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Toll

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Adelung
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22 in 19 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Toll

Bd. 4, Sp. 621
Toll, -er, -este, adj. & adv. ein Wort, in welchem der Begriff einer Art eines ungestümen Geräusches der herrschende zu seyn scheinet. Es bedeutet überhaupt, ein solches ungestümes betäubendes Geräusch verursachend und darin gegründet. 1. Im weitesten Verstande, wo man es im gemeinen Leben noch in allen den Fällen gebraucht, wenn jemand ohne Noth ein betäubendes Geräusch verursacht, es geschehe aus welchen Bewegungen es wolle. Ein toller Mensch. Ein toller Lärm. In den gemeinen Sprecharten mancher Gegenden hat man auch das Zeitwort tollen, einen betäubenden Lärmen verursachen. 2. In einigen engern und theils figürlichen Bedeutungen. (1) Aus Zorn oder Trunkenheit ungestüm tobend. Ein toller Kopf, welcher leicht in einen ungestümen Zorn geräth. Du wirst mich noch toll machen, ungestüm zornig. Da es denn in der vertraulichen Sprechart oft für zornig überhaupt gebraucht wird, besonders als ein Nebenwort. Da dieß der König hörte, ward er toll, 2 Macc. 7, 39. Ich bin so toll auf ihn, daß ich ihn prügeln möchte. Toll und voll seyn, im höchsten Grade betrunken. Etwas toller Weise thun, in der Trunkenheit. (2) Aus Beraubung des Verstandes und Bewußtseyns tobend und rasend. Ein toller Hund, ein rasender, wüthender. Toll werden. Tolle Personen, welche man einsperren oder an Ketten legen muß. Toll verbindet hier nebst dem Begriff des Wahnsinnes auch noch den Begriff des ungestümen und mit Beschädigung seiner und anderer begleiteten Tobens. (3) Figürlich. (a) Des gehörigen Gebrauches des Verstandes und Bewußtseyns beraubt, ohne den Nebenbegriff des ungestümen Lärmens, daher alsdann auch der harte Nebenbegriff wegfällt. Jemanden mit Schreyen den Kopf toll machen, zum vernünftigen Bewußtseyn unfähig. Der tolle Pöbel, der unvernünftige, ungestüme Pöbel. Bist du toll? des gesunden Verstandes beraubt? (b) Seltsam, wunderlich, in der vertraulichen Sprechart. Ein tolles Kleid. Ein tolles Betragen. Das wäre doch toll. Anm. Im Nieders. dull, wo auch Dullerjaan, die tolle Laune, ein Anfall von Wuth und Zorn ist; im Schwed. mit vorgesetztem Zischlaute stollig, wo Stolle, ein Narr, ein toller Mensch ist, woraus zugleich die Verwandtschaft mit dem Lat. stolidus und stultus erhellet. Das doppelte l deutet auf ein Intensivum. Das Schwed. dålig, das alte Gothische dwala, und das alte Oscische dalivus, wahnsinnig, haben noch die einfachere Form. Es ist wenigstens sehr wahrscheinlich, daß der Begriff des ungestümen Lärmens der Stammbegriff ist. Verwandt sind damit das Englische doleful, traurig, Schwed. dålig, und das Lat. Dolor, vermuthlich, so fern der laute Ausbruch des Grames der Grund der Benennung ist. Bey dem Pictorius bedeutet toll auch stumpf und dumm,[] welche Bedeutung auch das Engl. dull hat. Wenn aber in einigen gemeinen Oberdeutschen Mundarten, einen etwas toll machen, so viel ist, als es ihm rauben, so scheinet es alsdann ein eigenes Wort zu seyn, welches ein Intensivum von dem Stammworte unsers tilgen, delere, seyn könnte. Mit andern Endlauten sind mit unserm toll auch toben, welches gleichfalls von der Beraubung des Verstandes gebraucht wird, Thor, Tos in Getöse und andere mehr verwandt.
3129 Zeichen · 49 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    tollst. M. (a), st. N. (a)

    Köbler Ae. Wörterbuch

    toll , st. M. (a), st. N. (a) nhd. Zoll (M.) (2), Tribut, Abgabe, Steuer (F.), Auflage Hw.: s. toln; vgl. an. tollr, as.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Toll

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Toll , -er, -este, adj. & adv. ein Wort, in welchem der Begriff einer Art eines ungestümen Geräusches der herrschende zu…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    toll

    Goethe-Wörterbuch

    toll [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Toll

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Toll , Karl, Graf von, geb. 1778 in Livland, deutscher Abstammung, war 1796 bereits Lieutenant, 1809 Bataillonschef, 181…

  5. modern
    Dialekt
    Toll

    Bayerisches Wörterbuch · +8 Parallelbelege

    Toll Band 3, Spalte 3,1838

  6. Sprichwörter
    Toll

    Wander (Sprichwörter)

    Toll 1. Doll ist glückhafftig. – Franck, II, 144 b ; Gruter, I, 22; Petri, II, 547; Lehmann, 345, 56; Egenolff, 157 b ; …

  7. Spezial
    toll

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    toll adj. 1 (verrückt) mat (mac, mata), striscé (-sciá, -sciada) 2 (ausgelassen) furius (-sc, -iosa), mat (mac, mata), s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit toll

338 Bildungen · 320 Erstglied · 14 Zweitglied · 4 Ableitungen

toll‑ als Erstglied (30 von 320)

Tollbumpel

SHW

Toll-bumpel Band 1, Spalte 1563-1564

Tolldatsch

SHW

Toll-datsch Band 1, Spalte 1563-1564

Tolles II

SHW

Toll-es II Band 1, Spalte 1563-1564

Tollkirsche

SHW

Toll-kirsche Band 1, Spalte 1563-1564

Tollkraut

SHW

Toll-kraut Band 1, Spalte 1563-1564

Tollmann

SHW

Toll-mann Band 1, Spalte 1563-1564

Tolltapp

SHW

Toll-tapp Band 1, Spalte 1567-1568

Tolltappch

SHW

Toll-tappch Band 1, Spalte 1567-1568

Tolltappes

SHW

Toll-tappes Band 1, Spalte 1567-1568

Tolltatsch

SHW

Toll-tatsch Band 1, Spalte 1567-1568

Tollwut

SHW

Toll-wut Band 1, Spalte 1567-1568

tollwütig

SHW

toll-wütig Band 1, Spalte 1567-1568

Tollandel

BWB

Tollandel Band 3, Spalte 3,1838

tollapfel

DWB

toll·apfel

tollapfel , m. , s. dollapfel th. 2, 1228: tollapfel sive liebapfel Stieler 1379 . Voss ged. 2, 229 ; die dollöpfel .. heiszen recht zuo lat…

tollartig

RhWB

toll·artig

toll-artig Malm-Bütgenb Adj.: schwindelig im Kopf; et es mir d.

Tollatsch

MeckWB

toll·atsch

Tollatsch Pl. -en f. ein Schlachtfestgericht; gekochte Klöße aus Mehl, Blut und Speckwürfeln mit Rosinen und Zucker werden in Scheiben zersc…

Tollbatsch(er)

ElsWB

toll·batscher

Tollbatsch(er) [Tòlpàtər Rixh. ; Tàlpàt Str. ] m. Dummkopf, ungeschickter, plumper Mensch (Schimpfwort).

Tollbatzen

RhWB

toll·batzen

Toll-batzen Kreuzn m.: verächtl. hastiger, sich überstürzender Mensch.

Tollbau

RhWB

toll·bau

Toll-bau Bergh , Jül . Grevbr , MGladb m.: der D. dohn das Feld doll 2 bα pflügen.

Tollbaud'

MeckWB

Tollbaud' a. Spr. -bode f. Zollbude, kleines Zolleinnehmerhaus: 'uppe der Thorgeloweschen heyde tů der tolbůde' (1369) UB. 16, 421; '(einen …

toll als Zweitglied (14 von 14)

dœmstoll

KöblerAn

dœmstoll , st. M. (a) nhd. Tribunal ÜG.: lat. tribunal

kuttentoll

DWB

kutten·toll

kuttentoll , mannstoll. Frisch 1, 561 a ; es ist nd., kuttendull Dähnert 263 b , Danneil 121 b , zu nd. kutte vulva, s. darüber kunte 4. das…

liebestoll

RDWB1

liebe·stoll

liebestoll (Lakune) liebestoll sein - сходить с ума от любви

mannstoll

Pfeifer_etym

manns·toll

Mann m. ‘erwachsener Mensch männlichen Geschlechts, Ehemann’. Die germ. Formen ahd. (8. Jh.), mhd. man (Genitiv mannes) ‘Mensch (männlichen …

manntoll

DWB

mann·toll

manntoll , adj. wie mannestoll, vgl. auch männertoll sp. 1577: schwärmt sie, mamsell, oder hat sie den teufel im leibe? manntolle musz sie z…

Sautoll

Wander

sau·toll

Sautoll Er ist sewtoll vnd voll. – Mathesy, 69 a u. 123 a .

schlāfftoll

Idiotikon

schlāfftoll Band 12, Spalte 1673 schlāfftoll 12,1673

tǖfelstoll

Idiotikon

tǖfelstoll Band 12, Spalte 1673 tǖfelstoll 12,1673

u(n)toll

Idiotikon

u(n)toll Band 12, Spalte 1673 u(n)toll 12,1673

Ableitungen von toll (4 von 4)

betollen

WWB

be-tollen V. stibitzen. Woi het mui muine Appels betollt? ( Höx Sb).

ertollen

DWB

ertollen , furere: diese aliena sapientia ist ein schwindelgeist, der da taubt ( tobt ) und ertollet wider alle menschliche art. Paracelsus …

tolle

DWB

tolle , m. schlag, streich ( vgl. ahd. tollôn, klopfen, streicheln? Graff 5, 401 ): ein schuoler so der geboset het, so gyt man im ein tolle…

vertollen

DWB

vertollen , verb. , zum adj. toll gebildet, ein vorzugsweise md. und nd. wort. virtollen, insipere Diefenbach gloss. 301 a ; vertollen, aust…