träger,
m. ,
in den verschiedenen anwendungen des verbums tragen;
von personen und dingen. seit dem 8.
jh. bezeugt; bis zum 14.
jh. vorwiegend ohne umlaut: ahd. tragari
ahd. gloss. 3, 141
Steinm.-Siev.; as. dragari Wadstein
s. u.; dagegen lihtrægere
ahd. gloss. 3, 420
neben lichtragere
ebda 418
in der Straszburger hs. der glossae Herradinae; trêgere, tregere
ebda 3, 225.
im obd. herrscht die umlautlose form noch länger vor: trager (1338)
monum. Zollerana 3, 42; (1345) 3, 130; (1403) 1, 387
neben triuweträger (1309)
[] ebda 1, 122.
im 14.
und 15.
jh. stellt sich der umlaut immer häufiger ein, vor allem md. und nd.: treger
neben seltenem trager Dietrich von Gotha
s. Türk wortschatz 125; dreger : pleger
pilgerf. d. träumd. mönchs 6143
Mejboom; dregers (
Lübeck)
städtechron. 26, 351
u. ö. vom ende des 15.
jhs. ab fehlt der umlaut auch in der obd. schriftsprache nur gelegentlich: trager Dasypodius (1536) 439
a (
neben last-, sackträger); Paracelsus
opera (1616) 2, 571
Huser; Guarinonius (1610) 1205; Dentzler (1716) 2, 288
b.
heute ist trager
nur dialektisch, namentlich obd. s. Schmeller-Fr. 1, 653; Schöpf
tirol. 750; Lexer
kärnt. 66; Hunziker
Aargau. 57;
im schwäb. drängt sich die schriftsprachliche umlautform vor Fischer 2, 308;
auszerhalb des obd. ist die nicht umgelautete form nur vereinzelt bezeugt: trajr Hentrich
Eichsfeld 54; drjer Hofmann
niederhess. 240
b. —
plur. auf s
im nd.: dregers
städtechron. a. a. o., vgl. A. Lasch
mnd. gramm. 195;
dazu trägers v. Fleming
jäger (1719) 238. 11)
von personen, träger,
d. i. der etwas tragend bewegt oder hält. eine bewegungsvorstellung ist nur gelegentlich durch eine locale bestimmung ausgedrückt; seit dem 8.
jh. in den glossen für baiulus, gerulus s. Graff 5, 500;
ahd. gloss. 3, 141
und 3, 225 (
summarium Heinrici); Diefenbach
gloss. 261
b; 66
a;
nov. gloss. 46;
für portitor as. sprachdenkm. 177
b Wadstein; portator Diefenbach 448
b; Niger Abbas 3908. 1@aa)
als mehr oder weniger feste berufsbezeichnung, '
lastträger',
vgl.trager, der etwas tregt umb lon Maaler (1561) 406
a; träger, arbeiter
facchino, bostagio, cestaruolo portatore Hulsius (1618) 249
a;
auch capitler (
s. th. 5, 187), hellerman
genannt bei Comenius
ian. iv
ling. (1643) § 462; Zehner (1663) 540; Reyher (1668) 1, 649;
vgl. last-, sack-, pack-, kohlenträger
u. ähnl.: ein armer tragære, ... er wolt an sîn werch gân
kaiserchron. 3039
E. Schröder; ein smit sol smiden, ein bader baden, ein jager jagen, ein trager tragen Heinrich v. Meiszen
frauenl. 58; Salomo ... macht aus denselben (
den fremdlingen) siebenzig tausent treger und achzig tausent hawer auff dem berge
2. chron. 2, 18; es handelte sich nun um beschaffung der zum transport erforderlichen 25 bis 30 träger Soyaux
aus Westafrika 2, 84.
bis tief in die neuzeit hinein ist das tragen von lasten in den handelsstädten an der see und im binnenlande ein wichtiges gewerbe, das von den kaufleuten beansprucht wird: 3 fird. und 1 sol. vor das bir ... den tregern spondelon und traglon und vor 3 vas wynes uss des meisters keller czu schiffe czu brengen (1416)
ausgabebuch des Marienburger hauskomturs 198
Ziesemer; item ½
m. den tregern us der stath gerste in das melczhus zcu tragen (1418)
ebda 292
u. ö.; vort sall eyn koylenmeister dat ... bewaren, dat gheyne koylen van den knechten ind dreigeren up eynche steide off ende gedragen en werden (1432)
verfass. d. stadt Köln 2, 268
Stein; der dregere off arbeydere eydt, die dat saltz arbeyden (1479)
ebda 2, 567;
in zünften zusammengeschlossen, in Riga z. b. die bier-, wein-, kalk-
und salzträger,
s. Mettig
rigasche gewerbe im 13.
und 14.
jh. (1883) 75
ff.; ähnlich in Danzig s. Frischbier
preusz. 2, 407
b; de drägercumpenij '
gesellschaft der kornträger in den seehäfen, welche die getreidesäcke und andere kolli aus den speichern auf die schiffe tragen und umgekehrt' Berghaus
Sassen 1, 357
b;
die zunft der sackträger
s. th. 8, 1627;
öfter auch mit andern pflichten und aufgaben betraut; in Riga wurden im 16.
jh. (
nichtdeutsche?) dregers
neben knechten
auch zum kriegsdienst verwandt s. Gutzeit
Livland 1, 197,
in Ingolstadt und Augsburg zugleich als stadtwächter, s. Schmeller-Fr. 1, 653;
ferner: ouch habent die wintrager unde alle trager daz reht, daz si ane stiure sint ... unde suln auch die sturmgloggen leiten (1395)
städtechron. (
Augsburg) 4, 99,
vgl. auch ebda 4, 108
anm. 2.
im salzwerk, vgl. jb. des ver. f. nd. sprachforsch. 5 (1879) 122: treger tragen die sahl (
soole) in groszen zübern in da köt (
kote) Mathesius
Sarepta (1571) 125
b; 32 träger
[] oder jahrknechte, welche die sole von dem brunnen weg vor die kothe tragen Hondorf
saltzwerk (1670) 8.
beim zoll: meinen bruder, der trager auf der mauth ist Bäuerle
kom. theater 1, 11; mit einigen trägern von der hauptmauth Bremser
mediz. paröm. (1806) 46.
als hausierer im bair.: trager, trägler, '
der die geringen waren, mit denen er handelt, vom land auf den markt oder von einem land ins andere oder von haus zu haus zu tragen pflegt' Schmeller-Fr. 1, 653;
vgl.ummartragar Lexer
kärnt. 66; feilträger
th. 3, 1450; moldendrager '
der mulden und verwandte holzgefäsze feil trägt' Bücher
Frankf. berufswb. 85
b.
vom sänftenträger: indessen lässt Sylvan die thür der sänfte schlieszen, die träger schreiten fort mit weitgedehnten füszen Schwabe
belustigg. (1741) 6, 254; für meinen sohn hatten wir einen tragsessel mit uns ... als ich ... träger für ihn bestellte grafen zu Stolberg 6, 173; der ist ein thor, welcher berge mit seinen füszen erklimmt, wenn er träger haben kann Immermann 10, 124
Boxb. heute am verbreitetsten vom gepäckträger: der koffer ... ist wohl sehr schwer ... ich will gleich einen träger schaffen Lessing 2, 155
L.-M.; vgl. Loritza
Wien (1847) 132
b;
ebenso vom leichenträger; schon seit alters, u. zw. nicht nur vom beruflichen: der tote hatte vir treger, dy en truogen uz der stat Dietrich von Gotha
bei Türk wortschatz 125; und (
Jesus) trat hinzu und rüret den sarck an, und die treger stunden
Luc. 7, 14; meinen seligen bruder mit 8 trägern ... und mit 8 sterblichtern bis an die grenze des gutes ... tragen lassen v. Schweinichen
denkw. 339
Österley; ich sehe die stummen träger den zerrissenen leichnam meines gemahls mir entgegentragen Schiller 3, 130
G.; allzufrühe ... starb der vater, und ich sehe den schwarzen sarg, die träger J. Grimm
kl. schr. 1, 1;
oft im volkslied: ihr träger, lasset die bahre stehn, ich muss noch einmal mein liebchen sehn
F. M. Böhme
volksth. lieder 133; dann kommen bald die schwarzen träger und tragen mich ins kühle grab Frischbier 100
ostpreusz. volksl. nr. 61;
auch in den maa. vor allem in dieser bedeutung verzeichnet: Fischer
schwäb. 2, 307; Hofmann
niederhess. 240
b; Hentrich
Eichsfeld 54; Bauer-Collitz
waldeck. 22
a; Schambach
Göttingen 47
a; Mensing
schlesw.-holst. 1, 853;
vgl.trägermahl
im steir. s. sp. 1127. 1@bb)
auszerhalb der berufssphäre in mehr occasioneller verwendung, namentlich in literarischer sprache: dô neigten sich gegen im die van, und mahten daz nit understân die trager, die si truogen Walther v. Rheinau
Marienleben 207, 5; die fahne ging von hand zu hand, je nachdem ihre träger sanken Moltke
schr. u. denkw. 3, 36; G. Keller 6, 312;
depositor eyn dregher der spise Diefenbach
nov. gloss. 131
a; die träger (
die den tisch hereintrugen) ... machten ihre possirliche spring umb den tisch Harsdörffer
frauenz. gesprächsp. 2, 257; die vier lebendigen (
eine gruppe von engeln) trugen den thron (
gottes) ... genüge dich an dem gesicht, das dir die träger des thrones gaben Herder 26, 356
S.; o! wenn sie doch ... zu dem schweren topf gleich einen träger hätte Gellert 1, 210; erscheint er (
Atlas auf einem bild) als gewandter träger der ihm anvertrauten einfachen oder zwiefachen last Gerhard
akad. abhandl. 1, 19; naturgesetze, nach denen die umgestürzte fackel ... ihren träger verzehrt R. Schumann
ges. schr. 1, 10;
so auch in zahlreichen compositionen: licht- (liehtdragere
acoliti ahd. gloss. 3, 180), kerzen-, laternen-, fackel-, speisz-, teller-, schüssel-, essen-, axt-. beil-, fahnen-, spiesz-, schlauch-, korbträger
u. s. w. blasser, vgl. tragen III A 1 e: die ... arme erreichen,
[] wenn sich ihr träger (
gibbon) aufrecht stellt, den boden Brehm
thierl. 1, 103; volkswahn, dasz in der behausung der abgeschiedenen der vormalige träger des schädels dem späteren inhaber sklavendienste leisten werde Peschel
völkerkde 379.
bildlich gern in beziehung auf das kreuztragen Christi, vgl. kreuzträger
th. 5, 2200: Christus hat jetzt viel liebhaber seines himmlischen reichs, aber wenig trager seines creutzes J. Arnd
Thomas a Kempis (1631) 57; du gottes sohn, du menschenlust, du träger aller bürd und last P. Gerhard
in Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 411
a.
sonst: wie bistu schöner engel zu einem träger des sündensacks worden J. Böhme (1620) 4, 229; ihre (
der wissenschaft) last will zuweilen ... von den händen aller, damit ... der träger nicht strauchle, gehoben sein J. Grimm
kl. schr. 7, 573.
vom menschlichen körper: we dat de sele den licham drage, de bynnen is ind he buyssen alle dage ... ind mich duncket bas sijn dreger der van en buyssen ind haldenspleger
pilgerfahrt d. träumend. mönchs 6143
Mejboom; (
man) suchte ... dem geiste ... das übergewicht über seinen sündhaften träger zu geben Büchner
kraft u. stoff (1856) 26.
selten von thieren: ich suchte mir einen viel stattlichern träger (
lastesel) aus Göthe I 24, 26
W.; auf seinem (
des hundes) rücken liegt ein kind, ... die hände hat es eingeklemmt in seines trägers rauhe ohren A. v. Droste-Hülshoff 2, 58
Schücking. auf waffen, kleider, schmuck, haare u. ä. als object bezogen, vgl. tragen III C: obzwar diese waffen (
der küris) ihren träger vor feindlichen büffen zubeschützen erfunden worden Grimmelshausen
Simplic. 179
Kögel; andere feinere waffen ..., besonders kostbare degen und schwerter, deren abbilder man auf manchem bildnisse ihrer ehemaligen träger wieder erkannte G. Keller 3, 173;
vgl.waffen-, degen-, schwertträger
u. ä.; er ... einen weiten dunkelgrauen radmantel trug ..., der seinem träger ein edles und romantisches aussehen lieh G. Keller 5, 11; diese (
schutzmaszregeln gegen gas) bestehen ... in groszen schutzpäckchen mit binden ..., eine einrichtung, die ihre träger ... gegen die wirkung des gases zu schützen scheint Knieling-Bölsche
res. inf.-reg. 234, 159; eyn costel steyn, synen dregher gracioes makende
achates v.
d. Schueren
Teuthonista 192
a Verdam; tr.
des edelsteins Hebbel (1891) 7, 153; o du trager gottes kron (
kaiser Ferdinand III.) Wasserhuhn
kauffenster (1644) 8; das prestige der preuszischen krone und ihres trägers Bismarck
ged. u. erinn. 1, 77
volksausg, vgl. kronenträger; einem geheimen rat und träger des ordens pour le mérite Varnhagen v. Ense
tageb. 5, 227; (
das amulett) macht sein trager glückhafftig Paracelsus
opera (1616) 2, 571
Huser; dem pflantzten har, das uff dem houbt sinem trager so werd ist
buch der beispiele 12
lit. ver.; tr.
der bartzier Auerbach (1857) 3, 127.
auf gleicher linie: geschwülste, die ... oft 10-20 jahre lang bestehen ..., ohne dasz sie ihren träger bedeutend belästigen Sömmerring
v. baue d. menschl. körpers 8, 1, 196. 1@cc)
mit abstractem genetivobject; dem sinnlichen bereich (
vgl. lator treger der briff Diefenbach
gloss. 320
c)
noch nahe bleibt träger
einer botschaft, einer kunde: du wirst nit ein trager einer guoten botschafft (
boni nuncii baiulus)
erste dtsche bibel 5, 203; die (
die menge) die unschuldigen träger der botschaft ... die schreckenskunde entgelten liesz Mommsen
röm. gesch. 2, 27; dasz die antwort betreffend er derselben träger selbst seyn wolle (
le porteur) Dhuez
le vray guidon (1646) 296; neben der heiligen gab es eine profane tradition, deren träger seltsamerweise in die untersten schichten der gesellschaft eingereiht wurden Ratzel
völkerkde 2, 131;
vgl.lugetragere
ahd. gloss. 3, 142
Steinm.-Siev.; mären-, märleinträger
th. 6, 1624
und 1659; geschichtenträger
th. 4, 1, 2, 3866.
[] entsinnlichter, im sinne von tragen III D,
und einem bloszen inhaber, pfleger
u. ä. gleich, mit dem es zuweilen in synonymischer verbindung steht: der eigentliche träger und bewahrer der gesänge war das volk Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. (1871) 1, 49; die innehaber dieser ämter waren ... die träger und pfleger des fas R. v. Jhering
röm. recht 259; Steffens
was ich erlebte 5, 147; Holtei
erz. schr. 6, 9; sie (
die juristen) gaben sich für die träger und verwalter der gerechtigkeit aus Gotthelf
schuldenbauer 179; die Cistercienser waren die vornehmsten träger der verehrung der jungfrau Maria Ranke 25, 14; Lessing, Fichte, Rietschel ... jeder in seiner weise ein träger der besten deutschen tugend, der wahrhaftigkeit Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 114; wohlwollen und liebe können nicht gehegt werden, ohne den träger selbst zu veredeln G. Keller 1, 38.
auch in übertragung auf leblose subjecte: die blosze menschliche gestalt ... wird ihm (
dem menschen) am leichtesten zum träger des göttlichen, wenn in ihrem ausdrucke sich dieses göttliche spiegelt Stifter 14, 216; dasz mit diesen trägern der erinnerung (
der correspondenz) auch die erinnerungen selbst hinschwinden würden Fontane I 5, 288; die atome, die doch nicht träger einer höheren einheit sein können Lange
gesch. d. materialism. 405; das geheimnüss der natur der drey principien als träger der geformten weiszheit gottes J. Böhme
schr. (1620) 2, 463; da leiht ihnen der teufel den sinnlichen genusz als träger des übersinnlichen A. v. Arnim 15, 31
Gr. als besondere anwendungen heben sich heraus: träger des amts, der würde, macht
u. ä.; bereits im 16.
jh.: papstlicher und ander geystlicher gwalt steet nit an iren personen als der gwalt trager, sonder in Cristo Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 633
Reithm.; O. Geszler die träger der reichsgewalt 1931 (
titel); wir leben in der unumschränktesten monarchie ... der träger der obersten macht ist alles bei uns Immermann 6, 165
Boxb.; mit den patricischen ämtern war es ein ganz anderes, da ihre träger in das decemvirat übergehen konnten Niebuhr
röm. gesch. 2, 352; träger und inhaber der höchsten würde der christenheit Ranke 1, 250,
vgl.würdenträger (
z. b. Scherer
kl. schr. 1, 709). träger des namens, titels: wo fünfundzwanzig familien Müller oder Schmied in derselben stadt wohnen, macht solch ein name seinen träger fast namenlos H. W. Riehl
dtsche arbeit 151; viele Deutsche, träger berühmter namen Sven Hedin
Bagdad (1918) 142; träger
des kaisertitels Bismarck
ged. u. erinn. 2, 139
volksausg. träger der kunst, wissenschaft, bildung, kultur
u. ä.: dasz er (
der buchhändler) kein gewöhnlicher händler sei, sondern 'träger der wissenschaft und geisteskultur' K. Bücher
dtsch. buchhandel3 49; er ehrte beide (
kunst und wissenschaft) in ihren trägern und betrachtete den gelehrten und künstler nicht wie einen gewöhnlichen beamten Hoffmann v. Fallersleben 7, 178; das rittertum ... wird der träger der internationalen bildung Scherer
litt.-gesch. 66; mit allen damaligen trägern der intelligenz Berlins J. Fürst
H. Hertz (1858) 42. träger der idee, gedanken, bestrebungen
u. ä.: diese ideen ... durch einen träger vertreten A. Grün 5, 167; das volk, der lebendige träger der rechtsidee R. v. Jhering
röm. recht 2, 1, 148; diese träger eines neuen ... parteigedankens v. Bennigsen
nationallib. partei 14; träger dieses (
gleichgewichts-)prinzips H. Brunn
kl. schr. 2, 108; Lachmann ... ein philologischer träger jener richtung auf das individuelle Scherer
kl. schr. 1, 109; träger der hierarchisch-feudalen bestrebungen Wackernagel-Martin
lit.-gesch. 2, 469; träger der maritimen intentionen Ranke 30, 288; die träger dieser bewegung waren die Parther Mommsen
röm. gesch. 2, 60.
gelegentlich mit einem rest der sinnlichen vorstellung: der groszhandel, von jeher der träger der culturideen durch den ganzen orient Ritter
erdkde 1, 460.
im literarischen bereich spricht man vom träger der handlung, fabel, geschichte
u. ä.: von der corruption aller verhältnisse ... werden (
im Figaro) sämtliche träger der
[] handlung ... berührt O. Jahn
Mozart 4, 205; G. Freytag 14, 21
u. ö.; der bär ist ... dritter träger der thierfabel J. Grimm
Reinhart fuchs liii; das komische heldengedicht ..., das ... im fünfzehnten jahrhundert die bauern zu seinen trägern wählte Scherer
lit.-gesch. 406; der träger dieser kleinen geschichte ist kein andrer als unser — Franz Defregger Rosegger I 6, 395; kein anderer (
charakter) hätte sich so gut zu einem träger der begebenheiten geschickt Schiller
br. 5, 12.
für sich steht trager der ee
als übersetzung von legislator: keiner under den tragern der ee
erste dtsche bibel 7, 223 (
Hiob 36, 22);
auch in den Augsburg. bib. (15.
jh.)
Jak. 4, 12,
s. Fischer
schwäb. 2, 308; o herre, schick den trager der e über sy
bei Birlinger
schwäb. 121;
vgl. legifer rechtsprecher
vel trager (
a. d. anf. d. 15.
jhs.)
bei Diefenbach 322
c; o herr, unser richter und unser eetrager
bei Birlinger
vgl.tragung der ee
unten sp. 1166
sowie ahd. eatrago
legefer gl. 1, 620, 43;
legislator edrager Folz
meisterl. 57, 67
M.; den eobringen Notker 2, 27, 11. 22)
in der rechtssprache ist träger
der vormund, stellvertretender lehnsträger, lehnsvertreter. auszugehen ist von der bedeutungsvorstellung: derjenige, der die juristische verantwortung für eine unmündige person oder die juristische verpflichtung bei einem lehen für einen lehnsunfähigen oder für die gesamtheit der lehnstheilhaber trägt. träger
ist also ein verkürzter ausdruck, vielleicht für ursprüngliches mhd. triuwetragære,
das zuerst 1309
als '
stellvertretender lehnsträger'
in den monum. Zoller. 1, 122
bezeugt ist, d. h. fast gleichzeitig mit dem ersten beleg für träger
in dieser verwendung (1302
in monum. Boica 18, 40).
dafür spricht, dasz treu(s)träger
bis in die moderne zeit neben träger
steht und dasz sich öfter nähere bestimmungen wie mhd. getriuwe, in getriuwer hant
bei tr.
finden, s. Fischer
schwäb. 2, 307; Schmeller-Fr. 1, 653
und die unten folgenden belege. möglicherweise kommt eine beeinflussung durch lat. baiulus hinzu, das in mlat. urkunden häufig im sinne von tutor, curator begegnet, s. du Cange - Henschel (1883) 1, 526
c; J. Grimm
rechtsalterth. 1, 640.
heute mit der sache im aussterben begriffen; im schwäb. noch die sprichwörtliche redensart dem braucht man keinen trager (
aufpasser) setzen ('er ist schon selber ständig') Fischer 6, 1763,
aber selbst im Allgäu, auf das im schwäb. diese anwendung von tr.
in moderner zeit beschränkt ist, heute veraltet, s. ebda 2, 308; Reiser
sagen des Allgäus (1902) 2, 741. 2@aa)
vormund, curator, tutor: die minderjärigen mögen on ir trager weder burgerlich oder peinlich clagen U. Tengler
der neu layenspiegel (1518) 7
b; 1225 ist herzog Ludbig trager worden des jungen küng Hainrich des anderen
V. Arnpeck
s. chron. 510
Leidinger; meist neben synonymen wörtern: so solten die vorgnanten dry ... der selben miner erben vormunt sin und trager in getriwer hant (1337)
monum. Boica 40, 109; von bemelter person tragern genant testamentarii (
überschrift). es werden also offt vormunder, gerhaben, trager und in latein tutores oder curatores, fürpfleger genant U. Tengler
d. neu layenspiegel (1518) 11
a;
s. auch 12
a; Jorg Tanhauser zu Ynning als verorndter trager und gerhab der verlassen khind seines schwagern
altbaier. landst. freibr. cccxxxvi
note 980
v. Lerchenfeld; in disem vall, wo man in kaufen, verkaufen, tauschen ... mit unvogtpern kinden handln soll, ... so soll man die durch freund und ordenliche herschaft mit gewaltigen gerhaben oder mit versorgern, tragern, vormunden, beistand und verantwurtern notturftiklich versechen (1565)
österr. weisth. 1, 211;
s. auch: den trager des wybs (
istum patronum mulieris)
mit der glosse: in etlichen orten spricht man pleger, an etlichen vogt
Terenz deutsch (1499) 124
a;
vgl. mittrager
mitvormund Schmeller-Fr. 1, 654. 2@bb)
stellvertretender lehnsträger, d. h. derjenige, der beim erwerb eines rechten lehens durch einen lehensunfähigen für diesen das lehen empfängt, vgl. R. Schröder
rechtsgesch.6 1, 430
und 438: daz wir (
graf Rudolf v. d. Pfalz) für uns und unsern liben bruder Ludwig des hofs ze Teumenhausen ...
[] trager (
für einen ordensconvent) und schermar sein (1302)
monum. Boica 18, 40; (1325)
ebda 9, 154; B. Pf. den hof dem hailigen sant Niclausen ze Richenbach erkouft haut, der ouch ietzo der hailgen trager ist und es (
das lehen) ouch an der hailgen stat von uns enpfangen haut (1403)
monum. Zollerana 1, 387; daz si siner kinde dez lehens getriwe trager sulen sin (1338)
ebda 3, 42; dasz der spital das gericht haben sölt ... und dasz sölich gericht lehen von dem gotzhus sin und ainen besondern trager haben solte J. v. Watt
dtsche histor. schr. 2, 297
Götzinger. oft in trägers weise
formelhaft im sinne von als träger: ... hat mir die ... lehen gelihen als ainem getrüwen trager (
für seine ehefrau) und in tragers wise und mit worten und mit handen (1391)
urkdb. der stadt Stuttgart 64
Rapp; sulchen tzehendt hat der alt Cuntz ... dem gotzhausz in tragersweisz empfangen (
zwischen 1427
und 1431)
monum. Boica 47, 310;
s. auch (
ca. 1427)
ebda 47, 337; dieselben lehen den vorgenanten kindern getreuwelichen in tregers wise vorzutragen (1433)
bei H. Chr. v. Senckenberg
samml. von ungedruckten schr. (1745) 3, 319; Jerg Boller anstat und in namen Henslins und Magdalenen, Bärtellis Kanczlers säligen kind und in tragers wise der selben kind ... wir ... haben im die selben guot an stat und in namen der obgenanten kind und alz einem trager der selben kind gelúhen (1481)
monum. Zollerana 1, 436; (1475)
quell. z. Schweizergesch. n. f. II 1, 144. 2@cc)
bei einem getheilten lehen der vertreter, vertrauensmann aller theilhaber; zuerst bei erblehen der älteste bruder, dann einer der lehnstheilhaber, der von den andern als ihr vertrauensmann aufgestellt ist, oft der älteste erbe oder der besitzer des gröszten antheils; er hat die abgaben von den mitbelehnten einzuziehen und sie dem grundherrn zu überbringen, vgl. Th. Knapp
ges. beitr. z. rechtsgesch. (1902) 207
und neue beitr. 1 (1919) 116
u. ö.; R. Schröder
rechtsgesch.6 1, 437
und 445; in rechten wird ein träger genennet derjenige, der eine pflicht oder schuldigkeit, so mehrern oblieget, vor alle gesammt zu leisten übernimmt Beier-Struve (1722) 433
b; Krünitz (1845) 186, 596;
auch voll-, lehns-, gültträger, treuhänder, salmann, sammler, einsammler
u. ä. genannt, s. Fischer
schwäb. 2, 307: und mogend iren kindern geben die guoter, ... also doch, das der eltist trager sye der guoter ze hof und den zins geb von denselben guottern (1415)
weisth. 1, 321; form, wie sich einer umb iärlichen zins, den anderlüt zegeben pflichtig sint, zetrager verschribt ... Riederer
spiegel d. war. rhetor. (1493) x 4
a; H. R. zuo Sch. ... hat den junker gebeten, diese teilung gutzuheiszen und verpflichtet sich als trager für den gesamten zins (1573)
Aargauer urkden 2, 82
Merz u. ö.; auch hat das closter daselbst vierundzwanzig huebe ... so ein träger stirbt, ist er schuldig ein fal. wo aber ein hueb kein träger hat, so gibt jede person einen fal, die tail an der hueben haben (1476)
badische weisth. 1, 1, 96
Brinkmann u. ö.; vgl.: trager '
einer, der bey einem vertheilten lehen- oder bodenzins die lehen- oder bodenzinse einzuziehen verpflichtet ist' Stalder
schweiz. idiot. 1, 294; träger 'hieszen früher die berainseinzüger' (berain
heiszt das verzeichnis der bodenzinsflichtigen grundstücke oder die zinspflichtigen stücke) Seiler
Basel 82
b;
dazu trägerrodel, das vom träger anzufertigende verzeichnis der einzelnen schuldner Staub-Tobler
schweizer. idiot. 6, 614;
s. auch trägerei, trägereibrief, -zettel. 33)
von dingen. occasionell, bes. literarisch, kann alles, was irgend etwas trägt, als träger
bezeichnet werden, z. b.: ... die wolgesenkten träger (=
lastkrähne) der weitgeholten lasten Richey
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 3, 77; die ... träger (
rohrstengel) dieses nestes (
des teichrohrsängers) sind mit den materialien ... fest umwunden Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 2, 625; sie (
die festen theile des menschlichen körpers) sind nichts als gefäsze, hüllen und träger des ... safts, durch den wir genieszen und leben Herder 13, 253
S.; er nimmt an, dasz faltenreiche verlängerungen der decidua serotina ... die träger
[] des capillargefäsznetzes der uteringefäsze seyen Sömmerring
v. baue d. menschl. körpers 7, 140; die erde als planet der mütterliche träger des ganzen menschengeschlechts Ritter
erdkde 1, 56; der wohnungs- und wegeboden erscheint unmittelbar nur als der träger der menschen selbst
handwb. d. staatswiss. 4, 800.
speciell von einzelnen bestimmten gegenständen, z. th. noch functionell, zumeist aber als feste benennung: 3@aa)
in der botanik und zoologie; für stilartige pflanzentheile: drey honigbehältnisse ... sitzen auf ... trägern
allgem. dtsche bibliothek 30, 5; die ähren (
des hexenbärlapps) stehen paarweise ... auf einem langen locker beblätterten träger Schlechtendal
flora v. Deutschl. (1880) 1, 173; mehrere blasen oder bälge (
sind) durch einen stock oder träger ... vereinigt, wodurch sie (
die blütenpilze) das ansehen gestielter pilze erhalten Oken
allg. naturgesch. 3, 90.
insbesondere: '
filamentum, der staubfaden
oder träger,
der untere meist stilartige, oft fädliche, zuweilen aber auch verbreiterte theil des staubgefäszes, welcher die anthere (
staubbeutel)
trägt' Bischoff
wb. d. botan. (1839) 77; 'träger,
podetium, ein stielartiges gebilde im lager der flechten' Behlen
forst- und jagdkde 6, 80. — träger, trägel '
der erste halswirbel (
atlas),
der nach früherer vorstellung den kopf trägt' Höfler
dtsch. krankheitsnamenb. 744
b; Behlen
lex. der forst- und jagdkde 6, 79,
dazu das compos. trägermuskel, vom träger
kommender muskel: so kömmt der hintere innere kopf und trägermuskel von der rauhigkeit am hintern bogen des trägers ... Campe 4, 857
b; laden (
s. th. 6, 38), träger, lager, bühler
der theil im pferdemaul, auf dem das mundstück liegt Nemnich
wb. d. naturgesch. 344; Höfler
a. a. o. —
in der österreichischen weidmannssprache '
der hals des rotwildes',
s. zs. f. dtsche wortf. 9, 61: hellrot streckt sichs vor dem weidmann im grase und verendet, den träger unter den leib gebohrt R. H. Bartsch
frau Utta (1915) 142. 3@bb)
traggeräte oder haltevorrichtungen mannigfacher art: gerula krug oder treger Diefenbach
nov. gloss. 191
b; die furckeln und hefftel werden an der wand auff trägers hin geleget v. Fleming
jäger 1 (1719) 238;
vgl.das tragerl '
kleines hölzernes traggestell für biergläser in gasthäusern' Unger-Khull
steir. 165
a;
bei den schieferdeckern ein gerät, um die schiefer darauf zu legen Jacobsson
technol. wb. 4 (1784) 422
a;
am wagen querholz, brett oder balken Kisch
nösn.-siebenbürg. 59
b; Hunziker
Aargau. 57; Fischer
schwäb. 6, 1763; Mensing
schlesw.-holstein. 1, 853
oder eisenband Fischer
a. a. o.; '
stück holz zum nachhauseschaffen einer tragete' (
traglast) Martin-Lienhart
els. 2, 745
a;
im seewesen trager der ruderpinne
das die ruderpinne haltende eisenstück (
bolzen oder kramp) Röding
wb. der marine 2, 801;
beim saiteninstrument der steg,
auch steffen (
s. th. 10, 2, 1372)
oder balken (
s. th. 1, 1090): lasz sie (
die saiten) bis hinunter gan, da du den treger findest stan, welcher gnant wird der steffen
M. Agricola
musica instrum. 200
Eitner; in der buchdruckerei '
ein dicker span, welcher an demjenigen orte der columne, wo die lettern allzu scharf herauskommen, mit kleister aufgepappt wird' Jacobsson
technol. wb. 8, 3.
weiterhin schulterbänder verschiedenster art, die ein kleidungsstück halten, speciell vom hosen-, schurzträger: ein kleiner junge ... ein hemd und ein höschen, mit einem träger querüber festgehalten, bildete seine ganze bekleidung Anzengruber 2, 39;
s. auch Fischer
schwäb. 2, 307;
dazu die composita trägerschurz, schurz mit tragbändern über der schulter Fischer
schwäb. 2, 308;