gestade,
n. litus, ripa, portus. 11)
herkunft und formen. 1@aa) gestade,
mhd. gestat,
ist verstärkung des starkflect. neutr. stat, stad (Schm.
2 2, 732),
das mhd. neben dem masc., sowol dem starkflect. stat, stad,
ahd. stad,
goth. staþs,
ags. stäð,
alts. stað,
als dem schwachflect. stade,
ahd. stado,
nhd. der staden (Alberus
dict. Yy 4
a),
auftritt. staden
und gestad
sind die oberd. wörter für das eigentlich md. und nd. ufer,
daher das Basl. neue test. von 1523 Luthers ufer
durch gestad
erklärt, andrerseits in Nord- und Mitteldeutschland gestade
nur in gehobener sprache gebraucht wird. sie sind aus demselben stamme gebildet wie stehn,
ahd. mhd. stân,
und statt, stadt, stadel;
die grundbedeutung ist entweder '
das feststehende (
land)'
im gegensatz zum unstäten gewässer, oder '
ort, wo schiffe stehen und anlanden können',
s. nr. 2,
b. 1@bb)
ein überrest aus älterer zeit ist die schreibung gestat, gestatt: gestat des mörs, gstat der wasser. Pinicianus
prompt. (1516) K 8
d; ain merschwein füert in (
Arion) unverseret an das gestat. Aventin. 4, 276, 31
Lexer; und liegen unten am gestat. J. Ayrer
keiser Ottnit 211
a; das gestatt des mörs. Schaidenreiszer
Odyss. 7
b, gestadt
ebenda; (
die fischer) thetten dem gestatt zunahen, stiegen ans land. H. Sachs 4, 1, 124
b; (
die wasser) soltn jr gstatt nicht ubergehn. 5, 175
a u. ö.; an dem kühlen gestatt des wassers.
Lazarillo de Tormes 82; das meer .. würft denselben (
unflat) auff das gestatt hinausz.
Simplic. alb. briefsteller (1725) 10;
noch östr. das gestatt Höfer
wb. 1, 291. Loritza 50
a.
über die alterthümelnde form gastatt
Simpl. 2, 281
sieh ge I, 2,
e, β sp. 1604. 1@cc)
durch einflusz des schwachflect. stade, staden
bildeten sich die schwachen formen des gestaden Zorn
Worms. chr. 244, zuo dem gestaden Keisersberg
schiff 25
b, am gestaden der see Petrarca 108
a.
Garg. 179
b, am gestatten Aventin. 1, 262, 32. 4, 373, 3. 452, 26
L.; sogar im nom. und acc. das gestatten, gestaden: von Lechsgemünd herab ist etwan das gestatten der Thonau hoch und holzig. Aventin. 4, 690, 18. 691, 2
Lexer; die wind schlagen mich hieher an das gestaden. Petrarca 222
a; das wärt hinauff das gantz gestaden. Fischart
gl. schiff 149;
und als masc.: der ander gestaden (
des Granicus). Boner
Plutarch (1555) 2, 6
a; den ganzen meer-gestaden under seinen gewalt bringen. 7
a.
ein rest der schwachen form ist der heutige nom. sing. gestade,
zuerst nachweisbar bei Stieler: meerufer,
alias gestade 1373.
vgl. das fem. gestätten. 1@dd)
der plur., früher die gestad Dasyp. E 6
c, gestatt H. Sachs 5, 260
c,
jetzt die gestade (
schon bei Harsdörffer
frauenz.-gespr. 6, 95),
weist daneben die schwache form die gestanden Zach. Müntzer
Livius (1584) A 3
a und die seltene form gestäder
auf Meurer
jag- u. forstrecht (1582) 61
a,
wie das unter a erwähnte neutr. stat
den plur. stedir, steder. 22)
bedeutung. 2@aa)
das ufer, namentlich an gröszeren gewässern. 2@a@aα)
die küste des meeres: mhd. ein grôʒ schef sach er stân wol geheft zuo den gestaden. H. v. Neustadt
Apollon. 2270; wenne daʒ mer .. daʒ ûfer oder daʒ gestat beswært mit seinen ünden. Megenberg 172, 2; das gestad am meer. de Lapi
vocabularius (
Bologna 1479) f 2
a; also beschicht auch dick, dasz das gestad zuo einem mer wirt. Keisersberg
baum d. seligkeit 7
a; das lecke schiff versinkt hart am gestade. Schiller II, 352; wie wann die woge des lautaufrauschenden meeres hoch am gestade zerscheitert. Bürger 197
a (
Ilias 2, 210); in der nähe der stadt oder am fernen gestade. Göthe 9, 62 (
Iph. 4, 1). 2@a@bβ)
das ufer eines sees: gestad eines sees Dasyp. E 6
c. Gesner
fischb. 198
a; es lächelt der see, er ladet zum bade, der knabe schlief ein am grünen gestade. Schiller XIV, 271 (
Tell 1, 1); hier an des sees unwirthlichem gestade. 324 (2, 2);
das ufer eines stromes oder flusses: mhd. daʒ enhalp an dem gestade hielt ein (
feindlicher) man. Ottokar
reimchr. 71266
Seemüller; nhd. das teil der brucken, das der Kölner gestad berüret. Ringmann
Cäsar 60
a; an das gestad des Reins. 10
b; an dem gestad der wasser Babylon. Weckherlin 293 (
ps. 137, 1); zur selbigen zeit sei der flusz auszer seinem gewöhnlichen gestad auszgetreten gewesen.
Harnisch (1669) 289; und zu eines stroms gestaden kam ich. Schiller XI, 381. 2@a@gγ)
sogar das ufer eines bachs oder quells: die dritt (
reuse) leg an des bachs gestatt. H. Sachs 5, 404
c; das gestad, bort eines brunnens Maaler 175
d; an klarer queln gestâ
d. Melissus
ps. A 2
a; ein wehendes blumenvolles gestade (
des quellbachs). Klopstock
Mess. 11, 387. 2@a@dδ)
der küstenstrich eines landes: zuo dem gestaden des gelobten lands. Keisersberg
schiff d. p. 25
b; die Castiglianer sollen bei 700 meilen dem gestaden (
Neuguineas) nachgesetzet haben, aber zu keinem end kommen mö
gen. S. Münster
cosm. b. 9,
c. 35; der neuen welt gestade erschien im morgenstrahl. Lingg
ged. 2, 62;
der schroffe uferrand eines thals: dann hob sie ein sanft aufgewundner weg auf das hohe gestade dieses thals. J. Paul
uns. loge 2, 30;
östr. das gestatt,
ein hochstehendes, abschüssiges land oder ufer Loritza 50
a. 2@a@eε)
bildlich: ôn den möchten wir nit kommen zuo dem gestaden der seligkait. Keisersberg
schiff d. p. 36
a; und wär es auch ans äuszerste gestad des äthers, wo die welt ans unding grenzt. Wieland 17, 285 (
Idris 5, 89). 2@bb)
landungsplatz, lat. statio: gestatt,
portus voc. 1482 m 3
b; gestad,
schifflände Denzler 132
a. Aler 926
a,
vgl. das ahd. neutr. stedi,
portus nebst dem verb. stedjan,
anlanden; Beckenriedt, ist ein gstad und schifflende des oberen sees. Stumpf
chr. 2, 193
b (7, 3); die acht frantzösischen galleen am gestad Massilia. Reiszner
Frundsberg (1572) 80
a; gestatt,
aufgeschütteter oder aufgemauerter platz an dem ufer des meeres oder eines stroms, lände, werf Kramer
hoch- nidert. wb. 2, 96
a,
wie stad, stade, staden Frisch 2, 314
b. Adelung
und das fem. gestätten,
s. d.; bildlich, der hafen als zuflucht: zuo gottes namen zuoflucht haben gleich als zuo dem aller sichersten gestatt. Melanchthon
hauptartikel d. h. schrift 30.