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Violīne

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Violīne

Bd. 20, Sp. 180
Violīne (ital. Violino, franz. Violon), das jetzt über die ganze Welt verbreitete Streichinstrument, das mit seinen in größern Proportionen ihm nachgebildeten Verwandten in tieferer Lage (Bratsche, Cello, Kontrabaß) alle andern Streichinstrumente völlig verdrängt hat, ist ein verhältnismäßig noch junges Instrument, erreichte aber bereits zu Anfang des 18. Jahrh. die höchste Vollkommenheit seines Baues; alle Versuche, die Meisterleistungen der Cremoneser Violinbauer zu überbieten, sind erfolglos geblieben, während die übrigen Orchesterinstrumente sowie auch das Klavier und die Orgel seitdem sich immer mehr vervollkommt haben. Über die Entwickelung der V. aus den ältern Violen vgl. Streichinstrumente und Viola; über die Konstruktion der modernen Streichinstrumente s. Geige. Die Umwandlung der Viole zur V. ging etwa 1480–1530 durchaus allmählich vor sich. Die Erfahrung lehrte, eine kleine Abänderung nach der andern festzuhalten; daß ein solches Weitergeben der Erfahrungen der Violinbauer wirklich statthatte, dafür bürgt nicht nur die durch Generationen fortlaufende Tätigkeit der Amati (s. d.), Guarneri und Stradivari, sondern überhaupt die Beschränkung des Geigenbaues in der Zeit der Entwickelung auf einen verhältnismäßig kleinen Bezirk (Tirol und Oberitalien). Die V. ist, wie ihre Verwandten, mit vier Saiten bezogen, welche Zahl beimäßiger Wölbung des Steges ein bequemes Spiel jeder einzelnen Saite gestattet. Die Saiten sind gestimmt in: 150@@break und zählen von der Höhe nach der Tiefe, weil die höchste die dem Bogen nächst erreichbare ist. Die erste Saite heißt bei den Musikern »Quinte« oder Chanterelle (Sangsaite); die vierte (G-) Saite ist übersponnen. Notiert wird für die V. im G-Schlüssel (Violinschlüssel). Der Umfang des Instruments reicht in der Höhe fürs Orchesterspiel bis c4 oder ein paar Halbtöne höher, im Flageolett aber bis a4 und höher. Die V. ist ihrer Natur nach ein Instrument für einstimmiges Spiel; die Reduktion der Saiten der alten Violen und Lyren bedeutete einen Verzicht auf das Akkordspiel, doch ist dasselbe innerhalb gewisser Grenzen noch immer möglich und wurde besonders zu Ende des 17. Jahrh. von deutschen Violinisten (Baltzer, Walther, Biber, Strungk) zu großer Kunst gesteigert. Der Klang der dritten und vierten Saite der V. hat etwas dem Timbre der Altstimme Verwandtes, besonders in höhern Lagen. Außer dem gewöhnlichen vollen Tone sind der V. noch besondere Klänge abzugewinnen: 1) durch Berührung von Knotenpunkten harmonischer Obertöne, das sogen. Flageolett (s. d.); 2) durch Anreißen mit dem Finger statt Streichen das Pizzicato (s. d.), der dürftige Ersatz für die einst so zahlreich vertretenen Instrumente mit gekniffenen Saiten (Laute, Theorbe etc.). Veränderungen der Klangfarbe ergibt auch das Spiel ganz dicht am Stege (sul ponticello), das die Töne hart und rauschend, und das Gegenteil, das Spiel mehr nach dem Griffbrett hin (flautando, flautato), das die Töne weich und flötend macht. Einen ganz eigenartigen Klangeffekt ergibt auch das Aufsetzen des Dämpfers (s. d.) auf den Steg. Zu den Spielereien von zweifelhaftem Werte gehört das Klopfen mit der Rückseite des Bogens auf die Saiten (col legno). Über die verschiedenen Stricharten vgl. Bogen, S. 138. Die Violinliteratur ist außerordentlich reich, und eine große Zahl hochbedeutender Virtuosen haben ihre Zeitgenossen durch die meisterliche Behandlung des seelenvollsten aller Instrumente entzückt, die zum Teil zugleich achtenswerte Komponisten für dasselbe waren; es seien nur die hervorragendsten genannt: (17.–18. Jahrh.) B. Marini, C. Farina, G. B. Fontana, M. Uccellini, Bassani, G. B. Vitali, Torelli, Ant. Veracini, Corelli, Matteis, Vivaldi, Volumier, Baptiste, Birckenstock; (18. Jahrh.) Aubert. Babbi, Franz Benda, Berthaume, Brunetti, Cannabich, Castrucci, Treu, J. Fränzl, Festing, Fiorillo, Gaviniès, Geminiani, Giardini, Leclair, Linley, Locatelli, Lolli, Mestrino, Nardini, Pisendel, Pugnani, Somis, die drei Stamitz (Johann, Karl und Anton), Tartini, Tessarino, Toeschi, Fr. M. Veracini; (18.–19. Jahrh.) Campagnoli, Cartier, F. Fränzl, Rolla, Täglichsbeck, Viotti; (19. Jahrh.) Adelburg, Artôt, Baillot, de Bériot, Böhm, Ole Bull, David, Ernst, Rudolf und August Kreutzer, Lafont, Laub, Lipinski, Maurer, Mayseder, Mazas, Meerts, Molique, Paganini, Polledro, Prume, Rode, Sainton, Saloman, Sauzay, Schuppanzigh, Spohr, Strauß, Vieuxtemps, Wieniawski, Dancla, Joachim; Zeitgenossen: Alard, Auer, Lauterbach, Léonard, Rappoldi, Remenyi, Singer, Sivori, Sarasate, Ysaye, Sauret, Thomson, Wilhelmj, Heermann, Halir, Burmester etc. – Ausgezeichnete Violinschulen sind: die »Méthode« des Pariser Konservatoriums (Kreutzer, Rode und Baillot) und die Schulen von Baillot, Spohr, Alard, David, Dancla, Singer-Seifriz; die ältesten die von Geminiani und Leopold Mozart. Die Zahl der ausgezeichneten Studienwerke ist sehr groß; besonders seien genannt Tartinis »Arte dell arco«, Davids »Hohe Schule des Violinspiels« (Auswahl klassischer Violinwerke). Vgl. v. Wasielewski, Die V. und ihre Meister (4. Aufl., Leipz. 1904) und Die V. im 17. Jahrhundert (Bonn 1874); L. A. Vidal, Les instruments à archet (Par. 1876–79, 3 Bde.); W. L. v. Lütgendorff, Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Frankf. a. M. 1905); Schubert-Hofmann, Die V. (4. Aufl., Leipz. 1892); Ehrlich, Berühmte Geiger der Vergangenheit und Gegenwart (das. 1892); Clarke, Biographical dictionary of fiddlers (Lond. 1895); Witting, Geschichte des Violinspiels (Köln 1900); R. Scholz, Handbüchlein für Geigenspieler (Leipz. 1900); Tottmann, Führer durch den Violinunterricht (3. Aufl., das. 1902; Bd. 2, das. 1900); Heim, Neuer Führer durch die Violinliteratur (2. Aufl., Hannov. 1901); R. Hofmann, Führer durch die Violinliteratur (das. 1905); im übrigen die Literatur bei Artikel »Geige«.
5862 Zeichen · 106 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Violīne

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Violīne , plur. die -n, ein aus dem Französ. Violine entlehntes Wort, eine Discant-Viole oder Discant-Geige zu bezei…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Violine

    Goethe-Wörterbuch

    Violine [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Violine

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Violine , s. Geige .

  4. modern
    Dialekt
    Violine

    Rheinisches Wb.

    Violine das Wort ist n. der bei Geige angegebenen Linie allg.; im rhfrk., mosfrk. Gei- Geb. noch fajū:l Prüm-Mürlenb 186…

  5. Sprichwörter
    Violine

    Wander (Sprichwörter)

    Violine 1. Nâ de Vigelîn lätt 't sich gôd danzen, säd' de Avkat, dôr krêg he 'n Schinken. ( Münster. ) – Frommann, VI, 4…

  6. Spezial
    Violine

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Vi|o|li|ne f. (-,-n) ‹mus› (Musikinstrument) vidora (-res) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit violine

21 Bildungen · 21 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von violine

viol + -in + -e

violine leitet sich vom Lemma viol ab mit Suffixen -in und -e.

Zerlegung von violine 2 Komponenten

viol+ine

violine setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

violine‑ als Erstglied (21 von 21)

violinenblock

DWB

violine·n·block

-block , m. , theil eines flaschenzuges Alten handb. f. heer u. flotte (1909 ff. ) 2, 332 ; vgl. violblock. —

violinenbogen

DWB

violine·n·bogen

-bogen , m. : des langweiligen hinundherziehens der violinbögen R. Wagner ges. schriften 1, 137 volksausg. —

violinenfigur

DWB

violine·n·figur

-figur , f. , für die vicline geschriebene, besonders eine für sie characteristische und gut liegende tonfolge: die pracht und energie der f…

violineninstrumente

DWB

-instrumente , plur., ungewöhnlich für streichinstrumente: in den vorzugsweise rhythmischen, d. h. in den violininstrumenten Vischer ästhet.…

violinenkasten

DWB

violine·n·kasten

-kasten , m. , kasten, in dem die violine aufbewahrt wird: seinen eigenen violinkasten aus dem gastzimmer herabzuholen Holtei erz. schriften…

violinenkonzert

DWB

violine·n·konzert

-konzert , m. , für die violine komponiertes konzert; anders violinen-concert in folgender stelle: von einem violinenconcert ( konzert von s…

violinenpartie

DWB

violine·n·partie

-partie , f. , wie violinstimme: namentlich darf auch die erste violinpartie sie ( die klarinette ) nicht decken R. Wagner ges. schriften 5,…

violinenpassage

DWB

violine·n·passage

-passage , f. , lauf, schnelle figur der violine; übertragen: Brenners Karlchen, der wohl schläge bekam, fistulierte mit greulichen violinpa…

violinenquintett

DWB

violine·n·quintett

-quintett , n. , ungewöhnlich für streichquintett ( vgl. violininstrumente): wenn Mozart nichts anders componirt hätte als seine violinquint…

violinensaite

DWB

violine·n·saite

-saite , f. : Jacobsson technolog. wörterbuch 4, 545 b ; ein ton bleibt immer derselbe auf derselben violinsaite Göthe II 3, 344 Weim. —

violinenschlüssel

DWB

violine·n·schluessel

-schlüssel , m. , vorzeichen in der notenschrift (g- schlüssel ): der dritte ist eigentlich nur bei instrumenten, als der violin u. s. w. ge…

violinenschule

DWB

violine·n·schule

-schule , f. , lehrbuch des violinspiels: zu wünschen wäre es, man machte seine stücke, als eine wahre violinschule, durch den notendruck al…

violinensekte

DWB

violine·n·sekte

-sekte , f. , für sekte von geigern: seine originelle art mit dem bogen zu mahlen hat eine neue violinsecte hervorgebracht Schubart ästhet. …

violinenspiel

DWB

violine·n·spiel

-spiel , n. : das gewöhnliche violinspiel ist mit dem seinigen ( Paganinis ) gar nicht mehr zu vergleichen Pückler briefw. und tageb. 6, 449…

violinenspieler

DWB

violine·n·spieler

-spieler , m. : er ist der erste violinspieler im ganzen feenreich Raimund werke 1, 212 Glossy-Sauer. —

violinenstimme

DWB

violine·n·stimme

-stimme , f. , der theil einer mehrstimmigen composition, den die violine zu spielen hat; auch das blatt, heft, das die noten enthält. —

violinenstück

DWB

violine·n·stueck

-stück , n. , composition für violine: die violinstücke meines onkels Göthe 45, 122 Weim. —

violinenvirtuos

DWB

violine·n·virtuos

-virtuos , m. : kneipt die mäuse in den schwanz, so habt ihr die töne der neusten violinvirtuosen Hebbel tageb. 3, 69 W. —

violinenzug

DWB

violine·n·zug

-zug , m. , ungewöhnlich, strich auf der violine: jedes glückliche lächeln, jeder flötende violinenzug Jean Paul w. 7/10, 266 Hempel.