frauenzimmer,
n. das uralte goth. timr, timbr,
ahd. zimpar
bedeutete holz, bauholz, den aufgeführten bau, die wohnung, das gemach. 11) frauenzimmer
ist also frauengemach, frauenkammer, frauenstube, wo sich frauen oder weiber aufhalten, wo sie unterhalten werden, auch wo sie arbeiten, frauengaden
war ein mhd. wërcgadem,
was wir heute fabrik
nennen. seit dem 15
jh., vielleicht vorher schon wird gynaeceum
verdeutscht frauenzimmer.
in Tetzels Romital (
nach 1467)
heiszt es s. 146: mein herr markgraf liesz im im frauen zimmer tenz machen.
den ausdruck hat Joa. Altensteig in seinem 1516
gedruckten, schon 1508
fertigen vocabularius, woher ihn dann Dasypodius 90
b. 330
c.
entnahm, Frisius 615
b, Maaler 140
d;
weitläuftiger erklärt Serranus
syn. 72
a: frauenzimmer, nobilium et honestarum feminarum, virginum et mulierum coetus sive congregatio.
der üble sinn, den frauenhaus
und auch gynaeceum
hat, blieb ihm fern, es gilt für den aufenthalt sittsamer oder doch vornehmer frauen, hoffrauen: und der könig bestelte schawer in allen landen seines reichs, das sie allerlei junge, schöne jungfrawen zusamen bringen solten gen schlosz Susan ins frawenzimmer.
Esther 2, 3; und er thet die dirne an den besten ort im frawenzimmer. 2, 9; und Mardachai wandelte alle tage fur dem hofe am frawenzimmer. 2, 11; sendbrief an die drei hofjungfrauen, die aus dem frauenzimmer zu Freiberg umb des evangelii willen vertrieben sind. Luther 2, 274
a; der churfürst hat erstlich sein gemahel, darnach etliche fürstin im frauenzimmer, danach viel edle jungfrauen.
tischr. 312
a; wenn man sagt, Salomon hat viel frawen gehabt, so wil man sagen, Salomon hat ein grosz frauenzimmer gehabt.
ebenda. eine herzogin schreibt im j. 1574: herzliebe schwester, ich kann e. l. auch freundlichen nicht verhalten, das wir itziger zeit zwei frawenzimmer haben, die alte herzogin und ich mit den dreien jungfern sein hunten in unserm gemach, so musz mein armes kind der andern deckmantel sein und leszt sie denn mein herre holen in seinen gemach, und gehet der Kitlitzin dochter mit sambt der mutter mit, und sein dan den ganzen tag bei meinem herrn.
zeitschr. des schles. vereins 4, 163; weisz aber nicht, was die ursachen sein gewesen, das ich von herzog Heinrich nicht ablassen kunte, ob die jungfern im frauenzimmer zu schön waren, oder was es mochte für eine gelegenheit haben. Schweinichen 1, 86; bin ich wieder nach hause geritten, zuvor aber mit den schönen jungfrauen im frauenzimmer erlustiget. 1, 87; waren ifg. vom hern bischof ins alte frauenzimmer erfordert. 2, 62; wenn denn ifg. dem alten Simon Hanewald seinem sohne mit einer jungfrau, so unter ifg. verwaiset und in derselbigen frauenzimmer war, hochzeit machen sollte. 2, 283; mit den (
frauen) bin ich gezogen fer in vil königreichen hin und her zu manchem schönen frawenzimmer. H. Sachs I, 284
a; ihr zarten jungfraun grosz und klein, kompt mit uns ins fraunzimmer rein. Ayrer 134
c; Phronesis aufseherin über das kaiserliche frauenzimmer. Gryphius 1, 6; das frauenzimmer (
frauengemach).
pers. rosenth. 7, 20; eine von den mädgen in seinem frauenzimmer. 5, 18; als er sich bei ihro im frauenzimmer verspätet. Zinkgref
apophth. 13, 5; in der tugend frauenzimmer, da ists gut die bräute wehlen. Logau 3, 85, 48; eh ich und der Paulin einander angetroffen, zu meinem glücke stund das frauenzimmer offen, da trat er ganz bestürzt heraus. Günther 971; der persische frauenname Zebdelcaton bedeutet 'blume des frauenzimmers'
d. i. flos gynaecei. 1001
viertelstunde Lp. 1738 1, 10; das fräulein blieb indessen im frauenzimmer der königin. Wieland 18, 269.
einem herrnzimmer
steht das frauenzimmer
entgegen. 22) frauenzimmer
bezeichnete nun collectiv die in ihm wohnenden frauen, die weibliche dienerschaft, das gefolge der fürstin, wie der hof
die hofleute, das dorf
die bauern. noch keine beispiele aufgenommen aus Schwarzenberg, Steinhöwel, Wile, Keisersberg, Brant,
später fehlen sie nicht: das frawen zimer den held lobt.
Teuerdank 20, 123; was die künigin auch gefaren mit irem frawenzimer schon zuo zesehen dem tewern man. 101, 13; der keiser mit seim frawenzimmer. Uhland 472; das er das frawen und kebsweiber zimer von im thet. Münster 1119; sampt graf Gebharts gemahl und irem frawenzimmer. Luther 8, 387
a; kaiser Heinrich liesz dazu nach Magdeburg alle fürsten, grafen und vom adel sampt ihren frawen und jungfrawen einladen und liesz einen jeden seine tapferkeit in beisein des hochansehnlichen frawenzimmers beweisen. Micrälius 2, 177; die herzogin mit sampt irem frawenzimmer und Fridrichen auf einen hohen thurm giengen.
Galmy 85; es war auch dem ganzen frawenzimmer verbotten nicht zu der herzogin zu gehen. 287; da die herzogin und das frauenzimmer auch mit naus fuhr. Schweinichen 1, 95; die musik war lieblich, der wein gut, das frauenzimmer schö
n. 1, 95; der Kriechen vil zu grunde giengen, auch (
die feinde) vil des frawenzimmers fiengen. H. Sachs I, 147
d; die weil das frawenzimmer schleft, wir ausrichten des weidwerks gscheft. II. 3, 16
a; die (kirch) war zu klein und vil zu eng, das nicht jederman hinein kund, das frauenzimmer auch da stund in irer allerschönsten wat. Ayrer 140
a,
wo irer
sich auf den in frauenzimmer
steckenden gen. pl. frauen
bezieht; es folgte die groszfürstinne mit den jungen prinzen und freulein in einem groszen wagen, nach diesem folgete das zaarische frauenzimmer in 22 wagen.
pers. reiseb. 1, 12; zog der könig auf die jagd und zwar mit seinem frauenzimmer. 4, 44; er fragte nach unserer beschlieszerin, die sich eben damals beim frauenzimmer befand, dabei sie die jungfer hatte rufen lassen.
Simpl. K. 2, 27; das frauenzimmer stund auf und verfügte sich in sein gemach. 2, 26; bestellete sie ihm ein ganzes frawenzimmer (
weibliche dienerschaft), die seiner statt der kindermägt pflegen und auswarten solten. Spee
g. tugendb. 148; die königin mit ihrem vornehmsten frauenzimmer.
Felsenb. 1, 494; vielleicht finden sie bei meinem frauenzimmer zerstreuung? Schiller 148
a. 33)
nahe lag, dasz dieser collectivbegrif auf frauen übertragen wurde, die nicht in besonderm gemach zusammen wohnten, man belegte damit frauen insgemein, in der regel vornehme, wolgesittete: das löbliche frauenzimmer,
sexus muliebris inclytus, ordo laude dignus matronarum. Stieler 2351; der herren gnad und gunst und des frawenzimmers favor zu erlangen. Messerschmidt
narrenspital. Straszb. 1618, 141; das ohrenzart frawenzimmer.
Garg. 7; des frawenzimmers jugend wird sonder sorgen grosz. Opitz; vertraue dich der see, dem frawenzimmer nicht.
derselbe; denn sie (
die poeten) auch das frawenzimmer zu lesen und ofte in gold zu binden pfleget.
poeterei 73; Lucidor an das frawenzimmer, Venus an das frawenzimmer,
überschriften bei Weckherlin 837. 838; Heinrich Frauenlob mit vielen getichten, so er zu liebe des frauenzimmers aufgesetzt, zu wege gebracht, dasz solches seine leiche bis in die kirche getragen. Hofmannswaldau
heldenbr. vorr.; man musz sich so nit förchten, wenn man zum frauenzimmer geht.
Simpl. K. 550; weil ich bei solchen gelegenheiten mit dem frauenzimmer in kundschaft kam. 483; da bei sich viel andere grosze herren und ansehnlich frauenzimmer befand. 2, 142; nichts desto weniger habe ich den titel gleichgültig und unempfindlich bei dem meisten frauenzimmer allhier erworben. Canitz
ged. 210 (1676); das frauenzimmer hatte über den ernsthaftigen reden wenig ergetzlichkeit, drum suchte es mit manier von dem tische zu kommen. Weise
kl. leute 376; es sei zwar viel frauenzimmer gebeten.
erzn. 129; und ich entsinne mich, mit was für buhlerliedern er ehmals in Athen, wo ich mit ihm studiert, dem frauenzimmer oft die letzte gunst entführt. Günther 1011; wenn nur auf diesem Cap noch mehr so schönes frauenzimmer anzutreffen wäre.
Felsenb. 1, 37; ich werde in kurzem ein kochbuch schreiben, und wollte das frauenzimmer über mein kochbuch spotten, so
u. s. w. Rabener 2, 221; das frauenzimmer (
sexus) war mir auch sonst nicht allzu gleichgültig. Lessing 1, 347; dieser streich ist unter den schlimmen streichen, die mir das frauenzimmer gespielt hat, der kleinste nicht. 1, 385; ihr, die ihr, ganz von neid entzündet, des frauenzimmers wert verhöhnt, sagt, ob man was von gaben findet, das nicht die seligste bekrönt. Drollinger 264; mit dem sämtlichen frauenzimmer von Abdera an ihrer spitze. Wieland 19, 119; alles frauenzimmer. Kant 5, 147; das frauenzimmer (
die frauen im gegensatz zu den männern). 7, 405; ich kam hieher und fand das frauenzimmer ein biszchen, ja man sagts nicht gern, wie immer. Göthe 56, 57; Civitella blieb ganz weg, weil er bei dem frauenzimmer in Venedig in zu übelm rufe stand. Schiller 745
a; entehrten das frauenzimmer selbst an heiliger stätte. 925
a.
ausnahmsweise auch von übeln frauen: etliche suchten mich (
Courage) wie das frauenzimmer im bordell.
Simpl. 2, 218. 44)
kühner war, dasz zuletzt aus dem collectivum wieder die vorstellung des individuums hervor trat, in der weise wie wir es bei den wörtern bursch
und camerad
wahrgenommen. das frauenzimmer
erst ein ort, dann eine mehrheit von hoffrauen, hernach von frauen überhaupt geltend, ist endlich eine einzelne und zwar eine feine, gebildete frauensperson, etwas mehr als dies letzte wort besagt, worunter auch eine gemeine, gewöhnliche frau gedacht werden kann. die frühste stelle für diesen gebrauch findet sich bei Opitz (2, 257.
Amst. 1645)
in der bereits 1622
geschriebenen schäferei: wie nun ein mensch in einem bilde die kunst und nicht das bild, in einer pflanze die frucht und nicht die pflanze liebet, also müssen wir in einem schönen frawenzimmer nicht die gestalt, sondern die schönheit des gemütes erheben und hochhalten.
das 'einem'
entscheidet, stände in dem schönen frauenzimmer,
so liesze sich das schöne geschlecht verstehn. doch scheint die individuelle bedeutung nicht sogleich in die sprache eingedrungen, wenigstens sind mir von 1622—1730
keine weiteren belege zur hand, Stieler
hat sie noch nicht vermerkt, zwischen 1730
und 50
tauchen sie auf: ich gelangete an eine halb offen stehende kleine gartenthür, trat hinein und sahe ein gewis recht schön und wolgekleidetes frauenzimmer nach dem klange einer kleinen trommel recht zierlich tanzen.
Felsenburg 1, 35 (
zuerst 1731); und also empfinde ich auch weder liebe noch begierde zu einem frauenzimmer bei mir, sie mag auch noch so schöne sein.
irrg. der liebe (
zuerst 1740); mitten in diesen ängstlichen sorgen kam jemand von meinen leuten und sagte mir, dasz mich ein frauenzimmer höchlich bitten liesze ihr zu vergönnen, dasz sie auf einige augenblicke mit mir sprechen dürfte.
ehe eines mannes (1735)
s. 261; frauenzimmer,
eine vornehme weibsperson. Frisch 1, 289
a (1741); ich wuste, ehe ich meinen sohn auf reisen schickte, dasz er ein gewisses frauenzimmer von bürgerlichem stande liebte. Gellert 4, 201 (
schwed. gräfin, zuerst 1747); und dieses ist eben das frauenzimmer, das sie itzt gesehen und nach der gemeinen rede für eine witwe gehalten haben.
das.; als wenn ein frauenzimmer nicht für alle wolgemachte mannspersonen einerlei neigung hätte. Lessing 2, 368 (1747); du wirst es ja wol noch an meinem beispiele wissen, wie es einem frauenzimmer ist, wenn man ihr das erstemal dergleichen vorsagt. 2, 388 (1748). Frischens
einschränkung auf vornehme ist nach den gellertschen ausdehnungen auf bürgerliche zu eng. in der zweiten hälfte des 18
jh. greift der ausdruck allgemein um sich: unmöglich kann ein frauenzimmer von vierhundert wochen so richtig und so fein schreiben. Rabener
an Charitas (1757); er ist es auch in der that schon werth, dasz ein frauenzimmer um ihn seufzet. Lessing 1, 380; bin ich denn nicht frauenzimmers genug, um einer kurzen unterhaltung werth zu sein? 1, 319; ich entschuldige jedes frauenzimmer, das ohne merkliche fehler nicht hat aufwachsen können. 1, 433; sie ist zu wenig frauenzimmer, als dasz ich sie als ein frauenzimmer lieben könnte. 1, 434; was für ein held ich bin! ich kann mit frauenzimmern spielen. Burmann
fabeln 37; und scheint den frauenzimmern sich schlecht um sie zu kümmern. Bürger 22
a; sie werden ein schönes frauenzimmer kennen lernen. Göthe 16, 25; ich forderte éin frauenzimmer nach dem andern auf und just die unleidlichsten konnten nicht dazu kommen, einem die hand zu reichen. 16, 31; 'mein chapeau walzt schlecht und dankt mir, wenn ich ihm die arbeit erlasse. ihr frauenzimmer kanns auch nicht'. 16, 32; man betrachte ein frauenzimmer als liebende, als braut, als frau, hausfrau und mutter. 17, 281; er kündigte ihr die ankunft eines frauenzimmers an, die hier herein ziehen sollte. 17, 385; als ich im fenster ein frauenzimmer sitzen sah, das mir unter einem spitzenhäubchen gar jung und hübsch und unter einer seidnen mantille sehr wolgebaut schien. 24, 282; mein freund eilte die frauenzimmer aufzusuchen. 25, 341; und ich wuste bei solcher gelegenheit etwas zum lobe der wirtin, oder eines frauenzimmers, die sich am artigsten gegen mich erwiesen hatte, vorzubringen. 26, 14.
diese stellen ergeben, dasz wie nach weib
oder weibchen
auch nach frauenzimmer,
auszer dem neutralen ebenwol ein weibliches pronomen folgen darf. vor dem häufigen gebrauch der individuellen bedeutung hat in der späteren sprache sich die örtliche und collective fast verloren. so seltsam und ungelenk der ausdruck aussieht, hatte er sich doch unentbehrlich gemacht, weil er die vorstellungen jungfrau, ehfrau und matrone zugleich befaszt, das einfache frau
uns wie ehfrau oder herrin klingt, das fr. dame
ist gefüger. frauenzimmer,
wie wir sahen, schlieszt den bürgerstand nicht aus und bezeichnet etwas feines, gebildetes, einer rohen bäuerin kann er nicht zustehen, wie sie unter frauensperson, weibsperson, weibsbild
mit einbegriffen wird. der pl. die frauen
lautet edler als das collectivum das frauenzimmer,
es heiszt aber auch im pl. die frauenzimmer =
die frauen, z. b. die frauenzimmer kamen zurück. Göthe 17, 339; so wohnten die frauenzimmer mit dem kinde nun oben. 17, 314;
nichts kann dem ursprünglichen begriffe mehr widerstreiten als diese stelle. heutzutage heiszen die frauen nicht mehr gern frauenzimmer,
auch dies eigentlich vornehme wort hat die zeit wieder herunter gebracht. 55)
das nl. vrouwentimmer
ist bei dem natürlichen, örtlichen sinn stehen geblieben, hat sich nicht auf die beiden andern anwendungen erstreckt. dagegen sind mit unserm wort auch alle bedeutungen in die nordischen sprachen übergegangen, schw. fruntimmer,
dän. fruentimmer,
sogar mit unserm, diesen dialecten gar nicht zuständigen schwachen n,
der gen. des einfachen frue
lautet dän. frues,
isl. frûar.
man sagt schw. hoffruntimret,
das frauenzimmer am hof. ett ungt, gammalt fruntimmer,
ein junges, altes fr. und gern wird der anrede das possessivum vorgesetzt: mitt fruntimmer, mina fruntimmer =
madame, mesdames. 66)
alle folgenden zusammensetzungen sind schwerfällig und unbeholfen, doch im vers manchmal zu brauchen.