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Geige

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Meyers
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13 in 13 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Geige

Bd. 7, Sp. 488
Geige, jetzt insbes. Name der Violine, im weitern Sinne (wie schon im 16. Jahrh.) der Streichinstrumente überhaupt, besonders der Verwandten der Violine: Bratsche, Cello und Kontrabaß. Das Wort stammt vom französischen Gigue (s. d.) und bezeichnete im 13. Jahrh. die Fidel mit lautenartigem, unten gewölbtem Schallkörper, zum Unterschied von den Instrumenten mit plattem Schallkörper und Seitenausschnitten (vgl. Streichinstrumente und Viola). Der Körper der heutigen Geigeninstrumente besteht aus der in der Mitte ausgeschweiften Decke (Oberplatte, Resonanzboden), dem wichtigsten Teil der G., auf dessen Beschaffenheit das meiste für die Güte des Tones ankommt; dann aus dem Boden (Unterplatte), der wie die Decke leicht gewölbt und von gleicher Größe ist. Die Unterplatte wird von Ahornholz, der Resonanzboden von Fichtenholz verfertigt. Diese beiden Hauptteile des Körpers sind durch Zargen, dünne, auf der Kante stehende Späne von Ahornholz, miteinander verbunden. Am Rande der Decke wie des Bodens ist ein schmaler Streifen andern Holzes eingelegt, fehlt dieser, sv nennt man das Instrument eine Schachtelgeige. Da von der vollkommenen Trockenheit des Holzes die Klangfähigkeit des Instruments wesentlich abhängt, so wird dasselbe gebeizt und mit einem seinem Lack überzogen, um die Aufnahme von Feuchtigkeit zu verhüten. Zwischen den für die Bewegungen des Bogens notwendigen Ausschweifungen dieser Teile befinden sich in der Decke einander gegenüber die F-Löcher (vgl. Schallöcher), zwischen diesen der Steg (s. d.), dicht vor dessen einem Fuß (unter der E-Saite) die Stimme (Seele, Stimmstock) zwischen Ober- und Unterplatte eingeschoben ist, ein rundes Stäbchen aus weichem Holz, das den Zweck hat, Transversalschwingungen des Resonanzbodens zu verhindern sowie die Übertragung der Molekularvibrationen seitens des Stegs auf den Resonanzboden zu ermitteln. Auch eine unter dem andern Fuße des Stegs unter die Oberplatte längslaufend geleimte Rippe (der Baßbalken) hat den Zweck, der Bildung von Transversalschwingungen entgegenzuwirken. Die schmale massive Verlängerung des Schallkörpers heißt der Hals; dieser ist unten gerundet, um ein bequemes Gleiten der das Instrument zwischen Daumen und Zeigefinger haltenden Hand zu ermöglichen; auf der oben abgeplatteten Seite ist das Griffbrett aufgeleimt, über das die Saiten laufen. Diese sind in einem besondern Saitenhalter befestigt, der an der untern Zarge gefesselt ist und über dem Resonanzboden frei schwebt. Am obern Ende des Griffbrettes ist der Sattel angebracht, ein etwas hervorstehendes Holzleistchen mit Einschnitten, in denen die Saiten laufen, damit sie nicht auf dem Griffbrett aufliegen und ihr Schwingen nicht gehindert werde. Der Kopf ist etwas rückwärts gebogen, in der Mitte wie ein Kästchen ausgestochen und an den Seitenwänden mit runden Löchern für die Wirbel versehen, an denen die Saiten befestigt werden (Lauf, Wandel- oder Wirbelkasten). Der Geigenbau erreichte seine Vollendung durch die oberitalischen und Tiroler Meister Gaspard Tieffenbrucker aus Freising (1514–71, seit 1553 in Lyon), Jakob Stainer zu Absam (1621–83), Gasparo di Salò (1542–1609), Giovanni Paolo Maggini (1590–1640), Niccolo Amati in Cremona (1596–1684), Matthias Albani (Vater und Sohn), Antonio Stradivari (gest. 1737), Giuseppe Guarneri (1685–1745) und Matthias Klotz in Mittenwald (1653–1740, Begründer der noch blühenden Mittenwalder Geigenindustrie). Unter allen sind die Instrumente des Stradivari (s. d.) die berühmtesten und ausgezeichnetsten; alle Nachahmungen vermochten bis jetzt das Original nicht zu erreichen. Hauptorte der Geigenindustrie in Deutschland sind heutzutage Mittenwald in Oberbayern, Kassel und besonders das sächsische Vogtland (Adorf, Markneukirchen). Vgl. Otto, Über den Bau der Bogeninstrumente (3. Aufl., Jena 1886); Abele, Die Violine, ihre Geschichte und ihr Bau (2. Aufl., Neuburg 1874); Welcker, Über den Bau der Saiteninstrumente (Frankf. 1870); Diehl, Die Geigenmacher der alten italienischen Schule (2. Aufl., Hamb. 1866); Apian-Bennewitz, Die G., der Geigenbau (Weim. 1892, mit Atlas); Riechers, Die G. und ihr Bau (3. Aufl., Berl. 1904); Schulze, Stradivaris Geheimnis. Ausführliches Lehrbuch des Geigenbaues (das. 1901); Rühlmann, Geschichte der Bogeninstrumente (Braunschw. 1882, mit Atlas); v. Lütgendorff, Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Frankf. 1904); Hart, The violin, its famous makers and their imitators (4. Ausg., Lond. 1887); de Piccolellis, I liutai antichi e moderni (Flor. 1885); Valdrighi, Nomocheliurgografia antica e moderna (Modena 1884); Vidal, Les instruments à archet (Par. 1876–78, 3 Bde., mit Abbildungen); Dworzak v. Walden, Il violino, analisi del suo meccanismo (Neap. 1884): Wasielewski, Die Violine und ihre Meister (3. Aufl., Leipz. 1893); E. Heron Allen, De fidiculis bibliographia (Lond. 1893, 2 Bde.).
4889 Zeichen · 66 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geige

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Geige , plur. die -n. 1) Im gemeinen Leben und in der vertraulichen Sprechart, dasjenige musikalische Saiten-Instrum…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Geige

    Goethe-Wörterbuch

    Geige gegenüber dem gebräuchlicheren ‘Violine’ nur 8 Belege im dichterischen Werk Streichinstrument (auch als Kinderspie…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Geige

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Geige , der Name mehrer musikal. Instrumente, welche mit Darmsaiten bezogen u. durch einen mit Pferdehaar bespannten Bog…

  4. modern
    Dialekt
    Geigef.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Geige f. : 1. a. 'das Instrument G.', Geig (gaig) [vereinzelt mittl. u. südl. VPf], Geich (gaiχ) [verbr. südl. VPf], Gei…

  5. Sprichwörter
    Geige

    Wander (Sprichwörter)

    Geige 1. Alte Geigen vberzeucht man auch mit newen saiten. – Gruter, III, 5; Lehmann, II, 34, 32; Simrock, 3177; Reinsbe…

  6. Spezial
    Geige

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gei|ge f. (-,-n) ‹mus› vidora (-res) f. ▬ Geige spielen soné la vidora.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geige

89 Bildungen · 77 Erstglied · 11 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von geige 2 Analysen

ge- + igen

geige leitet sich vom Lemma igen ab mit Präfix ge-, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Alternativen: ge+-ig+-e

geige‑ als Erstglied (30 von 77)

geigeler

DWB

geige·ler

geigeler , m. geiger, fiedler, bei einem Norddeutschen nach dem älter nd. gîgeler Dähnert 152 a , Sch. u. L. 2, 110 a ( zu nd. gîgelen geige…

Geigeli

Idiotikon

Geigeli Band 2, Spalte 147 Geigeli 2,147

Geigeliguggūs

Idiotikon

Geigeliguggūs Band 2, Spalte 179 Geigeliguggūs 2,179 u.

Geigeln

RhWBN

Geigeln vereinz. Kobl-Mülh Pl.: Brennesseln.

geigen

FWB

1. ›(auf der) Geige spielen, geigen‹; 2. ›etw. sagen, verbreiten; mit etw. prahlen‹.

Geigenblatt

SHW

Geigen-blatt Band 2, Spalte 1185-1186

Geigengunke

SHW

Geigen-gunke Band 2, Spalte 1185-1186

Geigensaite

SHW

Geigen-saite Band 2, Spalte 1185-1186

Geigenbagen

MeckWB

geigen·bagen

Geigenbagen m. Geigenbogen: plectrum 'ein Fydelbage, Gygenbage' Chytr. 292.

Geigenbauer(in)

LDWB2

Gei|gen|bau|er(-in) m./f. costrutur(-ia) de vidores m.(f.) , vidorá(-rara) m.(f.)

Geigenblatt

Campe

geigen·blatt

Das Geigenblatt , des — es, Mz. die — blätter , das Griffbrett an einer Geige.

geigenbogen

DWB

geigen·bogen

geigenbogen , m. fiedelbogen, plectrum Junius nom. 246 a , pecten Maaler 181 a , Henisch 1442 ( man war da mit dem lat. in verlegenheit, da …

geigenförmig

DWB

geigen·foermig

geigenförmig , in form einer geige, z. b. von gewissen länglichen und ausgeschweiften blättern in der botanik, panduraeformis Nemnich ( s. z…

geigengeschrei

DWB

geigen·geschrei

geigengeschrei , n. lärm von schreienden, grellen geigen: ein jahrmarkt .. mit der fortsummenden luft, in der geigengeschrei und menschengez…

Geigengunkenkraut

RhWB

Geigen-gunkenkraut Westerw n.: Doldenblütler der Wiese, wie Schirling, Bärenklau.

geigenharz

DWB

geigen·harz

geigenharz , n. colophonia Stieler 774 , auch geigenpech, geigenwachs Adelung ; vgl. u. geigenbogen und mhd. anstrich Nib. 1941, 4, harz nac…

Geigenkasten

PfWB

geigen·kasten

Geigen-kasten m. : 1. wie schd., -kaschde [verbr.]; vgl. Geigensack . — 2. Pl. 'große, plumpe Füße', -kaschde, -käschde, s. Kasten [manchero…

geige als Zweitglied (11 von 11)

Altgeige

Adelung

alt·geige

Die Altgeige , plur. die -n, eine Geige, welche den Alt spielet, eine Bratsche; zum Unterschiede von einer Discant- Tenor- und Baßgeige.

armgeige

DWB

arm·geige

armgeige , f. die grosze geige, die mit ausgestrecktem arm musz gehalten werden, viola da braccio.

Báßgeige

Adelung

bass·geige

Die Báßgeige , plur. die -n, eine große Geige mit fünf starken Seiten, worauf man den Baß geiget; der Baß, Nieders. der Brummbaß.

doppelgeige

DWB

doppel·geige

doppelgeige , f. n. die mit vier stahlsaiten und einer darmsaite bezogene viole d'amour, doch wird auch die bratsche so genannt.

filzgeige

DWB

filz·geige

filzgeige , f. politura pectinum, ein mit feinem filz bezognes werkzeug der kammacher. Frisch 1, 266 c .

kniegeige

DWB

knie·geige

kniegeige , f. gröszere geige die man zwischen den knien hält, ital. viola di gamba. Stieler 620 , Frisch 1, 528 a , Adelung ( vgl. kniefide…

sackgeige

DWB

sack·geige

sackgeige , f. kleine geige der tanzmeister, die in der rocktasche getragen werden kann. Adelung.

stockgeige

DWB

stock·geige

stockgeige , f. , kleine schmale geige, einem stock ähnlich, deren sich besonders die tanzmeister bedienen Jacobsson 4, 301 b . stockgeige p…

Ableitungen von geige (1 von 1)

gegeige

DWB

gegeige , n. geigerei: ihren verfassern ( componisten von messen ) scheint es nur darum zu thun zu sein, recht viel gegeige und gepfeife und…

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APA
Cotta, M. (2026). „geige". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geige/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „geige". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geige/meyers. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „geige". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geige/meyers.
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