begehren ,
cupere, petere, stärker als bitten,
schwächer als verlangen
und fordern.
ahd. nicht vorhanden, mhd. noch selten und der späteren zeit eigen (Ben. 1, 534
a),
nnl. begeeren. 11)
mit gen. der sache: wenn ich die heiden fur dir ausstoszen und deine grenze weitern werde, sol niemand deines landes begeren.
2 Mos. 34, 24; die bilde irer götter soltu mit fewr verbrennen und solt nicht begeren des silbers oder goldes das dran ist.
5 Mos. 7, 25; ich begere keines lebens mehr.
Hiob 9, 21; gleichwie ein lewe, der des raubs begert.
ps. 17, 12; sihe ich begere deiner befelhe. 119, 40; der engel des bunds, des ir begeret.
Mal. 3, 1; du weist herr, das ich keines mannes begert habe.
Tob. 3, 17; wer ein weib ansihet ir zu begeren.
Matth. 5, 28; sihe der satanas hat ewer begeret.
Luc. 22, 31; ich begere deines lebens. Luther 3, 18
b; wer des todes begert. 3, 20
b; wer aber gott fürchtet, der begert seiner gnaden. 3, 21
b; ich habe ewer schrift empfangen mit den zwo questen oder fragen, darin ir meines berichts begert. 5, 140
a; Elsli, ich beger din zu der ee.
fastn. sp. 889, 12; ob du min begerst. 889, 16; rechts, des ich umb mein sun beger. Schwarzenb. 117, 2; der witwe sun, die rechts begert.
das.; gewalts und richtens ich beger. 135, 2; und als er wider zu der schlacht kam, so begegnet ihm ein könig, derselbige begeret des Florenzen, aber zu seinem schaden.
buch der liebe 26
b; Marcellus zog aus seinem lager und begerte des streites. Rihel
Liv. 312; des tranks begehren. Spee
g. tugendb. 222; ein sondres lob ist disz, dasz einer lobenswerth, auf bloszes lob nicht siht, und lobens nicht begehrt. Logau 3, 3, 33; eines mannes herz darf sich auf sie verlassen, wann gleich etwan ein näscher bei nacht ihr begehren solte. Schuppius 531; der teufel musz ein fauler bernhäuter sein, dann ir begehrt sein des tages so oft, dasz er euch holen soll. 163; die sitte dieser welt, einfältig fromm, begehrt des auszenscheines nicht. Gotter 2, 439; und du begehrtest mein. Bürger 91
b; darob das mädchen dein begehrt, wie gold und edel geschmeide (:kleide). Göthe 1, 190,
mit übergang aus dem gen. in den acc. 22)
mit acc. der sache: und nim darnach was dein herz begert.
1 Sam. 2, 16; alles was er begert.
1 kön. 9, 1; wiewol die cardinäl des misfallen trugen, so kam er doch zu begehrtem ende. Kirchhof
wendunm. 369
b; ein kränzlein ward genommen, das ander ward verehrt, nur eins das hat gewonnen und die jungfrau begehrt. Hoffm.
gesellschaftsl. 12; waferr sie sich nicht bald bekehren, gnad und barmherzigkeit begehren. Weckherlin 23; jetzunder ist die natur des königs anderst und begehrt schärpfere räth. Schuppius 753; dort naht sie. vielleicht begehrt sie mich (
d. i. zu sprechen). Gotter 2, 117; er begehrt die volle erbschaft; er begehrt (
verlangt) sie zur ehe,
hält um sie an. von thieren gebraucht ist begehren
coeundi ardore flagrare: der stier begehrt die kuh, der hirsch die hindin, die hündin den hund; der luchs begehrt,
ranzt. Döbel 1, 34
b. 33)
selten stehn, statt des gen. oder acc. der sache, praepositionen. nach etwas begehren (
wie verlangen, streben): alles abzuweisen wonach die menschen begehren. Gotter 6, 70. auf etwas: wie kümts, dasz ein gemeiner mann um trankgeld pflegt zu bitten? auf essegeld begehrt er nichts. es sind noch deutsche sitten. Logau 3,
zug. 231,
doch ist auf essegeld =
zum essegeld. 44)
der dem abbegehrt wird, hat die praep. an
oder von
vor sich. 4@aa) an
mit dat. selten: es hat Philippus an mir begert. Luthers
br. 2, 188; darum wollen e. l. gnädiglichen von unsertwegen an ime begeren, dasz er ja weiter in keinem artikel wolle gehen.
churf. Joh. Friedrich
bei Melanchth. 4, 285. 4@bb) an
mit acc.: begerte das ros an Cima.
Bocc. 1, 156
b; fragt, was das alt weib an sie begeren wer? 1, 162
b; wie thue ich? schick oder gehe ich selbst den falken an in zu begeren? 1, 300
a; und sein anzuhören bereit, was sie an uns all begert. Joh. Sanders
trag. von Johannes. 1588 Q 6
a; wann sie an ihn begehren thät was ihr gehört, er sich ausredt. Hoffm.
gesellsch. 153; unt wils hinfort bitlich an in begern. Melissus
ps. K 8
b; er begerte an ihn. Zinkgr. 22, 7; du würdest es nicht an mich begeren. 2, 95; er begerte an die musicanten, dasz sie sich mit etzlichen italienischen stücken solten hören lassen. Schuppius 178; was ich im namen dieser redlichen christen an ihn begehren werde. 256. 4@cc) von: wie ers von dir begert, so machs mit im.
Jer. 39, 12; und begerten von inen.
bienenk. 41
b; begehrte deswegen von Taubmanno. Brandts
ber. 39; die Venediger begehren die aschen von den Lithuanern. Schuppius 767. 55)
der abhängige satz folgt entweder 5@aa)
im inf.: ich begere nicht mehr zu leben.
Hiob 7, 16; und alles volk begerte in anzurüren.
Luc. 6, 19; sie begeren gesettigt werden von den brösemlin. Keisersb.
schif der penit. 60; beger ich von dir gerechtfertigt zu werden. Melanchth.
annot. zum Römerbr. verdeutscht 9. 12; wo ich reime schreiben soll, die gefällig allen bleiben, leg ich meine feder weg, und begere nichts zu schreiben. Logau 2, 9, 29; dieses begehr ich nicht zu sagen oder zu wünschen. Schuppius 230; jetzo ist kein mensch, der mir für ein dutzet läuse begehrt einen doppelschilling zu geben. Schuppius 241. 5@bb)
oder mit dasz: wir begeren aber, das ewer ieglicher denselben fleisz beweise.
Ebr. 6, 11; als Paulus die epistel an Timotheum geschrieben und begehret, dasz man solle thun bitte, gebet. Schuppius 385. 66) begehren,
ganz allein, ohne casus und folgenden satz, stehend hat (
wie heischen)
den sinn von betteln: dasz zwei ding verdrieszlich sein. 1. der arbeit machet denen, die nicht mehr müszig sein, als wann sie müszig sein. 2. der vor einer thür stäts begehrt. Schuppius 762.
vgl. mhd. gerndiu diet. 77) sich (
sibi) begehren,
wie sich wünschen: ihr tapfren cavaliers, die ihr in lieb und waffen zu leben euch begehrt. Logau 2, 1, 37
s. 12. 88) wohin begehren, an einen ort begehren (
zu gehen, kommen): er begehrt (
verlangt, will) fort; der christlich glaub ist wol gegründt, von vil propheten lang verkündt, mit wunderzeichen wol bewert, manch weiser hat darein begert. Schwarzenberg 154, 1; die insul, wo ihr hin begehrt. Schuppius 717; Vieilleville versicherte ihm, dasz er nicht in die stadt begehre. Schiller 1082; indem es ihm unmöglich schien bleiben zu können, sah er sich erst um, wohin er denn eigentlich begehre. Göthe 19, 68; die heiligkeit dieses triebs (
des ehrtriebs), der, wie die sittlichkeit, über leben und tod hinaus begehrt im nachruhme. J. Paul
nachdämm. 77. 99)
auf ähnliche weise verbindet sich begehren
mit einem adj. des praedicats, wobei man wiederum verba in gedanken haben kann: er begehrt das tuch fein, den wein stark, den becher voll (
zu haben, zu trinken); die jugend ist ja werth, dasz man an ihr den zaum nicht allzu kurz begehrt. Logau 3, 218; dann begehrt aus seinem schosz die gefangne selbst nicht los (
zu kommen). Götz 1, 49.
ebenso bei wünschen, wollen, verlangen, fordern.