Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kol swMstN.
1.1 allg., v.a. als Brennmaterial; auch ‘(Kohlen-)Feuer’
1.2 in besonderen Anwendungen
1.3 in Vergleichen (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 248f. mit weiteren Belegen)
1.4 Wendungen und Sprichw.
2 kollektiver Sg. ‘Kohlehaufen’
3 für Verbrennungsrückstände, Asche, Verkohltes
1 ‘Kohle’ (meist Holzkohle, vgl. LexMA 5,1248) 1.1 allg., v.a. als Brennmaterial; auch ‘(Kohlen-)Feuer’ carbones: div chol PsM 17,9; glüendige koln Parz 459,7; OvBaierl 108,4; BvgSp 12; EvAug 274,16; dc rôchvaz [ ‘Weihrauchkessel’ ] voller koͤlr PrSchw 2,119; welt ir sie villen oder schern / oder brâten ûf den koln Sibote 593; in trouf vil wênic [vom Fett, das vom Braten abtropft (Martin, Parz. z.St.)] in die kolen [d.h. sie hatten nichts zu essen] Parz 184,18; den burgærn in die kolen trouf [ohne Subj.] ebd. 201,4; in aim hülzin koln BdN 71,26; lebentig koln [ prunas ardentes ] ebd. 451,34; tôt koln [ mortuos carbones ] ebd. 436,17; verbrunnen koln Frl 8:7,3; ez ist dreierlai feur. daz êrst ist ain lieht, daz ander ist ain flamme, daz dritt ist ain kol BdN 71,11; das schef hat umb und umb chol / gewunnen [Feuer gefangen] , so ist dy kyels want / an maniger stat durchl [= dürkel ] prant Hawich 1822; der heizen helle kol TvKulm 1740. – in rechtl. Kontext: die coler sol man setzen von der stat uber anderthalb meile, unde inwendic anderthalber meile sol man niht colen brennen [durch Brennen Holzkohle herstellen] bei der stat umbe und umbe NüP 174; von dem fuͦder ruͤb einen pfenninch [als Brückenzoll] StRMünch 237,26; daz nieman sol kauffen uber 50 koͤrbe koln und sol auch ein lastschif mit koln 8 tage sten ane furkauf under der buͦzze, als sie von alter her kumen ist WüP 72,9. 25,2. 103,3. – bildl.: vrauwen sal er sprechen wol / und salen losschen der schanden kol / mit intreden, woe er hoirt / das man ir lobis tempel stoirt MinneR 481 760; wann miner freuden swartzer kol / glimmet sere in leydes hitze! Minneb 1578; [der junge Wilhelm zum Vater] aller [erg. bilde ] schoͤn ein kol / ist gein dem bilde [Traumbild von Aglye] WhvÖst 732; der minne ~ (s.a. → minnenkole swM.): sendet im der starken gluͦte / vͦwer minne einen koln / so mac er sich des vrostes irholn Albert 1568; entfeng in im der reiner minnen kolen MarlbRh 1,19. 108,22; WhvÖst 14764; lasse mich dur die kolen der minne ziehen und mit den brenden der smacheit sclahen Mechth 3: 3,26; der simonien ~ : ez glüen der simonien koln Frl 9:13,16; vgl. [die pfaffen ] lazen Simonie [personfiz.] ir koln / erhitzen manigvalt ebd. 9:19,11 1.2 in besonderen Anwendungen: – zur Markierung einer Grenze: wann man new ecker mist [...] mit rain vnd mit gemerkhen, es sei stein oder kolen, die man in grossen höfen in die erde grebt, vnd steinhauffen darauf legt, [...] mercket man die mass der ecker, das die niemant prech StRBrünn 220. – zum Zeichnen (‘Kohlestift’?): do der maler hate entworfen mit koln in der capell die alten veter Seuse 60,16. – zur Verbesserung des Bodens für Pflanzen: wisse, das di castanee wil habin wech ertriche vnde vuchtis, sundir nicht sandich ertriche. [...] kolin vnd wize, locherechte steyne, wol czu murfit vnd in di erde gewurfin, helfit ouch Pelzb 128,18. – als Bestandteil von Heilmitteln: di kolen, da der smit sin isen inne hat gegluet in der ese, di sint ouch dar zu [zur Heilung der Brandwunden] gut SalArz 79,54; vnde lege druf [auf das Geschwür] scariolam, di gestozen si mit rosen ole oder kol, di gestozen si mit rinderiner butter ebd. 76,30 1.3 in Vergleichen (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 248f. mit weiteren Belegen): – ohne das tertium comparationis: mir ist das herze alsam ein kole. / der minne fuer ist so starg, / daz mir svdet min marg / vnde brinnet min gebeine Herb 762; [der Segel] solte halber als ein kol / und halber als ein krîde wesen KvWTroj 22442. – heiz: ir wâret hiute als ein kol / heiz ûz der mâzen. / nû hât iuch diu hitze lâzen Eracl 3688; ir munt heiz als ein kol KvWTroj 15840. – swarz: pfellel [...] swarz alsam ein kol NibB 365,3; der [Schild] was swarz alsam ein kol Wig 1827; der [Segel] ist swarz als ein kol UvTürhTr 3387; sin ors was swarz als ein kol / mit gerechtin march mâlin Athis E 100; sin [Luzifers] antlitze ist vil gar / wurden swartzer kolen var Daniel 4814. – vinster: nicht me gab er [der gefallene Engel Luzifer] liechten schin, / vinster wart sin varwe fin / gemachet sam ein kole Daniel 4809. – rôt: der stern [Planet Mars] ist rôt reht als ain glüender kol BdN 57,29. – wîze koln unde swarzer snê als Bezeichnung für etwas Unmögliches: ich geloube an sîne wîsheit / hinnen fürder niht mê / dan an wîze koln und an swarzen snê ZwBüchl 614. – snœde: diu materie, dâ got alliu dinc ûz gemachet hât, daz ist snœder dan ein kol wider dem golde Eckh 1:290,2. – vest: daz bilde, daz in dem golde ist, das ist vester, dan daz in dem koln ist Eckh 1:289,10. – brinnen, enbrennen: dar durch sô bran der cyclât / reht alse ein glüejender kol Tr 11119; ir munt der viurete unde bran / reht alse ein glüejender kol ebd. 17569; ir augen bronnen als ein kol HvNstGZ 816; daz si von sînen minnen / was enbrennet als ein kol KvWTroj 22889; HeslApk 13345; Volmar 234; Minneb 3651. – erlëschen: sô moht man êrste kiesen / Lanzeletes pavilûn, / wîz, grüene, rôt, brûn, / sô hêrlich über die ander, / als ein brinnder zander / für ein erloschen kol UvZLanz 9084; sîn barmunge alsam ein kol / was, daz gar erloschen ist Wig 7632; nu was sîn hôchvart als ein kol / mit dem lîbe erloschen gar ebd. 8321; ir vreude erlischet als ein kol Winsb 58,3 1.4 Wendungen und Sprichw.: der niwan diu wort sprichet âne andâht des herzen, daz ist als der mit einem blâsbalge blâset in erloscheniu kol DvASchr 389,1; das ist rehte alse kalte kolen blasen DvAStaff 105 (vgl. TPMA 7,116); kleines fewer brennet ein michels hous, / so leschet ein trouf einen kol, / da von ein hous verbrunne wol Erz III 87,47; dy wisin sprachin [...]: / wer den schadin nicht wil doln, / der laz dy funkin nicht eine koln / werdin in dem haus; / wan der kol von einer graus [von der Größe eines Korns (grûz)] / wirt oft czu einer flammen Dalimil (B) 9,64. 23,47; über naht liget ofte ein kol / in den aschen verborgen / und glüet unz an den morgen. / sô man in danne rüeret / und den aschen zerfüeret, / sô siht man wol daz drunder lît, / daz die hitze mit den liehte gît Eracl 2120 (vgl. TPMA 1,261); swaz man ot wischet den koln, / so wil er immer swartz wesen! Pass I/II (HSW) 34968 (vgl. TPMA 7,116) 2 kollektiver Sg. ‘Kohlehaufen’ sich swer ain stucke der leber ûf ainen gluͤgenden kolen leget PrSchw 2,18; so vergelde wirz allez wol / beide bli und ouch kol Erz III 56,200; ez suln alle geladen wägen dem chole [für den Bergbau] weichen, swo man ez füert [den mit Kohlen beladenen Wagen ausweichen] BWB (Sch) 1,1236 (a. 1332; bair. rechtsb.) 3 für Verbrennungsrückstände, Asche, Verkohltes: unt diu schône Tyre lâgen cholen [läge in Schutt und Asche] VAlex 1025; daz ime der schilt vor der hant / vil nâch ze koln was verbrant Tr 9034; si heten flîziclich / gelesen und erwaschen / diu koler ûz dem aschen, / [...] und heten ninder funden / darinne dhein gebeine / als ein bône kleine Ottok 32613. 29369
MWB 3,2 417,4; Bearbeiter: Tao