heftig,
adj. und adv. vehemens, vehementer. Das mhd. noch selten gebräuchliche haftec, heftec (
wb. 1, 604
a),
das in der unumgelauteten form, wie noch in der heutigen sprache, als zweiter theil von compositen erscheint (
über eine ahd. form s. unter heftiglichen),
geht vom subst. haft (
sp. 128)
aus, und hat zunächst die bedeutung halt habend, festigkeit, dauer zeigend, eine bedeutung die gegen andere später entwickelte die seltenere wird. 11) heftig
für sinnliches halt, festigkeit habend, im bairischen sprachgebiete Schm. 2, 162; der bischof ward in einen heftigen thurn gefangen gelegt. Aventin
chron. das.; vgl. mhd. heftig
mit beschlag belegt Lexer
mhd. handwörterb. 1, 1203. 22) heftig
für beharrlich, ausdauernd: häftiger ackermann,
arator durus Maaler 205
a; häftig und fleiszig etwas vermeiden,
acriter aliquid cavere 204
d; er ist häftig daran gewäsen,
multus in eo fuit. 205
a; in der ganzen epistel an die Römer und Galater ... treibt
s. Paulus diesen articul (
dasz der mensch allein durch glauben selig werde) uffs allerheftigst. Alberus
widder Witzeln D 5
a; zu einem der unlustig war uber die armen, das sie so heftig vor seiner thür saszen und auf almosen warteten. Zinkgref
apophth. 1 (1626)
s. 383; wenn sie heftig und kräftig beten, schlägt eine thräne die andere. Scriver
seelensch. 2, 243.
diese bedeutung klingt noch bis in die neue zeit nach: nachbarn bezeugens häufig, die nach mitternacht den hasischen körper am schreibpult heftig schreiben sahen. J. Paul
auswahl a. d. teufels pap. 1,
aviso s. xii.
[] 33)
daher heftig
grosz, schwer, wichtig, gewaltig, arg (
mhd. heftic, häftig Lexer
a. a. o.): daʒ die sache also mechteg und also hefteg sy, daʒ wir me hulfe notdurftig sin. Janssen
Frankf. reichscorr. 1 (1863)
s. 21 (
v. 1386); wann die alten bedechten das sie junk gewesen wern und eins andern sünde pey den iren wölten messen .. so wer es nindert so häftig noch so schwere. Steinhöwel 100, 13
Keller; und ist (
das vaterunser) fürwar aus der maszen ein heftig, herzlich gebete, darin er den abgrund seines herzens, beide gegen uns und seinem vater eröffnet und ganz erausschüttet. Luther 6, 170
a; heftige und uszrichtliche argumenten wider die juden. Reuchlin
augensp. ix
a; das argument und die ursach wäre heftig. xv
a; häftige und vast wichtige ursach zuo beschälten,
vehemens causa ad objurgandum. Maaler 205
a; häftiger träffenlicher reder, der streng und gewaltig ist, und redt das zuo der sach dienet,
nervosus orator. das.; darüber er dann allemal einen heftigen seufzer liesz. Philander 1 (1642) 282; dem wirth .. der dann die gefahr noch heftiger machte.
Simpl. 2, 299
Kurz; man sagt, sie haben bei 900 gueter edler ritter und knecht da gefangen und erstochen; es ist, ob got will, nit so heftig.
d. städtechron. 5, 288, 10; ich gelaub und torst wol bringen bei, das mein klag noch die heftigst sei.
fastn. sp. 387, 6; dasselbig richt gegen ihr ausz, und mach die sach heftig und schwer, das solchs des königs befelch wer. J. Ayrer 389
c (1954, 35
Keller). 44)
hieran schlieszt sich heftig
in adverbialer stellung, überaus, sehr, schwer: es verwundert mich nit häftig,
non magnopere miror. Maaler 205
a; sich häftig klagen,
graviter queri das.; solchen soll er zum heftigsten undersagen. Kirchhof
milit. disc. 230; diser argwon name bei ime teglichs so heftig zu.
Zimm. chron. 1, 340, 2; dessen ein teufel heftig lachete. Philander 1 (1642) 263; dann die amptleute in der höllen ganz zollfrei, sehr gern aufgenommen, und heftig respectirt werden.
s. 302; soltet ihr meinen, das der hase allber und ein unverständiges thier seye, werdet ihr von der opinion und einbildung heftig betrogen. Schuppius 529; lernen auf dem sterbbettlein erkennen, dasz sie thoren gewesen, und der rechten weiszheit heftig verfehlet haben. Brandts
bericht vom leben Taubmanns s. 76; aber, wie alles bei den Franzosen aufs heftigste übertrieben und karrikatur wird. H. Heine 11, 150; doch soltest gleichwol du erkennen meine sinnen, du würdest dich gewisz leibhaftig sehen können; dann wisz, ich bilde dich mir da so heftig ein, dasz du dir auch selbselbst nicht kanst so ähnlich sein. Opitz 2, 236; weil mich der feind mit schreien jaget, und der gottlose heftig plaget.
psalmen 104; lasz ihn stets unbekannt, lasz ihn verachtet bleiben: straf ihn noch heftiger! Cronegk 1, 5.
namentlich auch, wenn heftig
verstärkend vor ein adjectiv tritt: denn sie wöllen mir einen tück beweisen, und sind mir heftig gram.
ps. 55, 4; häftig ernsthaft und fleiszig,
valde studiosus ac diligens Maaler 204
d; häftig heisz, bruotig heisz,
sol nimius, häftig schwär und wichtig,
pergravis das.; einem häftig oder überausz günstig sein,
validissime favere alicui 205
a; ich bin häftig bekümmert,
aegre est. das.; (alles) zu thun heftig verpflicht und schuldig sein. Fronsperger
kriegsb. 1, 38
a; sie hat die Griechen heftig lieb.
b. d. liebe 210
c; dasz er in von derselben (
der sünde) wegen heftig hart halten wolt. Ayrer
proc. 2, 10; es ist so heftig thewer.
engl. komöd. 1, K 5; die bitte liegt mir heftig schwer auf dem herzen. S 8;
auch: heftig sehr verliebt. T 4
b; so stehet es auch zum heftigsten unsauber, wenn allerlei lateinische, französische, spannische und welsche wörter in dem text unserer rede geflickt werden. Opitz
poeterei s. 29; ach gott, es thut mir heftig weh, dasz ich so schändlich für dir steh und mit so faulen schaden der seelen bin beladen. Rist
himl. lieder 8. 55)
der begriff der dauer, beharrlichkeit, schwere wendet sich, und in der modernen sprache häufiger als in der ältern, zu dem der schärfe, des ungestüms: vehemens haftig, heftik Dief. 608
c;
so von personen: als ein heftiger kriegsman.
weish. Sal. 18, 15; denn die creatur, so dir, als dem schepfer, dienet, ist heftig zur plage uber die ungerechten. 16, 24; häftige und scharpfe zeügen, die streng auf ein sach tringend, und die es einem in bart habend (
halten),
testes acerrimi. Maaler 205
a; häftiger, raucher und strenger herr,
dominus acer das.; häftiger oder
[] gewaltiger buoler,
amator acer das.; raucher, häftiger widersächer,
adversarius acerrimus das.; der jüngling ist meistens von natur in seinen wünschen und unternehmungen kühn, heftig und unbeständig. Gellert 7, 268.
von gemütseigenschaften und bewegungen: verflucht sei ir zorn, das er so heftig ist.
1 Mos. 49, 7; ein heimliche gabe stillet den zorn, und ein geschenk im schos den heftigen grim.
spr. Sal. 21, 14; wenn die leute reich sind, wird der zorn deste heftiger.
Sir. 28, 12; häftig und hitzig herz,
cor acre Maaler 204
d; gar zehäftig über guot,
nimis attentus das.; häftige grosze sorg,
cura acris 205
a; häftige und einbrünstige begird,
cupiditas acerrima et fortissima. das.; ich habe ein so häftiges gemüthe nicht gesehen,
tale vehemens et impotens ingenium non observavi. Steinbach 1, 601; mein geblüt kam in ein heftiges wallen, ich ward unruhig. Rabener
sat. 1 (1761)
s. 110; so oft sie einen dürftigen, der um eine geringe gabe bat, mit dem heftigsten eifer über seine faulheit .. von sich stiesz.
s. 114; nun brach die furie des hauptmanns und um desto heftiger los, als er in der zwischenzeit noch eine flasche wein beinahe ganz allein ausgetrunken hatte. Göthe 25, 262; ich faszte in der wuth meines schmerzens tausend heftige entschlieszungen. Wieland 2, 70; die heftige begierde, womit ich wünschte, dasz dieses briefchen von Psyche geschrieben sein möchte.
s. 72; es nagt ein heftig brand an adern und gebeinen, der kitzel sticht mein fleisch, die geilheit regt mein herz. Lohenstein
blumen s. 58; doch in des kampfes heftigster erbittrung gedachtest du mit würde deines bruders. Schiller
braut v. Messina (493
b).
in bezug auf sturm, gewitter, feuer, regengüsse, kampf, schlacht: wie ein heis wasser vom heftigen fewr verseudet.
Jes. 64, 2; als nu die schlacht am heftigsten war. 2
Macc. 10, 29; der kampf wirdt ye häftiger und grimmer,
impensius accenduntur certamina. Maaler 205
a; darnach ward der krieg heftiger denne vor. Justingers
Berner chron. s. 190
Studer; er befindet sich auf der see, wo ihn ein heftiger sturm von der gröszten höhe in den tiefsten abgrund wirft. Rabener
sat. 1 (1761) 118; am abend des sechsten tages erhob sich ein heftiger sturm. Wieland 1, 52; ein heftiger gewitterregen durchnäszte mich; die truppen des feindes wichen zurück vor dem heftigen feuer unserer artillerie;
in bezug auf krankheit, schmerzen: ein heftiger fieberanfall; der kranke leidet heftige schmerzen;
in bezug auf andere dinge: so viel wir nur in so heftiger eile finden konten.
Felsenb. 4, 313; als die heftigen tänze angingen, die ich meinem vater zu liebe .. zu vermeiden pflegte. Göthe 19, 276; allen diesen mängeln suchte ich abzuhelfen, und zwar, weil ich keine zeit verlieren wollte, auf eine etwas heftige weise. 25, 251; so that der geist des widerspruchs mehr wirkung, als die kraft des heftigsten geruchs. Gellert 1, 57.
entsprechend allen diesen bezügen steht nun heftig
auch adverbial: die ströme werden sich mit einander heftig ergieszen.
weish. 5, 23; er straft in mit schmerzen auf seinem bette, und alle seine gebeine heftig.
Hiob 33, 19; stürmet die stad heftig. 1
Macc. 15, 25; habt euch wider mich gerhümbt, und heftig wider mich geredt.
Hes. 35, 13; sollen .. zu gott rufen heftig.
Jona 3, 8; und es kam, das er mit dem tode rang, und betet heftiger.
Luc. 22, 44; die erschrack aber ob solichem angreifen so heftig ... das sie uberlaut anfieng zu schreien.
Zimmer. chron. 1, 466, 2; in dem ich mich nun ab aller dieser erschröcklichen gestalt so heftig entsetzete. Philander 1 (1642) 399; heftig bitten,
obsecrare Stieler 175; die hauptursachen, warum wir zu heftig begehren oder verabscheuen. Gellert 6, 212; von der schönheit der person, die er heftig liebt. 222; es ist eine menschliche schwachheit, sich dasjenige leicht überreden zu lassen, was man heftig wünscht. Lessing 1, 455; dann ergreift sie ihn heftig bei der hand. Schiller
jungfrau 4, 13; die menschen sind wol narren, die neid so heffig (
l. heftig) treibt, dasz sie sich selbst verfolgen um das was keinem bleibt. Logau 3, 180, 41; dasz meine liebe selbst, die ich euch zeige, nur eures hasses flammen heftger schüre. Schiller 492
a (
braut v. Messina); zu heftig braust das blut in deinen adern, du würdest nur zerstören
Karlos 2, 2.
in bezug auf ungestüme ausführung einer handlung: es geht jetzt etwas heftig mit der recrutirung. Göthe 11, 309.
[] 66)
eigenthümlich ist auch heftig
im sinne von schwer, gefährlich verwendet: häftige und rauche reisz oder zug,
militia acris. Maaler 205
a. 77)
an die bedeutung 5
angeschlossen und von personen gesagt heiszt heftig
zunächst zornmütig, feindselig, so bairisch Schm. 2, 162; einem feind und heftig werden. Aventinus
daselbst; kärntn. haftik
böse, erzürnt Lexer 130; der vater, der sein gut und habe ubel auszgibet und verzert, den sune des zu berauben, der thut wider das gesetze der nature und ist zu heftig und ungütig seinem sune. A. v. Eyb 21
a; ein biene ist so ein zornigs, heftigs thierlin. Luther 5, 55
a; wenn man die heftigen und nasweisen, den niemand recht kan thuon .. zuo ämptern nimpt, so hat man sie geschweigt. Frank
parad. (1558) 197
b; wie du der frawen sprachst ir lob (
ironisch), sie wer karg, heftig und sehr grob. H. Sachs 1, 513
c.
die moderne sprache braucht heftig
im sinne von aufbrausend, plötzlich auftauchenden zorn nicht beherschend, das gegentheil von gelassen: man kann mit ihm nicht ruhig reden, er wird zu leicht heftig; mein vater ist ein strenger und heftiger .. mann. C.
F. Weisze
lustsp. 1, 141; er (
Hölderlin) hat eine heftige subjectivität. Schiller
an Göthe 329; sonst ruhig und gelassen ist er jetzt heftig und aufgeregt. Benedix
dram. werke 23, 231;
auch von worten und thaten, die dieser gemütsstimmung entspringen: du hast heute einen so seltsamen heftigen oder spitzigen ton.
s. 309; nicht wahr, Luise, du bekanntest nur, weil ich zu heftig fragte? Schiller
kab. u. liebe 5, 2; heftige worte fielen zwischen den beiden gegnern; er stiesz einen heftigen fluch aus; er schlug heftig auf den tisch.