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milde

ae. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

milde f.

Bd. 12, Sp. 2208
milde, f. das mildsein; in verschiedenen bedeutungen des adj. ausgebildet. 11) in der älteren sprache (nach mild 3) die liebevolle fürsorglichkeit eines herrn für sein gesinde: er was der nôthaften fluht, ein schilt sîner mâge, der milte ein glîchiu wâge. a. Heinrich 66; die gütige, gnädige gesinnung, die sich in geben und wolthun ausspricht (vgl. mild 4 und 5): miltî largitas, hilaritas Graff 2, 726; er schepfet waʒʒer mit dem sibe, swer âne vrîe milte mit sper und mit dem schilte ervehten wil êr unde lant. des fürsten und des küniges hant muoʒ offen z' aller zîte stân, der grôʒiu dinc wil ane gân. troj. krieg 18549; von gott: ich lob dich schöpfer der natur, und wunder mich der creatur, dj du ausz nichten hast gebilt, dabei ich brüf dein macht und milt. Schwarzenberg 121a; und noch bei Hagedorn (vgl. dessen gebrauch des adj. mild 5, a): schütze mich vor eitelm stolze, der sich bei dem gut erhebet, das dem sterblichen besitzer deine milde nur geliehn. 1, 3; als formelhafte bezeichnung einer königlichen eigenschaft, wie heute gnade: Damon, sitz auf den trone mein, heut den tag solt du könig sein. gebeudt und straf als was du wilt ausz meiner königlichen milt. H. Sachs fastn. sp. 4, 117, 118; zu zeigen, dasz ich nicht unwerth des ordens, den meines königs milde mir verlieh. Tieck Octavian. s. 413; freigebigkeit überhaupt: swes ieman an si gerte,des wâren si bereit. des gestuont dô vil der degenevon milte blôʒ âne cleit. Nib. 1310, 4; später durch mildigkeit (s. d.) zurückgedrängt, obwol nicht vergessen: eines milde spüren, lenitate alicujus agnoscere, it. liberalitate alicujus frui. Stieler 1276; in der neueren sprache hie und da wieder hervorgetreten: zuviel milde ist verthan. Simrock sprichw. 377; vor ihm (dem guten reichen) verlieren sich die zähren banger noth. die milde seiner huld entfernt (schiebt auf) der greisen tod, zieht ihre kinder auf, die väter zu verpflegen. Hagedorn 1, 20; (ich) sollt es wohl mit ansehn, dasz verschwendung aus der weisen milde sonst nie leeren scheuern so lange borgt, und borgt, und borgt, bis auch die armen eingebornen mäuschen drinn verhungern? Lessing 2, 256; nur darum eben leiht er keinem, damit er stets zu geben habe. weil die mild ihm im gesetz geboten; die gefälligkeit ihm aber nicht geboten: macht die mild ihn zu dem ungefälligsten gesellen auf der welt. 240. 22) milde (vgl. mild 6) die gütige, erbarmende, nachsichtige, sanfte gesinnung; ahd. miltî: lerne hiar thia guatîuuio unser druhtîn dâti, sînes selbes miltîjoh muates mammunti. Otfrid 3, 19, 12; mhd. milte: diu keiserlîchen ougen sîn von rehter milte wurden naʒ. Silvester 1038; hie sol ich nu gedenken zuo, alsô daʒ ich den kinden tuo milt und erbarmunge schîn. 1164; nhd. zumal in der neueren sprache wieder verwendet; gern vom weibe, im gegensatz zur strenge, rauheit, wildheit: in neuer zeit wird überhaupt, ungeachtet der alten, der bibel und Rousseaus, den weibern statt der milde mehr die wilde angerathen und angelehrt. J. Paul vorsch. der ästh. 3, 143; die weiber haben gesellige milde, die männer gesellige wildheit. ebenda; auf einmal steht vor ihm ein göttergleiches weib, im groszen auge des himmels reinste milde, der liebe reiz um ihren ganzen leib. Wieland 22, 129 (Oberon 3, 58); der eignen milde folge du getrost. nicht strenge legte gott ins weiche herz des weibes. Schiller M. Stuart 2, 3; furchtbar ist deine rede, doch dein blick ist sanft .. o bei der milde deines zärtlichen geschlechts fleh ich dich an (Montgomery zu Johanna). jungfrau von Orleans 2, 7; der Ungarn königin, die strenge Agnes, die nicht die milde kennet ihres zarten geschlechts. Tell 5, 1; vom manne, die sanftere gesittung hervorhebend: der weisen weisestes, der milden milde, der starken kraft, der edeln grazie vermähltet ihr in éinem bilde. Schiller die künstler v. 210; von fürsten, in bezug auf ihre nachsehende art: Eug. des königs milde sollte milde zeugen. herz. des königs milde zeugt verwegenheit. Göthe 9, 269; da war kein ansehn der person, es hielt die milde nicht den arm des rechts zurück. 164; milde, personificiert, humanitas: denn nirgends baut die milde, die herab in menschlicher gestalt vom himmel kommt, ein reich sich schneller, als wo trüb und wild ein neues volk, voll leben, muth und kraft, sich selbst und banger ahnung überlassen, des menschenlebens schwere bürden trägt. 67; sah ich aus ihren augen die englein unschuld, sanftmuth und milde blicken und zu mir überflattern. Veit Weber sagen der vorzeit 3, 429. 33) milde, nach mild 10, das sanfte der töne, farben, des wetters u. ähnl.: die milde des tones (einer geige); die lage der stadt, die milde des klimas kann nie genug gerühmt werden. Göthe 28, 69; (er) trinkt die milde der abendluft. Hölty 113 Halm; leicht und erquicklich athmet sich die luft, und ihre milde schmeichelt unsern sinnen. Schiller Macb. 1, 12 (the air nimbly and sweetly); der prächtgen stoffe gold und farbenglanz, der perlen milde, der juwelen strahl bleib im verborgnen! Göthe 9, 296; so such ich wieder dich, mein thal. empfange dann den kranken sänger mit solcher milde noch einmal! Uhland ged. 44.
5147 Zeichen · 74 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    mildeAdj. (ja)

    Köbler Ae. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    milde , Adj. (ja) nhd. mild, gnädig, freundlich, edelmütig, sanft ÜG.: lat. benignus GlArPr, clemens GlArPr, mansuetus, …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    milde

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    milde s. mëlde 1.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    mildeF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    milde , F. nhd. „Milde“, Barmherzigkeit, Güte, Mildherzigkeit, Freigebigkeit, Mildtätigkeit Hw.: vgl. mhd. milte (3), mn…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Milde

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Milde , plur. car. das Abstractum des vorigen Beywortes, die Eigenschaft, nach welcher ein Ding milde ist. In allen …

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Milde

    Goethe-Wörterbuch

    Milde 1 zu ‘mild’ 1: gemäßigte, als angenehm (für die Sinne) empfundene Qualität a sanfter Schimmer, matter Glanz; mBez …

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Milde

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Milde oder fromme Stiftungen , nennt man unbewegliche Güter, Nutzungsrechte oder Gelder, welche hergeschenkt werden, dam…

  7. modern
    Dialekt
    Milde

    Pfälzisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Milde s. Melde ;

  8. Sprichwörter
    Milde

    Wander (Sprichwörter)

    Milde 1. Alles durch Milde, nichts durch Gewalt. Dän. : Lemfeldighed er ofte bedre end ret og magt. – Mildhed er øm til …

  9. Spezial
    Milde

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Mil|de f. (-) 1 (Nachsicht, Güte) clemënza f. 2 (Barmherzigkeit) misericordia f. 3 (milder Geschmack) delicatëza f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit milde

61 Bildungen · 50 Erstglied · 10 Zweitglied · 1 Ableitungen

milde‑ als Erstglied (30 von 50)

mildeblitzend

GWB

mildeblitzend mBez auf Reflexe des sanften Mondlichts auf der Wasseroberfläche [ Sirenen zum Mond: ] Blicke ruhig von dem Bogen|Deiner Nacht…

Mildebuggel

ElsWB

Mildebuggel [Meltəpùkl Rapp. ] m. verwünschter Kerl, Fluchwort, vgl. frz. bougre.

mildebār

KöblerMnd

milde·bār

mildebār , Adj. nhd. freigebig, fruchtbar Q.: SL E.: s. milde (1), bār (2) L.: MndHwb 2, 980 (mildebâr), Lü 229b (mildebar) Son.: örtlich be…

mildeclich

KöblerMhd

mildeclich , Adj. Vw.: s. milticlich

mildeclīche

KöblerMhd

mildeclīche , Adv. Vw.: s. milticlīche

Milde (der)

Wander

mild·eder

Milde (der) 1. Der milt gibt sich reich, der geitzig nimpt sich arm. – Franck, I, 117 b ; Henisch, 1448, 20; Lehmann, II, 65, 153 ; Müller, …

Mildedia

ElsWB

milde·dia

Mildedia , Milde diö , Milde tau [mìltətja Liebsd. bis Dü. ; meltatjæ Rapp. Bf. Bisch. ; miltətje K. Z. ; meltəti Dunzenh. ; euphem. mìltətà…

mildedütz

ElsWB

mildedütz [meltatyts Logelnh. ] Ausruf der Verwunderung.

Mildefaneⁿ

Idiotikon

Mildefaneⁿ Band 1, Spalte 830 Mildefaneⁿ 1,830

Mildefuter

ElsWB

milde·futer

Mildefuter [Meltafytər Hlkr. ] Fluchwort, frz. mille de foutre. Daraus euphemistisch:

mildegiᵉwe

WWB

milde-giᵉwe Adj. - gīwe freigiebig, gern andern etwas mitgebend ( Alt Al).

mildegiᵉwend

WWB

milde-giᵉwend Adj. [ Hal Det] 1. mitleidig. — 2. barmherzig, wohltätig.

mildegiᵉwesk

WWB

milde-giᵉwesk Adj. [ Mes Bri] mildtätig, freigiebig.

Milde II

RhWB

Milde II s. o. bei mild.

mildelĩken

MNWB

milde·liken

mildelĩken , mildichlĩken , seltener -lĩk(e) , adv. , 1. gnädig, gütig, wohlwollend, barmherzig (von Gott, einem Höhergestellten). — 2. mild…

mildelīk

KöblerMnd

mildelīk , Adj. nhd. wohlwollend, geneigt, freigebig, freundlich, barmherzig, fromm Vw.: s. *un-? Hw.: s. mildich; vgl. mhd. mitlich E.: s. …

mildelīken

KöblerMnd

mildelīken , Adv. nhd. gnädig, gütig, wohlwollend, barmherzig, mildherzig, freigebig, mildtätig, wohltätig, freundlich, herzlich, innig ÜG.:…

mildemënt

ElsWB

milde·ment

mildemënt [mìltəmant Hüss. Geberschw. Hlkr. Logelnh. Co. Winzenh. ] Fluchwort, Potztausend.

Mildenau

Meyers

milde·nau

Mildenau , Landgemeinde in der sächs. Kreish. Chemnitz, Amtsh. Annaberg, 548 m ü. M., hat eine evang. Kirche, Spitzenklöppelei, Posamentenfa…

Mildenhausen

Wander

milden·hausen

Mildenhausen Er ist nicht von Mildenhausen. Ist karg, gibt nicht gern. » ... Die bey leben nicht dann wie ein Egel an sich zogen, vnnd trage…

milde als Zweitglied (10 von 10)

altersmilde

RDWB1

alters·milde

altersmilde страдающий старческой забывчивостью, сенильный

hôchmilde

MNWB

hoch·milde

hôchmilde , adj. , sehr freigebig, leutselig, gnädig (als Attribut eines Fürsten).

hōchmilde

KöblerMnd

hōch·milde

hōchmilde , Adj. nhd. sehr freigiebig, leutselig, gnädig E.: s. hōch (1), milde (1) W.: s. nhd. hochmild, Adj., hochmild, DW 10, 1626? L.: M…

obirmilde

KöblerMhd

obirmilde , Adj. Vw.: s. übermilte

ȫvermilde

MNWB

oever·milde

° ȫvermilde , ōver- , adj. : sehr gütig, sehr barmherzig, dû bist ên apostel lö̂velĩk ȫ. unde dȫgentrîk (SL 3, 252: Brem. k. g.).

ummilde

KöblerMnd

ummilde , Adj. Vw.: s. unmilde

unmild(e)

DWB

unmild(e) , adj. adv. , gth. v. mild(e). g. unmilds, an. úmildr, dän. umild, schwed. omild, ags. unmilde, engl. unmild, ahd. unmilti, mhd. u…

übermilde

KöblerMhd

übermilde , Adj. Vw.: s. übermilte

ōvermilde

KöblerMnd

ōvermilde , Adj. Vw.: s. ȫvermilde

ȫvermilde

KöblerMnd

ȫvermilde , Adj. nhd. sehr gütig, sehr barmherzig Hw.: vgl. mhd. übermilte Q.: SL 3 252 E.: s. ȫver (3), milde (1) W.: s. nhd. (ält.) übermi…

Ableitungen von milde (1 von 1)

unmild(e)

DWB

unmild(e) , adj. adv. , gth. v. mild(e). g. unmilds, an. úmildr, dän. umild, schwed. omild, ags. unmilde, engl. unmild, ahd. unmilti, mhd. u…