woge,
f. ,
älter wage,
bewegung von wasser, wogenschlag; bewegtes wasser, meeresflut, gewässer, strudel, tiefe wasserstelle; welle. verbreitung, herkunft und form. 11)
woge erscheint in dieser form zuerst bei Luther.
unter dem einflusz seiner bibelübersetzung setzt sich das wort in der form mit -o-
und in der bedeutung '
welle'
im gesamten hochdeutschen schriftbereich durch. in allen bedeutungen geht der form woge
die form wage
vorauf; im obd., dem das wort bis nach 1500
überhaupt fremd ist, findet sich im 16.
jh. neben dem lutherischen woge
sporadisch wage
aus dem westlichen md. eingesickert (
s. u. sp. 979, 2 b).
ins md. selbst ist wage,
f., seit dem 13.
jh. allmählich aus dem nd. eingedrungen (
s. v. Bahder
wortwahl [1925] 98),
belegt zuerst in den md. Sachsenspiegelhandschriften in der bedeutung '
bewegtes wasser' (
s. u.A 2).
im mittelniederdeutschen und mittelniederländischen ist wage,
f., seit beginn unserer überlieferung gut bezeugt, vorab in der bedeutung A 2 '
bewegtes wasser, meeresflut',
sodann, mnd. seit dem 15.
jh., auch in der bedeutung B '
welle'.
dies fem. ist got. nord. ags. as. nicht bezeugt, spätahd. (Notker)
gibt es waga,
f., für '
bewegung'
schlechthin (
ohne beziehung auf wasser),
das als mhd. wage
schnell veraltet (Graff 1, 661; Lexer 3, 632,
vgl. oben wage I
teil 13, 346).
die altgerm. dialekte kennen für '
bewegung des wassers'
und die daraus abgeleiteten bedeutungen nur das langvokalische masc., got. wegs,
an. vágr,
ags. wǽg,
afries. wei, weg,
as. ahd. wāg (
s.wag teil 13,
sp. 331
f.).
dieses masc., im mhd. geläufig, jedoch nicht im plur. und nicht in der bedeutung '
welle' (
s. wâc Lexer 3, 632),
begegnet mnd. und mnl. nur noch in resten, im mnl. stärker (
vgl. bei Verwijs-Verdam 9, 1595
den ersten und dritten literarischen beleg),
mnd. ganz vereinzelt in der Bremer hs. des Sachsenspiegels von 1342 (
s. u.A 2
und vgl. den ansatz wâch,
m.?, bei Lübben-Walther
mnd. hwb. [1888] 549
b s. v. wage,
f.),
und zwar in völlig gleicher bedeutung und verwendung wie das fem., das sich offenbar im nordwestlichen teil des westgerm., im wesentlichen vor beginn der mnl. und mnd. überlieferung, an seine stelle gesetzt hat. für diesen ersatz des alten gemeingerm. masc. durch das fem. zeugen auszer den mnl. und mnd. restformen des masc. das seit dem 12.
jh. bezeugte, einem germ. dialekt entlehnte frz. vague,
f. (
s. Bloch dict. étym. [1932] 2, 355
b; Gamillscheg
et. wb. 877)
sowie mittelengl. wage,
f. (
mit sicher kurzem a,
s. Stratmann-Bradley 663
b),
das sich vom ende des 13.
jh. an vor unsern augen mit reichlichen belegen an die stelle von ags. wǽg,
m., setzt (
vgl. Murray 10, 2, 2, 193
a s. v. waw).
bei der beurteilung des fem. wage
kann die gruppe der seeangrenzenden nordwestgerm. dialekte schwerlich auseinandergerissen werden, und so läszt sich mit hoher wahrscheinlichkeit vom mittelengl. her auf die ursprüngliche quantität des stammsilbenvokals von mnl. mnd. wage,
f., schlieszen, über die aus diesen sprachen selbst ja keinerlei aufschlusz zu gewinnen ist, da in beiden mit dem vor beginn der überlieferung erfolgten eintritt der tondehnung jeder unterschied zwischen altem langen ā
und ursprünglich kurzem a
in offener silbe beseitigt worden ist. für das alte masculinum (
got. wegs
u. s. w.)
begegnet die bedeutung '
bewegung'
in den einzelnen germanischen sprachen nur in der anwendung auf wasser (
vgl. got. wegs
σεισμός [
ἐν τῇ θαλάσση],
κλύδων;
ags. wǽg
motus fluctuum, s. Bosworth-Toller 1151).
die gründe, aus denen sich, frühestens vom ende der as.-ags. periode an, spätestens im 12.
jh., an die stelle dieses wortes das entweder aus wagōn '
sich bewegen' (
s.wagen I,
vb., teil 13, 389
ff.)
oder aus wegen (< wagjan),
vb. (
teil 13, 3084
ff.)
rückgebildete fem. wage '
bewegung'
für '
bewegung des wassers',
dann '
bewegtes wasser'
gesetzt hat, sind für uns undurchsichtig; vielleicht war wage,
f., zu der zeit bedeutungskräftiger, dem sinngehalt des verbums näher als das namentlich in formeln der poesie stark abgebrauchte masc. entwicklung des mnd. fem. wage
aus dem masc. wâg '
unter dem einflusz von synonymen'
nimmt v. Bahder
a. a. o. an. feminine ableitungen von einem
vb. der bewegung aber sind jedenfalls neuengl. wave,
das im 16.
jh. das me. wage (> waw)
seinerseits ersetzt (Murray 10, 2, 2, 187
b:
von to wave <
ags. wafian '
schwenken, winken' Bosworth-Toller 1163; Holthausen
ae. etym. wb. [1934] 382,
vgl. auch wabben '
sich in schwankender bewegung befinden'
teil 13, 6
f.)
und hochdt. 4welle,
f. (
aus 3wellen '
rollen, wälzen, runden',
s. teil 14, 1402
ff.).
mit der durch die tondehnung längst festgewordenen länge ist das wort dann als wāge
seit dem 13.
jh. aus dem nd. ins md. gedrungen, wo es im 16.
jh. wie die wörter mit altem langen ā
nach w
seinen vokal zu o
verdumpft hat. dasz Luther
durchweg woge
schreibt, während er bei wo, argwon
etc. reste der formen mit a
hat (
Franke schriftspr. Luthers 1
2, 178),
wird seinen grund darin haben, dasz ihm woge
ausschlieszlich aus der mundart bekannt war, während bei den anderen wo/wa-
worten bereits bestehende schriftsprachliche formen die völlige durchführung der neuen lautform hemmten. die älteren herleitungsversuche des fem. wage, woge
aus dem plural von wâc, wag,
m., '
bewegtes wasser' (Schmeller-Fr.
bair. 2, 868,
M. Heyne
dtsches wb. 3 [1895] 1399, Kluge-Götze
etym. wb. 696
u. a.)
berücksichtigen nur die entwicklung des fem. im sinne von '
welle' (B),
nicht in den beiden anderen bedeutungen (A 1
und A 2);
sie lassen vor allem aber die historische und wortgeographische bezeugung des wortes und seiner formen auszer acht. —
teil 13, 332
erwog v. Bahder
für das mnd. fem. wage
einen gleichartigen genuswechsel wie bei see
und zog das schwache masc. wage
heran, das jedoch nur ganz sporadisch auftritt, erst jünger belegt ist und auf nd. gebiet nicht begegnet, sondern lediglich im md.-nd. grenzgebiet (
Karlmeinet, im waldeckischen 1741,
s. u.);
bei dem schwachen masc. wird es sich um kreuzung von wâc, wāg,
m., mit dem aus dem norden eindringenden wage,
f., handeln. auszer im deutschen, mnl. und mengl. begegnet das fem. noch im fries.: westfries. weach, weage Dijkstra 3, 411
a,
vgl.wetterweagen (
pl.) '
wasserwogen'
ebda 435
a s. v. wetterweach;
nordfries. wag,
f., Schmidt-Petersen 156
a, wag,
f., P. Jensen
Wiedingharde 669.
altwestfries. steht im alten druck (
ca. 1470)
des westerlauwersschen sendrechts, an der einzigen stelle, die uns ein altfries. masc. weg, wei '
bewegtes wasser'
bezeugt ( v. Richthofen
wb. 1131),
unmittelbar nebeneinander das alte masc. on da wallende wege '
im siedenden wasser' ( v. Richthofen
rechtsqu. 408, 31)
und das neue fem. an der wallende wege (
ebda 409, 1),
während jüngere, mnd. oder mnl. gefärbte hss. nur das fem. haben (
ebda 408
anm. 16);
wir bemerken also im spätaltfries. des 15.
jh. unter dem einflusz der mnl. mnd. umgebung dieselbe ablösung des masc. durch das fem., die uns mnl. mnd. restformen des masc. vom beginn des 12.
jh. für diese sprachen erschlieszen lassen. —
die nord. formen des fem. (
sämtlich in der bed. '
welle'):
schwed. vg,
altschwed. vagh,
norw. vaag (
neben vaag,
m., '
kleine bucht' Torp 849),
dän. vove (
nur poet.)
sind wahrscheinlich alle aus dem mnd. entlehnt Hellquist
sv. etym. ordb. (1925) 1151
a. —
altportug. vagua (=
neuportug. vaga)
ist nach Körting 9959, Meyer-Lübke 9477
entlehnt aus dem oben genannten afrz. vague. 22)
für die verbreitung der verschiedenen formen und bedeutungen im deutschen gilt folgendes: 2@aa)
in der bedeutung '
bewegung von wasser'
begegnet das wort im mittelniederdeutschen (15.
jh.),
bei Luther,
in der Lübecker bibel und bei Emser;
bei Luther
verdumpft als woge,
sonst als wage.
die nachweise s. u. A 1. 2@bb)
im sinne von '
bewegtes wasser'
und den daraus abgeleiteten bedeutungen findet es sich zuerst im mittelniederdeutschen, zufrühest im Sachsenspiegel, dann mitteldeutsch von ca. 1275
an in den md. Sachsenspiegelhss., in einem weistum aus der nähe von Suhl in Thür. (1405),
einem briefe Friedrichs I.
pfalzgrafen bei Rhein (1455),
einem rheinl. voc. (1476,
vorlage nd.),
bei Dieffenbach
nov. gl. 199
a;
seit dem 16.
jh. auch im oberdeutschen bei Dasypodius, Maaler (
s. v. wasserwag[e]), Fischart
und Christoph Tegernseer (1594);
auszer bei Fischart,
der verdumpftes in der wog (: flog)
hat, stets in der alten a-
form. als bis zur gegenwart lebendig bezeugt in westlichen hochdt. mundarten wie luxemb., rheinfr., schwäb., elsäss. und schweiz., die alle die verdumpfte form besitzen; das luxemb. hat daneben auch eine mit altem a.
offenbar ist das fem. aus dem mnl. und mnd. kerngebiet rheinaufwärts schnell und weit vorgedrungen und in den genannten gebieten wirklich heimisch geworden (
fand es noch das alte ahd.-mhd. wage,
f., '
bewegung'
vor?).
dagegen kennen es die heutigen md. mundarten auszerhalb des rheinischen gar nicht und die ndd. in dieser bedeutung anscheinend nur im nordwesten, vgl. vereinzeltes ostfries. wagge,
f. (
mit alter kürze?),
s. unten A 2 a
schlusz. 2@cc)
auch die bedeutung '
welle'
begegnet zuerst im mittelniederdeutschen des 15.
jh. in der form wage (
s. unter B);
anders als die von A 2
ist ihre mundartliche verbreitung jedoch im wesentlichen auf das nd. beschränkt geblieben, vgl. in Groningen wage, waag,
meist plur. waag '
hoge golven',
daneben auch wacht '
de golven' ter Laan 1153
und 1158;
schlesw.-holst. wagg,
f., plur. de waggen Mensing 5, 500;
auf Rügen und in Pommern wage,
f., Dähnert
plattdt. (
Stralsund 1781) 535;
vgl. auch holstein., hamburgisch, bremisch, preuszisch wacht,
f., wach, wache,
f., teil 13, 33
und 172;
im md. begegnet sie mundartlich nach v. Bahder
wortwahl 98
f. nur vereinzelt (
z. b. als wo,
f., in luxemb. ma. 489
a)
und fehlt im obd. gänzlich (wok,
m., '
woge' Fischer
schwäb. 6, 3341
ist singulär und hinsichtlich der bedeutung wohl vom schriftsprachlichen woge
bestimmt).
die heute geläufige schriftsprachliche verwendung in der form woge
beginnt mit Luthers
bibelübersetzung; im 16.
jh. zunächst nur md., seit dem 17.
jh. auch obd. belegt. schriftsprachliches wage '
welle'
begegnet im md. des 16.
jh. noch bei Burkhard Waldis.
daneben gleichbedeutendes wasserwage
ebda, bei Alberus (
neben -wog), Lobwasser; im
obd. des 16.
jh. nur in der form (-)wage:
in der Züricher bibel, bei Dietemberger (1534),
bei Fischart (
neben meerwagen);
im 17.
jh. dagegen nur noch vereinzeltes lexikal. wasserwage Reyher (1686);
s. oben 1
und unter B,
bzw. unter wasserwoge;
vgl. dazu weiter den eingang von B. 33)
während die schriftsprachliche verwendung der verdumpften form woge
auf Luther
zurückgeht, ist die verdumpfung von wage
in den westlichen hd. mundarten (
s. u.A 2 a
und b)
vielleicht anderer herkunft. hier kann, insbesondere bei der apokopierten form wog,
f., contamination mit dem in jenen maa. geläufigen, auch in den einzelbedeutungen von A 2
übereinstimmenden wag,
m., vorliegen, das sich als verdumpftes wog
seit spätmhd. zeit im md. und westlichen obd. nachweisen läszt (
s. unter wag [
teil 13, 331
ff.] II 2 c, 3, 4
und wasserwag).
bezeichnend ist, dasz Fischart
hier, in der bedeutung '
fluszströmung',
die form wog (
durch den reim auf flog
gesichert)
gebraucht, s. unter A 2 b,
während er bei meerwagen '
meereswellen' (
reimend auf geschlagen)
die unverdumpfte form beläszt, s. den anfang von B.
apokope des auslautenden e
oder einflusz des synonymen masc. steht auch bei unverdumpfter -wag-
form zur frage in fällen wie waag '
fluszströmung' Chr. Tegernseer, wasserwag (die)
vorago Maaler 486
d (
neben wasserwage
gurges 478
d)
und millewach
luxemb. ma. 287,
s. u.A 2.
in der bedeutung unda, fluctus dagegen begegnet nur vereinzelt wasserwag, wasserwog
bei Alberus,
s. unter wasserwoge. wage, woge
hat im deutschen im sg. im allgemeinen starke flexionsformen; nur unter den wenigen älteren belegen für die singularische verwendung des wortes im sinne von '
welle'
begegnet eine schwache form in dem dativ von einr wasserwagen Burkhard Waldis
Esopus 3, 35, 5
Kurz. im plural herrscht schwache flexion, mnd. auch starke: dat Beltesche meer heft korte wage Korner in:
städtechron. 28, 420
anm. 2; de wage und bulgen des mers (1570)
bei Schiller-Lübben 5, 573.
die deutung von wasserwog
in der verbindung wasserwog sehr greuszlich und welln H. Sachs 18, 180, 7
K.-G. als stark flektierter nom. pl. in teil 13, 2552
erscheint danach doch fraglich, zumal da bei wasserwog
die für mehrgliedrige verbindungen bekannte ersparung der endung vorliegen kann. neben dem fem. steht auch ein gelegentlich vorkommendes schwaches masculinum wage, woge '
meeresflut, gewässer, teich',
s. teil 13, 332,
dazu woge,
m., '
stromlauf; gestautes wasser' (1741)
bei Bauer-Collitz
waldeck. wb. 183;
zur erklärung s. o. sp. 978.
bedeutung und gebrauch. AA.
ältere bedeutungen. A@11)
bewegung von wasser, insbesondere vom meer und groszen gewässern, wellengang, wogenschlag: dat meer geyt in steder waghe
serm. evang. (
wohl mitte des 15.
jh.)
bei Schiller-Lübben 5, 573
a;
bei Luther: da stund er auff und bedrawete den wind und die woge des wassers (
τῷ κλύδωνι τοῦ ὕδατος,
ventum et tempestatem aquae) und es lies ab, und ward ein stille
Luc. 8, 24 (
in der ausgabe Wittenberg 1569: die wogen des wassers);
vgl. auch meereswoge (
κλύδων θαλάσσης)
Jac. 1, 6.
von anderen bibelübersetzungen kennt wage
im vorliegenden sinne nur die Lübecker bibel Luc. 8, 24
und Emser
Jac. 1, 6 (
s. Franke
schriftspr. Luthers 2, 60
b);
in anlehnung an wage, woge
in der Züricher bibel (1531) 310
a das masc. wag: ein waag des meers, der ...
Jac. 1, 6. A@22)
bewegtes wasser, meeresflut, strömung von meer und flusz, strudel, tiefe stelle in einem gewässer, gewässer schlechthin; mit den bedeutungen von wag,
m., wie sie im deutschen bezeugt sind, übereinstimmend. A@2@aa)
von der see soviel wie '
meeresflut',
übereinstimmend mit den bedeutungen von mengl. und mnl. wage
sowie mit der von dtsch. wag II 1 a: de Rosenkrans (
name eines schiffes) quam myt groteme storme vor Sweden. do stech de konyngh in en cleyne schip, dar quam he mede to lande myt den uppersten; mer de Rosenkrans wart toslaghen van der waghe in velen stücken unde vorghink (
a procellosis gurgitibus exagitatum crepuit et in partes varias concussum periit)
städtechron. 28, 420 (
Lübeck, erste hälfte d. 15.
jh.);
gurges wasser o. wage
in einem rheinländ. voc. v. j. 1476
aus nd. vorlage bei Dieffenbach
nov. gloss. 199
a; waeghe
germ. sax. sicambr. gurges et fluctus Kilian (1605) 644
b;
vgl. noch heute mundartliches wagge (
früher auch wage) '
das bewegte, wogende, ans ufer anschlagende wasser' Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 497
a.
öfter in der verbindung vor winde unde (vor) wage,
wie sie auch das mnl. kennt (
vgl. Verwijs-Verdam 9, 1595
unten),
soviel wie '
meeresströmung': were dat een schip vor winde unde vor waghe dreve an unse lant, dat manlos ... were ..., dat gud (
dessen fracht) wille wi ... vorwaren (1384)
urk.-buch z. gesch. d. landes Dithmarschen 29
Michelsen; vor wind und waege up apenbahre zee geset ... werden E. Beninga
chron. von Ostfriesl. 56
Harkenroth; wie im mnl. auch in übertragenem gebrauch zur bezeichnung erfolgreichen vorankommens: al vraget men my, we my jaget, wat mach doch syn gescheen, to gaen vor wynt, vor
wagen, nicht blyven int gemeyne
geistl. lied (
hs. d. 16. jh.)
in: nd. geistl. lieder u. sprüche aus d. Münsterlande 66
Hölscher. binnenländisch '
flieszendes wasser, fluszströmung',
vgl.wag,
m., II 1 b (2 c): hiemit so stiesz man ab von land und legt an d ruder manlich hand, da gieng es daher in der wog (
im Rhein), als ob es in dem wasser flog Fischart
glückh. schiff v. Zürich v. 221
ndr.; im gleichen sinne ist deutbar die waag des waszers
in der recension der kaiserchronik v. j. 1594
durch Christoph Tegernseer
v. 11904
var. Maszmann (
an stelle von den wâc
v. 11887
Edw. Schröder, s. teil 13, 334);
zu der genitivverbindung vgl. wag,
m., II 1 e.
als bezeichnung eines wasserwirbels und der ihn erzeugenden tiefe, vgl. wag II 1 c:
gurges ein gumpe, wage, grosze tieffe in eim flusz Dasypodius
dict. (1536) 88
b; ein wirbel, ein tieffloch oder schlund, wirblende wasserwag
vorago Frisius (1556) 1407
a; wirblende wasserwag (die)
vorago Maaler 486
d,
dazu wasserwogen
gorgo Kramer
ital.-dtsch (1693) 515
b.
in den modernen mundarten wog, woog,
f., '
wirbel im wasser' Waldbrühl
rhingscher klaaf 220; wog,
f., Martin-Lienhart
elsäss. 2, 805; Hunziker
Aargau 300;
im sinne von tiefe stelle in einem gewässer, die einen wasserwirbel bildet' wog,
f., Tobler
Appenzell 450. A@2@bb) '
gewässer, wasser'
schlechthin, flieszendes wie stehendes, vgl. wag II 2-5.
in der verbindung wilde wage
im Sachsenspiegel zunächst eindeutig vom stehenden natürlichen wasser (
im gegensatz ebenso zum künstlichen teich wie zum flieszenden gewässer): swer ... vischet in eynis anderen mannis wazzere an wilder wage (
fem. in allen hss., masc. an wildem waghe
nur Bremer hs. von 1342,
s. 38
Borchling, s. o. sp. 977), sin wandel daz ist dre schillinge ..., vischet her dike, die gegraben sin ..., her mut drizich schillinge geben ... swelk wazzer strames (
mit strömung) vluzet, daz ist gemeyne zu varende unde zu vischenne da inne Eike v. Repgow
Sachsenspiegel 81, 2
Eckhardt (II 28 § § 1; 2; 4);
vgl. dazu die glosse von Joh. v. Buch: wilde wage het water, dat sic wegit na deme winde unde anders nicht, dar nen stram is, de de vische in unde ut dreget
Sachsenspiegel 1
3 (1861) 258
Homeyer; vgl. auch die md. (
meisznische)
fassung (
ca. 1300)
des Sachsenspiegels 555
Weiske-Hildebrand. diese präcise bedeutung ist späterhin verwischt, vgl. wag,
m., II 2,
insbesondere wilder wag II 2 d (
teil 13, 334): pfentistu einen, der in deinem flyse (
flieszendes gewässer) vischete an wilder wage, beclagete er dich ... Nic. Wurm
blume v. Magdeburg 53
Böhlau (
zweite hälfte d. 14.
jh., auf den Sachsenspiegel zurückgehend);
gloss. lehensrecht c. 71 ...
sic dicit: würde aber ein spring (
entstünde eine quelle) auf einem acker, des ackers herr hat den spring, mag ihn fassen auf dem acker, wo er will und teichen
et subdit. das sollet ihr wissen, dieweil das wasser auf meinen acker fleust, so mag ich wehren zu fischen darinne einen jedermanne, da es nicht in wilder wage fleust
bei Ahasv. Fritsch
opuscula varia 2 (1732) 141
b,
vgl. an der entsprechenden stelle: in wildem strame
sächsisch lehenrecht und weichbilt (1589)
lehenrecht 171
rb Chr. Zobel. den obd. vom Sachsenspiegel abhängigen rechtsdenkmälern scheint das fem. wage
unbekannt gewesen zu sein; die Innsbrucker hs. d. Deutschenspiegels (2.
hälfte d. 13.
jh.)
hat an entsprechender stelle: in wilden wage 110
Ficker, die Laszbergische hs. des Schwabenspiegels (1287)
ändert: ... in eins andren mannes wage 91
a Reyscher; vgl. auch uf wildem wage
österr. weist. 5, 393, 31 (
Tirol, 14.
jh.).
s. teil 13, 534
f. ganz allgemein, in der gleichen formelhaften verbindung wie wag II 5: (
es) ist mit rechten urteiln von den schepfen erteilt worden zum ersten, dasz sie (
die verurteilten) alle ire lantrecht verloren haben, darnach, daz allirmenclich, wer da wil, recht zu in had an allen enden und an allen steten, der vogel in der luft, der visch in der wage, dy tier in dem walde (1405
Benshausen zwischen Schmalkalden und Suhl)
weisth. 3, 595. '
teich, tümpel, stauwasser',
wie wag II 3
und 4.
mehrfach für '
piscina' wage (15.
jh.)
bei Diefenbach
gl. 438
a; Kilian (1605) 644
b (
ausdrücklich fürs deutsche verzeichnet); uwer ambtlüte mit hülff der uwern han mit gewalt und ohne recht in unser wage zu Scheidenburg gefischet Friedrich I.
pfalzgraf bei Rhein (1455)
bei C. L. Tolner
cod. dipl. (1700) 163.
modern mundartlich millewach,
f., '
mühlenteich'
wb. d. luxemb. ma. 287 (
neben millewo,
m.); die wâg, wg '
wassertümpel, roszschwemme' Birlinger
wb. z. volkstüml. a. Schwaben 90; wog,
f., '
tümpel' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 805
a, wo,
f., '
stauwasser von wehren'
wb. d. luxemb. ma. 489. BB. '
welle',
die in der schriftsprache gebräuchliche bedeutung. die bedeutung '
welle',
aller wahrscheinlichkeit nach aus dem pluralischen gebrauch der bedeutungen A 1
oder A 2 b
genau so entwickelt wie im altgerm. got. wegs
κλύδων zum plur. wegos
κύματα,
ags. wǽg '
motus fluctuum'
zu wǽgas '
undae'
geführt hat (
s. teil 13,
sp. 331
und oben sp. 978),
ist auszerhalb des deutschen schon früh, im 12.
und 13.
jh., feststellbar (
afrz. vague,
mengl., mnl.),
für das deutsche dagegen erst im mnd. des späteren 15.,
im hd. des 16.
jh. bezeugt. hierüber, über die geringe verbreitung in den mundarten (
auf teile des nd. an der Nord- und Ostsee beschränkt)
sowie über Luthers
entscheidenden anteil an der schriftsprachlichen ausbreitung bis ins obd. s. bereits oben sp. 979, 2 c.
sein einflusz zeigt sich auch darin, dasz das wort im 16.
und 17.
jh. vorwiegend in religiösen dichtungen und schriften begegnet, die die Lutherbibel voraussetzen, s. unter wasserwoge und hier unten. im ganzen ist die bezeugung für wage, woge '
welle'
im 16./17.
jh. noch gering, vor allem die des simplex (
bei Luther, Burkhard Waldis, Fischart, G. Stolle [
gest. 1744], Joh. Chr. Günther,
s. auch wogenschlag
bei Erasm. Francisci).
die zusammensetzung mit wasser-
dagegen ist etwas reichlicher zu belegen bei Luther, H. Sachs, Ringwaldt, Strigenicius, Weckherlin, Dannhawer, Balth. Schupp
u. a.; dazu stimmt die bemerkung von Stieler,
dasz das compositum '
magis in usu est' (2529),
sowie die frühere lexikalische aufzeichnung der zusammensetzung vor der des simplex: unda ein flut, wasserwog,
fluctus flut, lünden, wellen, wasserwag Alberus
dict. (1540) Xx 4
b; die wasserwogen, wellen
fluctus, unda Bas. Faber
thes. (1587) 328
a,
dagegen erst waeghe
germ. sax. sicambr. fluctus, unda Kilian (1605) 644
b; Stieler
a. a. o. die beiden wörter sind im 16.
und 17.
jh. im wesentlichen aufs md. beschränkt; aus dem obd. ist aus jener zeit nur wagen Fischart (
nach kurz vorangehendem meerwagen,
das als formales vorbild Luthers meereswoge
Jac. 1, 6
haben wird)
und das gleichfalls an Luther
angelehnte wasserwogen Weckherlin 2, 131
Fischer in der versifizierung von psalm 42, 8
sowie das biblischem sprachgebrauch folgende wasserwogen
des lutherischen theologen Dannhawer
catech.-milch (1657) 4, 73
bezeugt. bezeichnend ist, dasz von den bibelübersetzungen, die Luthers
text in stärkerem grade zugrunde legten, nur die Lübecker bibel häufiger das wort beibehalten hat: wage
Jona 2, 4; waterwag(h)en
ps. 42, 8;
ps. 93, 4;
Luc. 21, 25;
in den hd. bibeln dagegen begegnet nur vereinzelt wasserwaagen
Züricher bibel (1531)
Luc. 21, 25
und wasserwagen Dietenberger (1534)
ps. 42, 8; Eck (1537)
meidet es gänzlich. breitere schriftsprachliche verwendung findet woge
erst mit dem 18.
jh., vornehmlich in der dichtung und in gehobener rede; Klopstock,
wohl auch Herder
scheinen dabei von bestimmendem einflusz gewesen zu sein. dagegen tritt das alte compositum wasserwoge
seit jener zeit mehr und mehr zurück. dasz wage, woge
meist in der mehrzahl vorkommt, findet seinen grund darin, dasz die einzelne woge
stets nur mit anderen als teil einer wellenartig bewegten wasserfläche in erscheinung tritt und so bei dem betrachtenden die vorstellung der menge vorherrscht; vgl. dieselbe erscheinung bei welle (
s. 4welle B
teil 14, 1403
ff.).
ein eindeutiger beleg für das vorkommen des sing. im sinne von '
welle'
wird im deutschen erst bei Burkhard Waldis
faszbar (: von einr wasserwagen
Esopus 3, 35, 5
Kurz);
vgl. auch oben die früheste lexikalische bezeugung bei Alberus
und später bei Kilian.
singularische verwendung ist aber noch bis ins 18.
jh. hinein selten, vgl. Stieler,
der im lemma den plural wogen
mit der begründung anführt: raro enim in sg. dicitur eine woge
unda 2529;
vgl. ferner das bei wasserwoge
teil 13, 2552
gesagte. im mengl. und mnl. kommt neben überwiegendem pluralischem gebrauch der singularische im sinne von '
welle'
schon früh vor; vgl. auch afrz. une wagee (13.
jh.)
bei Godefroy 8, 320
a.
in der hd. schriftsprache steht das nd.-md. woge
neben synonymem welle,
das vom obd. her in die schriftsprache kommt. woge
bezeichnet vornehmlich wellen auf dem meer, dann auch auf seen oder auf strömen, s. 1 a;
die jüngere entwicklung von welle
zu einer auch allgemeineren bedeutung '
bewegte wasseroberfläche' (
vgl. 4welle D
teil 14,
sp. 1410)
hat bei woge
nicht stattgefunden, da das wort, wohl auf grund seiner nd. herkunft, mit der vorstellung des meeres verknüpft bleibt und damit der begriff der besonderen grösze und ausdehnung der wellen. schon Luther
scheint in der bibelübersetzung woge
im unterschied zu welle
gern dort gebraucht zu haben, wo ihm ein wort vorlag, das das moment der grösze oder der bewegung der wellen zu besonderem ausdruck brachte: wasserwogen
excelsa ps. 42, 8;
elationes maris ps. 93, 4;
für σάλος (
lat. fluctus)
Luc. 21, 25; wogen
für ein hebr. wort für höhen (
lat. fluctus)
Hiob 9, 8;
für ein hebr. wort für brecher (
lat. gurgites)
Jon. 2, 4;
sonst nur noch einmal für fluctuans aqua weish. Sal. 5, 10;
dagegen gibt wellen
in etwa anderthalb dutzend fällen κύματα,
fluctus wieder, sonst nur je einmal mare fluctuans Hes. 26, 3
und gurgites Jes. 48, 18.
doch tritt ein bedeutungsunterschied von woge
und welle
deutlicher erst seit dem 18.
jh. in erscheinung, vgl. 4welle B
und die gegenüberstellungen der beiden wörter: wo, nach leiserem spiel der sanften welle, wogen branden, dasz dumpf das felsgestad kracht Klopstock
oden 2, 31
M.-P.; wind ist der welle lieblicher buhler; wind mischt von grund aus schäumende wogen Göthe 2, 57
W.; vgl. weiterhin 1 b
und unter 4welle B 3. —
die mit woge
verbundene vorstellung des mächtigen, die in die des erhabenen übergehen kann (
s. unten 1 b),
gibt dem wort eine besonders dichterisch verwendbare ausdrucksfähigkeit, die vor allem Klopstock
nutzte, nach ihm Schubart,
die dichtung des sturm und drang, sowie Herder.
von daher bleibt das wort bis heute vorwiegend in gehobener rhetorischer oder poetischer sprache. B@11)
im eigentlichen sinne. B@1@aa)
in anwendung auf die wellenbewegung verschiedenartiger gewässer. B@1@a@aα)
wie im mengl. und mnl. vorwiegend von den wellen des meers: he dreff hasteliken hen mit den bote ... unde en wart nicht geseyn under den wagen der zee (1473)
bei Schiller-Lübben 5, 573
a; er breitet den himel aus allein und gehet auff den wogen des meers (
super fluctus maris)
Hiob 9, 8; auff die seefluten und meerwagen war ihre hoffnungszelt geschlagen, drumb auch die wagen und die flut verflötz (
hinweggeschwemmt) han ihren hoffnungsmut Fischart
sämtl. dicht. 3, 374
Kurz; jüngere belege s. unten. diese verwendung ist die bis heute vorherrschende. B@1@a@bβ)
die erweiterte anwendung auf andere gewässer läszt sich im deutschen mit sicherheit erst seit dem 18.
jh. belegen und scheint auf dichterischer übertragung zu beruhen; wiederholt von strömen: (
der Rheinwein wird apostrophiert: du bist) ... werth ... jener deutscheren zeit, da du, edler alter ... dem Rheine zuhingst, der dich mit auferzog und deiner heiszen berge füsze sorgsam mit grünlicher woge kühlte Klopstock
oden 1, 117
M.-P.; vgl. in flusses wogen (
vom Rhein) Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 5; Orinocos wogen W. v. Humboldt
ges. w. 1 (1841) 377; seht uns stehn mit unserm schwert schützend vor des Rheines wogen
M. Schneckenburger
dtsche lieder (1870) 725;
von kleineren flüssen und anderen gewässern seltener: o flusz, mein flusz im morgenstrahl, empfange nun, empfange den sehnsuchtsvollen leib einmal ... die woge wieget aus und ein die hingegebnen glieder Mörike
s. w. 1, 35
Fischer; sie (
die nixen) ziehn einher aus flusz und bach mit ihren wogen tausendfach Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 42; er aber legt sich an des baches wogen und schläft Joh. D. Gries
Bojardos verliebter Roland (1835) 1, 70; schnell wandelt sich der teich in blut. auf seinen roten wogen schwammen zehntausend leichen Pfeffel
poet. versuche (1812) 3, 208; die kapelle und sein haus sind von den wogen des sees zerstört worden fürst Pückler
briefw. u. tageb. 2, 216. B@1@bb)
im unterschied zu welle,
das seit dem 18.
jh. vor allem die wellenförmige bewegung des wassers schlechthin bezeichnet (
vgl. 4welle C
teil 14, 1408),
behält woge
das moment des starkbewegten gewöhnlich bei (
α)
und wird gern mit der vorstellung besonderer grösze und länge verbunden (
β);
dazu kommt die in zusammenhang damit entwickelte vorstellung des erhabenen, pathetischen (
γ),
vgl. auch oben sp. 983. B@1@b@aα)
als vorzugsweise bezeichnung hoher, sturmbewegter wellen; vgl. mnl. wint der waghen '
sturm'
und die wiederkehrende verbindung die waghen ende die storme Verwijs-Verdam 9, 1595
f.; dazu: van allen stormen unde wagen (1469)
bei Schiller-Lübben 5, 573
b; es warn eins mals auff eine zeit in einem schiff vielerley leut zusammen auff dem wilden meer: den kam eilendts ein sturm dorther. mit groszem windt thet weydlich sausen, gar grausamlichen einher brausen, als ob ers wolt gar unterdrücken und zerschlagen zu allen stücken. als sie nun waren in den wagen, den todt für iren augen sahen, da rieff der ein sanct Barbarn an Burkhard Waldis
Esopus 2, 50, 9
Kurz; auch sollt ihr so viel kriegsschiffe und magazine, als ... durch sturm und wogen mitgenommen, aus dem schatze des staats wieder bauen lassen Zimmermann
über d. einsamkeit (1784) 1, 65
anm.; die wogen des stürmenden meeres Lichtenberg
verm. schr. (1800) 5, 15.
daher auch häufig mit beiwörtern verbunden wie stürmisch, ungestüm: die stürmische woge Fr. Schlegel
s. w. (1846) 4, 125; ... im getös ungestümer wogen Klopstock
oden 1, 8
M.-P.; gern mit eigentlich für den menschen gebrauchten eigenschaftsworten wie erzürnt, wütend
u. ä.: ... des lauten felsenstürzenden stroms erzürnte woge grafen zu Stolberg
ges. w. (1820) 1, 35; in den wüthenden wogen Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 1, 287.
von als besonders hoch gekennzeichneten wellen: (
wenn) der sturm die wogen zu hohen bergen mit weiszbeschäumten gipfeln auftriebe, ... würdest du da wohl zum gefühl des erhabenen kommen? Solger
Erwin (1800) 1, 28; so hatte er (
Friedrich der Grosze) ... den wechsel des glückes erfahren, den er selbst einmal mit den hochgehenden wogen des meeres vergleicht, von denen er bald emporgehoben, bald in den abgrund geschleudert werde Ranke
s. w. 28, 514. B@1@b@bβ)
als bezeichnung besonders langgezogener, breiter wellen: der westwind ... schwellte, nämlich, der beträchtlichen breite unerachtet, ... die wogen dermaszen an, dasz sie fürchterlich hoch und gegen sechs bis siebenhundert fusz lang wurden G. Forster
s. schr. (1843) 2, 370;
vgl. im übertragenen gebrauch Stifter
s. w. (1901) 1, 258
und Strobl
dorf im Kaukasus (1936) 5
unter 2 b,
sp. 988. B@1@b@gγ)
in poetisch gehobener sprache gewinnt das wort, ausgehend von der vorstellung des mächtigen, einen erhabenen, pathetischen klang: wie der Rhein im höheren thal fern herkommt, rauschend, als käm wald und felsen mit ihm, hochwogig erhebt sich sein strom, wie das weltmeer die gestade mit gehobner woge bestürmt Klopstock
oden 1, 158
M.-P.; vgl. auch die stelle aus Klopstock
unter 1 a; schöner rudernder schwan! in welch glänzendes element hat dich dein schöpfer gesetzt, dich selbst zu lieben und zu bewundern! mit deinem schöngebognen halse, in der reinen, frischen unschuldsweisze, schwimmst du wie eine königin daher, eine sanfte prachtgestalt auf der klaren fläche der wogen Herder 15, 291
Suphan (
vgl. die ältere gestalt: ... schwimmst du wie eine königin der wellen daher, scheinst nur gebildet, ... eine sanfte prachtgestalt auf der klaren fläche zu bilden
ebda); o Calpe! (
Gibraltar) dir donnerts am fusze, doch blicket dein tausendjähriger gipfel ruhig auf welten umher. siehe! dort wölkt es sich auf über die westlichen wogen her, wölket sich breiter und ahnender auf Denis
Ossians und Sineds lieder (1791) 6, 154; auf mächtigen pfeilern unten von wogen des meers umflossen ruhen kühne gewölbe Göthe 11, 333
W. (
befreiung des Prometheus); zuweilen, wenn ein gewitter über mir hinzieht, und seine göttlichen kräfte unter die wälder austheilt und die saaten, oder wenn die woogen der meersfluth unter sich spielen, oder ein chor von adlern um die berggipfel, wo ich wandre, sich schwingt, kann mein herz sich regen, als wäre mein Alabanda nicht fern Hölderlin
s. w. 2, 115
v. Hellingr.; ... der meergott bläst das lied, um fels und insel schlingt sein zaubernetz, verknüpfend schicksal mit dem ton der wogen Stefan George
w. (
gesamtausg.) 9, 25.
vgl. auch den poetischen gebrauch von 1
d. B@1@cc)
die bewegungen und geräusche der wogen
werden durch eine reihe stets wiederkehrender verben bezeichnet, von weiteren eindrücken vor allem färbung und schaumbildung hervorgehoben. B@1@c@aα)
der ausdruck der verschiedenartigen bewegungen wie an-
oder aufschwellen
und sinken, sich legen: doch wird der stolzen flut hoch aufgeschwellten wogen bald ein gesteilter damm zur hemmung vorgezogen Amthor
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 58; die wogen schwellen auf, es wälzt sich flut auf flut Joh. J. Schwabe
belustigungen (1741) 5, 49; die wogen des wassers vor ihm schienen anzuschwellen, emporzusteigen Holtei
erzähl. schr. 20, 98; in schwellenden wogen Spielhagen
sämtl. romane (1908) 1, 77; dort schleicht der fluthen list, die wogen sincken nieder Pietsch
gebundene schr. (1740) 123; jetzt sinken die wogen A. v. Arnim
s. w. 1, 171
Gr.; die wogen legen sich Th. Abbt
verm. w. (1768) 1, 40. rollen
und schlagen: wie die wogen des meers rollen Fr.
M. Klinger
neues theater (1790) 1, 81; doppelte ausleger, welche ihre schmalen segelfahrzeuge vor dem umschlagen bei heranrollenden wogen sichern O. Peschel
völkerkunde (1874) 375; es rollt der Rhein die dunklen wogen durch brandgeschwärzter trümmer graus Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 120; (
das ehemalige festland,) wo jetzt der Jadebusen seine wogen schlägt H. Allmers
marschenbuch (1900) 416. branden, sich brechen
u. ä.: wogen branden, dasz dumpf das felsgestad kracht Klopstock
oden 2, 31
M.-P.; und reiszend sieht man die brandenden wogen hinab in den strudelnden trichter gezogen Schiller 9, 221
G. (
der taucher); dasz wogen sich an seinem fusze brechen Denis
lieder Sineds des barden (1772) 123; (
es) zerschellen die wogen an einem fels Bauernfeld
ges. schr. (1871) 6, 212. B@1@c@bβ)
das geräusch der wogen
wird in der regel als brausen
gekennzeichnet: das meer und die wasserwogen werden brausen
Luc. 21, 25; sie sehen die fluten heranschwellen, hören der wogen finster gebraus maler Müller
w. (1811) 1, 360; das wilde Kattegat lag vor uns mit seinen brausenden wogen H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 56.
daneben steht rauschen: wann der sturm einst droht, die wooge rauscht um seine o so mahne ihn, zu dir zu flehn tritte, Hölderlin
s. w. 1
2, 15
v. Hellingr.; (
der geistliche, dem) die wogen des meeres in die worte rauschen, die er zu den schiffern und fischern von seiner kanzel spricht W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 3, 125.
das stärkere geräusch wird vornehmlich durch brüllen, tosen, donnern
ausgedrückt: er (
der herr) kommt und greift die thoren an es brüllen meer und wogen, ... das wasser wütet wider die, so den gerechten plagen Joh. Chr. Günther
s. w. 2, 295
lit. ver.; vgl. Schubart
sämmtl. ged. (1825) 2, 302; ... im getös ungestümer wogen Klopstock
oden 1, 8
M.-P.; die Elbe wallte empor und stürmte mit donnernden wogen die langen, gigantischen vormauern ein Joh. J. Dusch
verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 288. B@1@c@gγ)
die wiedergabe des farbeindrucks läszt sich seit Klopstock
feststellen: mit grünlicher woge
oden 1, 117
M.-P. (
s. unten 2 b);
bezeichnenderweise häufig bei dem maler Fr. Müller (maler Müller): wie ein flusz ins meer schieszt, weit hinaus durch die grünen wogen seine eigne farbe treibt
w. (1811) 1, 47; des meeres schwarze wogen 1, 5; die silberne woge 1, 157; die kristallene woge Novalis
schr. 1, 18
Minor; vgl. auch Fr. Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 16; das reich der blauen wogen Müllner
dram. w. (1828) 2, 28; träumend blickt er oft vom strande in des meeres graue wogen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 25. B@1@c@dδ)
die schaumbildung der wogen
wird hervorgehoben: wind mischt vom grund aus schäumende wogen Göthe 2, 57
W.; schau drunten aufs meer, wie kocht es so heisz, wie säumt die wogen schon wieder der schaum! G. Kinkel
ged. (1868) 2, 20; wenn die sonne auf dem gischte der wogen schimmert Ratzel
völkerkde (1885) 2, 309. B@1@dd)
dichterisch steht woge
in der einzahl für das gewässer, dem sie angehört, meint also das wogende meer, den wellenbewegten flusz u. s. f., vornehmlich im sinne von 1 b
γ,
vgl. den ähnlichen gebrauch von 4welle D 2: sie hatten sich hinaus auf die woge gewagt, in den sturm und waren untergegangen! gewagt; Klopstock
oden 2, 27
M.-P.; vgl. oden 1, 117
unter 1 a; (
sie) saszen in reihn (
auf dem schiff) und schlugen die graue woge mit rudern (
πολιὴν ἅλα τύπτον ἐρετμοῖς) Voss
Odüssee 154
Bernays; theilt mit starkem arm die woge strebend nach dem theuren strand Schiller 9, 339
G. (
Hero u. Leander); in die meersfluth werfen wir uns, in den freieren ebnen uns zu sättigen, und es umspielt die unendliche wooge unsern kiel, es freut sich das herz an den kräften des meergotts Hölderlin
s. w. 3, 25
v. Hellingr.; und stundenlang dort sitzend auf dem fels gibt er den irren blick der woge hin Mörike
s. w. 5, 120
Fischer; in umschwärmendem chor und in zitternder jagd, nach den wiesen die woge, nach silber smaragd, so folgen dir froh, die dein lächeln erkürt Stefan George
w. (
gesamtausg.) 5, 85. B@1@ee)
in formelhaften nominalen verbindungen. häufig ist die alliterierende verbindung des plurals von woge
mit dem von welle
als synonyme steigerung: du warffest mich in die tieffe mitten im meer, das die flut mich umgaben, alle deine wogen und wellen (
omnes gurgites tui et fluctus tui) gingen über mich
Jonas 2, 4; du soltest gehen durch ein weites wildes meer zwischen eitel groszen wellen und wasserwogen Dannhawer
catech.-milch (1657) 4, 73; ein tugendhaffter mann ruht zwischen well und wogen, wenn einem thoren auch im hafen ruh gebricht Gottlob Stolle
in: v. Hofmannswaldau
u. anderer Deutschen ged. 5, 287
B. Neukirch; die tausend wellen und wogen, die mit einem schlage himmelan steigen und ihre häupter kränzen Herder 22, 234
Suphan. gern werden wind
und wogen
miteinander verbunden: vertraust du sie aufs neu dem spiel von wind und wogen? Schiller 6, 412
G.; (
das schiff ist) auf weitem meer der wind und wogen spiel Eichendorff
s. w. (1864) 1, 729; still waren nun des meeres wind und wogen, gestorben schien die weite welt Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 1, 320. woge(n)
wird in präpositionaler wendung wiederholt: (
das meer) auf dem sich wogen in wogen verlieren Herder 13, 291
Suphan; vgl. 12, 242; wie wogen in wogen zerscheitern maler Müller
w. (1811) 1, 359; wenn wir gewaltsam wog auf woge sehn Göthe 10, 148
W. (
Tasso 2, 1); (
das meer,) welches ohne aufhören woge auf woge wälzt O. Jahn
Mozart (1856) 1, 437; mit zerstörender gewalt schnaubt woge an woge an ihm (
dem deich) hinauf Allmers
marschenbuch (1900) 33. B@1@ff)
in redensartlichem vergleich öl auf die wogen gieszen
vgl. oben teil 7, 1272
und Borchardt-Wustmann (
61925) 353
u. ä.: diese nachricht wirkte bei dem alten wie ein tropfen öl auf erregte wogen W. v. Polenz
Büttnerbauer (1895) 111. B@1@gg)
für das wechselnd stärkere oder schwächere strömen von flüssigkeiten verschiedener art unter zurücktreten der gestaltvorstellung von woge: rauchend in des henkels bogen schieszts (
die glockenspeise) mit feuerbraunen wogen Schiller 11, 310
G. (
lied v. d. glocke); wie strömt in wogen fort dein edles blut (
von einem verwundeten) Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 1, 104; mitten in dem saale drängte ein groszer springbrunnen seine wassersäule fast bis zur decke der kuppel empor; seine wogen, in tausend blinkende sterne zerbrochen weckten in das silberbecken zurückfallend die süszesten cymbeltöne O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 465;
vgl. auch unter wasserwoge 2,
teil 13, 2553. B@22)
übertragen und bildlich vor Klopstock
nur vereinzelt, vgl. unten f
und sandwogen
bei Stieler
sp. 988,
s. auch den übertragenen gebrauch von denominativem 2wogen
sp. 996. B@2@aa)
in breiterer anwendung für atmosphärische erscheinungen und gebilde, häufig verbunden mit gehörsvorstellungen: und die gewitterwinde? sie tragen den donner! wie sie rauschen! wie sie mit lauter woge den wald durchströmen! Klopstock
oden 1, 137
M.-P.; und dann ging es immer weiter an ein sausen an ein biegen; kam es her in mächt'gem zuge, schwoll es an zu breiten wogen, hoch sich durch die wipfel wälzend kam die sturmesflut gezogen Gottfr. Keller
ges. w. (1889) 9, 53; wenn drauszen der wilde sturm in vollen wogen braust Cl. Brentano
Godwi (1801) 1, 16; herein drang die frische morgenluft und umdrang und durchquoll sie mit ihren kühlen wogen O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 99.
vom feuer: da wälzen sich auf einmal glühnde wogen ...; ein feuerkreis hat prasselnd dich (
Napoleon I. in Moskau) umzogen Th. Körner
w. 1, 116
Hempel. vom licht: das allerfreuliche licht mit seinen stralen und wogen Novalis
schr. 1, 4
Minor. auch von nebel und wolken: ... die Weser rauschte, graue nebelfluten zogen; thurm und dach von Dreizehnlinden ragten aus des dunstes wogen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 164; höher gehen die wogen im wolkenocean H. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 510. B@2@bb)
von der anschauung einer wogenden wasserfläche ausgehend übertragen auf die bewegung eines feldes oder waldes im winde: und der vater mit frohem blick von des hauses weitschauendem giebel ... siehet ... ... die speicher, vom segen gebogen, und des kornes bewegte wogen Schiller 11, 309
G. (
lied v. d. glocke); oft, wenn der mäszige vormittagswind die reifenden ähren zu silbernen wogen mischte Stifter
s. w. (1901
ff.) 3, 103; wenn sie dann aus dem walde an den rand der felder trat und weithin die goldenen wogen der weizenäcker sah Will Vesper
d. harte geschlecht (1931) 261; banner, der so kühle wallt! unter deinen grünen wogen hast du treu uns auferzogen, ... lebe wohl, du schöner wald! Eichendorff
s. w. (1864) 1, 382; so weit das auge reichte gegen norden, westen und osten, sah es nichts als grüne wogen der bäume H. Laube
ges. schr. (1875) 14, 3; hangabwärts vor uns rollten die wälder in breiten wogen hinab ins Savetal K. H. Strobl
dorf im Kaukasus (1936) 5; wälder ..., die (
von oben gesehen) wie riesenbreite, dunkle, blähende wogen hinauslagen Stifter
s. w. (1901
ff.) 1, 258 (
hochwald cap. 3).
von der gleichen vorstellung ausgehend übertragen auf andere, z. t. in der bewegung erstarrte oder als erstarrt vorgestellte, wellenförmig gestaltete flächen oder umrisse: vom winde gewellt liegt hier (
in der wüste) oft der lose sand in wogen und hügeln viele meilen weit fort Oken
allg. naturgesch. (1839) 1, 559;
vgl. schon sandwogen
arenarum tumuli mobiles, ut in Arabia deserta Stieler (1691) 2529; ich bin durch die wüste gezogen, des sandes glühende wogen verbrannten mir den fusz Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 384; kein gletscherstrom nimmt den ankömmling auf mit seinen funkelnden, starren wogen H. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) xvii; die edel geformte woge des Schneefernerkopfes
ebda 628,
vgl. 25; wogen aus nacktem graugelbem fels laufen starr ins tal Gmelin
d. ruf zum reich (1936) 113.
auch in der hohen poesie wie 1 d: ... überbleicht erscheint mir schon von grauer zelten woge weit das thal dahin Göthe 15, 1, 110
W. (
Faust II
v. 7010).
anders von den bewegungen gewebter stoffe: er wirft sich in die seidnen wogen und schläft Fr. Kind
ged. (1817) 3, 139; so sah sie in den rauschenden wogen von taft und bunten schleifen wie ein elfchen aus, das aus einer tulpe guckt Eichendorff
s. w. (1864) 2, 379.
so auch vom haar: gib eine locke, abgott meiner seelen, von diesem haupthaar mir, das von der Juno scheiteln in üppgere wogen nicht zur ferse wallt H. v. Kleist 2, 349
E. Schm. (
Hermannsschl. 2, 5). B@2@cc)
vom hin- und herwogen des wassers oder von der sich fortsetzenden wellenbewegung übertragen auf das hin- und herfluten einer volksmenge bzw. auf scharen, die in gröszerer oder kleinerer zahl aufeinanderfolgend dahinziehen: alles drängte sich gegen die capelle und strebte zu derselben hinein. wir, durch die woge seitwärts geschoben, verweilten im freien Göthe 34, 23
W.; hinter ihm (
dem zuge) schlugen die wogen des bisher durch die straszen getrennten gewühles zusammen Holtei
erzähl. schr. 14, 178;
vgl.des marktes wogen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 545; zu Paris am königsschlosse, das der prinz nunmehr bezogen, harrt der wagen lange reihe, drängen sich des volkes wogen
N. Lenau
s. w. 268
Barthel; aber den brausenden wogen der massen gegenüber schwiegen alle bis auf den einzigen Lucius Trebellius Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 107.
insbesondere von kämpfenden heerscharen: werf ich dies banner in die luft empor, so brüllt die zornge wog (
der feinde) auf euch heran Fouqué
held des nordens (1810) 2, 87; die letzten wogen des feindlichen angriffes prallten heran und prallten ab Hindenburg
aus m. leben (1920) 357.
öfter auch von völkerscharen: die wilden wogen aller völkerbewegungen E.
M. Arndt
s. w. 1, 241
R.-M.; gelegentlich von einer herde: was etwa da und dort sich melden mag, ... der heerden woge seis, ein heereszug vielleicht, wir schützen jene, begegnen diesem Göthe 15, 1, 208
W. (
Faust II
v. 9204). B@2@dd)
vom an- und abschwellen der wogen ausgehend finden sich häufig übertragungen im bereich des akustischen. besonders bei musik: vom strome des tempelliedes mächtig ergriffen und auf seinen wogen mit fortgewälzt Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 3;
in breiterer verwendung bezeichnenderweise seit der romantik: ... süsze musik, welche klingt in vollen wogen Tieck
schr. (1826) 1, 221; (
des schmerzes) stimme rauscht auf den wogen der melodie daher Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 2, 178; wenn die seele in den wogen der töne schwillt Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 150; da erbraust in prächtgen wogen durch des domes stolze bogen schon gesang und orgelton Geibel
ges. w. (1883) 1, 7; wie eine königin vom hohen felsendom rauscht sie (
die grosze glocke) heran mit metallenen wogen A. Meschendörfer
büffelbrunnen (1935) 41.
bei anderen schallwahrnehmungen: ein neues tanzen jubelte drauszen los, vom champagner angezündet, und trieb seine hochgehenden wogen herein in den trüben schwemmteich von reden, streiten, lachen, scherzen Stifter
s. w. (1901
ff.) 1, 83.
von lebhaften reden oder erregten meinungsäuszerungen innerhalb eines kreises von personen: allmählich ward die stimmung der gesellschaft lebhafter, die wogen der verschiedenartigsten durcheinandergehenden gespräche erzeugten eine art brandung H. Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 193; die wogen des landtags haben sich gelegt Göthe IV 12, 287
W.; redensartlich die wogen gehen hoch: es wurde nicht überhört, so hoch die wogen (
bei erregten auseinandersetzungen auf einer gesellschaft) auch gingen Fontane
ges. w. I 1, 424; in meinem stabe gingen die wogen hoch; auch ich muszte mich durchringen Ludendorff
kriegserinnerungen (1919) 307.
vgl. auch vom rauschen des windes u. ä. im eingang von a. B@2@ee)
von dem durch innere erregung verursachten stärkeren pulsieren des blutes: wenn furcht und seelenglut zumal in stöszen treiben blutes wogen Annette v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878
ff.) 2, 134; erinnerungen aus büchern und dinge der natur, die das blut in ihren adern hochklopfen machen und ihr rote, heisze wogen ins gehirn jagen H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 5; zu diesem bilde (
ihres geliebten bruders) wallfahrten die wogen ihres herzblutes E. Strausz
Hans u. Grete (1909) 79.
von der anschauung der regelmäszig wiederkehrenden woge
ausgehend übertragen auf das wallen des busens, vgl. auch wogen,
vb., sp. 997: der sultan nahte sich ihr in dem augenblicke, da ihr busen von der heftigen bewegung in wollüstigen, drängenden wogen sich hob und sank Fr.
M. Klinger
w. (1809) 10, 33; und wo ihre augen schweifen, alle sinne sie zerreiszet. in den wogen ihres busens alle sünder untertauchen Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 451; leise heben sich in zitternden wogen deiner üppigen brüste zartknospende rosen
moderne dichtercharaktere (1885) 18. B@2@ff)
die übertragung auf bedrängnis und unglück des menschen geht von der vorstellung der gefahr aus, die die wogen
für den menschen bedeuten, bezeichnenderweise gibt es bis zur zeit des sturm und drang (
s.g
und h)
nur diese art der übertragung: unverweert bliven van allen stormen unde wagen der werlt (1469)
bei Schiller-Lübben 5, 573
b;
vgl. unter wasserwoge: die wasserwogen deines zorns (
gottes den menschen gegenüber) Weckherlin
und wasserwogen der anfechtung Balth. Schupp;
dazu unglückswogen
undae malorum, fortunae fluctus Stieler 2529;
in späterer zeit wirkt diese mit woge
verbundene vorstellung mit anderen zusammen nach, z. b. bei wogen des kriegs, der revolution
u. ä., vgl. h. B@2@gg)
von seelischen empfindungen, seltener auch meinungen, ansichten u. ä., erst seit der zeit des sturm und drang nachweisbar. von den empfindungen eines einzelnen, ausgehend von der dem worte anhaftenden vorstellung des starkbewegten: wild sind die wellen der liebe: die stürme der eifersucht brausen schrecklich; es wälzet das herz wogen auf wogen hinan Herder 26, 34
Suphan; die finsternisz aber ward dichter, bänger meine seele ... wilde wogen umfassen, umschweben mich, verdrängen mich! maler Müller
w. (1811) 1, 35; die empörten wogen der seele lieszen sie nicht schlafen
M. Meyr
erzähl. aus d. Ries (1868) 2, 115.
vor allem mit einem genetivischen attribut, das die leidenschaftliche oder schmerzliche art der erregtheit zum ausdruck bringt: ... im herzen wogen der höchsten leidenschaft Lenz
gedichte 136
Weinhold; die würde und der adel, welche hier (
bei der arie der Elvira) die wogen des schmerzes und der rache glätten O. Jahn
Mozart (1856) 4, 311;
weniger gebräuchlich bei andersartigen gefühlen: zerbrochen war die woge des genusses am felsen des unendlichen verdrusses Novalis
schr. 1, 32
Minor; eine jähe woge uralter erinnerung an seine eigene jugend war in seiner seele emporgequollen W. Weigand
d. Löffelstelze (1919) 111.
bei gleichartigem auf eine gemeinschaft übertragenem gebrauch treten neben die vorstellung des starkbewegten zumeist noch andere, die von der anschauung der sich verbreitenden wellenbewegung ihren ursprung nehmen: Mirabeau ... erkannte, wohin die woge der öffentlichen meinung unaufhaltsam gehe Dahlmann
gesch. d. franz. revolution (1845) 348; (
die zeit,) da die hochgehenden wogen volksthümlicher entrüstung die decke sprengten, die sie lange gehemmt Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 133; neben unbändigem lebensgenusz ging eine woge von weltflucht und buszfertigkeit durch die christlichen völker Gmelin
d. ruf zum reich (1936) 102;
zwischen d (
schlusz)
und g: wogen der begeisterung Heyne 3 (1895) 1399; (
die stadt,) in deren engen, winkeligen gassen das jauchzende gelächter der zuschauer beim anblick des eselsritters wie eine woge jähen volksglücks auf und nieder brandete W. Weigand
d. Löffelstelze (1919) 3.
seltener mit dem begriff des wechselhaften: dies heutge England ist das künftge nicht, wies das vergangne nicht mehr ist. — wie sich die neigung anders wendet, also steigt und fällt des urtheils wandelbare woge Schiller 12, 455
G. (
Maria Stuart 2, 3). B@2@hh)
von in verschiedenen phasen verlaufenden oder sich auswirkenden begebnissen oder gröszeren zusammenhängen des geschehens, ausgehend von der vorstellung der räumlich aufeinanderfolgenden, an- und abschwellenden wellenbewegungen. von revolutionen und kriegen: ... schreckenlos seh ich die woogen der rebellion bis an die stuffen deines trones schlagen Schiller 5, 53
G. (
don Carlos 1.
fassung 1, 6); die wogen der revolution gingen noch zu hoch A. Ruge
briefw. u. tageb. 2, 34
Nerrlich; als sich gelegt des wilden krieges wogen Chamisso
w. (1836) 4, 56; unaufhörlich brandeten die wogen des allgemeinen kampfes auch in Schottland an Ranke
s. w. 15, 11.
von geistigen bewegungen: die wogen der bewegung, die mit Lessing begann Immermann 1, 192
Boxb.; ähnlich: die groszen wogen ... gehen einem mit ihrer ideenfülle über den kopf weg W. Raabe
Horacker (1876) 36.
allgemeiner von dem wechselhaften geschehen innerhalb eines gewissen zeitraums oder in der zeit überhaupt. neben dem begriff der wandelbarkeit wird öfter zum ausdruck gebracht, dasz es sich im besonderen um ereignisse handelt, die den betroffenen hart mitnehmen: und dieses bleibende musz im wechsel des vergänglichen sich erzeugen und in ihm fortdauern und unversehrt fortgetragen werden auf den wogen der zeit Fichte
s. w. (1845) 2, 266; ihn trug auf rauhen wogen die wildbewegte zeit v. Schenkendorff
ged. (1815) 4; die zukunft ist nicht für den kranken — nur der blick des gesunden kann sich dreist in ihre wunderlichen wogen verlieren Novalis
schr. 2, 102
Minor; ähnlich Stifter
s. w. (1901
ff.) 3, 7; eins nur beharrt in der verändrung wogen ... das ist die brücke, die der geist geschlagen, um uns vom irdischen zu gott zu tragen
moderne dichtercharaktere (1885) 169.
bei begrenzteren zeitvorstellungen: eh ich mich den wogen des tags übergebe, grüs ich dich noch einmal Göthe IV 7, 276
W. von dem lebenszusammenhang als ganzem, ohne dasz wie im vorigen die zeitliche dimension betont würde; häufig zugleich mit der vorstellung eines wellenbewegten gewässers und daher gemäsz dem gebrauch von 1 d
gern in singularischer verwendung, vor allem in den verbindungen woge des lebens
und woge der welt: ich setzt ihn (
meinen lebenslauf) mehrentheils in der absicht auf, um manchen auf der woge des lebens zu sorglos segelnden jüngling vor der klippe zu warnen Schubart
ged. (1825) 2, vi; und auf des lebens leicht bewegter woge bleibt dir ein stätes herz Göthe 10, 155
W. (
Tasso); kennst du sie, die seelig, wie die sterne, von des lebens dunkler wooge ferne, wandellos in stiller schöne lebt Hölderlin
s. w. 2, 3
v. Hellingr.; ich bin nun ganz eingeschifft auf der woge der welt Göthe IV 3, 37
W.; Alexander, du dichterheld! dich hab ich erkannt über den wogen der welt, dir reich ich die hand! Eichendorff
s. w. (1864) 3, 479; o was sind wir groszen auf der woge der menschheit? Göthe 8, 184
W. (
Egmont).
vom leben oder schicksal eines einzelnen: ohne ruhe, ohne geistesstille, werfen mich die wogen meines schicksals von klippe zu klippe Schubart
br. 1, 89
Strausz. B@2@ii)
von ansehen, glück und ähnlichen zuständen, gewöhnlich mit der vorstellung des emporgetragenseins: auf der woge der erdengrösze getragen Ed. Devrient
an s. frau (1909) 76; und kaum vermag ichs, mich zu überzeugen, dasz alles fest steht und nur ich es bin, der auf des glückes wogen taumelnd wird getragen Grillparzer
s. w. 4, 145
Sauer (
Sappho 1, 3).
zwischen h
und i: ein berauschendes gefühl mag es sein, oben auf der woge zu schwimmen, ... das gestirn des tages (
zu sein) W. Alexis
die hosen d. herrn v. Bredow (1846) ix; männer, die die woge des lebens hoch emporträgt und dann wieder fallen und sinken läszt W. v. Scholz
erzählungen (1924) 326.