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Waise

mhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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12 in 11 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Waise

Bd. 4, Sp. 1351
Die Waise, plur. die -n, ohne Unterschied des Geschlechtes; oder der Waise, des -n, Fämin, die Waise, plur. beyde, die -n, Diminut. das Waischen, ein seiner Ältern beraubtes, besonders unmündiges Kind. Eine Waise werden, zur Waise werden. Eine vaterlose Waise, wenn es des Vaters beraubt ist. Eine mutterlose Waise, wenn es keine Mutter mehr hat. Am häufigsten gebraucht man es im Hochdeutschen als ein Fämininum, und da ist auch der Knabe eine Waise. Allein in andern Gegenden unterscheidet man es nach den Geschlechtern, und da ist der Knabe ein Waise, und das Mädchen eine Waise. Anm. Das Wort lautet schon bey dem Ottfried uueiso, im Nieders. Wese. Frisch gibt sich viele unnöthige Mühe, das Wort von weisen, zeigen, herzuleiten, und es nach einer unerhörten Ellipse, durch, des Weisers oder Führers beraubt, zu erklären. Waise, oder weise ist ursprünglich ein Adjectiv, welches, eines Dinges beraubt, bedeutete. Kroneweise, der Krone beraubt, kommt bey den Schwäbischen Dichtern vor. Auch Opitz gebraucht es noch häufig als ein Adjectivum: Wie steht die waise Stadt? wie steht sie so verlassen? Läßt aber unbesorgt die waisen Eyer stehen, Opitz. die verlassenen. Es ging mit bleichem Licht, die waise Mutter auf, Opitz. von der Aurora, die verlassene. Daß dieses waise mit dem Lat. viduus verwandt ist, wird der sehr wahrscheinlich finden, welcher weiß, wie gern s und r in den Sprachen und Mundarten mit einander vertauschet werden. S. Witwe. Da dieses Wort nun eigentlich ein Adjectiv ist, so erhellet daraus zugleich, das diejenigen Mundarten das Recht auf ihrer Seite haben, welche dieses Wort nach dem Geschlechte der Waise und die Waise biegen. Die Hochdeutschen scheinen durch das mildernde e am Ende, Waise, für das härtere Oberdeutsche Wais, verleitet worden zu seyn, dieses Wort für ein Fämininum zu halten. Was den Doppellaut ai betrifft, so findet er sich in den ältesten Schreibarten nicht, auch die Abstammung scheinet ihn nicht nothwendig zu machen; sondern er ist eine Eigenheit der spätern Oberdeutschen Mundarten, welche auch Getraide, haiter, Waise u. s. f. schreiben und sprechen. Die Hochdeutschen haben diesen unangenehmen Doppellaut in den meisten Fällen mit dem ihnen[] angemessenern ei vertauscht; allein in diesem Worte scheinen sie ihn wirklich zum Unterschiede von weise, sapiens, beybehalten zu haben.
2343 Zeichen · 30 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    waisesw. M., sw. F.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    waise , sw. M., sw. F. Vw.: s. weise (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Waise

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Waise , plur. die -n, ohne Unterschied des Geschlechtes; oder der Waise, des -n, Fämin, die Waise, plur. beyde, die …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Waise

    Goethe-Wörterbuch

    Waise [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Waisef.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Waise f. : = Waisenkind , Wääs (wEs) [FR-Carlsbg Tiefth Land]; vgl. verwaist . Rhein. IX 205 .

  5. Sprichwörter
    Waise

    Wander (Sprichwörter)

    Waise 1. Das seynd wol arm Waisen zu achten, welch jhre Eltern nichts haben lernen lassen. – Lehmann, 169, 14; Wirth, II…

  6. Spezial
    Waise

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Wai|se f. (-,-n) orfe m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit waise

105 Bildungen · 103 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

waise‑ als Erstglied (30 von 103)

waiselacker

DWB

waisel·acker

waiselacker , m. , vgl. waiselgrund: wie auf churf. waiseläcker, haiden, möser, gehölze etc. die viehweide zu gedulden. quelle bei Schmeller…

waiselgrund

DWB

waisel·grund

waiselgrund , m. , im früheren obd.: waislgründe, herrenloses gut. F. B. Weber ökon. lex. (1838) 629 a .

waiseljahr

DWB

waisel·jahr

waiseljahr , n. , im bair. waiseljahre, ' jahre welche die kinder der grundholden im dienst ( als knechte oder mägde ) des grund- u. gericht…

waiselring

DWB

waisel·ring

waiselring , m. ' in der ält. sprache ring mit einem wertvollen edelsteine. inventare von 1657, 1671 u. a. ' Unger-Khull 615 a . s. waise 6,…

waiselschaft

DWB

waisel·schaft

waiselschaft , f. , abstractbildung zu dem diminutiven waisel, dann auch collectiv gebraucht: weiselschafft (die), weiszlose, kinder denen v…

waiselstein

DWB

waisel·stein

waiselstein , m. edelstein, s. waise 6, c. Unger-Khull 615 a aus dem älteren steirischen; weysel-stein, ist ein durch einen berg-schwaden od…

Waisenbube

SHW

Waisen-bube Band 6, Spalte 209-210

Waisenhaus

SHW

Waisen-haus Band 6, Spalte 209-210

Waisenkind

SHW

Waisen-kind Band 6, Spalte 209-210

Waisenzahn

SHW

Waisen-zahn Band 6, Spalte 209-210

waisenamt

DWB

waise·n·amt

waisenamt , n. eine behörde, welche die aufsicht über die waisen, ihr vermögen u. s. w. führt. Adelung : anfangs erachten und befinden wir d…

waisenamtlich

DWB

waisenamt·lich

waisenamtlich , adj. : der gemeinderath ... besorgt die waisenamtliche verwaltung fremder frauen und wittwen. bundesverfassung der schweiz. …

waisenbar

DWB

waise·n·bar

waisenbar , adj. waisenhaft. mhd. weisenbære: wie ... mîn herze ... weinet, alsô nâch trôste kleiniu kint, die dürftic unde weisen sint. swe…

waisenbehörde

DWB

waise·n·behoerde

waisenbehörde , f. waisenamt: die schlichten landmänner der waisenbehörde. G. Keller 2, 94 ( gr. Heinrich ).

waisenbube

DWB

waise·n·bube

waisenbube , m. waisenknabe: wäisenbub, weesjongen Kramer (1719) 258 b .

waisenbuch

DWB

waise·n·buch

waisenbuch , n. buch, in dem die güter der waisen eingetragen sind: geschech auch, das jemant auss den vorgenannten dörffern abgieng mit dem…

waisend

DWB

wai·send

waisend , participiales adj. , verwaist, s. oben das verb. waisen: du ( der herzog Carl Eugen ) zogst, nach waisenden äonen, in unsern heyn,…

waisendank

DWB

waise·n·dank

waisendank , m. : kein psalmendonner spricht so laut wie waisendank und wie des armen zähre. Schubart 2, 58 .

Waisenërnt

ElsWB

waise·n·ernt

Waise n ërnt Weizenernte Ruf. ; –ërne Z. — Schweiz. 1, 464. Hess. 94.

waisenfeind

DWB

waise·n·feind

waisenfeind , m. bedrücker der waisen: er war der gottesfurcht voraus ergeben, ein wohlgelehrter fürst, von gutem raht, auch freundlich, fro…

Waisenfest

MeckWB

waise·n·fest

Waisenfest n. Kinderfest für die Waisen, in Wi am Dienstag nach dem Königsschuß gefeiert: an 'n Waisenfest tröcken de Waisen von 't Rathus m…

waisenfresser

DWB

waise·n·fresser

waisenfresser , m. : ey das klinget viel besser, als wenn die witwenschinder und waisenfresser den armen prediger-witwen soldaten einquartir…

waise als Zweitglied (1 von 1)

Nachwaise

Adelung

nach·waise

Die Nachwaise , plur. die -n, ein im Hochdeutschen veraltetes gutes Oberdeutsches Wort, ein nach dem Tode seines Vaters gebornes Kind, einen…

Ableitungen von waise (1 von 1)

urwaise

DWB

urwaise , für ein niederes lebewesen, das nicht durch zeugung entsteht Jean Paul 44, 55 H. —