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Pfènnig

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Pfènnig

Bd. 3, Sp. 720
Der Pfènnig, des -es, plur. die -e. 1. Ein Nahme einer Münze und eines Gewichtes. 1) Einer Münze. Ehedem wurde eine jede Münze zuweilen ein Pfennig genannt, und noch jetzt kommt zuweilen eine Schaumünze, eine Gnadenmünze, eine Denkmünze u. s. f. unter dem Nahmen eines Schaupfenniges, Gnadenpfenniges und Denkpfenniges vor. auch die Bractcaten oder Blechmünzen wurden vor diesem sehr häufig Blechpfennige genannt. Die Albus oder halben Batzen hießen ehedem Weißpfennige, und kommen noch jetzt zuweilen unter diesem Nahmen vor. Luther nennt Joh. 6, 7, und Marc. 6, 37 die Denare[] Pfennige, wofür er doch in andern Stellen richtiger das Wort Groschen gebraucht. Heut zu Tage ist der Pfennig eine Art der kleinsten Scheidemünzen, welche doch auch nicht überall von einerley Werthe ist. Im Mecklenburgischen werden die Häller Pfennige genannt. In Oberdeutschland hat man leichte Pfennige, deren zwölf auf einen Kaisergroschen gehen, und schwere Pfennige, deren zwölf einen guten Groschen machen. Die letztern werden in Ober- und Niedersachsen und in einem großen Theile Oberdeutschlandes nur Pfennige schlechthin genannt. Drey Pfennige, sechs Pfennige u. s. f. nicht Pfennig, wie wohl bey andern Münzarten mit Zahlwörtern üblich ist. Er hat mich bey Häller und Pfennig bezahlt, völlig. Ich gebe keinen Pfennig mehr, nichts mehr. In Schlesien hält ein Denar oder Pfennig, denn beyde sind daselbst gleichbedeutend, 11/2 Häller, dagegen in andern Ländern 2 Häller auf einen Pfennig gehen. Figürlich werden im gemeinen Leben die versteinerten Heliciten, welche zu den vielkammerigen um den Mittelpunct gewundenen Schnecken gehören, wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt, versteinerte Pfennige oder Pfennigsteine genannt. Auch die kleinen versteinerten Chamiten, welche bey Brattenburg sehr häufig gefunden werden, sind aus eben dieser Ursache bey dem gemeinen Manne unter dem Nahmen der Brattenburgischen Pfennige bekannt. 2) Ein Gewicht. (a) In dem Handelsgewicht ist der Pfennig durch ganz Deutschland der vierte Theil eines Quentes, und zwey Häller machen auch hier einen Pfennig, so daß ein Quent 4 Pfennige, oder 8 Häller hat. (b) In einigen Gegenden ist es in den Gold- und Silbergewichten der zwölfte Theil einer Mark, da denn der Pfennig 11/3 Loth ist, und wiederum 24 Groschen oder Grän hält. c) Im Hüttenbaue ist das Pfenniggewicht eine besondere Art des Probiergewichtes, wo die Mark in 156 Theile getheilet wird, zum Unterschiede von dem Centnergewichte, Markgewichte und Karatgewichte. Das Brandsilber und die Pagamente werden nach diesem Gewichte probieret. 2. In weiterer Bedeutung wird dieses Wort oft für Geld überhaupt gebraucht, wo es denn bald im Singular allein, bald aber auch im Plural allein stehet. Ehedem war es in dieser Bedeutung überaus gangbar; jetzt kommt sie nur noch in den Zusammensetzungen Beichtpfennig, Pathenpfennig, Nothpfennig, Ehrenpfennig, Zehrpfennig, Haftpfennig, Miethpfennig, Reisepfennig u. s. f. und im Plural in Mutterpfennige vor. S. auch viele der folgenden Bedeutungen. 3. * In noch weiterer Bedeutung wurde es ehedem von einer jeden Waare, von dem Vermögen, und kurz von allem, was Geldes werth war, gebraucht. In diesem Verstande ist es gleichfalls veraltet, man müßte denn die noch bey den Steuern und Auflagen übliche R. A. der fünfte, vierte u. s. f. Pfennig, dahin rechnen, worunter man bald den so vielsten Theil des sämmtlichen Vermögens, bald nur denselben Theil von dem Werthe der liegenden Gründe verstehet. Ihre beweiset, daß diese Bedeutung ehedem auch in Schweden gangbar gewesen. So heißt es z. B. in dem alten Helsingischen Gesetzbuche: Säter man jord i wäd adihom fore korn aeller adhra peninga, wo das Korn mit unter die Pfennige, d. i. Geld, gerechnet wird. Und in dem Westgothischen Gesetzbuche: Giwer madher kono sinni gard til hindradax giöf, med allum paenningum them, ther i äru, wenn ein Mann seiner Frau zum Heirathsgute ein Landgut mit allen dazu gehörigen Pfennigen (d. i. beweglichen Gütern) gibt; wo im folgenden das Wort Godz, Güter, gebraucht wird. In dem mittlern Lat. wurde Pecunia, so wie im Deutschen ehedem Geld, auf ähnliche Art von einem jeden beweglichen oder unbeweglichen Gute gebraucht. So veraltet auch diese Bedeutung ist, so wichtig ist sie doch bey Erforschung der Abstammung dieses Wortes.[] Anm. Dieses alte Wort lautet bey dem Ottfried, der es schon für Geld überhaupt gebraucht, Pfening, oder vielmehr, wie in den Handschriften nach Schilters Versicherung in den Anmerkungen zum 3ten B. Kap. 14 gelesen wird, Pending, Penthing, Pfentinc; bey dem Willeram Phenning, im Tatian, wo es für Silberling steht, Phenningo, noch im Deutschen bey vielen Pfenning, im Angels. Penig und Pening, im Engl. Penny und im Plural Pence, im Schwed. Penning, im Isländ. Penningur, im Slavon. Pencz, im Ungar. Penz, im Pohln. Pieniacz. Die Abstammung dieses Wortes ist noch nichts weniger als ausgemacht. Die letzte Sylbe ist unstreitig die Ableitungssylbe -ing oder -ig, welche ein Ding, ein Subject bedeutet, von welchem etwas gesagt wird. Nur die erste Hälfte, welche das Prädicat enthält, ist noch dunkel. Die Wortforscher, welche sich mit diesem Worte beschäftiget haben, theilen sich vornehmlich in zwey Classen, wovon die eine die erste Bedeutung einer geprägten Scheidemünze, und die andere die letzte Bedeutung einer Waare, eines Gutes, für die erste und ursprüngliche hält, und darauf ihre Etymologien gründet. Um hier nur einige der vornehmsten anzuführen, so ließ Slinner es von dem Lat. Pecunia durch eine Versetzung der Buchstaben abstammen. Goldast leitete es sehr seltsam von behändig ab, und behauptete, das Geld wäre wegen seiner Bequemlichkeit im Handel und Wandel so genannt worden. Viele unter den Deutschen lassen es von Pfanne abstammen, und setzen voraus, daß die Hohlmünzen, welche man im gemeinen Leben auch wohl Schüsselpfennige zu nennen pflegt, zuerst und eigentlich diesen Nahmen geführet. Verelius legte das alte Schwedische paena, ausdehnen, prägen, zum Grunde, welches mit unserm Pein verwandt ist, S. dasselbe. Wachter läßt es von dem alten und noch jetzt im Wallisischen üblichen Pen, ein Kopf, abstammen, weil auf die ersten in Deutschland bekannt gewordenen Münzen der Kopf des Kaisers gepräget war. Was diese Ableitung wahrscheinlich macht, ist theils, daß auch Münze seinen Nahmen von dem Gepräge hat, theils aber auch, daß in der Schweiz ein Pfennig Angster genannt wird, d. i. Angesichter, gleichfalls von dem darauf geprägten Kopfe oder Angesichte. Frisch ist für das Latein. pendo, Schilter aber, der sich auf Ottfrieds Schreibart Penthing und Pfentinc, und auf das Dänische Pendig für Pfennig gründet, leitet es von Pfand, Pignus, ab, und erkläret es, der letzten Bedeutung zu Folge, durch ein bewegliches Gut, welches die Stelle eines Pfandes vertreten kann. Und dieser Ableitung pflichtet auch Ihre bey, welcher mit mehrern Stellen beweiset, daß Pfennig ehedem ein jedes bewegliches Gut bedeutet habe. Ja noch jetzt bedeutet Penning im Isländischen das Vieh, daher es in der Isländischen Bibel Isel 1 heißt: O huersu peninguren styner! o wie stöhnet das Vieh!
7086 Zeichen · 88 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Pfènnig

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Pfènnig , des -es, plur. die -e. 1. Ein Nahme einer Münze und eines Gewichtes. 1) Einer Münze. Ehedem wurde eine jed…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Pfennig

    Goethe-Wörterbuch

    Pfennig häufig ‘Pf.’, ‘Pfg.’ u ‘(.)’; auch ‘Pfenning’ (zB 52,68,26 ) u in Rechtsanwaltschriften; etwa die Hälfte der Bel…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Pfennig

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Pfennig ( Pfenning , althochd. phantinc, phenninc ), ursprünglich gemünztes Geld überhaupt (so noch jetzt in Ausdrücken …

  4. modern
    Dialekt
    Pfennigm.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Pfennig m. : 1. Münze von bestimmtem Wert, gegenwärtig der hundertste Teil der Deutschen Mark (DM), Pennich, Penning usw…

  5. Sprichwörter
    Pfennig

    Wander (Sprichwörter)

    Pfennig 1. An einem Pfennig sieht man wie ein Gulden gemünzt (geschlagen) ist. – Simrock, 7836. Holl. : Aan een' penning…

  6. Spezial
    Pfennig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Pfen|nig m. (-[e]s,-e) 1 (ehemalige Münzeneinheit) pfennig m. , zentejm de march m. 2 ‹fig› (Geld) scioldo (-di) m. ▬ ke…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit pfennig

507 Bildungen · 203 Erstglied · 302 Zweitglied · 2 Ableitungen

pfennig‑ als Erstglied (30 von 203)

Pfennigacker

PfWB

pfennig·acker

Pfennig-acker m. : Pennichackeʳ , ein Acker in BZ-Albw, der einst für einen Pfennig verkauft worden sein soll.

Pfennigamt

DRW

pfennig·amt

Pfennigamt, n. Finanzbehörde, metonymisch auch Amt, Aufgabe im Rahmen der Finanzverwaltung geng dannoch vil jar in keller, darnach gab man i…

Pfennigbann

Campe

pfennig·bann

✱ ✱ Der Pfennigbann , — es, Mz . u. 1) Der Befehl und das Recht dazu, Geldstrafe zu erlegen. 2) Die Gewalt und das Recht eine Abgabe von den…

Pfennigbede

DRW

pfennig·bede

Pfennigbede, f. wie Pfenniggeld (I) dat wi den vromen luden ... habben gelihen ... in dem dorppe zu Sellin penninge bede, corn bede, vleys b…

Pfennigbeschneiden

DRW

pfennig·beschneiden

Pfennigbeschneiden, n. Verkleinerung und damit Wertminderung von Münzen durch Abschneiden der Ränder vgl. kippen, Münzverfälschung d[arumbe]…

pfennigbier

DWB

pfennig·bier

pfennigbier , n. , mhd. phennincbier ( minnes. 3, 299 b ), mnd. penninkbêr, bier, wovon ein bestimmtes masz einen pfennig kostet: frisch auf…

Pfennigbot

DRW

pfennig·bot

Pfennigbot, n.? zu Bot (VI) wie Pfenniggeld (I) sal der [dorffer] gebruͤchin zcuͤ myme nuͤcze, also dach, das ... ydirman by gliche unde rec…

Pfennigbrief

DRW

pfennig·brief

Pfennigbrief, m. Darlehensurkunde, Schuldbrief vgl. Pfennigschuld [wir] geuen ouer jegenwordigk alle ... besegelde breue unde dergeliken pen…

pfennigbrot

DWB

pfennig·brot

pfennigbrot , n. brot das einen pfennig kostet, pfenningbrot Closener 53, 11 . vgl. pfennigsemmel, pfennigweck.

Pfennigbuße

DRW

pfennig·buße

Pfennigbuße, f. Geldstrafe (im Unterschied zur Leibesstrafe) bdv.: Pfennigbrüche, Pfennigfall, Pfenniggeld (II), Pfennigwette vgl. 1Haar (II…

pfennig als Zweitglied (30 von 302)

Ablaßpfennig

DRW

ablaß·pfennig

Ablaßpfennig I Ablaßdenkmünze benedicirte auch oel, wasser ..., ablasspfennige 1689 Laibach/Valvasor,Krain II 578 Faksimile Schmeller² I 431…

Ableitpfennig

DRW

Ableitpfennig Abfahrtsgeld wenn awch ein newer prior wiͤrt ... der sol die voͤrbenanten taͤg, die wiͤr haben, an dem uͤrfar ... empfahen und…

Abzugspfennig

DRW

abzug·s·pfennig

Abzugspfennig Nachsteuer hingegen ist von immobilibus, welche fremden personen zufallen, ..., kein abzugs-pfennig eher zu fordern, bis sie z…

Achtpfennig

DRW

acht·pfennig

Achtpfennig zu 3Acht Abgabe von Fronpflichtigen sol man geben dem meiger ... der herren von S. Alban 3 d. ze dienst, die da heissent acht pf…

Adlerpfènnig

Adelung

adler·pfennig

Der Adlerpfènnig , des -es, plur. die -e, bey dem großen Haufen, alle diejenigen Pfennige welche in ihrem Gepräge einen Adler führen, deren …

Altpfennig

DRW

alt·pfennig

Altpfennig vier altphening die frisekhin gehaissen 15. Jh. GörzSt. 92 Volltext 1607 FreibDiözArch. 23 (1893) 125 Faksimile

Angsterpfennig

DRW

angster·pfennig

Angsterpfennig Münze 1369 Herrgott,MAustr. IV 2 S. 190 angsterpfenning slachen 1424 GlarusUrkS. I 580 Faksimile – Abgabe SchweizId. V 1120 F…

Anleitpfennig

DRW

anleit·pfennig

Anleitpfennig zu Anleit (I 2 a) 1580 NÖsterr./ÖW. VII 183 Faksimile an- und ableitpfennig 1648 NÖsterr./ÖW. VII 274 Faksimile

Arnpfennig

DRW

arn·pfennig

Arnpfennig Erntelohn in messe ... solvit mansus quisque vi denarios, qui dicuntur arnepheninge oJ. Hanauer,Constd'Alsace 58 Faksimile

Artpfennig

DRW

art·pfennig

Artpfennig Zins von Pflugland vgl. artig (I) iv sollidos grossorum Vribergensium cum tribus grossis dictis artpfenninge 1373 HMeißenUB. II 1…

Asperpfennig

DRW

asper·pfennig

Asperpfennig vgl. Asper, Asperlein sonder den gemeynen czünss und die myll und die asper pfennig sol der ... purgermaster der stat yerlichen…

Ausrufpfennig

DRW

ausruf·pfennig

Ausrufpfennig Gebühr für ausrufen (II 1) es sollen ... alle ausruefpfennig des haer sein, darvon soll er sich gewanten 17./18. Jh. NÖsterr./…

Axtpfennig

DRW

axt·pfennig

Axtpfennig Abgabe für das Recht, Holz zu fällen ihrem fauth alle iahr 3 hlr. axtpfennig (1304) Rheingau/GrW. IV 570 Faksimile dem forstmeist…

Ableitungen von pfennig (2 von 2)

unpfennig

DWB

unpfennig , m. , im sinne von ungeld 6 bei Haltaus 1933 . vgl. überpfennig. unpfenn(ig)wert, m., ' was unter oder über einem billigen geldwe…

verpfennigen

DWB

verpfennigen , verb. zu pfennigen machen, verkaufen, veräuszern. mhd. häufig. so z. b.: wegen einer dem kaufmann Joh. Manhafer zu Nürnberg z…