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zwistig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zwistig adj.

Bd. 32, Sp. 1397
zwistig, adj. , 'in zwist, uneinig, strittig'; mnd. twist(l)ich (s. u.), mnl. twistich (neben twistelich) Verwijs-Verdam 8, 835. die frühesten belege weisen, wie bei zwist, auf die nl.-nd. herkunft des wortes. twystich syn, twistelick syn nl.-nd. glossen (ca. 1500) in: zs. f. dt. wortf. 15, 301; contrarius twistig en gegen zyn in verbis vel factis; contrariari geghen zyn gemma (Köln 1495) F 1b; contrarius twistich onde teghen syn gemma (Deventer 1500) bei Diefenbach nov. gloss. 111b; die beiden gemmen Straszburg 1508 und Hagenau 1510 weichen dem nd.-nl. twistig durch wyderwertig aus. zwistig fehlt in den hochdt. wbb. des 16. jhs. gänzlich; es taucht erst auf bei den späteren lexicographen, die dem nd. nahestehen: zwistig seyn discordare Schottel haubtspr. (1663) 1450; zwistig, zwisticht controversus Stieler stammb. (1691) 2662; über etwas zwistig seyn mit einem ... discrepante da uno in qualche opinione Kramer t.-ital. 2 (1702) 1501b; zwistig discors Frisch wb. (1741) 489b; zwistig discordant Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1150b; zwistig zwist habend und äuszernd; zwistige seyn; zwistige personen wieder vereinigen Adelung 5 (1786) 475. geläufiges wort ist zwistig nur in den maa. des nordwestens, vgl. twistig 'uneinig, discors; streitig, controversus' brem.-ns. wb. 4 (1771) 144; Doornkaat Koolman wb. d. ostfries. spr. 3, 457b; Stürenburg ostfries. wb. 294b; Böning Oldenburg 120b. schriftsprachlich erscheint es gelegentlich auch in jüngerer zeit, jedoch mit abnehmender häufigkeit. 11) neben persönlichen begriffen, im zwist, d. h. 'in auseinandersetzung und im zustand der uneinigkeit befindlich'. 1@aa) von den persönlichen auseinandersetzungen im häuslichen und beruflichen umkreis; sporadisch in neuerer zeit: welcher bald nach desz vaters tode mit seinem bruder zwistig geworden Curicke d. st. Dantzig hist. beschreib. (1688) 16b; man wolle jederzeit den frieden heilig halten, auch wol bei zwistigen das mittler-amt verwalten C. Abel Boileau (1729) 404; und so ist es denn gekommen, wie die mutter dir gesagt, neulich, als sie wahrgenommen, dasz wir zwistig uns genagt Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 623. 1@bb) dagegen in älterer zeit durchaus belegt in rechtsdenkmälern und satzungen, in denen rechtshändel dieser art ihren niederschlag finden. zunächst nur auf nd. boden: wor ock lüde im lande vnder einander twistlich sin ofte worden rechte d. Alten Landes (1517) 49, 2; seind twe umme grentzen und scheiden tweistich, teihen beide upn besitt und beweis, men let se van beiden parten bewisen (16. jh.) Rügisches landrecht 80 Frommhold; wen twe heerschop twistigh sind umme de stede, darde undaet geschehen ist, de kleger, de dar vorwundet edder schlagen is worden, de geit stan up de stede und schweret, dat he dar gewundet, und dem gift men geloven ebda 31; wer mit seinem nechsten zwistig ist, der sols für die götter bringen Artomedes christl. auszlegung (1609) 1, 792; wann unter unterthanen streit entstehet und durch einen schiedsmann kein vergleich kan getroffen werden, noch die zwistige theile sich gäntzlich versöhnen und vertragen wollen Hohberg georg. cur. 3 (1715) 41b. in zunftsatzungen: iszet welck under uns twistich wurden unnd umme wedder sick tho schedende in frundtschopp ... schall ein ider en ½ marck rigisch in dat ampt leggen (1512) Stieda-Mettig schragen d. gilden u. ämter d. st. Riga 39, 27; sollen de meysters sich jegen de knechte und jungens geborlich holden ... und so darinne twistich, sollen se van beiden deilen vor de herrn kemerers komen, de sollen se scheiden und in strafe nhemen (1546) ebda 82, 25. 1@cc) vereinzelt weitergreifend auf die auseinandersetzungen in politischer und weltanschaulicher gemeinschaft: alle widerwärtigen ... nahmen wahr, dasz das zwistige vaterland nur unter einem hute zu befriedigen ... war Lohenstein Arminius (1689) 1, 6a; allwo zwey allobrogische fürsten über ihrem zwischen dem Rhodan und Isar in gestalt eines eylandes liegenden erbtheile mit einander zwistig waren ebda 1, 824b; Uri zauderte. noch waren die führer des volks zwistig und in ihren entschlüssen wankend Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 6, 215; ein gebiet ..., das durch die zerstreuung in zwistige staaten nicht verloren gehen darf Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 70; die uneinigen und zwistigen Christen können auch nicht besser, als entweder mit fürhaltung ihrer sterblichkeit, oder der göttlichen liebe und des theuren blutes Jesu ... zu frieden gestellet werden Scriver seelenschatz (1737) 1, 781b; daher Athanasius anmerkte, dasz in kurzer zeit 11 zwistige bekenntnisse unter den Arianern zum vorschein gekommen Rambach religionsstrittigk. (1745) 1, 40. im sinne von 'sich in einer auffassung nicht eins sein': die Türcken sind zwar zwistig, wo der verstorbenen seelen biss zum gerichtstage sind Lohenstein Ibrahim sultan (o. j.) K 5a. 1@dd) die anwendung auf die inneren auseinandersetzungen, auf den widerstreit der gedanken und gefühle gehört wie bei zwist vor allem der jüngeren zeit an: sein kopf war ein irrgarten, aus dem sich nicht einer seiner zwistigen gedancken auszuwickeln wuste Lohenstein Arminius (1689) 2, 51a; sie zürnet mit sich selbst, ist in gedanken zwistig Arist schilderungen (1764) 202; bald kalt aus eifersucht, und bald entflammt von liebe; fühlt er den harten kampf der in ihm zwistgen triebe J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 2, 195; (die höfischen dichter) wehren sich gegen jede harte weltansicht, gegen jedes zwistige wesen Gervinus dt. dichtung (1853) 1, 365. 22) neben sachlichen begriffen. ältere sprache überliefert feste verbindungen dieses gebrauchs, aber auch in jüngerer sprache vollzieht sich dieser übergang: nach einem zwistigen gespräch über einen bekannten ... legte sie ... zur ausgleichung des entstandenen conflicts dies blatt in sein pult Th. Mundt Charlotte Stieglitz (1835) 48; mit diesem eurem worte ... wollen auch wir unsere zwistigen meinungen vereinen L. Schücking Luther in Rom (1872) 3, 139; und gab sofort jede hoffnung eines friedlichen vergleiches der zwistigen lage auf R. Wagner mein leben 674. 2@aa) zwistige sache, eine formelhafte verbindung in der rechtssprache zur bezeichnung des streitgegenstandes, gleichbedeutend mit dem im mnd. mehrfach belegten twistsake, vgl. auszer Schiller-Lübben 4, 648 noch hanserecesse III 1, 50 (1477); ostfries. urk.-buch 2, 260 (1487). im mnl. steht statt dessen twistelige sake Verwijs-Verdam 8, 834; also dat men uppe deme daghe tome ersten vornemen scholde de twistigen sake, de dar langhe tiid ghewaret hefft twysschen ... (1461) hanserecesse II 5, 40; van der twistigesten sake twisschen deme edelen junchern Gerde ... vnde vns (1462) lübeck. urk.-buch 10, 175; umme to vorsokende, sodene twistige unde schelhaftige sake in fruntlicheit gesleten mochte werden (1481) Lübecker bergenfahrer 181 Bruns; van der twistigen sake twisschen my unde de Hollanderen (1481) ostfries. urk.-buch 2, 162; alle twistige sake sal men ... versoken to slichten vor sines solvest gilde (1565) bei Krumbholz d. gewerbe d. st. Münster 11; alle twistige sacke und schedelicke worde ... schall enweg unde bygedaen sien (1573) bei Rüdiger ältere hamb. handwerksgesellendokumente 46. auszerhalb der rechtlichen literatur: sonsten wuste er anders nicht in diesen zwistigen sachen zurathen Hennenberger erclerung d. preusz. landtaffel (1545) 307; was noch zwistig war, ward nachher allmälig ... ausgeglichen Fr. Becker weltgesch. (1801) 9, 231. 2@bb) in der verbindung zwistige wahl, eine wahl mit zwiespältigem, unentschiedenem ausgang: so viel erhellet aus den schreiben des pabsts Urbani IV. an Richarden, dasz Alexander die zwistige wahl zwischen ihm und Alphonso entscheiden wollen Hahn staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 5, 38; da zu Lüttich 1292 eine zwistige wahl entstand, indem ein theil der domherren den Guido van Hermegan, der andere aber Wilhelm Bertholden aus Mecheln zum bischof haben wollte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 600; eine zwistige bischofswahl in Lüttich Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 84; bei dieser zwist'gen papstwahl hab ich nur mein recht als höchster kirchenvogt geübt Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 5, 97; nach dem vertrag zu Worms, geschlossen mit papst Calixtus, hat bei zwist'ger wahl des bischofs, nur der kaiser zu bestimmen Grabbe w. (1874) 2, 413.
8357 Zeichen · 176 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zwistig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Zwistig , -er, -ste, adj. et adv. Zwist habend und äußernd. Zwistig seyn. Zwistige Personen wieder vereinigen.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zwistig

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Ableitung von zwistig

zwist + -ig

zwistig leitet sich vom Lemma zwist ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von zwistig 2 Komponenten

zwis+tig

zwistig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

zwistig‑ als Erstglied (1 von 1)

zwistigkeit

DWB

zwistig·keit

zwistigkeit , f. , uneinigkeit, meinungsverschiedenheit, streit, zank. lexikalisch zuerst bei Schottel haubtspr. (1663) bezeugt, hinwieder n…