DWB2
FÜLLE f. DWB2
ahd. fullî, follî,
mhd. vülle.
mnd. vülle;
mnl. volle, vulle,
nnl. volle;
ae. fyll,
me. fille,
ne. fill;
an. fylli,
norw. fyll,
dän. fylde,
schwed. fylle;
got. (ufar‐)fullei.
abl. von DWB2voll
adj. (ahd. follî
als nicht lautgerechte abl.); sehr selten im plur. – das wort erscheint häufig als begriff der seelensprache des 18. jhs., vgl. dt. wortgesch. (31974)2,120–122 M./R. DWB2 DWB2A
das angereichert‐, voll‐, vollendetsein. DWB21
zustand des angefülltseins. DWB2a
übersättigung, trunkenheit; völlerei: 8.jh.
saturitas .. fulli
ahd. gl. 1,49,24 S./S. ⟨1264⟩ daz der rîchen liute kinde vil minre wirt ze alten liuten unde ze gewahsenen liuten danne der armen liute kint, daz ist von der überfülle, daz man der rîchen liute kint tuet mit fülle
(bearbeitung) Berthold v. Regensburg
1,433 P./S. ⟨u1300⟩ fulle und alle trunckenhait/ ist dem achten staphen lait Heinrich v. Neustadt
Apollonius 12062 DTM. ⟨u1460⟩ ain meczker .. sas ain mal an der vasnacht die ganczen nacht pey der fúll und frásserey Hartlieb
dialogus 302 DTM. 1548 wenn einer lebt im vollem fraß/ der wirdt faul, treg, gleich wie ein aß,/ drumb ist die fuͤll vnd vberflut/ schedlich, zu keiner tugent gut Waldis
Esopus 164a. 1575 sauff dich voll vnnd leg dich nider, steh fruͤ auff, vnd fuͤll dich wider, so vertreibt ein fuͤll die ander Fischart
geschichtklitterung 142 HND. ⟨1623⟩ du suchest vnd ehrest nur den eusserlichen abgott, als silber vnnd gold, kupffer vnnd fülle des bauchs zu deiner vppigen sodomitischen wollust Böhme
mysterivm (1640)358. DWB2b DWB2
das ausgestattetsein mit inhalt, völle. meist im gegensatz zu DWB2leere, DWB2leerheit.
selten, ahd. singulär: ⟨v1022⟩ sî sâr geuuar uuerdende in fone neuueiz uuelero fulli ersparten unde inblahenen Notker
2,166 ATB. 1673 und gehet in allen den jenigen, .. als in welchen ermeldte theile berührter saamenhafften materie viel in ihnen haben, und wegen solcher fülle gleichsam bartzen, und sich aufblähen, eine .. wütende und unsinnige begierde vorher Pfizer
natur 111. 1715 damit wird wechsels=weise so lange fortgefahren, biß das fäßgen seine fülle hat Amaranthes
frauenzimmer-lex. 10. 1795 eine ruhe, die .. aus der fülle nicht aus der leerheit fließt Schiller
20,473 nat. 1822 beide verhalten sich zueinander wie leere und fülle Schleiermacher
dialektik 180 O. 1851
upln .. die fülle, das vollsein Šumavský
slovník 1064a. ⟨1907⟩ ihr gestorbensein/ erfüllte sie wie fülle./ wie eine frucht von süßigkeit und dunkel,/ so war sie voll von ihrem großen tode Rilke
(1927)3,101. DWB2–
in der verbindung fülle des herzens
u. ä. ‘angefülltsein mit gefühlen’; bildlich. singulär im mhd., meist im 18. jh.: ⟨E13./A14.jh.⟩ der munt des menschen sprichet von dem, daz im inne ist, als unser herre sprichet, daz ‘der munt sprichet von der vülle des herzen’ meister Eckhart
dt. w. 5,19 Q. 1734 würde ich aber nicht partheyisch scheinen, wenn ich aus der fülle meines herzens redete? Gottsched
br. 1,85 R. 1774 wie ausgetroknet meine sinnen werden, nicht einen augenblik der fülle des herzens, nicht eine selige thränenreiche stunde Goethe
Werther 1,77 ak. 1848 doch jauchzt mein herz in seiner fülle,/ und freut sich schlaflos seiner glut Geibel
juniuslieder 47. 1926 was hier mein gütiger lehrer aus der fülle seines liebevollen herzens geschrieben hatte, legte mir die pflicht auf, seine worte zu bewahrheiten Ostwald
lebenslinien 1,162. DWB2c
krankhafte schwellung; blähung. selten: 1497 ein ander salb die do fleisch machet waschsen in frischen wunden besunder in eym glid do by ist die fylle der conplexion der kelte Brunschwig
cirurgia 122a. 1564 dise salb ist
[]auch zu allerhandt klüben vnnd füll der roß an bein guth Wolfgang ii.
1. roßarzneib. 125 S. ⟨1656⟩ es ist zu besorgen wegen ihrer
(krampfadern) grossen fülle, sie möchten auffspringen J. Schmid
speculum (1675)307. 1774 das zeitalter fremder wunschwanderungen, und ausländischer hoffnungsfahrten ist schon krankheit, blähung, ungesunde fülle, ahndung des todes! Herder
5,510 S. 1864 in der hälfte des april erklärte mich der arzt, da jede alte und böse fülle dahin war, für gesund Stifter
20,216 S. DWB22
volle ausprägung von etwas. DWB2a DWB2
vollkommenheit, ganzheit; erfüllung. meist von abstrakta und religiös: 863/71 thaz wiht thar missihulli thes lichamen folli Otfrid
IV 29,48 E. ⟨11.jh.⟩ ih chad in mînero gnuhte diu in plenitudine deitatis
(gl.: in uolli gotheite
) ist
in: Notker
3,1,153 ATB. ⟨E13./A14.jh.⟩ inneblîbende in dem êrsten beginne der êrsten lûterkeit, diu dâ ist ein vülle aller lûterkeit meister Eckhart
dt. w. 1,382 Q. ⟨u1370⟩ in dir ist leiphafticleichen gewesen aller eren vnd aller gnaden full Johann v. Neumarkt
2,185 K. ⟨u1480⟩
plenitudo .. volkummenheyt der fulle. vel der erfullung Melber
voc. [Nürnb.o.j.]118b. ⟨1528⟩ dieweil nun die fülle und summa alles gotlichen verhaissens und willens in diesem testament reichlich begriffen
(ist) qu. täufer 5(1951)259. ⟨v1565⟩ auß seiner
(Christi) fuͤlle haben wir alle empfangen gnad vmb gnade Mathesius
hist. Christi (1568)1,91a. 1610 in solcher liebe siehet die liebhabende seele die fülle der vnbegreifflichen allmacht gottes Arndt
christenthumb 2,329. ⟨1674⟩ was wiltu sagen von Christo, der war gott selbst, und die fülle der gottheit wohnete in ihm H. Müller
liebes-kuß (1679)286. 1703 jene
(reinigung) aber kommt .. den cherubim, welches fülle der weißheit bedeutet, zu Arnold
myst. theol. 145. 1778 er schmeckte die süße freyheit in all ihrer fülle Jung‐S.
wanderschaft 48. 1824 wie aber auch die person des regenten bestimmt sein möge, immer muß in seinen händen die fülle der macht ruhen Henke
recht 81. 1871 dort wird die fülle sein, die fülle des lebens, die fülle des friedens, die fülle der liebe, die aus gottes herzen ausströmt Uhlhorn
pred. sonntage (1870)2,249. 1935 in Jesus trat die fülle der verborgenen gotteswirklichkeit in die geschichte Guardini
unterscheidung 210 K. 1955 so ist im zölibat fülle und freude, ‘coeli beatitudo’, himmlische seligkeit Bovet
weg 58. DWB2–
in der verbindung in der fülle stehen
in voller pracht, schönheit, wohl im anschluß an hohel. 5,12. vereinzelt im frnhd., danach auslaufend: 1524 seyne augen sind wie tauben augen an den wasser bechen, mit milch gewasschen vnd stehen ynn der fuͤlle Luther
bibel 10,2,142 W. 1653 die bäume werden schön/ in jhrer fülle stehn
kirchenlied 3,400b F./T. 1755 wann itzt im frühling muntrer jugend/ ihr busen in der fülle steht Uz
88 DLD. 1813 sein
(des gartens) vornehmster schmuck sollten .. meine in der fülle stehenden felder mit kohl und küchekräutern
(sein) J. G. Jacobi
s. w. (1807)7,48. DWB2b
volle ausdehnung in größe, zahl; vollständigkeit. vereinzelt, meist vom mond: ⟨11.jh.⟩ unz plenitudo gentium
(gl.: folli dieto
) chumet
in: Notker
3,1,297 ATB. 2.h15.jh. in der nacht da was ein finsternüß, der mond was in der füll
(Nürnb.) chr. dt. städte 10,227. 1587
plenitvdo fuͤlle, volstendigkeit.
crescere ad plenitudinem, zu volstendiger oder volkomener groͤsse auffwachsen Faber
thes. 626a. 1699 die eroberung geschahe den 2. sptembris
(!), im vollmond. gleich da das monden=liecht ist zu der fülle kommen,/ reißt tapfrer christen faust den türckschen ofen ein
d. schles. Helicons ged. 29. 1858 als er
(der mond) in seiner fülle war, hat er mir schöne tröstungen bereitet R. Wagner
tgbbl. u. br. 4798 G. DWB2c
vollendung, überwiegend in der verbindung fülle der zeit.
meist religiös, vereinzelt: ⟨11.jh.⟩ daz ist danne so plenitudo temporis
(gl.: folli zîtis
) chumet
in: Notker
3,1,171 ATB. ⟨E13./A14.jh.⟩ got sante sînen sun in der vülle der zît der sêle meister Eckhart
dt. w. 1,74 Q. 1563 ich wil .. dich mit meinem geyst beseligen vnnd im todt erhalten vnnd von todten inn der fuͤlle der zeyt erwecken Mathesius
ehestandt Q4b. 1644 dahin ist alles von Christo ausserhalb vns, doch nicht ausser dem wesen menschlicher, das ist, vnserer aller natur, in der fülle der zeit geschehen Hoburg
misbräuche 127. 1665 der allmächtige gott wil .. denen armen menschen seinen sohn zu ihrer seeligkeit in der fuͤlle der zeit senden Olearius
erinn. 67. 1700 wiewol du aber, hertzlieber Jesus, zur fülle deiner zeit bist auff die welt geboren wie ein anderer mensch Arnold
kirchen-hist. (1699)3,275a. 1820 endlich erbarmt sich gott der sündigen welt. die fülle der zeit erscheint; ein gebot des römischen kaisers geht aus Goethe
I 41,1,172 W. 1855 warum ordnete er
(gott) es so, dass erst in
[]der mitte als der fülle dieser langen zeiten der wiederbringer erschien ..? Delitzsch
psychologie 106. 1937 in die fülle der stunde stößt das wort: ‘ist das nicht der sohn Josephs?’ Guardini
herr 59. 1976 die endgültige bejahung des salomonischen tempelbaus .. ist
(für Newton) das ziel der kosmischen schöpfung und die fülle aller zeiten
F. Wagner
Newton 73. DWB2d
wölbung, rundung, meist vom menschlichen körper, auch dessen üppiges ausmaß: 1477 in dem lentzen zÿmpt wol getemperirte speise die lind seint vnd messigklichen durch die fuͤlle die der leib in dem winter hat eingenommen Ortolff
artzneipuch 46b. ⟨1755⟩ es bietet sich hier allezeit die wahrscheinlichkeit von selbst dar, daß in der bildung der schönen griechischen körper .. ein reicheres maaß der fülle gewesen, ohne magere spannungen, und ohne viele eingefallene höhlungen unserer körper Winckelmann
w. 1,19 F. 1826 alles an ihr hatte eine rundung, eine zarte fülle bekommen Hauff
mann 1,6. 1863 dem Bacchus .. fehlt auch der leiseste hauch der abgerundeten fülle, in der die Griechen ihre jungen götter bildeten H. Grimm
Michelangelo (1860) 2,210. ⟨1921/2⟩ die mutter .., die wegen ihrer fülle auch nur die winzigsten schritte machen konnte Kafka
schloss (1951)46 B. 1974 dann sieht Zerutt auf einmal nicht mehr wie der leibhaftige verfall aus, er hat wieder ein gesicht mit einer spur von fülle Muschg
Albisser 368. 2003 der andere .. sprach dem weißbier sehr zu, wohl um seine fülle noch zu fördern. ja, er war so dick, dass ..
süddt. ztg. 140,37. DWB2e
intensität, stärke; von sinnlichen eindrücken, empfindungen u. ä.; vor dem 19. jh. vereinzelt: 1652 du soltest wol Benoni, schmertzenkind, heissen,/ .. dein vater auch, weil mich der tod so färbet,/ die fülle fühlt von schmertzerregter noht,/ die jhn lebendig sterbet Birken
Teutonie 52. 1775 dass ich .. den zauber der liebe vergebens mit einem drang, einer fülle ausspreche, dass ich meine, ich müsste den mond herunter ziehen! Goethe
jugendw. 2,163 ak. 1822 als ich .. mich aufrichtete, war mein zelt voll des herrlichsten geruchs .. von daher kam mir die fülle des guten dunstes
ders., I 33,101 W. 1897/9 unendlich an fülle, tiefe und zartheit muss das gefühl sein Wolfskehl
ges. w. 2,212 R./B. 1939 Rembrandt besaß .. etwas, das höher steht, weil es mehr gefühlskraft, mehr fülle und mehr malerische phantasie voraussetzt Scheffler
form 165. 1966 der wohlklang seiner stimme, .. deren wütender schrei sogar noch tonliche fülle besaß, war ohne vergleich Abendroth
neugierige 128. 2003 charakteristische obertonbereiche .. verleihen der stimme charakter, fülle und tragkraft
süddt. ztg. 115,17. DWB23
reichhaltigkeit. DWB2a
(über‐)reichliches vorhandensein, vielzahl. DWB2α
große anzahl, menge (an etwas); überfluß. nhd. hauptgebrauch, meist mit genitivattr. oder präpositionalphrase: ⟨v1022⟩ ube indigentia îo gîêt unde îo gerôt unde mit sachôn erscoben uuirt sô uuerêt sî nôte îo ze dero fulli. sîd tiu fulli sîa netîligôt .. sô nezegât si Notker
1,2,155 ATB. ⟨n1190⟩ von spise vnd von gewanden/ was die vulle in sime hofe Herbort
105 F. ⟨1252/5⟩ bî des brôtes giricheit/ sint uns alle die ûzgeleit,/ die in der werlde girde streben,/ wie sie in grôzer vulle geleben Heinrich v. Krolewiz
3813 L. hs.2.h14.jh. in deme riche ist di vulle der nusse von Indie genumit unde sint gar groz
Marco Polo 56 DTM. hs.u1470 wô man ûf erde in sunden lît/ und gûtes lebens pfligt und ouch der fulle,/ den warn ich hie, wan es ist zît
meisterlieder kolmarer hs. 128,62 LV. 1525 dort fliehen wyr und hassen den mangel und suchen die fuͤlle Luther
w. 17,2,195 W. 1566 es sein iren vil hernach, als sie wider in die fülle der speis kommen, gestorben, die sich überesen haben
zimmer. chr. 24,268 B. 1620 gold, silber und münz ist die menge und fülle bei ihm
schausp. engl. komödianten 53 T. 1669 keine lieb ohne argwohn, keine ruhe ohne forcht, keine fülle ohne mängel Grimmelshausen
Simplicissimus 457 Sch. 1732 so verlang ich nichts mehr hier,/ fülle, reichthum und erbarmen/ hab ich stets in Jesu armen Henrici
ged. (1727)3,126. 1792 ich sah noch keinen menschen, der das leben in üppiger fülle genoss, und der – ohne schwärmer zu sein – den tod verachtete W. v. Humboldt
I 1,138 ak. 1843 es wurde viel gegessen und getrunken; wo die genießbaren vorräthe in solcher fülle herkamen, mag gott wissen Holtei
40 jahre 1,69. 1859 dagegen hat die californische küste deren
(häfen) eine nicht unbeträchtliche anzahl, und dazu eine unerschöpfliche fülle trefflichen bauholzes Andree
wanderungen 1,296. 1923 doch bring ich mehr. aus meinen händen quillt/ der überfluß. aus jedem meinem schritt/ sprießt fülle dir Ernst
kaiserb. 1,1,18. 1962 die unübersehbare fülle der tatsachen und zusammenhänge läßt unzählige trugschlüsse
[]zu Jacobs
bewegung 364. 2003 das riesige angebot .. bietet eine fülle von optionen
süddt. ztg. 7,17. DWB2β
menschenmenge, volk. selten, zuletzt nur in der verbindung fülle der heiden
(im anschluß an Röm. 11,25) bezeugt: ⟨1279/98⟩ durch daz quam dha mit heres vulle/ gevaren keyser Heynrich
braunschw. reimchr. 4489 MGH. ⟨1.h15.jh.⟩ so soͤllend ir .. alle siechen miden und villy des volcks
arch. gesch. med. 8,278. 1523 die fulle ist das volck Israel, .. wie Paulus die christenheyt nennet die fulle Christi Luther
bibel 8,670 W. ⟨1584⟩ es sey die zeyt herzu kommen, darinn die fuͤll der heyden hinnein gehn solten, vnd also gantz Israel selig werde Nigrinus
hoch achtung (1587)407. ⟨1623⟩ der heyden fülle ist am ende Böhme
Iosephus (1631)212. 1716 bis die fülle der heyden eingegangen sey
curieuse br. 201. 1888 einst, wenn die fülle der heiden eingegangen, wird auch Israels fülle gläubig Döllinger
vortr. 1,213. DWB2γ
dichte; von haaren. vereinzelt: 1787 die ganze anzahl von jahren .., für welche mir die ausserordentliche fülle meiner haare im stande meiner schönheit gewähr leistete Wieland
Dschinnistan (1786) 2,167. ⟨1817⟩ rings um sie fließt des haares goldne fülle E. Schulze
s. poet. schr. (1818)4,259. ⟨1858⟩ Ottiliens losgelöstes haar floß bis an die knöchel .. die ganze gestalt
(war) von der herrlichen, unvergleichlichen fülle bedeckt
M. Hartmann
ges. w. (1873)4,244. 1919 das haar ist eine luftige, lockere masse, ein wolliges vlies, eine binde schlingt sich durch die üppige fülle Salis
kunst d. Griechen 186. 1978 die hohe stirn, die sich in die vorn schon licht werdende fülle des schwarzen haares hineinbog Bütow
harfe 239. 2003 sie
(kinder) liebten es, damit
(haar) zu spielen. als die mutter in der stolzen schwarzen fülle die ersten weißen boten entdeckte, erfand sie ein neues spiel
süddt. ztg. 162,37. DWB2b
vielfalt; vieldeutigkeit; komplexität: 1641 also zwar, daß jener
(sprache) der Teutschen wegen der künstlichen fülle .. die oberstelle zugeeignet werde Schottel
sprachkunst 36. 1796 uebrigens nehme ich beyde
(wörter) in ihrem würdigsten sinn und in der ganzen fülle ihres begriffs Schiller
20,493 nat. 1836 ich begriff die ganze tiefe und fülle des spaßes, der darin enthalten war Heine
s. w. 7,81 W. 1863 ich habe bisher nirgens, als im Plato .. die entwicklung eines begriffs zu der ganzen fülle seines inhalts gefunden Ruge
zeit (1862)3,173. 1933 hier bedarf es eines übergreifenden blickes, dem sich der wesenhafte kern in seiner fülle aufschließt Wehrung
gesch. 133. ⟨1971⟩ in den sogenannten primärgruppen .. findet die bildung der persönlichkeit in der gefühlsmäßigen bindung und orientierung an partnern statt, deren gegenwart unmittelbar, spontan, in der ganzen fülle der personhaftigkeit .. erlebt wird Rüegg
lebensordnung [1978]72. 2003 als ‘vitale wachstumskraft’ bezeichnet der segen die menschlichen erfahrungen der fülle des lebens
süddt. ztg. 115,14. DWB2B
etwas, das etwas an‐, ausfüllt. DWB21
inhalt, rauminhalt: ⟨v1022⟩
domini est terra et plenitudo eius truhtenes ist diu erda unde iro fulli Notker
3,1,121 ATB. hs.13.jh. beweget werde daz mare unde di fulle sin
trierer ps. 449 G. ⟨u1300⟩ da was ein lutzel wines doch/ in eime fazze bliben noch:/ daz wolte di frouwe lobelich/ den siechen deilen umme sich./ .. wie lange si daz giezen dreib,/ ir maz in glicher fulle bleib/ unde des wines gliche vil
hl. Elisabeth 3666 LV. hs.1431 also das er nu .. ainen graben und ain fulli darin machen und dan uf dieselben fulli ain buchhus buwen und setzen sol
konstanzer leinengewerbe 2,29 W. 1534 vor Hansen Langenmosers hus, da sol es alwegen ufgfüllt bliben .. baide jar .. sollend alle inhaber der selbigen behusung und hofraite zwüschmet dem hus und bemelter fülle ainen guoten gatter geben
rechtsqu. St. Gallen I 1,33. 1572 der her daer ist mein grůnd ůnt bode ve̊st,/ meins bechers fuͤl, mein’ rend ůnt zins-einkommen Schede
psalmen 53 HND. 1616 multiplicir das feld dess runden bodens in die halbe höhe dess schnitzes, so kompt der raum oder fülle dess kugelschnitzes Kepler
5,532 F. ⟨1656⟩ zum andern ist die blasen ein rechter behalter aller feuchtigkeiten deß leibs, ..
(die) auch wegen der fülle sich außdehnen muß J. Schmid
speculum (1675)118. 1724 die fülle, womit der meuler ausgefüllet wird, .. soll nicht im stehenden holtz, sondern im dürren und brüchen genommen werden Fleming
jäger (1719)2,332b. 1794 ein gefäß dem man mehr zugießt als es halten kann, muß, um dem ueberflusse raum zu geben, von seiner ersten fülle in gleichem maasse von sich lassen
F. H. Jacobi
Woldemar 1,69. 1807 so gleichgültig es ist, die zunahme eines lochs als vermehrung seiner als der leerheit, oder als vermehrung der herausgenommenen fülle auszusprechen Hegel
phänomenologie (1921)181 L. 1877
[]der eigentliche wille .. erhält erst allmählich inhalt und fülle Frohschammer
phantasie 503. 1923 die sichere fülle des grossen raumerlebens zusammen mit der geometrischen einfachheit der linienführung gibt dem bilde die klassische haltung Gerstenberg
landschaftsmalerei 84. DWB22
das innere gefüllter speisen, älter auch ‘wurst’; vgl. füllsel n. 1, füllung f. 1 c. meist im 18. jh., gegenwartssprachlich noch im obd.: ⟨1.h14.jh.⟩ eynen holbroten wol gemaht, wol zweier vinger breit gesniten vnd gefuͤllet wol mit eyner gůten fuͤlle b. v. guͦter spise 40 TSM. ⟨v1485?⟩ mach ein fül von ayren vnd geribem keß oder geriben leekuchen kuchemaistrey (1493) a9b. 1541 farcimen .. ein wurst, fülle, pasteten Cholinus/F. dict. 443b. 1557 nimm das jung hůn bey der brust auß, streck jm seine bein, bind es an ein gerten vnd rüst die fülle Heuszlin vogelb. 80a. 1616 die fülle deß fladens, oder torten, von käß, ayern, honigen, weinberen Henisch t. spr. 1,1285. 1669 farce .. fülle, gefülsel, klein gehackt fleisch dict. françois-alleman 450a. 1715 in die außgehöleten aepffel thue alsdenn die fülle Amaranthes frauenzimmer-lex. 86. 1778 so sind sie (aprikosen) auch in fruchttorten eine der besten füllen Germershausen hausmutter 2,792. 1849 eine reichsverfassung ohne reich! – das ist wie eine pastete ohne fülle! Pfizer einheit 27. 1911/25 fülle .. füllung, füllsel siebenb.-sächs. wb. 2,517a. 1963 fülle f. .. ‘füllung im geflügel’ Mitzka schles. wb. 1,348a. 2003 die fülle (des spanferkelrückens): nicht ein den magen zustopfender semmelpams, .. sondern eine reelle fleischfarce süddt. ztg. 298,N1. DWB2 DWB23 (zubereitete) nahrung, speise. vereinzelt, zuletzt im übergang zu DWB2A 3 a α: ⟨u1370⟩ du speisest rein gedancken, nicht des bawchs fulle Johann v. Neumarkt 2,194 K. ⟨u1450⟩ du bist genant Smagkfol,/ dar umb bistu eyn schusul:/ du smeckst eyn fulle uber czwo milen rhein. ostersp. 680 R. 1521 solche fulle sol unschedlich, nutzlich und seliglich sein, das sie leyb und seel mit allen krefften wol thu Luther w. 7,594 W. 1653 du wirst uns mit fülle speisen kirchenlied 4,96b F./T. 1732 du wollest, wann dich gott und glück/ mit aller fülle dieser erden/ für dich nach wunsch gesättigt hat,/ für uns dennoch nicht lebenssatt,/ als biß nach höchstem alter, werden poesie d. Niedersachsen 4,72 W./K. 1808 auf ihr faulen! schaffet sogleich den thätigen männern/ was der magen bedarf ../ also sprach sie, und jene gehorchten, verdrossenes herzens,/ eilend, und schafften die fülle heraus, die mäuler beladend Goethe epen 1,307 ak. DWB2– in der formelhaften verbindung hülle und fülle zunächst (kleidung und) ‘nahrung’, seit dem 16./17. jh. zunehmend im anschluß an DWB2A 3 a α: 1527 da .. er (Jakob) keinen lohn verdienet hatte denn huͤlle und fuͤlle, futter und decke .., werden sie der sache eins des lohns halben Luther w. 24,536 W. 1579 dieweil es .. auff erden fuͤrnemlich vmb ein suppen vnd jupen, das ist, vmb fuͤlle vnd huͤlle, vmb nahrung vnd kleidung zuthun ist Schwab geitzwagen F5b. 1644 (so) bedachte er mittel vnd wege in seinem land allewege die hüll vnd die füll, ja einen vberfluß in allen sachen zuverschaffenBoccalini, relation 68. ⟨v1678⟩ alle thiere .. seyn denen menschen, zu nutz und dienste erschaffen: .. vögel, fische und thiere, den menschen mit hülle und fülle zu besättigen Butschky rosen-thal (1679)961. 1735 so lang ich diesen habe, fehlt mirs an keiner gabe: der reichtum seiner fülle giebt mir die füll und hülle gesangb. Herrn-Huth 239b. 1778 ein engel gottes soll ihr haus/ und ihren hof bewachen!/ .. und soll euch liebe kinderlein/ die hüll’ und fülle geben Claudius s. w. (1775)3,133. 1843 Franzosen und feinde (kamen) in hülle und fülle Stifter erz. 2,173 S. 1852 der holzhacker .. hatte alles, was er sich nur wünschen mochte, in hülle und fülle Zingerle volksdicht. 1,250. ⟨1901⟩ eine hülle und fülle der möglichkeiten zweckmässiger verwendung solcher terrains bietet sich dar Henrici beitr. [1904]195. 1953 als der krieg vorbei war, gab es wasserflugzeuge in hülle und fülle aus beständen der luftwaffe zu kaufen Zahn freunde 189. 2003 das hoch Liliana sorgt weiter für sonnenschein in hülle und fülle süddt. ztg. 65,1.Katzmann