Bibel Rund 100 Belege, gegenüber einer Fülle von Reflexen der bibl Texte (bei G immer die Apokryphen einschließend) im literar Werk, in Br, Tgb u Gespr1). —
In den 70er Jahren (bes BriefPastors u Zwo biblFragen) bzw in DuW vor allem Dokumentation der Auseinandersetzung mit den durch die aufkommende Bibelkritik hervorgerufenen zeitgenöss Kontroversen u Darstellung des eigenen Standorts: der gleichzeitigen Anerkennung der hist-krit Forschung u der vom Pietismus propagierten gefühlsmäßigen Aneignung u individuellen Anwendung, aber Ablehnung sowohl einer extrem rationalist Behandlung (wie im Deismus) als auch naiver Bibelgläubigkeit; in der autobiogr Retrospektive außerdem Begründung dieser (generell vom Protestantismus geprägten) Einstellung insbes mit einer schon frühen emotionalen Bindung u der Wirkung der Bibel auf seine dichterische u sprachl Phantasie, ferner mit seiner Auffassung vom bes Charakter schriftl Überlieferung u dem damit gegebenen hermeneut Problem; die hier nur angedeutete Leugnung eines nur der Bibel eigenen bes Offenbarungscharakters bereits im Br an Lavater u Pfenninger 26.4.74 u an Lavater 9.8.82 (hier unter Verwendung der Ausdrücke ‘Wort Gottes’ u ‘Evangelium’), wo G im Sinne des Genie- u Humanitätsglaubens auch bedeutenden profanen Texten Inspiriertheit zuspricht u die Autoren der bibl Bücher für grundsätzl ebenso fehlbar wie andre erklärt. Der poetische Aspekt u der Einfluß Herders u Eichhorns explizit unter diesem Stichwort nur vereinzelt (vgl hierzu: hebräisch). — Beim älteren G neue Thematisierung unter wirkungsgeschichtl u kulturpolit Perspektive, wobei G gegenüber seiner früheren unterschiedl Wertung von AT u NT in Zwo biblFragen (AT als national u geschichtl beschränkt, NT von universeller Bedeutung) beiden Teilen zusammen umfassenden Symbolwert zuerkennt. In DivNot im Aufs Israel iWüste Wiederanknüpfung an seine früheren krit Bibelstudien. Zum Vergl zw Bibel u Koran in Div s bibelfest 1
das heilige Buch der Christen; als geoffenbartes Wort Gottes selten u nur in der Wiedergabe andrer (zeitgenöss, hist) Positionen, von G überwiegend als geschichtl bedingter Text (bzw Sammlung von Texten) von außerordentl Bedeutung u Originalität gewertet, dabei oft implizit in ihrer realen Geltung als heilige Schrift (bes in hist, berichtenden Texten) a
als in seiner rel Qualität, seinem absoluten Wahrheits- u Geltungsanspruch, seiner Auslegung u Anwendung umstrittenes Buch, meist iZshg der weltanschaul, theol u konfessionellen Kontroversen der Aufklärung u des Pietismus; die Befürwortung der gefühlsmäßigen Beziehung u individuellen Anwendung sowohl in den 70er Jahren (hier polem gegen die orthodoxe Kirche) wie auch in späteren Äußerungen; in den Frühbelegen nur rollensprachl Man hatte .. bisher auf Treu’ und Glauben angenommen, daß dieses Buch der Bücher in Einem Geiste verfaßt, ja daß es von dem göttlichen Geiste eingehaucht und gleichsam dictirt sei. Doch .. Engländer, Franzosen, Deutsche hatten die B. mit mehr oder weniger Heftigkeit, Scharfsinn .. angegriffen .. Ich .. hatte sie lieb und werth: denn fast ihr allein war ich meine sittliche Bildung schuldig, und die Begebenheiten, die Lehren, die Symbole, die Gleichnisse, alles hatte sich tief bei mir eingedrückt .. Mir mißfielen daher die ungerechten .. Angriffe GWB27,96,23 DuW 7 Die B. als ein zusammengetragenes, nach und nach entstandenes, zu verschiedenen Zeiten überarbeitetes Werk anzusehn, schmeichelte meinem kleinen Dünkel, indem diese Vorstellungsart noch keineswegs herrschend war GWB28,100,8 DuW 12 [
Haman:] Wir haben endlich erfunden Klug | Die B. sey ein schlechtes Buch. | Und sey im Grund nicht mehr daran | Als an den Kindern Heyemann
2) AAJw1,208 JahrmPlund
1 167 [
iZshg der Auseinandersetzung mit dem Deismus] Ich weiß nicht, ob man die Göttlichkeit der B. einem beweisen kann der sie nicht fühlt, wenigstens halte ich es für unnöthig GWB37,160,28 BriefPastors die Augsburgische Confession .. eine Formel .. die .. nöthig ist etwas fest zu setzen, das mich aber nur äußerlich verbindet, und mir übrigens meine B. läßt GWB37,163,6 ebd laßt Eure Gemeine ja die B. lesen .. wenn sie sie gleich nicht verstehen, das thut nichts .. wenn Eure Leute Respect für der B. haben, so habt Ihr viel gewonnen. Doch bitte ich Euch nichts vorzubringen, was ihr nicht jedem an seinem Herzen beweisen könnt, und wenn’s hundertmal geschrieben stünde GWB37,171,12u15 ebd Ich bin überzeugt, daß die B. immer schöner wird, je mehr man sie versteht,
d. h. je mehr man einsieht und anschaut, daß jedes Wort, das wir allgemein auffassen und im Besondern auf uns anwenden, nach gewissen Umständen .. einen .. unmittelbar individuellen Bezug gehabt hat GWB42
2,192,14 MuR(672) AAJw3,133,4 FGA Lavater GWBN3,172,11 FlH IV
uö in G-s eigenen bibelkrit Arbeiten bzw in hermeneut, an die topische Antithese ‘Geist und Buchstabe’ (sd) anknüpfenden Überlegungen; krit gegenüber in diesem Sinne undifferenzierten Auffassungen (betr bes Lavater) Zur Zeit da ich [
der ‘Landgeistliche in Schwaben’] studirte, erklärte man die B. zu universal, die ganze Welt sollte an jedem Spruche Theil haben .. mein Magister [
sein Sohn] .. ich sah ihn mit der entgegengesetzten Thorheit behaftet, alle .. seinem System widrige Stellen zu Localkleinigkeiten zu drechseln .. Ich glaube die Mittelstraße getroffen zu haben
3) GWB37,179,20 Zwo biblFragen Das Innere, Eigentliche einer Schrift .. zu erforschen, sei daher [
nach G-s Überzeugung] eines jeden Sache, und dabei vor allen Dingen zu erwägen, wie sie sich zu unserm eignen Innern verhalte .. alles Äußere [
Sprache, Schrift usw] hingegen .. habe man der Kritik zu überlassen .. Durch diesen Begriff ward mir denn die B. erst recht zugänglich. Ich hatte sie, wie bei dem Religionsunterricht der Protestanten geschieht, mehrmals durchlaufen .. als ein Ganzes wollte sie mir zwar niemals recht entgegentreten, aber .. ich .. hatte überhaupt zu viel Gemüth an dieses Buch verwandt, als daß ich es jemals wieder hätte entbehren sollen. Eben von dieser gemüthlichen Seite war ich gegen alle Spöttereien geschützt .. Jede Art von redlicher Forschung dagegen sagte mir höchlich zu GWB28,102,18 DuW 12 einem solchen Mangel von eindringendem Studium muß man zuschreiben, daß er [
Lavater] sich an den Buchstaben der B., ja der Bibelübersetzung hielt GWB28,262,7 DuW 14 [
G will beweisen, daß der Zug Israels durch die Wüste höchstens 2 Jahre gedauert haben kann] einer Meinung .. die wenn man will durch den Buchstaben jener Schriften überflüssig zu widerlegen ist. Was steht wohl öfters in der B., als daß die Kinder Israel in der Wüsten 40 Jahre zugebracht haben? Aber eben dieser Buchstabe ists, den ich sowohl aus dem Sinne jener Begebenheiten als aus dem Buchstaben, der uns dieselben überliefert, zu überlegen [widerlegen
Konj Div, ed Weitz2,
313] denke GWB7,329,11 DivNot Plp GWB28,273,27 DuW 14
uö als konfessionell-polit Instrument [
Soest:] Neulich hört’ ich einen [
der ‘neuen Prediger’] .. Der .. sagte, wie sie uns bisher hätten bei der Nase herumgeführt, uns in der Dummheit erhalten, und wie wir mehr Erleuchtung haben könnten. — Und das bewies er euch alles aus der B. GWB8,181,3 Egm I Die edlen Sachsen .. Sie lagen nur im halben Schlaf, | Als Luther die B. verdeutscht so brav. | .. Freiheit erwacht in jeder Brust, | Wir protestiren alle mit Lust GWB5
1,135 ZXen IX 729 GWBB27,237,12 Zelter 14.11.16 [Beilage] Gespr Eckerm 11.3.32 b
als geistige Autorität des Abendlandes, vor allem im Hinblick auf ihre traditionsstiftende Rolle als Fundament der Bildung4), mehrf neben ähnl wirksamen Schriften bes der griech Antike, aber auch in ihrer Einzigartigkeit hervorgehoben (Universalität; welt- u völkergeschichtl, rel u eth Dimension); vereinzelt in relativierenden Äußerungen, nur in Gespr u Fremdtext Soll .. für uns ein Faden aus der alten Welt in die neue herüberreichen, so müssen wir dreier Hauptmassen gedenken, welche die größte, entschiedenste, ja oft eine ausschließende Wirkung hervorgebracht haben, der B., der Werke Plato’s und Aristoteles. Jene große Verehrung, welche der B. von vielen Völkern und Geschlechtern .. gewidmet worden, verdankt sie ihrem innern Werth. Sie ist nicht etwa nur ein Volksbuch, sondern das Buch der Völker, weil sie die Schicksale eines Volks zum Symbol aller übrigen aufstellt, die Geschichte desselben an die Entstehung der Welt anknüpft und .. bis in die .. Regionen der .. Ewigkeiten hinausführt GWBN3,138,23f FlH III Überliefertes Eben so wenig [
wie die antike] können wir die Bildung verläugnen, die wir von der B. hergenommen haben, einer Sammlung bedeutender Documente, welche bis auf die letzten Tage einen lebendigen Einfluß hat, ob sie uns gleich so fern liegt und so fremd ist als irgend ein anderes Alterthum. Daß wir sie näher fühlen, kommt daher, weil sie auf Glauben und höchste Sittlichkeit wirkt, da andere Literaturen nur auf Geschmack und mittlere Menschlichkeit hinleiten GWB41
1,137,24 KlassRomantItal Deßhalb ist die B. ein ewig wirksames Buch, weil, so lange die Welt steht, niemand auftreten und sagen wird: Ich begreife es im Ganzen und verstehe es im Einzelnen. Wir aber sagen bescheiden: Im Ganzen ist es ehrwürdig und im Einzelnen anwendbar GWB42
2,154,20 MuR(335) [
zum Entw der Kantate zum Reformationsjubiläum] Setzt man .. anstatt jener zwey Worte [
‘Gesetz’ u ‘Evangelium’, für AT u NT] die Ausdrücke Nothwendigkeit und Freyheit .. so siehst du .. daß in diesem Kreise alles enthalten ist, was den Menschen interessiren kann .. überzeugt man sich, wie das Luthertum .. der reinen Vernunft aber nicht widerstrebt, sobald diese sich entschließt, die B. als Weltspiegel zu betrachten GWBB27,234,20 Zelter 14.11.16 [Beilage] Die Bewegung der Erde um die Sonne .. die größte .. Entdeckung, die je der Mensch gemacht hat, in meinen Augen wichtiger als die ganze B. Gespr Kanzl Müller 27.2.31 GWB27,96,6 DuW 7 Gespr(He2,586) Falk 10.11.10 GWB46,90,28 Winckelm [FAWolf]
uö als Instrument der Erziehung im engeren Sinn (bes im Hinblick auf den älteren Protestantismus) bzw als Grundlage u Vorbild zu einem umfassenden ‘Volksbuch’, in programmat Äußerungen; auch als Instanz, Fundus für Lebensweisheiten uä, einmal konkr als obligater Bestandteil einer Bibliothek Er [
Klopstock], an der B. erzogen und durch ihre Kraft genährt, lebt nun [
bei der Abfassung des ‘Messias’] mit Erzvätern, Propheten und Vorläufern als Gegenwärtigen GWB27,297,4 DuW 10 [
die Mutter] drang nur darauf, daß auch die B. [
neben den Romanen] eben so fleißig gelesen wurde GWB22,262,20 Lj VI Schöne Seele daß man einen trefflichen Menschen tüchtig heraufbilden könnte [
nur unter Verwendung der sog Chroniken] .. Wie vielmehr muß also die B. zu diesem Zwecke genügen, da sie das Musterbuch zu jenen erstgenannten gewesen, da das Volk, als dessen Chronik sie sich darstellt, auf die Weltbegebenheiten so großen Einfluß ausgeübt hat und noch ausübt .. was den Inhalt betrifft, so wäre nur wenig hinzuzufügen, um ihn bis auf den heutigen Tag durchaus vollständig zu machen .. so verdiente dieses Werk .. wieder in seinen alten Rang einzutreten, nicht nur als allgemeines Buch, sondern auch als allgemeine Bibliothek der Völker zu gelten GWBN3,139,13 FlH III Überliefertes Ein Volcksbuch zu verfassen gehört ein großer Vorrath. Manigfaltig bedeutendes das früher geachtet .. dann fortgepflanzt, endlich gesammelt .. redigirt .. worden .. .. Die höchste Form einer solchen Samml finden wir in der B. GWB42
2,421,29 Schema Volksb histInh Plp eine .. ausgesuchte Bibliothek .. enthaltend eine B. in Folio, Gottfrieds Chronik, zwei Bände Theatrum Europaeum [
usw] .. und noch einige minder wichtige Bücher GWB23,226,20 Lj VIII 6 GWB42
2,426,26 Plp GWB26,229,28 DuW 4 GWB7,122,13 DivNot BuchOrakel
uö als Fundus für dramat u bildnerische Stoffe; auch metonym in der traditionellen Bezeichnung ‘Raffaels B.’ für die bibl Darstellungen in den Loggien des Vatikan [
Wilh üb die Helden seiner Jugenddramen:] daß ich mir sie aus der B. aufsuchte. — [
Werner:] Aus der B.! .. das hätte ich mir am wenigsten erwartet. — Und doch, sagte Wilhelm, ist es ganz natürlich. Die erste Geschichte, die unsere jugendliche Aufmerksamkeit reizt .. erzählt uns von jenen heiligen Männern .. Wir hören von ihnen gleichsam als von unseren eigenen Stammvätern sprechen GWB51,138,11 ThS II 4 Ferner wählte man, in der Absicht sich näher an Kunst und Geist der ältern Schulen .. anzuschließen, für neu zu erzeugende Werke die Gegenstände schon häufiger aus der B. GWB49
1,32,5 Neudt relig-patriot Kunst [Meyer/G] GWBB46,198,10 Zelter [31.12].29 GWBB17,105,12 RLanger 24.3.04 = GWBB17,106,6
uö(selten) c
unter literaturgeschichtl Aspekt; bes mBez auf das AT als Sammlung hebräischer Poesie Da wir von orientalischer Poesie sprechen, so wird nothwendig, der B., als der ältesten Sammlung, zu gedenken. Ein großer Theil des alten Testaments ist .. enthusiastisch geschrieben und gehört dem Felde der Dichtkunst
an. Erinnern wir uns nun lebhaft jener Zeit wo Herder und Eichhorn uns hierüber persönlich aufklärten, so gedenken wir eines hohen Genusses GWB7,7,7 DivNot Hebräer GWB29,141,22 DuW 19
uö 2
metaphor: Glaubenslehrbuch, Sittenkodex; einmal pejor in Gespr Die .. Dame, welche meine Farbenlehre wie eine Art B. behandelt GWBB45,273,20 Zelter 17.5.29 so sehen wir in kindlicher Zeit in Gesetzbuch und Heilsordnung, in B. und Fibel sich Wort und Bild immerfort balanciren GWB42
2,130,12 MuR(188) Gespr(He1,554) Böttiger 86/94
zugl im Hinblick auf den von G betonten Symbolcharakter der Bibel (vgl 1 b) man dürfte es die B. der Bedienten und Handwerksbursche nennen, denn es ist in den untern Ständen wohl niemand, der sein Schicksal nicht hie und da abgespiegelt fände GWB42
1,89,24 Einl:Dt GilBlas [1822] ~ GWB41
1,257,1
→ GWB
Foliobibel GWB
Hausbibel GWB
Kupferbibel GWB
Liederbibel GWB
Welt- vgl GWB
Buch (B. der, aller Bücher; die heiligen Bücher) GWB
Evangelium Schrift (die S.; die heilige S.; die heiligen, biblischen S-en; die Sammlung S-en) Testament(Altes, Neues T.) Wort(W. Gottes) 1) zu einem Überblick üb die Wirkung der Bibel auf G-s dichterisches Schaffen, seine zahlreichen Bibelzitate sowie üb seine Beschäftigung mit der Bibel u der zeitgenöss Bibelwiss im Lauf seines Lebens vgl GHb2 u GJantzer, G u die Bibel, 1929 2) Im Erstdruck von 1774 “war statt der Verse 164—173 eine Lücke gelassen, vermutlich auf Anweisung der Zensur hin.” (DjG33,451) 3) vgl Auslegung Anm 1 4) vgl JDolch, Lehrplan des Abendlandes, 31971, bes S74f, 100, 194f, 204fRose Unterberger R. U.