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schief

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
Anchors
18 in 16 Wb.
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6 von 16
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Schief adj, adv

Bd. 4, Sp. 124a
Schief, — er, — ste, adj. u. adv von schieben, geschoben, verschoben, von seiner wagerechten oder senkrechten Linie, und überhaupt, von der gehörigen Lage und Richtung abweichend. So stehet etwas z. B. eine Säule, ein Pfahl  schief, dessen Richtungslinie von der senkrechten Linie abweicht, und mit der Grundlinie einen spitzen und stumpfen Winkel macht, anstatt zwei rechte Winkel zu machen. Ein Stuhl, Tisch  stehet schief, wenn seine Oberfläche keine völlig wagerechte Richtung hat. So heißt in der Pflanzenlehre eine Wurzel und ein Halm schief (obliquus), wenn ihre Richtung zwischen die senkrechte und wagerechte fällt. Ein schiefer Winkel, in der Meßkunst, ein Winkel der kein rechter Winkel, sondern ein stumpfer oder spitzer ist, und dessen Schenkel von der lothrechten und wagerechten Richtung abweichen. Eine schiefe Fläche, welche nicht wagerecht ist, sondern mit der wagerechten Linie einen mehr oder weniger spitzen Winkel macht. Schief schreiben, etwas schief schneiden, so daß es von der wagerechten oder senkrechten Richtungslinie mehr oder weniger abweicht. Ein Wagen hängt schief, wenn er auf der einen Seite tiefer hängt als auf der andern. Eine Perücke, Haube  sitzt schief, wenn sie auf einer Seite tiefer oder mehr ins Gesicht[] steht als auf der andern. Ein schiefes Maul machen, es schief auf der einen Seite herunterziehen, wie auch uneigentlich, seine Unzufriedenheit, sein Mißvergnügen durch Mienen zu erkennen geben. Einen schief ansehen, von der Seite. I der Pflanzenlehre heißt ein Blatt schief (subdimidiatum), wenn die eine Seite desselben breiter ist als die andere; eine Tute heißt ebendaselbst schief (obliqua), wenn der Rand auf einer Seite etwas verlängert ist. Schiefer Wind, in der Seefahrt solcher, dessen Richtung dem Wege des Schiffers beinah entgegen ist. Ein schiefer Weg, der nicht gerade nach dem Ziele gehet. Treu dem Zweck auch auf dem schiefsten Wege. Göthe. Schief und krumm wird oft neben einander gesetzt, und schief zuweilen für krumm gebraucht, z. B. wenn von schiefen Beinen die Rede ist. Aber beide sind verschieden, denn das was schief ist kann an sich gerade sein und weicht bloß von der senkrechten oder wagerechten Richtung ab, was krumm ist weicht aber von der geraden Richtung ab. Schiefe Beine sind also eigentlich solche die von der senkrechten Richtung abweichen, die an dem Knie seitwärts einen stumpfen Winkel machen. Von schräg ist schief dadurch unterschieden, daß es gewöhnlich den Begriff des Fehlerhaften einschließt, was bei schräg nicht der Fall ist und daß man es auch uneigentlich gebraucht. Man sagt nämlich uneigentlich, eine Sache gehet schief, wenn sie nicht so gehet wie sie soll, wie man wünschte und erwartete. Etwas schief anfangen, auf die unrechte Art, verkehrt oder ungeschickt anfangen. Schief das Geschäft anfangend mit Vorsatz. Baggesen. Schief denken, urtheilen, nicht richtig, nicht treffend, der Sache nicht angemessen. Ein schiefer Gedanke. Ein schiefes Urtheil. Etwas aus einem schiefen Gesichtspunkte beurtheilen, nicht aus dem rechten. Eine Sache schief nehmen, etwas schief aufnehmen, sie, etwas übel aufnehmen. I den gemeinen Sprecharten lautet dieses Wort schef, schäf, scheif, schepp, schieb, in O. D. auch schiebicht, im N. D. scheev.
3252 Zeichen · 40 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHIEFadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    SCHIEF adj. schief, ungerade, verkehrt, falsch. vgl. schiec. er was getreten schief in ergerunge Pass. K. 204,84. wirfet…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schief

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schief , -er, -este, adj. et adv. verschoben, das ist, von der Horizontal- oder Perpendicularlinie abweichend, und in we…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schief

    Goethe-Wörterbuch

    schief subst neutr Kleinschr GWB B12,220,11 ; ‘s-e’ GWB N8,162,23 nach GWB LA II 9A,495 ‘Schärfe’ zu lesen 1 vom Senkrec…

  4. modern
    Dialekt
    schief

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    schief Band 8, Spalte 380 schief 8,380

  5. Sprichwörter
    Schief

    Wander (Sprichwörter)

    Schief 1. Ae Bissel schêf is engelsch. ( Oberharz. ) – Lohrengel, II, 1. 2. Ein bischen schief bringt unter die Haube. –…

  6. Spezial
    schief

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schief I adj. 1 (krumm) stort (-rc, -a) 2 (geneigt) incliné (-ná, -nada), stort (-rc, -a) 3 cech (cec, ceca) 4 ‹fig› (un…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schief

234 Bildungen · 226 Erstglied · 6 Zweitglied · 2 Ableitungen

schief‑ als Erstglied (30 von 226)

*Schiefansehen

GWB

schief·ansehen

*Schiefansehen von der Mittellinie abweichende, nicht rechtwinklige Blickrichtung des Auges; im opt Versuch zur Entstehung farbiger Ränder S…

Schiefbahn

Meyers

schief·bahn

Schiefbahn , Dorf im preuß. Regbez. Düsseldorf, Kreis Gladbach, an der Staatsbahnlinie Neuß-Viersen, hat eine kath. Kirche, Synagoge, bedeut…

schiefbein

DWB

schief·bein

schiefbein , n. schiefes bein; einer, der schiefe beine hat. Campe ; gewöhnlich im letzteren sinne, nd. schêfbên brem. wb. 4, 625. Danneil 1…

schiefbetel

DWB

schief·betel

schiefbetel , m. ein betel ( stemmeisen ), der gegen die schärfe etwas krumm zuläuft, und von blockdrehern gebraucht wird, um unebenheiten i…

schiefblick

DWB

schief·blick

schiefblick , m. : eine art von schiefblick in sittlichen dingen. Göthe 46, 359 ( im franz. original: une sorte de travers dans la vue moral…

schiefbruch

DWB

schief·bruch

schiefbruch , m. fractura obliqua, ausdruck der chirurgie, z. b. ein beinbruch mit schiefer oder unegaler bruchfläche. Jacobsson 7, 204 a .

schiefdenker

DWB

schief·denker

schiefdenker , m. : die schiefdenker, die überall gefahr sahen wo keine war, wissen sich jetzt viel mit ihrer scharfsichtigkeit — das schwer…

Schiefe Ebene

Herder

schiefe·ebene

Schiefe Ebene , eine der sogen. einfachen mechanischen Potenzen. Wenn eine Ebene, durch welche ein Körper unterstützt wird, nicht horizontal…

schiefeln

DWB

schief·eln

schiefeln , verb. : scheiffelen, schieffelen, compotitori par pari non referre. Schottel 1396 ( studentenausdruck? ); bei Stieler 1779 im si…

schiefer

DWB

schi·efer

schiefer , m. festuca, lapis fissilis, scissilis. ahd. scivero, steinsplitter, mhd. schivere und schevere, in starker form auch schiver und …

schief als Zweitglied (6 von 6)

gleichschief

DWB

gleich·schief

gleichschief , adj. : 'gleichschieffe kegel, coni similiter inclinati, heiszen diejenigen, deren ihre axen auf die grundflächen einerley nei…

grundschief

DWB

grund·schief

-schief : wer ... grundschlecht, gr. ... gehandelt ... hat Lavater verm. schr. 2, 66 ; grundschiefe richtungen der untersuchung Fr. Schlegel…

windschief

DWB

wind·schief

windschief , adj. , zu winden, st. vb., volksetymologisch auf 1 wind bezogen; vgl. DWB windschelch . 1 1) eigentlich vom holz, von bäumen, w…

Ableitungen von schief (2 von 2)

schiefe

DWB

schiefe , f. schiefe beschaffenheit, schiefe lage, schiefheit, obliquitas. Adelung : die schiefe der ecliptik, obliquitas eclipticae Frisch …

Verschiefen

Campe

○ Verschiefen , v. trs . schief machen. »Ein Gesicht, verschieft durch Stolz, Geiz « Lavater. Uneigentlich, eine schiefe, falsche  Richtun…