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traege

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

träge adj. und adv.

Bd. 21, Sp. 1037
träge, adj. und adv. , tardus, lentus, piger. herkunft und verbreitung. ahd. trâgi adj. und trâgo adv., mhd. überwiegend træge, selten trâge (s. u.) adj. und trâge adv.; as. trâg adj. (Gallée vorstudien 325; Wadstein as. sprachdenkm. 96, 11; 105, 5; 107, 5); mnd. trâch adj.; daneben trêge und trâge, s. Lasch mnd. gramm. § 60; mnl. traech und traghe adj.: überall von der langsam-mühsamen bewegung des körpers und geistes. dagegen steht ags. trâg adj. und trâge adv. mit der bedeutung 'schlecht' abseits (über das subst. trâg des ags. s. u.). das træg desn. ist erst in jüngerer zeit aus dem nhd. entlehnt Falk-Torp 2, 1291. im ablaut zu träge stehen: an. trego, adj., widerstrebend, unwillig, langsam; an. tregliga, adv., mit mühe, not; mit kummer, sorge; isl. tregur, adj., unwillig; langsam, träge; schwierig, auch schwer und selten zu fangen; norw. treg, adj., fest, dicht und stark, bes. vom leder und lederzeug; unwillig, abgeneigt; (auf den Shetlands) langsam. bei den verben und subst. überwiegt die vorstellung 'trauer, kummer': as. tregan, st. vb., (jemandem) leid sein, betrüben; ags. tregian, sw. vb., und an. trega, st. u. sw. vb., bekümmern, betrübengot. trigo, f., übersetzt λύπη; ags. trega, m., kummer, trauer; dagegen an. tregi, m., nicht nur 'sorge, kummer, trauer' (vgl. treginn, adj., traurig, von dingen Neckel eddagloss. 173a), sondern auch 'widerstreben'. hierzu weiterhin ags. trâg, f., leid, kummer.wegen der übereinstimmung von norw. treg 'fest, dicht und stark' mit lit. dižti 'zäh, hart werden', dižas 'riemen, gürtel', diržìngas 'fest, dicht, stark' (auf idg. drh- zurückgehend) bildet wahrscheinlich eine concrete bedeutung, etwa 'fest, dicht, zäh' den ausgangspunkt, vgl. Falk-Torp 2, 1292; J. Franck nl. etym. wb. 2705. neben den umgelauteten formen stehen solche ohne umlaut: trâge : wâge Lamprecht Alexander 3618 K.; m. Altswert 4, 12 lit. ver.; einsilbiges, umlautloses trag im nd. trâc : bâc Karlmeinet 225, 40; Morant u. Galie 660 Kalisch; : mâc Reinke de vos 2539 Lübben; : bach Stephan schachbuch 5014; im md. trâc : mâc Athis u. Prophilias 96, 134 Grimm; : wâc livländ. reimchron. 3960; im obd. trâc : slac Ottokar v. Steiermark 77567 S.; vgl. er wart nie sô trâger : swâger ebda 8884; die trâge (n. sg.) : gemâge jüng. Titurel 5422, 3. später auszerhalb des nd. nur vereinzelt: traag Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 2, 122a; trag Weismann lex. germ.-lat. (1698) 377. heute ausschlieszlich nd.: draak, draag Mensing schlesw.-holst. 1, 829; traag brem.-ndsächs. wb. 5, 94; traag Dähnert plattdt. 493b; trag Schambach Götting. 233a; tr Bauer-Collitz waldeck. 105a; trāg Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 428b; vgl. nl. traag. — im 16.-18. jh. meist träg mit obd. apokope. [] träge ist heute vor allem in der schriftsprache, seltener in der umgangssprache gebräuchlich. dialektisch ist es im nd. verbreitet (s. o.), weniger im md. und obd., wo dafür meistens faul üblich ist (Müller-Fraureuth obersächs. 1, 236a; Lenz Handschuhsheim 71b; Fischer schwäb. 2, 303; Schmeller-Fr. 1, 657; dagegen wird träge verzeichnet bei Hunziker Aargau 57, Bacher Lusern 406). bedeutung und gebrauch. die zurückführung auf eine concrete grundbedeutung (s. o.) scheint sich auch dadurch zu empfehlen, dasz dem worte bis auf den heutigen tag die vorstellung von etwas körperlichem anhaftet. der gang der bedeutungsentwicklung war offenbar der, dasz eine ursprünglich nur concreten objecten beigelegte zähigkeit, schwerbeweglichkeit ins geistige übertragen wurde. das ist früh geschehen, offenbar schon vorahd., und wirkte sich dahin aus, dasz die beiden anwendungsmöglichkeiten 'körperlich und geistig schwer beweglich' sich vielfach vereinigten. die folgende darstellung versucht aus gründen der anschaulichkeit nach dem überwiegen der einen oder anderen componente zu sondern, was für das sprachgefühl oft kaum zu scheiden ist. AA. von der körperlichen bewegung: langsam und mühsam, schwer beweglich, schwerfällig: in den glossen für tardus seit dem 8. jahrh. Graff 5, 502; Diefenbach 573c; tardiusculus 573c; argus 47c; morosus 368b; lentus 324a; nov. gloss. 231b; Diefenbach-Wülcker 875. meist mit langsam verbunden: passus aegri ... das langsam träg und gemach gon Frisius diction. (1556) 46a; mit langsam und trägem schritt buch der liebe (1587) 109b; dann die kälte langsam und träg (ist) wie dann auch der abnemmenden sitten, geberden und leibs bewegungen langsamer und träger Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 20. im gegensatz zu träge steht besonders schnell: man mohte dâ zen stunden gescheiden niht die trægen noch die snellen Kudrun 1428, 8; wie ... zwischen dem schnellfüszigen und dem trägen (hund) ... ein groszer unterschied ist H. L. Wagner theaterstücke (1779) 70; ainer ist träg, der ander tratt ainer ze haisz, der ander ze kalt Hätzlerin 151; zu hastig und zu träge kommt gleich spät Göthe 9, 208, 677 W. A@11) von lebewesen, besonders von menschen: over dat water gynck en brugghe, dar mennich trach unde vlugghe over gynck umme syn beyach meister Stephan schachbuch 4443; o Peter, Peter, du alter priester, wie zeuchstu so träg nach dier deine riester altdeutsche passionssp. a. Tirol 238 Wack.; ihr keiner war im lauffen treg Spreng Ilias (1610) 307a; o ihr musen! ... fördert unsern trägen lauf, um ihm schneller nachzueilen Neukirch ged. (1744) 5; seine (des menschen) augen tragen ihn zu dem sonnenziele der gottheit, aber er selbst muss erst träge und mühsam durch die elemente der zeit ihm entgegenkriechen Schiller 4, 37 G.; (Thiel) trat ... langsam ins freie und bewegte sich trägen und schlürfenden ganges über den schmalen sandpfad G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 25; aber nicht träger wurde der schritt; schuh trat vielmehr immer unablässiger und hastiger an schuh das W. Schmidtbonn-buch (1927) 186; ebenso von thieren: noch die soumeresnelle odir træge noch horn deheinezgroz noch chleinez Milst. gen. u. exod. 137, 21; ehe ich träge pferde reite, gehe ich lieber zu fusz O. v. Bismarck br. a. s. braut u. gattin 52; gram? — diese natter schleicht mir zu träge Schiller 2, 58 G. gern von den körpertheilen, in denen die bewegung sichtbar ist: [] sanft und gar lancseime siht man si werben unde gân ... als in gar træge sîn diu lider. daz houbet senkent si dâ nider und lânt ir ôren hangen Konrad v. Würzburg Troj. 27557; sie (Galathea) naht der thüre sich mit immer trägerm fusze und hält ihm röthend still bey seinem abschiedskusse Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 50; verwandelt sei in einer eule leib, befiedert grau sollst du auf trägen schwingen des nachts dein krächzend lied im walde singen Fr. Pocci lust. komödbüchl. 4, 233; s. auch sp. 1042. für sich steht, unsinnlicher zu nehmen, die träge zunge: hiute ist der dritte tach, daz ich reden nine mach, min zunge ist trægere danne ich gewon wære Milst. gen. und exod. 129, 24; ich bin saumsame und einer tregen zungen erste deutsche bibel 3, 231; 10. capitel: von trägen und allzeitfertigen zungen J. J. Chr. Bode Montaigne 1, 69; vgl. weiter gegen westen wird die sprache ... immer träger, tonloser und plattdeutscher E. M. Arndt 1, 202 R.-M. verursacht erscheint die unbeholfene träge bewegung durch die länge, durch das schwere, massige des körpers: trag ist sin (eines drachen) ganc Boppo in minnes. 2, 380 v. d. Hagen; do man si zu der milte treip, so man die tregen ochsen tut kl. mhd. erzählungen 193, 183 Rosenhagen; dort drängt ein träger schwarm von schwerbeleibten kühen ... sich im bethauten steg Haller ged. (1882) 5, 28; das der valck (mit den blauen füssen) swär und träg ist Mensinger v. d. falken 4 lit. ver.; wie zehn jahre früher Lessing, ... wurde Schubart in seiner letzten zeit dick und träge Schubarts briefe 2, 225 Strausz; der Italiener Gerosa ... war träge, weil sein körper von siechthum ... aufgedunsen und schwerfällig war Kerner bilderbuch (1849) 304; als er so langsam um die ecke bog, und träge schob die langen glieder vor A. v. Droste-Hülshoff 2, 104 Schücking. vgl.das grosz und lang kompt gleichwol langsam und träg, weret aber lang S. Franck sprüchw. (1541) 2, 150a, siehe auch u. A 2 b, durch zu reichliche nahrungsaufnahme: (der habicht) überfüllt sich wie ein mensch, zuo welcher zeyt er minder sicht und gantz traag und schwär ist zum flug Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 2, 122a; (die schlangen) schlingen tiere ganz hinab, die dicker als sie selbst sind, ... werden aber alsdann träge und unbehilflich Hebel 2, 26, 4 Beh.; in der nächsten nacht, wo die Kalabresen von der feier eines festes noch träge und trunken sind Raumer gesch. der Hohenst. (1823) 1, 572; der sieg war leicht erfochten ..., da die überfütterten pferde der feinde ... nur träge fort konnten Dahlmann gesch. v. Dännem. 1, 175, durch ermüdung, erschöpfung des körpers: lassus Diefenbach 319c; nov. gloss. 229a; remissus gloss. 491c; torpidus 589a; vgl. s. v. torpere, torpenta, torpor 589a u. ä.: er was des libes trege von der burden unser schult (von Christus, der beim kreuztragen ohnmächtig wird) Daniel 4260 Hübner; he klagede alle tît unde kermde sô sêr, dat it mi entfermde, wente he wart krank unde trach Reineke de vos 2539 Lübben; da (wenn die schwangeren frauen ein meidlein tragen) seynd sie bleicher, träger, schwermütiger und mit mehr last beschwert Wirsung artzneybuch (1588) 541d; es ist einem (in ruinen) gerade zu muth, als wenn hinter jedem trümmer ein geist der vorwelt träge das morgenlicht angähnte Jung-Stilling 4, 324; occasionell gesteigert zur bedeutung [] 'müde': dann sollte ... dies händeringen meine arme träge machen A. G. Meiszner Alcibiades 1, 53; 'starr': Karlle wart also traich over alle syne lede, of hey hedde den rede (= fieber) Karlmeinet 225, 40; heute im nd.: traag 'matt, kraftlos, ermüdet' brem.-nied.-sächs. wb. 5, 94 f.; traag 'träge, müde' Dähnert plattdtsch. 493b; tr 'schläfrig' Bauer-Collitz waldeck. 106a, bes. im alter: die mîne gespilen wâren,die sint træge und alt Walther v. d. Vogelweide 124, 9; daz alter ... machet man und wip im selben gar unmere, siech, trege und also swere, daz er gerner sanffte lege den er anders ichtes pflege kl. mhd. erzählungen 66, 4 Rosenhagen; auch den kaiser Tiberius das alter träg und nachlässig machte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 50; ein abgelebter greis wird mit den jahren matt, ... ist träge, wünscht zu viel ... Gottsched versuche e. krit. dichtk. 29. als stehendes beiwort bei bestimmten thieren: ein træges sneggen slîchen, einr sneller swalwen vluk der Kanzler in minnes. 2, 388a v. d. Hagen; Tardif, die träge, zögernde schnecke J. Grimm Reinh. fuchs ccxxxix; vgl.schneckträge J. H. Voss Shakespeares schausp. (1818) 2, 46; sie hatte auf dem fischmarkt einige grosze schildkröten gekauft ... sah den trägen tieren zu Werfel Verdi (1930) 262; waz hilfet, daz man trâgen esel mit snellem marke rennet Spervogel in minnes. frühl. 20, 7; pfuy! spricht der hund, du (esel) träges thier! man kömmt ja nicht vom fleck mit dir Ramler fabellese 1, 18; er hat ein liebes weib, das ... nicht stets im hause steckt als wie ein träger dachs Triller poet. betrachtg. 2, 281. A@22) abgeschwächter und unsinnlicher, namentlich wenn die bewegung bei den lebewesen nicht sichtbar ist oder überhaupt nicht von lebewesen herrührt: A@2@aa) im hinblick auf den schnelligkeitsgrad der bewegung, 'langsam': thiu zuelif zeichan ellu ... Saturnum ouh then dragon,Polonan ouh then stetigon Otfrid V 17, 31; der feind erhascht ein träghinsegelndes fahrzeug Pyrker Tunisias (1820) 4, 530; als technischer ausdruck im seewesen: träge = langsam in der wendung Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 772; gelegentlich mit activischem sinn, träge d. h. langsam machend, schwer befahrbar: wann die wege träg sind, soll ein jeder an seinem anschlusz die traden oder wagenleisten instechen aus Jülichischer policei-ordnung bei Frisch wb. 2, 379a; bes. vom wasser, blut: von erst geschmoltznem schnee kommt hier ein träger bach Brockes ird. vergnüg. i. gott (1721) 4, 223; der flusz ... zog träge ... fast ohne fall im flachen gelände dahin W. v. Polenz Grabenhäger 2, 251; vgl.das mesopotamische gebiet zwischen Weser und Elbe durchzogen von zahlreichen trägflieszenden wasseradern Wimmer gesch. des dtsch. bodens 153; die ufer der trägvorüberrollenden Etsch v. Gaudy 22, 91; auch in flurnamen: die Träge Ach bei Lechhausen Buck flurnamenb. 280; des menschen cörper, so sonder benöthigte bewegung, ... zeigt einen trägen umlauff des geblüts Abr. a s. Clara etwas für alle (1699) 2, 69; das blut flieszt träger, und das herz schlägt matter Herder 13, 209 S.; sein auge war ein etwas, was das träge blut in Bewegung brachte Alexis ruhe ist d. e. bürgerpfl. (1852) 1, 137; poetisch auch vom rauch, wind: aus hundert kahlen mauern ... stieg träger rauch auf Rosegger wildlinge [] (1906) 263; ein kalter nebel ... zog mit einem trägen winde dünne, graue tücher über das ganze land Frenssen Jörn Uhl (1902) 503; gern von der zeit: die träge zeit! kein jahr ward mir so lang als dieser morgen Lessing 3, 364 L.-M.; o träge lange nacht, verkürze dich! Shakespeare 1, 251; es wird aus trägen stunden am ende doch auch ein tag Chamisso 4, 164; mhd. wird das adv. trâge 'langsam, zögernd' vgl. etwa vil trâge sprach er: nu lâ in în Schlegel 221 Pfannmüller häufig als litotes verwandt, d. h. in der bedeutung 'gar nicht': swaz der mensche niht verstêt, trâge ez im in die ôren gêt Hugo von Trimberg renner 1212 Ehrism.; vgl. Alfr. Hübner die mhd. ironie (1930) 113 und B 1 d. A@2@bb) die vorstellung der schwere, zähigkeit steht im vordergrund, träge ist 'schwer', 'zäh', meist bis zu 'unbeweglich' gesteigert: biblisch-kirchlich vom fleisch des menschen im gegensatz zum geist vgl. th. 4, 1, 2, 2658 und die anklingende bibelstelle (der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach Matth. 26, 41): der geist ist schnell, aber das fleisch ist träg Keisersberg predigen teutsch (1508) 41c; auch das sich nicht erschwing der gaist, es sei denn gzämmt das träge flaisch Fischart 3, 95 Hauffen; hie in der welt hat man und weib ein unbehenden tregen leib Ringwaldt christl. warn. b 8b; seine liebe musz zum himmel schweben, von dem trägen leibe keusch entblöszet, kann zu gott der engel sie erheben Brentano ges. schr. 2, 203; in einer stunde verrichtet der geist mehr thaten des gedankens als der träge organismus unseres leibes in jahren nachzuthun vermag G. Büchner nachgel. schr. 83. von dickflüssigem: berufssprachlich träge milch 'infolge fütterung, altmelken zustandes oder krankheit dickflüssige und darum nur schwer und unvollkommen ausrahmende milch' Martiny milchwirtsch. 129; poetisch: fuhr er, auf der trägen pechfluth ... lag sie da, bedeckt mit moder ... reglos, leblos, traurig, öde Freiligrath ges. dicht. 6, 73; das hohe meer empört sich dem orcan ... der träge sumpf allein bleibt unbewegt Collin Regulus (1802) 124; das ferment, das aber in den trägen teig der zeit dadurch kommt Gervinus an Dahlmann 2, 344 Ippel. als fachausdruck in der chemie: 'träge heiszen stoffe, die schwer oder gar nicht zur reaction zu bringen sind' Remy chem. wb. 358; bleiben ... nur die kohlen an den ofenwänden stehen (träger oder todter mantel), während die erze nach der mitte rollen Muspratt chemie 2, 1282; schon bei Fronsperger: nun ist salpeter gar kalter, fauler, träger art, und so er angebrennt oder angezünd wirt, begert er under sich kriegsb. (1578) 1, 174b; wilt du ausz einem groszen stück feuwer schieszen, so nimb ein steynern kugel, ... lasz ein creutz einer halben spannen weyt darein hauwen, fülle das creutz mit trägem zeuge (pulver) und umbwindt den stein mit geschweffeltem hanff, dasz der zeug nicht herausfalle ebda 2, 201b; ebenso träges pulver 200b; 202a im gegs. zu resch pulver 200b. ähnlich häufig in der poesie: (vom geist des octoberfeuers) dasz, wo in den trägen stoffen ew'ges schlummert in der nacht, es, vom himmelsstrahl getroffen, sei zum leben angefacht Rückert 1, 158; es war ein heiterer der menschheit würdiger gedanke, ihre todten der hellen reinen flamme statt der trägen erde zu überlassen J. Grimm kl. schr. 2, 307; [] ist der wesen kette schon gebunden? schon des lebens stoff im trägen stein, schon des feuers heiszer born gefunden? Overbeck verm. ged. (1794) 95; die mine bereite mir einer, dasz ich die trägen klötze aus der erde sprenge Hölderlin ges. dicht. 2, 87 Litzm.; gelegentlich auch unsinnlicher: das mondlicht ... ist so kalt und träge Görres ges. br. (1858) 1, 80; der träge buchstab werde geist-durchdrungen A. v. Arnim 16, 185 Gr.; schmetterlinge ... summen hier und summen dort, summen ihre träge lieder Tieck schr. (1828) 7, 36. A@2@cc) die geringe intensität der bewegung ist betont, 'schwach': greiff an mein arm und tast, schlecht mir der puls nit vast? ist er schnell oder träg? Hätzlerin 146, 59; der puls ist trege Ortolff v. Bayrlandt artzneybuch (1477) 2b; ain tregen pulsz H. Braunschweig chirurgia (1539) 18a; da im gegentheil beim trägen puls der phlegmatischen die folge der ideen äuszerst matt und langsam ist Schiller 1, 86 G.; und fühlte, wie der herzschlag kam und schwand, in stöszen bald, dann wieder träg und lasz A. v. Droste-Hülshoff 2, 222 Sch.; hierdurch werden die gedärme geschwächt, werden träge in ihren verrichtungen Bremser mediz. paröm. (1806) 93; in kindern ist die wurmförmige bewegung (des darmcanales) lebhafter, in greisen träger Sömmerring v. bau d. menschl. körpers 5, 114. ähnlich vom markt bei geringem umsatz; bereits im 15. jh. im sprichwort lebend: die tregen märckte werden gern gut Agricola sprichw. (1534) A a 5a; Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) d 2a; B. Faber thes. (1587) 697a; Eyering prov. copia 1, 729; treger marckt wird offt gut H. Sachs 9, 84 Keller; jetzt auf die kaufmannssprache beschränkt, oft in handels- und börsenberichten: der markt ist (sehr) träge s. Schirmer kaufmannsspr. 192; vgl. bei einem stillen markt und trägem begehr Weserzeitung 1859, 4882; in jüngster zeit ist dafür schwach, flau gebräuchlicher. BB. vom geistigen und seelischen verhalten. B@11) schwer beweglich, schwerfällig. B@1@aa) auf grund von veranlagung oder gewohnheit: B@1@a@aα) die kalten tier bedäutent die trægen schuoler ze lernen, die die hailigen geschrift swærleich enphâhent Konr. v. Megenberg buch d. nat. 119 Pfeiffer; wie dann du von gott mit lärem und trägem unartigen gemüt bethailt bist, hast nichts über die zierhait des leibs Schaidenraiszer Odyss. (1537) 31b; also gar laszt sich die welt in so wenig jahren nicht erkennen. eines mänschen leben ist vil zu kurtz: das hertz ist viel zu träg Moscherosch ges. 1 (1650) 47; man ... wie mit einer spiessruthen ihre träge gemüther auffwecke Schupp schr. (1663) 273; dem wahren gelehrten ..., dessen geist nicht klein, nicht träg genug ist, sich auf einen einzigen mittelmäszigen gegenstand einzuschränken Kästner verm. schr. (1772) 2, 36; die Bündner waren eben durch ihre freiheit ein rohes und träges volk K. Fr. Bahrdt gesch. s. leb. (1790) 2, 331; sie (die Gepiden) sind auch grosz an leib und träg von geist W. Grimm dtsche sagen (1891) 2, 12; wie träg ein mann auch sei, er taugt doch zwirn zu winden Müllner dram. w. 7 (1828) 156; was willst du länger trägen sinnes seyn und nicht gedenken, wer deine väter gewesen? E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 260; die nähere bekanntschaft mit der bibliothek und ihren verhältnissen leitet zu allerhand bemerkungen, die wahrlich ... auch den trägsten und stumpfsten aus der lethargie wecken müszten J. G. Forster s. schr. (1843) 8, 4; in jüngerer zeit bes. von der volksmasse: einer jener radicalen sätze ..., die mit ihrem schneidenden klange die träge welt aus [] dem schlafe rütteln Treitschke histor. u. polit. aufs. (1886) 1, 17; verwundernd staunt es (das ziel) an die träge menge, doch wenige vollenden hin den lauf Novalis schr. 1, 217 Minor; in der trägen masse des volks war ein unheimliches leben ... erwacht v. Ebner-Eschenbach 2, 131; an dem kalten, trägen publikum ... liegt es Bürger 1, 320 Bohtz; vgl. grosze herren wart ihr, die sich über das träge jetzt ... huben Herder 12, 50 S.; die kritik ... eilt mit riesenschritten dem trägen jahrhundert voraus Bauernfeld ges. schr. 3, 291; auch in occasionellen compositionen wie trägverständig, -sinnig, -herzig: damit aber den trägverstendigen nüts breste, wellend wir etliche ding zemen halten Leo Jud von warem und falschem glauben (1526) n 7a; o ihr trägsinnigen von blöder zuversicht! was die propheten selbst euch sagten, glaubt ihr nicht? Rückert 11, 189; o die Teutschen, die stumpfen, kalten, trägherzigen Teutschen Wieland an Lavater s. Schnorrs archiv 9, 428; vgl. wie konnte er nur so herzensträge, so kalt, so gleichgültig sein ..., seinen einzigen ... freund zu vernachlässigen Werfel Verdi (1930) 191. B@1@a@bβ) spec. vom temperament, 'phlegmatisch', flecmaticus Diefenbach nov. gloss. 177a; frigidus glossarium 247c. schon im mittelalter bezeugt: es sint och noch ander steine, das der mensche von innen wirt gelossen, der von allem sinem herzen got begert und vindet sich hert, dúrre, kalt und trege Tauler 283, 30 Vetter; drum müszten sie niemahl bediente nehmen, die von zornigem temperament seynd, ... sondern die von feuchter und träger natur sind Hafner ges. lustsp. (1812) 2, 180; sie (die königinmutter) hat ein träges naturell Laube ges. schr. 5, 132; die tiefe wehmut und die passive rolle der betrogenen frau lag ihrem trägen temperamente R. H. Bartsch vom sterbenden rokoko (1913) 52; entschieden ein schönes mädchen! aber träge ohne feuer in den blauen augen Kahlenberg Eva Sehring (1901) 79. B@1@bb) mit dem nebensinn des widerstrebens, der unlust: synagoga so trâgo (variante des 12. jh.s für umbequâmo) sich bekêret Williram 110, 3 Seem.; swie rîlich êre und manic nuz an sînem râte læge, doch wâren si vil træge ze sîner volge bî der zît Konrad von Würzburg Troj. 19338; dasz die, die sust träg und unlustig wärind, ze hören gereizt Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 66; wo auch ein stück weit von dir läg, und andre gest all weren träg, dasz dirs niemant für legen wolt Scheit Grobianus 714 ndr.; mir ist nit treg euch ze schreiben cod. Tepl. Philipp. 3, 1 (Jelinek mhd. wb. 721); erste dtsche bib. 2, 179, 45 = mihi non pigrum; bisz nit träg oder unfruotig ze schreyben scribere ne pigrere Maaler (1561) 405a; schreiben sie (anr.) mir bald — aber bald, und sollten sie vielleicht zu träge dazu sein, so lassen sie den Salmann kommen und dictiren sie ihm den brief O. Jahn Mozart 3, 328. gelegentlich tritt der affect noch stärker hervor: trag accidiosus a. d. 14./15. jh. Herrigs archiv 47, 442b; trege ... sin accidiari Diefenbach 7c; dô rief er sînen mâgen dar ... daz sie im hülfen von der nôt ... sumlicher tet ez trâge, dô was ouch der, der ez gerne tet gesamtab. 2, 202, 198 v. d. Hagen; an im (Jesus) was nie kain uppekait træge noch trurig was er nút schweizer Wernher 5669; di lib ... kan ... in keinem alt- und erkalteten, in keinem trähg- und verdrossenen härzen haften Zesen adriat. Rosemund 7 ndr.; soll ich mit finsterm blick und träge tief in mich selbst verhüllet gehn? Gotter ged. (1787) 1, 6; [] und müszten wir uns nun bequemen und uns die puppe lassen nehmen, die uns itzt so am hertzen liegt, wir würden träg und miszvergnügt Stephanie d. j. sämtl. singsp. (1792) 83, 4; an dem schönen morgen ... wenn selbst durch die finstern straszen in die stadt der laue west zieht, ... da schleiche ich träge und unmutig in herrn Elias Roos' räuchrichtes comptoir A. Th. A. Hoffmann 6, 150 Gr. B@1@cc) gern mit subjectiver beziehung auf zustandsbezeichnungen übertragen: auch hatten grosze dichter ihre wercke ... niemals dazu bestimmt, ... einem müszigen Midas den trägen schlummer zu versüszen Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 135; und die erinnrung meiner frühen jugend ruft meine rache aus dem trägen schlaf Beer s. w. 25; dasz du (mein mund) im hohen drange den reichen riefst aus träger, stumpfer ruh Novalis schr. 1, 154 Minor; nach einem halbstündigen gespräche, das manche träge pause unterbrach Pfeffel pros. vers. (1810) 7, 53; nun gilts erwachen aus der trägen ohnmacht Bauernfeld ges. schr. 3, 112; fürst ..., der statt träger mönchischer beschaulichkeit die jagd und den kriegsdienst liebte Häusser dtsche gesch. 1, 34; gemeine Christen arbeiteten, erhabene Christen ruhten. also war ... die träge und lichtscheue mystik das product aller dieser schwärmerey Zimmermann üb. d. einsamkeit 1, 159; im sprachbewusztsein kann die subjective beziehung so verblassen, dasz gelegentlich träge activische bedeutung erhält: des eifers glut steigt allgemach empor und wirft beschämt der trägen demut vor ... Weichmann poesie d. Niedersachs. 1, 42; das bild ... schien ... die träge schlafsucht vorzustellen Triller poet. betrachtg. 1, 705; träger schlaaff, der ein faul und träg macht somnus deses J. Maaler (1561) 405a; vgl. auch träger winter, der einen träg und faul macht bruma iners ebda. B@1@dd) mit näherer bestimmung, durch gen. nur mhd.: dienstes Konrad von Haslau zs. f. d. altert. 8, 550; êren Suchenwirt 21, 144; antwürt 25, 74; als litotes (vgl. A 2 a) valsches jüng. Titurel 1406; 5537; durch präposit. wendungen oder infin. mhd. und nhd.: gegen, mit und vereinzelt für: gein valscheit Wolfram v. Eschenbach Parz. 66, 12; mit listen H. Sachs 9, 184 Keller; für alles gute Zimmermann vom nationalstolze (41783) 49; — zu, heute ungewöhnlich (doch s. u.): ze dienste Hugo v. Trimberg renner 18313 Ehrism.; zuo êren Altswert 4, 12 Holl.-Kell.; zu der arbait Steinhöwel Äsop 43 lit. ver.; zuo aller gerechtikeit Arigo decam. 50, 14 Keller; treg ze reden und treg zuo dem zorn erste dtsche bibel 2, 414; zu allem guten Scheit Grob. 6 ndr.; zu allem träge und fast untüchtig Abbt 6, 3, 44; zu fleisz und arbeit Gellert w. 2, 105; tr. und lästig zu jeder art von mittheilung Göthe IV 11, 271 W.; — an, nur bis etwa 1500 belegt, (an tugenden Athis und Proph. 96, 134 Grimm; an freuden jüng. Titurel 5422; an dem glauben altdeutsche passionssp. 478 Wack.; an götlichem dienst summer teil der heyligen leben [1472] 81) durch in abgelöst, das bis heute gebräuchlich ist: in irem dinst H. Folz meisterl. 25, 143; in fürsichtigkeit H. Sachs 19, 139, 2 Götze; in meinem gebet Grimmelshausen Simplic. 36 Kögel; in handlungen und worten G. Keller 7, 365; — mit infinitiv: træge ze lernen Konr. v. Megenberg buch der natur 119 Pfeiffer (s. o. B 1 a α); yedes frommen mentschen mund (sye) behuotsam, rein und ze reden träg Riederer rhetoric (1493) a 3b; seit dem 17. jh. zu träge (um) etwas zu tun: weil wir zu träge sind, die rechte bahn zu gehn Lohenstein geistl. ged. (1680) 2, 63, 1159; nicht ruhig genug oder vielleicht auch zu träge, seine nunmehrige begriffe in ein system zu bringen Wieland [] Agathon (1766) 2, 68; zu träge, um sich durch gefährliche ränke emporschwingen zu wollen Schleiermacher 2, 4, 59; so auch mit substant. infin.: zum urtheilen und vergleichen zu träge J. G. Forster 3, 44. B@22) kritisierend, abschätzig 'lässig', 'säumig', namentlich 'faul', das in der schriftsprache als zu harter, meist mit affect vorgebrachter ausdruck gemieden wird. bereits seit dem 8. jh. in den glossen für piger, iners, deses, desidiosus, ignavus, reses, hebes u. a., s. Graff 5, 502; piger u. ä. Diefenbach gloss. 434a; nov. gloss. 291a; girenus gloss. 263b; iners 295c; inerticus 296a; deses 176a u. nov. gloss. 131; desidiosus gloss. 176a; ignavus 285a; muriscidus 372b u. ö.: so mod ok doen de trage man, de nicht wyl arbeyden, wan he wol kan Hans v. Ghetelen narrenschyp 70, 27 Brandes; träg, faul, der nicht arbeiten mag paresseux Hulsius-Ravellus (1616) 326a; es ist gur als gaul, treg als faul, es sind vier hosen eins duchs Eyering prov. copia 2, 535; ein weidmann und ein jäger, ein fauler und ein träger ... sind all geschwister-kind Moscherosch ges. 1 (1650) 465; so gern mit faul verbunden: er und zwei tûsent Sarrazîn niht ze trâge noch ze vûl kâmen gegen Mabriûl Konrad von Würzburg Part. und Mel. 20429; ähnlich 19359; als doppelformel namentlich im 16. jh.: hütet euch, das ir euch nicht lasset ... müde und matt machen, das ir davon lasset oder faul und träge werdet Luther 34, 2, 373 W.; schaw doch lauffen den faulen, trägen hauffen auff der gass hin und wider H. Sachs 17, 317 G.; vgl. 6, 224 K.; 17, 133 G.; Murner narrenbeschw. 199 ndr.; ein myl wägs nach eim tanz ze gan, darzuo sind sy nit ful und träg H. R. Manuel weinsp. 1835 ndr.; so treg und faul sind wir Dedekind der christl. ritter (1590) a 3a; im gegs. zu fleiszig, eifrig u. ä.: die fleiszigen arbeyter lobet er (der herr), die faulen und trägen straffet er M. Herr der feldbau (1551) 27a; ähnlich J. v. Müller (1810) 1, 100; J. A. Naumann naturgesch. der vögel (1822 ff.) 2, 1, 334; die menschen bleiben nicht immer wie sie waren, der beste kann schlecht, der eifrigste träg ... werden Haller restaur. der staatswiss. 2, 145, 9; sie ... liesz es (ihr land) um den taglohn von denen bearbeiten, die für eigene rechnung zu träg dazu gewesen, und so brachte sie alle mit einander dazu sich zu rühren G. Keller 3, 373. nicht träge im sinne von 'sehr eifrig, fleiszig, rührig': möht ir siges machen bar all iwer vînt mit einem slac, darzuo wæret ir niht trâg Ottokar von Steiermark 77567 S.; das ist, du Christ, sey ja nicht treg, das gbet, dein wehr, nit von dir leg Ringwaldt die lauter warheit (1597) v. 48; auf denn, nicht träge denn, strebend und hoffend hinan! Göthe 2, 65 W.; kaiser und könig würden sich in einer sache, die sie so nahe angehe, nicht träge finden lassen Ranke 4, 36. B@2@aa) im sinne moralischen vorwurfs: si gebârent umb dich trâge, die durch dich ûf die wâge solten setzen lîp unt guot Dietr. flucht 4142 (dtsch. heldenbuch 2); die fürsten tuont ze trâge umb iuwer synagôge, die ir ûfrihtet Seifrid Helbling 2, 1181 Seem.; das merer tail waren treg und saumig und lieszen sich kriechischen wollust übergeen chron. d. dtsch. städte 3, 57. [] mit nachlässig, saumselig, lasterhaft u. ä. verbunden: wer nit also zürnet, der ist träg und nachlässig A. v. Eyb spiegel der sitten (1511) e 7b; das etlich desto minder achteten, das sie umb ir guot kemen ... und zügen damit träg, unfürsichtig bürger Carbach Livius (1551) 39b; die diszfalls saumseligen und trägen gemüther werden ... noch dazu bestrafft v. Fleming soldat (1726) 136, 8; die könige selbst führeten sich sehr träge und unverantwortlich auf Hahn einl. z. d. teutschen staatshistorie (1721) 1, 10, 1; in der (stimme gottes) er ihm den untergang des bisher regierenden lasterhaften und trägen priesterhauses anzeigte Herder 12, 200 S.; im gegs. zu sorgsam: hassent das ubel: zuohaftent dem guoten ... mit sorgsamkeit nit trege: mit hitzigem geyst: dient dem herrn erste dtsche bibel 2, 49, 14. gern substantiviert und bes. aus dem 15.-17. jh. sprichwörtlich belegt: der treg spricht: der lew ist an dem weg und die lewin ist in den steigen (piger — Luther der faule) bibel (Nürnberg 1483 Koburger) 304 (sprüche 26, 13); de trage, de nicht gern gheyt hirvor, de sprickt: 'de lauwe steyt vor der dor!' Hans v. Ghetelen narrsch. 97, 23; so kert sik unde ummewend de trage in sime bedde alle dage laiendoctrinal 118 (sprüche 26, 14); dem tragen is quât to bevelen Tunnicius nr. 1143 Hoffm. von Fall.; ir solt wissen, dasz die klein müh von den tregen gesucht wird buch der liebe (1587) 162b; der teufel hat ausz disen dreyerley ständen den vierten standt auszklaubt, nemblich die trägen und faullentzer Albertinus Lucifers königreich (1616) 391; 'wenn man könnte, was man will' — ist die entschuldigung des trägen C. G. v. Brinckmann filosof. ansichten (1806) 237; das ist das wahrzeichen der trägen, sie finden schwierigkeiten allerwegen Lipperheide spruchwörterb. 869b; in früher jugend muszt du schon ... den unverstand und stolz der trägen meiden lernen Gottsched neueste ged. (1750) 19; er (gott) schlägt den trägen mit armuth Schleiermacher predigten (1801) 107; charakterschilderung des gleichfalls zu dieser parabelgruppe gehörigen trägen freundes (Luc. 11, 5 f.) D. F. Strausz 3, 327; auf den erblichen lehngütern saszen auch träge und rohe, welche rittersitte nicht übten Freytag 18, 43. mit subjectiver beziehung: wol uf, ir úpigen herzen, usz der lawkeit úwers tregen, hinlessigen lebens Seuse dtsche schr. 28, 27 Bihlm.; die handfröner ... wurden von den meystern irs dregen dinsts halben abgesetzt Aymont (1535) f 3a; ich musz mich in mir selbst der trägen schwachheit schämen: dasz ich nicht starck genug, zu tode mich zu grämen Besser schr. (1732) 217 König; ein groszer unterschied zwischen dem freien preisgeben ... eines erworbenen ... gutes und zwischen dem trägen fahrenlassen dessen, was man nie besessen hat G. Keller 1, 384; vgl. trägmütige hinlässigkeyt Fischart 3, 278, 27 Hauffen. occasionell auch hier wie oben sp. 1040 in activischen sinn hinüberspielend: üppige völker, von der glühenden sonne und von träger wollust entnervt Wieland 1, 3, 51 S.; geographie und geschichte ... dazu beigetragen haben, eine reihe träger vorurtheile abzuschütteln Herder 30, 100 S. B@2@bb) sehr üblich in religiöser sphäre, und zwar meist mit präpositionalen wendungen verbunden: träg waz ich an gotz gebot schausp. des mas. 2, 282 Mone; o ier toren und ir vaigen und an dem glauben ier trägen altdeutsche passionssp. 478 Wack.; sy ... was übermüttig und waz träg an götlichem dienst summer teil der heyl. leben (1472) 81a; sind treg zu gottes wort und tisch Hollonius somnium vitae hum. 41 ndr.; [] in godes denste sy nicht trag noch kalt Husemann spruchsammlg. (1575) b 60 Weinkauff; je mehr ich anfing zu wancken, je träger ward ich in meinem gebet Grimmelshausen Simplic. 36 Kögel; wenn mein fleisch ... zur busse, die uns heilt, sich viel träger als zur sünden und zur bosheit lässet finden P. Gerhardt in ev. kirchenld. 3, 443b Fischer-Tümpel. ohne derartige bestimmung: nun wacha, sünder träge, bedenck dein grosze sünd Hätzlerin 31; er dem euangelio zuo glauben ermanet und reitzet die trägen Hedio chron. german. (1530) f 1a; so gar faul, treg und lessig stellen wir uns zu dem lieben wort Luther 28, 451, 35 W.; wenn die verehrer der wahren religion anfangen, lau und träge zu werden Jung-Stilling w. 3, 59 Grollmann.
34395 Zeichen · 853 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    TRÆGEadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    TRÆGE adj. träge, langsam, verdrossen. ahd. trâgi Graff 5,502. nebenform trâc (: wâc) Ath. B, 134 und anm. livl. chron. …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Träge

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Träge , -r, -ste, adj. et adv. Abneigung von der Bewegung habend, besonders, so fern diese Abneigung in der Empfindung k…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    träge

    Goethe-Wörterbuch

    träge [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    trägeAdj.

    Pfälzisches Wb.

    träge Adj. : ' faul, bequem ', umgspr. Er is trääsch [ LU-Friesh ]; e trägeʳ Kerl [ GH-Westh ]; e trägeʳ Hund, von einem…

  5. Sprichwörter
    Träge

    Wander (Sprichwörter)

    Träge 1. Is de êne trâg (träge, langsam), is de anner grâg (schnell). – Kern, 1649; Hauskalender, I. 2. Hi as so trâi üü…

  6. Spezial
    träge

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    trä|ge adj. 1 (langsam) pëigher (-gri, -gra) 2 (faul) frat (frac, frada) 3 (schwerfällig) pesoch (-oc, -ocia), podor (-s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit traege

64 Bildungen · 52 Erstglied · 11 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von traege 2 Komponenten

tra+ege

traege setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

traege‑ als Erstglied (30 von 52)

trægecheit

Lexer

trægec-heit stf. drâge-, drêgekeit: pigritia, segnities Dfg. 434 b . 524 c .

Träge (der)

Wander

trag·eder

Träge (der) 1. Dem Trägen ist schlecht was zu übergeben. Bei Tunnicius: Den tragen is quât to bevoelen. (Ipse tuos noli pigro committere num…

trägel,

FWB

1. ›Träger von Lasten, die von einer oder wenigen Personen bewältigbar sind‹; 2. ›Esel‹.

trägerabstand

DWB

traeger·abstand

trägerabstand : eine decke ... erhält I-träger, normalprofil 14 bei 1 m trägerabstand Schönermark-Stüber hochbaulex. 341 ;

trägeramt

DWB

traeger·amt

-amt : ( ca. 1394) so soll an dem heiligen feiertage kein treger noch bierspunder tragen oder laden noch anderley arbeit thun, die da angeho…

trägerart

DWB

traeger·art

-art : je nach der anzahl und anordnung der auflager und scheiben unterscheidet man verschiedene trägerarten ( wie balken, bogen, ketten, ge…

trägerbelastung

DWB

traeger·belastung

-belastung : dieses gitterwerk ( einer brücke ) wird bei totaler trägerbelastung gar nicht beansprucht Karmarsch-Heeren 2, 90 ;

trägercolonne

DWB

traeger·colonne

-colonne : da die landesproducte aus norden und süden ... durch lange trägercolonnen nach D. gebracht werden Soyaux aus Westafrika 2, 17 ; d…

trägerebene

DWB

traeger·ebene

-ebene : diese trägerebene ..., welche bei berücksichtigung des eigengewichts nur eine vertikalebene sein kann Lueger 7, 694 ;

trägerei

DWB

traege·rei

trägerei , f. , das tragen: gleiche männer-tragerey ( auf die Weinsberger geschichte bezogen ) kann man in alten historien finden Abele v. L…

trägerfläche

DWB

traeger·flaeche

-fläche : indem ( in den trägern für die decke aus cementbeton mit eisenstabeinlagen ) die eisenstäbe auf halber trägerlänge ziemlich nahe d…

trägerform

DWB

traeger·form

-form : der verlauf der begrenzung oder axe gibt veranlassung zur unterscheidung verschiedener trägerformen ( als parallelträger, dreiecks-,…

trägerheer

DWB

traeger·heer

-heer : indem erschien in langen reihn ein trägerheer. man trug herein viel kistchen, kästchen, schächtelchen Zachariä hinterlass. schr. 64 …

Trägerhemd

PfWB

traeger·hemd

Träger-hemd n. : 'Frauenhemd mit Tragbändern über die Schulter', Trääeʳhemd [ RO-Dielkch ], -himd [ KU-Bedb ], -hemb [ KB-Kriegsf ], Trääche…

trägerin

DWB

trag·erin

trägerin , f. , seit dem ahd. in dem compos. chinttragerinne s. u. bezeugt; im wesentlichen in denselben bedeutungen wie träger verwandt, nu…

trägerkarn

DWB

traeger·karn

-karn : sarracum ein wagen zu bawhöltzern, ein trägerkarn nomenclator lat.-germ. (1634) 371;

trägerkleid

DWB

traeger·kleid

-kleid : eine grosze verrheterey zu Dantzig ... hatten auch allbereit nicht wenig knechte des ordens bey sich in der stad heimlich, die sie …

trägerknecht

DWB

traeger·knecht

-knecht : ( ordnung der salzmesser 1445) dat geyne dragerknechte eynche secke mit saltz achter sich neymen verfassung u. verwaltung der stad…

trägerlast

DWB

traeger·last

-last : eines tages war jemand ( von den negern ) in sein ( des weiszen ) lager eingebrochen und hatte mindestens eine trägerlast waren gest…

traege als Zweitglied (11 von 11)

denkträge

DWB2

denk·traege

denkträge adj. : 1860 Scherr größenwahn ( 1876 ) 142. 1927 Haushofer grenzen 37.

Êrbausträge

Adelung

erb·austraege

Die Êrbausträge , singul. inus. in dem Deutschen Staatsrechte, erbliche Austräge, d. i. befreyete willkührliche Gerichte gewisset Reichsstän…

Langsamträge

Campe

langsam·traege

○ Langsamträge , adj . u. adv . langsam und träge zugleich. Ein langsamträges Leben, das langsam und in Trägheit verfließt. — — — liegt anf …

schreibeträge

DWB

schreibe·traege

schreibeträge , adj. : der liebe allerkostbarster beweis, den ich aus schreibeträgem herzen kaum mir abzuquäl- und tragen noch vermag. Chami…

Schreibträge

Campe

schreib·traege

○ Schreibträge , — r, — trägste , adj . u. adv . zu schreiben träge. »Dein schreibträger Freund.« Ungen. Auf dieselbe Art kann man auch schr…

Stammausträge

Adelung

stamm·austraege

Die Stammausträge , sing. inusit. Austräge, d. i. selbst erwählte zur Pflegung der Güte bestimmte Gerichte, so fern sie bey einem Stamme ode…

stinkträge

DWB

stink·traege

stinkträge , adj. , soviel wie stinkfaul: und wenn sie sich einmal heranschleichen sollte, die stinkträge, blutsaugende bestie ( blasierthei…

überträge

DWB

ueber·traege

überträge , adj. 1) steigernd zu träge: er hett ain überträge zungen, lingua tardus Steinhöwel Äsop 38 Öst.; Toobo war träge, überträge W. v…

unträge

DWB

unt·raege

unträge , adj. adv. , gth. zu träge. mhd. untræge, -trâge; impiger, hurtig, musterig, wacker, behend, nuofer, redlich, unverdrossen, fleyszi…

willensträg(e)

DWB

willens·traege

willensträg(e) , adj. : weder willensträge noch entschlüssig, ... sasz ich da und überlegte lange Hoffmann von Fallersleben schriften 6, 104…

Ableitungen von traege (1 von 1)

unträge

DWB

unträge , adj. adv. , gth. zu träge. mhd. untræge, -trâge; impiger, hurtig, musterig, wacker, behend, nuofer, redlich, unverdrossen, fleyszi…