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Un

as. bis Dial. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Un

Bd. 5, Sp. 117a
Un, eine aus ohne entstandene Vorsilbe, welche nur in Zusammensetzungen üblich ist und den Begriff des Wortes, vor welchem sie stehet, verneinet oder die Abwesenheit desselben bezeichnet. Ungut, nicht gut, der guten Eigenschaft ermangelnd, unrecht, nicht recht, unbrauchbar, der Brauchbarkeit ermangelnd, unsicher, nicht sicher, der Sicherheit ermangelnd. Oft aber bezeichnet un nicht bloß die Abwesenheit dessen, was das damit verbundene Wort bezeichnet, sondern das Gegentheil, die entgegengesetzte Beschaffenheit, z. B. Undank, Ungeduld, Unlust, Unsegen, Unsinn, Unverstand, undankbar, ungeduldig, unsinnig  Hieher gehören besonders solche Wörter, wo das mit un zusammengesetzte Wort ein Ding von guter, gehöriger Eigenschaft oder Beschaffenheit bezeichnet, z. B. Unart, fehlerhafte Art oder Gewohnheit, Unthat, Unfall, Unkraut, Unzeit , unförmlich, ungestaltet, ungesittet  Zuweilen schleichen sich noch andere Nebenbegriffe ein, z. B. Unkosten, unnöthige oder lästige Kosten, Unmühe, im N. D. unnöthige Mühe, Unmensch, ein seine Menschheit verläugnender Mensch  Dieses un hat in der Zusammensetzung allemahl den Ton, wenn der Begriff, welchen es bezeichnet, herausgehoben werden soll, dann auch schon deßwegen, weil es aus dem gedehnten ohne entstanden ist, welches im O. D. und in den Kanzeleien, wider den bessern Gebrauch, noch in manchen Zusammensetzungen vorkömmt: ohnentgeltlich, ohnmöglich, ohnverfänglich, ohnweigerlich, ohngeachtet, ohngefähr. I der guten Sprech= und Schreibart gebraucht man überall un, ausgenommen Ohnmacht, welches aber von Unmacht sehr verschieden ist. I N. D. wird un in manchen Fällen in a verkürzt und man sagt amächtig, awies, für ohnmächtig, unwitzig, d. h. albern. I andern Fällen bedient man sich daselbst des Wörtchens wahn. Wahnhope, Verzweiflung, Wahnorder, Unordnung, wahnmödig, ummuthig  Der Zusammensetzungen, welche man mit un bildet, sind eine sehr große Menge, und sie sind von verschiedener Art. 1) Umstandwörter allein, als ungern, unlängst, unschwer, unweit. 2) Beilegewörter, welche zugleich als Umstandwörter gebraucht werden, z. B. unachtsam, unadelig, unabsehbar, unaufhaltsam, unausbleiblich, unbedachtsam, undurchsichtig, uneinig, unfein, ungelenk  Unter diesen sind oft solche, welche für sich ohne un, weniger oder gar nicht gebräuchlich sind, z. B. unausforschlich, unaussprechlich, ungestüm. Die Zahl dieser Zusammensetzungen ist die größte und man kann deren noch immer mehr bilden, wenn man einen Begriff auf eine glimpfliche und gelinde Art verneinen oder dessen Abwesenheit bezeichnen will, wo jedoch ein gewisses Gefühl die Grenzen, worin diese Freiheit bleiben muß, zu bestimmen hat. So kann man füglich ungut, unschön, unlieb  sagen, aber man wird nicht füglich unhart, unweich, unhoch  sagen. Besonders gebraucht man die mit un zusammengesetzten Wörter mit nicht, um nicht geradezu das das Gegentheil bezeichnende Wort zu gebrauchen und nicht zu viel zu sagen. So sagt man, das ist mir nicht unangenehm, das ist so unrecht nicht , wenn man nicht geradezu sagen und zugeben will, es sei angenehm, es sei so recht, gut  Oft bezeichnet es auch einen Mittelbegriff, ein in der Mitte Stehendes zwischen dem mit un zusammengesetzten Worte und dem das Gegentheil davon bezeichnenden Worte, z. B. ungeliebt, weder geliebt noch gehaßt, unwohl, weder wohl, ganz gesund, noch auch ei= gentlich krank. Einen sehr großen Zuwachs bekommen die Zusammensetzungen dieser Art durch die Mittelwörter der vergangenen Zeit, welche dabei als Beilegewörter betrachtet und auch wie Beilegewörter und Umstandwörter gebraucht werden; z. B. unbesetzt, unabgesetzt, unaufgesetzt, unausgesetzt, unbeigesetzt, undurchgesetzt, uneingesetzt  Fast alle einfachen und zusammengesetzten Aussagewörter lassen sich auf dieselbe Art mit un zusammensetzen, wovon nur wenige der zusammengesetzten auszunehmen sind, indem man nicht sagt unwiedergebracht, unniedergefallen, unmißgehandelt, unhausgehalten, unwahrgesagt  Alle diese Zusammensetzungen aber können kaum bloß angeführt, noch weniger aber können sie und brauchen sie auch besonders erklärt zu werden, und es ist bei den meisten hinreichend, daß sie angeführt werden, und daß auf das hier bei un Gesagte zurückgewiesen wird. Selten werden Mittelwörter der gegenwärtigen Zeit damit zusammengesetzt, z. B. unvermögend, untheilnehmend, unzureichend, unauszudruckend, unauszuforschend  Wörter wie folgende verdienen gar keine Anführung: Laß ihn nicht unentgegengangen. P. Flemming. Unbeherret, keinen Herrn habend. Frisch. Mit den Aussagewörtern selbst, nicht allein in der unbestimmten Form, sondern auch umgewandelt, verband man ehemahls un, z. B. ungazunfton, uneinig sein, unliunthafton, verleumden, unwirsigen, zürnen, unkennen, unkeuschen. »Si unerent sich.« Herzog v. Anhalt  I O. D. finden sich auch noch Überreste davon, indem man dort noch gebraucht ohnermangeln, ohnverhalten, ohnverfangen  Auch finden sich noch Überreste davon in den zusammengesetzten beungnadigen, beunruhigen, verunehren, verunglimpfen, verunglücken, verunreinigen, verunstalten, verunzieren. Will man die unbestimmte Form der Aussagewörter grundwörtlich gebrauchen um die Abwesenheit des in denselben liegenden Begriffes zu bezeichnen, so bedient man sich dazu nicht des Wörtchens un, sondern nicht. Das Nichtgehen, Nichthandeln, Nichtthun, Nichtwissen, Nichtwollen , nicht das Ungehen, das Unhandeln  3) Grundwörter, als Unart, Unehre, Ungnade, Unfall, Unglück, Untugend, Unflath, Unrath  Diese Klasse von Zusammensetzungen ist mehr begrenzt, und ob man gleich sagt Unfleiß, Ungunst, Unwerth , so sagt man doch nicht Unliebe, Unhaß, Unneigung Ungröße 
5677 Zeichen · 52 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    unPräf.

    Köbler As. Wörterbuch

    un , Präf. nhd. un... ne. un... (Präf.) Vw.: s. -āwāniandelīk*, -bardaht*, -bardoht*, -bilithunga*, -bitharvi*, -biwandl…

  2. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    unst. F. (jō)

    Köbler Ae. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    un , st. F. (jō) Vw.: s. unéaþnėss

  3. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    un

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA) · +1 Parallelbeleg

    irhalbûnlîchênAWB adv., Gl. 1,527,21 (12. Jh., bair.): ‚von der Seite her, auf der Seite; ex latere‘. Die Endung des Adv…

  4. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    UNuntrennbare partikel.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    UN untrennbare partikel. , die sich auch goth. ahd. as. ags. findet, altn. ô . sie hat häufig nicht den hauptton, nament…

  5. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    unPräp.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +44 Parallelbelege

    un , Präp. Vw.: s. in (2)

  6. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Un

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Un , eine Partikel, welche in dieser Gestalt nur allein noch in der Zusammensetzung üblich ist. Sie ist aus ohne entstan…

  7. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    un

    Goethe-Wörterbuch

    un [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  8. modern
    Dialekt
    un

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    un- [ùn; vor Kehllauten ù, vor Lippenlauten ùm Hf. ] Vorsilbe der Negation; vor Participien: ungësse n , ungetrunke n ,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit un

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