fechten ,
pugnare, ahd. fëhtan faht fuhtun,
mhd. vëhten vaht vâhten
und vuhten,
ags. feohtan feaht fuhton,
engl. fight,
fries. fiuchta,
nnl. vechten vocht vochten,
wie auch nhd. fehlerhaft fechten focht fochten.
im 15
jh. noch richtig facht
für focht,
z. b. fastn. 549, 10.
weder gothisch noch nordisch, denn das schw. fäkta fäktade,
dän. fegte
sind, gleich dem böhm. fechtovać,
unserm fechten
nachgebildet, ein von Stalder 1, 360
herangezognes altn. fika,
dän. fige
festinare und das engl. fidge
scheinen unverwandt. der goth. und nord. abgang des wortes trift mit dem von faust
in denselben sprachen zusammen. unverkennbar fallen pugnare
und pugnus,
πυκτεύειν,
πυγμή und πύξ,
darum auch fëhtan
und faust
zu einander; dem vermutheten goth. fauhstus
könnte ein faihtan faht fauhtun
zur seite gestanden haben, das st
in fauhstus, faust
gliche dem ks
in πύξ.
für kämpfen
sagten aber die Gothen veihan,
ahd. wîgan,
altn. vëga (
statt vîga)
und es ist schwer die unterschiede zwischen weigand, held, kämpfer, fechter
anzugeben. man hat jedoch gar nicht nöthig pugnare
und fechten
streng auf kriegerischen kampf zu beziehen, wie pugnare
eniti, laborare ausdrückt, non pugnare
non laborare, gleichsam die fäuste oder hände ruhen lassen, liegt auch in fechten
die bedeutung von sich abmühen, eifrig streben, die hände anstrengen, fusten, fausten, fäusteln
und fechten
ist etwas in die faust nehmen, angreifen, vor allem die waffe zum kampf, vgl. knuffen,
dän. knubbe,
mit der faust stoszen. wir geben nhd. der III sg. ficht
für fichtet,
analog dem flicht, tritt, gilt, schilt, hält, beut
für flichtet, trittet, giltet, schiltet, hältet, bietet;
schwache verba vertragen diese kürzung nicht, von falten, spalten, gestalten, melden, bilden
musz es heute heiszen faltet, spaltet, gestaltet, meldet, bildet,
obschon auch die starken meiden, scheiden, reiten, schreiten, spreiten, streiten
nicht kürzen, so passend es wäre (
vgl. mhd. gît, lît, gât, stât).
auf der andern seite schreiben im 16
jh. manche fichtet, trittet
und selbst Gotthelf
hat flichtet, giltet
unverkürzt. dem imp. gebührt ficht.
die bedeutungen sind meistens intransitiv, selten transitiv. 11)
eigentliches fechten,
kämpfen, streiten, pugnare, certare, dimicare. ahd. zi uns rihtër horn heiles, nales fëhtannes. O. I. 10, 5; hier habest du wîg, hier solt du fëhten, doret solt du rawen.
N. ps. 84, 9; taʒ ër imo ondi mit Otachere ze vëhtenne.
Boeth. 3;
mhd. dâ vihtet einer inne, der heiʒet Volkêr, alsam ein ëber wilde, unde ist ein spilman.
Nib. 1938, 2; dô vaht alsam ër wuote dër alte Hildebrant. 2219, 1; si vâhten alsô grimme, daʒ manʒ nimmer mêr getuot. 2149, 4; heten si dô gevohten ze rosse mit den swërten, dës si niene gërten, daʒ wære dër armen rosse tôt.
Iw. 7116; swër gërne ie über houbet vaht, dër mohte dëste wirs gesigen.
Winsbeke 33, 2; hât dër winter kurzen tac, sô hât er die langen naht, daʒ sich liep bî liebe mac wol erholn, daʒ ê dâ vaht. Walth. 118, 8; ichn vihte niht, ich bin ein wîp.
Iw. 5649.
nhd. ich ficht, das der wint davon wet.
fastn. 252, 21; wil er dann fechten, so well wir streiten. 298, 10; wil es der kunig, niemant ficht do dan ich. 549, 25; erst so hebt sich ein fechten von den andern dorfknechten. 589, 20; die vechten als die eberswein. 589, 23; ir vechten ist gen uns als ain wint. 589, 29; er leuft mit dem kopf an in und ficht halsstarriglich wider in.
Hiob 15, 26; ich fechte also, nicht als der in die luft streichet (
goth. sva jiuka ni svê luftu bliggvands).
1 Cor. 9, 26; hab ich mit den wilden thieren gefochten? (du diuzam vaih?) 15, 32; es ist guot mit im im langen spiesz fechten, er sihet nit so fern (
ist kurzsichtig).
kl. weise reden 99
a (106
a); und fachte mit im so stark und ritterlich, dasz der könig sich im gefangen gab.
buch d. l. 269, 1; denn das ist der krieg in diesem geistlichen reich, das man fichtet und kempfet, wie man gerecht werde. Luther 6, 129
b; ja wer auch nur an dem siege zweifelte, der füchte nicht, sondern versetzte nur die feindlichen streiche ohne einigen beherzten angrif. Lohenstein
Arm. 1, 35; Marcus Coriolanus fechtet (
für ficht). Winkelmann 2, 453; er ficht vortreflich; er ficht zu fusz wie zu pferde; er ficht noch mit dem ersten schwert (
ist noch roh und ungeübt); sie fochten wie die löwen; alle krieger haben tapfer gefochten; die aufgeworfnen schanzen wurden fechtender hand eingenommen. 22)
die vorstellung der faust oder hand liegt dem worte so eingeprägt, dasz es uns noch heute eine heftige bewegung der arme und hände ausdrückt, wo von einem feinde, den man bestreitet, gar nicht die rede ist: dër tobende in daʒ münster vaht.
Servat. 3090,
sich mit arm und faust eindrängte; er ficht mit den händen,
vagiert in der luft, thut streiche in die luft; was fichtest du so mit den armen?; was ficht (
müht sich) doch Götz? es sei im haus oder heraus geschehen, ist doch nicht daran gelegen.
zeugenaussage bei Zöpfl Götz von Berlichingen hauptmannschaft s. 49; wir prüefen auch das an den perchknappen, die in die gruob varnt, die werdent etswie vil wirbig in irm haupt, also daʒ sie gern vehtent sam die trunken leut. Megenberg 109, 8; so sollen seine geberd sein züchtig, nit fechten mit den armen, nit die finger uszstrecken. Keisersberg
narrensch. 56
a; fraw, wie thun ir, was traumet euch, das ir also fechten?
sch. und ernst 1546
cap. 55; was has im herzen du für pein, dasz du also fichst mit den händn? Ayrer 42
b; hat einer vielleicht einen streit und wäre gern des handels queit, der trink ein rausch und greif zum degen. ein rausch aus allen wehren ficht, ein rausch fragt nichts nach streich und schlägen, ein rausch förcht sich vorm teufel nicht. Philander 2, 219,
der rausch, der berauschte wehrt sich auf alle weise, die trunknen fechten
gern, nach Megenbergs
stelle; frauen fechten,
spielen mit dem fächer,
schlagen ihn auf und nieder: die am arme seichter thoren blähend mit dem fächer ficht. Schiller 9
b. 33)
dies bewegen galt auch vom schlag des herzens, des bluts: grîf her, dâ mîn hërze lît, wie ëʒ vihtet unde vert. Blicker 283,
wie es heftig schlägt, kämpft, tobt; so ofts in schäden wütet und ficht (
oben sp. 377); mein herz und gemüt mir darob ficht, wann ich gedenke an die gschicht. Uhland 943;
ja von der sanften bewegung und dem flusz des über ein tuch gegossenen öles: alsô daʒ si (diu sêle) ein fürwërtgân hât in der blôʒen gotheit, als daʒ oleum ûf dem tuoche, daʒ vihtet alleʒ für baʒ: alsus vihtet diu sêle für baʒ unde fliuʒet immer für unde für.
br. Eckhart 470, 2. 3.
eine schöne, wol noch öfter vorkommende wortbedeutung, zu der sich auch andere redensarten nehmen lieszen. Henisch 1028, 12
hat fechten,
eniti, zablen (
zappeln),
ohne beispiele, ganz das lat. pugnare. 44) fechten,
ostiatim victum quaerere, stipem mendicando colligere, ut vagabundi solent. Stieler 453,
was sonst 'garten'
heiszt, scheint sich aus den fechtschulen (
s. dieses wort)
der handwerker und aus dem umstreifen bewafneter, vom heer verabschiedeter landsknechte zu erklären. auch spielleute und schwerttänzer, vagierende schüler und handwerksgesellen zogen im land umher, 'giengen fechten',
giengen betteln, drohten den leuten mit dem schwert, da wo ihnen brot und kleine gabe geweigert wurde. später, im 18. 19
jh. blieb dies fechten
eingeschränkt auf aus dem krieg entlassene, heimziehende soldaten und auf arme, reisende handwerker. doch erwäge man den schon älteren, hernach unter 5
a belegten ausdruck, das 'vëhten umbe spîse'
von der ameise, verglichen mit dem fechten
des flohs bei Boner 48, 12,
was zur zweiten bedeutung des bemühens und abarbeitens stimmt, ohne dasz schwert oder degen im spiel sind. würde für betteln das wort 'garren' (
l. garten), fechten, umb reuterzehrung ansprechen nicht aufgebracht sein, es würden so viel liederliche gesellen, als sonderlich lose handwerksbursche nicht faulenzen oder ostiatim gehen. Praetorius
mägdetröster s. 99; muth hin, muth her! dem hunger fällt das fechten vor thüren leicht, im felde schwer. Günther 342; das wenige zehrgeld wurde täglich kleiner und zuletzt gar alle, deswegen sie (
zwei aus dem venetianischen krieg in ihr deutsches vaterland heimkehrende kameraden) in tausend sorgen geriethen und nicht wusten, was weiter anzufangen sei. da nun kein ander refugium vorhanden, als zum fechten zu schreiten, wie schwer es sie auch ankommen wolte, verabredeten sie sich bei erreichung eines dorfes, dasz der eine von oben und der andere von unten anfangen solte, vor der bauren häuser umb ein stück brot anzuhalten.
nord. Robinson 1, 53. 54; (
ein aus Friedrich des gr. heer entronnener Schweizer erzählt:) mein ducaten reisegeld war schon dünn wie ein laub worden, sonst hatt ich keinen heller in der ficke und ward also genöthigt auf den dörfern zu fechten. da bekam ich oft beide taschen voll brot, aber nie einen heller baar.
der a. m. im Tockenb. 156; der Franke 'ficht', der emigrierte 'geht fechten'. Lichtenberg 2, 111.
aus G. Ungt (
d. i. ungenannt)
twee geschichten. Münster 1861
s. 24—40
sieht man, wie das fechten
wandernder handwerksburschen fast bis auf unsere zeit fortbestand. dem der sich weigerte ihnen zu spendieren fluchten und drohten sie mit faustschlag in den nacken oder mit feueranlegen. auch in der studentensprache sind fechten
und pumpen (
am brunnen wasser ziehen)
gleichbedeutend, ihre ausdrücke mögen mit den der alten fahrenden schüler mehrfach zusammenhängen. es gibt ein buch von Ambrosius Pape bettel und garteteufel.
Magdeburg 1586. 8. 55)
zu fechten (
wie zu streiten, ringen)
fügen sich praepositionen, 5@aa) um: um leib und leben, um geld und gut fechten; swâ zwêne vëhtent umbe den lîp.
Iw. 1956; dô si sêr umb ir spîse vacht. Boner 42, 46; ich nim dein gelt und anders nicht und schaf sünst wol was mir gebricht, ficht mancher ümb ein ackerpferd, dein hab ist sölcher ärbet werd. Schwarzenberg 132, 1; keim herren dient ich nie so weh, dem ich in strafung überseh, noch fast ümb seinen schaden fecht, ich bin ein guoter armer knecht. 138, 1; den allen umb den namen Christi zu fechten, leben und sterben gleich galt. Frank
weltb. 209
a; es musz darum gefochten sein.
Simpl. Courage cap. 7. 5@bb) nach: ê dan ie Rôme kam an die maht nâch dër si vaht tac unde naht.
Renn. 22761; alle menschen seind schuldig zu fechten nach tugenden. Keisersb.
has im pf. Aa 5
b; es geht hier nicht, wie Christus spricht, wer sich erhöhet, der wird nicht dasselb finden, darnach er ficht. Alberus
Es. 151
b; nach groszem reichtumb ich nit ficht. H. Sachs I, 338
d. 5@cc) zu: ein mensch sol da zu fechten, das er seinen mund zu behalt, und im selbs gewalt an thun. Keisersberg
selenparad. 25
a. 5@dd) auf: wil ër mîn urliuge tragen, ûf mîne vînde vëhten.
warnung 2763; ob icht von rëchte wil ie man ûf en vëchte.
gr. Rud. 18, 23. 5@ee) an: diu kint, an diu si vâhten.
Mar. 219; an die irrære ër vaht.
Servat. 667; dër lîp wil gërne vëhten an die heiden.
MS. 1, 93
b; den urteil ich mit rechten rechten, das er sol dreiszig jar an die heiden vechten.
fastn. 707, 14. 5@ff) gegen: vihtet gein dem winde.
Geo. 3451; er hat immer gegen die Franzosen gefochten,
mlat. pugnavit contra Gallos. 5@gg) wider: daʒ ër eine væhte wider drî.
Iw. 4108; do bewâgen si sich schiere sine væhten niemer wider in, ërn tæte sînen lewen in. 6711; so sind sie geleich den jungen hönlein, die von der alten hennen fleiszigklich erzogen werden und so sie grosz werden und erstarken, fechten sie wider ir muter umb ein gersten körnlein. Keisersb.
sch. der pen. 101
b; also das wir beide wider unser natur und starke gewonheit zu fechten haben. Luther 6, 42
b; dawider fichtet der ander haufe, so die gerechtigkeit auf unser thun und verdienst setzen. 6, 129
b; was ist dann, das man wider den strom fechten wil.
br. 2, 674; und so die natur fichtet wider die krankheit.
Cyrillus bl. 28. 5@hh) mit: fone diu ne sol danne wîsemo man daʒ nieht wëgen, so wenne ër fëhten sol mit tëro wîlsâldo, ita vir sapiens moleste ferre non debet, quoties in fortunae certamen adducitur.
N. Bth. 224; a Stiphalo (
Stymphalo) flumine, pî demo Hercules mit in (
Stymphalidibus) faht. 226; hien vihtet niemen mit iu zwein.
Iw. 5291; nu vëht ab ir niwan mit zwein.
Parz. 707, 24; mit unruowe si sêre vaht. Boner 48, 66; mit einem schatten fechten,
ohne ursache streiten. 5@ii) für: für das vaterland, für den glauben fechten: daʒ ër für mich vëhte.
Parz. 701, 25; o edler fürst, ich pit euch ser, fecht hie fur mich durch gotes er.
fastn. 548, 27; ihr freunde höret mich, ich (
Gottsched) bin des eifers satt, der für Germanien bisher gefochten hat. der undank ist zu grosz. Rost
das vorspiel 75; ist es nicht sonderbar, dasz die menschen so gern für die religion fechten und so ungern nach ihren vorschriften leben? Lichtenberg 1, 182. 66)
transitiv, den kampf fechten,
ausfechten; dô si hie bî Etzel vâhten manegen wîc.
Nib. 1735, 2; ër vihtet in allenthalben sige.
Alex. 2286; den sieg fechten,
erfechten; mit ruhm focht ich hier seine ungerechten kriege. Klinger 4, 23; aber wir fechten ihre schlachten. Schiller 491
a; 'ëʒ vëhten'
von gerichtlichem zweikampf bei Schott
land und stadtrechte 3, 108. 109. 111. 122; Luther
sagt es fechten,
anfechten, bestreiten: ich fechte jetzt nicht, ob sie (
die deutungen) alle falsch sind oder nicht, das fechte ich, das Carlstad solchs alles one allen grund der schrift an diesem ort setzt. 3, 76
b; aber ob ichs wol nicht fechte, ein scheib und plick sei an einem ort reicher denn am andern. Mathesius 155
b; viel erdulden, nichts nicht fechten, schaden leiden, doch nicht rechten. Logau 1, 65, 61.
wenn nichts
hier einen acc. ausdrückt. bei Ramler
und Lessing nichts verfechten. 77)
reflexiv: wenn sich der strom nach unsrer bude drängt, bei hellem tage, schon vor vieren mit stöszen sich bis an die kasse ficht und, wie in hungersnoth um brot an beckerthüren um ein billet sich fast die hälse bricht. Göthe 12, 10,
wo 'sich mit stöszen fechten'
ganz eigentlich an die faust gemahnt, doch auch als ein vorwärts rücken (
nach 3)
und freilich als ein durchfechten gedeutet werden mag. s. abfechten, anfechten, ausfechten, befechten, durchfechten, erfechten, nachfechten, spiegelfechten, verfechten, vorfechten.
die partikel hebt, wie sonst, den transitiven sinn.