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läuten

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

läuten verb.

Bd. 12, Sp. 375
läuten, verb. campanas pulsare; ahd. hlûtjan, hlûttan, liutan, mhd. liuten; das ahd. wort bezeichnet, neben dem selteneren hlûten noch jede art des lautmachens, wie auch das ags. hlŷdan clamare, reboare, vociferare, garrire übersetzt, und das niederl. luiden sowol unser lauten als unser läuten ausdrückt; indes schon das mhd. liuten hat meist jenen eingeschränkten sinn, der heute dem worte innewohnt. mundartlich haben sich starke präteritale formen festgesetzt, das part. gelitten ist schlesisch, sächsisch, düringisch, nürnbergisch (Grübel 3, 281b), es und ein prät. litt läutete stehen schon im 16. und 17. jahrh. nachzuweisen: als er für des schreibers in teutschen haus sein losament kahm, lit er an. Adrian mittheil. 311; ein mesz, ein metten, ein vesper wol an und eingelitten. Garg. 246a; da man .. zur frümesz litt. Birken Guelfis 74. läuten wird gesagt 11) vom hervorbringen der laute im grammatischen sinne (vgl.lauten 5): ein thier schweigt oder schreit, es wiegert oder kräht, doch aber kan es nie kein wort zusammen leuten, und wann es gleich was lernt, so kann es doch nicht deuten, noch antwort mächtig sein auf etwas das man sagt. Opitz Hug. Grot. wahrh. 364, jedenfalls unter einflusz des holländischen originals. 22) sonst vom zusammenschlagen der glocken oder glockenähnlicher instrumente. 2@aa) transitiv, eine glocke läuten, für kirchliche und feierliche zwecke: mhd. sît gewis, swenn ir uns komet, ir werdent hôh enpfangen. ir sît wol wert daʒ wir die gloggen gegen iu liuten. Walther 28, 14; sich begunden über al die glocken selbe liuten. Gregor. 3587; nhd. die klocken leuten, trahere, motare campanas, ut clangorem edant. Stieler 1093; eine grabschrift ist von nöthen, nöthig das man glocken leute. Logau 3, 206, 88; die sturmglocke läuten: als die sturmglocke geläutet wurde, schien das ganze volk von schauer und erstaunen ergriffen. Göthe 24, 316; die hausglocke läuten, um eintritt in ein haus zu erlangen. 2@bb) mit der glocke läuten: mit den glocken zusammen läuten, omnia aera simul pulsare. Steinbach 1, 1002; mit einer schelle leuten, sonare nola et tintinnabulo Stieler 1094; als der könig die stadt betrat, läutete man mit allen glocken. 2@cc) mit unterdrücktem object: man läutet (nämlich die glocke, oder auch mit der glocke); es wird jetzt zum ersten male geläutet; so baldt man anfieng lüthen, schlich ich stil herab. F. Platter 311 Boos; vom getön der herdenglocken: hier, wo die herde läutend im blumengrase geht. Matthisson ged. 62; zu, in etwas läuten: man lûte dâ ze dem münsternâch gewoneheit. Nib. 946, 1; wenn man sunst in den rat lütet, der ein ratsherr ist, der verstot dabei, das er in den rat sol gon, wer ein frembder man, der da wiszt nit, was das lüten bedüte, er hörte die glocken wol. Keisersb. brösaml. 1, 44a; man hat zum erstenmal in die frükirche geleutet, primum signum auditum est precum matutinarum. Stieler 1094; wenn man dem würdigsten staatsbürger gewöhnlich nur einmal zu grabe läutet. Göthe 37, 14; ir messner vil dik ze metti lüt. teufels netz 4668; einem läuten, mit der glocke ein zeichen geben (z. b. einem diener dasz er kommen soll): ich glaub auch dasz unser herr gott der frau baas in den sinn geben habe, mir hieher zu läuten (sagt eine dienerin zur herrin). Simpl. 2 (1684) 369 (bei Kurz 4, 39, wo aber hieher zu leiten); in Düringen heiszt es einem toten fort läuten, von hinnen läuten, wenn bei seinem begräbnis geläutet wird; in Hessen unter die linde läuten, zur gemeindeversammlung, die dort statt findet. Vilmar 268. 2@dd) die mette, none, vesper läuten: swenne man frmesse leutet. Nürnb. pol.-ordn. 327; wol dan, man liutet nône! Neidhart 16, 37; von der brûdere gebot pflac er die metten lûten. Marienleg. s. 70, 23; so bald die frühe mette geläutet ist, noch zwischen tag und nacht. Wieland 21, 347; die kirche, die messe einläuten, ausläuten, vgl. unter diesen wörtern; bergmännisch schicht läuten, den anfang und das ende einer schicht durch anschlagen an eine glocke anzeigen. Veith bergwb. 409. 2@ee) intransitiv: die glocke läutet; alsdann werden die glocken wider lebendig und leuten der fasten gen hymel. Frank weltb. 232a; die sturmglocken läuteten. Dahlmann gesch. der franz. revol. 446; nichts hör ich als die fürchterliche glocke, die uns zur trennung läutet. Schiller Carlos 5, 11; der infinitiv substantivisch: ein halb verwehtes läuten tönt vom fernen kloster her. Matthisson der herbstabend. 33) mannichfach erscheint läuten in bildern und sprichwörtlichen redensarten, in allen fügungen der vorigen bedeutung: hat hören läuten, aber nicht zusammen schlagen. Luther br. 2, 423, vgl. zur erklärung unter lauten 3; die armen heiden hatten wol leuten hören, aber nicht zusammen schlagen, darumb weil Thubal Cain der eltesten schmid einer war, machten sie der götter schmide drausz. Mathes. Sar. 9a; die guten leut haben wol leuten hören, aber nit zusammen schlagen. 164a; herr Grill hat läuten hören, aber nicht zusammenschlagen. Salzmann Conrad Kiefer 75; von dem deutschen kunstsinn und dem dortigen kunstleben kann man wohl sagen: man hört läuten, aber nicht zusammenklingen. Göthe 27, 265; er hat läuten gehört, ohne zu wissen, wo die glocken hängen, quasi per nebulam audivit. Serz 86b; wenigstens hat der, von welchem sich diese berichtigung herschreibt, .. nur läuten hören, ohne im geringsten zu wissen, wo die glocken hängen. Lessing 10, 281; (haben) die heidnische poëten vorgegeben, di Pallas sei aus dem haupte Jupiters gebohren: aus welchem getichte leicht abzunehmen, das diselben poëten von des Jafets lehre etwas leuten gehört. Butschky kanzl. 811; 'Sylvia ist übermaszen frölich'. sie hat nicht grosze ursach frölich zu sein, wo ich recht habe hören läuten. ich weisz wol, was ich heimlich vernommen habe. A. Gryphius 1698 1, 874; der liebe herr bürgermeister hat hören läuten, aber er weisz nicht in welchem dorfe. Chr. Weise kl. leute 209; bei so mädchen, die jeder wind herumdreht, kann kein mensch errathen, aus welchem dorfe sie eben wieder läuten zu hören meinen. Felder reich u. arm 426; er sihet eben als hab man im ghen himmel geleut. wie ein gestochens kalb. S. Frank sprichw. 2, 20b; wer vom drohen stirbt, den soll man mit eselsnüssen zu grabe läuten. Pistorius thes. par. 3, 56; während über sein zu ende gehendes zwanzigstes jahr die vesperglocke läutete (es schlosz). J. Paul Tit. 2, 90; freunde, der process hat lange genug gedauert, und euch viel ungelegenheit und kosten gemacht, ich will euch nicht noch mehre machen, und mein ausspruch ist: wer zuerst kommt, der läutet zuerst. Eichendorff Lucanor 83; einen bei der langen glocke läuten lassen, consolari spe inani et tenui. Serz 86b; mit der sauglocke läuten, verborum turpitudinem adhibere in rebus pudicis. ebenda; er hört gern mit der sauglocke läuten. Simrock sprichw. s. 473; schles. den lümmel läuten. Weinhold 55b; mit den tellern in der küche läuten. ehe eines mannes 213. 44) läuten, in bezug auf glockenähnliche töne; bei thieren: über dem märzschnee in hoher luft tönt wie ein silberglöckchen ihr (der haidelerche) gejodel ... es ist entzückend, wenn an schönen märz- oder apriltagen die glöckchen mehrerer männchen zugleich läuten. didaskalia vom 27. juni 1872; am sumpfe läuten unk und grillen. A. v. Droste-Hülshoff (1873) 72; vom gläserklang: fröhlich hallte der pokale läuten. Matthisson ged. 31; unseren herrn bauchpfaffen mit kupfriger nase, den läuten bald die pokale zu grab: er zecht mit meinem papa jetzt. Voss 2, 135. vom klingen des ohres: wenn einem das rechte ohr läutet, spricht man gutes, wenn das linke, schlechtes von ihm; schon wieder habt ihr mich hinter meinem rücken verhandelt, und das linke ohr hat mir geläutet, wartet nur! Uli, ist das schön, mich schon so zu verklagen, wenn ich nur einen augenblick den rücken kehre? J. Gotthelf Uli d. knecht s. 316; läuten des ohres als zeichen nahes todes: das ohr klingt fort und läutet mir zu grabe, und da ich überall viel todeszeichen habe, so zagt dabei mein herz in ungemeiner pein. Günther 701.
8055 Zeichen · 140 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Läuten

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Läuten , verb. reg. welches das Activum des vorigen ist. 1) * In weiterer und eigentlicher Bedeutung, einen Laut oder La…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    läuten

    Goethe-Wörterbuch

    läuten a intrans von (Kirchen-)Glocken: klingen, ertönen; einmal im bildhaften Zshg Als sie aber die Glocken l. hörte 20…

  3. modern
    Dialekt
    läutenschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    läuten schw. (st.): 1. 'mit einer Glocke läuten', laide [verbr. NOPf vereinzelt SOPf WPf, mancherorts Don verbr. Krämer …

  4. Sprichwörter
    Läuten

    Wander (Sprichwörter)

    Läuten 1. Dat loa 'k luien, sach de Köster, doa was 'me sin Wyf afstuoarwen. ( Hemer in der Grafschaft Mark. ) – Fromman…

  5. Spezial
    läuten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    läu|ten I vb.intr. 1 (Klang geben) soné (sona) 2 (von Kuhglocken) stlinghiné (-nëia) 3 (klingeln, z.B. Telefon) soné (so…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit laeuten

18 Bildungen · 9 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von laeuten 2 Komponenten

lau+ten

laeuten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

laeuten‑ als Erstglied (9 von 9)

Läutenbier

RhWB

laeuten·bier

Läuten-bier lybīr Klevld n.: die Nachbarn, die das Totengeläute besorgten, kregen (früher) in't Wärtshüs L.

Läutengarben

RhWB

laeuten·garben

Läuten-garben luwję·r.vən (o. O.) Pl. t.: L. erhielt noch vor 70 Jahren der Küster von den meisten grossen Bauerngütern der Pfarre.

läutenhart

RhWB

laeuten·hart

läuten-hart lędənhart  Bitb-Seimerich Adv.: l. kreischen ganz laut weinen.

laeuten als Zweitglied (7 von 7)

anläuten

DWB

anläuten , campanam pulsare, campana signum dare inchoandi: ein metten, vesper wol an- und eingelitten. Garg. 246 a ; die kirche, den feiert…

ausläuten

DWB

aus·laeuten

ausläuten , extremum sonare campana, nnl. uitluiden: es läutet eben aus; die glocken haben ausgeläutet, campanae tacent; zum gericht hat man…

beläuten

DWB

beläuten , campanae sonitu celebrare, convocare: dein leib nit auf den kirchhof graben, bleibt unbeleut und unbeklungen. Waldis Esop 4, 46 .…

einläuten

DWB

ein·laeuten

einläuten , campanae sonitu initiare, nnl. inluiden: es wird eben eingeläutet, man hat schon eingeläutet; das fest, die messe einläuten; so …

wetterläuten

DWB

wetter·laeuten

wetterläuten , n. ( subst. inf. ); ' das läuten der glocken bei gewittern, wodurch man sie zu entfernen oder zu zertheilen denkt ' Campe 5 (…

zusammenläuten

DWB

zusammen·laeuten

-läuten , v. , mit läuten zusammenrufen: unwillkürlich griff er nach dem glockenzug, als müsse er das ganze haus ... zu seiner hülfe z. W. R…

Ableitungen von laeuten (2 von 2)

beläuten

DWB

beläuten , campanae sonitu celebrare, convocare: dein leib nit auf den kirchhof graben, bleibt unbeleut und unbeklungen. Waldis Esop 4, 46 .…

verläuten

DWB

verläuten , verb. 1 1) mittelst geläute vertreiben: einige glauben, das gewitter verläuten zu können. Heinsius 4, 1, 1315 . 2 2) verläuten, …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „laeuten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/laeuten/dwb?formid=L02448
MLA
Cotta, Marcel. „laeuten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/laeuten/dwb?formid=L02448. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „laeuten". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/laeuten/dwb?formid=L02448.
BibTeX
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