Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bannen
2 ‘jmdn. vor Gericht bringen, laden’
3 ‘jmdn./etw. (durch magische Kraft) vertreiben, fernhalten’
4 ‘jmdm. etw. (unter Strafandrohung) befehlen, gebieten, vorschreiben’
4.1 in der Wendung: (jmdm.) vride
4.1.1 ‘(jmdm.) Frieden gebieten’ (vgl. vrideban )
4.1.2 ‘jmdm. Frieden gewähren’
4.2 in den Wendungen gebannener vîretac/ vastetac/ tac ‘ vorgeschriebener Feiertag/ Fasttag/ Tag’
4.3 mit Akk.d.P.
5 etw. mit besonderen Rechten versehen
5.1 in der Wendung gebanneniu stat ‘Stadt mit eigener Gerichtsbarkeit’ (zu 1ban 2.1 ; vgl. banstat )
5.2 ‘etw. mit einem Vorrecht, Sondernutzungsrecht belegen’ (zu 1ban 2.2 )
1 ‘jmdn. bannen, den Kirchenbann über jmdn. verhängen’ aber ib anders er tuͦt er werde gibannun BrZw 51; ob min herre der bischof [...] si vil leihte drvmbe bannen wolt UrkCorp (WMU) 2399,15; si [die Geistlichen] bienen, die si wolten, / und niht, den si solten Walth 9,32. 11,1; kristen laͤut sol man tuͦn in den pan. vnd ein iegleich obrister mag sein vndertaͤnig pannen [ excommunicare ] RechtssA B15,10; Ottok 49017. – mit Ersparung des Obj.: swer under stôle vluochet, schiltet, bennet / unt under helme roubet unde brennet, / der wil mit beiden swerten strîten RvZw 127,7. 127,1; da sol der abt nach clagen als nach des closters aigenem guͦt vnd darumbe bannen UrkCorp (WMU) 1435/1,35. – ‘Zwang ausüben’ der [das Amulett] ist guot wider der teufel pannen BdN 470,33 2 ‘jmdn. vor Gericht bringen, laden’ sollen sy ihre undertanen mit auswendigen rechten nit furnemen, wider laden noch bannen WeistRh 2,2:98,27 (a. 1336/1356 kopial); so sol im [dem Kläger] der amman den, der da beclegt wirt, bannen und och gebieten, daz er in rihti StRRavensb 118,19 3 ‘jmdn./etw. (durch magische Kraft) vertreiben, fernhalten’ wie sie [die Schlange] der meister bennet MügelnII Gr 1,10; laß zwivels orden bannen Mügeln 15,17; vnd wil in aller fröuden bannen Orend 2692 (App.); UvZLanz 731; Teichn 210,27. 336,45. 325,17; Minneb Prolog 2,10 4 ‘jmdm. etw. (unter Strafandrohung) befehlen, gebieten, vorschreiben’ swer vlaehsch [l. vleisch ] tiurer geit denne ez im gepannen oder gesetzet ist, der geit judici 60 dn [Denare] StRMünch 252,8. 199,1 4.1 in der Wendung: (jmdm.) vride ~ 4.1.1 ‘(jmdm.) Frieden gebieten’ (vgl. vrideban): swer avch in vnser chamer ist [...], dem pannen vnd gebieten wir frid [Friede zu halten] von dem gewalt vnser fvͤrstlichen ern UrkCorp (WMU) 2237B,20; so vride ie wart gebannen vur strit zu beiden siten JTit 939,1; Rab 468,5 4.1.2 ‘jmdm. Frieden gewähren’ so sal umi dan di sculteizi vride banne zu sineme liebi unde zu sinemi gute Mühlh 163,14. 113,6; ist daz ein man den andern [in Notwehr] ze tode sleht, [...] der ist dem vogte noh sinen friunden nihtes niht schuldic, unde sol im der vogt fride unde gnade bannen StRAugsb 112,28; vride sei iu gebannen / [...] / vor allen minen mannen / sit ane sorge sicherlich Rab 227,1; HvFritzlHl 194,32; LBarl 10560 4.2 in den Wendungen gebannener vîretac/ vastetac/ tac ‘ vorgeschriebener Feiertag/ Fasttag/ Tag’ swas tage dc sie, ane die súnnentage vnd gebannene virtage UrkCorp (WMU) N238B,25; ez sol auch kein jude noch nieman von sinen wegen an dem vritage noch an andern gebannen vastagen vische kauffen WüP 59,3; ez si denne ein gebanne vast tag den nieman brechin sol BrEng 53; mit den gepannen tagen Teichn 266,65 4.3 mit Akk.d.P.: der [Bischof] solt in [den Pfarrer] auf di chirchen pannen / als dw chon zu iͤr mannen. / [...] / also solt der pharrer wonnen / auf der chirchen spat und fruͤ Teichn 236,29 5 etw. mit besonderen Rechten versehen 5.1 in der Wendung gebanneniu stat ‘Stadt mit eigener Gerichtsbarkeit’ (zu 1ban 2.1; vgl. banstat): wir suͤlen [...] niemen chainen gewalt geben uͤber ir lip und uber ir guͦt, als verre der stat geriht get, wan nach der stat saettz [Satzung] und nach ir reht, wan ez ein gebanniu stat ist und hat geschribeniu reht StRMünch 43,24; daz man in sin stat ze Eystet noch in ander sin gepannen stet, iht rihten suͦl UrkEichst 2,123 (a. 1316) 5.2 ‘etw. mit einem Vorrecht, Sondernutzungsrecht belegen’ (zu 1ban 2.2): wan sol oͮch den hoͮ wider banan [den Weidgang im Kahlschlag verbieten] , wen dz holz dar ab kunt UrkThurgau 5,272 (a. 1349). 5,282; auch behalten wir [...] vnser gebennete boische [Wäldchen] , vnd vnser wiesen in allem recht WeistGr 2,4 (a. 1321); swa oͮch die bvrger gebannenvͥ [ gebannetv́ 1797B,36 ] hoͤlzer hant UrkCorp (WMU) 1797AB,35,36. – wohl hierher: nâch über drî wochen / ist der turnei gesprochen / ûf den Gebannenen clê / bî der niwen stat ze Djoflê UvZLanz 2669
MWB 1 427,52; Bearbeiter: Schnell