triumph,
m. ,
aus lat. triumphus,
tritt in der zweiten hälfte des 15.
jhs., zunächst noch vereinzelt, hervor; 1473 triumph
bei Stainhöwel
de clar. mul. 121; 185
lit. ver., daneben auch driumph
ebenda 78.
in zusammenhängender bezeugung seit dem anfang des 16.
jhs. in compositionen seit 1493 triumphspiel
s. u.C 1;
lexikalisch verzeichnet seit Dasypodius
dict. lat.-germ. (1536) 244
a; Frisius (1556) 1332
a; Rot
teutscher dict. (1571) q 4
a.
das wort gehört der höheren sprache an, in die eigentliche mundart ist es nicht eingedrungen. über das verhältnis zu trumpf
s. d. sowie unter B 5.
die beiden hauptbedeutungen des lat. triumphus '
prunkvoller einzug nach einem siege' (A)
und '
sieg' (B)
sind ins deutsche übernommen und weiterentwickelt worden. AA.
auf der grundlage der bedeutung '
prunkvoller einzug nach einem siege'. A@11)
in eigentlichem sinne. A@1@aa)
der vom römischen senat nach einem bedeutenden siege dem feldherrn und seinen soldaten zugestandene feierliche einzug in Rom, der prunkvolle festzug zu ehren des siegers: die andern beut vnnd gefangne hat er zuo seinem einzug vnd zier des triumphs gebraucht Xylander
Polybius (1574) 90; die gewaltigen sieg des groszen Pompei sampt seinen prechtigen titlen und herrlichen triumphen J. Heyden
Plinius (1565) 39;
häufig natürlich in den neueren darstellungen der römischen geschichte, z. b.: selbst die besseren waren befriedigt, wenn ... das consulat und der triumph und im rathe ein ehrenplatz errungen war Mommsen
röm. gesch.4 3, 9; Scipio liesz eine menge schöner statuen nach Rom bringen, seinen triumph zu verherrlichen H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 1, 223;
vgl. noch Ranke
w.2 14, 8.
festere verbale fügungen sind einen triumph halten, vgl. triumphatus von welchem triumph gehalten ist Dasypodius
dict. lat. germ. (1536) 244
a: die Römer haben sein (
des myrtenbaums) gebraucht zu krentzen, wenn sie triumph gehalten haben Luther 23, 510
W.; Duellius ... zu Rom den ersten triumph oder sieggebrenge ... gehalten hat J. Barth
weiberspiegel (1565) n 5
a; ebenso muszten triumphe zu Rom über die Deutschen gehalten werden
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 38;
seltener führen, vgl. unter c: in der pracht dieses ... schmucks soll Tarquinius ... den ersten triumph geführt haben B. G. Niebuhr
röm. gesch. 1, 218;
im triumph einziehen: wie sie vorzeiten die römische feldherren, wann sie im triumf eingezogen, gebrauchet S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 49;
im triumph (
auf)
führen: die gfangnen im triumph ... füren Frisius (1556) 65
b; Gilimer (
wurde) ... vom Bellisario, kaysers Justiniani generalen, überwunden, gefangen und im triumph aufgeführet (1641: im triumpff geführet) Micraelius
altes Pommerland 1 (1723) 37; um sie (
die vornehmsten Numantias) in seinem triumphe aufzuführen Mommsen
röm. gesch.6 2, 17.
in geistlicher übertragung von Christus: hat ausgezogen die fürstenthum vnd die gewaltigen vnd sie schaw getragen öffentlich vnd einen triumph aus jnen gemacht durch sich selbs (
palam triumphan sillos in semetipso)
Coloss. 2, 15;
im anschlusz an diese und ähnliche bibelstellen: vergleichung und gegensatz desz irrdischen vergenglichen triumphs keysers Titi (
nach der eroberung Jerusalems) und des geistlichen ewigen triumphs Jesu Christi Ad. Reiszner
Jerusalem 2 (1565) 144
a; der triumph und das sieggepräng (
der Römer) hat einen gantzen tag gewäret ... Christus hat seinen triumph am creutz und in der aufferstehung angefangen, der wäret noch auff den heutigen tag und wirdt erst am letzten tag desz gerichts offenbar und gesehen werden und bleiben in ewigkeit
ebenda 153
a.
in dieser vorstellung des römischen triumphes auch bildlich, besonders im erotischen bereich, vgl. auch triumphbogen c, triumphwagen b: triumph der liebe (
d. i. in gestalt eines triumphzuges, vgl. die illustration) D. Federmann
sechs triumph (1578)
vorr. ):( ):( ):( 4
b; ... ich schwere bey der schönen ..., die mich führt im triumph ... Opitz
teutsche poemata 68
ndr.; die keuschheit entflieht, und sie (
die dame) führt ihren verehrer an den siegeswagen geschlossen, zum stolzen triumpf fort Fr. W. Zachariä
poet. schr. (1772) 24. A@1@bb)
allgemeiner feierlicher einzug oder aufzug eines siegers überhaupt, ohne die vorstellung des römischen triumphators: als er (
Agamemnon) von Troia mit triumph sighafft wider kam (1473) Stainhöwel
de claris mulieribus 121
lit. ver.; er (
der überwinder) zog in seinem freudenfeste mit des triumphs gepränge zu dem todtentantz A. Gryphius
trauersp. 150
lit. ver.; wüste schrecken und ein traurig ende hat den rückkehrenden (
von Troja) statt des triumphs ein feindlich aufgebrachter gott bereitet Göthe I 10, 38
W. auch hier festere wendungen wie im triumph einziehen
u. a.: du ... kömmst davor (
vor Stralsund), zerschmetterst erd und stein und ziehest im triumph zum neuen stadtthor ein
in H. v. Hoffmannswaldau
u. a. auserl. ged. (1697
ff.) 7, 223; des andern tages zog unser sieghaffter kayser in herrlichstem triumphe, als ein doppelter überwinder, in die stadt v. Ziegler
asiatische Banise (1689) 352; wir wurden (
nach dem sieg) mit einem groszen triumf ins lager eingeholet A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 92; 'wir haben ... den winter im triumph zurückgebracht!' so riefen die niedergefallenen schneeflocken A. G. Meiszner
skizzen (1778) 1, 181; und schimpflicher wird man nun im triumph uns als gefangne nach Palermo führen
F. Raupach
dram. w. ernster gatt. (1835
ff.) 7, 229.
der errungene erfolg braucht nicht immer kriegerischer art zu sein: nach geendigter wahl wird der erwählte im triumphe nach hause gebracht Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 24.
in geistlicher umdeutung auf Christus bezogen, vgl. oben 1 a: der bischoff (
fragt) seinen artzt, ob er auch wisse, woher es komme, das man (
bei der kirmesz) fanen auszstecke und spricht, es bedeüt den triumph Christi, da er seinen feinden obgesiegt hat J. Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) e 4
b; du (
Christus) bist mit einem herrlichen triumph aufgefahren zu den himmelen Fr. v. Spee
güld. tugendb. (1649) 21;
vgl. Göthe I 37, 6
W. von den seligen im himmel: deine (
des verstorbenen) wunderpracht und himmlischen triumph
bei Weichmann
poesie d. Nieders. 2, 187.
in mehr bildlicher verwendung: aber du Carole, wöllest nit gestäten den ewigen feinden dieses reichs ... ausz vberwindung meiner einen triumph zuo füren (
triumphare victoriam) U. v. Hutten
opera 1, 376
Böcking; (
gott gestatte nicht) das wir imals von uonsern feinden uberweltiget waerden, sonder nach daem sein reich mitten uonter uons bestetiget worden, wir triuomf halten, singende uont dein lob uont preis erhebende zuor ewikait Schede
psalmen 77
ndr. gelegentlich mit dem besonderen sinne '
siegesfest',
vgl. triumph ... '
die siegesfeyer' Voigt
hwb. f. d. geschäftsf. (1807) 2, 514: wann sie (
die Südamerikaner) ... den gefangenen wollen schlachten, richten sie dazu ein groszen trieumff U. Schmidel
reise d. Südamerika 105
lit. ver.; nach des kampfes schreckenstag kommt die spuknacht des triumphes; hunderttausend freudenlampen lodern auf in Mexiko Heine
werke 1, 379
Elster. A@22)
weitergreifend als festlicher zug, ohne die vorstellung eines voraufgegangenen kampfes und sieges, besonders bei festlichen empfängen und ähnlichen feierlichkeiten, vgl. triumff, prächtiger einzug
entrée solennel Wiederhold (1669) 342
b. A@2@aa)
den übergang von 1
her vermitteln wendungen wie als im triumph, gleichsam im triumph: ich sehe den August, indem er dich umpfangen, bey deinem einzug heut als im triumphe prangen, weil wohl nichts tröstlichers für diesen helden ist, als dasz du seines ruhms und landes erbe bist v. König
ged. (1745) 27; die Römer ... führten ihn ... mit grösztem pomp und gleichsam im triumph in ihre stadt
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778
ff.) 3, 90; geschmückt wie zum triumph waren die Pariser (
bei der krönung), in jeder gasse stiegen ehrenbogen, durch die der engelländsche könig zog Schiller
werke 13, 201
G. A@2@bb)
schon früh in unmittelbarer verwendung: da nun der könig ausz Franckreich vername, dasz die fürsten unnd herren gar nahe zu Parisz zu kamen, rheyt er gar köstlich und mit einem groszen triumpf jhnen entgegen und empfieng sie
buch d. liebe (1587) 10
b; die schuler ... den tag mit einem groszen triumph, gros und klein in schöne kleider verstalt, in der stadt herumbgangen (1613)
quellen z. gesch. der stadt Kronstadt 4, 172;
vom freudenzug des Dionysos: ist somit das füllhorn für die Dionysosgemahlin indischer triumphe nachgewiesen Ed. Gerhard
akad.-abh. (1866
ff.) 2, 398; mosaike ..., deren eines einen triumph des Bacchus ... darstellt
archäol. ztg. 1, 141.
zuweilen geradezu als '
festliche veranstaltung': da hielt ich ouch grosz triumph und fest mit spilen, prassen, buolen, schlemmen
N. Manuel 480
Bächtold; also hat uns die zeitung von den triumfen, so der wirtembergische printz, sowol unserer (
der englischen), als seiner nation zu ehren, angeordnet, ... gezwungen ... dem behertzenden trometenschall zuzueylen Weckherlin
ged. 1, 17
lit. ver. ohne die vorstellung eines zahlreichen festzuges vom feierlichen und jubelnden geleit durch einzelne personen, durchweg in der wendung im triumpf (heim)führen
u. ä.: da fanden mich treue diener meines erlauchten hauses und führten mich im triumph heim! G. Keller
ges. w. 2, 59; mein vetter ... sieht mich gleich von weiten, umarmt mich, lasst die hund aus und führt mich im triumph in sein haus A. Bäuerle
kom. theater (1820
ff.) 2, 50;
ähnlich aus dieser (
der tür) trat ... der gutsherr selbst, der mich auf den ersten blick erkannte, voll herzlicher freundlichkeit willkommen hiesz ... und mich im triumphe nach seinem wohnzimmer leitete Holtei
erz. schr. (1861
ff.) 29, 271. A@33)
von 1
und 2
aus gelegentlich in älterer sprache ganz concret von der äuszeren ausschmückung für einen festlichen einzug, insbes. auf die '
triumphbögen'
bezogen: in der mahler werckstätt zu Antorff, im zeughausz, do sie dem triumph zurichten, dardurch man könig Carl solt einführen. daselb werck ist lang jjjjhundert pögen und ein jeglicher 40 schuh lang, und wird auf beden seyten der gassen aufgemacht Dürer
tagebuch 53;
vgl.also wolten die Römer Constantino eynen grossen triumph uffrichten, antwurt er: nit mir, sonder Christo geben den triumph, vnd er liesz ein herlich krütz uffrichten (1521) Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 12
ndr. A@44)
fester und geläufiger sind andere ablösungen aus 1
und 2
geworden. A@4@aa)
als '
pracht, prunk',
zumeist noch im vorstellungskreis von A 1
u. 2,
vgl. triumphus ein siegesgepräng ... triumph
nomencl. (
Hamb. 1634) 546: (
sie führten ihn) gegen der stadt ... mit groszer freud, triumph und solcher glory, die man gegen den siegern zu gebrauchen pfleget
Amadis 103
lit. ver.; mit was herrlichem triumph, der gleichen kaum auff dem mör gesehen ist, dye romisch kayserliche und christliche maiestät ... zu schiff gangen ... ist Ch. Scheurl
briefbuch 2, 140
v. Soden-Knaake; hast du bemerkt, dasz all der triumph, all die herrlichkeit heute (
bei der geburtstagsfeier) sie mehr in verlegenheit setzte, als erfreute Göthe I 38, 114
W.; Hippolyta! ich habe mit dem schwert um dich gebuhlt, durch angethanes leid dein herz gewonnen; doch ich stimme nun aus einem andern ton, mit pomp, triumph, bankett und spielen die vermählung an A. W. Schlegel
Shakespeare (1797
ff.) 1, 178. A@4@bb)
als '
jubel': und welch eine freude und triumph richten sie an, als er (
der kaiser) nu jtzt komen wolt? da war eitel rhümen, jauchtzen, singen und springen Luther 34, 2, 467
W.; da (
bei der krönung könig Ludwigs) sang der bischoff Tulpin das ampt der heyligen mesz, und der patriarch von Jerusalem dienet jhme, und solches mit grossem triumpff und frolocken P. v.
d. Aelst
Heymonskinder (1604) 29; (
Dionysos) ist die sichtbargewordene ewige fröhlichkeit ... sein daseyn ist ein ewiger triumph unter trauben ... unter dem ewigen freudenliede Herder
s. w. 17, 355
S. A@4@cc)
als ehre, ruhm und deren äuszere und zumeist als äuszerlich gekennzeichnete entsprechung: solltest allen weltlychen triumpff, eere und rüm verachten Hutten
opera 2, 190
Böcking; vnd ist Oede hochfart, wann jhener, der in jmselbs lAer vnd zenichtig ... ist, suecht auswendigen lob vnd weltlichen triumph B. v. Chiemsee
teutsche theologey (1528) o 3
b; ach der narren die nichts gesüchen noch erfaren, vermeynen schlecht, die göucheri der gröst triumpf uf erden sy Fischart
glückh. schiff 35
ndr. '
ehrung, huldigung': nach einer langen deliberation ... gieng dieser triumph oder ovation oder leichenconduct an v. Hippel
lebensläufe (1778) 1, 48; Wanda ... sah in diesem beständigen sichwenden an ihre person selbstverständlich nichts als einen ihr zustehenden triumph und berauschte sich in der fülle der ihr immer eindringlicher zuteil werdenden huldigungen Fontane
ges. w. I 5, 30. A@55)
in neuerer sprache verinnerlicht. A@5@aa)
als '
genugtuung',
in den prägungen einen triumph haben, gönnen
u. ä.: diesen triumph sollen sie nicht haben, zu erleben, dasz Agathon sich vor ihnen demüthige Wieland
Agathon (1766) 1, 364; ich hatte den triumpf, Kathinka eifersüchtig zu sehen Fontane
ges. w. I 2, 32; ich wollte Theresen den triumph nicht gönnen, die zerrüttung meines gemüthes in jedem meiner züge zu lesen Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 54; wie würde es mich reuen, dir den triumpf zu geben, gegen dich klagen zu müssen Knigge
roman m. lebens (1781) 2, 60. A@5@bb)
als '
triumphgefühl': triumph schwamm über diese witzige antwort in meines vaters auge J. J. Chr. Bode
Tristram Schandi (1774) 5, 30; izt fühle ich, dasz ich bin! welche wonne, welch ein triumph ist in diesem gefühl Wieland
werke I 2, 353
akad.; auf die stirne flog es wie ungeheurer stolz und triumph ... so sasz sie und badete das gehobne antlitz in den strahlen des mondes Stifter
s. w. (1901) 1, 282; ich weisz, dasz eure wunden (
über den tod der kinder) sich ofte genug wieder öffnen werden, wenn ihr andre in ihren kindern glücklich seht: ein glück, das sonst euer stolz und euer triumph war Thom. Abbt
verm. w. 2 (1783) 107; Karl dagegen, voll triumph und glückseligkeit, rief ihr nach G. Keller
ges. w. 6, 268; seine seele ergözt sich in stillem triumph am anblick der ordnung, des wolstands, der harmonie, die er gestiftet hat Wieland
werke I 3, 20;
auch in abfälligem sinne: in wessen mienen sich der ausdruck des boshaftesten triumpfes spiegelte, das war niemand anders als ihre excellenz
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 45; es kommt mir alles darauf an, ob man die sache für gelungen oder miszlungen hält, auf die man mit so gottlosem triumph zählte G. Forster
s. schr. (1843) 9, 35. BB.
auf der grundlage von '
sieg'. B@11)
im bedeutungsumfang des nhd. sieg: (
man hat) ir ze eren ain bild uff die höhin desz hailigen wegs geseczet, zu öwiger gedächtnusz, die man doch allain umb ritterliche tätten und triumph den überwindern gewonlich seczet (1473) Stainhöwel
de claris mulieribus 185
lit. ver.; dergleich Franciscus Petrarcha beschreibt ein gantzes buch alda von des gewalting todes triumpff, wie er unter sein füsz so stumpff all menschen werff mit seiner krafft und an in allen wer sieghafft Hans Sachs
werke 7, 431
lit. ver.; (
Salomo) hat an all sein feinden sieg und hat triumph in allem krieg
ebda 19, 372.
in geistlicher übertragung von Christi leiden und tod: sin (
Christi) sig und driumph (1473) Stainhöwel
de clar. mul. 78
lit. ver.; (
die inschrift auf dem kreuz) heisset der triumpfftitel, wan er den triumpff Christi vfftruckt Keisersberg
narrenschiff (1520) q 1
a; den sieg und triumph seines sones (
d. i. Christi) ... wider die sünde, tod, teuffel und helle Luther 10, 3, 56
Weim.; 17, 1, 190
u. ö. allgemein übertragen: triumphe sind wie niederlagen, wenn ihre frucht besteht in klagen Platen
werke 1, 104
Hempel; in abstrakterer anwendung: der mund ist grob, ... ohne allen ausdruck, den geübte geduld, unterdrückter schmerz, triumph über sich selbst ... den lippen einprägen sollte Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 129; der triumph einer menschenhand über die hartnäckige gegenwehr der natur Schiller
werke 3, 576
G.; ein wahrer triumph der geister über alles kleine und schwache Hölderlin
ges. dicht. 2, 26
Litzmann. statt der festen verbindung von triumph
mit über (
vgl. oben sowie A 1 a)
steht in der bedeutung '
sieg'
in älterer sprache auch wider (
s. oben Luther 10, 3, 56
W.)
und an: ja, mich erfrewet zu der frist der sieg, den dir gott geben hat und der triumph am Goliath W. Spangenberg
ausgew. dicht. 174
Martin. von den festeren verbalen fügungen enthält die bes. in übertragener anwendung häufige verbindung einen (glänzenden) triumph feiern
u. ä. '
siegen', '
sich durchsetzen', '
recht behalten' (
s. auch bei 2
u. 3)
einen einschlag der bedeutung A 1: als Skobeleff ... vor Samarkand seine triumphe feierte Fontane
ges. w. I 4, 297; so feierte die hofpartei nach allen seiten triumphe
F. C. Dahlmann
gesch. d. frz. revolution (1845) 62; als er (
der gottesleugner) späterhin starb, that er dies so verzagt und ... nach gebet verlangend, dasz die guten leute (
d. i. die frommen) einen glänzenden triumph feierten G. Keller
ges. w. (1907) 1, 71.
sonst einen triumph erringen, gewinnen,
seltener erwerben (
s. auch 2),
vor allem davon tragen,
in derselben bedeutung, in der sieg
mit diesen verben verbunden steht: (
Christus) hat uns triumph erworben über tod, sünd, hell Luther 17, 1, 190
W.; Jarno ... hatte ... den gröszten spasz, wenn er den alten herrn mitunter irre machen konnte. dieser gewann aber bald einen groszen triumph Göthe I 23, 293
W.; der könig ... glaubte hier mit dem bloszen gesunden verstande einen triumph über die verwickeltste juristenpractik errungen zu haben K. Fr. Becker
weltgesch. (1801
ff.) 9, 634; wer hätte ihme etwas anderst eingebildt, als dasz diese (
Judith u. Holofernes) in der kammer in einer vertreulichen kammeradschafft werden leben und die cyprische göttin den triumph darvongetragen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1 (1699) 232; (
er) trug in jener denkwürdigen mühlensitzung ... einen vollständigen triumph über Gerngroszen davon Holtei
erz. schr. (1861
ff.) 24, 192.
in bildhafter und übertragener anwendung wie sieg
oft in verbindung mit abstrakten genetiven: da war noch recht des stärkeren, triumpf persönlicher tapferkeit v. Knigge
roman m. lebens (1781) 3, 17; als wann ich den triumph der warheit ... wolte in einem dantzspiel vorstellig machen Harsdörffer
frauenz.-gesprächspiele (1641
ff.) 2, 257; wenn uns das erste (
buch Mosis) den triumph des glaubens darstellte Göthe I 7, 157
W.; alle züge des charakters des fräuleins geben mir hoffnung zu einem triumphe der tugend S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 150;
wiederholt in titeln: triumph der tugend Göthe I 37, 29
W.; triumpf der empfindsamkeit
ebda I 17, 1; triumph der wissenschaft (
komödie) O. Hinnerk 1932; triumph des willens
reichsparteitagfilm 1934.
von anfang an gern in steigernder verbindung mit sieg,
vgl. (1473) Stainhöwel
oben B 1
anf.; da ist eyn sieg und triumph unter der grossten schwacheyt verborgen Luther 19, 219
W.; 18, 201; 10, 3, 56; alle diese siege vnd triumphe, die er durch so viel bataillen erhalten v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 205; bis zum sieg und triumph der liebe G. Keller
ges. w. 2, 152;
auch in umgekehrter folge: ein triumph und siege wider sund, tod Luther 32, 39
W.; mein herr könig hat sich beladen mit manchem gefärlichen krieg, all mal erlangt triumph und sieg Hans Sachs
werke 10, 367
lit. ver.; ähnlich welcher am meisten weins in sich schüttet, füret den triumph und victory heim Ambach
v. zusauffen (1544) d 1
a. B@22)
in neuerer sprache auch ohne deutliche vorstellung eines vorhergehenden kampfes oder eines unmittelbaren gegners, im sinne von '
erfolg': Buonaroti gesellte zu einem reichen schatze wissenschaftlicher kenntnisse die glänzendsten triumphe der architektur, der skulptur, der malerey und der dichtkunst v. Matthisson
schriften (1825
ff.) 4, 71; der schauplatz seiner ersten triumphe (
im militärdienst) Fontane
ges. w. I 4, 100; einer der schönsten triumphe der wissenschaft ist es ..., die existenz einer groszen gruppe von dingen zu erschlieszen, welche unserer wahrnehmung ... entzogen sind L. Boltzmann
pop. schr. (1905) 29.
auch hier in der wendung einen triumph feiern: auf demselben Karlstheater feierte die signora Patti unendliche triumphe Hebbel
werke 10, 340
Werner; ähnlich einen triumph erwerben: doch haben wir in diesen tagen noch einen gröszern theatralischen triumph erworben, indem wir den standhaften prinzen von Calderon ... aufgeführt Göthe IV 22, 29
W. B@33)
aus 1
und 2
ergibt sich in verbindung mit abstrakten die bedeutung '
höhepunkt',
die seit der zweiten hälfte des 18.
jhs. zu belegen ist; besonders im bereich der kunst: diese allmähliche gradation des affekts ... ist das meisterstück, der triumph der kunst Gerstenberg
Schlesw. litbr. 121
lit.-denkm.; die gemalten weintrauben des Zeuxis sind von alters her für den triumph der kunst ... ausgegeben worden Hegel
werke (1832
ff.) 10, 1, 56; vergangenheit, gegenwart und zukunft sind (
in dem werk) so glücklich in eins geschlungen, dasz man selbst zum seher, das heiszt: gott ähnlich wird. und das ist doch am ende der triumph aller poesie Göthe IV 27, 157
W.; Katharina Gabrieli ist der triumph der heutigen singkunst Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 56; ich habe nur behauptet, dasz dieses stück (
gemälde Helenas) nicht der triumph der schönheit seyn würde Lessing
werke 10, 243
L.-M.; astronomie, als wissenschaft der triumph mathematischer gedankenverbindung A. v. Humboldt
kosmos (1845
ff.) 3, 625.
von hier aus kann die wendung seinen triumph feiern
auch den sinn '
seinen höhepunkt erreichen'
gewinnen: eben in geschickter vereinigung des geistig bedeutenden und des sinnlich rührenden feiert die echte kunst ihren triumph Göthe I 49, 51
W. B@44)
sehr häufig ist triumph
als ausruf des sieges oder erfolges. in älterer sprache gelegentlich in anlehnung an den lateinischen ruf io triumphe: zu Augspurg muste ich mich auch demütigen, da meinet der cardinal, ich kröche zu creutze, und rieff schon: jo, triumph Luther 23, 31
W.; zumeist aber freier. B@4@aa)
mit verben des sagens: triumph, du keusche lieb, triumph du nun solst singen J. W. Zinkgref
auserles. ged. 32
ndr.; triumph, (
schrein sie) triumph, triumph, victoria! Fr. W. Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 31; schon ruft das schöne weib triumph Schiller
werke 4, 18
G.; vgl.: wenn ich zu meinem ziel gelange, erlaubt ihr mir triumph aus voller brust Göthe I 14, 23
W. B@4@bb)
als selbständiger ausruf: triumph, triumph, der Mars ist fort J. Rist
d. friedejauchzende Teutschl. (1653) 229; triumph! das blatt ist voll Stoppe
Parnasz (1735) 342; triumph, du hast gesiegt Gottsched
ged. (1751) 1, 340;
in verbindung mit einer anrede: seit Juvenal sie (
die geiszel) fallen lassen, liegt sie, triumph ihr laster! still Lessing
werke 1, 140
L.-M.; triumph, ihr herrn! der sturm ist abgeschlagen! H. v. Kleist 2, 271
E. Schm.; triumf, herr ritter, triumf! gewonnen ist die schöne Wieland
werke (1794
ff.) 22, 4
Göschen. B@4@cc)
dann auch als '
triumphruf': so wird er dich lehren unter die zitternden stimmen den ton der triumphe zu mischen Klopstock
Messias (1780) 156. B@55)
in älterer sprache wird triumph
unter französischem einflusz auch gelegentlich im sinne von trumpf (
s. d.)
gebraucht und bezeichnet die siegende karte im spiel: vnd siehet ein jeder in eins andern spil unnd hand, allein was er triumph, bilder und künig, aber nit wie viel sew er drinn hab Seb. Franck
sprüchwörter (1541) 1, 126
b; es ist der höchste triumf, wann man studieren wehlt, wer diese blätter hat, viel augen macht und zehlt Harsdörffer
frauenzimmergespr. 3 (1643) 458;
vgl. triumpf, labet, piket, alombre
etc. spielen
giocare il trionfetto Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 864
a;
vgl. auch unten triumpfblättlein; triumphen.
auf neuerer entlehnung aus dem französischen beruht triumph
als name eines kartenspiels mit pikettkarte unter gleichstarken, sich gegenübersitzenden parteien,
auch triumph mit dem raubas,
s. Meyers konvers.-lex.6 19, 731. CC.
zusammensetzungen. C@11)
zusammensetzungen mit triumph-
erscheinen bald nach dem ersten auftreten des grundworts: 1493 triumphspiel;
bei Keisersberg -bogen, -titel; 1528 -feuer; 1530 -zeichen; 1541 -lied;
bei Hans Sachs -säule, -wagen,
sieh an den alphab. stellen; gegen ende des 16.
jhs. schon ansteigend in bildung und anwendung: