Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Leich m.
Leich m.
Leich m. Großform des einstimmigen Sololiedes aus ungleichen Strophen im Mittelalter. Ahd. leih ‘Spiel, Melodie, Gesang’ (10. Jh., vgl. auch harfleih, 9./10. Jh.), mhd. leich ‘Tonstück, (epischer) Gesang’, aengl. lāc ‘Spiel, Kampf’, anord. leikr ‘Spiel, Wettkampf’, schwed. lek ‘Spiel’, got. laiks ‘Tanz’ sind Ableitungen von einem (im Ahd. nicht bezeugten) germ. starken Verb got. laikan ‘hüpfen, springen’, anord. leika ‘sich rasch bewegen, spielen, scherzen’, aengl. lācan ‘aufspringen, spielen’, mhd. leichen (schwaches Vb.) ‘hüpfen, spielen’; vgl. ahd. wetarleih ‘Blitz’ und frühnhd. wetterleichen ‘blitzen’ unter Wetterleuchten (s. d.) und s. Laich. Die germ. Formen führen zusammen mit lit. láigyti ‘wild umherlaufen’ und vielleicht mit griech. elelízeií (ἐλελίζειν) ‘erzittern machen’ auf die Wurzel ie. *leig- ‘hüpfen, beben, beben machen’, wozu als Vertreter einer lautlichen Variante ie. *leig̑- auch aind. rḗjati ‘läßt beben, macht zittern’ gehört. Die spezielle Bedeutung ‘Lied einer bestimmten Strophenart’ kommt für Leich wohl mit dem Minnesang nach 1180 auf, möglicherweise unter Einfluß von lautlich und inhaltlich anklingendem, aber nicht verwandtem afrz. lai ‘kurzepisches Lied’, tritt nach dem Niedergang der mhd. Liederdichtung im 14. Jh. allmählich zurück und wird erst in der germanistischen Fachliteratur des 19. Jhs. neu aufgegriffen. Resthaft findet sich Leich in Verwendungen, die den ursprünglicheren Bedeutungen nahestehen, noch in nhd. Zeit und in Mundarten der Gegenwart; vgl. schweiz. ‘Gang von Burschen, welche Mädchen nachschleichen’, auch ‘festlich (mit Spiel und Tanz) zu begehende Ernte der Baumfrüchte’ (Apfelleich, Eichelleich), hess. ‘Spiel mit Kugeln, Spielkugel’, thür. Kugelleich ‘Kegelpartie’.