unkundig, unkündig,
adj. adv., gth. v. kundig, kündig.
ags. uncŷðig,
mhd. unkundig, unkündec;
mnd. unkundich;
mnl. oncondich;
nl. onkundig.
an. úkunnigr;
aschwed. okunnogher;
dän. ukyndig;
schwed. okunnig.
zum umlaut, der im 18.
jh. selten wird, im 19.
schriftsprachlich völlig veraltet, aber mundartlich (Staub-Tobler 3, 360)
erhalten ist, s. kundig I c;
die von J. H. Voss
gemachte unterscheidung unkundig
ignarus (
ged. 3, 135), unkündig
ignotus (
Aeneide 2, 90)
hat nie gegolten (
s. kundig II 1 d).
vgl. auszer unkund noch unkundlich, unbekannt. 1)
gth. v. kundig II 1 a/e,
passiv (
vgl. unkund 2): a) nach aigner sprach, den Römern unkündig Stainhöwel
ber. frauen 237;
b. d. liebe 312
d; die andern sein ime unkundig
Thom. v. Absberg 48; wer sie (
die strasze) aber erbouwen, ist onkündig Münster
cosm. 604.
veraltet. b)
wie mhd. unkündec,
nhd. unbekannt A I 3,
engl. uncouth '
seltsam, fremd': sachen, die in den rechten ine nit zugehörig, unkündig und über sein vernunfft sind Reuchlin
augensp. 5
b; ich habe sie so unkündig gegen mir nie gesehen Opitz
Arg. 2, 84.
veraltet. c) '
riesengrosz, gewaltig, ungeschlacht'
und als steigerungsadv. '
ungeheuer' Staub-Tobler 2, 361. 2)
gth. v. kundig II 2;
vgl. kund 1. a)
mit inf.: ir lebenlang unkündig ire gter anzuorichten Pegius
geburtstundenb. J i 6
b.
mit präpos.: in viel dingen unwissend und unkündig seyn Arndt
nachf. Christi (1631) 124; G. Freytag 11, 131;
seltener über Laube
Bandomire 1, 17; von dazu unkundiger hand G. Keller 5, 297,
mhd. unkündec zuo.
meist mit gen. obj.: der sollicher kunst der geschriffte unkuondig und lere ist A. v. Eyb
d. schr. 1, 69, 11: der wege unkündig A. U. v. Braunschweig
Oct. 3, 847; Göthe 8, 86, 5
W.; Herm. u. Dorothea 8, 81; des gefechts Schiller 13, 218; des gemahls Heine 2 (1861), 320; den des weinens unkundigen augen Viebig
schlaf. heer 1, 225; der gute mensch wuszte wenig von der lage der dinge, man hatte ihn absichtlich derselben u. erhalten Ranke 40/41, 50.
zss.: orts-, rechts-, gesangs-, kriegs-, weg-, welt-
u. s. w. unkundig.
substantiviert: als unkündige der sprach und lands Federman
Niderlands beschreib. 158; Kant 5, 363, 29; ein des dichtens ganz unkundiger Scherer
kl. schr. 1, 572;
vereinzelt eim unkündigen auf Cupidinis spil Fischart
ehzuchtb. 232, 12
H. die näheren bestimmungen fallen fort oder werden ergänzt: inzwischen wird der unkundige leser getäuscht J.
M. Miller
briefw. 1, 43; Bürger 1, 229; unkundigere führer Novalis 1, Lxx
Minor; subst.: die überhäuften dissonirenden sätze .. beleidigen die ohren unkündiger, den kennern und musikverständigen aber sind sie weit beschwerlicher Scheibe
crit. mus. 885; auch dem unkundigsten Ritter
erdk. 2, 3. unkundige augen (Stifter 2, 212)
für augen des unkundigen. b)
mit der neigung, einen positiveren begriffsinhalt zu gewinnen: dem armen unkündigen volck Luther 7, 244, 26
W.; iners Diefenbach
gl. 295
c;
obtusus ingenio, ungelert, unkündig, unkünnend, kunstlosz Schöpper a 8
c;
syn. glaublosz, gottlosz Sachs 1, 54, 4
K., prechenhafftig B. v. Chiemsee 97, beurisch Ch. Bruno
de institutione christ. feminae 19
b, grob Gesner - Herold - Forer 32
b u. dgl.; Pansner
schimpfwb. 73
b. eines unkündigen ... verstands Wickram 2, 10, 4.
amens (
vgl. kundig II 3 d/e) Diefenbach
nov. gloss. 42; wo man vol ist, da ist man auch doll, onkundig, thörecht
klugreden (1548) 178
b;
Teuerdank 58, 34
G. vgl. engl. uncouth.
veraltet. —