träge,
adj. und adv. ,
tardus, lentus, piger. herkunft und verbreitung. ahd. trâgi
adj. und trâgo
adv., mhd. überwiegend træge,
selten trâge (
s. u.)
adj. und trâge
adv.; as. trâg
adj. (Gallée
vorstudien 325; Wadstein
as. sprachdenkm. 96, 11; 105, 5; 107, 5);
mnd. trâch
adj.; daneben trêge
und trâge,
s. Lasch
mnd. gramm. § 60;
mnl. traech
und traghe
adj.: überall von der langsam-mühsamen bewegung des körpers und geistes. dagegen steht ags. trâg
adj. und trâge
adv. mit der bedeutung '
schlecht'
abseits (
über das subst. trâg
des ags. s. u.).
das træg
des dän. ist erst in jüngerer zeit aus dem nhd. entlehnt Falk-Torp 2, 1291.
im ablaut zu träge
stehen: an. trego,
adj., widerstrebend, unwillig, langsam; an. tregliga,
adv., mit mühe, not; mit kummer, sorge; isl. tregur,
adj., unwillig; langsam, träge; schwierig, auch schwer und selten zu fangen; norw. treg,
adj., fest, dicht und stark, bes. vom leder und lederzeug; unwillig, abgeneigt; (
auf den Shetlands)
langsam. bei den verben und subst. überwiegt die vorstellung '
trauer, kummer'
: as. tregan,
st. vb., (
jemandem)
leid sein, betrüben; ags. tregian,
sw. vb., und an. trega,
st. u. sw. vb., bekümmern, betrüben —
got. trigo,
f., übersetzt λύπη;
ags. trega,
m., kummer, trauer; dagegen an. tregi,
m., nicht nur '
sorge, kummer, trauer' (
vgl. treginn,
adj., traurig, von dingen Neckel
eddagloss. 173
a),
sondern auch '
widerstreben'.
hierzu weiterhin ags. trâg,
f., leid, kummer. —
wegen der übereinstimmung von norw. treg '
fest, dicht und stark'
mit lit. dižti '
zäh, hart werden', dižas '
riemen, gürtel', diržìngas '
fest, dicht, stark' (
auf idg. drh-
zurückgehend)
bildet wahrscheinlich eine concrete bedeutung, etwa '
fest, dicht, zäh'
den ausgangspunkt, vgl. Falk-Torp 2, 1292; J. Franck
nl. etym. wb. 2705.
neben den umgelauteten formen stehen solche ohne umlaut: trâge : wâge Lamprecht
Alexander 3618
K.; m. Altswert 4, 12
lit. ver.; einsilbiges, umlautloses trag
im nd. trâc : bâc
Karlmeinet 225, 40;
Morant u. Galie 660
Kalisch; : mâc
Reinke de vos 2539
Lübben; : bach Stephan
schachbuch 5014;
im md. trâc : mâc
Athis u. Prophilias 96, 134
Grimm; : wâc
livländ. reimchron. 3960;
im obd. trâc : slac Ottokar v. Steiermark 77567
S.; vgl. er wart nie sô trâger : swâger
ebda 8884; die trâge (
n. sg.) : gemâge
jüng. Titurel 5422, 3.
später auszerhalb des nd. nur vereinzelt: traag Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 2, 122
a; trag Weismann
lex. germ.-lat. (1698) 377.
heute ausschlieszlich nd.: draak, draag Mensing
schlesw.-holst. 1, 829; traag
brem.-ndsächs. wb. 5, 94; traag Dähnert
plattdt. 493
b; trag Schambach
Götting. 233
a; tr Bauer-Collitz
waldeck. 105
a; trāg Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 428
b;
vgl. nl. traag. —
im 16.-18.
jh. meist träg
mit obd. apokope. [] träge
ist heute vor allem in der schriftsprache, seltener in der umgangssprache gebräuchlich. dialektisch ist es im nd. verbreitet (
s. o.),
weniger im md. und obd., wo dafür meistens faul
üblich ist (Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 236
a; Lenz
Handschuhsheim 71
b; Fischer
schwäb. 2, 303; Schmeller-Fr. 1, 657;
dagegen wird träge
verzeichnet bei Hunziker
Aargau 57, Bacher
Lusern 406).
bedeutung und gebrauch. die zurückführung auf eine concrete grundbedeutung (
s. o.)
scheint sich auch dadurch zu empfehlen, dasz dem worte bis auf den heutigen tag die vorstellung von etwas körperlichem anhaftet. der gang der bedeutungsentwicklung war offenbar der, dasz eine ursprünglich nur concreten objecten beigelegte zähigkeit, schwerbeweglichkeit ins geistige übertragen wurde. das ist früh geschehen, offenbar schon vorahd., und wirkte sich dahin aus, dasz die beiden anwendungsmöglichkeiten '
körperlich und geistig schwer beweglich'
sich vielfach vereinigten. die folgende darstellung versucht aus gründen der anschaulichkeit nach dem überwiegen der einen oder anderen componente zu sondern, was für das sprachgefühl oft kaum zu scheiden ist. AA.
von der körperlichen bewegung: langsam und mühsam, schwer beweglich, schwerfällig: in den glossen für tardus seit dem 8.
jahrh. Graff 5, 502; Diefenbach 573
c;
tardiusculus 573
c;
argus 47
c;
morosus 368
b;
lentus 324
a;
nov. gloss. 231
b; Diefenbach-Wülcker 875.
meist mit langsam
verbunden: passus aegri ... das langsam träg und gemach gon Frisius
diction. (1556) 46
a; mit langsam und trägem schritt
buch der liebe (1587) 109
b; dann die kälte langsam und träg (
ist) wie dann auch der abnemmenden sitten, geberden und leibs bewegungen langsamer und träger Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 20.
im gegensatz zu träge
steht besonders schnell: man mohte dâ zen stunden gescheiden niht die trægen noch die snellen
Kudrun 1428, 8; wie ... zwischen dem schnellfüszigen und dem trägen (
hund) ... ein groszer unterschied ist H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 70; ainer ist träg, der ander tratt ainer ze haisz, der ander ze kalt
Hätzlerin 151; zu hastig und zu träge kommt gleich spät Göthe 9, 208, 677
W. A@11)
von lebewesen, besonders von menschen: over dat water gynck en brugghe, dar mennich trach unde vlugghe over gynck umme syn beyach meister Stephan
schachbuch 4443; o Peter, Peter, du alter priester, wie zeuchstu so träg nach dier deine riester
altdeutsche passionssp. a. Tirol 238
Wack.; ihr keiner war im lauffen treg Spreng
Ilias (1610) 307
a; o ihr musen! ... fördert unsern trägen lauf, um ihm schneller nachzueilen Neukirch
ged. (1744) 5; seine (
des menschen) augen tragen ihn zu dem sonnenziele der gottheit, aber er selbst muss erst träge und mühsam durch die elemente der zeit ihm entgegenkriechen Schiller 4, 37
G.; (
Thiel) trat ... langsam ins freie und bewegte sich trägen und schlürfenden ganges über den schmalen sandpfad G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 25; aber nicht träger wurde der schritt; schuh trat vielmehr immer unablässiger und hastiger an schuh
das W. Schmidtbonn-buch (1927) 186;
ebenso von thieren: noch die soumeresnelle odir træge noch horn deheinezgroz noch chleinez
Milst. gen. u. exod. 137, 21; ehe ich träge pferde reite, gehe ich lieber zu fusz O. v. Bismarck
br. a. s. braut u. gattin 52; gram? — diese natter schleicht mir zu träge Schiller 2, 58
G. gern von den körpertheilen, in denen die bewegung sichtbar ist: [] sanft und gar lancseime siht man si werben unde gân ... als in gar træge sîn diu lider. daz houbet senkent si dâ nider und lânt ir ôren hangen Konrad v. Würzburg
Troj. 27557; sie (
Galathea) naht der thüre sich mit immer trägerm fusze und hält ihm röthend still bey seinem abschiedskusse Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 50; verwandelt sei in einer eule leib, befiedert grau sollst du auf trägen schwingen des nachts dein krächzend lied im walde singen Fr. Pocci
lust. komödbüchl. 4, 233;
s. auch sp. 1042.
für sich steht, unsinnlicher zu nehmen, die träge zunge: hiute ist der dritte tach, daz ich reden nine mach, min zunge ist trægere danne ich gewon wære
Milst. gen. und exod. 129, 24; ich bin saumsame und einer tregen zungen
erste deutsche bibel 3, 231; 10. capitel: von trägen und allzeitfertigen zungen J. J. Chr. Bode
Montaigne 1, 69;
vgl. weiter gegen westen wird die sprache ... immer träger, tonloser und plattdeutscher E.
M. Arndt 1, 202
R.-M. verursacht erscheint die unbeholfene träge
bewegung durch die länge, durch das schwere, massige des körpers: trag ist sin (
eines drachen) ganc Boppo
in minnes. 2, 380
v. d. Hagen; do man si zu der milte treip, so man die tregen ochsen tut
kl. mhd. erzählungen 193, 183
Rosenhagen; dort drängt ein träger schwarm von schwerbeleibten kühen ... sich im bethauten steg Haller
ged. (1882) 5, 28; das der valck (
mit den blauen füssen) swär und träg ist Mensinger
v. d. falken 4
lit. ver.; wie zehn jahre früher Lessing, ... wurde Schubart in seiner letzten zeit dick und träge
Schubarts briefe 2, 225
Strausz; der Italiener Gerosa ... war träge, weil sein körper von siechthum ... aufgedunsen und schwerfällig war Kerner
bilderbuch (1849) 304; als er so langsam um die ecke bog, und träge schob die langen glieder vor A. v. Droste-Hülshoff 2, 104
Schücking. vgl.das grosz und lang kompt gleichwol langsam und träg, weret aber lang S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 150
a,
siehe auch u. A 2 b,
durch zu reichliche nahrungsaufnahme: (
der habicht) überfüllt sich wie ein mensch, zuo welcher zeyt er minder sicht und gantz traag und schwär ist zum flug Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 2, 122
a; (
die schlangen) schlingen tiere ganz hinab, die dicker als sie selbst sind, ... werden aber alsdann träge und unbehilflich Hebel 2, 26, 4
Beh.; in der nächsten nacht, wo die Kalabresen von der feier eines festes noch träge und trunken sind Raumer
gesch. der Hohenst. (1823) 1, 572; der sieg war leicht erfochten ..., da die überfütterten pferde der feinde ... nur träge fort konnten Dahlmann
gesch. v. Dännem. 1, 175,
durch ermüdung, erschöpfung des körpers: lassus Diefenbach 319
c;
nov. gloss. 229
a;
remissus gloss. 491
c;
torpidus 589
a;
vgl. s. v. torpere, torpenta, torpor 589
a u. ä.: er was des libes trege von der burden unser schult (
von Christus, der beim kreuztragen ohnmächtig wird)
Daniel 4260
Hübner; he klagede alle tît unde kermde sô sêr, dat it mi entfermde, wente he wart krank unde trach
Reineke de vos 2539
Lübben; da (
wenn die schwangeren frauen ein meidlein tragen) seynd sie bleicher, träger, schwermütiger und mit mehr last beschwert Wirsung
artzneybuch (1588) 541
d; es ist einem (
in ruinen) gerade zu muth, als wenn hinter jedem trümmer ein geist der vorwelt träge das morgenlicht angähnte Jung-Stilling 4, 324;
occasionell gesteigert zur bedeutung [] '
müde': dann sollte ... dies händeringen meine arme träge machen A. G. Meiszner
Alcibiades 1, 53; '
starr': Karlle wart also traich over alle syne lede, of hey hedde den rede (=
fieber)
Karlmeinet 225, 40;
heute im nd.: traag '
matt, kraftlos, ermüdet'
brem.-nied.-sächs. wb. 5, 94
f.; traag '
träge, müde' Dähnert
plattdtsch. 493
b; tr '
schläfrig' Bauer-Collitz
waldeck. 106
a,
bes. im alter: die mîne gespilen wâren,die sint træge und alt Walther v.
d. Vogelweide 124, 9; daz alter ... machet man und wip im selben gar unmere, siech, trege und also swere, daz er gerner sanffte lege den er anders ichtes pflege
kl. mhd. erzählungen 66, 4
Rosenhagen; auch den kaiser Tiberius das alter träg und nachlässig machte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 50; ein abgelebter greis wird mit den jahren matt, ... ist träge, wünscht zu viel ... Gottsched
versuche e. krit. dichtk. 29.
als stehendes beiwort bei bestimmten thieren: ein træges sneggen slîchen, einr sneller swalwen vluk der Kanzler
in minnes. 2, 388
a v. d. Hagen; Tardif, die träge, zögernde schnecke J. Grimm
Reinh. fuchs ccxxxix;
vgl.schneckträge J. H. Voss
Shakespeares schausp. (1818) 2, 46; sie hatte auf dem fischmarkt einige grosze schildkröten gekauft ... sah den trägen tieren zu Werfel
Verdi (1930) 262; waz hilfet, daz man trâgen esel mit snellem marke rennet Spervogel
in minnes. frühl. 20, 7; pfuy! spricht der hund, du (
esel) träges thier! man kömmt ja nicht vom fleck mit dir Ramler
fabellese 1, 18; er hat ein liebes weib, das ... nicht stets im hause steckt als wie ein träger dachs Triller
poet. betrachtg. 2, 281. A@22)
abgeschwächter und unsinnlicher, namentlich wenn die bewegung bei den lebewesen nicht sichtbar ist oder überhaupt nicht von lebewesen herrührt: A@2@aa)
im hinblick auf den schnelligkeitsgrad der bewegung, '
langsam': thiu zuelif zeichan ellu ... Saturnum ouh then dragon,Polonan ouh then stetigon Otfrid V 17, 31; der feind erhascht ein träghinsegelndes fahrzeug Pyrker
Tunisias (1820) 4, 530;
als technischer ausdruck im seewesen: träge =
langsam in der wendung Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 772;
gelegentlich mit activischem sinn, träge
d. h. langsam machend, schwer befahrbar: wann die wege träg sind, soll ein jeder an seinem anschlusz die traden oder wagenleisten instechen
aus Jülichischer policei-ordnung bei Frisch
wb. 2, 379
a;
bes. vom wasser, blut: von erst geschmoltznem schnee kommt hier ein träger bach Brockes
ird. vergnüg. i. gott (1721) 4, 223; der flusz ... zog träge ... fast ohne fall im flachen gelände dahin W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 251;
vgl.das mesopotamische gebiet zwischen Weser und Elbe durchzogen von zahlreichen trägflieszenden wasseradern Wimmer
gesch. des dtsch. bodens 153; die ufer der trägvorüberrollenden Etsch v. Gaudy 22, 91;
auch in flurnamen: die Träge Ach bei Lechhausen Buck
flurnamenb. 280; des menschen cörper, so sonder benöthigte bewegung, ... zeigt einen trägen umlauff des geblüts Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1699) 2, 69; das blut flieszt träger, und das herz schlägt matter Herder 13, 209
S.; sein auge war ein etwas, was das träge blut in Bewegung brachte Alexis
ruhe ist d. e. bürgerpfl. (1852) 1, 137;
poetisch auch vom rauch, wind: aus hundert kahlen mauern ... stieg träger rauch auf Rosegger
wildlinge [] (1906) 263; ein kalter nebel ... zog mit einem trägen winde dünne, graue tücher über das ganze land Frenssen
Jörn Uhl (1902) 503;
gern von der zeit: die träge zeit! kein jahr ward mir so lang als dieser morgen Lessing 3, 364
L.-M.; o träge lange nacht, verkürze dich!
Shakespeare 1, 251; es wird aus trägen stunden am ende doch auch ein tag Chamisso 4, 164;
mhd. wird das adv. trâge '
langsam, zögernd'
vgl. etwa vil trâge sprach er: nu lâ in în
Schlegel 221
Pfannmüller häufig als litotes verwandt, d. h. in der bedeutung '
gar nicht': swaz der mensche niht verstêt, trâge ez im in die ôren gêt Hugo von Trimberg
renner 1212
Ehrism.; vgl. Alfr. Hübner
die mhd. ironie (1930) 113
und B 1
d. A@2@bb)
die vorstellung der schwere, zähigkeit steht im vordergrund, träge
ist '
schwer', '
zäh',
meist bis zu '
unbeweglich'
gesteigert: biblisch-kirchlich vom fleisch des menschen im gegensatz zum geist vgl. th. 4, 1, 2, 2658
und die anklingende bibelstelle (der geist ist willig, aber das fleisch ist schwach
Matth. 26, 41): der geist ist schnell, aber das fleisch ist träg Keisersberg
predigen teutsch (1508) 41
c; auch das sich nicht erschwing der gaist, es sei denn gzämmt das träge flaisch Fischart 3, 95
Hauffen; hie in der welt hat man und weib ein unbehenden tregen leib Ringwaldt
christl. warn. b 8
b; seine liebe musz zum himmel schweben, von dem trägen leibe keusch entblöszet, kann zu gott der engel sie erheben Brentano
ges. schr. 2, 203; in einer stunde verrichtet der geist mehr thaten des gedankens als der träge organismus unseres leibes in jahren nachzuthun vermag G. Büchner
nachgel. schr. 83.
von dickflüssigem: berufssprachlich träge milch '
infolge fütterung, altmelken zustandes oder krankheit dickflüssige und darum nur schwer und unvollkommen ausrahmende milch' Martiny
milchwirtsch. 129;
poetisch: fuhr er, auf der trägen pechfluth ... lag sie da, bedeckt mit moder ... reglos, leblos, traurig, öde Freiligrath
ges. dicht. 6, 73; das hohe meer empört sich dem orcan ... der träge sumpf allein bleibt unbewegt Collin
Regulus (1802) 124; das ferment, das aber in den trägen teig der zeit dadurch kommt Gervinus
an Dahlmann 2, 344
Ippel. als fachausdruck in der chemie: 'träge
heiszen stoffe, die schwer oder gar nicht zur reaction zu bringen sind' Remy
chem. wb. 358; bleiben ... nur die kohlen an den ofenwänden stehen (träger oder todter mantel), während die erze nach der mitte rollen Muspratt
chemie 2, 1282;
schon bei Fronsperger: nun ist salpeter gar kalter, fauler, träger art, und so er angebrennt oder angezünd wirt, begert er under sich
kriegsb. (1578) 1, 174
b; wilt du ausz einem groszen stück feuwer schieszen, so nimb ein steynern kugel, ... lasz ein creutz einer halben spannen weyt darein hauwen, fülle das creutz mit trägem zeuge (
pulver) und umbwindt den stein mit geschweffeltem hanff, dasz der zeug nicht herausfalle
ebda 2, 201
b;
ebenso träges pulver 200
b; 202
a im gegs. zu resch pulver 200
b.
ähnlich häufig in der poesie: (
vom geist des octoberfeuers) dasz, wo in den trägen stoffen ew'ges schlummert in der nacht, es, vom himmelsstrahl getroffen, sei zum leben angefacht Rückert 1, 158; es war ein heiterer der menschheit würdiger gedanke, ihre todten der hellen reinen flamme statt der trägen erde zu überlassen J. Grimm
kl. schr. 2, 307;
[] ist der wesen kette schon gebunden? schon des lebens stoff im trägen stein, schon des feuers heiszer born gefunden? Overbeck
verm. ged. (1794) 95; die mine bereite mir einer, dasz ich die trägen klötze aus der erde sprenge Hölderlin
ges. dicht. 2, 87
Litzm.; gelegentlich auch unsinnlicher: das mondlicht ... ist so kalt und träge Görres
ges. br. (1858) 1, 80; der träge buchstab werde geist-durchdrungen A. v. Arnim 16, 185
Gr.; schmetterlinge ... summen hier und summen dort, summen ihre träge lieder Tieck
schr. (1828) 7, 36. A@2@cc)
die geringe intensität der bewegung ist betont, '
schwach': greiff an mein arm und tast, schlecht mir der puls nit vast? ist er schnell oder träg?
Hätzlerin 146, 59; der puls ist trege Ortolff v. Bayrlandt
artzneybuch (1477) 2
b; ain tregen pulsz H. Braunschweig
chirurgia (1539) 18
a; da im gegentheil beim trägen puls der phlegmatischen die folge der ideen äuszerst matt und langsam ist Schiller 1, 86
G.; und fühlte, wie der herzschlag kam und schwand, in stöszen bald, dann wieder träg und lasz A. v. Droste-Hülshoff 2, 222
Sch.; hierdurch werden die gedärme geschwächt, werden träge in ihren verrichtungen Bremser
mediz. paröm. (1806) 93; in kindern ist die wurmförmige bewegung (
des darmcanales) lebhafter, in greisen träger Sömmerring
v. bau d. menschl. körpers 5, 114.
ähnlich vom markt bei geringem umsatz; bereits im 15.
jh. im sprichwort lebend: die tregen märckte werden gern gut Agricola
sprichw. (1534) A a 5
a; Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) d 2
a; B. Faber
thes. (1587) 697
a; Eyering
prov. copia 1, 729; treger marckt wird offt gut H. Sachs 9, 84
Keller; jetzt auf die kaufmannssprache beschränkt, oft in handels- und börsenberichten: der markt ist (sehr) träge
s. Schirmer
kaufmannsspr. 192;
vgl. bei einem stillen markt und trägem begehr
Weserzeitung 1859, 4882;
in jüngster zeit ist dafür schwach, flau
gebräuchlicher. BB.
vom geistigen und seelischen verhalten. B@11)
schwer beweglich, schwerfällig. B@1@aa)
auf grund von veranlagung oder gewohnheit: B@1@a@aα) die kalten tier bedäutent die trægen schuoler ze lernen, die die hailigen geschrift swærleich enphâhent Konr. v. Megenberg
buch d. nat. 119
Pfeiffer; wie dann du von gott mit lärem und trägem unartigen gemüt bethailt bist, hast nichts über die zierhait des leibs Schaidenraiszer
Odyss. (1537) 31
b; also gar laszt sich die welt in so wenig jahren nicht erkennen. eines mänschen leben ist vil zu kurtz: das hertz ist viel zu träg Moscherosch
ges. 1 (1650) 47; man ... wie mit einer spiessruthen ihre träge gemüther auffwecke Schupp
schr. (1663) 273; dem wahren gelehrten ..., dessen geist nicht klein, nicht träg genug ist, sich auf einen einzigen mittelmäszigen gegenstand einzuschränken Kästner
verm. schr. (1772) 2, 36; die Bündner waren eben durch ihre freiheit ein rohes und träges volk K. Fr. Bahrdt
gesch. s. leb. (1790) 2, 331; sie (
die Gepiden) sind auch grosz an leib und träg von geist W. Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 12; wie träg ein mann auch sei, er taugt doch zwirn zu winden Müllner
dram. w. 7 (1828) 156; was willst du länger trägen sinnes seyn und nicht gedenken, wer deine väter gewesen? E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 260; die nähere bekanntschaft mit der bibliothek und ihren verhältnissen leitet zu allerhand bemerkungen, die wahrlich ... auch den trägsten und stumpfsten aus der lethargie wecken müszten J. G. Forster
s. schr. (1843) 8, 4;
in jüngerer zeit bes. von der volksmasse: einer jener radicalen sätze ..., die mit ihrem schneidenden klange die träge welt aus
[] dem schlafe rütteln Treitschke
histor. u. polit. aufs. (1886) 1, 17; verwundernd staunt es (
das ziel) an die träge menge, doch wenige vollenden hin den lauf Novalis
schr. 1, 217
Minor; in der trägen masse des volks war ein unheimliches leben ... erwacht v. Ebner-Eschenbach 2, 131; an dem kalten, trägen publikum ... liegt es Bürger 1, 320
Bohtz; vgl. grosze herren wart ihr, die sich über das träge jetzt ... huben Herder 12, 50
S.; die kritik ... eilt mit riesenschritten dem trägen jahrhundert voraus Bauernfeld
ges. schr. 3, 291;
auch in occasionellen compositionen wie trägverständig, -sinnig, -herzig: damit aber den trägverstendigen nüts breste, wellend wir etliche ding zemen halten Leo Jud
von warem und falschem glauben (1526) n 7
a; o ihr trägsinnigen von blöder zuversicht! was die propheten selbst euch sagten, glaubt ihr nicht? Rückert 11, 189; o die Teutschen, die stumpfen, kalten, trägherzigen Teutschen Wieland
an Lavater s. Schnorrs archiv 9, 428;
vgl. wie konnte er nur so herzensträge, so kalt, so gleichgültig sein ..., seinen einzigen ... freund zu vernachlässigen Werfel
Verdi (1930) 191. B@1@a@bβ)
spec. vom temperament, '
phlegmatisch',
flecmaticus Diefenbach
nov. gloss. 177
a;
frigidus glossarium 247
c.
schon im mittelalter bezeugt: es sint och noch ander steine, das der mensche von innen wirt gelossen, der von allem sinem herzen got begert und vindet sich hert, dúrre, kalt und trege Tauler 283, 30
Vetter; drum müszten sie niemahl bediente nehmen, die von zornigem temperament seynd, ... sondern die von feuchter und träger natur sind Hafner
ges. lustsp. (1812) 2, 180; sie (
die königinmutter) hat ein träges naturell Laube
ges. schr. 5, 132; die tiefe wehmut und die passive rolle der betrogenen frau lag ihrem trägen temperamente R. H. Bartsch
vom sterbenden rokoko (1913) 52; entschieden ein schönes mädchen! aber träge ohne feuer in den blauen augen Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 79. B@1@bb)
mit dem nebensinn des widerstrebens, der unlust: synagoga so trâgo (
variante des 12.
jh.s für umbequâmo) sich bekêret Williram 110, 3
Seem.; swie rîlich êre und manic nuz an sînem râte læge, doch wâren si vil træge ze sîner volge bî der zît Konrad von Würzburg
Troj. 19338; dasz die, die sust träg und unlustig wärind, ze hören gereizt Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 66; wo auch ein stück weit von dir läg, und andre gest all weren träg, dasz dirs niemant für legen wolt Scheit
Grobianus 714
ndr.; mir ist nit treg euch ze schreiben
cod. Tepl. Philipp. 3, 1 (Jelinek
mhd. wb. 721);
erste dtsche bib. 2, 179, 45 =
mihi non pigrum; bisz nit träg oder unfruotig ze schreyben
scribere ne pigrere Maaler (1561) 405
a; schreiben sie (
anr.) mir bald — aber bald, und sollten sie vielleicht zu träge dazu sein, so lassen sie den Salmann kommen und dictiren sie ihm den brief O. Jahn
Mozart 3, 328.
gelegentlich tritt der affect noch stärker hervor: trag
accidiosus a. d. 14./15.
jh. Herrigs archiv 47, 442
b; trege ... sin
accidiari Diefenbach 7
c; dô rief er sînen mâgen dar ... daz sie im hülfen von der nôt ... sumlicher tet ez trâge, dô was ouch der, der ez gerne tet
gesamtab. 2, 202, 198
v. d. Hagen; an im (
Jesus) was nie kain uppekait træge noch trurig was er nút schweizer Wernher 5669; di lib ... kan ... in keinem alt- und erkalteten, in keinem trähg- und verdrossenen härzen haften Zesen
adriat. Rosemund 7
ndr.; soll ich mit finsterm blick und träge tief in mich selbst verhüllet gehn? Gotter
ged. (1787) 1, 6;
[] und müszten wir uns nun bequemen und uns die puppe lassen nehmen, die uns itzt so am hertzen liegt, wir würden träg und miszvergnügt Stephanie
d. j.
sämtl. singsp. (1792) 83, 4; an dem schönen morgen ... wenn selbst durch die finstern straszen in die stadt der laue west zieht, ... da schleiche ich träge und unmutig in herrn Elias Roos' räuchrichtes comptoir A. Th. A. Hoffmann 6, 150
Gr. B@1@cc)
gern mit subjectiver beziehung auf zustandsbezeichnungen übertragen: auch hatten grosze dichter ihre wercke ... niemals dazu bestimmt, ... einem müszigen Midas den trägen schlummer zu versüszen Ramler
einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 135; und die erinnrung meiner frühen jugend ruft meine rache aus dem trägen schlaf Beer
s. w. 25; dasz du (
mein mund) im hohen drange den reichen riefst aus träger, stumpfer ruh Novalis
schr. 1, 154
Minor; nach einem halbstündigen gespräche, das manche träge pause unterbrach Pfeffel
pros. vers. (1810) 7, 53; nun gilts erwachen aus der trägen ohnmacht Bauernfeld
ges. schr. 3, 112; fürst ..., der statt träger mönchischer beschaulichkeit die jagd und den kriegsdienst liebte Häusser
dtsche gesch. 1, 34; gemeine Christen arbeiteten, erhabene Christen ruhten. also war ... die träge und lichtscheue mystik das product aller dieser schwärmerey Zimmermann
üb. d. einsamkeit 1, 159;
im sprachbewusztsein kann die subjective beziehung so verblassen, dasz gelegentlich träge
activische bedeutung erhält: des eifers glut steigt allgemach empor und wirft beschämt der trägen demut vor ... Weichmann
poesie d. Niedersachs. 1, 42; das bild ... schien ... die träge schlafsucht vorzustellen Triller
poet. betrachtg. 1, 705; träger schlaaff, der ein faul und träg macht
somnus deses J. Maaler (1561) 405
a;
vgl. auch träger winter, der einen träg und faul macht
bruma iners ebda. B@1@dd)
mit näherer bestimmung, durch gen. nur mhd.: dienstes Konrad von Haslau
zs. f. d. altert. 8, 550; êren Suchenwirt 21, 144; antwürt 25, 74;
als litotes (
vgl. A 2 a) valsches
jüng. Titurel 1406; 5537;
durch präposit. wendungen oder infin. mhd. und nhd.: gegen, mit
und vereinzelt für: gein valscheit Wolfram v. Eschenbach
Parz. 66, 12; mit listen H. Sachs 9, 184
Keller; für alles gute Zimmermann
vom nationalstolze (
41783) 49; — zu,
heute ungewöhnlich (
doch s. u.): ze dienste Hugo v. Trimberg
renner 18313
Ehrism.; zuo êren
Altswert 4, 12
Holl.-Kell.; zu der arbait Steinhöwel
Äsop 43
lit. ver.; zuo aller gerechtikeit Arigo
decam. 50, 14
Keller; treg ze reden und treg zuo dem zorn
erste dtsche bibel 2, 414; zu allem guten Scheit
Grob. 6
ndr.; zu allem träge und fast untüchtig Abbt 6, 3, 44; zu fleisz und arbeit Gellert
w. 2, 105; tr. und lästig zu jeder art von mittheilung Göthe IV 11, 271
W.; — an,
nur bis etwa 1500
belegt, (an tugenden
Athis und Proph. 96, 134
Grimm; an freuden
jüng. Titurel 5422; an dem glauben
altdeutsche passionssp. 478
Wack.; an götlichem dienst
summer teil der heyligen leben [1472] 81)
durch in
abgelöst, das bis heute gebräuchlich ist: in irem dinst H. Folz
meisterl. 25, 143; in fürsichtigkeit H. Sachs 19, 139, 2
Götze; in meinem gebet Grimmelshausen
Simplic. 36
Kögel; in handlungen und worten G. Keller 7, 365; —
mit infinitiv: træge ze lernen Konr. v. Megenberg
buch der natur 119
Pfeiffer (
s. o. B 1 a
α); yedes frommen mentschen mund (
sye) behuotsam, rein und ze reden träg Riederer
rhetoric (1493) a 3
b;
seit dem 17.
jh. zu träge (um) etwas zu tun: weil wir zu träge sind, die rechte bahn zu gehn Lohenstein
geistl. ged. (1680) 2, 63, 1159; nicht ruhig genug oder vielleicht auch zu träge, seine nunmehrige begriffe in ein system zu bringen Wieland
[] Agathon (1766) 2, 68; zu träge, um sich durch gefährliche ränke emporschwingen zu wollen Schleiermacher 2, 4, 59;
so auch mit substant. infin.: zum urtheilen und vergleichen zu träge J. G. Forster 3, 44. B@22)
kritisierend, abschätzig '
lässig', '
säumig',
namentlich '
faul',
das in der schriftsprache als zu harter, meist mit affect vorgebrachter ausdruck gemieden wird. bereits seit dem 8.
jh. in den glossen für piger, iners, deses, desidiosus, ignavus, reses, hebes u. a., s. Graff 5, 502;
piger u. ä. Diefenbach
gloss. 434
a;
nov. gloss. 291
a;
girenus gloss. 263
b;
iners 295
c;
inerticus 296
a;
deses 176
a u. nov. gloss. 131;
desidiosus gloss. 176
a;
ignavus 285
a;
muriscidus 372
b u. ö.: so mod ok doen de trage man, de nicht wyl arbeyden, wan he wol kan Hans v. Ghetelen
narrenschyp 70, 27
Brandes; träg, faul, der nicht arbeiten mag
paresseux Hulsius-Ravellus (1616) 326
a; es ist gur als gaul, treg als faul, es sind vier hosen eins duchs Eyering
prov. copia 2, 535; ein weidmann und ein jäger, ein fauler und ein träger ... sind all geschwister-kind Moscherosch
ges. 1 (1650) 465;
so gern mit faul
verbunden: er und zwei tûsent Sarrazîn niht ze trâge noch ze vûl kâmen gegen Mabriûl Konrad von Würzburg
Part. und Mel. 20429;
ähnlich 19359;
als doppelformel namentlich im 16.
jh.: hütet euch, das ir euch nicht lasset ... müde und matt machen, das ir davon lasset oder faul und träge werdet Luther 34, 2, 373
W.; schaw doch lauffen den faulen, trägen hauffen auff der gass hin und wider H. Sachs 17, 317
G.; vgl. 6, 224
K.; 17, 133
G.; Murner
narrenbeschw. 199
ndr.; ein myl wägs nach eim tanz ze gan, darzuo sind sy nit ful und träg H. R. Manuel
weinsp. 1835
ndr.; so treg und faul sind wir Dedekind
der christl. ritter (1590) a 3
a;
im gegs. zu fleiszig, eifrig
u. ä.: die fleiszigen arbeyter lobet er (
der herr), die faulen und trägen straffet er
M. Herr
der feldbau (1551) 27
a;
ähnlich J. v. Müller (1810) 1, 100; J. A. Naumann
naturgesch. der vögel (1822
ff.) 2, 1, 334; die menschen bleiben nicht immer wie sie waren, der beste kann schlecht, der eifrigste träg ... werden Haller
restaur. der staatswiss. 2, 145, 9; sie ... liesz es (
ihr land) um den taglohn von denen bearbeiten, die für eigene rechnung zu träg dazu gewesen, und so brachte sie alle mit einander dazu sich zu rühren G. Keller 3, 373. nicht träge
im sinne von '
sehr eifrig, fleiszig, rührig': möht ir siges machen bar all iwer vînt mit einem slac, darzuo wæret ir niht trâg Ottokar von Steiermark 77567
S.; das ist, du Christ, sey ja nicht treg, das gbet, dein wehr, nit von dir leg Ringwaldt
die lauter warheit (1597)
v. 48; auf denn, nicht träge denn, strebend und hoffend hinan! Göthe 2, 65
W.; kaiser und könig würden sich in einer sache, die sie so nahe angehe, nicht träge finden lassen Ranke 4, 36. B@2@aa)
im sinne moralischen vorwurfs: si gebârent umb dich trâge, die durch dich ûf die wâge solten setzen lîp unt guot
Dietr. flucht 4142 (
dtsch. heldenbuch 2); die fürsten tuont ze trâge umb iuwer synagôge, die ir ûfrihtet
Seifrid Helbling 2, 1181
Seem.; das merer tail waren treg und saumig und lieszen sich kriechischen wollust übergeen
chron. d. dtsch. städte 3, 57.
[] mit nachlässig, saumselig, lasterhaft
u. ä. verbunden: wer nit also zürnet, der ist träg und nachlässig A. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) e 7
b; das etlich desto minder achteten, das sie umb ir guot kemen ... und zügen damit träg, unfürsichtig bürger Carbach
Livius (1551) 39
b; die diszfalls saumseligen und trägen gemüther werden ... noch dazu bestrafft v. Fleming
soldat (1726) 136, 8; die könige selbst führeten sich sehr träge und unverantwortlich auf Hahn
einl. z. d. teutschen staatshistorie (1721) 1, 10, 1; in der (
stimme gottes) er ihm den untergang des bisher regierenden lasterhaften und trägen priesterhauses anzeigte Herder 12, 200
S.; im gegs. zu sorgsam: hassent das ubel: zuohaftent dem guoten ... mit sorgsamkeit nit trege: mit hitzigem geyst: dient dem herrn
erste dtsche bibel 2, 49, 14.
gern substantiviert und bes. aus dem 15.-17.
jh. sprichwörtlich belegt: der treg spricht: der lew ist an dem weg und die lewin ist in den steigen (
piger — Luther der faule)
bibel (
Nürnberg 1483
Koburger) 304 (
sprüche 26, 13); de trage, de nicht gern gheyt hirvor, de sprickt: 'de lauwe steyt vor der dor!' Hans v. Ghetelen
narrsch. 97, 23; so kert sik unde ummewend de trage in sime bedde alle dage
laiendoctrinal 118 (
sprüche 26, 14); dem tragen is quât to bevelen Tunnicius
nr. 1143
Hoffm. von Fall.; ir solt wissen, dasz die klein müh von den tregen gesucht wird
buch der liebe (1587) 162
b; der teufel hat ausz disen dreyerley ständen den vierten standt auszklaubt, nemblich die trägen und faullentzer Albertinus
Lucifers königreich (1616) 391; 'wenn man könnte, was man will' — ist die entschuldigung des trägen C. G. v. Brinckmann
filosof. ansichten (1806) 237; das ist das wahrzeichen der trägen, sie finden schwierigkeiten allerwegen Lipperheide
spruchwörterb. 869
b; in früher jugend muszt du schon ... den unverstand und stolz der trägen meiden lernen Gottsched
neueste ged. (1750) 19; er (
gott) schlägt den trägen mit armuth Schleiermacher
predigten (1801) 107; charakterschilderung des gleichfalls zu dieser parabelgruppe gehörigen trägen freundes (
Luc. 11, 5
f.) D.
F. Strausz 3, 327; auf den erblichen lehngütern saszen auch träge und rohe, welche rittersitte nicht übten Freytag 18, 43.
mit subjectiver beziehung: wol uf, ir úpigen herzen, usz der lawkeit úwers tregen, hinlessigen lebens Seuse
dtsche schr. 28, 27
Bihlm.; die handfröner ... wurden von den meystern irs dregen dinsts halben abgesetzt
Aymont (1535) f 3
a; ich musz mich in mir selbst der trägen schwachheit schämen: dasz ich nicht starck genug, zu tode mich zu grämen Besser
schr. (1732) 217
König; ein groszer unterschied zwischen dem freien preisgeben ... eines erworbenen ... gutes und zwischen dem trägen fahrenlassen dessen, was man nie besessen hat G. Keller 1, 384;
vgl. trägmütige hinlässigkeyt Fischart 3, 278, 27
Hauffen. occasionell auch hier wie oben sp. 1040
in activischen sinn hinüberspielend: üppige völker, von der glühenden sonne und von träger wollust entnervt Wieland 1, 3, 51
S.; geographie und geschichte ... dazu beigetragen haben, eine reihe träger vorurtheile abzuschütteln Herder 30, 100
S. B@2@bb)
sehr üblich in religiöser sphäre, und zwar meist mit präpositionalen wendungen verbunden: träg waz ich an gotz gebot
schausp. des mas. 2, 282
Mone; o ier toren und ir vaigen und an dem glauben ier trägen
altdeutsche passionssp. 478
Wack.; sy ... was übermüttig und waz träg an götlichem dienst
summer teil der heyl. leben (1472) 81
a; sind treg zu gottes wort und tisch Hollonius
somnium vitae hum. 41
ndr.; [] in godes denste sy nicht trag noch kalt Husemann
spruchsammlg. (1575) b 60
Weinkauff; je mehr ich anfing zu wancken, je träger ward ich in meinem gebet Grimmelshausen
Simplic. 36
Kögel; wenn mein fleisch ... zur busse, die uns heilt, sich viel träger als zur sünden und zur bosheit lässet finden P. Gerhardt
in ev. kirchenld. 3, 443
b Fischer-Tümpel. ohne derartige bestimmung: nun wacha, sünder träge, bedenck dein grosze sünd
Hätzlerin 31; er dem euangelio zuo glauben ermanet und reitzet die trägen Hedio
chron. german. (1530) f 1
a; so gar faul, treg und lessig stellen wir uns zu dem lieben wort Luther 28, 451, 35
W.; wenn die verehrer der wahren religion anfangen, lau und träge zu werden Jung-Stilling
w. 3, 59
Grollmann.