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beschlagen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

beschlagen

Bd. 1, Sp. 1572
beschlagen , bei Maaler 60d noch beschlahen, ahd. pislahan, mhd. beslân, nnl. beslaan, ags. beslean, schw. besl, n. beslaae, nach dem deutschen. 11) beschlagen, behauen, verberare, percutere. so ahd. pislahan (Graff 6, 769), ags. beslean, occidere, heáfde beslagen decollatus; mit der ruthe beschlagen, hauen; als wenn ein zimmermann einen baum abhauet und beschlehet (behaut). weish. Sal. 13, 11; der forstmann nennt beschlagen das viereckig hauen eines baumstamms. 22) weidmännisch, der hirsch beschlägt die hinde, das thier, der rehbock die rieke. Döbel 1, 2b. 18a. 25b. 26a, thut seinen beschlag; das thier ist beschlagen, trächtig, hat empfangen, geht hochbeschlagen. auch die wilde sau wird beschlagen. 33) der wind beschlägt (schlägt an) die fenster (verberat fenestras); die luft beschlägt das gesicht (streicht an das gesicht); mhd. swaʒ die lüfte hânt beslagen (bestrichen). Parz. 252, 5; der regen beschlägt das haus; die wellen beschlagen das ufer, das gestade, schlagen an; nun seind zweierlei Scythia, eins im aufgang, an der ein seiten mit dem mör beschlagen. Frank weltb. 92a; der anker beschlägt den grund des meers, schlägt ein: mhd. sîn lant mîn anker hât beslagen. Parz. 99, 14. 44) das pferd beschlagen, equo soleas induere: do koufe den hengst, dort beslach das pfert. nambuch 126; mer schaffe zuo geschehen, das dir dein pferd wol werd versehen, das dich ein ganzen tag muosz tragen, und das nach forteil sei beschlagen. Wickrams bilger 27; da es aber so vil reitens hat wöllen haben, das man im das röslin dazu hat müssen beschlagen. lustig gesprech der teufel vom herz. von Braunschw. 1542 b 1a; und silber sei das schlechteste metall, um seiner pferde hufe zu beschlagen. Schiller 664b. Fischart unter den spielen no 21 nennt: eselin beschlagen. 55) das horn, den becher, den schild, helm, stab, die stange beschlagen: mhd. vil schilde si besluogen und manigen helm guot. Gudr. 752, 2; kiule wol beslagen. Er. 2349; stange, mit îsirne beslagen. Athis A*, 166; nhd. Saturn (läszt ihm) das siegelheft mit golde ganz beschlagen. Opitz 1, 55; messenbeschlagen (messingbeschlagner) bilgerstock. Garg. 237b; die bücherdecke, den pfeifenkopf mit silber, die kiste mit nägeln. 66) die thür mit eisen, das fasz mit reifen beschlagen: mhd. diu vaʒ wol bedaht und wol beslagen. Barl. 47, 5. 77) gewand und kleider mit gold beschlagen, belegen, besetzen: pfellil unde samît beslagen mit rîchem golde. pass. K. 193, 31. 88) beschlagen, hemmen, aufhalten, mit einem strick, einem haft festbinden, strick darum schlagen: wagen beschlagen, anhalten, beschlag darauf legen, mit beschlag belegen; verbotene waare, die, sobald sie entdeckt wird, beschlagen werden musz. Kant 2, 7; er beschlug die contrebande. Hippel 1, 218; Schütz, damals ganz von der literaturzeitung beschlagen, betrieb seine vorlesungen wie ein nebengeschäft. Arndts leben 73; beschlagene güter, in beschlag genommene. vgl. mhd. mit des tôdes lâge beslagen. klage 421. 99) wand, gerüste mit tuch beschlagen, ausschlagen: zur hochzeit oder trauer mit rothem, schwarzem tuch beschlagen; ein solches exempel (wenn der thronerbe trauer anlegt) beschlägt auf einmal den ganzen hofstaat, sogar vieh, pauken, kanzeln schwarz. J. Paul Tit. 2, 80; die wand mit tapeten, bretern beschlagen; den koffer mit leder. 1010) die decke, das bett beschlagen, beschreiten, mettre son pied au lit. bei feierlichen hochzeiten wurden braut und bräutigam in das schlafgemach gebracht, entkleidet und musten das bett besteigen, worauf das zimmer verschlossen und andern tags wieder aufgeschlossen wurde. das hiesz das brautbett beschlagen, das brautpaar mit der decke beschlagen, in die decke schlagen: es ist ein feiner brauch, dasz man junge leut nicht allein in der kirchen copulieret, sondern auch auf den abend zusammenlegt und mit der brautdecken beschlegt, darbei dann eine christliche sermon gehalten und das gebet gesprochen wird. Creidius 1, 190. 1111) beschlagen, bewerfen, beschütten: schatzkammer wol vermauert, auswendig mit leimen beschlagen. Felsenb. 1, 191; legeʒ (das gericht) zu dem viure und beslaheʒ eins mit eiern und eins mit smalze (schlag daran eier und schmalz) mit zwein swammen, also lange biʒ daʒ eʒ singe und rot werde. von guter spise 27; stecke sie an einen spiʒ, brât sie wol, und beslahe sie mit eiern und mit krute. 45; daʒ sie sô gewâre (vorsichtig) ûʒ dem kopfe getrunken hât, daʒ sie diu ougen noch die wât mit dem clarête besluoc. krone 1475. 1212) beschlagen, umgeben, umfangen, umziehen von jägern, die das wild mit netzen, von feinden, die mit dem lager umschlieszen: beschluog die statt mit einem gewaltigen hörleger (schlug ein heerlager um die stadt). Frank chron. 211b, vgl. befangen. mhd. ich wil iu von dem hûse sagen, dâ er inne was beslagen. Iw. 1136, wo er zwischen zwei thüren eingeschlossen, gefangen lag; mit dem netze er sie besluoc dâ ze hant beide. En. 5611, schlug das netz über sie, um sie herum, schlug es zu. der wildenære sich des underwant, ein netze er truoc, und swaʒ er vant, den raben und ander vogel er dâ besluoc. MSH. 3, 170; er stelt ein garn, und fieng der kranchen, von den antvögeln auch gar manchen, mit den ward auch ein storch beschlagen. Waldis Es. 1, 60. man sagte auch, fische mit dem netz beschlagen, fangen: sie fisch beschlugen ohne masz. Ringwald evang. D 8a. ähnlich ist das mit klauen beschlagen, packen, die klauen einschlagen: ein groszer alter adelar schosz bald hinab, in einem flug mit klawen hart das füchslin bschlug. Waldis Esop 1, 59. es heiszt auch den dieb beschlagen, fangen, ertappen. 1313) beschlagen, stopfen, füllen, schon ahd. pislahan, oppilare os, das maul stopfen; die betler bringen in gnuog uberigs auf, das sie das maul beschlagen und gelts ubrigs samlen. Frank sprichw. 2, 76a; dasz der mensch nicht leben könne ohne essen und trinken, aber dasz sich die natur mit einem schlechteren beschlagen (sättigen, befriedigen) lasse. Albertinus de conviviis 1598 f. 1. 1414) beschlagen, inficere, beflecken, anstecken, an etwas schlagen: sô daʒ ors ie blenker ist, sô eʒ ie lîhter sich besleht. krone 2055; eins ritters tochter, die mit unsauberkeit des aussatz was beschlagen. Albr. von Eybe 52a; ahd. pislahan mit unhreini, colluvie; das mus ist beschlagen, situ corruptum est. Stieler 1820; der pferdeprudel, der nunmehr, schlimmer als der speisedampf von mönchischer anrichte anhaltend die wände beschlug. Göthe 39, 108; aus den sehr bekannten drüsen die begehrten tropfen zu erpressen und sich diebisch mit diesem fensterschweisz zu beschlagen. J. Paul flegelj. 1, 9; die wände, die fensterscheiben beschlagen sich. nahe rührend an 3 und 11. 1515) abstract, beschlagen, überschlagen, berechnen: nu bitt ich e. f. gn. wollt mein bedenken beslahen. Luthers br. 1, 207; Philippus sprach, wenn ichs beschlag und aufs gewiste rechen. Ringwald evang. M 4a; mein geist ist nicht weit von inen gewesen, da sie den klugen rat beschlugen, warumb sie nicht grund zeigen wolten. Luther 1, 547b. 1616) beschlagen, decipere, überlisten, bestricken, bezahlen, nach 8 oder 12: es ist nicht noch aller tag abend, es wird sich noch in kurzem schicken, das ihr auch mit uns werd zu thun bekommen, so wöllen wir euch mit gleicher münz beschlagen, und da gedenkt dran. Garg. 198a; und sie hielten dafür, dasz Belial Jesum gewaltig wol beschlagen hett. Ayrer proc. 1, 14; dann sie war streflich klug und konte mich auf meine erfindungen gar höflich beschlagen. Simpl. 1, 335; beschlug ich ihn auf den schlag, wie mich Baldanders beschlagen. 1, 600; dasz man von seiner eigenen klugheit etwas hinzu thue und so die fremde weisheit mit eigener vernunft beschlage. Tieck 9, 124, was auch heiszen könnte, verbräme, besetze, einfasse. 1717) beschlagen, occupare, einnehmen, vielleicht wie bei sinnlicher besitzergreifung durch bekleiden oder einschlagen: darum ists wol billich, dasz er das dritte glid unter den achten dises ersten stammens beschlage. bienenk. 207b; war er dan nit heilig genug, den funften sprossen in disem edeln stammen zu beschlagen? 219b. man kann auch erklären, in beschlag nehmen, nach 8. 1818) beschlagen sein, in oder mit etwas (nach 4 oder 5), erfahren, ausgerüstet, ausgestattet: er ist in den rechten wol beschlagen; und sind darinnen so beschlagen. Günther 170; männer mit geübten fäusten und hier (auf die brust deutend) wol beschlagen. Göthe 8, 118. 42, 153. 191. triplex aes circa pectus; der kerl ist hinten und vorn beschlagen, schlau, dasz man ihm nicht beikommt; doch euer meister, das ist ein beschlagner, wer kennt ihn nicht den edlen doctor Wagner? 41, 95; da müszt ihr in eurem berufe gut beschlagen sein. Tieck 5, 73. mhd. herze daʒ mit untugenden ist beslagen. Winsbekin 39, 5, kann auch sein beworfen, befleckt, nach 11 oder 14; wer mit der thorenwelt beschlagen, mag wol auch mit ihr schellen tragen. Simpl. 1, 212; thoren, die mit einbilderei beschlagen. 1, 273. 1919) intransitivbedeutungen sind selten. ahd. hiesz es sunnâ pisluoc, wie sonst pifial, die sonne gieng unter (mythol. 700), gleichsam sie schlug nieder, fiel nieder, sank, vgl. mhd. des âbendes dô sich undersluoc diu sunne mit ir glaste. pass. H. 267, 51. noch heute aber sagen wir, entsprechend der transitivbedeutung 14, beschlagen vom ansetzen des staubes, duftes, frostes: die wand beschlägt, bei thauwetter; der flusz, bach beschlägt schon, setzt dünnes eis an; das brot beschlägt, setzt schimmel an; darumb beschlegt es auch beides (kupfer und eisen) gern, wenn es zumal feucht ligt oder begossen wird. Mathesius 75a; nur schade, dasz alles bald wieder beschlagen und vermodern musz. Göthe 43, 96. vgl. intransitives abschlagen, anschlagen, aufschlagen, ausschlagen, durchschlagen, umschlagen.
9776 Zeichen · 165 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Beschlagen

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    Beschlagen , verb. irreg. (S. Adelung Schlagen ,) welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Activum, mehrmahls…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    beschlagen

    Goethe-Wörterbuch

    beschlagen 1 ‘etw mit etw b.’: etw auf etw befestigen, anbringen; auch ellipt; überwiegend im Zustandsperf a etw mit Met…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Beschlagen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Beschlagen , in waidmänn. Sprache die Begattung der Hirsche, Rehe und Wildschweine.

  4. modern
    Dialekt
    beschlagen

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

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  5. Sprichwörter
    Beschlagen

    Wander (Sprichwörter)

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  6. Spezial
    beschlagen2

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit beschlagen

3 Bildungen · 1 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von beschlagen

be- + schlagen

beschlagen leitet sich vom Lemma schlagen ab mit Präfix be-.

beschlagen‑ als Erstglied (1 von 1)

beschlagenheit

DWB

beschlagen·heit

beschlagenheit , f. exiguitas, beschränktheit: ich wil vielmehr eines andern naturkündigers urtheil hierüber hören, als aus beschlagenheit m…

beschlagen als Zweitglied (1 von 1)

unbeschlagen

DWB

unbe·schlagen

unbeschlagen , part.-adj. , nicht beschlagen, in der weiten bedeutung des verb. mhd. unbeslagen; mnd. unbeslagen ungelöscht v. kalk (?) Lübb…

Ableitungen von beschlagen (1 von 1)

unbeschlagen

DWB

unbeschlagen , part.-adj. , nicht beschlagen, in der weiten bedeutung des verb. mhd. unbeslagen; mnd. unbeslagen ungelöscht v. kalk (?) Lübb…