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Galle

mhd. bis spez. · 22 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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45 in 22 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Galle

Bd. 7, Sp. 278
Galle (Bilis, Fel) ist das Absonderungsprodukt der Leber, aus der sie teils direkt in den Zwölffingerdarm abfließt, teils in die Gallenblase (s. d.) übergeht, um von hier aus in den Darm zu gelangen. Frische G. reagiert meistens schwach alkalisch, doch soll diese Reaktion nur von dem ihr reichlich beigemengten Schleim herrühren, der von den in der Wand der größern Gallengänge und der Gallenblase gelegenen Schleimdrüsen abgesondert wird. Stetig abfließende G. ist dünnflüssig; ist ihr Abfluß gehindert, so wird sie durch Wasserresorption dickflüssiger und zugleich reicher an Schleim. Ihr spezifisches Gewicht schwankt zwischen 1,026 und 1,032. Die Farbe der G. in der Gallenblase ist gelb, grün oder braun. An der Luft färbt sich G. grün, welche Farbe der G. der Vögel und Pflanzenfresser schon während des Lebens eigentümlich ist. Die charakteristischen Bestandteile der G. sind die Gallensäuren und die Gallenfarbstoffe. Die Gallensäuren, nämlich die Glykocholsäure und die Taurocholsäure (Choleïnsäure), sind gepaarte Säuren, Verbindungen gewisser Aminosäuren mit Cholalsäure (Cholsäure); beide sind stickstoffhaltig und die Taurocholsäure außerdem reich an Schwefel. Sie sind in der G. an Natron gebunden Die Glykocholsäure kommt besonders in der G. der Pflanzenfresser vor. Die Gallensäuren sind die Ursache des bittern Geschmacks der G. Ihre Farbe verdankt die G. zwei Farbstoffen, von denen das Biliverdin durch Einwirkung des Sauerstoffes aus dem Bilirubin dargestellt werden kann. Der Gallenfarbstoff ist ein eisenfreier Abkömmling des Blutfarbstoffes. Salpetersäure verwandelt Bilirubin in Biliverdin und weiterhin in blaue, rötliche und andre Farbstoffe. Darauf beruht die Gmelinsche Gallenreaktion (s. d.), durch die z. B. bei Gelbsucht die Anwesenheit von G. im Harn nachgewiesen werden kann. Außerdem enthält G. neben Wasser (ca. 90 Proz.) Mucin, Cholesterin, Lecithin, Cholin und Salze (unter diesen phosphorsaures Eisen). Die G. wird durch die Tätigkeit der Leberzellen gebildet, und das Material, aus dem sie bereitet wird, ist das Blut, das durch die Pfortader in die Leber einströmt, also aus Magen, Darmkanal und Milz stammendes Venenblut. Die Bildung der G. geschieht stetig; doch wechselt ihre Menge je nach der Nahrungszufuhr: im Hungerzustand ist sie verringert; einige Stunden nach einer Mahlzeit ist sie am beträchtlichsten. Die Menge G., die ein erwachsener Mensch durchschnittlich in 24 Stunden absondert, dürfte etwa 500–750 g betragen. Die Bedeutung der G. für den Verdauungsprozeß bezieht sich vorzugsweise auf die Resorption der Fette im Darm. Eine chemische Einwirkung übt die G. auf neutrale Fette nur insofern aus, als sie diese löst. Sie hat ferner die Eigenschaft, sich mit Fett sowohl als mit Wasser zu mischen. Indem nun die in den Darm ergossene G. die Schleimhaut des Darmes benetzt und die seinen Öffnungen und Poren der Darmzotten erfüllt, soll sie den im Speisebrei enthaltenen Fetten den Übergang in die Darmzotten und damit in deren Lymphgefäße möglich machen. Dies wird durch folgenden Versuch erläutert. Tränkt man von zwei Papierfiltern das eine mit Wasser, das andre mit G., so ist das erstere für Öl ganz undurchgängig, während das zweite dem Öl den Durchtritt gestattet. Die G. würde danach die Fettresorption mechanisch überhaupt erst möglich machen. Die G. verstärkt ferner die Bewegungen des Darmkanals; dadurch wirkt sie auch antiseptisch, indem der schneller fortbewegte Darminhalt weniger Gelegenheit zur Fäulnis hat. Der Inhalt des Dünndarms wird durch die G. gelb gefärbt; auch die Kotmassen verdanken ihre Farbe größtenteils dem Gallenfarbstoff. Tiere, denen man eine Gallenfistel anlegt, durch welche die G. nach außen abfließt, so daß in den Darm wenig oder gar keine G. gelangt, zeigen sich außerordentlich gefräßig und magern trotz massenhafter Nahrungsaufnahme sehr stark ab. Dies rührt davon her, daß, wenn keine G. im Darm vorhanden ist, auch kein Fett aus der Nahrung aufgenommen werden kann. Solche Tiere sind daher ausschließlich auf die Eiweißstoffe und Kohlehydrate ihrer Nahrung angewiesen, deren Fett ist dagegen für sie verloren und verläßt den Darmkanal großenteils unverdaut. Ist der Abfluß der G. aus der Leber in den Darm durch mechanische Momente gehindert, so geht die G. in das Blut über, und es entsteht Gelbsucht (s. d.). Beim Erbrechen tritt durch die antiperistaltische Bewegung des Darmkanals häufig G. in den Magen über und wird als grünliche, sehr bitter schmeckende Masse mit ausgebrochen. Für technische Benutzung wird frische G. mit dem doppelten Gewicht Alkohol gemischt, von dem abgeschiedenen Schleim abfiltriert und auf dem Wasserbad verdampft. Zum Entfärben der G. löst man den Rückstand in Alkohol, schüttelt mit Tierkohle, filtriert nach einigen Stunden und verdampft. Der Rückstand ist farblos, haltbar und wie frische G. verwendbar. Billiger reinigt man G., wenn man sie (Ochsengalle) 12–14 Stunden ruhig stehen läßt, die klare Flüssigkeit vom Bodensatz abgießt und auf dem Wasserbad abdampft. Aus einer Lösung der mit Alkohol gereinigten G. fällt Äther glykocholsaures Natron (kristallisierte G.). Frische G. dient zum Reinigen von Geweben und zum Fleckenausmachen, gereinigte G. zum Überziehen von Zeichnungen, um das Verwischen zu verhindern, zur Darstellung von Tusche aus Lampenschwarz und zum Anreiben seiner Wasserfarben. Die damit bereiteten Farben haften gut auf dem Papier, breiten sich schön und gleichmäßig aus, trocknen schnell und zeigen keinen störenden Glanz. Reibt man Elfenbein mit G. ab, so haften die Farben darauf ebensogut wie auf Papier; ebenso benutzt man G., um auf geöltes oder gefirnißtes Papier, das zu Transparentbildern benutzt werden soll, malen zu können. Gallenseife erhält man durch Zusammenschmelzen von 8 Teilen eingetrockneter Ochsengalle, 60 Teilen Seife, 12 Teilen Zucker, 4 Teilen Honig, 4 Teilen venezianischem Terpentin, 2 Teilen Ammoniakslüssigkeit.
5904 Zeichen · 88 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GALLEschwf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    GALLE ( ahd. galla Gr. 1,684. Graff 4, 180 ) schwf. galle, bitteres. du ( Maria ) bist âne gallun glîch der turteltûbun …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    galleF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    galle , F. nhd. Galle (F.) (1), Bitteres, Bitterkeit, Bitternis, Zorn, Gallentrank, Pfaffe Vw.: s. adderen-, bokes-, buc…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Galle

    Adelung (1793–1801) · +12 Parallelbelege

    1. Die Galle , plur. die -n, eine im gemeinen Leben übliche Benennung verschiedener rundlicher Erhöhungen. 1) Der Galläp…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Galle

    Goethe-Wörterbuch

    Galle 1 das von der Leber abgesonderte u in der Gallenblase gespeicherte Sekret [ Ansicht CFWolffs ] Nicht die Gefäße ma…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Galle

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Galle , thierische Flüssigkeit, das wesentliche Produkt der Leber, kommt bei allen Wirbelthieren und vielen Wirbellosen …

  6. modern
    Dialekt
    Gallem.

    Mecklenburgisches Wb. · +7 Parallelbelege

    Galle m. 'Gala', großes Fest, Festessen, Schmaus: dor is groten Galle (1890) Wa; hüt is groten Galle, de Drankemmer ward…

  7. Sprichwörter
    Galle

    Wander (Sprichwörter)

    Galle 1. Die Galle ist im Honig zäher. – Eiselein, 204. 2. Ein Löffel Galle kann einen Topf voll Honig vergällen. – Winc…

  8. Spezial
    Gallef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Galle , f раковина , ж , наружная

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit galle

308 Bildungen · 237 Erstglied · 70 Zweitglied · 1 Ableitungen

galle‑ als Erstglied (30 von 237)

Galle I

SHW

Galle I Band 2, Spalte 1063-1064

Galle II

SHW

Galle II Band 2, Spalte 1063-1064

Galle III

SHW

Galle III Band 2, Spalte 1063-1064

Galle(n)barg

Idiotikon

Galle(n)barg Band 4, Spalte 1548 Galle(n)barg 4,1548

Galle(n)bir(eⁿ)

Idiotikon

Galle(n)bir(eⁿ) Band 4, Spalte 1485 Galle(n)bir(eⁿ) 4,1485

Galle(n)bluemeⁿ

Idiotikon

Galle(n)bluemeⁿ Band 5, Spalte 75 Galle(n)bluemeⁿ 5,75

Galle(n)blātereⁿ

Idiotikon

Galle(n)blātereⁿ Band 5, Spalte 206 Galle(n)blātereⁿ 5,206

Galle(n)büechli

Idiotikon

Galle(n)büechli Band 4, Spalte 987 Galle(n)büechli 4,987

Galle(n)chratteⁿ

Idiotikon

Galle(n)chratteⁿ Band 3, Spalte 874 Galle(n)chratteⁿ 3,874

Galle(n)hegel

Idiotikon

Galle(n)hegel Band 2, Spalte 1082 Galle(n)hegel 2,1082

Galle(n)ruer

Idiotikon

Galle(n)ruer Band 6, Spalte 1247 Galle(n)ruer 6,1247

Galle(n)rāt

Idiotikon

Galle(n)rāt Band 6, Spalte 1581 Galle(n)rāt 6,1581

Galle(n)sack

Idiotikon

Galle(n)sack Band 7, Spalte 621 Galle(n)sack 7,621

Galle(n)salz

Idiotikon

Galle(n)salz Band 7, Spalte 890 Galle(n)salz 7,890

Galle(n)schatz

Idiotikon

Galle(n)schatz Band 8, Spalte 1654 Galle(n)schatz 8,1654

Galle(n)schīsser

Idiotikon

Galle(n)schīsser Band 8, Spalte 1348 Galle(n)schīsser 8,1348

Galle(n)schīsseⁿ

Idiotikon

Galle(n)schīsseⁿ Band 8, Spalte 1326 Galle(n)schīsseⁿ 8,1326

Galle(n)seckeli

Idiotikon

Galle(n)seckeli Band 7, Spalte 668 Galle(n)seckeli 7,668

Galle(n)steiⁿ

Idiotikon

Galle(n)steiⁿ Band 11, Spalte 820 Galle(n)steiⁿ 11,820

Galle(n)stich

Idiotikon

Galle(n)stich Band 10, Spalte 1301 Galle(n)stich 10,1301

Galle(n)sucht

Idiotikon

Galle(n)sucht Band 7, Spalte 276 Galle(n)sucht 7,276

Galle(n)wucheⁿ

Idiotikon

Galle(n)wucheⁿ Band 15, Spalte 237 Galle(n)wucheⁿ 15,237

Galle(n)wëdel

Idiotikon

Galle(n)wëdel Band 15, Spalte 469 Galle(n)wëdel 15,469

Galle(n)wīⁿ

Idiotikon

Galle(n)wīⁿ Band 16, Spalte 176 Galle(n)wīⁿ 16,176

Galle(n)ūfstȫriⁿg

Idiotikon

Galle(n)ūfstȫriⁿg Band 11, Spalte 1265 Galle(n)ūfstȫriⁿg 11,1265

Galleas

KöblerAe

Galleas , M. Pl., PN nhd. Gallier (M. Pl.), Franken I.: Lw. lat. Gallī Hw.: s. Galwalas E.: lat. Gallī, M. Pl., PN, Gallier (M. Pl.); keltis…

gallebitter

DWB

galle·bitter

gallebitter , bitter wie galle Steinbach 1, 117 : dich schlauen, gallebittern spötter. Fr. L. Stolberg im deutschen museum 1783 2, 121 .

gallechberch

KöblerMnd

gallechberch , M. Vw.: s. galgeberch

galle als Zweitglied (30 von 70)

Achat-Galle

Adelung

achat·galle

Die Achat-Galle , plur. die -n, eine fremdartige Materie, welche zuweilen den Achat wie ein Saalband umgibt, und sich, wie die Glasgalle von…

ackergalle

DWB

acker·galle

ackergalle , f. vorquellende, dem acker nachtheilige feuchtigkeit, sonst auch die naszgalle genannt, wie pechgalle harz, das aus brettern qu…

berengalle

KöblerMhd

beren·galle

berengalle , sw. F. nhd. Bärengalle Q.: SalArz (Anfang 13. Jh.) E.: s. ber (2), galle (1) W.: nhd. Bärengalle, F., Bärengalle, DW- L.: MWB 1…

bittergalle

AWB

bitter·galle

bittergalle mhd. sw. f. bitt s -galle: nom. sg. Gl 3,526,40 ( clm 615, 14. Jh. ). Tausendgüldenkraut, Erythraea centaurium L.: bitt s galle …

bokesgalle

KöblerMnd

bokes·galle

bokesgalle , F. nhd. Bocksgalle E.: s. bok, galle L.: MndHwb 1, 310 (bockesgalle), MndHwb 1, 367 (buckesgalle)

bërngalle

MWB

bërngalle swF. ‘Bärengalle’ bern galle ist gut uor di uallinde sucht SalArz 35,9; nim balsam [...] trachen blut, hasen renne, beren galle eb…

erdgalle

DWB

erd·galle

erdgalle , f. centaureum, fumaria officinalis, der alte name geht aus von Plinius 25, 6, 31 fel terrae, ahd. ërtgalla, ags. eorðgealle, und …

ërtgalle

Lexer

ert·galle

ërt-galle swf. BMZ centaurea, eine pflanze Dfg. 112 b . Mgb. 397,5 ff.

Flußgalle

Adelung

fluss·galle

Die Flußgalle , plur. inus. eine wässerige Geschwulst über dem Knie der Hinterfüße der Pferde, welche aus einer Verdickung der zugeflossenen…

geizgalle

KöblerMhd

geiz·galle

geizgalle , sw. F. nhd. „Geißgalle“, Ziegengalle Q.: SalArz (Anfang 13. Jh.) E.: s. geiz, galle (1) W.: nhd. DW- L.: MWB 2, 305 (geizgalle)

geiʒgalle

MWB

geiʒgalle swF. ‘Ziegengalle’ geizgalle getempirt mit wine ist ouch gut darzu [gegen Warzen] SalArz 76,51 MWB 2 305,17; Bearbeiter: Tao

glasgalle

DWB

glas·galle

glasgalle , f. , verunreinigung des glases ( meist natrium- und calciumsulfat ), die sich beim schmelzen auf der glasmasse absetzt ( fel vit…

hangalle

MWB

hang·alle

hangalle swF. ‘Hahnengalle’ nach bas hilfet venchel saf unde hangalle unde honec Macer 8,13 MWB 2 1159,16; Bearbeiterin: Herbers

harzgalle

DWB

harz·galle

harzgalle , f. ansammlung von harz an éiner stelle im innern eines harzhaltigen baumes: dasz die fichtenen ( bäume ) inwendig im stamme viel…

hërzegalle

MWB

hërzegalle swF. ‘Bitterkeit (d.h. Zorn, Hass) im Herzen’ (vgl. → galle 4.2): diu süeze, diu guote, / diu siure an wîbes muote / noch herzeg…

hovegalle

Lexer

hove·galle

hove-galle swf. BMZ böses oder böser, wodurch der hof verdorben, das hofleben vergällt wird Ms. Eracl. Such. Teichn. 35. 275.

hērtgalle

KöblerMnd

hērtgalle , F. Vw.: s. ērdgalle L.: MndHwb 2, 296 (hērtgalle), Lü 143b (hertgalle)

künnegalle

MWB

künne·galle

künnegalle swF. jmd., der den gesellschaftlichen Rang, das Ansehen seiner Familie vergällt, verdirbt (vgl. → hovegalle ): daz si dir jehent …

Ableitungen von galle (1 von 1)

gallee

DWB

gallee , s. galee .