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siechen

mhd. bis sprichw. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
17 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

siechen verb.

Bd. 16, Sp. 846
siechen, verb. siech sein, kränkeln. ein altes starkes verb dieser art ist nur im got. als siukan erhalten (nur in präsensformen belegt), vgl. Fick3 3, 325. im deutschen erscheinen an dessen stelle schwache bildungen, und zwar im ahd. nach allen 3 classen ohne bedeutungsunterschied, siuhhan, siuhhên, siechôn languere, languescere, lassescere Graff 6, 139 f.; mhd. siechen, mitteld. sîchen und sûchen Lexer handwb. 2, 909; mnd. seken (fehlt bei Schiller-Lübben, beleg s. unter 1), suken Schiller-Lübben 4, 461b: egrotare, -ri hd. siechen, sichen, nd. suken, seken, siech sin. Dief. gl. 197a; seken, kranken nov. gl. 146a; infirmare .. hd. siechen, sewchen gloss. 297b; infirmari .. siech werden, sein, machen, siechen, sichin. ebenda; suken nov. gl. 215b; languere .. hd. syech, nd. sek sin, krancken, hd. syechen, suken vel queelen. gloss. 317a; languescere senen, begynnen zu sichen. 317b. das prät. wird mit haben gebildet. im nhd. zuweilen in der unregelmäszigen schreibung si(e)gen: und do er solch unruh geendt, hat jhm gott geschickt kranckheit zu, hat schir gesiget jmmer zu. Ayrer 715, 6 Keller. in heutigen mundarten verbreitet (doch ist in vielen gegenden sochen üblicher), bair. sêichen. Schm. 2, 214, kärnt. siechn, siechet, gisiecht und gisouchn krank sein oder werden Lexer 233, siichen cimbr. wb. 231a, thür. síchen schwären, eitern, kränkeln Hertel sprachsch. 228, sîken, sôken, suchten schwären, eitern, neben sîchen kränkeln. Liesenberg 214; nd. süken brem. wb. 4, 744. Schütze 4, 222. Dähnert 472b. Danneil 216a. Mi 89a. Schambach 218a, sîken ten Doornkaat Koolman 3, 182b, süken 362b. das nd. süken, ebenso wie ahd. siuhhan, -en und mitteld. sûchen entspricht eigentlich dem nhd. ausgestorbenen seuchen, s. das., sp. 698, und Weigand 2, 710. 11) im eigentlichen sinne, 'mit einer langwierigen, schleichenden krankheit oder schwachheit behaftet sein' Adelung: valetudine incommoda teneri, siechen, krancken. Corvinus fons lat. 702b. Schottel 416; siechen, et sücheln, motiunculis levibus tentari, longô et molestô morbô corripi, valetudinarium, vel clinicum esse, incommodâ valetudine teneri Stieler 2017 (vgl. Kramer unter siecheln); siechen verb. krank darnieder liegen, aegrotare. item, tenui valetudine esse Frisch 2, 274b. 1@aa) belege: de bischop Wichman ne was dar nicht, wante he sekede do unde starf. deutsche chron. 2, 234, 18; sih, das weyb Jheroboam geit ein, das sie ratz frage uber iren sun, wann er siechet. bibel v. 1483 164c; der bruder Lazarus kranck was. darumb sein schwestern santten zu im, sagend, herr sih den du liebhast, der siecht. 516b; darumb so siechent sy lang und kündent nit genesen. Braunschweig chir. (1498) 42a; sie wolt lieber siechen bisz an jren todt. Pontus 57; als der selbig (könig Ezechias) siechete bitz uff den tod. Keisersberg seelenpar. 92a; Cramer erreichte Bombay, siechte einige monate, und starb. Niebuhr kl. schr. 1, 28; der einst so starke mann kränkelte und siechte. Auerbach dorfgesch. 1, 53; duo suchis nuo vil lange, mit groʒen suochten bist duo bevangen. Trierer Silv. 136; ich hân gesiechet disen summer und mich gar gezeret abe. feldbauer 76 (Germ. 1, 347a); das einig alte weib, das do thet krüchlen und sichen. pfaff von Kalenberg 1041; wann wir ligent und yetz siechen und gon nit mügen oder kriechen. Murner narrenbeschw. 87, 9; wer wünscht ihm doch zu siechen, und üm die ofenbanck erbärmlich her zu kriechen. Fleming 111 (113, 69 Lappenberg); nein, nein, die weiber siechten alle, wenn dieses übel schädlich wär. Gellert bei Adelung; mein oheim sîecht, der Kärnthen nach mir läszt. Grillparzer4 5, 32; im dunkeln zimmer siecht ein knabe, ganz still und stumm, verfall'n dem grabe. Immermann 13, 145 Hempel ('Tristan d. sieche'); und siehst ein mädchen du, schön und wild, — vor jahren hat's eine weile gesiecht. Droste-Hülshoff 1, 302. an etwas siechen: ein solliche krankheit, dasz sie den, so daran siechen, wohl thut. Hutten 5, 264 Münch. s. ferner 2, c.sprichwörtlich lang sichen ist gewiser tod. Wander 4, 556. 1@bb) siechen bezeichnet in allen diesen fällen einen andauernden zustand. um den eintritt desselben zu bezeichnen, müssen hilfsverben hinzutreten, so mhd.: daʒ der herre siechen began. Trierer Silv. 44. nur in der cimbrischen mundart ist incohative bedeutung üblich: (dor) siichen, ammalarsi, infermarsi, krank werden. cimbr. wb. 231a. 1@cc) als synonyme dienen zunächst kränkeln, ferner nach Adelung nd. quimen und kudeln. dazu führt Campe an: 'Eberhard unterscheidet siechen und quinen und das letzte bezeichnet nach ihm denjenigen mangel an kräften und wohlbefinden, welcher den vollen genusz der gesundheit, das wachsthum und das gedeihen der nahrung hindert' u. s. w. 1@dd) von einzelnen gliedern; mhd. in der sprichwörtlichen wendung: swen sô daʒ houbet siechet, sô ist al dem lîbe wê. minnes. 3, 5b Hagen; nû habt ir alle wol vernomen, swenn daʒ houbet siechet, daʒ ouch danne ist komen wêtage unt smerz mit krancheit sînem lîbe. Lohengr. 5802; wann siecht das haubt durch ploden wanck, die glider werden alle kranck. Oswald v. Wolkenstein 26, 209. s. ferner unter 2, b. c. 1@ee) von thieren, besonders bei Megenberg: wenne die hund siechent, sô eʒʒent si ain kraut. 125, 32; wenne der leopard inwendig siechet, sô trinket er ainr wilden gaiʒ pluot und wirt gesunt. 145, 13; der ochs ... siecht niht lang. 159, 35; welbeu hüenr ob irn airn niht ruoent, die siechent und werdent krank. 196, 14; die peinen (bienen) sint krank und siechent allermaist sô die pluomen kaltent. 292, 6. sonst wenig üblich. in Kärnten von einer bestimmten frühjahrskrankheit des viehes Lexer 233. 22) übertragen, auf seelische zustände. 2@aa) so allgemein: der eitle, und noch mehr die eitle, hassen eitle viel zu stark, die doch mehr am kopfe, als am willen siechen. J. Paul Tit. 1, 122; mein geist hat hier jahre lang gesiecht, ich möchte an deinem herzen unter anderem himmel gesunden. Freytag 2, 222 (Valentine 5). vgl. c. 2@bb) häufig von verzehrender liebessehnsucht: uuanta ih mînes uuines minnon sîechon. Williram 31, 3; daʒ ih sînero minnon sîechon. 85, 3; mhd. nâch minne siechen: daʒ er muost âne lougen nâch hôher minne siechen. troj. krieg 2743; ir minne zôch in ir gewalt des mâles vil der Kriechen, die siufzen unde siechen nâch ir begunden iemer mê. 7558. zuweilen zu körperlicher krankheit führend: das Absolons des suns Davids schöniszten schwester, mit namen Thamar, liebhet Ammon der sun David, und verdarb groszlich in ir, also das er siechet umb ir lieb. bibel 1483 147d. in milderem sinne: mein einig- und allen geliebter, ferne von meinem blick, schmachtet und siechet und krankt. Herder 27, 322 Suphan. so auch: die lippe siecht, sobald sie nicht von liebchens kusz durchdrungen ist. Platen 89a (gasel. 144) 2@cc) siechen an etwas; nach an steht bald der leidende seelentheil oder das, an dem man mangel leidet: an hôhem muote siechen begunde frouwen unde man. troj. krieg 23406; er muoʒ an êren siechen. 12438; des muoʒ daʒ sende herze mîn an vröuden iemer siechen. 29321. bald die krankheit, so besonders nhd.: wir Deutschen siechen am neid, am neid! Voss 5, 190. 33) in übertragener bedeutung steht siechen auch mit sächlichem subject. mhd. besonders mit abstracten, die so personificiert erscheinen: des hinket reht und trûret zuht und siechet schame. Walther v. d. Vogelweide 102, 27; nû wolde ouch halden sîne wort der keiser an den Crîchen, daʒ icht mochte siechen an im die rechte wârheit. pass. 51, 18 Köpke. ähnlich nhd.: in frost und unbehagen siechte des festes lust. Spitteler balladen (1886) 31. aber auch von concreten dingen: der blasse äther siecht. Droste-Hülshoff 1, 102.
7721 Zeichen · 188 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    siechenstv. III.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    siechen stv. III. BMZ krank sein, nur erhalten im gt. siukan;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Siechen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Siechen , verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, mit einer langwierigen, schleichenden Krankheit oder Schwachheit b…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    siechen

    Goethe-Wörterbuch

    siechen schwer erkrankt sein Ein großer jedoch leider schon vorausgesehener Verlust betraf uns am Ende des Jahres: Herde…

  4. modern
    Dialekt
    siechen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    sieche n [sìaə Liebsd. ; sìəχə Ruf. Hlkr. ; sìaχa Dü. ; sieχə, seæχə M. ; sièχə Z. ; sêχə Brum. ] 1. siechen, kränkeln,…

  5. Sprichwörter
    Siechen

    Wander (Sprichwörter)

    Siechen 1. Et sükt sik wol, man et starvt sik so hast nig. ( Holst. ) – Schütze, IV, 222. Es ist nicht jede Krankheit tö…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit siechen

61 Bildungen · 53 Erstglied · 4 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von siechen 2 Analysen

sie + -chen

siechen leitet sich vom Lemma sie ab mit Suffix -chen.

Alternativen: si+-e+-chen

siechen‑ als Erstglied (30 von 53)

Siechenamtmann

DRW

siechen·amtmann

Siechenamtmann, m. Verwalter in einem Siechamt bdv.: Siechamtsverweser, Siechmeister der aid der siechenamptmann ... im spital 1500/03 Konst…

Siechenbeck

DRW

siechen·beck

Siechenbeck, m. Bäcker eines Siechenhauses deß siechenbecken eidt: ... den pfrüenderen und armen ihr brot in bestimbter große und gewicht ..…

siechenbett

DWB

siechen·bett

siechenbett , n. , vgl. siechbett: und in dem newen spital do ward daʒ wasser zuo den siechenpett gen. d. städtechron. 1, 471, 17; aber ist …

Siechengeld

DRW

siechen·geld

Siechengeld, n. zur Versorgung der ¹Siechen bestimmter Geldbetrag [Stadtverweis für einen, der] daz opfer von einem altar u. d. siechengeld …

Siechengut

DRW

siechen·gut

Siechengut, n. Vermögen aus Stiftungen und Almosen zugunsten der Insassen eines Siechenhauses daß sie mit den vier fünftheilen der landschaf…

Siechengutsverwalter

DRW

siechengut·s·verwalter

Siechengutsverwalter, m. mit der Verwaltung des Siechenguts betraute Amtsperson die besaz und verordnung eines siechenguthsverwalters betref…

siechenhaus

DWB

siechen·haus

siechenhaus , n. , vgl. siechhaus, mhd. siechenhûs neben gewöhnlichem siechhûs ( vgl. das. ), nhd. siechenhausz, nosocomeum Dasypodius ( im …

Siechenhauspfleger

DRW

siechenhaus·pfleger

Siechenhauspfleger, m. wie Siechenpfleger wie auch ... die mehrgedachte herrn dispensatoren ... abzinßen einnemen vnnd den verordneten siech…

Siechenhausreitung

DRW

siechenhaus·reitung

Siechenhausreitung, f. wie Siechenrechnung vgl. 1Reitung (I) sollen auch alle markt- und siechenhausraitungen alle jahr ... vor einem ehrsam…

siechenhof

DWB

siechen·hof

siechenhof , m. für siechenhaus, wohl nur mundartlich, nd. seekenhof, seiknhof nd. korrespondenzbl. 5, 69, vgl. luxemb. sichenhäffchen, m. l…

siechenhūs

KöblerMhd

siechen·hūs

siechenhūs , st. N. nhd. Siechenhaus, Siechenspital Hw.: s. siechhūs; vgl. mnd. sēkenhūs Q.: Urk (1296) E.: s. sieche, hūs W.: nhd. Siechenh…

siechenkammer

DWB

siechen·kammer

siechenkammer , f. kammer, worin ein kranker liegt Campe : sie tragen zu der kammer ihn, zur siechenkammer, drin das letzte erleiden soll de…

siechenklapper

DWB

siechen·klapper

siechenklapper , f. klapper, wodurch ein aussätziger sich warnend zu erkennen giebt: siechen-klapper, siechen-schlotter, f. battarella, batt…

Siechenklingler

DRW

siechen·klingler

Siechenklingler, m. Almosensammler, der für ein Siechenhaus sammelt und dabei akustisch auf sich aufmerksam macht vgl. Siechenklapper, Todsc…

Siechenlade

DRW

siechen·lade

Siechenlade, f. Lade (I 2) für die Urkunden und amtlichen Schriftstücke eines Siechenhauses gedachtes siechenhauß betreffende briefliche doc…

Siechenleute

DRW

siechen·leute

Siechenleute, pl. mehrere ¹Sieche das die ... pfleger die selben nutzen des ... dorfs A. ... den siechenlüten des vorgenannten spitals ze H.…

siechenmann

DWB

siechen·mann

siechenmann , m. , siechen-weib, n. huomo leproso, femina leprosa Kramer dict. 2, 805 c ; nd. seekemann, aussätziger Strodtmann 209 : nun fr…

siechenmeister

DWB

siechen·meister

siechenmeister , m. , für das gewöhnliche siechmeister ( s. dieses ) in einer urkunde von 1345, s. Lexer handwb. 2, 910 .

siechenpflegære

KöblerMhd

siechen·pflegære

siechenpflegære , st. M. nhd. Siechenpfleger, Aufseher eines Sondersiechhauses, Vorstand eines Sondersiechenhauses Q.: LexerHW (15. Jh.) E.:…

siechenpfrüende

KöblerMhd

siechen·pfrüende

siechenpfrüende , st. F. nhd. Siechenpfründe Hw.: vgl. mnd. sēkenprȫvende* Q.: Urk (1474) E.: s. siech, pfrüende W.: nhd. (ält.) Siechenpfrü…

Siechenpfründe

DRW

siechen·pfründe

Siechenpfründe, f. Pfründe (IV) in einem Siechenhaus so habent die ... phlege[r] sie in den spital enphangen, eine sichen phrunde iren lebta…

siechenphlëger

Lexer

siechen-phlëger stm. aufseher, vorstand eines sondersiechhauses Mone z. 12,144. vgl. siechmeister.

siechenphrüende

Lexer

siechen·phrueende

siechen-phrüende stf. ein s. in dem spitâl koufen Mone z. 12,161. so seint daʒ die siechenpfrünt: der siechen sullen sein zwei und sibenzig …

siechen als Zweitglied (4 von 4)

aussiechen

DWB

aus·siechen

aussiechen , languere: mancher isset und trinket, das er darnach aussiechen und oft daran sterben musz. Luther 5, 439 b . das aus wie in aus…

ersiechen

DWB

ersiechen , morbo corripi, erkranken, ahd. irsiochên, mhd. ersiechen: wan die uns solden gëben erzenîe, die sint ersieht. w. gast 8431 ; nhd…

gesiechen

Lexer

ge-siechen swv. BMZ krank sein Gest. R.

versiechen

DWB

ver·siechen

versiechen , verb. , mhd. versiechen, durch krankheit verzehren, verderben; intransitiv, in krankheit vergehen, auch reflexivisch. mhd. wb. …

Ableitungen von siechen (4 von 4)

besiechen

Lexer

be-siechen swv. BMZ krank werden Schm. ( aber erst v. j. 1591).

ersiechen

DWB

ersiechen , morbo corripi, erkranken, ahd. irsiochên, mhd. ersiechen: wan die uns solden gëben erzenîe, die sint ersieht. w. gast 8431 ; nhd…

gesiechen

Lexer

ge-siechen swv. BMZ krank sein Gest. R.

versiechen

DWB

versiechen , verb. , mhd. versiechen, durch krankheit verzehren, verderben; intransitiv, in krankheit vergehen, auch reflexivisch. mhd. wb. …