Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gemeine stF.
2 in Rechtstexten
2.1 ein gebietsgebundener Personenverband mit Befugnissen der Selbstregelung (z.B. Stadt- und Dorf-, aber auch Kirchen- und Ordensgemeinschaften, vgl. LexMa 4,1209ff., 2 HRG 2,47ff.)
2.2 ‘Allmende, Gemeinbesitz’
1 allg.: sô ist er unreine, sô nehât er gemeine / mit hêligen chinden Gen 425; si wurden gelæubige und chomen zuͦ der gemein der heiligen christenheit PrOberalt 148,35; ich giebe ir mine gemeine / vnde allez, daz ich ie gwan / vnde swaz ich geleisten kan, / vnde wil sie haben zv einer e Herb 11296; der sun, der vater sint in ein, / der heilige geist in der gemein. / in drin personen ein vater got HvNstGZ 4782. – euphemistisch für Geschlechtsverkehr: sint du daz kint gebære, / bit alle du wære / luter unde reine / van mannes gemeine MarldA 15. – ‘Gesamtheit’ diu gemæine der pfafhait vnd der dienstman vnd alles getygens [d.i. gedigene Bürgerschaft] von Salzbvrch UrkCorp (WMU) 1377,41; die selben leut sehend die stern ze aller zeit, der gemain wir die perinne haizzen oder den himelwagen KvMSph 14,27; die gemain der leute ebd. 50,28. BdN 242,21. – ~ hân mit präp. Erg. ‘mit jmdm. (gemeinschaftlich) verbunden sein, teilhaben an etw.’ an allen guoten dingen hân ich wol gemeine Walth 70,33; habt ouch ir mit mir gemeine: / fröide ensol niht wesen eine, / man sol friunden fröide geben KLD:BvH 6: 3,9; ein kinne an gruben kleine, / daz hat mit hazze gemeine Physiogn 272; diu kirche solte niht mit sîmônîe / gemeine hân noch mit der hêresîe RvZw 128,8. – in einer ~ ‘als Gesamtheit, gemeinsam’ wir schüllen nu sagen von den slangen und des êrsten in ainer gemain BdN 259,26. – als adv. Gen. gemeines ‘insgesamt’ ir [der Bienen] aller arbait ist gemaines nütz in allen. ir nutz und ir fruht ist in allen gemain BdN 287,32 2 in Rechtstexten 2.1 ein gebietsgebundener Personenverband mit Befugnissen der Selbstregelung (z.B. Stadt- und Dorf-, aber auch Kirchen- und Ordensgemeinschaften, vgl. LexMa 4,1209ff., 2HRG 2,47ff.): daz wir der gemain vnser lieben burgær von Nappurch gestætiget haben [...] ir burchreht UrkCorp (WMU) 2383,41; die zwelif gesworne und die gemain der purger UrkPölt 223 (a. 1308); und sin vͤberein chomen mit dem grozzem rate, mit dem chlainem rate und mit der gemaine der stat uͤberal StRAugsb 58,17; hantvest di man steten geit oder einer gemain [...], di sint ewich StRBrünn 400; wir Cvͦnzo der schultheize [...] vnde die gemeine des dorfes von Greswilr UrkCorp (WMU) N177,17; die gemaine der juden MGHConst 8:416,12 (a. 1347) 2.2 ‘Allmende, Gemeinbesitz’ swer in der [...] stat einen turnen inne hat [...] oder ein hofstat uf der gemein in der strazze StRMünch 253,24; chain person sol nicht kraut noch hew nemen in einer fremden wiss, es sey dan auff der gemain [ super pratis communis ] StatTrient 154. – ‘Anteil’ swa aber der vater vnd dvͥ kint eine gemeine vnd eine geliche gewer hant an dem guͦte SchwSp 191a
MWB 2 416,32; Bearbeiter: Diehl