wetzen,
vb. ,
schärfen, reiben; anreizen. ahd. hwazzan, wezzen;
mhd. wetzen;
mnd. mnl. nl. wetten;
ags. hwettan,
ne. whet;
an. hvetja,
norw. dial. kvetja,
ält. dän. hvaedie,
mschw. hvätia,
schwed. dial. u. ält. nschw. (h)vättja;
gemeingermanische faktitive j-
ableitung vom adj.-stamm *hwata- '
scharf' (
vgl. ahd. hwaz),
zu dem weiterhin ablautend got. hwotjan '
drohen', gahwotjan '
anreizen, verleiten'
und'
bedrohen',
an. hta '
drohen' (
dazu die postverbalia got. hwota,
an. hōt
pl. '
drohung' Wissmann
d. ält. postv. d. germ. 64
ff.)
sowie an. hvāta '
stoszen, durchbohren',
as. forhwātan,
ahd. hwāzan '
verfluchen'
gehören, weiteres s. Walde-Pokorny 1, 513; Pokorny 636;
zugrunde liegt eine wurzel *qd-,
*qud-,
die vielleicht auch in lat. triquetrus '
dreieckig'
erscheint. im ahd. und mhd. begegnen noch unumgelautete präteritalformen: uuaztin
ahd. gl. 2, 446, 47; uuazton Notker 2, 75
Sehrt-St.; 3, 2, 410; wazten Hugo v. Langenstein
Martina 186, 11
lit. ver.; liedersaal 1, 280
Laszberg. mundartlich allgemein gebräuchlich, vgl. u. a. Mensing
schlesw.-holst. 5, 612; Martin
Waldeck 283; Woeste
Westfalen 321;
luxemb. ma. 486; Schmeller-Fr.
bayer. 2, 1059; Fischer
schwäb. 6, 747. 11) '
scharf machen',
z. t. mit akustischem nebensinn (
s. auch 7),
vgl.: 'wetzen
heftig und mit diesem worte eignen laute reiben' Adelung 5 (1786) 195.
meist von waffen und schneidewerkzeugen, die durch eine reibfläche (
z. b. wetzstein)
oder das reiben an einer feststehenden fläche geschärft werden (
vgl. auch zähne wetzen 2 a). (
numquid)
foederabitur (
ferrum ferro) giuuezit uuirdit (10.—12.
jh.)
ahd. gl. 1, 629, 59—61 (
zu Jer. 15, 12);
in weiterer, z. t. ebenfalls freier übersetzung ebda 2, 446, 47; 644, 56; 669, 54; 771, 39; ist thiu akus ju giwezzit, zi theru wurzelun gesezzit ouh harto gislimit themo, then si rinit Otfrid I 23, 51
E.; peginno ih uuezzen min suert, daz plicche gelîh ist
si acuero ut fulgur gladium meum Notker 2, 632, 8
P.; nû lac dâ bî im ein harte guot wetzestein. dâ begunde erz (
das messer) ane strîchen harte unmüeziclîchen, dâ bî wetzen Hartmann v. Aue
armer Heinrich 1221
P.; ein swert vil wol gewetzet und gesliffen sêre Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 5520
Keller; ein eisen wetzt oder scherpfft das ander Mathesius
Sarepta (1571) 79
b; darumb Thearidas, da er seinen reuting mit einem wetzstein wetzet, gefragt ward, ob er scharpff were Lorichius
pädag. principum (1595) 121; ein philosophus als er auff eine zeit bey einem fürsten zu gast war, nahm er unter dem beten seinen einen pantoffel und wetzet sein messer drauf Lehmann
floril. polit. (1662) 4, 206; myn sägsen musz ich jetzund wetzen, das sy mög scharpff schneiden vnd hauwen
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 2, 308
Bächtold; ein grassmehder mit dem stein gerade die sense streichet oder wetzet Aitinger
jagd- u. weidbuch (1681) 213; es ist ein schnitter, der heiszt tod, der hat gewalt vom höchsten gott; heut wetzt er das messer, es schneidt schon viel besser Böhme
volskthüml. lieder d. Deutschen (1895) 591; sie zeigt ihm, wie man das sensenblatt nochmals dengelt und wetzt Fr. Wolf
zwei a. d. grenze (1948) 79.
im bilde: drum auf! und wetze deinen (
feder-)kiel zu neuen angriffen Schwab
belust. (1741) 1, 57; darin (
in dem haus des elends) wetzet der teufel den stachel des todes J. Böhme
s. w. 2, 190
Schiebler; die sündt hat dem tott die sensen gewezt Abr. a
s. Clara
pred. 169
lit. ver. 22)
im weiteren sinne von der reibenden oder schleifenden bewegung, mit der ein gegenstand über den anderen gleitet; dabei klingt der vorstellungsgehalt des schärfens nur noch gelegentlich an. 2@aa) zähne
u. dgl. wetzen '
die zähne fletschend aufeinander reiben oder aneinander schlagen'
; fatigare dentem in dente die zAen brauchen oder auff einanderen wetzen vnd verschlyssen Frisius
dict. (1556) 389
a: sîn zene begunde er (
der sterbende) wetzen, vaste ûf einander setzen und durch die zungen bîzen
Vorauer novelle 549
Schönbach; da stuond in mitten vor Juppiters altar ein wttender priester ... die zeen artlich auff einander wetzende, vnd knirren S. Franck
Germ. chron. (1539) 2, 3
b; ich (
der teufel) wise di elüt recht an, das iettweders dem andern nit guotz gan, und tuon si ze samen hetzen, das si mit den zenen tuond wetzen
des teufels netz 1426
Barack; ich bin das wild, auf das sie birschen, die bluthund wetzen schon den zahn W. Hauff
s. w. (1890) 1, 166; einzelne stücke gebärden sich ganz nach art der paviane, indem sie ... die zähne aneinander wetzen Brehm
tierl. 1, 157
P.-L. insbesondere '
beim schwarzwilde das eigenthümlich weithin tönende aneinanderschlagen des gewaffes' Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 6, 383: uf des küneges hof er (
der eber) kam schumende unde wetzende Gottfried v. Straszburg
Tristan 13 517
R.; als in das schwein ersahe, lieffe es den nechsten auff in mit schumendem mund und wetzenden zAenen unnd wolt ihne zuo der erden werffen Montanus
schwankb. 23
Bolte; allein, wann auf dem Harz, nun lang genug gequält, ein aufgebrachtes schwein zuletzt den tod erwählt, die dicken borsten sträubt, die starken waffen wetzet und wüthend übern schwarm entbauchter hunde setzet Haller
ged. 71
Hirzel. im sinne von '
schärfen, spitzen': mein zeen, die darinnen sein, die geben gar gut lauten zweck, die fressen allen treck hinweck, dasz man nicht vil dran wetzen darff, ja es macht, sie seindt vorhin scharff Ayrer
dramen 1, 282
Keller; das harte brot die zAen nur wetzt, das gewont vbel nicht mehr verlezt Fischart
w. 3, 82
Hauffen. bildlich: denn es ist für die menge erfunden und geschrieben, die sich, ohne den kritischen zahn zu wetzen, an allem erfreut Göthe I 41, 1, 181
W. 2@bb) den schnabel wetzen '
ihn an ästen, steinen u. dgl. abstreichen': er (
der geier) wetzet seinen snabel niht an die stain Konrad v. Megengerg
buch d. natur 229
Pfeiffer; das ist ein sandstein, daran ich meinen schnabel kan wetzen Fischart
Garg. 385
ndr.; das kleine waldgeflügel ..., wie es den schnabel wetzet Paracelsus
opera 2, 543
Huser; wann sie behend und rasch von zweig zu zweigen springen, bald auf ein steiffes ästchen setzen, ihr schnäbelchen von beiden seiten wetzen Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 53; schon flattert, leichenwitternd, die weisze, gespenstische möwe, und wetzt an dem mastbaum den schnabel Heine
s. w. 1, 173
Elster. allgemeiner: unzüchtige zotten ... lernen, und nicht viel anders als ein widhopff den schnabel jmmerzu im koth und unflath wetzen Abr. a
s. Clara
Judas (1687) 1, 162.
im bilde: ach wertheste schöne, sie vergebe meinem kiel, dasz er die feuchtigkeit seines schnabels an ihrem ruhm wetzen will Chr. Weise
erznarren 57
ndr.; und kurz, das neue lied begann. die sänger wetzten sich den schnabel und orgelten mit angst und pein das tollste wirwarr durch den hain Ramler
fabellese (1783) 3, 209. 2@cc)
von anderen körperteilen: sînen vinger begund er nezzen und an einen stein wezzen daz er aller râmik wart (
schmutzig)
gesammtabenteuer 3, 114
v. d. Hagen; da schreien alle sew wider jhn, streubten die borsten auff dem rücken, wetzten die russel und lieffen zusamen (1537) Luther 50, 35
W.; der adler grosmechtig, derselb sein klaen hat gewetzt, all sein vermüegen daran setzt, als ob er mich gar wöl verdempfen Hans Sachs 22, 353
lit. ver.; du murrst gleich wie der hellisch hund, der an der ketten wetzt den mund
Z. Müntzer
bepstl. gesch. (1566) 225; der lewe wil seine klawen wetzen, die Flatianer zu verletzen (
um 1570)
bei Ziegler
geschützinschr. 53; (
das nashorn) wetzet sein horn an den kiselsteinen Eppendorff
Plinius (1543) 56.
weidmännisch für üblicheres '
fegen': sag an, lieber waidmann, wie viel end-ahn hat der edle hirsch auf seinem kopfe stahn? so oft sich der edle hirsch hat gebetzt und gewetzt, so viel end hat der edle hirsch auf seinen kopf gesetzt Grässe
jägerbrevier (1857) 4. 2@dd)
bisweilen synonym mit '
scheuern, reiben, mahlen': weczin
molere (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 365
b;
nov. gl. 255
b; niemants mag dir im frosz geleichen, du wirst auch nimmer darvon weichen ... füll den wanst und stopff den magen, fütter d backen und wetz den kragen! Wickram
w. 4, 54
lit. ver.; allein was zwinget dich, ihn auf die prob zu setzen? suchst du den stachel nur, um dich daran zu wetzen, der manche thrAenen noch aus deinen augen drckt? Petrasch
sämtl. lustsp. (1765) 1, 926; und die ins gestein gewetzten spuren seiner ketten Gaudy
s. w. (1844) 5, 16; zu allerletzt steigt wohl noch der Wastel hervor, wetzt sich gähnend die augen Rosegger
schr. (1895) I 4, 313; wenn der zugfuhrmann wüszte, wie mich der schuh wetzt, er nähme mich mit
ebda 8, 258; den oberstleutnant befiel eine kleine verlegenheit, er wetzte auf seinem sessel hin und her
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 164; als sie allzulange nicht angeredet ... wurde, wetzte sie wenigstens ihre beine P. Dörfler
Apollonias sommer (1932) 197; und (
sie) machte sich noch vor dem hahnschrei über die von den vielen schlitten glatt gewetzten wege zu fusz nach der stadt davon
ders., tör. jungfrau (1930) 249.
mit hörbarem geräusch reibend gleiten: die nadel (
des grammophons) wetzte, der deckel sank. und männlich begann es zu choralhaften klängen Th. Mann
d. zauberberg (1953) 969.
auch im sinne von '
schlagen': wie leicht wärs ihm (
dem rosz), ein huf an dessen hirn zu wetzen, des ohnmacht wütend tobt, zu schwach, es zu verletzen
anmuth. gelehrsamk. (1751) 5, 537
Gottsched; frau Inge ... war nicht willens, die arme zu breiten, dafür wetzte sie dem buben zwei hinter die löffel Steguweit
d. tör. jungfrau (1937) 9. 2@ee) den (mit dem) säbel, degen
u. dgl. wetzen,
d. h. ihn (
flach)
an etwas schlagen; vor allem in der studentensprache: '
mit dem degen auf dem steinpflaster hin und herfahren, als wenn man ihn schärfen wollte, eine unter den beflissenen auf den hochschulen gebräuchliche herausforderung' Campe 5 (1811) 696;
ehedem ein zeichen des aufruhrs, hat sich aber mit der gewohnheit degen zu tragen verloren, studentenspr. u. lied in Halle (1894) 114; mit dem degen in die steine wetzen
battere, frappare il lastrico colla spada Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1340
a: ir beydt nempt unser partisanen und thuont der an den schneiden schonen! thuont sye nit fast zuosammen wetzen, damit ir die nit thuon verletzen! Wickram
w. 6, 38
lit. ver.; diese blatten klitzschet man auffeinander, das lautet anders nicht, als wenn man etlich wehr durcheinander wetzet Schweigger
reyszbeschr. (1619) 208; die steine auf unsern straszen empfinden zwar das wetzen der degenklingen nicht Gottsched
vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 97; l'ombre zu spielen, Merseburger zu trincken, die gläser zu schrauben, mit dem degen zu wezen ... und was mehr zu einem studenten gehöret, das kan ich alles Henrici
weiberprobe (1726) 56; nun wetzte er die eroberte stange, die unten mit eisen beschlagen war, kreuzweis auf dem pflaster, dass es funken gab Eichendorff
s. w. (1864) 3, 386; und wetzte am abende mit seinem degen auf dem straszenpflaster, dasz die funken herumspritzten Arnim
s. w. (1853) 11, 51; ich sprang vor und wetzte mit dem degen an den wänden, und schrie wüthend Göthe I 43, 220
W. als symbolische handlung: an dieser gerichtsstätte wird der eid durch handanlegen an die säule, durch wetzen des schwertes an dem steinernen unterbau geleistet Ulmenstein
wappenwesen (1935) 31.
mit verändertem objekt: wann zu Ingolstadt in Bayren die studenten ... etwann auff der gassen die stain also wetzen, dasz ihnen das feuer zum augen auszgehet, werden sie auff der universitet in die keichen gesetzt Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 91.
übertragen auf streit und kampf: kommen sie gleich heut oder morgen, so müssens auch so vil dran setzen. wir wöllen scharpff einander wetzen. secht! wie ist in der feinde hauffen ein schwermen, durcheinander lauffen Hans Sachs 10, 111
lit. ver.; Festus und Artabanus wetzeten sich erschreklich Bucholtz
Herkuliskus (1665) 219
a;
oft absolut gebraucht: als ich neulich von der liebe zur trunckenheit handelte, und die veranlassung dazu von dem wetzen nahm, welches des abends auf unsern gassen gehOeret wird, haben sich einige freunde dieser academischen laster sehr beleidiget befunden Gottsched
vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 169; ... wenn der pursche lärmt und wetzt, doch mehr seinen armen degen, als den harten stein, verletzt Triller
poet. betracht. (1750) 6, 227; gestern abend fingen zwey jäger an zu wetzen, die wache ging nach ihnen, fand sie nicht, studenten arretirten sie (1790) Göthe IV 9, 193
W.; sich drauf die bürgerschaft rottiert, gebrüllt, gewetzt und krieg geführt
ders., I 16, 4
W. 2@ff)
von bekleidungsstücken '(
am boden)
schleifen, schleppen': hiemit er zu dem goltschmidt trg sein schuch und hiesz im die wol flickn, ... und auch oben umb besetzen, dasz imsz gewant nit hin thet wetzen
pfarrer von Kalenberg 67
ndr. in weiterem sinne: mit den kleidern wetzen
syrma trahere Stieler
stammb. (1691) 2519; die jungfer wetzet in der stadt herum
puella se ostentat, pompam agit per plateas et vicos, in vestium splendore et apparatu superbit, ebda; 'wetzen
die langen kleider im gehen auf dem boden schleifen lassen; nur im gemeinen leben einiger gegenden, und von dem anderen geschlechte' Adelung 5 (1786) 195: ein wolgezogene tochter ... ist weit ein besser schatz, als ein ander reuschel oder weinschneblein, das die finger spitzet vnnd fein daher wetzen vnnd zeltern kan Mathesius
ehestand (1563) Xx 1
b; sie (
die jungfrau Maria) fuhr auch nicht auff seiden wagen, so gieng sie nicht daher wetzen unnd hatte einen angewehnten sonderlichen tritt, sondern sie gieng jhren gewOehnlichen, natrlichen, einfeltigen gang
in: theatrum diabol. (1587) 2, 46
a; ein pfau ist stOeltzer noch, doch sag ich ohne scheu, dasz doch das jungfer-volck noch weit mehr stOeltzer sey. da mssen alle schritt nach noten seyn gesetzet, der leib der reget sich, der peltz geschAefftig wetzet Rachel
satyr. ged. 133
ndr. 33)
im anschlusz an die bedeutung '
schärfen'
häufig in bildlich-übertragenem gebrauch. 3@aa)
von sprachlichen äuszerungen, die zunge wetzen
u. dgl.; im vergleich: vuanda sîe iro zunga uuazton also suert (
quia ut gladium linguas suas exacuerunt) Notker 2, 239, 2
f. P.; sie wetzetin ir zuongin als die slangen
pred. d. 13./14.
jhs. 77
Leyser. abwertend von übler, feindseliger rede: er hat sine zungen gewezzet, er hat mine viande uf mich gehezzet
Rolandslied 87, 11
Grimm; wie denn die gottlosen yhre wort wissen zu wetzen, zu scherffen vnd zu schleiffen Luther 23, 420
W.; vnuerstandne ochsenkOepff ..., so jhr ohren darzu spitzen vnd jhre zungen also darein wAeschen, wetzen oder zu schAerpffen haben Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) a 4
b; je grOessere tugendwerck ... man anfangt, desto schAerffer wetzen andere ihre zungen daran Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 2, 344; es hätten sich nie zwei geheirathet, an welchen die leute nicht ihre zungen gewetzt und versuche gemacht hätten, sie zu trennen J. Gotthelf
ges. schr. (1855) 2, 310; was hat sie ihr maul zu wetzen an unserem werkmeister Eibel Fr. Wolf
zwei a. d. grenze (1948) 96; wenn es nach dem krieg etwas zu bessern gibt, so musz man die leute, die sich das maul so wetzen wie du, an die luft setzen Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 351.
mit konkreterem vorstellungsgehalt: bey jenem edeln dichterorden, der seiner sprache werth geschAetzt; durch den sie zum gebrauch gewetzt, zur zierde blank geschliffen worden J. A. Ebert
ep. u. verm. ged. (1789) 169; unsere Lutheraner ..., die sich die zungen schon schartig an ihm gewetzt Ina Seidel
Lennacker (1938) 169; die hatte zudem einen buckel und war ein freches ding, dem der schnabel in vielen häusern gewetzt wurde W. Schäfer
wendekreis (1937) 253. 3@bb)
oft bildlich vom schärfen des verstandes, der geistigseelischen kräfte; wie das vorige früh bezeugt: (
pejoribus aptos consiliis)
armate (
dolos) vuezzent (10./11.
jh.)
ahd. gl. 2, 617, 46 (
zu Sedulius); swer rime wil zu rimen und wort zu worte limen unde sin zu sinne setzen, der muz den sin da zu wetzen unde nemen dar von bilde, daz sin rim nicht vorwilde Heinrich v. Hesler
apokalypse 1392
Helm; von Admunde abt Heinrich allen sîn sin begunde wetzen wie er den fursten möht gehetzen gegen dem Salzpurgære Ottokar
österr. reimchron. 68579
Seem.; wer hat sich an in (
gott) gewetzet mit wisheit und ungeletzet ist von syner wisheit blyben?
Hiob 3093
Karsten; dann wo dieselben ... mit diser raitkunst sich vbend, so werden jhre verstAendt dardurch gewetzet und gescherpffet Pegius
geburtsstundenb. (1570)
vorr. 3
a; aber nu sind solche rotten unser, schleiffstein und polirer, die wetzen und schleiffen unsern glauben und lere, das sie glw (
gluh) und rein wie ein spiegel glentzen (1530) Luther 30, 2, 212
W.; die aposteln auff dem berg Thabor ... horeten des vatters stym, vnnd wurden doch yhr oren nit gewetzt noch gescherfft
ebda 10, 1, 1, 268; darumb wetzt vns auch gott mit vilerley trübseligkeiten vnd kümmernuszen, das wir werden ein wolschneidend instrument gotts
in: flugschr. a. d. reform. zeit 3, 315
Clemen; inmassen dann alle partheyen in fürfallenden streitpuncten sich auff jhn (
den feldherrn) als einen wolversuchten, gehetzt vnd gewetzten, durch alle spisz geloffenen vnd hocherfahrnen kriegszherrn, lenden, vnd sein vrtheil vnd auszspruch jederman erwarten vnd leiden solle Albertinus
d. kriegszleut weckuhr (1601) 2, 32
a; jhr die jhr je den sinn gewetzet und ewre feder angesetzet ein lied zu bringen an den tag das vor der kunst bestehen mag Simon Dach
ged. 4, 57
Ziesemer; denn bey dieser eigennützigkeit des menschlichen herzens, auch den verstand nur allein an dem üben wollen, was unsere körperlichen bedürfnisse betrift, würde ihn mehr stumpfen, als wetzen heissen Lessing 13, 432
L.-M.; wetzt nur, sophisten, eure witze Platen
w. 3, 262
Hempel; das schwerdt ist gefeget, der säbel ist blank, der speer ist umleget mit stahl breit und lang, der muth ist gewetzet Arndt
w. (1892) 4, 73
R.-M.; als Steinbrüchel über das vernünftige denken in der religion mit allem aufwand seiner gewetzten vernunft und seines spöttischen witzes geredet hatte W. Schäfer
erz. schr. (1918) 4, 72. 3@cc)
vor allem in älterer sprache '
reizen, scharf berühren, hervorrufen, provozieren' (
vgl. auch an. hvetja,
ags. hwettan '
anreizen'
sowie das ablautende got. gahwotjan '
anreizen, verlocken'):
aculantes [
die quelle hatte maculantes,
der glossator verstand aculeantes '
anstachelnde' Meyer-Lübke
rom. etym. wb. 124 ] huuazzandi, huuazanti (
St. Galler u. Reichenauer hs. d. abrogans)
ahd. gl. 1, 205, 11
St.-S.; unde diu troffeni (
passio) sînero sensuum furefangoe sînes mûotes chraft turh sih uuerchontes. tiu troffeni an sih uuezze dîa thât des mûotes (
prouocet in se actum mentis) Notker 1, 342, 25
P.; daz mir jâmerz herze wetzet Wolfram v. Eschenbach
Parzival 616, 10
Lachmann; zu klagen mich noch wetzet ein dink uf jamers lere Albrecht v. Scharfenberg
jg. Titurel 592
W.; sus begunde si in wetzen unde reizen ûf den tôt Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 3824
Kapteyn; so nun Christus kompt mit seinem euangelio, do rumort der teuffel, heczt und weczt alle teuffel zusammen, dasz fursten und hernn wuttig werden (1537) Luther 45, 406
W.; denn das sie stifften vil auffrur, den pöfel bringen zu unfur, den gmein mann gen der herrschaft hetzn, ein herrschaft an die andern wetzn Hans Sachs 10, 455
lit. ver. 3@dd)
in neuerer sprache vor allem noch auf das gefühlsleben bezogen, '
reizen, steigern': wie ein lOew, dessen zorn der bitter hunger wOezet ..., stracks seinem raub nachsOetzet Weckherlin
ged. 2, 69
Fischer; die stAerck wird durch den zorn gewetzt Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) R 3
b; den appetit vnd lust zu wetzen Guarinonius
grewel (1610) 467; sie (
die liebe Jesu) ist ja lauter milch und most die angenehmste seelen-kost, die sonder eckel uns ergetzt und doch den hunger lieblich wetzt
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied 5, 245; elende, woran mahnst du mich? dies wort, es könnte wetzen meine grausamkeit Tieck
schr. (1828) 3, 443; je höhern trumpf ihr darauf setzt, je schärfer ihren trotz ihr wetzt O. Ludwig
ges. schr. (1891) 3, 581. 44)
in präpositionalen verbindungen; wetzen auf, gegen
u. dgl., '
einen (
geschärften)
gegenstand auf, gegen jemand richten',
weiterhin auch '
die kraft, die rede, den verstand gegen jemand, auf etwas richten': swer sich verlæzet an gewin, der wetzet sô harte sînen sin mit girescheit nâch dem guote Thomasin v. Zirclaria
d. wälsche gast 8080
Rückert; ich wil min ellen wetzen gein eim vrechen Persan und wOelt er strites mich erlan, ich wOelt ez in erlazen niht Ulrich v. Türheim
Rennewart 29 842
Hübner; dein zung vnnd auch dein munde hastu auf mich gewetzt Albrecht v. Scharfenberg
Merlin str. 182
Panzer; also haben sich diese spitze köpffe an einander gewetzt, das die sophisten haben müssen ein wunderzeichen ertichten, wie das brod vergehe und lasse sein wesen zu nicht werden Luther 26, 439
W.; wer sich eim grOessern widersetzt, vnd auff jn seine zAene wetzt Waldis
Esopus 1, 71
Kurz; hie empöret sich ein volck wider das ander vnd wetzet je ein nachbar das schwerdt wider den andern Stumpf
Schweizerchron. (1606) 339
b; das beil, das du auf Carlen wetzt, wird deiner ruh an hals gesetzt Gryphius
trauersp. 374
lit. ver. den türmischen tod, wie er seine sensen so scharf gewetzet hat wider die geistlichkeit zu Wien Abr. a
s. Clara
w. 2, 73
Strigl; mein rath ist auch: dass man das messer auf ihn wetze Lohenstein
türk. trauersp. 181
lit. ver.; denn mir gehts ... hier in
N. sehr wohl, obgleich hie und da verläumder oder neider aufstehn und ihren zahn gegen mich wetzen Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 111; Preuszen, die ihre herzen und schwerter auf die Franzosen gewetzt hatten Arndt
s. w. (1892) 1, 128
R.-M. 55)
vereinzelt in der verbindung die scharte wetzen
für häufigeres auswetzen ('
ausglätten');
im übertragenen gebrauch: der fürst von Wissnowicz ... ist durchaus resolvirt und entschlossen, ... die scharten der kron (
Polen), wo möglich, diese oder künftige woche zu wetzen (1648)
urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 1, 286
Erdm.; und welche sich allhie (
im handel) darneben niedersetzen, die können nimmermehr die scharthen wieder wetzen Henrici
ged. (1727) 3, 310. 66)
zur bezeichnung bestimmter arten der bewegung, insbesondere der fortbewegung: und weil sie nit fest auf den beinen war, so wetzete sie den hindern hin und wieder, wie eine alte wettergans
frantzös. Simpl. (1683) 1, 52; wetzen
mit einwärts krummen beinen fehlerhaft gehn, so dasz sie an einander stoszen Rüdiger
zuwachs d. sprachkde (1782) 2, 130.
mundartlich und in der umgangssprache neuerer zeit im sinne von '
laufen, rennen' (
bedeutungsgeschichtlicher zusammenhang mit 2 f '
mit schleppenden kleidern gehen'
ist unsicher): wetzen
schnell gehen, rennen, jagen Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 661; Albrecht
Leipzig 236
b; Jecht
Mansfeld 123
b; Jungandreas
schles. zeitwortbildung 44; 83; Horn
soldatenspr. (1899) 76; während sie den rucksack umnahmen, wurde Deinharts zug zusammengerufen. 'gegenangriff!' meinte er und wetzte davon Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 461; ich das hören und zum heuerbaas wetzen — das war eins Weitendorf
logbuch (1956) 9; andere wetzen nach kurzem gekrabbel in die telefonkabinen
Berliner ztg. a. d. j. 1956; die blume steil in die luft gestreckt, wetzt er im hürdensprung über seinen ... bruder
süddt. ztg. 95/96 (1957) 14. 77)
von einzelnen tierlauten, die dem beim schärfen erklingenden geräusch ähneln; vom zirpen der heuschrecken: dafür tönte ... das ewige einsame zirpen und wetzen der heuschrecken über die haide Stifter
s. w. 1 (1904) 202; also meine ameisenlöwen brüllten, meine heuspringer wetzten, meine fliegen summten H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 240.
vom balzlaut des auerhahns; gleichbedeutend mit '
schleifen': unsere sprache lässt die hähne krähen, kollern, knarren, balzen, schleifen, wetzen, schnalzen, schnappen, worgen, kröpfen Brehm
tierl. 5, 470
P.-L.; dann folgen einige schalzende, klappende töne ..., dann der hauptschlag und endlich ein langer faden wetzender zischtöne. der urhahn falzt Tschudi
thierl. d. Alpenwelt (
41858) 126.
ungewöhnlich: früh sich ein schwätzig schwalb mit wetzen hören läszt J.
V. Andreae
triumph d. glaubens (1627) 32.