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daemon

nhd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
8 in 8 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Dämon

Bd. 4, Sp. 442
Dämon (griech.), Bezeichnung für Mittelwesen zwischen Gottheit und Menschen, teils guter, teils böser Natur. Die religiöse Phantasie und Spekulation fast aller alten Völker war bemüht, die Stufenleiter von den niedrigsten Produkten der Erde bis herauf zum Menschen durch Annahme von Wesen zu ergänzen, die vom Menschen bis hinauf zur obersten Gottheit fortführten. So nahmen Ägypter, Inder, Chaldäer und Perser Dämonen in großer Zahl an; die Perser haben sogar die Dämonologie (Dämonenlehre) in ein förmliches System gebracht. Bei den Juden sind die ursprünglich schwachen Ansätze zum Dämonenglauben seit der Berührung mit fremden Völkern während des Exils zur vollsten Ausbildung gekommen. Die Geister wurden nun in gute und böse (s. Teufel) geschieden, beide in Klassen geteilt, mit Namen belegt und mit Ämtern betraut. Auf böse Dämonen führte man jede Krankheit, besonders Epilepsie und Geistesgestörtheit zurück. Dies die »unsaubern Geister« und »Besessenen« des Neuen Testaments. Noch vollständigere Ausbildung und eine erschöpfende Terminologie bildete der Gnostizismus und Kabbalismus aus, so daß es zuletzt keinen Teil der Natur und Lebensverhältnisse gab, über den man nicht Geister gesetzt hätte. Bei den Griechen bezeichnet im alten Sprachgebrauch D. die Gottheit überhaupt als waltende und auf den Menschen einwirkende Macht. Der D. ist es daher, der bald mit höherm Sinn erfüllt, bald mit Wahnsinn und Unheil schlägt, und alles hervorragende, unbegreifliche Tun wird dämonisch genannt, da es für Wirkung der Gottheit galt. Indes schon früh erscheinen die Dämonen als Mittelwesen zwischen Göttern und Menschen, teils als dienende Kräfte und begleitende Umgebung der einzelnen Kultgötter (wie die Satyrn und Silene des Dionysos), teils als den einzelnen Menschen zugesellte Geister, die diese von Geburt an begleiten. Der allgemeine Glaube war, daß von dem D. jedes einzelnen Gutes oder Böses komme, daß der D. des einen mächtig oder wohlwollend, der des andern schwach oder übelwollend sei; später nahmen manche auch zwei Dämonen für jeden einzelnen an, einen guten und einen bösen. Eine große Rolle spielt die Dämonologie in der neuplatonischen Philosophie, in der die Dämonen als Untergötter der Natur und allen Lebensbeziehungen vorstehen und zwischen den hilfsbedürftigen Menschen und der Gottheit vermitteln. Bei den Römern vertreten die Stelle der Dämonen die sogen. Genien (s. Genius); im Laufe der Zeit fanden bei ihnen nicht bloß die griechischen Ideen, sondern auch orientalische Aufnahme und Weiterbildung. Bei den Christen der ersten Jahrhunderte lebten nicht nur die alten heidnischen Götter als Dämonen noch lange fort, sie glaubten auch in Anlehnung an altjüdische Vorstellungen an zahlreiche auf die Menschen einwirkende, durch Menschen auch zu bannende Mittelmächte, die als gefallene Engel oder als deren Kinder von Töchtern der Menschen gedacht wurden. Alle diese Geister galten für böse und Gott wie Menschen feindlich; man hielt sie für die Urheber des Übels in der Natur (Erdbeben, Seuchen etc.) wie in der sittlichen Welt; ja, sie sind selbst die Urheber des ganzen Heidentums, wozu sie die Menschen verführt haben. – Auch bei fast allen übrigen Völkern finden wir in den verschiedenartigsten Ausprägungen den Glauben an gute und böse Geister. Der Glaube an Gespenster, Kobolde, Poltergeister, Nixen, Bergmännchen, Windgeister, Werwölfe u. a., auch der gesamte Hexenglaube etc, gehört mehr oder weniger hierher. Vgl. Ukert, Über Dämonen, Heroen und Genien (Leipz. 1850); Gerhard, Über Wesen, Verwandtschaft und Ursprung der Dämonen und Genien (Berl. 1852); O. Ribbeck, D. und Genius (Kiel 1868); Lehrs, Populäre Aufsätze (2. Aufl., Leipz. 1875); Hild, Étude sur les démons (Par. 1881).
3727 Zeichen · 39 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    dämonm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    dämon , m. genius. der griechische δαίμων bezeichnet einen bösen sowol als einen guten geist, einen schutzgeist: dem chr…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Dämon

    Goethe-Wörterbuch

    Dämon ΔΑΙΜΩΝ 3,95 -ai- GWB B10,33,2 Voigt 10.10.92 134 Belege, überwiegend in der Dichtung. Der in der dt Literatur erst…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Dämon

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Dämon (griech.), Bezeichnung für Mittelwesen zwischen Gottheit und Menschen, teils guter, teils böser Natur. Die religiö…

  4. Sprichwörter
    Dämon

    Wander (Sprichwörter)

    Dämon Nicht jeder Dämon geht in die Glasflasche. – Burckhardt, 617. Es gelingt uns nicht, jeden zu bestimmen, zur Erreic…

  5. Latein
    daemonm.

    Mittellateinisches Wb.

    daemon (de-, doe-) , -onis m. (f.: MLW l. 46) ( δαίμων ) MLW script. : daim-: MLW l. 39 . dom-: Vita Emm . 7 (var. MLW l…

  6. Spezial
    Dämon

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Dä|mon m. (-s,-en) 1 (Teufel) demon (-s) m. , malan (-s) m. , diau m. 2 ‹fig› (böser Geist, Böses im Menschen) malan (-s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit daemon

100 Bildungen · 82 Erstglied · 17 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von daemon 2 Komponenten

dae+mon

daemon setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

daemon‑ als Erstglied (30 von 82)

daemonaticus

MLW

daemonaticus v. MLW daemoniaticus . Lawo/Gansweidt

Dämonchen

GWB

daemon·chen

Dämonchen für einen der ‘kleinen Dämonen’, stummen Gehilfen des ‘Dämons der Unterdrückung’ GWB 16,358 Epimen Regiebem vor 493 vgl Teufelchen…

Dämonelix

Meyers

Dämonelix ( Teufelsschraube, Teufelspfropfenzieher ), ein Gebilde in den Badlands von Nebraska und Dakota, ähnelt einem großen, senkrecht in…

DÄMONEN

DWB2

DÄMONEN-. die kompositionen sind zum gen. pl. gebildet. einige bildungen wie dämonenbild, -fratze, die ihrer bedeutung nach eigentlich den g…

dämonenerfüllt

DWB2

dämonenerfüllt , dämonerfüllt adj. : 1930 Wolfskehl ges. w. 2,279 R./B.

DÄMONENHAFT

DWB2

daemonen·haft

DWB2 DÄMONENHAFT adj. DWB2 vereinzelt auch fugenlos dämonhaft. zu dämon B 1 , nach art der dämonen: DWB2 1873 da stockt ihm der athem vor lu…

daemon als Zweitglied (17 von 17)

AGATHODÄMON

DWB2

DWB2 AGATHODÄMON m. DWB2 guter geist, wohltätiger genius ( grch. ἀγαϑοδαίμων, lat. agathodaemon): DWB2 1716 agathodæmon, bonus genius, ist b…

Archädämon

GWB

archa·daemon

Archädämon wohl Namenbildung G-s für die männl Maske 1) der ‘Alten Zeit’ in ‘Alte und Neue Zeit’, mit dem weibl Pendant ‘Känodämonia’; dafür…

cacodaemon

MLW

cacodaemon (kako-, -cad-, -dem-) , -onis m. ( κακοδαίμων ) spiritus malus — böser Geist : MLW Heinr. August. planct. 171 nil creat eudemon v…

*calodaemon

MLW

calo·daemon

* calodaemon (ka-, -dem-) , -onis m. ( καλός et δαίμων , cf. κακοδαίμων) genius bonus — guter Geist : MLW Gunth. Par. (?) orat. 1,3 p. 108 C…

eudaemon

MLW

eudaemon (-dem-) , -onis m. ( εὐδαίμων ) spiritus bonus — guter Geist : v. vol. II. p. 12,12. Weber

EVDAEMON

Hederich

EVDAEMON , ŏnis, Gr . Ἐυδαίμων, ονος, ( Tab. XVIII .) einer von des Aegyptus funfzig Söhnen, welchen dessen Braut, Erade, die erste Hochzeit…

fluchdämon

DWB

fluch·daemon

fluchdämon , m. verwünschter geist. über Moses leichnam stritten selige mit fluchdämonen. Göthe 4, 374 .

Lacedämon

GWB

lac·e·daemon

Lacedämon Bezeichnung für den antiken Stadtstaat Sparta (nach dem gleichnamigen mythologischen Stammvater der Spartaner) GWB 15 2 ,227 Faust…

POLYDAEMON

Hederich

poly·daemon

POLYDAEMON , ŏnis , ein Nachkömmling der Semiramis, der sich mit unter des Phineus Haufen befand, von dem Perseus aber mit nieder gemacht wu…

qualdämon

DWB

qual·daemon

qualdämon , m. peinigender dämon, vgl. DWB quälgeist : oft aber wird, aus höllendunst gezeugt, mit seinen legionen von ungestalten qual-dämo…

sturmdämon

DWB

sturm·daemon

sturmdämon , m. , mythologische verkörperung des sturmwindes: die vorstellung eines reitenden sturmdämons und seelenführers Helm altgerm. re…

urdämon

DWB

urdämon Göthe gespr. 2, 293 B.; Droysen Äschylus 192 . —

würg(e)dämon

DWB

wuerge·daemon

-dämon , m. , dämon, der erdrosselt, tötet; auch auszerhalb der zss.: du trägst einen würgenden dämon im busen Klinger w. (1809) 1, 24 : jet…

zauberdämon

DWB

zauber·daemon

-dämon , m. , übernatürliches wesen: Wundt elem. d. völkerps. 497 ; frei: Tieck schr. 8, 71 . —

Ableitungen von daemon (1 von 1)

urdämon

DWB

urdämon Göthe gespr. 2, 293 B.; Droysen Äschylus 192 . —