AUFHÖREN vb. mhd. ûfhœren,
mnd. upĥören,
nl. ophooren.
älter, vor allem obd. auch ohne umlautbezeichnung. hauptgebrauch 1 a. 1
beenden, zu ende gehen, auch substantiviert; im 16. jh. gelegentl. in der fügung kein aufhörens. a
ein ende machen, (eine tätigkeit) beenden, etwas nicht fortsetzen, von etwas ablassen; älter auch refl., häufig einer sache aufhören
und von etwas aufhören;
seit dem 18. jh. überwiegend mit nachfolgendem inf. mit zu: ⟨u1230⟩ hœret ûf, iu ist ze gâch! Heinrich v.
d. Türlin
krone 26322 LV. ⟨v1298⟩ alsô krefticlîche sol man beten .. und niht ensol man ûfhœren meister Eckhart
dt. w. 5,191 Q. hs.14.jh. so ufgehört wirt die bewegung dez himels
Thomas v. Aquin, summa theol. 263 M./S. ⟨u1370⟩ daz si horn auf von iͤr chlag Johann v. Neumarkt
2,217 K. ⟨1393/9⟩ so gond sie zuͦ dem win und fúllent sich tag und nacht als die unverstanden tier, die da nit wissent wenn sie soͤllent uff hoͤren Velser
Mandeville 89 DTM. 1466 das sie sich solcher sachen auffhörten zu thuen
font. rer. austr. II 20,393. ⟨z.j.1469⟩ er het es von grosser marter wegen müssen bekennen, er het sorg, man hört der marter nit auf untz er stürb .. on unsern lieben herrn
(Nürnb.) chr. dt. städte 10,308. ⟨v1490⟩ und huͦben die schützen am morgen an zuͦ schiessen .., am abent hortens auf
(Augsb.) ebd. 22,231. 1524 sabbat ist ein hebreisch oder judisch wort vnd heisset vffhören von der arbeit, oder ruhen, vnd müssig sein Karlstadt
schr. 1,23 HND. 1541 wann der schimpff am besten ist, so sol man auffhoͤren Franck
sprichw. 1,76a. 1544 ich sihe, das einer nit auff kan hoͤren zu sünden Luther
w. 52, 211 W. 1595 das der kreich uffgeherdt kunne werden Weinsberg
denkw. 4,224 H. 1626 Themistes hatte kaum auffhören zu reden, als ..
theatrum amoris 26. 1646 uns befleissigen aufzuhören von sünden Harsdörffer
gesprächsp. (1641)6,190. 1753 hœre dann auf dein zærtliches herz im busen zu krænken Wieland
I 2,159 ak. 1778 wie sie nun nicht aufhören konnt’ zu griesgramen Musäus
reisen 2,170. ⟨1883⟩ Anna hatte zu stricken aufgehört Storm
6,158 K. 1968 aufhören! hört auf, wollt ihr meinen verlobten umbringen Kunert
kramen 56. 1988 aber er hört mit rauchen auf Albrecht
landaufenthalt 19. 2000 einer, der das kommunistische manifest gelesen hat und nicht aufhören kann, an dessen richtigkeit zu glauben
zür. tagesanz. (29.1.)49. b
(zeitl., räuml.) ein ende nehmen, zu ende gehen; auch refl. u. in unpersönl. konstruktion; auch in abstrakter beziehung: ⟨M14.jh.⟩ der puken vroude hat ufgehort, der vroliche sang ist gelegen, der rotten suzekeit ist gesweiget! Cranc
31 Z. ⟨u1370⟩ des morgens fru, als diser grausamig sturm auf gehoret hett Johann v. Neumarkt
2,440 K. 1497 dz es mit dem schmertzen nit vff hoͤret Brunschwig
cirurgia 40a faks. 1535 solt nun die verstendnus ufhären, ist gewiszlichen zu besorgen, das der frid auch bald sein end haben wurde
urk. u. akten Strassb. II 2,292. u1550 es het des sterbens auffgehört, got hab lob
(Regensb.) chr. dt. städte 15,38. 1669 kaum hat ein unglück auffgehört, so stecken wir schon in einem andern Grimmelshausen
Simplicissimus 38 Sch. 1766 weil die häßlichkeit in der schilderung des dichters .. häßlichkeit zu seyn aufhöret Lessing
9,139 L./M. 1789/93 daß der selbstmord häufiger geworden sey, seitdem das tabacrauchen .. aufgehört habe Lichtenberg
aphorismen 4,48 DLD. 1814 die musik hatte aufgehört E. T. A. Hoffmann
1,12 G. ⟨1825⟩ daß das Deutsche Reich eigentlich schon aufgehört habe und den leichen .. gleiche, welche .. bei der leisesten berührung in ein häufchen staub zerfallen Immermann
8,30 B. 1844 das gestrippe hatte aufgehört, und nur mehr ungemein starke ahorne standen auf einer dunklen wiese Stifter
2,313 S. ⟨1872⟩ seither hat sich’s aufgehört mit quälereien Anzengruber
34,268 B. ⟨1874⟩ wo die wissenschaft aufhöre, fange das glauben und ahnen .. an Keller
(1894)5,294. ⟨1883⟩ daß sich der brauch aber bald aufhören wird Rosegger
ges. w. 8(1914)261. ⟨1939⟩ in den straßen von Jerusalem hatte man heute wieder geschossen; der krieg zwischen Arabern und Juden hörte nicht auf K. Mann
vulkan (1969)572. 1962 es gibt eine grenze, wo der gehorsam aufhört
(ein ende haben muß) sonst wird der mensch zum kadaver
M. W. Schulz
wir 20. 2000 in diesem land
(DDR) .., das vielleicht schon zu existieren aufgehört hatte Hilbig
provisorium 2150. —
als ausdruck der empörung seit dem 19. jh. redensartl. in der wendung da hört (sich) doch alles auf
u. ä.: 1870 daß da – wie man heute in der reichshauptstadt zu reden pflegt – alles aufhörte Raabe
8,12 H. 1998 also da hört sich doch wohl alles auf. fragen die ausgerechnet einen der renommiertesten deutschen ausstellungsmacher, ob er schlechte kunst hätte, weil sie die für ihre sammlung bräuchten, die „erste internationale sammlung für schlechte kunst“
frankf. rundschau (21.3.)27. c
substantiviert, geläufig in der festen wendung ohne (sonder) aufhören
i. s. v. ‘ohne ende, ununterbrochen, andauernd’: 1461 das die pestilencz vnd sterb nu in solh aufhorn komen ist, das wir zu got hoffen
copeyb. Wienn 290 Z. ⟨1481⟩ der künig hueb aber sein frag an an aufhören Füetrer
bayer. chr. 95 S. 1544 darumb
(tätigkeit d. papstes u. d. Türken) ist kein auffhoͤrens da, wie man die lehr dempffen und die alte abgoͤtterey wider auffrichten koͤndte Luther
w. 52,196 W. 1559/66 und als sie sahe, das solches des manns eyferns kein auffhoͤren sein wolt Montanus
schwankb. 309 LV. 1585 was aber auß falschem wahn kompt, hat kein endung noch auffhoͤrens
problemata Aristotelis 108a. 1599 daß sie gott loben ohn ende, ohn auffhoͤren Ph. Nicolai
freudenspiegel 107 faks. 1676 wenn demnach alle wandel- und fixsterne .. viel dämpffe und dünste sonder auf hören aushauchen Francisci
lust-haus 1120. 1770 was thun eure filosofen, als daß sie euch ohne aufhören beweisen, daß ihr beynahe über alles unrichtig denkt Wieland
I 7,314 ak. 1855 ich komponierte das werk in der zeit von 14 tagen, wobei ich .. täglich von 5 uhr morgens bis 10 uhr abends fast ohne aufhören arbeitete Cornelius
lit. w. 1,211 C. ⟨1874⟩ mit dem mute der verzweiflung hieb er in die leckere pastete, ohne an ein aufhören zu denken Keller
(1894) 5,18. ⟨1928⟩ ein leben, das ohne aufhören unter der gewalt des t
(odes) steht, ist so gut wie gar kein leben Weisz
Boëtius (1969)28. 2
aufmerksam zuhören, hinhören, aufmerken: 1480/1 einen
(schicken) .., der uffhör, was ich red vnd handel, vnd das dem künig wider anbringen künd? Pforr
beispiele 105 LV. ⟨1557⟩ als nun der schultheiß irem
(der eheleute) streit lang auffgehoͤrt, befalhe
(er) ihnen still zuschweigen Montanus
schwankb. 14 LV. 1577 wolauf, so hoͤret fleisig auf, / wie es sich jz zum ende lauf Fischart
1,109 DNL. ⟨1677⟩ unterdessen hielte die gemeine sich sehr stille, hörte fleissig auff, und war nicht die geringste commotion zu spüren
Formosa, in: Olearius
reisebeschr. (1696)41a. 1718 hernach ist ein alter admiral mitt einem placet kommen, den habe ich lang auffhör(e)n müßen Elisabeth Ch. v. Orleans
br. 3,181 LV. 1741 wer achtsam aufhören oder zuhören will, muß alle arbeit die er vor sich hat, stehen lassen Frisch
wb. 1,467b. 1852 Bovillard hatte, ohne genau aufzuhören, in dem papier weiter geblättert Alexis
ruhe 2,176.Weiß