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maul

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Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Maul Das

Bd. 3, Sp. 232a
1. Das Maul, — es, Mz. Mäuler; Vw. das Mäulchen, die breite von den Lippen umgebene und geschlossene Öffnung vorn am Kopfe, welche besonders dient, die Nahrungsmittel für den Körper einzunehmen, und im innern Raume mit den Zähnen zu zermalmen. Da bei Maul mehr auf den Stoff, die Masse der Theile, welche dasselbe bilden, gesehen und es mehr als Werkzeug zur Befriedigung thierischer Bedürfnisse betrachtet wird, so gebraucht man es ohne nachtheiligen Nebenbegriff bloß von Thieren, ausgenommen von Vögeln, die anstatt des Maules einen Schnabel haben. Das Maul des Hundes, der Katze, des Schafes  Ein Pferd hat ein weiches Maul, wenn es den Druck des Gebisses lebhaft und sogleich fühlet; ein hartes Maul, wenn das Gegentheil Statt findet. Dem Pferde das Gebiß ins Maul legen. »Dem Ochsen, der da drischet, sollt du nicht das Maul verbinden.« 5 Mos. 25, 4. Das Maul der Thiere bekömmt bei verschiedenen Thieren und nach der verschiedenen Beschaffenheit desselben verschiedene andere Namen, als Schnauze, Rachen, Rüssel, welche Wörter man in der niedrigen Sprechart auch vom Munde des Menschen gebraucht, wie auch die Wörter[] Fresse, Flabbe, Schlabbe, Gosche oder Gusche, Schmecker, Gefräß, im O. D. auch Waffel, und im N. D. noch Plärre, Kiffe, Flotze , alle mit dem Begriffe der Verächtlichkeit im höchsten Grade. Von Menschen gebraucht man Maul in guter Bedeutung nur selten und im gemeinen Leben, indem man sich des edleren Wortes Mund dafür bedient; fast immer verbindet man damit einen harten, verächtlichen Nebenbegriff. Ein, großes, weites, breites, dickes, schiefes Maul haben. Ein Maul, das bis an die Ohren gehet, ein sehr breites. Das Maul aufreißen, aufsperren, es weit öffnen, besonders beim Gähnen. Das Maul ziehen, verzerren. Ein Maul machen, ein verzerrtes Maul machen, den Mund verziehen. Bis an das Maul verschanzt sein, ganz verschanzt sein, ganz von Schanzwerken gedeckt sein; wofür man auch sagt, bis an die Zähne verschanzt sein. Bis an das Maul verschanzt zu sein, Flößt jedem Haufen Mannheit ein. Soltau. Einen auf das Maul schlagen. Maul, als das ein so wichtiges Glied bezeichnende Wort, wird im gemeinen Leben auch in vielen uneigentlichen Redensarten gebraucht, wo zwar oft doch nicht immer das edlere Wort Mund dafür gesetzt werden kann, weil mit diesen Redensarten ein verächtlicher und oft niedriger Nebenbegriff verbunden ist. Das Maul aufsperren, etwas mit dummer Verwunderung und Öffnung des Mundes ansehen. Er soll Maul und Nase aufsperren, er soll sich höchlich verwundern. Einem das Maul aufsperren, ihm vergebliche Hoffnung machen, ihm gleichsam etwas vorhalten, wonach er den Mund öffnet, und es ihm nicht geben. Einem die Bissen in das Maul (in den Mund) zählen, einem kärglich zu essen geben, oder einem Essenden mißgünstig, oder selbst zu essen begierig zusehen, und gleichsam die Bissen zählen, die er in den Mund steckt. Einem etwas vor dem Maule (vor dem Munde) wegnehmen, wegfischen, etwas nehmen dessen er sich gerade bedienen wollte, was er schon ganz sicher zu haben glaubte. Einem das Maul (den Mund) stopfen, ihm zu essen geben, auch machen, daß er schweige. Den Leuten das Maul wässerig machen, sie lüstern nach etwas machen, in ihnen eine große sinnliche Begierde nach etwas erregen. Das Maul wässert mir danach, ich empfinde große Begierde danach. Das Maul wischen und davongehen, etwas von jemand genießen und ohne dafür zu danken fortgehen. Andern Leuten ins Maul sehen müssen, ihrer Gnade leben müssen. Sich etwas an dem Maule abbrechen, oder, seinem Maule etwas abbrechen, sich etwas versagen, etwas selbst nicht genießen, damit es ein Anderer habe. Das Maul hinbringen, sich den nothdürftigen Unterhalt erwerben. Das Maul hängen oder das Maul hangen lassen, durch niederhangende Lippen und durch Schweigen seine Unzufriedenheit, sein Mißvergnügen an den Tag legen; wofür man auch sagt, ein schiefes Maul machen. Einem ums Maul gehen, ihm schmeicheln. Einem nach dem Maule (nach dem Munde) reden, so wie er selbst zu reden pflegt, so wie er es gern höret. Ein loses, leichtfertiges, ungewaschenes, unnützes, grobes Maul haben, eine solche Sprache führen, lose, leichtfertig  sprechen. Es verdrießt ihn das Maul (den Mund) aufzuthun, d. h. zu sprechen. Er thut das Maul (den Mund) gar nicht zu, er hört gar nicht auf zu reden, zu schwatzen. Das Maul (den Mund) zu weit aufthun, zu viel, zu frei sprechen. Reden, wie es in das Maul (den Mund) kömmt, wie die Gedanken und Worte kommen, ohne Überlegung und Wahl. Kein Blatt vor das Maul (vor den Mund) nehmen, ohne Zurückhaltung und Rücksicht zu nehmen sprechen. Sich das Maul verbrennen, durch unüberlegtes Reden anstoßen und sich schaden. Sich auf das Maul schlagen, sich zu rechter Zeit ans Schweigen erinnern. Sich das Maul über etwas zerreißen, viel und heftig über etwas reden, es tadeln. Ein großes Maul haben, viel sprechen und versprechen, auch groß sprechen, prahlen. Das Maul auf dem rechten Flecke haben, viel und geläufig reden können, sich gut verantworten können  Imer das Maul allein haben, allein sprechen, das große [] Wort führen. Das Maul halten, schweigen. Einem das Maul verbieten, ihm zu reden verbieten, welches auf eine grobe Art durch die Worte: halt das Maul! geschieht. Einem über das Maul fahren, ihm mit Heftigkeit und ohne Achtung antworten; auch, auf solche Art mit ihm sprechen. I der Leute Mäuler kommen, der Gegenstand der Gespräche Anderer werden, wofür Ezech. 36, 3 auch den Leuten ins Maul kommen gesagt wird. Sich in der Leute Mäuler bringen, etwas thun, so daß Andere von uns reden, gewöhnlich von tadelhaften Dingen. Einem in einer Sache nicht das Maul gönnen, sich nicht einmahl die Mühe nehmen, ihn in einer Sache oder um eine Sache anzusprechen. Einem etwas ins Maul kauen oder schmieren, einem etwas und wiederholt vorsagen, beschreiben, erklären. Sofern Maul in den meisten dieser Redensarten das Werkzeug des Sprechens auf eine grobe und verächtliche Art bezeichnet, wie auch als das Werkzeug einer plumpen und groben Sprache, wird es dem Munde entgegengesetzt. So sagt Klopstock: — — man dehnt mir zum Maule den Mund, d. h. man verwandelt meine feinen, zarten Ausdrücke in breite, plumpe. Uneigentlich bezeichnet Maul 1) Х eine Öffnung, die mit einem Maule Ähnlichkeit hat. So heißt in der Pflanzenlehre der häutige Rand um die Öffnung der Büchse das Maul (Peristoma s. Peristomium). So wird auch von den Tischlern die schmale Öffnung am Hobel, durch welche das Eisen hervorragt, das Maul genannt. 2) Х Etwas, das ein Maul oder etwas ihm Ähnliches hat. Zehn Mäuler täglich zu füttern haben, zehn Personen täglich zu speisen haben. »Verstummen müssen alle falsche Mäuler,« alle falsche Personen. Ps. 31, 19. Ein Lästermaul, eine Person, welche lästert und gern lästert; ein Leckermaul, ein leckerhafter Mensch. So auch Lügenmaul, Milchmaul  I der Pflanzenkunde, das Löwenmaul, eine Pflanze, deren Blüte einige Ähnlichkeit mit dem Maule eines Löwen hat. I der Schalthierkunde ist das krumme Maul eine braune Stachelschnecke mit weißen Bändern, deren Mündung ganz verzerret ist (Murex anus L.); auch das alte Weib, das rauhe oder haarige Ohr, Ohrschnecke, bucklige Purperschnecke (Grimasse). 3) Х Ein Kuß, besonders im O. D. das Verkleinungswort Mäulchen ist auch anderwärts im gemeinen Leben üblich, ohne daß ein verächtlicher Nebenbegriff damit verbunden ist. Einer Person ein Mäulchen geben. Sonst, ein leicht gestohlnes Mäulchen, O, wie hat es mich entzückt! Göthe.
7439 Zeichen · 84 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Maul

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    1. Das Maul , des -es, plur. die Mäuler, S. Adelung Maulesel .

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Maul

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 Maul mBez auf den Menschen oft wertneutral wie in verschiedenen oberdt Mundarten, auch an den bildhaften Sprachgebrauc…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Maul

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Maul , Alfred , verdienter Vertreter des Turnwesens, geb. 13. April 1828 zu Michelstadt in Hessen, gebildet auf der Real…

  4. modern
    Dialekt
    Maul

    Schweizerisches Idiotikon · +6 Parallelbelege

    Maul Band 4, Spalte 172 Maul 4,172

  5. Sprichwörter
    Maul

    Wander (Sprichwörter)

    Maul 1. Alle Mäuler sind Schwesterkinder. Sie essen alle gern etwas Gutes. It. : Tutte le bocche sono sorelle. ( Pazzagl…

  6. Spezial
    Maul

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Maul n. (-[e]s, Mäuler) 1 bocia (boces) f. 2 müsa (müses) f. 3 (verächtlich) bech (bec) m. ▬ großes Maul bociona f. ; ‹u…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit maul

1.001 Bildungen · 474 Erstglied · 521 Zweitglied · 6 Ableitungen

maul‑ als Erstglied (30 von 474)

Maulaffe

SHW

Maul-affe Band 4, Spalte 581-582

maulaffig

SHW

maul-affig Band 4, Spalte 581-582

Maulband

SHW

Maul-band Band 4, Spalte 581-582

Maulbeere

SHW

Maul-beere Band 4, Spalte 581-582

Maulberg

SHW

Maul-berg Band 4, Spalte 581-582

Maulecke

SHW

Maul-ecke Band 4, Spalte 581-582

maulern

SHW

maul-ern Band 4, Spalte 583-584

Maulesel

SHW

Maul-esel Band 4, Spalte 583-584

maulfaul

SHW

maul-faul Band 4, Spalte 583-584

maulfertig

SHW

maul-fertig Band 4, Spalte 583-584

Maulfäule

SHW

Maul-fäule Band 4, Spalte 583-584

Maulgatter

SHW

Maul-gatter Band 4, Spalte 583-584

Maulheld

SHW

Maul-held Band 4, Spalte 583-584

Maulhobel

SHW

Maul-hobel Band 4, Spalte 583-584

Maulhure

SHW

Maul-hure Band 4, Spalte 583-584

maulieren

SHW

maul-ieren Band 4, Spalte 583-584

Maulkorb

SHW

Maul-korb Band 4, Spalte 583-584

Maulorgel

SHW

Maul-orgel Band 4, Spalte 583-584

maulrippig

SHW

maul-rippig Band 4, Spalte 583-584

Maulrose

SHW

Maul-rose Band 4, Spalte 583-584

maulsauber

SHW

maul-sauber Band 4, Spalte 583-584

maulsen

SHW

maul-sen Band 4, Spalte 583-584

Maulseuche

SHW

Maul-seuche Band 4, Spalte 583-584

maul als Zweitglied (30 von 521)

Großmaul

RDWB1

Großmaul n выскочка, надутый индюк идиом. , разг. , краснобай, вития книж. , бахвал

Leckermaul

RDWB1

Leckermaul n сластёна; сладкоежка; лакомка; кто-л. не прочь полакомиться; кто-л. охоч до сладкого разг.

Schandmaul

RDWB1

Schandmaul n охальник, склочник, сплетник

Allmaul

RhWB

all·maul

All-maul almul  Duisb n.: vorlauter Mensch.

Aufmaul

RhWB

auf·maul

Auf-maul: opmul n. Maulaffe Mörs , Klev , Rees .

Babbelmaul

RhWB

babbel·maul

Babbel-maul -əl- u. -əlts- : 1. -χən Plaudermäulchen. — 2. n. u. f. schwatzhaftes Mundwerk. — 3. schwatzhafte Person.

Backofenmaul

PfWB

backofen·maul

Backofen-maul n. : 'außergewöhnlich breiter Mund', Backowemaul [ FR-Bockh ]; vgl. PfWB Backofenschnute . —

Bäkmaul

RhWBN

bak·maul

Bäk-maul bEkəmul Geld-Hinsbeck f.: Schreihals; verdöllde B.!

Bälkmaul

RhWB

Bälk-maul -ū, –u- Rip, Nfrk (s. o.) n.: Schreihals.

Bällmaul

PfWB

ball·maul

Bäll-maul n. : ' geschwollener Mund ', Bellmaul, Uzname auf die Bewohner von RO-Obd; vgl. PfWB bällen . RhWB Rhein. I 611 .

Bamaul

RhWB

bam·aul

Ba-maul baəmwl. Eup f.: Grossmaul, Schwätzer.

Barbenmaul

RhWB

barben·maul

Barbenmaul f.: Grossmaul. De möt seiner B. Trier . Dat is en richtig Barbəschnut Goar .

Batschelmaul

RhWB

batschel·maul

Batschel-maul Allg. f.: 1. Maulwerk. — 2. seichter Schwätzer, Quatschkerl, Klatschbase.

Batschmaul

RhWB

batsch·maul

Batsch-maul -mū:l f. u. derber -mūl n. Rip, MGladb , Kemp , Kref : 1. Maulwerk. — 2. Schwätzer. — 3. derjenige, der schmatzend isst Schleid-…

Beppermaul

PfWB

Bepper-maul s. PfWB Päppermaul .

Ableitungen von maul (6 von 6)

bemaulen

DWB

bemaulen , ore, bucca instruere, nur im part. bemault: gewis wer wol bemault ist und ein gut pantoffelgosch hat, der beiszt ein gröszer und …

Ermaulen

Campe

Х Ermaulen , v. trs. durch Maulen, Schmollen, mürrisches Wesen erlangen. »Die Frau wollte die Herrschaft ertrotzen und ermaulen.« Lafontaine…

maule

ElsWB

maule [màilə, màilùm Rädersd. , mòilə Rixh. Rapp. Str. , màùlə Scherw. , mœylə Ingenh. Zinsw. ] Adj. betrunken. — hebr. malê JB. XII 153.

vermaulen

DWB

vermaulen , verb. am maule, an sich vorüber gehen lassen: da haben wir christen erstlich viel tausent kinder Israel darnach wir heiden, solc…

zermaulen

RhWB

zer-maulen: sich z., in einem fort schmollen, hadern, streiten Allg. (nicht Rhfrk).