trachten,
vb. ,
überlegen, streben. herkunft und form. aus lat. tractare entlehnt Wackernagel
umdeutschung 249
wie auch ags. trahtian.
in den ahd. glossen dient es in erster linie zur übersetzung von tractare (Graff 5, 513
f.; vgl. auch Tatian 94, 1:
quid in via tractabatis? uuaz ir in uuege trahtotut?)
und deckt sich in seiner anfänglichen bedeutung mit dessen speciellem gebrauch als '
de aliqua re disceptare, inquirere, disputare' Forcellini-de Vit 6, 132
nr. 18
oder disserere du Cange-Henschel 8, 142
b;
vgl. die glossierung von trahtôn
mit reputare, disserere Graff
a. a. o. damit verrät sich die sphäre, in der die entlehnung stattgefunden hat: die schule. trahtôn
hat den terminus technicus für das nachdenken über eine zu beantwortende frage gebildet. sinnen
bedeutet ahd. '
proficisci', '
tendere', denken
allgemein '
cogitare'; nachdenken
und überlegen
werden nicht vor dem 15.
jh. gebraucht. nach Schlutter
zs. f. dt. wortf. 14, 141 (
aufgenommen von Hellquist 40)
soll sich noch ein einheimisches wort, das '
sehen'
bedeutet, mit dem fremden in trahtôn
vereinigt haben, vgl. δέρκομαι,
ags. as. torht = '
klar',
ahd. zoraht.
doch fehlt es bis jetzt an sicheren belegen für trahtôn
in der dann vorauszusetzenden, sinnlichen bedeutung '
videre'.
das von Schlutter
a. a. o. ins feld geführte bîtrahtôn
circumspicere ahd. gloss. 2, 303, 61
ist nicht beweiskräftig, da es sich um übertragenen gebrauch handelt: vigilanti oculo semetipsam debet mens circumspicere, ne contra mala proximi pertrahatur ad retributionem mali. dazu sind die belege von trachten '
aufpassen, beobachten, halten für' (
s. u.)
selten und als übertragene verwendung von trahten =
tractare leicht zu erklären. ags. trahtian (
to expound; explain, to discuss Bosworth-Toller 1011),
afries. trachtia (
trachten Holthausen 115),
as. trahtôn (
überlegen Gallée
vorstud. 325,
vgl. auch gitrahtôn
ebda 110);
mhd., mnd., mndl. trachten;
nd. und ndl. trachten.
schwed. trakta (
zuerst 1549
bezeugt und dän. tragte
wie auch das compos. betrakta
bzw. betragte
sind aus dem nd. entlehnt Falk-Torp 1278; 65; Hellquist 998; 40.
die eindeutschung von trahtôn
zeigt sich schon in der dentalangleichung des gutturals im gegensatz zu fremdwörtern wie tract, tractat
und tractieren.
freilich ist das wort nicht in die umgangssprache des volkes aufgenommen; dem widerspricht nicht, dasz es die dialektwbb. öfter verzeichnen (
s. u.).
es ist jetzt im süden Deutschlands verbreiteter als im norden. aber auch in Österreich, wo es die gebildeten in der täglichen umgangssprache verwenden, ist es '
ein gewählter, nicht volkssprachlicher ausdruck, der besonders in der amtssprache beliebt ist' Kretschmer
wortgeogr. 113
f., vgl. auch 18.
zur verbreitung im nhd. hat Luthers
bibelübersetzung viel beigetragen (dasz ... alles dichten und trachten ... böse war
1. Mos. 6, 5; trachtet nicht nach hohen dingen
Röm. 12, 16; trachtet am ersten nach dem reich gottes
Mt. 6, 33;
Luk. 12, 31
u. a. m.).
bedeutung und gebrauch. trachten
bedeutet zunächst wie tractare '
überlegen, nachdenken'.
dann kommt eine zielvorstellung hinzu, also '
seine gedanken auf etwas richten, um in dessen besitz zu gelangen'
; vgl. H. Paul
Münchener sitz.ber. (1894) 74;
auch J. Grimm
dtsche gramm. 4, 839. II.
überlegen, nachdenken. I@AA.
eigentlich. in dieser bedeutung wird trachten
seit dem 17.
jh. kaum mehr verwandt, vgl. Heinatz
antibarb. 2, 475; Adelung 4, 636.
sie ist heute nur noch im bair. (Schmeller-Fr. 1, 643)
und im compos. betrachten
lebendig, das heute für trachten I
in seinem ganzen gebrauch üblich ist. in lat.-dtsch. wbb. dient trachten
ahd. als übersetzung von tractare (
überwiegend),
auch reputare, disserere Graff 5, 513
f.; mhd. und frühnhd. von meditari Diefenbach 353
b;
cogitare nov. gloss. 99
a;
fantasiari bezw. -e Herrigs archiv 47, 444
b; Diefenbach 225
a und vocab. v. 1445
bei Schmeller-Fr. 1, 643;
fingere Diefenbach 236
a;
meditari trachten, fleyszig nahen sinnen Frisius 808
a;
animo agitare aliquid etwas in jm selbs trachten, erwägen 69
a;
exputare bedencken, sinnen, trachten, radtschlagen 521
b;
iudicare bey im selbs schätzen und gedencken oder trachten 739
b;
vgl. Alberus (1540) t 3
b. I@A@11)
mit accusativ-object. schon ahd. (
Tatian 94, 1
s. o.)
und mhd., z. b.: si wolten mit ainander trahten ir sache Wernher
Maria s. 213
Wesle; vgl. schweizer Wernher 8693; Heinrich v. Neustadt 234
Apollon. secum aliquid volvere bey jm selbs mancherley sinnen und trachten Frisius 1405
a; tag und nacht ein ding trachten und jm nachsinnen Maaler 404
d; speculier und trachte daheim hohe ding
Petrarche hülf, trost u. rath (1559) 193
a; trachtend den spruch und bschouwend in eben
N. Manuel
Barb. 1179
Bächtold; trachte dise ding und erkenn nicht andre ding
erste dtsche bibel 3, 33; Jesu, ich bitt ... wer tracht sehr deiner marter ehr, den
thuostu nit verlassen
bei Kehrein
kath. kirchenlieder 2, 34; man kennt nur die fürnemesten (
metalle) ... die andern will man ... lassen fürfahren und nicht tr. ihr eigenschafft Paracelsus
op. (1616) 2, 1311
a;
besonders das ende tr.: sindt witzig, und trachtend das end, das gott das radt üch nit umb wend Brant
narr. 57, 41
Zarncke; ach Tütschlandt, wie bistu verblendt, das du so gar nit trachst das endt
schweiz. schausp. 2, 201
Bächt.; heute nur mundartlich: wenn i s trâcht
wenn ichs recht bedenke Schmeller-Fr. 1, 643.
auch reflexiv '
sich überlegen': das sprach unser frow: 'Riwalt, bit mich was du wilt, daz gib ich dir'. da trachtet er sich, was er sy bitten wölt
d. summer theil der heil. leben (1472) 119
b.
mit pronomin. gen.-object wohl nur ahd.: oba thu es wola drahtos Otfrid
ad Hartm. 49; wil thu thes wola drahton,thu metar wolles ahton 1, 1, 43. I@A@22)
in verbindung mit präpositionen; nach: sus trahte er dâ lange nâch Tristandes gange Gotfr. v. Straszburg 13577; yhr viel sein, die got mit groszer stimm preiszen, viel die von yhm gedencken und durch die vornunfft nach yhm tr. und speculiern Luther 7, 554, 18
W. auf: (
der galander) traht nihts auf die vanknüss noch auf anders ihts denne auf sein gesang Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 176, 10; warumme in aber diu cristenheit ûf jenen tac habe geleit ... darûf sal man trahten
Passional 46, 48
Köpke; ähnlich 448, 71. trachten
von ist tractare de nachgebildet: wer von unsers herren marter tr. wöl
cgm. 4594
fol. 92
bei Schmeller-Fr. 1, 643; ich trachte von deynen wercken Luther 18, 521, 22
W. (
ps. 142, 5
meditatus sum in ... operibus, jetzt: ich rede); (
in der genesis ist beschrieben) wo her alle creaturn komen, sonderlich so der mensch mit der sunde und frumkeit, darvon alle welt nun tracht und dannocht nichts hat mugen erlangen 12, 438, 28; ich tracht selber tag und nacht darvon, wie ich es möcht werden ohn (
a. d. j. 1618)
Regensburger fastnachtsp. in Bayerns maa. 2, 4
Brenner u. Hartmann. I@A@33)
mit folgendem fragesatz (
seit dem 16.
jh. mit finalem einschlag, s. u. C): drahto io zi guate,so waz thir got gibiete Otfrid 2, 9, 65; nu tracht ob ditz gevaht getailet wær geliche! Joh. v. Würzburg 4758; die wortt leren dich achten und tr., warumb Christus da sey Luther 11, 448
W.; also fürausz bedenck und tracht, wi gott all ding zum bästen macht Schwarzenberg
d. teutsch. Cic. (1535) 129
b.
die belege aus der jüngsten zeit sind auf das bair. beschränkt: trâchte ə~ màl wó-st-əs nt kà~st
besinne dich Schmeller-Fr. 1, 643;
vgl. hat hinum und hat herum tracht und woasz halt gar nit, wie ers macht K. Stieler
ged. 2, 62
Reclam. I@A@44)
selbständiger; als einführung directer rede (
meist frage): bî thiu moht er odo drahtôn,in thesa wîsun ahtôn: 'oba thiz ist thes sun ...' Otfrid 2, 4, 28; si trahten vil besunder: 'jâ herre, wâ muge wir sîn?'
Rabenschlacht 373;
vgl. Dietrichs flucht 8218; Ulrich v. Lichtenstein
frauend. 231, 17; 240, 25;
ganz absolut: er saz ... gedenkende und trahtende, in sînen sinnen ahtende Gotfrid v. Straszburg
Tristan 16083; do begonde Danyel trachten in im harte snel
Daniel 3654
Hübner; alse der mensch trachtit, so wirkit alle di craft dar in der sele
paradis. anim. intell. 97, 27
Strauch; da nah sol er sin in der nouicen celle, da trahte und ezze und slaffe (
ubi meditetur ...)
übers. d. Bened.-regel 58, 9
Käferbeck; in seinem gesecze wirt er tr.
erste dtsche bibel 3, 9, 23;
in lege eius meditabitur in seinem gesetze trachtet er Schede-Melissus 12
ndr.; zum andern denckt und tracht einer, er volnbringt aber die missethat nie Nigrinus
von zäuberern (1592) 447; eins tages ich spaciern gieng, beyn mier selbst zu trachten anfieng Ad. Schubarth
hauszteufel b 3
a. I@A@55)
vereinzelt: ich trachte davor, das der herr nicht bässer di ihnen von mir erwiesene gebühr und schuldigkeit vergelten kan als ich Butschky
hochd. kanzelley (1659) 169. I@BB.
erweitert. I@B@11)
nicht so sehr seine gedanken als sein augenmerkt auf etwas richten. mustern, beobachten, acht geben: hunt und schellen er began bemerken unde trahten Gotfrid v. Straszburg
Tristan 15867; (
nach aufzählung der heerescontingente): nu hân ich iu geahtet mit ûzgenomen phlegen und ebene getrahtet die vil unverzagten degen
Rabenschlacht 582. Judas ... sprach zu den Juden: 'tenckt und tracht wem ich den kuss wird geben, den greiffet an ...' H. Folz
meisterl. 1, 58; tracht und secht: das er sucht sache wider mich (
animadvertite et videte quod ...)
erste dtsche bibel 5, 367; der man aber trachtet und hat acht auff sy (
contemplabatur eam)
die gantze bibel verd. (
Zürich 1531)
1. Mos. 24
c; brott und weyn odder der leyb und blutt Christi on die wortt angesehen werden dich leren, achten und trachten auff deyne werck Luther 11, 449
W.; aber desz schaumens acht ich nit, wann nit das speyen kompt darmit, darauff so wart ich jetzt und tracht, Fischart 2, 189
Hauffen. auf derselben linie liegt die mhd. litotesfügung: swaz übels den dar umbe geschiht, des sol ich trahten kleine Heinrich v. Meiszen 35, 6; bin ich der rosse worden arm, des ich doch lützel trahten soll
Göttw. Troj. 6357. I@B@22) trachten zu '
anrechnen': daz man irz immer zeiner missetât trahtet
Lohengrin 2646; derselben leib und güter (
werden) den beschädigten zu gut getracht
erklärung des landfriedens v. 1522, 13
überschrift. I@CC.
mit finalem bezw. optativem einschlag, zu trachten II
hinüberführend '
seine gedanken auf etwas richten',
aber noch nicht =
streben nach. I@C@11)
in verbindung mit indirectem fragesatz: si trahten unde mâzen, wie si daz dinc griffen an Ottokar v. Steiermark
reimchron. 15374; trahte niht sêre, wie sich dîn irdisch guot gemêre Hugo v. Trimberg
renner 10685
E.; und tracht nit, wa es usz möcht gon Murner
narr. 253, 4
ndr.; vil mer wünschen und trachten, wie wir von in hinausz kemen Luther 34, 2, 89
W.; ich glaub dein vatter hab getracht, wie er dich zu eim bischoff macht Fischart
w. 2, 295
v. 8191
Hauffen; er ... trachtet, wie er uns ubers seil werffe Dedekind
christl. ritter (1590) b 4
a; er ... trachtet also, wie er den selben rächen möge Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 30
a;
ähnlich Moscherosch
ges. (1650) 1, 135; zu tr., wie ich sie an einen mann ... verbinden könnte Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 30; wir müssen tr., wie wir weiter von hinnen kommen Fouqué
zauberr. (1813) 1, 118.
das übergehen in die bedeutung von trachten II
wird besonders deutlich an demonstrativem dahin
und danach,
das erst seit dem ende des 16.
jh.s hinzugefügt wird: dasz ein rechter hauszvater soll vil mehr dahin trachten wol, was dient zu nutz und bständigkeit Sebiz
feldbau (1579) 22;
so besonders seit dem 17.
jh.: die catholischen ... dahin trachteten, wie ... die evangelischen ... vertilgt und ausgerottet werden möchten
postreuter (1620) 61; haben sie ... dahin zu tr. angefangen: wie sie ihre hand ... auszstrecken ... möchten v. Chemnitz
schwed. kriegs 1.
th. (1648) 3, 1; ein sorgfältiger informator solte auch dahin tr., wie er ... überflüssige gedancken einflöszen möchte Weise
grün. jugend 4
ndr.; dahin tr., wie wir ihnen bekand werden Chr. Wolff
ged. v. d. menschen thun u. l. (1720) 86; trachtete er mit allem fleis darnach, wie er Hagenaw vor ihnen salviren möchte v. Chemnitz
schwed. kriegs 2.
th. (1653) 162; trachtet er darnach, wie er den wurm des schwantzes berauben möchte
volksb. v. geh. Siegfr. 80
ndr. I@C@22)
in verbindung mit für und wider: trachten für
etwa '
sorgen für': da (
im tod) wird keyner fur ander leut tr., sondern eyn ytlicher fur sich selber sorgen Luther 17, 1, 456, 31
W.; drumb solt ir nit sorgen noch trachten auff erden hie für ewer leben H. Sachs 1, 291, 12
K. trachten wider
sich auflehnen, sich wehren gegen: dann wer sich zu eim könig macht, derselb wider den keyser tracht
bei Kehrein
kath. kirchenld. 1, 376; man trachtet wider das geschosz und bereitet zur gegenwehr bollwerck Joh. Agricola
sprichw. (1534) 185. IIII.
streben. appeto, affecto, concupio tracht darnach, beger hefftig Alberus (1540) t 4
a;
studiare, sollecitare sorgen, trachten Hulsius (1618) 2, 400
b.
das ziel des strebens wird in der älteren sprache durch ein nominales object, einen objectsatz, eine präpositionale verbindung, einen infinitiv mit zu
oder einen dasz-
satz ausgedrückt. heute ist von diesen constructionen nur noch trachten nach
lebendig. II@11) trachten
mit accusativ-object '
etwas gutes oder schlechtes für sich oder einen andern erstreben, zu erlangen suchen'.
die belege reichen vom mhd. bis ins 17.
jh. si ... heten getraht sêre des fursten frum und êre Ottokar
österr. reimchron. 61162; der herzog und sîn rât trahten und erfunden, swaz si guotes kunden 25842; er traht mit voller maht des heiden sterben
Lohengrin 5500;
servire utilitati alicuius eines nutz schaffen und trachten Frisius (1556) 1420
a; dasz ich es keiner bösen ursachen halben gethan, sondern hätte i.
f. g. bestes damit getrachtet v. Schweinichen
denkw. 61
Österley; vermöge dessen sie ihrer kays. maj. bestes zu tr. und schaden zu verwarnen schuldig sind
acta publ. 1, 317
Palm; den allgemeinen wohlstandt dieses vaterlandes ... nach euserster möglichkeit zu tr. und zu befördern 2, 306;
nicht immer klar von I A 1
zu scheiden: tracht nun dyn heyl und volg uns gar
schweiz. schausp. 2, 25, 176
Bächt.; dorumb tr. sie heymlich tuck, das nur uff das fest nicht geschehe Luther 34, 1, 192
W.; er trachtet böses in seinem herzen Dietenberger
kath. bibel (1571)
sprüche Salom. 6, 14; dann mein hausz das ist ain betthausz. darinn jhr übels würckt und tracht Schwarzenberg
d. teutsch Cic. (1535) 112; sie trachten sinen tot
bei Diefenbach-Wülcker 875; Andreas dicit ad Ihesum: ... die Judden alle degelich trachten und sichen (
suchen) raid, die der, herre, an din leben gat
Alsfelder passionssp. v. 2506
Grein. nach dem 17.
jh. nur noch vereinzelt in poetischer diction: bekämpft sei, was ihr trachtet, papstthum und barbarei J. H. Voss
ged. 5, 268; was hab ich sonst gerufen und getrachtet! nach einer andern ewigkeit geschmachtet Körner
werke 2, 53
Hempel. II@22)
mit einem genitiv- oder dativ-object, selten: trachtet er seins vorteils
Wilw. v. Schaumburg 154
K.; da dieselben die groszen ungestümb und den merklichen haufen volks und ir wesen und geber sahen, trachtet iedermann seinem negsten (
nach dem, was ihm am nächsten liegt)
ebda 149. II@33)
in verbindung mit präpositionen: II@3@aa) tr.
nach: bereits mhd. sehr verbreitet, z. b. nâch guote Hugo v. Trimberg
renner 773
Ehrism., nâch gotes liebe 3733, nâch triuwen und künste 5009
u. ä.; auch nâch gote 17601, nâch unser muoter 6071;
bis heute die geläufigste verbindung. personen: dasz manche tochter Cecilia mehr nach dem organisten trachtet, als nach der orgel, wer ist daran schuldig? Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 135; bey tag und nachte las mich nach dir (
Christus) trachten Zach. Faber
d. ä.
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 1, 59.
meist in der bedeutung '
jemand suchen': nach artzten tr. C. Scheit
fröl. heimf. (1551) j 1
a; das die vier mann ... jhrer nicht mer mechtig gewesen, sunder noch nach zwayen trachten müssen, so jnen helfen halten Nas
antipapist. (1567) 1, 45
b; hatt das krigsvolck ... nach einem andern keyser getrachtet Schill
teutsch. spr. ehrenkranz (1644) 57;
auch in feindlicher absicht: nach den redlinfürern tr. Stumpf
Schwytzerchr. (1606) 269
a; ich will fleiszig nach ewrem vatter ... tr., dasz er mein gefangener wirdt
buch der liebe (1587) 23
d; ja lasz uns nun hinfort nach andern weibern trachten v.
d. Werder
ras. Roland (1636)
ges. 27
str. 44; eine noch hübschere (
frau) als die, nach der ihr trachtet Göthe I 45, 144
W.; ich trachte mit allen sinnen nach der schäferin im thal Uhland
ged. (1898) 1, 172;
vgl. Minden, diese stolze magd, nach der ich so lang getracht v. Ditfurth 100
hist. volksl. des preusz. heeres (1869) 49.
concrete dinge: die afrikanische sonne ... machte mich so ... träge, dasz ich nach einem einspänner zu tr. begann Steub
drei sommer in Tirol 1, 4; er trachtete ernstlich nach einem kahn und gelangte dazu Göthe 25, 38
W.; auch ich habe lange nach dem liede getrachtet, aber es nie ganz habhaft werden können Brentano 4, 176; wann euer durst nach frischem wasser trachtt Erlach
volksld. 3, 135; müszten wir tr. nach den messern, so er ob tisch brauchet, und dieselben vergifften Wickram 1, 86, 13
B.; es ist kein wunder in der welt, dasz jedermann so tracht nach gelt
jedermanns jammerkl. (1621) b 3
b; sie (
die geizigen) tr. nach geld, sie seuffzen ums geld Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 71; nach geld und gut da tracht ich nicht Erlach
volksl. 1, 165; er hatte nur nach der tante schnödem mammon getrachtet E. Th. A. Hoffmann
s. w. 6, 105
Gris.; im sprichwort: wer nach eim guldin wagen trachtet, dem wirt auffs wenigst ein rad
sprichw. sch. w. klugreden (1548) 103
a.
abstracta: nach narunge zu stellen und nach eren zu tr.
ackerm. aus Böhmen 27, 19
B.; was ... in unehren gezeuget ist, das tracht selten nach ehren Mathesius
Sar. (1571) 9
a; freilich kann nicht jeder nach dieser ehre tr. G. Keller 2, 130; nach ruhm
M. Kramer (1702) 1102
c; nach sollichen hohen ämbtern Guarinonius
grewel der verw. 76; nach hohen stand
Reinicke fuchs (1650) 158; nach groszem tittel Lobwasser
Calumnia (1583) 6; nach einer freien stellung Ranke 14, 21; nach dem königreich Ayrer 1, 22, 27
K.; H. Sachs 2, 107, 19
K.; nach der krone Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 249; trachtet am ersten nach dem reich gottes und nach seiner gerechtigkeit
Matth. 6, 33
und danach oft gebrauchtes bibelwort: Schupp
schr. (1663) 6; J. A. Cramer
s. ged. (1782f.) 3, 64; Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 282, 10; D.
F. Strauss
ges. schr. (1877) 3, 291
u. a.; nach dem himmel J. G. Neukirch
anfangsgr. (1724) 125; Schmolcke
s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 91; irrdisch frewd und wollust verachten und allein nach himlischen trachten H. Sachs 8, 258, 36
K.; nach hohen dingen
u. ä. tr.: trachtet nicht nach hohen dingen, sondern haltet euch herunter zu den nidrigen
Röm. 12, 16
vgl.μὴ τὰ ὑψηλὰ φρονοῦντες,
wohl mehr in der bed. I '
hohes im sinn haben, seine gedanken auf hohes richten' (
vgl. die lesart achtet nicht, was hoch ist),
später im sinne von '
streben'
verstanden: regiere meiner kinder hertzen, dasz sie nicht tr. nach hohen dingen Moscherosch
ins. cura par. 46
ndr.; nach groszen dingen embsig trachten ... das thut recht grosze narren machen Friedr. Wilhelm
sprichw.-reg. e 2
a.
ebenso kann trachten nach
noch heute mit dem neutrum eines adjectivs oder pronomens verbunden werden, gern in anlehnung an oft citierte bibelstellen: nach solchem allen tr. die heiden
Matth. 6, 32;
ähnlich N. Manuel 149, 424
Bächt.; vgl. Lipperheide
spruchwb. 896; trachtet nach dem, das droben ist
Koloss. 3, 2;
ähnlich Liscow
sammlg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 796
und Schubart
leben und gesinn. 2, 243;
auch nach dem besten Butschky
Pathmos 9, nach neuem Ranke 1, 147
u. ähnl. besonders sprachläufig ist die redensart einem nach dem leben trachten.
sie wird zuerst in Luthers
bibelübersetzung bezeugt: sie werden dir nach dem leben tr.
Jerem. 4, 30;
vgl. 1.
Macc. 11, 11;
dann: und dückisch nach seim leben tracht H. Sachs 6, 288; 18, 277
Keller-Götze; wer ist feind? ... der nach meinem leben trachtet, der nach meiner wolfart strebt Logau
sinnged. 68
Eitner; der alte könig ... glaubte, er hätte ihm nach dem leben getrachtet
kinder- u. hausmärchen 2, 85;
gern mit allitterierender erweiterung: nach leib und leben tr. Schaidenraisser
Odyssea (1537) 70
a; Mathesius
Sar. (1571) 8
b;
auch nach leib
u. ä.: sein weib, dern du (
tod) jetzt trachst nach ihrem leib W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 73, 108; dasz keiner nach seines nechsten bluot soll trachten ...
Endinger judensp. 84
ndr. ähnlich: wie kan euch hold sein dann ein weib, weil ir tracht nach irm bluot und leib Fischart
flöhh. 53
ndr. II@3@bb)
auf. vom mhd. bis ins 17.
jh. gebräuchlich, '
im hd. veraltet' Adelung 4, 636: si trahten ûf sîn êre Ottokar
österr. reimchron. 5338
S.; swer trahtet ûf grôzen gewin Hugo v. Trimberg
renner 7579
E.; häufig bei Luther: auff deinen götzen 30, 2, 519, 38
W.; auffs zeitlichs (
gut) 24, 229, 13; auff gutt, ehr und wollust 6, 51; ein jeder tracht auff seinen nutz Eyering
prov. (1601
ff.) 2, 132; wer auff übrig reichthum tracht Logau
sinnged. 42
Eitner; tracht auff das busfertig leben G. Witzel (1550)
bei Kehrein
kathol. kirchld. 1, 70; do die Römer Deutschlandt erobert, haben die Deutschen auch auff mauren und schlöszer getrachtet Joh. Agricola
sprichw. (1534) 7
b; wer auff einen gülden wagen tracht, dem wird zum wenigsten ein radt gebracht Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) g 1
a; hab eben acht, auff Christum tracht, lasz dich yetz nit betriegen
bei Wackernagel
dt. kirchenld. 3, 168;
auch tr. up ienes leuen Husemann
sprüchslg. B 117
Weinkauff. II@3@cc)
zu. die vorliegenden belege stammen aus dem 16.
jh. dasz sie wohl nur durch zufall fürs mhd. fehlen, zeigt Otfrid 1, 24, 13: wir sculun thiu wort ahton,thara harto ouh zua drahton.
verschiedentlich bei Luther: dasz ihr zum ehestand trachtet
briefe 2, 445
de Wette; vgl.: so in der lieb verschreiten weit und ordentlich zur ehe nicht trachten Fischart 1, 377, 17
H.; zur einigkeit Luther
briefe 5, 55
de Wette; zum frieden zu tr., zu raten und helffen
bücher u. schr. (
Jena 1568) 8, 44
b; damit wir zur gerechtigkeit und leben uns kündten schicken odder tr. 26, 503
Weim.; der teufel greifet allein die an, die da zu Christo tr.
bücher u. schr. (
Jena 1556) 6, 272
a;
auszerdem: zur rache Wedel
hausb. 143
lit. ver.; sie stellen uns wie ketzern nach, zu unserm blut sy trachten J. Jonas
bei Wackernagel
dt. kirchenld 3, 42. II@3@dd)
um. bis ins 17.
jh. bezeugt. im mhd. neben nach
oft und mannigfach verwandt: trahtet ein rîch man üm guot ... dâ wont lützel sêlden mite Hugo v. Trimberg
renner 21081
E.; lâz uns trahten üm die maget
ebda 1601; dem, der die zeichen dt, sollen wir trahten umb daz leben H. v. Neustadt
gottes zukunft 1453
Singer; tracht umb das guot, das, sos schiff bricht, mit dir auszschwimm S. Franck
sprichw. (1541) 1, 159
a; tracht umb gelt, so hastu dwelt 1, 32
b; die schrifft mant uns, dasz wir umb ein guoten namen sollen sorgen und trachten 2, 119
a und ähnlich 1, 134
b; ich trachtete nur umb ein paar grosze und fette feldmäuse Grimmelshausen
Simpl. 1, 572
Keller; '
um jemand werben': umb ein reiches weib tr. Guarinonius
grewel der verw. 283; der hochmeister gedocht im umb eine (
frau) zuo tr. Wickram 2, 49
Bolte; auch von der frau: warumb hastu ... umb eines armen hirten son getrachtet
ebda 2, 365, 7; die nachbeurin ... sagt, sie wolt ... umb ein solchen man zuo tr., allen müglichen fleisz fürwenden Frey
gartenges. 99, 32
B. II@3@ee)
neben anderen präpositionen bereits mhd. ortsangaben; entweder uneigentlicher verstanden: gein himel tr. H. v. Trimberg
renner 663, 5153, 15950, 15989
u. ö. E.; swenne klôsterliute, müniche und nunnen wider in die werlt trahtent 2895;
vgl. adverbiale constructionen wie: der ... tag und nacht ynn die höhe trachtet Luther 15, 304
W.; immerfort noch höher trachten von der eitlen lasterlast Neumark
fortg. musik.-poet. lustw. 1, 165; solt ich dannenher nicht trachten höher naus und oben an Knittel
poet. sinnenfr. (1677) 155;
oder ganz eigentlich: tr. nach einem orth,
capessere locum aliquem Reyher
thes. (1686) u 2
b; wann dy selbigen (
die Baiern) auszkommen, so spot man ir also, daz sy in yr landt trachten mit pegir
vierteljahrsschr. f. litgesch. 2, 329, 128 (15.
jh.); heim zu hausz tr. Spreng
Ilias 13
a;
noch heute elsäss. heim tr. Martin-Lienhart 2, 741; nach hause tr. Stifter 5, 1, 219; zu bett tr. Fischart 1, 310, 1371
H.; was auff der bank gemacht ist, das tracht ans brett Lehmann
floril. polit. (1640) 155; wer jmmer under die banck tracht, den läst man billich darunder ligen 1, 55; tracht auff dbank, du kompst dennoch wol drunder S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 88
b;
sprichw. sch. w. klugr. (1548) 161
b; Binder
sprichwörterschatz 15;
auch negativ: disen winter wöl wir ninder von dir trachten
Neidhart fuchs 3450; dasz er disz jar von Wittenberg weg trachtet Mathesius
Luther (1600) 160
a; du windst dö und dráhst dö und trachtst vo dá stöll Stelzhamer 2, 208, 6
Rosegger; in jüngerer schriftsprache selten geworden: als man ... die beter ... wieder abwärts tr. sah Steub
wanderungen 134;
anders: ich habe in das wasser geschaut ..., wie es um die steine und um den sand herum trachtet Stifter 3, 291;
mit einem nachklingen der bedeutung I: der, weit entfernt von allem schein, nur in der wesen tiefe trachtet Göthe I 14, 66
W. (
Faust v. 1330).
für sich steht, elliptisch zu verstehen, die alte sprichwörtliche wendung: richter, pfleger, pfarrer ... tr. nur in iren sack Aventin
s. w. 4, 11, 12
Lexer; vgl. 1, 178, 7; lange zeit ain rat in seinen sack hat getracht. und der armen gmain wenig geacht Liliencron
histor. volksl. nr. 163
v. 187; II@44)
mit infinitiv. im mhd. und noch im 16.
jh. spärlich bezeugt: die piderben trahten dâ den prîs zerwerben U. v. Lichtenstein 117, 9; du, kunic, wurdest trachten kumftige dinc zu achten
Daniel 743
Hübner; trachten to blyven in des meysters gunst H. v. Ghetelen
narrenschyp 48, 80; den sie trachten schaden zu thon H. Sachs 18, 151, 21
G.; das römisch reych zumehren trachten sie alle zeyt Schmeltzl
zug i. d. Hungerl. (1556) b 4
a;
vgl. auch Schumann
nachtb. 303; 334
B.;
nach dem 16.
jh. spricht eine fülle von belegen für die sprachläufigkeit dieser construction, die auch heute noch oft angewandt wird: diese trachtete ... sie eben also zu falle zu bringen Zesen
helikon. rosentahl (1669) 43; man solte den Germanicus auf alle weise tr. zu einem bürgerlichen kriege anzufrischen Lohenstein
Armin. 2, 982
b; vernünftige hochzeitgäste tr. dem neuen paare jederzeit höflich und ehrerbietig zu begegnen
die vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 238; ich trachtete die zwölf pflichten zu erfüllen A. v. Haller
Usong (1771) 228; wohin sie zu kommen trachteten G. Keller 4, 150; ein langes lied, das ... allem erdendunkel einen riegel vorzuschieben trachtete Fontane I 5, 110; wer die natur zu erkennen trachtet, strebt gott zu erkennen G. Hauptmann
eins. menschen (1891) 20;
gern wird ein hinweisendes danach
hinzugefügt: will ich danach tr. ... ihm das leben zu nehmen
schausp. engl. kom. 167, 34
Creizenach; Bomtius ... trachtete danach, seine mitbürger zum abfall zu bewegen Stolberg 8, 118.
infinitiv ohne zu
findet sich nur occasionell: Saturnus brachtveracht mein gluckund zruckverjagen tracht Forster
fr. teutsche liedl. 33
ndr. II@55)
mit folgendem dasz-
satz, den man gern durch adverbia wie danach,
früher auch dahin
und darauf
vorbereitet. swer trahtet, daz er grôz guot gewinne Hugo v. Trimberg
renner 8633
E.; sind ir wiest, so trachtendt schon, das ir mit mier zuo baden gon Murner
dt. schr. 1, 2, 5
Schultz; der narre trachtet, dasz er den weisen fliehen und meiden möge A. Olearius
persian. rosenthal 13; du trachte, wie du lebst und leibst, dasz du nur immer derselbe bleibst Göthe 3, 261
W.; ich musz tr., dasz ich fortkomme G. Keller 3, 242.
mit danach: sô solt si trahten darnâch, daz daz leit und der ungemach ... fürbaz wurde vermiten Ottokar
öst. reimchron. 1843
S.; vgl. 29895; fehet an hoch darnach zu tr., das sie nicht verzage Luther 24, 39, 20
W.; es ist gnug, das du mit guttem gewissen darnach trachtest, das du gerne das rechte mas treffest 15, 297; der ander trachtet darnach, das er ... mancherley möchte sehen Thurneysser
magna alchym. (1583)
vorr. 1; trachtet darnach, dasz ihr durch die pforte eingehet Kramer 2 (1702) 1103
a,
und so noch heute. darauf wird (
wie auf
vgl. II 3 b)
wohl nur bis ins 17.
jh. gebraucht: der mag gar wol darauff trachten, das ers besser, dann ich, mache
M. Agricola
mus. instrum. 186
Eitner; als trachte der neid starck darauf, sie follend in das elend zuverbannen Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch s. reimget. (1647)
vorr. 6; ir knecht, das wir reitten, drauff tracht Thym
Thedel v. Walm. v. 1061
ndr. dahin ist ebenfalls mehr der ersten zeit des nhd. geläufig: sie ... tr. allein dahyn, daz die sach ein gut end erlange Joh. Agricola
sprichw. (1534) g 2
b; weil ich mit fleisz dahin getracht, dasz von Troia ist abgewand ... W. Spangenberg
griech. dramen 2, 50
Dähnhardt; der höllische diebshencker, welcher dahin trachtet, dasz er mit gabeln ... durchsteche Prätorius
glückstopf 31; müsse man ... dahin tr., dasz die gewöhnlichen umstände des ordinairen processes gäntzlich weggelassen (
würden) Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. 2, 195; sie müssen dahin tr., dasz sie sich ... eingang verschaffen Schiller 3, 544
G. IIIIII.
dichten und trachten, in älterer zeit auch in umgekehrter folge, ist durch die Lutherbibel zu einer festen, wenn auch mehrdeutigen formel geworden, vgl. auch trachten,
n., 1.
wie trachten
hat auch dichten
seit dem mhd. die bedeutungen '
nachdenken', '
sinnen auf', '
streben nach'
entwickelt (
vgl. th. 2, 1059
und 1060),
die auch in dieser formel wiederkehren, ohne dasz jedoch im einzelfall die bedeutung immer ganz eindeutig festgelegt werden kann: wir ... trachten und tichten falsche wort aus dem hertzen
Jesaias 59, 13 (
concepimus et locuti sumus de corde verba mendacii); darumb gehöret das stück nicht für kinder. den jhenigen, so das schmecken, das Moses sagt 'gott sahe es für gut an'
etc., denen ist nütz darnach zu trachten und tichten, die sind es, die gott erkennen Luther 24, 39
W.; mit gantzem fleis und ernst auff ein schalckstücke tiechten und trachten
ad scelus omni conatu aspirare B. Faber
thes. (1587) 374
b; auch wie ir münch von anfang bald getracht und dicht habt mit gewalt auff lügen und abgötterey Fischart 1, 123
Kurz; daher kummt es, das sie trachten und dichten per fas nefas, reich zuo werden J. Nas
antipapist. 4, 319
b; o ihr geitzhelse, ticht und tracht, schaut, das der hauff werd gros gemacht
M. Sebiz
a. d. 65.
psalm (1588) a 8
b; ein ieder ticht und tracht sich also zu geberden, dasz seiner wird geacht Logau
sinnged. 211
lit. ver.; darum, o mensch, hast du ein vaterland, ... eine erde, wornach deine sehnsucht ewig tichtet und trachtet E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 270.
in neuerer zeit kann dichten und trachten
nach dem ersten glied, das den hauptaccent erhält, in seiner bedeutung umgefärbt werden: es ist recht übel ..., dasz die poesie einen besonderen namen hat und die dichter eine besondere zunft ausmachen. es ist gar nichts besonderes. es ist die eigentümliche handlungsweise des menschlichen geistes. dichtet und trachtet nicht jeder mensch in jeder minute? Novalis 4, 175
Minor; so ist mir izt unmöglich, etwas anderes zu dichten oder zu trachten, zu denken oder zu schreiben als Oberon Wieland
in briefe an J. H. Merck (1835) 1, 197
Wagner. auch gesprengt und in verbindung mit andern synonymen verben: (
die seele) trachtet, sinnet, tichtet und denket auch viel unnützen und ihr oftmals schädlichen, ja ganz unergründlichen sachen nach
ganskönig vorr. (:) 3
b; man tichte, trachte, thu oder lasse, was man immer wolle Butschky
kanzlei (1666) 3, 198.