsidel in dem walde, der ist ... heiliger danne du'. dô sprach sente Anthonius 'nummer wil ich geligen eine nacht dô ich die andere lige, ich enhabe disen menschen funden' ... und ginc in den wilden walt.
mystiker 1, 56, 25
Pfeiffer; unz daʒ er rehte dar kam dâ sî von klage michel leit in dem wilden walde erleit. Hartm. v. Aue
Erec 5313; die wilden œden welde ze schiffen wurden ab gedrumt. K. v. Würzburg
troj. krieg 23562
Keller; o werlt, nû gib mir deinen lôn, trag hin, vergis mein pald, hiet ich dem herren für dich schôn gedient in wildem wald, sô fuer ich pas di rechten var. Osw. v. Wolkenstein 92, 52
Schatz; und sprach, wie under diesen allen (
thieren), die in dem wilden waldt umbwallen, er selb allein der edelst wer. Waldis
Esopus 3, 43, 8
Kurz; als ir denne unser gesworen manne seit, vragete wir euch und dirmanthen euch bey euweren eyden im wilden walde, ir weret uns schuldig eyn andwert zcu geben.
acten der ständetage Preuszens 2, 465 (1442); so er ader wer gestorben in einem wilden wald oder deu wilten tyr hieten (in) zerissen und niemandt west, wo er hinchumen wer.
quellen z. gesch. der stadt Wien 2, III, 429
b (1492); Zion sol wie ein acker gepflüget werden, und Jerusalem ein steinhauffen werden, und der berg des hauses des herrn zum wilden walde.
Jerem. 26, 18; in einem wilden wald bey reissenden wölfen wohnen. Schupp
schriften 632; im nebelgeriesel, im tiefen schnee, im wilden wald, in der winternacht, ich hörte der wölfe hungergeheul. Göthe 1, 172 (
zigeunerlied);
Köhler. bringt der jungfrau einen becher zur erquickung.
Raimond (
zur Johanna). ihr seht, es sind nicht alle menschen grausam, auch im wilden walde wohnen sanfte herzen. Schiller 13, 312 (
jungfr. v. Orl. 5, 2,
handschriftliche lesart); hinaus zum wilden wald sie schreitet. v. Redwitz
Amaranth13 114.
oberhess. em welle wāld Crecelius 890.
ähnlich wüster, rauher wald: wüster wald,
luci inculti. Stieler 2417; rauher wald,
silva aspera. Hederich 2574; zuo œden wüesten welden sich diu küniginne huop. K. v. Würzburg
troj. krieg 10588
var. Keller; in wüsten wälden, berg und thal, gruonts überal und in den schönen äwen. Waldis,
Wackernagels kirchenlied 3, 762, 7; des endes huop sich Êrec durch rûhen walt âne wec unerbûwen strâʒe. Hartm. v. Aue
Erec 5313. dicker, tiefer wald: dicker wald,
saltus. Stieler 2417; das gottlose wesen ist angezündet wie fewr, und verzeret dornen und hecken, und brennet wie im dicken walde, und gibt hohen rauch.
Jes. 9, 18; und der dicke wald wird mit eisen umbgehawen werden, und Libanon wird fallen durch den mechtigen. 10, 34; alle stedte werden fur dem geschrey der reuter und schützen fliehen, und in die dicken welde lauffen und in die felsen kriechen.
Jerem. 4, 29; er trieb nach seinem brauch die heerd in einen dicken wald. Liscow 429; der wolf hat mir ein altes haus geschenkt, das weit hinauf in dicken wäldern liegt. Tieck 2, 202 (
Genoveva); dô riten si von dannenin einen tiefen walt.
Nibel. 869, 1; und tiefer in den tiefen wald verlohren, irr ich. Kosegarten
dichtungen 5, 103; sie nisteten sich in einer Römerburg ein, in den mauern einer zerstörten stadt, in tiefem wald und unnahbarer schlucht. Freytag 17, 116 (
bilder 1, 2). finstrer, dunkler, schwarzer wald: schwarze dunkele wälder,
boschi oscuri, opachi. Krämer 1206
a; finsterer wald,
lucus. Kirsch 2, 379
a; das hochwirdig gnadrich gotzhusz und capell zuo Einsidlen im vinstern wald genant. Etterlin
kronica v. d. eydtgnoschaft (1507) 2
a; er liesz seinen falken fliegen, er liesz seine winde stieben, er eilet also balde zuo einem finstern walde. Uhland
volksl. 1, 145; ein wolff lieff in ein finstern waldt. Waldis
Esopus 1, 56, 2
Kurz; Mimer, mit klugen sinnen wuszt, wie im finstern wald ein drache hatte drinnen im fels den aufenthalt. Tieck
ged. 1, 270; si ritten so wunder und balde durch einen dunkeln walde. Uhland
volksl. 1, 147; er ritt so wunder und balde wol ausz dem dunkeln walde. 1, 151; dann kömmt vom thal und von den hügeln, vom dunkeln wald und von der flur, mir kömmt von jeder frühlings-blume ein froh entzüken in die brust. Geszner (1770) 3, 139; sie singen laut den dunkeln wald hinunter. Tieck 2, 23 (
Genoveva); ihr thiere im tiefen dunkeln wald. 2, 168; der Keresch, welcher sich in so viel adern theilt, und durch den schwartzen wald mit vollem rauschen eilt. Opitz
ged. (1690) 2, 8; 'mein gott im himmel, der ist mein licht, der läszt mich im dunkeln walde nicht' ... es saust ihm zum haupte der schwarze wald, und die sonne versinket in wolken bald. Uhland
ged.2 223; sey mir gegrüszt, einsames thal, und du flusz, und du schwarzer wald! einsiedlerisch will ich in deinem schatten ruhn, melancholischer wald! Geszner (1770) 3, 124; so hant der lantman mit den heimbergen vurgenant unserm gnedigen heren von Trier und syner gnaden stijffte zu Trier zugewijste den grawen walt und den schaub off dem dache, und den man myt der frauwen.
weisth. der Rheinprovinz 1, 1, 42, 40 (1460)
Lörsch. einsamer, stummer wald: lebt wohl, ich gehe in den einsamen wald, zu meiner leeren hütte. Tieck 2, 14 (
Genoveva); eingehüllet in nacht, jetzt, da die beeisten gebirge, und der einsame wald stumm und menschenlos ruhn, jetzt eil' ich ... Klopstock 1, 76 (
an Bernstorff); durch die stummen wälder irrte ohne lämmer, ohne liebe, träumerisch ein armer hirte. Brentano 2, 182. frischer, kühler wald: er kam auf frommer fahrt zu Palästina's strand. daselbst er einmals ritt durch einen frischen wald. Uhland
ged.2 311; wie sehnsuchtsvoll fühlt sich mein herz gezogen, dem frischen grünen walde zugelenkt. Tieck
ged. 1, 76; so viel der kühle waldt ein sandfeld uobertrifft. Opitz
ged. (1690) 2, 287: o kühler wald, wo rauschest du, in dem mein liebchen geht? Brentano 2, 123. grüner wald: und weist ihme (
dem bischof) heimburger und landman zu den grunen wald, den schauf auf dem tage (
dache).
weisth. der Rheinprovinz 1, 1, 47, 15
Lörsch; dar zuo die bluomen manicvalt, diu heide rôt, der grüene walt. Walther 122, 33; sie hieʒen herbergenfür den grüenen walt gên des wildes abeloufedie stolzen jägere balt.
Nibel. 871, 1; o mei, du edler meie! der du den grünen wald so herrlich tust bekleiden mit blümlein manigfalt. Uhland
volksl. 1, 117; der mond scheint durch den grünen wald. 174; zum grünen walde was im (
dem hirsch) gach. Waldis
Esopus 1, 36, 21
Kurz; in dem grünen wald zu jagen, ist mein leben, meine lust. v. Dithfurth
volks- u. gesellschaftslieder des 17. u. 18. jahrh. 202. lustiger wald:
nemus Hederich 2574; darumb hat er die lustigen wäld, holz und baum, zuvor die alten eichen geweicht. Aventin 1, 345, 30 (
deutsche chronik)
Lexer; so kehrten all' zum luft'gen wald, ins grüne laub nach haus. A. Grün 5, 292 (
Robin Hood). hoher wald: weisen ihm (
dem abt) ... alle hohe wäldte und was der krummen erwachsen ist, darzu.
weisth. 2, 73; weisen wir zu unserm gnedigen herrn den hohen waldt, den fogel in der luft, den fisch im wasser.
weisth. der Rheinprovinz 1, 1, 208, 22 (1538)
Lörsch; forter erkennen und weisen die scheffen einem obgenanten herrn abt einen freyhen hoihen wald. 1, 1, 243, 12 (1519); auf dem Pfannenstiel, einem so genannten Schönburgischen hohen wald. Ch. Lehmann
Ober-Ertzgebirge (1799) 79; der hohe wald ist düster. Tieck 2, 117 (
Genoveva). II@5@cc) wald
von andren substantiven abhängig. II@5@c@aα)
anreihung im genetiv: dô sprach der waldenære'vîl lieben hêrren mîn, welt ir hînt hie belîben,ich gibe iu brôt und wîn, hüener und wiltbræte'sô sprach des waldes man.
Wolfdietrich B 419, 3
Jänicke; bedarf ein margman einer loube zuo einem huse oder zuo einer schúren, so sol er zuo den förstern gen, und sollen die förster im das erlouben ... und sollen dem holtz waldes reht ton und sollen das holtz blatten.
weisth. 4, 509 (
Kaiserstuhl 1432); slihtit uns ingeginithen weg thiu selba menigî mit estin thero waldo,thaʒ wir gangên baldo. Otfrid 4, 5, 54; wurze des waldes und erze des goldes und elliu apgründe diu sint dir, herre, künde. Herger,
minnesangs frühling 30, 27; nur des waldes höchste eiche hebt nicht mehr die stolzen wipfel. Uhland
ged.2 276; wenn sie in silberner schale mit wein uns würzet die erdbeer'n, dicht mit zucker noch erst streuet die kinder des walds. Mörike 1, 107; auch kamen die thiere des waldes oft durch die abendhöhle ... und suchten bey uns kühlung darin. Fr. Müller 1, 30 (
Adams erstes erwachen); so klagt der geschossene rehbock des waldes selbst noch dem jäger ... sein leid ins ohr. Mundt
moderne lebenswirren 52; daher durch waldes dunkel glänzt ... das düsterblaue meer. Kosegarten
dichtungen 5, 104; des waldes nacht wird dämmerung. 104; dämmernd grün des waldes schatten. Tieck
ged. 2, 209; in des waldes einsamkeit flieh' ich gern zu baum und kraut. Kerner
lyr. ged.5 302; vielleicht, vater, erlebet ihr noch die freude, ihn an der fronte eines heeres zu erblicken, das in der heiligen stille der wälder residiret, und dem müden wanderer seine reise um die hälfte seiner bürde erleichtert. Schiller 2, 19 (
räuber 1, 1
schausp.); im innern seines herzens aber fingen die weiszen birken seiner natürlichkeit und seiner von der freiheit des waldes gewiegten seele zu weinen
an. Gutzkow 7, 141 (
Blasedow 1); nacht des waldes
vgl. auch theil 7, 163. II@5@c@bβ)
anreihung mit präpositionen: sie wâren unversunnen und geloubten an die brunnen und an die boume im walde. Albr. v. Halberstadt
prolog 33; lasset jauchtzen alle bewme im walde fur dem herrn.
1 chron. 17, 33; denn alle thier im walde sind mein.
ps. 50, 10; den fisch ym wasser, dye wilde thier in welden, den fogel yn der lofft.
weisth. 2, 75 (
Saar 1504); dat wyld uff dem walde, den fische in dem wasser, den fugel in der luchte.
weisth. 2, 609 (
Eifel 1468); welche nu unter diesem hauffen sich wol gehalten .., denen theilete man einen eigenen gewiesen ort zu, im felde und zu walde, darauff er bawen ... mochte. Cyr. Spangenberg
adelspiegel 2, 303
a; dasz ich ... khain wildtprett, klain, oder grosz, zu veldt, noch zu waldt, wie das nahmen haben mag, weder beleidigen, beschedigen noch fahen ... will.
archiv f. österr. geschichtsquellen 38, 359 (
jagdordnung 1575). II@5@dd)
verbale verbindungen. II@5@d@aα) wald
als subject: der wald ist grüen, grüenet,
nemus omne viret. Henisch 1762, 8; gruonet der walt allenthalben: wâ ist mîn geselle alse lange?
carmina Burana 188
Schmeller; der walt in grüener varwe stât: wol der wunneclîchen zît!
minnesangs frühling 6, 14; wol geloubet stât der walt. Haupt
Neidhart v. Reuenthal xxiv; nach ist miner sunde me dan wasszertroppen in dem sehe und laubes hot der walt, do zu des meres sant ungezalt.
Alsfelder passionsspiel 2004; er schôʒ prîslichen wol: ouch gienc der walt wildes vol. Hartm. v. Aue
Iwein 3272; das meer erbrüllt. es braust der wald. Kosegarten
dichtungen 5, 103; wie braust der wald, wie ziehn die schweren nebel. Tieck 2, 195 (
Genoveva); es braust der wald, am himmel ziehn des sturmes donnerflüge. Lenau
ged. 1, 15 (1857); der wald hat vom winde gekracht,
insonuit vento nemus. Nieremberger; die wälder schallen,
reboant silvae. ebenda; der wald steht schwarz und schweiget, und aus den wiesen steiget der weisze nebel wunderbar. Claudius 4, 91; der wald steht vor den bergen,
silva imminet montibus. Steinbach 2, 919. II@5@d@bβ) wald
als object. den wald fällen, reuten, roden, schwenden (
s. den übertragenen gebrauch oben sp. 1079), abtreiben
u. s. w.: wäld fellen oder abhauwen,
cedere sylvas. Maaler 481
c; einen wald umhauen oder aushauen. Ludwig 2372; den wald aushauen, dasz er licht wird,
collucare. Kirsch 2, 379
a; den wald ausschneiden,
interlucare. ebenda; nachdem die hämmer und ösen sich vermehret .., sind die grossen hohen wälder ungläublich niedergelegt, gelichtet und geräumet worden. Ch. Lehmann
Ober - Ertzgebirge (1699) 84; die wälder sind verhauen, die berge gelichtet, die plätze geräumet. 86; daʒ nieman in dem inren Riete inwendig des mitteln graben die weide noch den walt ... burnen noch anstossen sol.
Schlettstadter stadtrechte 1, 316 (1374)
Gény; in swelhes forsters huote der walt prinnet, so sol der selbe vorster den leuten zuo rffen und zuo bringen, den walt ze leschenne.
Nürnberger polizeiordnungen 299
Baader. II@5@d@gγ)
anknüpfung mit präpositionen. der artikel fehlt in der älteren sprache häufig in den verbindungen in wald (
was allerdings auch aus in den wald
zusammengezogen sein kann), über wald
und zu walde. II@5@d@g@11)) es solt ein meidlein fr auf stan es solt in wald nach röslein gan. Uhland
volksl. 1, 205; ein bawr gegangen kam in waldt. Waldis
Esopus 1, 39, 3
Kurz; wenn jemand mit seinem nehesten in den wald gienge holtz zu hawen.
5 Mos. 19, 5; so gehe hinauff in den wald.
Jos. 17, 15; dasz auch kein rauber und mörder in waldt geht, er thuts in gottes namen.
sprichwörter (
Frankf. 1591) 12
a; der heckenreuter ... gieng mit dem rohr in wald. Ch. Lehmann
Ober - Ertzgebirge (1699) 71; er ist etlichemahl in wald gelauffen und gantz wild worden. 758; sîn triuwe hât sô kurzen zagel, daʒ si den dritten biʒ niht galt, fuor si mit bremen in den walt. W. v. Eschenbach
Parz. 2, 22; furen sie wider in wald, luden den paum ... auf ain wagen.
Zimmerische chronik 1, 317, 7; er ritt auf seinem wolf gar oftmals weit in wald. Tieck 2, 216 (
Genoveva); je weiter ich aber gieng, je tieffer ich von den leuten hinweg in wald kam.
Simpl. 1, 25, 5
Kurz; komm mit uns in die böhmischen wälder! wir wollen eine räuberbande sammeln. Schiller 2, 47 (
räuber 1, 2
schausp.); in die welde nemen vlucht.
livländ. reimchron. 3376
Meyer; sich tieff in wald hinein begeben,
imboscarsi. Krämer 1206
a; sich in einen wald verstecken,
se in silvam abstrudere. Steinbach 2, 919; der pock mit sünd gesandt in walt, des tod als volckes schuld bezalt. J. v. Schwartzenberg
bl. 154
s. 2
a; wenn man einem einfechtigen nachbarn zwey schwein in walt lest gehn, so lest man einem ackermann vier gehen, und einem obermerckermeister acht schwein, wenn es ein volkommen eckern ist; so es aber ein halb eckern ist, so hat ein einfeltiger ein und ein ackerman zwo und ein obermerckermeister vier schwein in walt zue treyben,
Rodenbacher marckordnung v. j. 1565,
aus dem marckbuechlein zue Rodenbach (
i. d. Wetterau); 8 alb. (
zahlt) Sickenhoffen von ihren säuen in wald zu treiben. Buri
vorrecht der bann - forste, urkunden p. 35 (1724); item wenn foll eckern ist, so hat der heimburg zu L. und die förster vorgenant jeder 32 swine in den wald zu slachen.
weisth. 4, 518 (
Schwarzwald 1492). in den wald, in wald
findet sich auch als selbständigere bestimmung oder ganz für sich stehend: Gunthêr und Hagne,die recken vil balt, lobeten mit untriuwenein pirsen in den walt.
Nibel. 859, 2; wenn die hunde in wald zum jagen losz gekuppelt. v. Pärson
der hirsch-gerechte jäger (1734) 76
a; waldgesell, ist der hund des jägers, oder sein begleiter in wald.
handbuch f. prakt. forst- u. jagdkunde (1797) 3, 396;
Medea. hallo! in wald! ihr mädchen, in den wald! Grillparzer 3, 10 (
gastfreund);
Aietes. du! wohin?
Medea. in wald! 3, 12.
neben in wald
kommt auch wald innen
oder waldein (
s. d.)
vor: als er nichts vernam, lieff er (
der bär) wald innen. Kirchhof
wendunmuth 1, 113
Österley. II@5@d@g@22)) ich bin gern in wäldern, reise gern in wäldern,
locis sylvestribus delector. Stieler 2418; in den wäldern herumirren. Ludwig 2372; sich im walde verbergen. Stieler 2418; sich in einem wald verhauen,
se barricader d'un abatis d'arbres. Rondeau; iʒ ist ein ander einsidel in dem walde, der ist ... heiliger denne du.
mystiker 1, 56, 25; als ein leo in dem wald umstraiffet syne spys ze suochen. Steinhöwel
Äsop 139
Österley; ihr übrigen zerstreut euch im wald — ich bleibe. Schiller 2, 173 (
räuber 4, 5
schausp.); und macht mit dem bellen ein schall, das in dem wald herwidder hall.
froschmeuseler Cc 2
b (2, 2, 12); in den wäldern will ich irren, vor den menschen will ich fliehn. Günther
ged. 276. II@5@d@g@33)) 'nu nim dinen pogender dich selten hat petrogen und var uʒ jagen,daʒ ich mich chunne gelaben' ... er giench von ime vile baldemit sineme geziuge ze walde.
genesis, fundgr. 2, 38, 1; dô gie er von den vîndenalsam ein eberswîn ze walde tuot vor hunden:wie möht er küener gesîn?
Nibel. 1883, 4; der sweine sol gan ze walde und nut ze velde.
weisth. 1, 666 (
Oberelsasz); gieng er (
der löwe) mit gemachsammen dritten sonder schaden wider zuo wald. Wickram 2, 269, 26
Bolte (
goldfaden 1); gehet er zu wald, und stilt federspil ab dem neste. Meurer
jag- u. forstrecht (1582) 39
a; geht selbst zu wald' und haut die längsten tannen aus. Fleming 72; hatt ein man wilt herzce, hinden, ree, eichorner, hasen und derglichen, das nicht zcu veilde gehet nach zcu walde louffet. Purgoldts
rechtsbuch 4, 66
Ortloff; von hôchvart sich viel sîn (
Nebukadnezars) spil, daʒ er ze walde wilde lief ... an allen vieren kleider bar.
Winsbeke 75, 6; sie lieffen hin zu einem waldt. Waldis
Esopus 1, 5, 11
Kurz; wenn ich zu walde marchire, so werffe ich die verdrieszlichkeit ... von mir. Weise
comödien-probe 27; dan schiet ich und reit vil vruo ze walde von gevilde. Hartm. v. Aue
Iwein 397; da reitet er zu wald. Tieck
ged. 2, 115; swer auch reht in den walt hat, er sei burger, ausman oder vorster, der sol deʒ tageʒ niht mer ze walde varn nach prenneholtz denne aine vart.
Nürnberger polizeiordnungen 299
Baader; den vischern, so durch sich selbs, ir gesindt oder verwandten zu weiden und wald faren, (
soll der waldmeister) nichts (
geben).
Schlettstadter stadtrechte 2, 717 (1.
hälfte des 16.
jahrh.)
Gény; dô erlûte sâ zehant vil lûte daʒ gehünde,swaʒ es den bern sach. daʒ tier ze walde wolde:des heten die liute ungemach.
Nibel. 899, 4; si hoven sich upwert zo walde. G. Hagen
reimchronik 1873; der edelhirsch ... setzt über hecken, miszt der felder fläche, der fluren niedrung, eilt zu walde dann. Immermann 16, 246
Hempel (
Petrarca 2); an einem schönen sommermorgen ergrif er ... seinen jagdspiesz, und zog zu walde, ein stück wild zu fällen. Musäus
volksmährchen (1804) 1, 2; die einzigen freunde waren mir meine armbrust und meine hunde, mit denen ich zu walde zog. C.
F. Meyer
könig u. heiliger 19. II@5@d@g@44)) jârlanc gruonet loup al über egge vil schône ze walde. Haupt
Neidhart v. Reuenthal xviii; wenne ain zameu katz wild well werden, sô sneit ir diu ôren ab, sô vallent ir die regentropfen in daʒ haupt und mag niht ze wald beleiben. K. v. Megenberg 152, 3; es haben auch daher die heiden getichtet, wie die Diana stets zu walde lige und jage. Cyr. Spangenberg
jagteuffel G 3
a; welcher eyn schiffer ist, der sol nit zu walde hauwen, auch nit von wald füren wedder durch sich selbs noch sin gebröte (
verköstigte) gedingte knecht.
zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 11, 268 (
schifferordnung zu Pforzheim 1501). II@5@d@g@55)) hie nâhen bî elliu jâr var ich ûf disen wilden walt. W. v. Eschenbach
Parz. 449, 15; item weiset man dem gotshausz S.
drei esel uff den wald zu gaen.
weisth. 3, 375; damit sie (
die forstmeister) auf die wälde täglich reiten. Meurer
jag- u. forstrecht (1582) 1
b. II@5@d@g@66)) von wolfen dicke hunde ûf welden sint geletzet. Hadamar v. Laber
jagd 134, 2
Stejskal; weres das eynich man ... eyniche immen uff dem walde funde.
weisth. 2, 11 (
Saar 1422); soll er das holtze uf dem walde folgen. 2, 377 (
Untermosel); da sich mitten im walde ein ungemein grosses jäger-getöse erhoben, um welche zeit doch kein arbeiter noch jäger auf dem walde zu finden gewesen. Ch. Lehmann
Ober-Ertzgebirge (1699) 78. II@5@d@g@77)) sie giengen mit dem löwen haldt zu jagen vor den grünen waldt. Waldis
Esopus 1, 73, 6
Kurz; kumt er aber fur den walt an daʒ felt.
keyserrecht von 1372
s. 246.
vgl. auch oben 3,
a. b. II@5@d@g@88)) als viele samen als da gesehet wird auf dem walde Kontel oder vor dem walde jenseit der Alben.
weisth. 2, 376. II@5@d@g@99)) jäger, die sind dem walde gewogen, drum halten sie aufs jagen so viel; liegen auch stetig hinter dem walde, zu sehen, wo das hirschlein hin will. v. Ditfurth
volks- u. gesellschaftslieder des 17. u. 18. jahrh. 208; die erde ist so schön, wann sie der lenz beblümt, und der silberne mond hinter dem walde steht. Hölty
ged. 107
Halm. II@5@d@g@1010)) der hase gegen walde kêrte.
gesammtabenteuer 24, 390
Hagen. II@5@d@g@1111)) der bauer ... erbot sich mich über wald zu führen.
Simpl. 1, 449, 3
Kurz. vgl. auch oben 3,
a. b. II@5@d@g@1212)) offt durch wälder gehen,
boscheggiare. Krämer 1206
a; durch einen wald reisen,
passer par un bois. Rondeau; zwen gsellen wanderten auff ein zeit durch einen grossen waldt gar weit. Waldis
Esopus 2, 24, 2
Kurz; es geschahe in einem winter kalt, der wolff lieff durch ein dicken waldt. 4, 49, 2; ich gieng nach freud und wonne spacieren durch den wald. v. Ditfurth
volks- u. gesellschaftslieder des 17. u. 18. jahrh. 8. II@5@d@g@1313)) aus dem walde (
das wild) herfürsuchen,
sboscare, smacchiare. Krämer 1206
a; aus dem walde jagen,
faire sortir une bête du bois ou de son fort. Rädlein 1027
a; wir komen harte balde geriuschet ûʒ dem walde, dâ wir uns bergen inne. K. v. Würzburg
troj. krieg 11780
Keller; ausz dem waldt kam ein grausam thier. Waldis
Esopus 1, 90, 17
Kurz; also siht man diu kindleu schreien vor den wälden, wan die wænent, ein holtzman antwürt in auʒ dem wald. K. v. Megenberg 16, 21; honigseim, den jüngst mein liebster bruder aus dem walde mit heimgebracht. Fr. Müller 1, 64. II@5@d@dδ) wald
als prädicat. II@5@d@d@11)) etwas ist, wird wald, wird zu einem walde: Deutschland ist lange ein wald gewesen. Herder 15, 37
Suphan; denn in des hofes räumen da war es wieder wald, da sangen in den bäumen die vögel manigfalt. Uhland
ged.2 401; wie seid ir so verkeret? gleich als wenn ... ein gemechte spreche von seinem töpffer, er kennet mich nicht. wolan, es ist noch umb ein klein wenig zuthun, so sol Libanon ein feld werden, und das feld sol ein wald gerechent werden.
Jes. 29, 17; zu einem walde werden,
sylvescere. Stieler 2417; zum walde werden,
inselvire. Krämer 1206
a; jeder pflanzte da seinen cypressen-ast in die erde, um sein grab her, und Pan machte segnend, dasz sie zum wald aufwuchsen. Geszner (1770) 2, 58. II@5@d@d@22)) einen wald aus etwas machen, etwas zum walde machen: ich wils ein ende machen mit allen iren freuden. ... ich wil ire weinstöck und feigenbewm wüst machen .., ich wil einen wald draus machen, das es die wilden thier fressen sollen.
Hosea 2, 12. II@66) wald
erscheint in zahlreichen sprichwörtlichen redensarten. II@6@aa) wie man inn den wald schreiet, also schillt es widder herausz. Franck
sprichw. 2, 109
b; wie man in den wald ruofft, also gibt es wider antwort, ist ein gmein sprichwort. Frey
gartenges. 145, 24
Bolte; wie er inn den wald geschryen hat, also thönt es widerumb. Henisch 1546, 54; wie einer in wald rufft, also bekommt er antwort: wie du einem anderen mässest, also wird dir gemässen werden. Dentzler 1, 679
a; diser Hainrich was ... ain hädrig und antsäsz, rachgirig man und der in allen sachen mit dem kopf gern hindurch gfaren were. ... er blaib ouch nit lenger dan 7 jar abt und was in allem regiment unglüksam. dan wie er in den wald ruoft, also endsprach er im. Joach. v. Watt
deutsche histor. schriften 1, 543, 10
Götzinger; swie man ze walde rüefet, daʒ selbe er wider güefet. Freidank 124, 3; die vohen man mit vohen widerstillet. swie man ze walde ruofet, billich alsô der galm widerhillet. Hadamar v. Laber
jagd 430, 6
Stejskal; wie man rieffet in eim walt, glych also das selb wider schalt. mit lungen ich ouch werffen kan, wann du mit kutlen fahest
an. Murner
narrenbeschw. 68, 41 gleich wie einer rufft in den waldt, antwort man im derselben gstalt; eim lieblichen freundtlichen grusz ein freundtlich antwort bgegnen musz. wer spöttlich fragt, demselben eygnet, das im ein gleich antwort begegnet. Waldis
Esopus 4, 38, 55; billich, was ainer eingprockt hat, das er sich dessen auch fresz satt, wie ainer rüfet in den wald, das es im auch so widerhalt. Fischart
kehrab 403; so, wie mans andern macht, so machens andre wieder, das echo schallt zurück, wie man zum walde schreyt. Gottsched
ged. (1736) 461; die sollte ihren mann finden, der auch wieder aus dem walde riefe wie sie hinein schreit. Göthe 11, 18 (
Jery u. Bätely); wie die action ist, so wird auch die reaction sein; wie man in den wald hineinschreit, so schreit es wieder heraus. Bismarck
polit. reden 2, 372
Kohl; es sind uns 'lügen' ins gesicht geworfen worden und andere ausdrücke, dasz es nicht zu verwundern ist, wenn es aus dem wald herausschallt, wie man in den wald hineinschreit. 10, 300. II@6@bb) das war in den wald (
vergeblich) geredet. Wander 4, 1770; er hât mich verdrungen von der guoten mit gewalt ... swaʒ ich hân gesungen, deist gerüefet in den walt. wê verlorner arebeit. Haupt
Neidhart v. Reuenthal 189; eʒ ist in den walt gesungen, daʒ ich ir genâden klage, diu mîn herze hât betwungen und noh twinget alle tage. mir ist, sam der nahtegal, diu sô vil vergebne singet, und ir doh ze leste bringet niht wan schaden ir süeʒer schal.
minnesinger 2, 151
a Hagen; vgl.: der sô lange rüeft in einen touben walt, eʒ antwurt ime dar ûʒ eteswenne. H. v. Morungen,
minnesangs frühling 127, 12. II@6@cc) in den wald geschickt werden '
zum besten gehalten werden, das nachsehen haben'.
archiv für kriminal-anthropologie 15, 235 (
Wiener gaunersprache); ins holtz
oder in wald donnern '
stehlen gehen und verjagt werden oder nichts bekommen'. Kluge
rotwelsch 1, 203 (
Basler glossar 1733). II@6@dd) der kommt nimmer in den wald, so jeden busch fürchtet. Simrock 11167; wer alle stauden fleucht, kommt nimmer in kein wald. Schottel 1122 (
sprichw.); 'ach!' antwortete Simplicius, 'wenn du jede hecke fürchten willst, so wirstu dein lebtag in keinen wald kommen!'
Simpl. 3, 199
Kurz (
Springinsfeld). II@6@ee) der wald ist heller '
die aussichten sind besser': glück zu Franz! weg ist das schooskind — der wald ist heller. Schiller 2, 24 (
räuber 1, 1
schausp.). II@6@ff) holz in den wald tragen '
etwas überflüssiges thun': das ist der welt verkerter lauff, dasz man nur stern ann himel wil setzen, holtz in wald tragen und wasser in Rhein, das ist geben da vorhin genuog ist. Franck
sprichw. 2, 129
a; von ihren sachen ist ja ohnedem die welt so voll, dasz es nicht auszusprechen ist: wie unbillig wäre es dann, noch mehr holz in den wald zu tragen, oder wasser in ein meer zu giessen, welches ohnedem überzulaufen drohet. Gottsched
vern. tadlerinnen2 (1738) 1, 233; Jaurès rennt, soweit er in Berlin die friedliche stimmung gegen sein vaterland zu stützen und zu fördern unternimmt, offene türen ein und trägt holz in den wald.
reichsbote 6. 7. 1905. II@6@gg) den wald vor bäumen nicht sehen '
das wichtige vor dem unwichtigen nicht erkennen': die herren dieser art blendt oft zu vieles licht, sie sehn den wald vor lauter bäumen nicht. Wieland 9, 52 (
Musarion 2, 142); im buchstaben ganz versunken schwindet alles heitre licht, und der schüler, wie betrunken, sieht den wald vor bäumen nicht. Brentano 2, 460; seine diplomatischen denkschriften sind allesammt zu breit. ... sein reicher geist ... wendet den gegenstand nach allen seiten hin und her und findet kein ende, sieht den wald vor lauter bäumen nicht. Treitschke
d. gesch.3 1, 337; man sieht lauter licht, keinen schatten, vor lauter hellung keinen körper, den wald nicht vor bäumen; die menschheit nicht vor menschen. Göthe 53, 74 (
farbenl. gesch.);
vgl.: er bekennt es frei, dasz die kunst, die der verfasser des buches 'welt und zeit' besitzt: die bäume hinter dem walde zu verstecken, ihm eben so fremd ist, als der wunsch nach ihr. wer seine pfeile unter den haufen abdrückt, in der hoffnung, er werde nur den schuldigen treffen, kann viele unschuldige verletzen, und den strafbaren dennoch fehlen. Börne (
Stuttg. 1840) 2, 122. II@6@hh) der wald hat keinen baum. Simrock 11164; der wald ist besser als ein baum. Lehmann 433, 24; man soll nicht den ganzen wald verkiesen um eines baumes willen. Petri 3, 10
bei Wander 4, 1768. II@6@ii) dem reichen walde wenig schadet, wenn sich ein mann mit holz beladet. Graf - Dietherr
rechtssprichw. 68, 30; dem rîchen walde lützel schadet, ob sich ein man mit holze ladet. Freidank 42, 27. II@6@kk) der wald hat ohrn, das feld augen. Franck
sprichw. 2, 20
b; das feld hat augen, die winckel und wăld orn. 1, 79
b; walt hât ôren, velt gesiht. Reinmar v. Zweter II, 137, 1
Röthe.